Das wars ... der Aktionstag am 14.9. in Giessen

Gegen Rassismus und Fremdbestimmung!
Stimme erheben statt abgeben!

Siehe auch:  Direct-Action-Seite +++ Terminlisten von Giessen, Marburg und Projektwerkstatt Saasen
Weitere Fotos und Berichte: Indymedia1 +++ Indymedia 2

Am 14.9. fand ein antirassistischer Aktionstag in Gießenstatt. Organisiert von verschiedenen Gruppen und Einzelpersonen mit offenenTreffen zur Vorbereitung. Der Aktionstag sah einen Rahmen vor, innerhalbdessen alle Gruppen und Menschen auch ihre eigenen Ideen umsetzen konnten.Doch viele wollten offenbar nicht bis zum Aktionstag warten ...

August/September

Plakat am Rande der 14.9.-DemoImmer öfter wurden in ganzen Orte um Giessen sowie auch Giessen selbst Wahlplakatemassiv verändert. Durch geziele Überklebungen wurde der Inhaltverdreht. Das Foto zeigt ein Plakat, im Hintergrund ein Teil der Demo am 14.9.-Aktionstag.Weitere Beispiele für Veränderungen:

  • Stoiberplakat: Statt "Zeit für Taten" nun "Zeit für Torten" oder "... für Tüten"
  • CDU-Plakat: Statt "Aufschwung beginnt mit den Köpfen" nun "Rassismus beginnt ..."
  • PDS-Plakat: Statt "Arbeit soll das Land regieren" nun "Keine soll das Land regieren"
  • Schröder-Plakat: "Statt "Ein moderner Kanzler für ein modernen Land" nun "... für ein mordendes Land" usw.
  • Die Polizei rief mehrfach über die Presse dazu auf, sachdienliche Hinweise zu geben, wer die Plakatfälschungen machte.
  • Mehr: Viele Beispiele, Fotos von veränderten Plakaten usw. unter Wahlquark.

Direct-Action-Vorbereitungstag

VorbereitungstagInder Projektwerkstatt in Saasen fand am 13.9. ein Vorbereitungstag statt:Theaterstücke entwerfen und Proben, Aktionsmaterialien zusammenstellen,Transpis malen usw. Dort entstand auch das Anti-Wahl-Mobil, daß amFolgetag als erstes von den Bullen komplett beschlagnahmt wurde.
Leider kamen nur sehr wenige Menschen und Gruppen zu diesem Treffen, so daßnicht alle Ideen verwirklicht werden konnten. Damit bleibt auch diesmal dieKritik, daß nur selten gut vorbereitete Aktionsgruppen agieren. Damitwerden Chancen vertan ...

Foto: Hof der Projektwerkstatt, rechts im Hintergrund der fast fertige Wagen.

Die Nacht vor dem Aktionstag

Text aus Sonntagmorgenmagazin, 15.9.2002 (Titelseite)

Fenster während DemoInGießen kam es zu mehreren Anschlägen gegen Einrichtungen im Zusammenhangmit Rassismus und Herrschaft. Zur Zeit sind noch nicht alle Informationengesammelt.
Aus den Medien sowie Angaben der Polizei sind bekannt:

  • Aktionen am Bahnhof (gegen BGS?)

  • Sprühereien an Gebäuden von Gericht/Staatsanwaltschaft, u.a. laut Presse der Spruch "Feuer und Flamme für Knast/Justiz und Staat!"

  • Brandanschlag auf das Landgericht

Nähere Infos siehe im obigen Zeitungsartikel (Sonntagmorgenmagazin,15.9.2002, Titelseite), weiteres zur Presse unten. Die Demoroute am Folgetag führte an den genanntenAnschlagsorten vorbei - zusammen mit den vielen veränderten Plakatenlinks und rechts des Weges eine nette und symbolische Kulisse (Foto: Bullensicherungvor den zugenagelten Fenstern während des Aktionstages am 14.9.).
Polizeifahrzeuge überwachten nach dem Anschlag bis ca. Uhr morgens dieProjektwerkstatt in Saasen, drangen aber nicht in das Gebäude ein.

Demoauftakt am Bahnhof: Die Bullenmacht ist aufmarschiert ...

