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Erneuerbare Energie und Profit

Profitorientierung ++ Zentralisierung ++ Solaranlagen in der Landschaft ++ Bio-Sprit & Co. ++ Scheuklappen ++ Pro Atom ++ Links


Realsatire: Titel eines Anlage-Werbeblattes ... der Fonds heißt tatsächlich so!

Heiteres Zitateraten: Wer hat das Folgende gesagt?
1. "Hören Sie doch mit dieser ewigen Hetze gegen Atomkraft auf. Kümmern wir uns lieber um existierende Probleme statt um mögliche."

2. "Gaskraftwerke lassen sich schnell hoch- und runterfahren und sind unverzichtbar, um das stetig wachsende, aber wetterbedingt schwankende Angebot erneuerbarer Energie zu ergänzen."
(Lösungen unten auf der Seite)

Nur Geld im Kopf?

Rechts: Nichts als Rendite und Prozente ... Windenergiewerbung 2013

Aus: Umweltkontor-Magazin, Nr. 1/2001, Werbeprospekt der Firma Umweltkontor
Kann Geld anlegen Sünde sein?
Nein, natürlich nicht: ... Der Markt für ökologische und ethische Kapitalanlagen ist eines der wenigen Wachstumssegmente auf dem Kapitalmarkt. ... Dieser Venture-Capital-Fonds investiert vor allem in dynamisch wachsende Unternehmen der regenerativen Energiebranche. Ziele des Venture Capital Fonds sind neue Produkte oder Projekte, deren Erfolgsaussichten groß, deren Risiken jedoch ebenfalls nicht gering sind, bis zur Marktreife zu entwickeln, z.B. die gigantischen Offshore-Projekte der kommenden Jahre. Unternehmen, die sich an diese Produkte und Projekte wagen, brauchen neben einem qualifizierten Management vor allem eines: Kapital.

Aus "Beschleunigtes Wachstum", in: Junge Welt, 10.11.2008 (S. 9)
Doch nicht alles, was glänzt, ist Gold. Wie so oft in neuen Branchen, lassen auch bei den Herstellern von Windanlagen und Solarzellen Arbeitsbedingungen und Entlohnung mitunter zu wünschen übrig. Hartmut Meine, Bezirksleiter der IG Metall in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, berichtete am Samstag auf der Demonstration gegen den Atommülltransport im Wendland, »daß in der Windkraft- und Solarenergie­branche Arbeitgeber demokratische Mitbestimmungsstrukturen mit rüden Methoden systematisch verhindern«. Namentlich Enercon-Chef Aloys Wobben griff Meine an, ließ aber zugleich an seiner Unterstützung der Anti­Atomproteste und der alternativen Energie keinen Zweifel aufkommen. Bei Deutschlands größtem Hersteller von Windkraftanlagen werde die Bildung von Betriebsräten verhindert. Trotz staatlicher Förderung halte sich das Unternehmen nicht an demokratische Spielregeln.

Aus "Bürger machen Strom", in: taz vom 19./20.4.1997 - Hinweis: Der Trend hatsich noch verschärft, die KritikerInnen aber sind verstummt oder abserviert.
DerTrend zum Abschreibungswindpark ist kaum noch zu stoppen. Viele Kapitalanlegerhaben den Windstrom für sich entdeckt. Durch auswärtige Investorensinkt die Akzeptanz bei der Bevölkerung.
DieAnzeige kallt ins Auge: "Rendite bei 38 U/min" heißt es vieldeutig.Mit einer 13prozentigen Ausschüttung, "von der andere nur träumen",lockt eine Betreibergemeinschaft Kapitalgeber für Investitionen ineinen Windpark an der Ostseeküste. Erbost über dieses marktschreierischeKohlemachen mit dem Wind griff Manfred Lüttke vom Bundesverband ErneuerbareEnergie zur Feder. "Sie erweisen damit der Windenergie und wohl auch sichselbst einen Bärendienst. Sie helfen mit den dem Ast zu sägen,an dem die Windkraft und ihre Aktivitäten befestigt sind", schrieber an den Finanzdienstleister. ...
"WIrbekommen immer öfter zu hören, da kommen die Wessis mit dem dickenPortemonnaie und verdienen sich auf unserem Boden eine goldene Nase", beschreibtWolfgang Daniels von der Vereinigung Erneuerbare Energien in Sachsen dieSituation.
AuchRalf Mehr von der Regionalgruppe Türingen des Bundesverbandes WindEnergie(BWE) spürt die wachsende Verstimmung: "Wenn hier Investoren wie Staubsaugervertreterauftreten, um sich ertragreiche Standorte zu sichern, hinterlassen siemeist verbrannte Erde".

Die Ausrichtung der Energiewende auf Profitabilität (im Kapitalismus die zu erwartende Orientierung) hat Konsequenzen, denn Profit entsteht durch die Ausbeutung von Natur (Rohstoffe, Fläche, Luft, Klima usw.) und Menschen (Arbeiter_innen, ungefragt Betroffene und Konsument_innen). Kapitalistische Wirtschaft wird daher immer zu unsozialen und umweltzerstörenden Formen der Produktion und Vermarktung neigen. Im Artikel "Der CO2-Fußabdruck von Solarstrom" schreibt Irene Böttig in Sonnenenergie 1/2016 auf Seite 30, dass sich die Umweltfreundlichkeit der Herstellung von Solarzellen in den letzten Jahren verschlechtert hat. Produktionsorte und -ländern mit stärker umweltbelastenden Produktionsbedingungen konnten ihren Anteil am Weltmarkt erhöhen.

Zentralität und Monopole im Regenerative-Energien-Bereich

Die Energiewende, vor Jahrzehnten gestartet und heute eines der wichtigsten gesellschaftlichen Debatten- und Investitionsfelder, hatte und hat große politische Unterstützung. Anfangs stand hinter der Idee vor allem widerständige Bewegungen, allen voran gegen die Atomanlagen. Aus ihnen haben etliche AkteurInnen den Weg in Firmen, Parlamente oder regierungsberatende Institute gefunden. Mit der Gestaltungsmacht von Bewegungen und entstehenden Firmen wäre die Durchsetzung nicht nur einer anderen Energieerzeugungstechnik, sondern auch der Machtverhältnisse in der Energieerzeugung möglich gewesen. Nur: Umweltverbände, -institute und -parteien wollten das überhaupt nicht. Die Schwarzwaldgemeinde Schönau blieb das einzige Beispiel, wo BürgerInnen sich selbst den Einfluss auf die Energiepolitik sicherten. Überall anders herrschen heute die Gesetze des Kapitalismus. Ja, noch schlimmer: Die Energiewende war Schmieröl für den neoliberalen Umbau der Gesellschaft. Riesige Steuermittel flossen in immer größere und zentralere Energieanlagen. Die Forschungsförderung bevorzugte Monopolbildung durch Großanlagen. Riesige Windenergieanlagen oder Solarwüsten mögen umweltfreundlicher sein als Kohle- und Atomkraftwerke. Machtstrukturell sind sie ähnlich: Die Produktionsmittel sind zentralisiert, der Strom muss über anonyme Märkte verkauft werden. Bedarfsorientierte Produktion findet nicht statt. Eine der Folgen ist der notwendige Ausbau von Infrastruktur, denn wenn der Strom ganz woanders gewonnen als er gebraucht wird, sind neue Hochspannungstrassen und andere Einrichtungen nötig. Längst ersetzen regenerative Energien die umweltzerstörende Energieinfrastruktur nicht, sondern erfordern deren weiteren Ausbau. Das war nicht nötig, sondern so gewollt. Ökos wurden im Zuge ihres neoliberalen Wandels in den 90er Jahren zu den SteigbügelhalterInnen neuer Geschäftsfelder und Bereicherungsstrategien - durchaus auch zum Nutzen ihrer eigenen Kassen.

Aus Gotelind Alber: "Eine vom Boom überrannte Vision", in: umwelt aktuell 11/2011 (S. 6 f.):
Vor 30 Jahren träumte die Avantgarde der „Alternativenergie" nicht nur davon, Kernkraft und Kohle durch Sonne und Wind zu ersetzen, sondern auch von einem anderen Gesellschaftsmodell. Doch heute gehorchen die meisten Erneuerbaren-Unternehmen den Börsenzwängen. ...
Was ist mit der Vision geschehen, die die erneuerbaren Energien nicht nur als technologische Innovation, als Substitut für Kernkraft und Kohle, sondern als Element eines anderen Gesellschaftsmodells betrachtete? Ein Gesellschaftsmodell, das auf Dezentralisierung und Demokratisierung sowohl der Energieerzeugungsstrukturen als auch der gesellschaftlichen Strukturen basierte, das Überschaubarkeit, Vielfalt, Gerechtigkeit, Beteiligung garantierte und die Wachstumslogik zugunsten von Kreislaufwirtschaft und qualitativem Wohlstand infrage stellte.
Diese Vorstellungen sind durch den Boom der Branche überrannt worden. Zwar gibt es noch Unternehmen wie etwa Wagner Solar, die sich im Besitz der Belegschaft befinden und dieser weitgehende Beteiligung ermöglichen und die sich über ihr Kerngeschäft hinaus gesellschaftlich engagieren. Im Dschungel der Ökostromanbieter existieren auch noch die echten Ökos, zum Teil noch in Zeiten gegründet, als von „Alternativenergie“ gesprochen wurde, und es gibt zahlreiche Genossenschaften, die am Wachstum der Branche beteiligt sind. Doch das sind die kleineren Anlagen, während die Größe der durchschnittlichen Neuinstallationen ungeahnte Ausmaße erreicht. ...
Die Mehrheit der größeren Unternehmen ist mittlerweile börsennotiert, in einige haben sich große Investoren eingekauft, etwa eine Schweizer Finanzholding beim Solarzellenhersteller Q-Cells. Das schafft Sachzwänge und verändert Unternehmensphilosophie und -klima. Gleichzeitig macht das rasche Wachstum die Unternehmen fragil. Die fetten Gewinnmargen trieben die Aktienkurse hoch, mit dem entsprechenden Risiko für die AnlegerInnen, denn die Konkurrenz, vor allem aus China, schläft nicht, zumal viele der Unternehmen immer stärker exportabhängig geworden sind.
Damit schwimmt die Erneuerbaren-Branche im Mainstream und droht sich der traditionellen Energiewirtschaft anzunähern, die umgekehrt ebenfalls auf den Zug aufgesprungen ist. So will jetzt zum Beispiel der französische Öl- und Gaskonzern Total seinen um über 50 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gewachsenen Überschuss sinnreich investieren und plant die Übernahme der Mehrheit am US-Solarunternehmen Sunpower für etwa 1,4 Milliarden US-Dollar.
Vor allem Offshorewindenergie erfordert große Investitionen und damit entsprechende Investoren. Deshalb plant jetzt etwa Blackstone, eine US-Investmentgesellschaft mit zwiespältigem Ruf, den Bau mehrerer Windparks in der Nordsee, nachdem die Vergütung für Offshorewindkraft nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz erhöht wurde. Das hat mit der ursprünglichen Vision von dezentraler Struktur und Kontrolle nichts mehr zu tun. ...
Zahlreiche Investoren in Erneuerbaren-Anlagen machen durch den gesicherten Einspeisetarif gute Gewinne. Auch hier stehen vor allem Männer auf der Gewinnerseite. Bei Banken und Beteiligungsgesellschaften beträgt der Frauenanteil an Einlagen und Beteiligungen im Bereich der erneuerbaren Energien zehn bis 25 Prozent. Dies betrifft sowohl die Anzahl der AnlegerInnen als auch den Umfang ihrer Beteiligungen. Bei lokalen und regionalen Solarinitiativen sieht die Situation ähnlich aus, auch dort liegt der Frauenanteil in der Regel zwischen zehn und 30 Prozent, der Anteil der gezeichneten Anteile ebenfalls.

Voraussehbar war, dass die Energieanlagen, wo sie nun unter dem Diktat von Markt und Profit standen, selbst immer weniger umweltfreundlich werden würden. Zwar bot das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ausreichende, z.T. üppige Vergütungen für den produzierten Strom, aber in einer Welt der totalen Verwertung gibt es keine Sättigung des Profitstrebens. Jede zusätzliche Möglichkeit wird genutzt - und das ist eben immer auch die Ausbeutung von Mensch und Natur. Solarwüsten in der offenen Landschaft, Offshore-Windanlagen mit riesigem Stromleitungsbedarf und Maismonokulturen auf immer mehr Ackerflächen sind kein Betriebsunfall, sondern die logische Folge daraus, sich auf die Mechanismus der Profitmaximierung einzulassen.

Aus Pomrehn, Wolfgang: "Verhinderungsstrategie", in: Junge Welt 27.11.2010 (S. 9)
Viele der neuen Standorte liegen fernab der Verbrauchszentren. Insbesondere mit den in der Nordsee geplanten Windparks entstehen große Erzeugungskapazitäten, die mehrere hundert Kilometer von den industriellen Zentren entfernt sind. Verschärft wird as Problem noch durch neue Kohlekraftwerke, die an der Nordseeküste in Wilhelmshaven, Stade und Brunsbüttel entstehen sowie durch die Verlängerung der AKW-Laufzeiten, wodurch das Stromangebot in Nordwestdeutschland weiter erhöht wird.

Aus "Ökostromanbieter – ein Auslaufmodell", auf: www.klimaretter.info am 31.10.2013
Greenpeace Energy, die Elektrizitätswerke Schönau oder Lichtblick reden nicht gern darüber: Der Strom der bekannten Ökoanbieter kommt fast vollständig aus dem Ausland, vor allem aus Wasserkraftwerken in Norwegen und Österreich. Dass er dort produziert wird und nicht vom Windrad oder Solardach um die Ecke kommt, ist nicht ihre Schuld. Der gesetzliche Rahmen und der Wettbewerb geben kaum etwas anderes her.
Auch Stadtwerke würden für ihre Kunden gern Ökostrompakete schnüren, mit "echtem", zertifiziertem Grünstrom aus der Region statt von weit her. Oder wenigstens aus Deutschland, möglichst dezentral und verbrauchsnah erzeugt, wie es Umweltschützer immer wieder fordern. Vielleicht sogar zu einem hohen Anteil selbst gemacht, wie es unter anderem Ziel der Bürgerentscheide in Hamburg und Berlin ist. Doch auch sie können nicht zaubern. Sie haben ein Problem, das quer zur Debatte um die Ökostromförderung liegt.
Der Grund liegt im deutschen Fördersystem, dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Im Grundmodell sind die Übertragungsnetzbetreiber verpflichtet, den Ökostrom von den Anlagenbetreiber aufzukaufen. Und zwar nach festen Vergütungen, die wegen der höheren Erzeugungskosten deutlich über den Börsenpreisen für Strom liegen. So wird Solarstrom von Dachanlagen beispielsweise je nach Größe mit 9,7 bis 14,1 Cent je Kilowattstunde vergütet, Windstrom an Land mit einer Anfangsvergütung von 8,9 Cent.
Der teure EEG-Strom wird dann von den Netzbetreibern an der Strombörse zu seinem Marktwert verkauft. Die Kilowattstunde kostet hier zurzeit nicht einmal vier Cent. ...
In diesem System versinkt der Grünstrom nicht nur im großen Stromsee, aus dem die übergroße Mehrzahl aller Verbraucher beliefert werden. Er verwandelt sich rechtlich auch in sogenannten Graustrom. Man kann ihn nun nicht mehr als Grünstrom im Paket kaufen, denn er verliert für die Weitervermarktung das begehrte Ökosiegel. ...
Im Ergebnis können also weder Stadtwerke noch Ökostromhändler an der Börse reinen EEG-geförderten Strom ersteigern, um ihn zuzüglich aller Umlagen, Steuern und Vertriebskosten als Ökostromtarif ihren Kunden anzubieten. Selbst wenn sie den Grünstrom in eigenen Anlagen produzieren, muss er aus Gründen der Wirtschaftlichkeit in den anonymen Stromsee fließen statt an die eigene Kundschaft. Denn nur so können sich die Unternehmen die Mehrkosten der Erzeugung über die EEG-Vergütung zurückholen. Würden sie darauf verzichten, hätten sie zwar eigenen Ökostrom im Angebot. Sie müssten einen Ökostromtarif jedoch je nach Bezugsquelle zwischen vier und zehn Cent teurer machen als den üblichen Graustrom der Grundversorgung, der für private Verbraucher knapp 29 Cent je Kilowattstunde kostet. Die Zahlungsbereitschaft für reinen Ökostrom liegt nach Untersuchungen des Umweltministeriums jedoch nur bei Zusatzkosten von maximal zwei Cent. ...
Kurzum, Erzeuger, die den Herkunftsnachweis "Ökostrom" erhalten wollen, müssen in der Direktvermarktung auf jede Förderung verzichten. Doch heimischer und zugleich ungeförderter Ökostrom ist nur konkurrenzfähig, wenn er aus größeren Wasserkraftwerken stammt, die preislich mit Kohle- oder Atomstrom mithalten können. Weil es die in Deutschland kaum gibt, bleibt am Ende als wirtschaftliches Angebot für zertifizierten Ökostrom nur preiswerter Wasserkraftstrom aus Skandinavien oder den Alpen.

Solarwüsten


Abgefeierte neue Rekord-Solaranlage in Sachsen, aus: Photon 3/2007 (S. 44)

Im Original: Mehr Faszination für überbaute Landschaft ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden





Beispiel: Neue Solaranlage Vorher und nachher



Oben: Werbe-Rundbrief von Umwelt-Aktionsdepot Welt & Deutschland), 22.2.2006 ++ Unten: Bild aus der FR, 9.10.2006 (S. 2)


Aus Photon 5/2007 (S. 22):


Aus Jung, Susanne: "Solarstromanlagen auf Wiesen?", in: Solarbrief 3/07 (S. 30)
Noch immer sind in Deutschland nur wenige Dächer und Fassaden mit Solaranlagen belegt. Solange es genügend freie Dach- und Fassadenflächen sowie ungenutzte Lärmschutz-Einrichtungen gibt, ist es nicht einzusehen, dass PV-Anlagen auf Freiflächen installiert werden müssen.

Bei einem Bauerntreffen am 3.3.2013 in Alsfeld erzählten mehrere Anwesende, dass durch den Ankauf von Photovoltaikflächen die Preise für den Boden sich mehr als verdoppelten und sie so nicht mehr an Land kämen. Auch eine Folge des Ganzen ...