Seite des Anti-Wahl-MobilsSchonbeim Vorbereitungsgespräch versuchten Ordnungsamt und Pozilei, die Urheberschaftfür Aufrufe zu Aktionen rund um die Demo sowie deren Sinn zu erforschen.Völlig unerwartet erfuhren sie nix ... die Aktionen in den Tagen vorhermögen sie zusätzlich erwogen haben, richtig fett aufzufahren. ZumZeitpunkt des Beginns der Demo überfielen die Bullen das Grundstückdes Infoladens und durchsuchten Autos und Personen. Auf dem Bahnhofsvorplatzwurde das Anti-Wahl-Mobil beschlagnahmt (siehe Foto ...), was tags zuvor beim Vorbereitungstagzusammengebaut wurde. Nicht nur der Hänger, sondern auch das ziehendeFahrrad samt persönlichem Kram eines Aktivisti, der mit dem Fahrradgekommen war, wurden von den Bullen gezockt. Eine Rechtsgrundlage konntendie Bullen nicht nennen. Polizeiführer Wiese, der sich in diesem Streitnach Vorwürfen willkürlichen Handelns selbst mit "Ich bin Gott"titulierte, behauptete, es sei mit Anzeigen z.B. wegen Beleidigung zu rechnenund daher würde man das Beweismaterial schon jetzt sicherstellen. DiePozilei weigerte sich zudem eine Liste der beschlagnahmten Materialien zuübergeben - auch von der Seite ist die Beschlagnahme illegal. Aber ...wer die Macht hat, hat das Recht. Und auf den Rechtsstaat sich positiv zubeziehen, heißt die Spielregeln anzuerkennen. Also machten die Bullendas, das in einem Herrschaftssystem zu erwarten ist!

Seite des Anti-Wahl-Mobils
Mobil von hintenDie Fotos zeigen den Hänger vor der Abfahrt (oben die Seitenflächen, untendie Rückseite. Schon bei der Anfahrt war er Blickfang - auf der Demo fehlteer nun ...

Auf dem Bahnhofsvorplatz wurden zudem mehrere kleine Gruppen von den Bullengefilzt, teilweise dafür auch mini-gekesselt. Einer Person wurde vomBGS ein Platzverweis sowie mehrfach von der Polizei die Festnahme angedroht.
Fast alle Stöcker an Transparenten wurden beschlagnahmt, ebenso ein Holzschild mit Spruch.

Alle Teilnehmis erhielten einen Zettel mit Stadtplatz, wichtigen Punkten,sonstigen Infos, Telefonnummern usw. sowie einen Kurztext mit Rechtstippsbei Bullengewalt, Verhaftung usw.

Bemerkenswert war noch die ständig am Rand stehende Führungsrunde.Neben den Ober-Bullen stand dort der Gießener Bürgermeister Haumann(CDU) und die PressevertreterInnen. Nach unseren Beobachtungen ließsich die Presse alle Informationen von der Polizei geben, fotografierte auchdie Bullenübergriffe nicht und nahm nicht einmal Kontakt zu DemonstrantInnenauf. Auch die Presseinformationen mit dem Aufruf zur Demo waren schon inder Presse verschwiegen worden. Das war ein klares Bild für die Existenzvon elitären Seilschaften als Steuernde des demokratischen Regimes.


Der Umzug bis zur Innenstadt

Mit erheblicher Verzögerung ging es los - ca. eine Dreiviertelstundehatten die Bullen mit Kontrollen und Beschlagnahmen die Demo aufgehalten.Leider gab es zu diesem Zeitpunkt nur wenige kreativ-widerständige Handlungenseitens der DemonstrantInnen, die meist eher in ihren Zusammenhängenirgendwo herumstanden. Erst nach einer halben Stunden konnten ca. 30 Menschendazu bewegt werden, wenigstens die Straße einzunehmen, um mehr Druckauf die Bullenmacht auszuüben. Das wirkte auch. Es gab dann einen erstenRedebeitrag des Gießener Antifa-Cafes zum Thema Rassismus (Text hier ...).
Demo kurz vorm Selterstor (E-Klo)Ganzanders als diese Vorphase entwickelte sich die Demo selbst schnell zu einerbunten, lautstarken und druckvollen Demo. Ca. 150 Demonstrantis, Trommeln,Musik, Sprechchöre und mehr erzeugten viel Aufmerksamkeit. Zudem warenviele inhaltliche Transparente dabei - auch ein gute Vermittlung nach außen.Der erste Haltepunkt nach der Strecke Bahnhofstraße, Liebigstraßeund Frankfurter Straße war das Selterstor (Elephantenklo). Schon beider Ankunft schauten viele PassantInnen von der Plattform zu uns herab (sieheFoto). Die Taktik, sich öffentlichkeitswirksam im Straßenraumaufzuhalten, ging auf - hier wie an anderen Kreuzungen hatten die Bullenimmer größte Mühe, mit Drohungen sowie an der letzten Kreuzung(Berliner Platz) auch direkterer Gewalt die Fahrbahnen freizuschieben.

Beim E-Klo (Selterstor) gab es einen Redebeitrag gegen Justiz und Knästesowie Abschiebehaft (frei gehalten ... daher hier kein Text).