Im Original: Solar in der Wüste (Desertec & Co.) ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Hermann Scheer, in: FR, 20.6.2009 (S. 20)
Mehr Sonne gleich billigerer Sonnenstrom: Das leuchtet vielen spontan ein, und Großprojekte faszinieren anfangs immer. Daher kommt der mediale Effekt des Desertec-Projekts der Sonnenstromlieferung für Europa aus der Sahara. Dabei wird übersehen, dass wir seit 2000 mit dem Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) ein Großprojekt realisieren - jedoch mit vielen dezentralen Anlagen, die Großkraftwerke überflüssig zu machen beginnen. ...
Wirtschaftlich entscheidend ist nicht das Verhältnis zwischen Sonne oder Wind und Stromertrag, sondern das zwischen Stromertrag und tatsächlichem Investitionsaufwand. Dieser ist bei dezentraler Anwendung mit ihren vermiedenen Stromtransportkosten deutlich niedriger. ...
Vor allem aber geht es um ökonomische Strukturen. Wie sähe unsere Wirtschaftsstruktur aus, wenn alle Produktionen mittelständischer Firmen ersetzt würden durch Großkonzerne, weil diese durch Massenfertigung zu niedrigen Stückkosten kommen können? Die Wirtschaft wäre weniger innovativ, es gäbe Preisdiktate, ganze Wirtschaftsregionen würden versteppen und die Verkehrsströme zunehmen, und es gäbe weniger Arbeitsplätze. Eine nur mit erneuerbaren Energien mögliche Dezentralisierung der Stromerzeugung in vielen Händen mit einem Comeback der Stadtwerke ermöglicht überall regionale Wertschöpfung. Dieser Vorzug ist für die ökonomische Entwicklung allemal bedeutender als isolierte Energiepreiskalkulation. Die Chance der erneuerbaren Energien liegt in diesem Systemwechsel, nicht in der Kopie atomarer und fossiler Großkraftwerke.


FR-Jubelkommentar über Pläne der Großkonzerne für eine Riesensolaranlage in der Sahara, in: FR, 16.6.2009
Mit Sahara-Strom gegen den Klimawandel. Eine faszinierende Idee. Wissenschaftler und Umweltschützer powern schon seit Jahren für das Projekt. Die Idee: Gigantische Solarparks in Afrika liefern preiswert Öko-Elektrizität, und diese wird dann mit mit Fernleitungen nach Europa transportiert.
Bislang war das reine Zukunftsmusik. Denn: Das Konzept ist gut, aber die Finanzierung war wegen der gigantischen Kosten völlig ungeklärt. Das könnte sich nun ändern. Rund 20 Konzerne - darunter der Stromversorger RWE, der Technologieriese Siemens und die Deutsche Bank - wollen offenbar in das Zukunftsgeschäft einsteigen. ...
Ein Selbstläufer wird der Sahara-Strom nicht werden, auch wenn die Konzerne die Chancen nun entdeckt haben und der Ökostrom irgendwann einmal "Big Money" zu werden verspricht. Ohne aktive Mitgestaltung der Politik - das heißt der Europäischen Union und der nordafrikanischen Länder - wird "Desertec" ein Blütentraum bleiben.
Werbetricks für Solarenergie?
Solarstrom verschwenden!


Foto aus der Sonnenenergie 7/2007 (S. 27)

Solar-Kapitalismus

Erneuerbare werden zunehmend zum Bankenthema ... (Pressemitteilung 14.3.2008)

Vorwort von Anne Kreutzmann in der Zeitschrift Photon 12/2007 (S. 3)
Johannes Lackmann ist zurückgetreten. Ende November erklärte der Vorsitzende des Bundesverbandes Erneuerbare Energien (BEE), er wolle sein Amt zum Jahresende abgeben. Damit packt der Cheflobbyist der Erneuerbare-Energien-Branche seine Siebensachen, Lackmann will nicht mehr, und eigentlich will er auch nicht Lobbyist genannt werden.
Immer mehr Firmen achteten nur noch aufs Geld, interessierten sich aber nicht mehr für die Energiewende, beklagt er im PHOTON-Interview. Um aber »beliebige wirtschaftliche Interessen durchzusetzen« solle man besser »einen Super-Lobbyisten« suchen und bezahlen. Johannes Lackmann hingegen ist das, was man gemeinhin einen Überzeugungstäter nennt. Er hat den BEE, dem er seit 1999 als ehrenamtlicher Präsident vorsteht, in Eigeninitiative aufgebaut und finanziell mitgetragen. jetzt reicht es ihm. Die »neue Energiewirtschaft« laufe Gefahr »zu einem Bestandteil der alten korrupten Abzockermonopole« zu werden.
Natürlich wird sie das. Kein Lackmann der Welt kann das verhindern. Die Erneuerbare-Energien-Branche wird eine ganz normale Industrie, ganz normale Unternehmen werden versuchen, ihre Gewinne zu maximieren und dafür unter anderem auch ganz normale Lobbyarbeit machen. Sie werden also die gleichen Methoden der Einflussnahme und Manipulation anwenden wie RWE, Eon und Co. ...
Natürlich wäre es schön, wenn der Wechsel von fossilnuklearen zu regenerativen Ressourcen gleichzeitig zu einer »Redemokratisierung« (Lackmann) der Energiewirtschaft führen würde. Doch danach sieht es derzeit nicht aus. Zwar ist gerade die Solarenergie prädestiniert für kleine, dezentrale Anlagen. Aber sie lässt sich eben auch in großen Kraftwerken nutzen.
Außerdem verquicken sich ohnehin die Interessen von »alt« und »neu«, weil die konventionelle Energiewirtschaft zunehmend in das Geschäft mit erneuerbaren Energien drängt. Diese werden immer lukrativer, fossile Kraftwerke dagegen immer unkalkulierbarer.

Solar-Manager für Atomkraft

Thomas Krupke, Chef des Berliner Solarmodulherstellers Solon, in: Tagesspiegel, 21.7.2008
Atomkraft ist nichts, was meiner Ansicht nach forciert werden sollte, weil es gefährlich ist. Die Verlängerung der Atomkraftwerke kann aber eine Zwischenlösung sein. Das gilt aber nur für die modernen Werke der zweiten Generation. Da kann man gerne drei bis fünf Jahre drauflegen.

BürgerInnenbeteiligung wegräumen - Umweltschutz von oben

Aus Michael Müller/Kai Niebert (2009): "Epochenwechsel", Ökom München (S. 152 f.)
Wind gibt es bei uns genug, insbesondere wenn die Offshore-Potenziale in der Nord- und Ostsee einbezogen würden, jedoch gibt es auch genug bürokratische Hindernisse. Beispielsweise Vorschriften, die den Abstand zwischen einer Ortschaft und dem nächsten Windrad oder die Höhe der Windtürme regeln. Sie führen dazu, dass weniger Windkraftanlagen vorhanden ist, als technisch möglich wären. ...
Eines der entscheidenden Hemmnisse ist, dass eine Erneuerung des Kraftwerkparks in der Regel der Zustimmung der lokalen Behörden bedarf. Manchen Bürgern und Politikern sind die Windanlagen jedoch ein Dorn im Auge, denn die neuen Maschinen sind größer und erfordern höhere Türme, um kräftig Strom zu produzieren. ...

Bio-Diesel, Palmöl und andere


Grafiken zur Entwicklung der Bioethanolgewinnung aus Nahrungsmitteln weltweit (links) und in Deutschland (rechts). Quelle: Auf Bild klicken!

Energiebilanz und Umweltzerstörung

NEUE STUDIE: "BIOKRAFTSTOFFE" DIE SCHLECHTESTE OPTION
Eine ehrgeizige neue Studie, die versucht, 11 mögliche zukünftige Energiequellen nach ihrer Erwünschtheit zu klassifizieren, kommt zu dem Ergebnis, das Biokraftstoffe die am wenigsten erstrebenswerte ist. Die Studie stellt fest, dass Ethanolnutzung am meisten Klimaschäden, Luftverschmutzung, Schäden von Boden und Natur sowie chemische Abfälle verursacht. Die Studie ist in der Zeitschrift ‘Energy and Environmental Science’ veröffentlicht worden.

Im Original: Bio-Sprit mit schlechter Klimabilanz ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus "Biosprit aus Raps und Mais ist als Klimakiller im Verdacht", in: FR, 2.10.2007 (S. 12 f.)
Die Klimabilanz von Biosprit ist möglicherweise deutlich schlechter als bisher angenommen. Die Nutzung von Biodiesel oder Bioethanol kann den Treibhausgas-Ausstoß sogar erhöhen. Das meldet eine internationale Arbeitsgruppe um den Mainzer Chemieprofessor und Nobelpreisträger Paul Crutzen. ...
Bei Raps-Diesel kann die Treibhauswirkung der Studie zufolge im Extremfall sogar um 70 Prozent höher sein, als beim konventionellen Treibstoff. Biobenzin aus Mais liegt geringfügig besser; je nach Anbaubedingungen kam die Crutzen-Gruppe auf eine Klimaentlastung um zehn Prozent oder einen erwärmenden Effekt von 50 Prozent. Durchweg klimagünstig ist die Bilanz nur bei Ethanol aus Zuckerrohr, das aber nur in wärmeren Zonen, etwa Brasilien, wächst. Die Entlastung beträgt hier zehn bis 50 Prozent.

Kommentar "Hungern für Biosprit?" von Felix Ekardt in der gleichen Ausgabe der FR (S. 11)

Aus einem Interview mit Martin Kaiser (Greenpeace), in: Junge Welt, 15.11.2007 (S. 8)
Wie sieht denn die Schadstoffbilanz aus, wenn ich meinen Diesel-PKW mit Palmöl betanke? Vermeide ich damit überhaupt CO2-Emissionen?
Nein, die Bilanz ist negativ. Was aus den Torfböden an CO2 in die Luft gelangt, überwiegt erheblich die CO2-Einsparungen, die durch den Einsatz des in den Plantagen gewonnenen Palmöls als Kraftstoff erzielt werden. Deshalb appellieren wir dringend an die politischen Entscheidungsträger in Deutschland, keine überzogenen Beimischungsquoten für Agrosprit festzulegen.


Aus "Biosprit heizt Klimawandel mächtig an", in: FR, 8.2.2007 (S. 20)
Die Produktion von Biosprit kann den Klimawandel in vielen Fällen drastisch beschleunigen. Allein durch das Anpflanzen von Mais, Raps oder Palmöl entstehen oft mehr Treibhausgase als durch die daraus gewonnenen Biokraftstoffe eingespart werden.

Aus "Maistreibstoff schlimmer als Benzin" (vom 21.4.2014)
Agrokraftstoffe, die aus den Resten der Maispflanze hergestellt werden, bringen für die Erdatmosphäre mehr Schaden als Nutzen. Wie eine von der US-Regierung in Auftrag gegebene Studie ergab, sorgen solche Agrokraftstoffe in den ersten Jahren für sieben Prozent mehr Treibhausgase - verglichen mit herkömmlichem Benzin.

Aus einer Pressemitteilung des Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien (GIGA) vom 26.08.2014
Studie zeigt: Die Biospritproduktion ist ein treibender Faktor beim internationalen Kampf um Anbauflächen
Im Original: Agrarwüsten und Regenwaldzerstörung ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus "Autos ernähren", in: Junge Welt, 28.10.2006 (S. 9)
Inzwischen sind »Bio«-Treibstoffe zum Big Business geworden und werden als die perfekte Lösung angesichts der globalen Klimaveränderung angepriesen. Nach dieser Logik brennen jedes Jahr Teiler der Regenwälder auf Borneo für einen guten Zweck. Sie machen Platz für lukrative Palmölplantagen, die den Rohstoff für Biodiesel liefern. ... Zwar vermindern sich durch Biodiesel die CO2-Emissionen, auf der anderen Seite stehen aber diverse Umweltbelastungen. Anbau, Ernte, Verarbeitung und Transport verbrauchen bereits einen erheblichen Anteil der aus Biodiesel gewinnbaren Energie. »Flächen, auf denen Ethanol oder Biodiesel erzeugt werden, liefern nur einen sehr geringen Nettoenergieertrag«, so Professor Konrad Scheffer, Agrarwissenschaftler von der Universität Kassel. »Die Energie, die für die Erzeugung dieser Rohstoffe benötigt wird, ist fast ebenso groß wie die im gewonnenen Treibstoff aus den angebauten Energiepflanzen. Wir brauchen aber kein Nullsummenspiel, sondern vernünftige Erträge.« ... n Deutschland steht derzeit noch großflächiger Rapsanbau zur Produktion von Biodiesel im Vordergrund, doch der vermeintliche umweltfreundliche Sprit wird längst selbst zum Umweltproblem. Wissenschaftler der Universität Göttingen haben herausgefunden, daß beim Rapsanbau pro Hektar und Jahr bis zu 3,6 Kilogramm Lachgas (Distickstoffoxid) freigesetzt werden. Das ist als Treibhausgas rund 300mal so wirksam wie Kohlendioxid. Auch die gesundheitsschädlichen Aldehyd- und Stickoxidemissionen liegen bei Biodiesel höher als bei konventionellem. Zudem belasten Düngemittel und Agrargifte Boden und Gewässer.In den Anbauländern bedeutet die Anlage großflächiger Palmölplantagen in der Regel Regenwaldvernichtung, Menschenrechtsverletzungen und verschärfte Ausbeutung. Durch Brandrodung werden beispielsweise in Indonesien in manchen Jahren mehr als eine Milliarde Tonnen CO2 freigesetzt, was etwa 15 Prozent der weltweit von Menschen verursachten Emissionen mit Kohlendioxid entspricht. In Malaysia sind derartige Plantagen seit 1985 für 87 Prozent der Waldverluste verantwortlich. Zu behaupten, man könne mit dem auf dieser Grundlage erzeugten »Bio«diesel das Weltklima retten, ist mehr als zynisch.
Dazu kommt, daß der großfflächige Anbau von Energiepflanzen eine große Gefahr für die Nahrungsmittelproduktion darstellt.

Aus "Der Acker ist kostbar", in: FR, 13.1. 2006
Agrarexperten haben der OECD letztes Jahr reinen Wein eingeschenkt: die USA werden für den Ersatz von nur zehn Prozent ihres Kraftstoffverbrauchs im Jahr 2004 30 Prozent ihrer Agrarfläche brauchen, die EU der 15 alten Mitglieder gar 72 Prozent. Auch ein Blick auf die gesamte Agrarernte der Welt von grob 5 Milliarden Tonnen agrarischer Biomasse samt Wurzeln, Halmen und Blättern zeigt: es wird eng. Energetisch bringt die globale Gesamternte gerade mal etwa 15 Prozent des globalen Energieverbrauchs. Überspitzt formuliert: selbst wenn wir das Essen einstellen, werden wir mangels Bio-Energie zu Hause bleiben müssen und frieren. ...
Nein, Land- und Forstwirtschaft können und sollen den Verkehr der Zukunft nicht powern. Notwendig ist vielmehr: weniger und sparsam fahren und alle anderen Energiequellen nutzen, um außer Strom und Wärme auch Kraftstoff verfügbar zu machen. In einer Übergangszeit wird insbesondere Erdgas, möglicherweise als Spezial-Diesel, Öl-basierte Kraftstoffe ergänzen; dazu müssen wir viel Erdgas im Strom- und Wärmemarkt einsparen bzw. ersetzen. Langfristig erscheint es nicht unwahrscheinlich, dass die Autos der Zukunft hauptsächlich Elektro-Fahrzeuge sind - Batteriefahrzeuge, die mit Strom aus der Steckdose geladen werden, oder Brennstoffzellen-Fahrzeuge, die Wasserstoff tanken.
Die knappen Äcker der Welt und das in vielen Regionen knappe Wasser werden wir brauchen, um neun Milliarden Menschen gut zu ernähren.


Ausgerechnet in der FR wird vom Ex-Öko-Journalisten Wille für Bio-Sprit vom Gentech-Konzern VerBio geworben
Aus Wille, Joachim, "Der Schumi-Sprit" in: FR, 18.4.2007 (S. 8)
Vorne kommt Getreide rein, hinten (Bio-)Ethanol raus. Das ist das Prinzip, das die Biokraftstoff-Firma Verbio in der 2006 in Zörbig bei Bitterfeld eröffneten Fabrik mit 40 Millionen Euro zur Perfektion gebracht hat. Ethanol ist Alkohol, der im Auto PS und Kilowatt produzieren kann. Er ist ein Benzin-Ersatz, aber auch ein Benzin-Zusatz, der dem normalen Sprit bis zu fünf Prozent beigemischt werden kann, ohne dass man die Motoren verändern müsste. Und, neben dem bereits seit 15 Jahren eingeführten Biodiesel aus Raps, die zweite Hoffnung von Umweltschützern und Autoindustrie, den Verkehrssektor klimafreundlicher zu machen. ...
Klein könnte zufrieden sein. "Die Technik läuft problemlos", sagt er. Wäre da nur nicht die Politik. Die nämlich hat die Biosprit-Erfolgsstory verhagelt - und zwar so sehr, dass die Branche am heutigen Mittwoch der Bundesregierung mit einer Protestkundgebung und Verfassungsbeschwerden auf die Pelle rückt. Grund: der Einbruch beim Biodiesel um 40 Prozent. Ausgelöst ist der durch, erstens, die entgegen den alten Zusagen von Rot-Grün 2006 neu eingeführte Besteuerung des vorher befreiten Ökosprits und, zweitens, den gesunkenen Preis von Erdöl-Diesel. Zehn Prozent der Betriebe, die den grünen Treibstoff herstellen, sind schon pleite oder stillgelegt, sagen die Verbände. Auch Verbio, die Nummer eins in der Branche, erlebte einen heftigen Einbruch - beim Biodiesel, den die Firma in Bitterfeld und in Schwedt herstellt, aber eben auch beim Newcomer Bioethanol.


Aus FR, 12.4.2007 (S. 24)
Die Energieproduktion auf dem Acker hat nach Überzeugung des hessischen Bauernverbands-Präsidenten Friedhelm Schneider auch in Hessen eine große Zukunft. Rund 40 Prozent ihres Einkommens könnten die Landwirte schon bald mit dem Anbau von Energiepflanzen erzielen, sagte Schneider. "Wir werden zwei Schienen fahren: Produktion für den Teller und den Tank. Wir können beides", sagte Schneider.
Die Einspeisung von Biogas ins öffentliche Netz sei effektiver als die Stromerzeugung in kleinen Gas-Anlagen. "Das ist das, was wir wollen", sagte Schneider. Das Agrar-Gas könne nicht nur die Energieversorgung sichern helfen, sondern werde auch umweltfreundlich und klimaschonend produziert.

Wenn es die 'Richtigen' tun, wird es automatisch gut? Junge Welt lobt Bio-Kraftstoffe in Kuba
Aus "Pro Umwelt, kontra Erdöl", in: Junge Welt, 22.2.2007 (S. 15)
Im Vergleich zu fossilen Brennstoffen ist die Stromerzeugung aus Zuckerrohr viel billiger. Die Kosten je Kilowattstunde liegen bei ungefähr einem Viertel. Umweltfreundlicher ist diese Variante der Energiegewinnung auch. Der CO2-Gehalt in der Atmosphäre bleibt konstant.

Jetzt auch Soja
Aus "Biodiesel-Absatz schrumpft gewaltig", in: FR, 24.3.2007 (S. 11)
Um ihre Belastung zu senken und weil die die Rapsanbauflächen begrenzt sind, greifen die Hersteller auf billiges Import-Soja zurück: Laut Schmid liegt der Soja-Anteil bei Biodiesel im Jahresschnitt bei 20 Prozent, BBK-Präsident Schrum schätzt ihn sogar auf das Doppelte.