Anschließend ging es weiter durch Westanlage, Reichensand, Bahnhofstraßeund Katharinengasse zum Hauptkundgebungsort Hiroshimaplatz, der bereits inder Innenstadt lag. Links und rechts machten die Bullen ein lockeres Spalier.

Innenstadt

Kundgebung HiroshimaplatzAufdem Hiroshimaplatz gab es eine längere Kundgebung mit Redebeiträgevon MigrantInnen (mit Übersetzung). Das erste Foto zeigt diese Situation.Redetexte liegen uns nicht vor, zum Teil wurden die Reden auch frei gehalten.

Auf dem weiteren Weg schnitt die Demo mehrfach die Fußgängerzoneund endete auch dort. Die Bullen errichteten dort ein dichtes Spalier, umdie Wahlstände zu schützen. Die Route führte über dieGoethestraße und Südanlage zum Berliner Platz. Dort verhindertendie Bullen eine Kundgebung, indem sie diese von der Straße abdrängten.Jedes Wahlplakat wurde von Bullen geschützt (siehe Foto unten).
Die Demo endete dann nach dem weiteren Verlauf durch Neuen Bäue undFußgängerzone am Kugelbrunnen in der Mitte Gießens. Währendder Abschlußkundgebung sicherten Bullen erneut nach beiden Seiten perdichtem Spalier die Wahlstände (Foto). Ein Redebeitrag zu konkretenHandlungsmöglichkeiten im Alltag gegen Rassismus bildete den Abschluß (Text hier ...).
Bullen sichern Wahlstände

Nach der Auflösung verteilten sich viele DemostrantInnen in der Innenstadt- doch nur der PDS-Wahlstand konnte noch besucht werden, alle anderen warenschon geflohen ...
Bullen bewachen Plakat

Weitere Fotos, Bilder usw. von der Demo

Front-Transparent
Front-Transpi mit Sprüchen:
"Herrschaft abwählen!" (links) und
"Lieber einen anständigen Aufstand als einen Aufstand der Anständigen"(rechts mit Bild, wo Figur rechte Symbole zerschlägt).


Schild auf dem Rücken eines Aktivistis

Deutschland-Wahlurne
Oben: Schild auf dem Rücken eines Aktivistis.
Links: Deutschland-Wahlurnen als Teil des geplanten Theaters zur Anbetung der Demokratie,später vor dem Knast mit Füßen getreten (Wahlurnen-Fußball)und in kleinen Fetzen auf Bullen geschnibselt.

Kundgebung vor dem Knast

Transparent vor dem KnastAb17 Uhr lief dann die Kundgebung vor dem Gießener Knast. Hier sitzenUntersuchungs-, Straf- und Abschiebehäftlinge (letztere beim Absitzeneiner Haftstrafe mit anschließender Abschiebung). Die Demo wurde zueiner bunten Party auf der Gutfleischstraße. Die Bullen sicherten linksund rechts mit vielen Wannen die Gerichtsgebäude ab, vor allem dort,wo nachts zuvor der Brandanschlag stattfand. Aus dem Knast heraus reagierteneinige Gefangene, riefen und winkten mit Tüchern. Musik und einige Rede,u.a. mit Berichten aus dem Inneren des Gießener Knastes prägtendas ca. 1,5stündige Geschehen. Hauptslogen, immer wieder gerufen: "DieMauer muß weg!".

  Anti-Knast-Seiten im Internet hier ...

P.S. Schöne Grüße andie Schafherden des 14.9. in Köln. Ihr habt was verpaßt ... undwußtet das vorher. Why?