Aus Norbert Suchanek, "In Piauí droht Kahlschlag", in: Junge Welt, 1.9.2008 (S. 9)
Das Becken des Rio Parnaíba ist bedroht durch rücksichtslosen Kahlschlag für Holzkohle und Feuerholz, durch Soja-, Rizinus- und Brechnuß-(Jatropha)Plantagen. Mit dem geplanten Bau von fünf Wasserkraftwerken bestehe die Gefahr, daß mehr als 2,5 Millionen Menschen ihre Trinkwasserquellen verlieren, kritisiert die lokale Wasserschutzinitiative Funáguas (FUNDAÇÃO ÁGUAS DO PIAUÍ). ...
Leider sind in ganz Brasilien diese Cerrados, so Funáguas, bereits zu etwa 80 Prozent zerstört. Oder sie wurden zu Soja-Monokoulturen degradiert bzw. abgeholzt um Holzkohle und Brennstoff zu gewinnen. Diese vermeintliche »grüne Energie« treibt Sojaverarbeitungsfabriken und Hüttenwerke an – deren Exporte vor allem nach Japan, Deutschland und in die USA gehen. ...
Die zweite große Profitquelle Piauís heißt Biodiesel. Das Bundesland soll, oder besser gesagt sollte, zu einem brasilianischen Zentrum der Biodieselproduktion auf Basis von Rizinusanbau und kleinbäuerlicher Landwirtschaft werden. Das zumindest war die Absicht der zu etwa 45 Prozent der Deutschen Bank gehörenden Agrarspritfirma Brasil Ecodiesel und deren großzügiger Unterstützer, wie Präsident Inacio »Lula« da Silva und Piauís Gouverneur Wellington Dias.
Im Original: Bioenergie und Hunger ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Bio-Energie schafft Nahrungsmittelknappheit, in: Junge Welt, 22.1.2007 (S. 9)
Was auf der einen Seite der Grenze als Durchbruch für eine umweltfreundliche Energiegewinnung gefeiert wird, schürt auf der anderen Seite die Angst ums tägliche Überleben. In den USA erleben Biotreibstoffe einen ungekannten Boom. Die negativen Folgen spüren vor allem die Armen im südlichen Nachbarland Mexiko: Hier wird der Mais knapp – und deshalb immer teurer.

Anbau für Biodiesel verdrängt Landwirtschaft
Aus Klas, Gerhard: "Auto schlägt Bauer", in: Junge Welt 8.2.2007, (S. 9)
Die Hoffnungen, mit Hilfe von Biosprit den CO²-Ausstoß zu senken, sind immer noch groß. Beruhigt der Einsatz von Biokraftstoff doch nicht nur das ökologische Gewissen umweltbewußter Autofahrer, sondern bietet angeblich sogar eine Entwicklungsperspektive für die armen Länder des Südens. Hauptsächlich dort sollen die begehrten Ölpflanzen angebaut werden. Der senegalesische Präsident Abdoulaye Wale träumte sogar von einer »grünen OPEC«, die den Erdölländern Konkurrenz machen würde. Auch die westlichen Agrarkonzerne hofften auf prächtige Geschäfte. Großflächige Monokulturen für Mais, Palmöl, Zucker, Raps und andere biospritfähige Sorten versprachen neue Absatzmärkte für gentechnisch manipuliertes Saatgut, Kunstdünger und Pestizide. ...
Neben US-amerikanischen und europäischen Landwirtschaftsbetrieben bauen vor allem Brasilien, Argenti­nien, Kolumbien und Malaysia die Monokulturen für den Biosprit an. Indonesien gehört mit zu den Ländern, die heute schon die negativen Auswirkungen zu spüren bekommen. Der Inselstaat soll mit großflächigen Palmölkulturen nicht nur einen Teil des Biospritbedarfs der EU sichern, sondern auch den des boomenden China. ...
Umweltschützer und kritische Agrarwissenschaftler gehen davon aus, daß die Palmölerzeugung in Südostasien nur ausgeweitet werden kann, wenn dafür Regenwald abgeholzt wird und auf Äckern, die bisher dem Anbau von Nahrungsmitteln dienten, künftig das Rohmaterial für den Biosprit angepflanzt wird. Für viele Bauern bedeute der Anbau schon heute den »Verlust ihrer Existenzgrundlage«, erklärt die Menschenrechtsorganisation Watch Indonesia. ...
Auch der Vorschlag der EU-Kommission, bis zum Jahre 2020 einen Anteil von zehn Prozent Biosprit im Kraftstoff festzuschreiben, ist nicht ohne Risiken. Der Landwirtschaftsdirektor der OECD, Stefan Tangermann, warnte: Wenn mit Äthanol zehn Prozent des herkömmlichen Treibstoffs in Europa ersetzt werden sollten, müsse auf dem Kontinent ein Drittel der gesamten Ackerfläche für den Anbau von Energiepflanzen genutzt werden. Die Folge: Lebensmittel würden erheblich teurer. ...
Autofahrer, die auf eine umwelt- und sozialverträgliche Alternative zu den fossilen Energieträgern setzen, müssen sich also wohl oder übel mit dem Gedanken anfreunden, künftig auf spr
itsparendere Verkehrsmittel wie die Bahn oder das Fahrrad umzusteigen, wollen sie nicht das Brot der Welt in ihren Motoren verfeuern.
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Subsistenz-Zerstörung: Die vertriebenen BäuerInnen
Aus der Zeitung "Regenwald-Report 3/07" (S. 3)
Der Bauer ist eines von 20.000 Opfern der Palmölindustrie im Distrikt Jambi auf Sumatra. Vor ein paar Jahren war ein Mann in sein von Plantagen umgebenes Dorf gekommen und hatte vorgeschlagen, eine Genossenschaft zu gründen und ein paar Hektar Gemeindewald in Palmölplantagen umzuwandeln. Er versprach den Bauern, dass sie endlich am großen Palmölboom mitverdienen könnten. Aber statt ein paar Hektar holzte das Unternehmen über Nacht mehr als 600 Hektar Dorfwald ab. So erschlich sich Kresna Duta Agrikindo die Besitzurkunden für das Land. Seit dem Vorfall haben die Bauern kein Einkommen mehr von ihrem Grund und Boden, denn jetzt gehört die Plantage dem Großkonzern SinarMas.

Vertreibung und Morde
Aus der Zeitung "Regenwald-Report 3/07" (S. 4 f.)
Innocence Dias starb einen grausamen Tod. Seine Mörder stachen sieben Mal auf ihn ein und schnitten ihm die Kehle durch. Jahrzehntelang hatte er den Guerillakrieg im kolumbianischen Departement Antioquia und den Terror durch paramilitärische Gruppen und Drogenbarone überlebt. Innocence Dias starb paradoxerweise, weil die Welt durch „grüne“ Energie besser werden soll.
Sein Fehler war, dass er sein Land nicht an eine Gruppe von Paramilitärs verkaufen wollte, die eines Tages in seinem Dorf Llano Rico auftauchte. Nach dem Mord gab Dias` Familie auf und floh. Heute wachsen auf dem Land der Vertriebenen Ölpalmen der Agrarsprit-Firma Urapalma, mit der die Paramilitärs zusammengearbeitet haben.
Große Regenwaldflächen sind in dem südamerikanischen Land inzwischen in Palmöl-Plantagen verwandelt worden, angeheizt durch den „Energiedurst“ in den Industriestaaten auf sogenannte „umweltfreundliche“ Energie aus nachwachsenden Rohstoffen. Der Boom hat katastrophale Konsequenzen für Tausende kolumbianische Kleinbauern. ---
Die Hoffnung, Energie aus nachwachsenden Rohstoffen könne die Macht der Öl-, Energie- und Autoindustrie brechen, ist eine naive Ansicht. Der Agrarsprit-Boom wurde nicht ausgelöst von Umweltaktivisten oder Politikern, die ein echtes Interesse daran haben, die Klimakatastrophe und Umweltzerstörung zu verhindern. Die Lawine losgetreten haben die weltweit mächtigsten Multis und ihre politischen Lakaien.
Mit dabei sind riesige Konzerne aus der Öl-, Auto-, Chemie- und Gentechnik- Industrie und globale Investment-Fonds. Nahrungsmittelmultis wie Cargill und Archer Daniels Midland Company (ADM) kontrollieren schon heute die Lebensmittelproduktion in weiten Teilen der Erde. Die Agrarenergie eröffnet ihnen zusätzliche Märkte. Superkonzerne wie Monsanto, Syngenta, Bayer und BASF investieren wie wild in Agrarpflanzen, die den Anforderungen der Agrarsprit- Produzenten entsprechen. Noch gezieltere und höhere Erträge verspricht die Gentechnik-Industrie. ---
Die Verbio AG verwandelt hauptsächlich Rapsöl in Agrardiesel, arbeitet aber an Verfahren, um verstärkt Soja- und Palmöl verwenden zu können. Andere deutsche Unternehmen investieren in Holland und Belgien, die mit ihren Häfen Rotterdam und Antwerpen die größten europäischen Umschlagsplätze für Agrarsprit werden wollen. E.ON und RWE planen den Bau kombinierter Steinkohle- und Biomassekraftwerke. Die Südzucker-Tochter CropEnergies errichtet eine Ethanolfabrik im belgischen Wanze.


Ausgerechnet das Erneuerbare-Energien-Gesetz sponsort die Tropenwald-Abholzung
Aus der Zeitung "Regenwald-Report 3/07" (S. 14)
Der katastrophale Palmöl-Boom in deutschen Kleinkraftwerken geht also paradoxerweise auf Bestimmungen zurück, mit denen die Regierung eigentlich den Absatz umweltfreundlich erzeugten Stroms sichern wollte. Im Rahmen des EEG müssen die großen Elektrokonzerne den Strom aus Wind, Sonne und Biomasse abnehmen und eine Vergütung von 11,5 Cent je kW/h zahlen. Dazu kommen im Rahmen der „Nachwachsende Rohstoffe-Verordnung“ zusätzlich 6 Cent NaWaRo-Bonus pro kW/h.
Massentierhaltung und Biogas

Aus einem Text beim Rundfunk Berlin-Brandenburg am 27.2.2008
Ökostrom ist in, jetzt kommt Bio-Gas. Die Hamburger Firma Lichtblick bietet das neue Produkt an: Biogas, das dem Erdgas zugesetzt wird. Die erste Anlage entsteht derzeit in Jüterbog. Was das Unternehmen verschweigt: Das Biogas wird aus Schweinegülle erzeugt, neben der geplanten Biogas-Anlage entsteht eine riesige Schweinemastanlage für tausende Tiere. Der Vorteil für die Massentierhalter: Sie können die anfallende Gülle problemlos entsorgen und müssen sich keine Sorgen um die Genehmigung ihrer Anlage machen. Massentierhaltung dank Umweltbewusstsein, eine neue Liaison.

Aus "Grüne Energie aus Massentierhaltung", in: Agro-Sprit (Sonderdruck Münchner Stadtgespräche Mai 2008, S. 23)
LichtBlick bezieht sein Biogas vor allem aus einer Großanlage im brandenburgischen Jüterbog. Laut Unternehmensangaben werden darin „Maissilage und Gülle von den landwirtschaftlichen Betrieben aus der Umgebung“ vergoren. Über dem Pressetext verströmt eine treu blickende Kuh vor grüner Wiese Naturnähe, Freilandhaltung und gutes Gewissen für den potenziellen Kunden. Sauberer Strom aus umweltfreundlichen Kraftwerken wird suggeriert, bezogen von bäuerlichen Betrieben und aus nachhaltiger Produktion. Leider sieht die Realität anders aus. Die Biogasanlage Jüterbog ist mit einer Kapazität von 1,7 Megawatt eine der größten Anlagen dieser Art in Brandenburg. Um die Dimensionen deutlich zu machen: Insgesamt sollen rund 24.500 Tonnen Schweinegülle und 31.500 Tonnen Maissilage jährlich vergoren werden. Laut Angabe der Epuron GmbH, der die Anlage gehört, werden Gülle und Maissilage „von einem angrenzenden Schweinemastbetrieb sowie der Agrargenossenschaft Jüterbog geliefert.“
Konkret bedeutet dies zum Beispiel, dass die Ernte von etwa 2000 Hektar Mais in die Anlage gekippt wird. Diesen Mais bezieht Epuron von der Jüterboger Agrargenossenschaft, einem agroindustriellen Großbetrieb. Statt naturnahem Anbau ist damit der Einsatz von Agro-Chemikalien wie Kunstdünger und Pestiziden garantiert. Auch der Schweinemastbetrieb ist mit 10.000 Mastplätzen das Gegenteil von dem, was sich der ökologisch bewusste Kunde erwartet.

Gentechnik und Bio-Sprit

Genmanipulierte E.coli-Bakterien sollen Biosprit aus Zuckerrueben herstellen
Aus "Bakterien produzieren Butanol" von Alexandra M. Goho, in: Telepolis, 30.1.2008
Auf der Suche nach besseren Biotreibstoffen, mit denen sowohl Benzinverbrauch und als auch CO2-Ausstoß reduziert werden sollen, setzen Forscher zunehmend auf gentechnisch veränderte Mikroorganismen. Das jüngste Beispiel ist eine abgewandelte E. coli-Variante, die besonders effizient Butanol produzieren soll.

Biogasfirma BKN mischt beim Gentechnik-Schaugarten in Üplingen mit
Aus einer Pressemitteilung vom 30.9.2009
Die BKN biostrom AG hat auf dem Gelände des Stiftungsguts Üplingen unweit der Sachsen-Anhaltinischen Hauptstadt Magdeburg ein neues Schulungs- und Technologiezentrum eröffnet. Das Schulungszentrum wird Lehrgänge für Betreiber von Biogasanlagen anbieten und anderen Interessierten die Gelegenheit geben sich über das Thema Biogas zu informieren. In einem Demonstrationslabor können Lehrgangsteilnehmer Einblicke in die Durchführung von Substrat- und Gärrestanalysen erhalten.
Darüber hinaus sollen überregionale Veranstaltungen mit Referenten aus der Landwirtschaft, der Pflanzenzüchtung und natürlich dem Bereich der Erneuerbaren Energien, die Themen zukunftsorientierte Landwirtschaft und Energieerzeugung interessierten Kreisen näher bringen. ...
Im Stiftsgut Üplingen entsteht Schritt für Schritt ein Kompetenzzentrum für nachhaltige Entwicklung (Center for Sustainable Development - CSD). Dort werden die regionalen und überregionalen Kompetenzen gebündelt, in den unterschiedlichen Teilprojekten zur Entwicklung des ländlichen Raums angewendet und damit die Erschließung innovativer Handlungsfelder ermöglicht. So befindet sich z.B. unmittelbar angrenzend der Schaugarten Üplingen der Biotechfarm GmbH&Co. KG, in dem Feldversuche mit neuartigen Pflanzenzüchtungen anschaulich demonstriert werden. Bedeutende Unternehmen der Saatguterstellung wie KWS Saat AG oder Monsanto führen hier ihre Feldversuche in Zusammenarbeit mit Biotechfarm durch. Der Standort Üplingen ist so mit gebündelter Kompetenz im Bereich der nachhaltigen Landwirtschaft ausgestattet.

Massive Umweltprobleme durch Anbau von Energiepflanzen
Im Original: Naturzerstörung durch Bio-Energie ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus "Warnung vor dem Pflug", in: FR, 13.7.2007 (S. 21)
Energiepflanzen wie Mais und Raps konkurrierten mit der Nahrungs- und Futtermittelproduktion und müssten zugleich "im Einklang mit den Erfordernissen des Schutzes von Natur und Landschaft stehen", schreibt der Sachverständigenrat für Umweltfragen. ...
Auch in anderen Staaten wächst die Skepsis gegenüber Biokraftstoffen: So belegt eine Studie aus Australien, dass die dortigen Landwirte zwar durch die Energie vom Acker eine neue Einkommensquelle erschließen und zur Versorgungssicherheit beitragen. Doch bereits bei einer Kraftstoffbeimischung von lediglich zehn Prozent Bioethanol würde das Land in Dürrezeiten in Abhängigkeit vom Rest der Welt geraten: Dann müsste Australien Getreide einführen, um den Bedarf zu decken.

Aus "Weniger bringt mehr", in: FR, 13.7.2007 (S. 21)
Bereits das deutsche Ziel, bis 2010 einen Anteil von 6,75 Prozent zu erreichen, würde bedeuten, sämtliche Flächen, die hierzulande zur Verfügung stehen, für die Produktion von Kraftstoff zu nutzen. Diese Quote sei also nicht zu erreichen ohne Importe - die aber aus ökologischen Gründen umstritten sind.
Der Sachverständigenrat, der das Gutachten am Donnerstag, vorstellte, schlägt zugleich deutliche Einschnitte bei der Art des Anbaus von Biomasse vor. Die Intensivlandwirtschaft erweise sich bei Biomasseerzeugung als "umweltgefährdend": Der vermehrte Anbau von Raps und Mais "auf Kosten weniger umweltgefährdender Kulturen" falle dabei besonders ins Gewicht.
Wasserknappheit, Konkurrenz zur Nahrungsmittelerzeugung, schlechte Energieausbeute
Aus Börnecke, Stephan, "Biosprit mit Problemen: Vom Traum zum Alptraum", in: FR, 16.8.2007 (S. 18 f.)
Die Erzeugung von Bioenergie stößt zunehmend an ihre Grenzen: Knappe landwirtschaftliche Flächen, steigende Lebensmittelpreise wegen der Konkurrenz zur Nahrungsmittelerzeugung, drohende Wasserverschmutzung durch Intensivlandbau sowie schlechte Energieausbeute beim Biosprit kratzen am Image der vermeintlich klimaneutralen Energiegewinnung. Jetzt kommt auch noch das Wasserproblem dazu. ...
Die Wissenschaftler warnten in Schweden davor, dass vor allem der Anbau von Mais und Weizen für Biosprit das in weiten Teilen der Erde herrschende Wasserproblem weiter verschärfen könne. Allein den Wasserbedarf für Energiepflanzen beziffern die Experten auf 1200 bis 3500 Milliarden Kubikmeter Wasser pro Jahr.
Biosprit-Kapitalismus

Aus einer Presseinformation von DaimlerChrysler und Bayer auf der Seite www.econsense.de
Nachwachsende Rohstoffe - angesichts des weltweit steigenden Verbrauchs fossiler Rohstoffe und der Herausforderungen des Klimawandels stehen sie hoch im Kurs. Mit der Nutzung nachwachsender Rohstoffe verbinden sich große, gesamtgesellschaftliche Hoffnungen auf nachhaltige Lösungen beispielsweise in der Mobilität, der Energieversorgung sowie der Rohstoffsicherung. Unternehmen, Wissenschaft und Agrarwirtschaft arbeiten intensiv an einer verbesserten Nutzung der weltweit begrenzten landwirtschaftlichen Flächen und erschließen neue Verwertungs- und Anwendungspotenziale für nachwachsende Rohstoffe. Eine der vielversprechendsten Nutzungsformen sind die so genannten Biokraftstoffe, zu deren Erforschung und Optimierung erhebliche Anstrengungen unternommen werden.