Reaktionen

  • Presse: Das war schon ein beeindruckendes Verhalten. Im Vorfeld wurde der Aktionstag nach unseren Beobachtungen in keiner (!) Tageszeitung veröffentlicht - weder in der regionalen Presse noch in den sich immer "links" gebenden Blätter aus den PDS-Seilschaften usw. Selbst die Bundestagswahlbeilagen und -sonderseiten vermieden überall Verweise auf den Aktionstag oder die Wahlquark-Seite (Ausnahme: Bildzeitung, die wenigstens hetzte). Am Aktionstag dann standen die regionalen Pressevertreter immer bei der Polizei bzw. beim Gießener CDU-Bürgermeister Haumann. Trotz der Einladung zu einem Pressegespräch nahmen sie nicht einmal Kontakt zu DemonstrantInnen oder beteiligten Gruppen auf. Deutlich sichtbar wurde so regional der widerliche Filz der herrschenden Eliten aus Politik, Medien und Exekutive, überregional wurde der Haß gerade vieler "Linker" auf radikal herrschafts- und staatskritische Strömungen sichtbar. Die linken Eliten dieser Gesellschaft sind die Staats-Fans schlechthin - so auch ihre Medien. Ohne den Brandanschlag und die inhaltlich vermittelnden Sprühereien wäre alles wahrscheinlich komplett verschwiegen worden. Sehr deutlich zeigt sich somit der Wert gezielter Militanz als Propaganda der Tat!
    Die regionalen Blätter brachten getrennte Berichte zu Aktionstag und Anschlag. Der Haß der Journalisten auf kreativ-widerständige Aktionen wurde erneut sichtbar (wie schon in den Tagen davor: Beschimpfungen von Aktivistis gegen Westerwelle und Fischer bei deren Wahlveranstaltungen, Nichtankündigung von Demo/Aktionstag). Die Bild berichtete vom Anschlag ähnlich ("politischer Wirrkopf"). In der taz wurde nur der Anschlag (ohne Nennung des politischen Motivs), in der FR nur der Anschlag (mit Nennung des gesprühten Spruchs) erwähnt. Der Aktionstag wurde komplett verschwiegen - vorher und hinterher. Die Junge Welt verhielt sich wie die FR. Alle drei sind seit Monaten die "Jubelperser" von Attac - das zeigt auch die Berichterstattung nach dem 14.9.2002. Auf dem Junge-Welt-Titel wehen Attac-Fahnen und der Titelautor schreibt: "Nach der Abschlußkundgebung auf den Jahnwiesen konstatierte ATTAC-Sprecher Sven Giegold, noch nie hätten in der Bundesrepublik so viele Menschen unter ATTAC-Fahnen demonstriert."

Seite mit gescannten Presseberichten
Presseberichte im Netz: Netzzeitung.de +++ Gießener Anzeiger zum Anschlag +++ Gießener Anzeiger zum Aktionstag +++ taz +++ FR

  • Das Anti-Wahl-Mobil ist weiter verschollen bei den Bullen. Ein Brief mit der Aufforderung um unverzügliche Rückgabe ist an die Bullen gefaxt (Wortlaut bei Indymedia).

Strafanzeige

An die Staatsanwaltschaft Gießen
   (zur Kenntnis: Presse in Mittelhessen)

Anzeige wegen bewaffneten Raubüberfall, Bildung einer kriminellenVereinigung und Amtsanmaßung mit Raub von Fahrrad, Anhänger, Kleidungund mehr am 14.9. ca. 12.15 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz Gießen

Sehr geehrte Damen und Herren,
am 14.9.2002 wurde ich gegen 12.15 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz von mehrerenbewaffneten und weitgehend einheitlich gekleideten Männern überfallen.Mit wurde unter Androhung von Gewalt ein Fahrrad samt Kleidung (in den Satteltaschen)und ein Fahrradanhänger gestohlen. Zudem wurde einer weiteren Personunter gleicher Androhung etwas anrissen. Die bewaffnete Horde transportiertealles Raubgut in einen dafür bereitstehenden Wagen. Einige der beteiligtenbewaffneten Räuber gaben zur Tarnung an, daß sie der Polizei angehörten,ein anderer (ihr Wortführer, der an seiner Jacke die Biotoptypbezeichnung„Wiese“ trug) behauptete von sich „Ich bin Gott“. Doch es fiel auf, daßdas nur vorgeschoben war, weil es dann für das Handeln eine Rechtsgrundlagehätte geben müssen. Die Räuber gaben aber auf Nachfrage selbstzu, keine zu haben. Außerdem hätte es ein Beschlagnahmeprotokollgeben müssen, was die Räuber ebenfalls weder mir noch dem anderenMann gaben. Daher dürfte feststehen, daß es sich um eine kriminelleVereinigung handeln dürfte.
Auch habe ich das Polizeipräsidium angefaxt, wie es bei Ihnen ausseheum Fahrrad, Anhänger usw., jedoch keine Antwort erhalten. Offenbar istdort nichts bekannt, so daß die Vermutung eines bewaffneten Raubüberfallssich verstärkt.

Für Ihre Fahndung kann ein Foto hilfreich sein, daß den Raubüberfall zeigt. Es ist unter http://www.de.indymedia.org/2002/09/29670.shtml
Ich stelle hiermit Strafantrag.

Mit freundlichen Grüßen

Repressionsandrohung und Schikanen der Behörden

Verfahren wegen Diebstahl etc. Fahrrad beleidigt PolitikerInnen? Vielleicht ganz eventuell etwa möglicherweise ... äh ... Diebstahl?


16.10.2002:
Hausdurchsuchung der Projektwerkstatt! Bericht auf Indymedia ...

Mai 03: Anti-Wahlmobil, Fahhrad & PC werden rausgegeben ...

rausgabe

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