Pro-Biosprit-Position beim Ex-Bioenergie-Boss Lackmann und dem Bund der Energieverbraucher
Aus Energiedepesche Juni 2009 (S. 12 f.)
Seit die Welt den Kiimawandel als eminente Bedrohung verstanden hat, bieten Biokraftstoffe einen Ausweg aus der Öl-Abhängigkeit irn Verkehrswesen. 2007 reduzierten sie in Deutschland bereits rund 15 Millionen Tonnen CO., und das bei nur 7,3 Prozent Anteil arn gesamten Kraftstoffmarkt. Die ,,Roadmap Biokraftstoffe" des Bundesumweltministeriums (BMU) vom November 2007 sprach sogar davon, dass „eine Steigerung der Biokrafistofienvendung auf 17 Prozent ehrgeizig, aber machbar sei". Millionen waren zu diesem Zeitpunkt in die Forschung und Entwicklung von Kraftstoffen aus Energiepflanzen wie Raps und Weizen geflossen. In Deutschland wurde eine Industrie aufgebaut, die heute als weltweit führend gilt.
Doch dann kam die Hysterie. Biokraftstoffe seien ineffizient und würden eher mehr Treibhausgase (THG) verursachen, weil die Regierungen in Indonesien und Brasilien Regenwaldgebiete für Palmöl und Soja vernichten. Und als 2008 die Nahrungsrnittelpreise in die Höhe schossen, waren Biodiesel und Bioethanol auch noch für weltweiten Hunger und Waldsterben verantwortlich. Die neue Parole hieß „Tank gegen Teller". Dabei decken sich die Vorwürfe nicht mit den Fakten. ...
„Tank gegen Teller"-Argumente entbehren jeder Grundlage ...
Tatsachen spielen in der Diskussion scheinbar keine Rolle mehr. Eine beispiellose Kampagne gegen Biokraftstoffe ist in Gang gekommen, bei der immer unsachlicher argumentiert wird und Umwelcschützer sich auf die Seite der sonst so verhassten Mineralölwirtschafistellen.

Bund-der-Energieverbraucher-Chef im Vorwort (S. 2):
Eine sinnvolle Alternative für versiegendes Öl ist Sprit vom Acker. Doch Biotreibstoff ist arg in Verruf geraten. Sehr zu unrecht, wie Johannes Lackmann ab Seite 12 erläutert.

Mais-Monokulturen als Beitrag zur Artenvielfalt?
Aus der Broschüre des Lobbyverbandes FNL "Energieversorgung" (S. 17)
Der Anbau der Bioenergierohstoffe vergrößert das Spektrum der angebauten Kulturen und sorgt für eine Artenvielfalt.

Im Original: Aus Sicht von Geldanlage-Firmen ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Rechts: Titel eines Werbekatalogs der Firma für ethische Geldanlagen UDI. Es geht um Anlagen zu regenerativer Energie - und mensch beachte das Bild rechts: Sehr öko!

Aus: Rohstoff Express Ausgabe 19/2007
Weizen, Mais und Sojabohnen gehörten im letzten halben Jahr zweifellos zu den spannendsten Märkten überhaupt. Nachdem es lange Zeit so aussah als würde die „Rohstoff-Hausse“ an den Getreidepreisen spurlos vorbeigehen, wendete sich das Blatt unplötzlich und die Notierungen legten eine kaum für möglich gehaltene „Rallye“ aufs Börsenparkett. Wie aber geht es nun weiter? Drohen empfindliche Rücksetzer oder wird Getreide wirklich bald unbezahlbar? Eins mal vorweg: Es ist zwar häufig so, dass die Getreidemärkten sich homogen entwickeln. Kommt es bei einer Sorte zu starken Preisschwankungen strahlen diese meist auch auf die Kurse der anderen Getreidearten aus. Nichtsdestotrotz darf man Weizen, Mais, Sojabohnen & Co sicher nicht undifferenziert über einen „Kamm scheren“, weil die Haupternten zu unterschiedlichen Zeiten „eingefahren“ werden. Beispiel USA: Dort steht der Winterweizen aktuell in seiner Blüte und wird in den kommenden acht bis zehn Wochen sukzessive eingebracht. Winterweizen macht rund drei Viertel des amerikanischen Gesamt-Outputs aus, so dass am US-Weizenmarkt die „fundamentalen Würfel“ gegenwärtig größtenteils bereits gefallen sind. Völlig anderes sieht es hingegen bei Mais und Sojabohnen aus: Hier werden die Felder momentan gerade erst bestellt. Ansatzweise verlässliche Aussagen über die Produktionsmenge lassen sich demzufolge erst im Spätherbst treffen.
Für uns ist Weizen klarer und letztlich sogar einziger Favorit im Hinblick auf Long-Engagements: Die Kälteeinbrüche insbesondere in Kansas und Illinois haben einen nicht unerheblichen Teil der Pflanzen vernichtet, wenngleich die allerschlimmsten Befürchtungen sich nicht bewahrheitet hatten. Dennoch muss mit nicht unerheblichen Ernteeinbußen in den USA gerechnet werden. Erschwerend kommt die Trockenheit der letzten Monate in Nordeuropa, der Ukraine und Australien hinzu. Mittlerweile hat sich die Lage zwar leicht entspannt, aber Rekordernten wird es mit Sicherheit nicht geben. Zugegeben: Auf die Entwicklung der amerikanischen Weizenpreise, die sich allein über Zertifikate handeln lassen, haben Ernteausfälle in anderen Ländern keine unmittelbaren Auswirkungen. Unterschätzen darf man die Zusammenhänge aber keinesfalls: Denn Missernten können letztlich nur über verstärkte Importe kompensiert werden. Und die USA sind nun einmal ein bedeutender globaler Weizen-Lieferant. Steigt die Nachfrage anderer Staaten nach amerikanischem Weizen, ziehen die Preise erfahrungsgemäß deutlich an, vor allem wenn das Angebot nicht eben übermäßig üppig ist. Und genau dieses Szenario könnte in den kommenden Monaten Realität werden.
Bei Mais und Sojabohnen sind wir bezüglich weiterer Preissteigerungen dagegen eher skeptisch. Genau genommen könnte es in absehbarer Zeit sogar zu heftigen Kursrücksetzern kommen. Der jüngste Anstieg der Notierungen war primär auf die Tatsache zurückzuführen, dass es in den USA zu witterungsbedingten Verzögerungen bei der Aussaat gekommen war. Mittlerweile ist das Wetter im „Corn Belt“ jedoch annähernd optimal. Bereits in einigen Wochen könnten die Farmer daher wieder im Zeitplan liegen. Darüber hinaus steht zu befürchten, dass einige amerikanische Landwirte den zerstörten Weizen unterpflügen und stattdessen Mais und vor allem Sojabohnen anbauen. Insofern sind bei diesen beiden Getreidesorten nach heutigem Ermessen überdurchschnittlich hohe Erträge zu erwarten. Daran könnte wohl lediglich eine ausgeprägte Dürre-Katastrophe in den Sommermonaten etwas ändern. Allerdings sind Mais und Sojabohnen auf Grund kontinuierlicher genetischer Veränderungen relativ resistent gegen Trockenheit geworden. Mit echten Versorgungsengpässen sollten Anleger daher lieber nicht rechnen, zumal die Erträge in Südamerika auf ein neuerliches Rekordniveau zusteuern. Unterm Strich könnten sich Short-Spekulationen auf Mais und Sojabohnen daher trotz der immer wieder gebetsmühlenartig beschworenen „Ethanol-Fantasie“ mittelfristig als überaus lukratives Investment entpuppen.
Interview "Hurra, wir kriegen den Kriegs-Hunger-Abholz-Diesel!"

Mit Reinhard Behrend von "Rettet den Regenwald" (Quelle)

Deutschland will unabhängig von Erdölimporten werden und fördert daher alternative Energien. Doch Wind und Sonne bieten sich nicht unbedingt für den Autoverkehr an. Bleibt die Energiegewinnung aus Pflanzen. Die Sache hat nur einen Haken: Genug Energie für unseren derzeitigen Mobilitätsstandard kann nicht aus hiesigen Äckern gewonnen werden. Die Zeit drängt und schnelle Entscheidungen werden gefällt. - Wir unterhielten uns mit Reinhard Behrend über die neuen Ölfelder im Süden und deren Auswirkungen:

? Sie haben gerade eine Aktion abgeschlossen, in deren Rahmen hiesige Umweltgruppen gegen Soja- und Palmölfelder in Brasilien und Indonesien protestierten. Soll es in Deutschland nur noch Rapsfelder geben? Was ist die Alternative?
! Der liebe Gott hat dem Menschen zwei Füße gegeben und wenn er nett war auch noch 2 Pedalen. Kurz und gut, wir können die Verkehrspolitik für 800 Millionen Autofahrer auf Kosten von 3 Milliarden hungernden Menschen nicht fortsetzen. Es muss nicht nur die Energieeffizienz - wie das so politisch aalglatt heißt - gesteigert werden, es müssen der Konsum und die Wachstumsideologie grundsätzlich abgeschafft werden. Das ist die Alternative.

? Wer macht sich denn bei uns für Biomasse stark und warum?
! Die Diskussion um Biomasse ist ein gutes Beispiel, wie absurde grüne Politikinteressen, Automobillobby, Agrarabzocke und Kriegsvorbereitungen ineinandergreifen. Manche grüne Energiepolitiker sehen nicht rechts und nicht links und es interessiert sie nicht, welche Wirkungen die Klimapolitik hat. Da wird weltweit über Länder und Ressourcen verfügt, ohne die Menschen zu fragen.
Selbst wenn es massive Proteste vom World Rainforest Movement gegen die Verwendung tropischer Rohstoffe gibt, geht der energiepolitische Sprecher der Grünen, Josef Fell, nicht von seiner vorgefassten Meinung ab. Wir können doch die Biomasse aus tropischen Ländern für unseren Energiebedarf verwenden und damit helfen wir denen sogar. Das hätte Kaiser Wilhelm auch nicht besser vertreten können.
Die Agrarlobby ist natürlich glücklich, dass jetzt Zucker, Weizen oder Pflanzenöl staatlich subventioniert verheizt werden. Die Preise sind schon um 30 Prozent gestiegen. Danke! Danke! Die Autoindustrie sieht das Ende vom Öl kommen und sucht nach jedem Grashalm. In diesem Fall fast wörtlich, und die Kriegspolitiker, die einen Angriff auf den Iran kommen sehen, sind froh über 'freedom fuel', wie George Bush die verbrannten Lebensmittel bezeichnet. Ach ja, dann ist noch die Genlobby, die sich freut, weil gentechnisch manipulierte Pflanzen die Basis von Biokraftstoff sein werden.

? Gibt es weltweit nicht genügend Brachflächen, die für den Anbau von Energiepflanzen genutzt werden könnten?
! Nein! Das World Rainforest Movement hat festgestellt: Die Menschheit verbraucht in einem Jahr soviel Energie wie in 400 Jahren Biomasse nachwächst. Da steht die pseudogrüne Energiepolitik dumm da.

? Sie sagen, dass Sie im Namen der indigenen Völker handeln. Aber ist denn der Anbau von Energiefrüchten nicht auch eine wirtschaftliche Chance für diese Menschen?
! Ja, das "Versprochene Land". Danach suchen viele. Die Sozial- und Umweltorganistion Sawit Watch und das Netzwerk Walhi in Indonesien haben gerade die Studie "Promised Land" veröffentlicht, die die Gesetze untersucht, durch die Plantagenkonzerne sich Land aneignen und wie diese Gesetze angewendet werden. "Promised Land" belegt, dass die Einheimischen enteignet, vertrieben werden, ihrer Wälder, ihrer Lebensgrundlage, ihres Erbes beraubt werden. Es gibt bereits sechs Millionen Hektar Palmölplantagen in Indonesien und 20 Millionen mehr sind geplant. In der Fernsehreportage "Fette Beute" haben die Hamburger Filmemacher Inge Altemeier und Reinhard Hornung die Realität der Palmölplantagen auf Sumatra eindrucksvoll dokumentiert.[1]

? Was für Pflanzen werden denn im Süden angebaut, um unsere Autos zum Rollen zu bekommen?
! Zucker für Ethanol, Palm- und Sojaöl für so genannten Biodiesel, in Zukunft wird wohl alles mögliche dazu kommen. Das Problem ist, dass die Menschen ihre Heimat verlieren, die Pflanzen und Tierwelt ausgerottet wird und minimal Arbeitsplätze entstehen. Wie gesagt, alles für die 800 Millionen Autofahrer und Hunger für 3 Milliarden Arme. Es ist eigentlich immer Konsens gewesen, dass der europäische Lebensstandard weltweit nicht eingeführt werden kann und darf. Trotzdem versucht man ihn immer wieder zu verteidigen. Und die Diener dieses Systems sollen dann dankbar sein, dass sie doch dran "verdienen". Es ist wie mit der Bibel. Erst hatten die Afrikaner das Land und die Weißen die Bibel, dann kamen die Missionare und dann hatten die Weißen das Land und die Afrikaner die Bibel.

? Welche sozialen und ökologischen Auswirkungen befürchten Sie eigentlich für die Anbauländer?
! Eine ökologische Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes, da potenziell alle Natur in profitable, genmanipulierte grüne Wüsten verwandelt werden kann. Der Tuareg hat unbegrenzt Durst!

? Der am 10. Januar von der EU-Kommission im Rahmen des Energie-Pakets verabschiedete "Biomasse-Aktionsplan" war Anlass für Ihren Offenen Brief. Die EU hat doch aber nicht über die Felder in Brasilien zu entscheiden?
! Die EU schafft die Nachfrage nach den Rohstoffen aus den Tropen. Staatlich subventioniert. Das Ergebnis wird vergleichbar sein mit dem Einschlag eines Asteroiden auf der Erde. Die größte Ausrottung von Leben seit dem Untergang der Dinosaurier.

? Vielen Dank für das Gespräch!

[1] Hornung TV, Arnoldstr. 62, 22763 Hamburg, 040 392234, 20 Euro, www.regenwald.org/mov.php

Bio-Sprit, Preise und Hunger

Aus Alexei Gordeyev*, "Ackerland durch Klimawandel", in: FR, 5.7.2008 (S. 23)
Die aktuelle Krise hat fünf Ursachen:
Getreide sollte nicht mehr zu Biokraftstoff verarbeitet werden, sagt der Ressortchef. Stattdessen sollten Abfälle der Forstwirtschaft verwendet werden. Denn von der Menge Getreide, die man braucht, um den Tank eines Geländewagens mit Biokraftstoff zu füllen, kann man einen Menschen ein Jahr lang ernähren.
- die gestiegene Nachfrage in den größten Entwicklungsländern,
- die ungünstigen Wetterbedingungen,
- die geringen Lebensmittelreserven,
- die hohen Energie- und Düngemittelpreise und
- die Verwendung von Nutzpflanzen für die Herstellung von Biokraftstoffen.
Letzteres ist einer der Hauptgründe für den langfristigen Anstieg der Lebensmittelpreise und auch eine Folge zahlreicher staatlicher Subventionsprogramme für Biokraftstoffe. Es wird geschätzt, dass weltweit elf bis zwölf Milliarden US-Dollar in jedem Jahr in Subventionen für doe Produktion von Biokraftstoff fließen, während das Budget der Welternährungsorganisation zur Hungerbekämpfung lediglich 24 Milliarden US-Dollar bis 2015 beträgt. ...
Nach Angaben der Weltbank reicht die Menge Getreide, die man benötigt, um den Tank eines Geländewagens mit Biokraftstoff zu füllen, dazu, einen Menschen ein Jahr lang zu ernähren.

*Alexei Gordeyev arbeitet seit 1981 im russischen Landwirtschaftsministerium, dessen Leitung er 1999 übernahm.

Aus Stephan Börnecke, "Biosprit treibt Lebensmittelpreise", in: FR, 5.7.2008 (S. 15)
Vom Traum zum Alptraum: Die Bioenergie vom Acker entpuppt sich mehr und mehr als Preistreiber für Lebensmittel. Nach einer bislang unveröffentlichten Studie der Weltbank hat der Sprit vom Acker einen Anteil von 75 Prozent am weltweit beobachteten Preisschub bei den Grundnahrungsmitteln. ...
Die Entwicklungshilfeorganisation Oxfam hatte in einer neuen Studie kürzlich vorgerechnet, dass inzwischen 30 Prozent der Preissteigerung bei Lebensmitteln aufs Agrospritkonto gehen: Diese Rechnung basiert auf Zahlen der Weltbank, wonach 30 Millionen der 100 Millionen Menschen, die durch die Nahrungsmittelkrise in die Armut getrieben werden, wegen des Agrospritbedarfs der Industrieländer Hunger leiden müssten. ...
Laut Weltbank sind drei Faktoren für den rasanten Anstieg verantwortlich: So habe der Getreideanbau für Kraftstoffe den Anbau von Lebensmitteln verdrängt. In den USA würde mehr als ein Drittel der Maisernte in die Ethanolproduktion fließen, und in der EU wandere die Hälfte der Pflanzenöle in die Herstellung von Biodiesel. Zudem seien die Landwirte ermutigt worden, in diesen Produktionszweig zu gehen. Faktor drei: die Finanzspekulationen mit Getreide an den Warenterminbörsen der Welt. ...
Nach FAO-Angaben hat sich die Ethanol-Produktion zwischen 2000 und 2007 verdreifacht und werde sich bis 2017 noch einmal auf jährlich 127 Milliarden Liter verdoppeln. Auch die Erzeugung von Biodiesel werde sich bis 2017 auf 24 Milliarden Liter verzweifachen, schätzt die FAO. Da sich dies zum wachsenden Getreidebedarf für die Ernährung addiere, werde die steigende Pflanzensprit-Erzeugung die Nahrungsmittelpreise weiter nach oben treiben.
Internationale Wissenschaftler hatten unlängst zudem davor gewarnt, dass der Anbau von Biospritpflanzen das Wasserproblem verschärfe: Allein für Energiepflanzen würden durch Bewässerung der Felder 1200 bis 3500 Milliarden Kubikmeter Wasser verbraucht. Jeder Liter Ethanol koste vier Liter Wasser.

Bio-Energie-Subventionen machen Bio-Lebensmittel teurer
Aus FR, 18.1.2007 (S. 11)
Die starke staatliche Förderung besonders von Benzin und Diesel aus Raps, Rüben oder Gerste könnte für den Verbraucher zum Nullsummenspiel werden und der Umwelt eher schaden. "Was wir an der Zapfsäule sparen, müssen wir an der Supermarktkasse zusätzlich hinlegen", kritisiert Jürgen Abraham, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie. Der verstärkte Einsatz von Agrarerzeugnissen zur Energieproduktion habe besonders bei Rapsöl bereits zu deutlich höheren Preisen und Lieferengpässen geführt.

Werbung für Biodiesel & Co.

A4-Seite zu Biosprit in der Zeitung "Kreisl" zum Tag der Regionen 2009 (PDF), Auszug:
Ein "Muss" - der PKW
Bei uns im Dorf und vielen anderen Nachbardörfern in Nordhessen gibt es diese lebensnotwendigen Läden und Einrichtungen
nicht. Und die Arbeitsplätze liegen auch fern. Also brauchen wir Fahrzeuge, um die 8 km Strecke zur nächsten Postagentur, dem nächsten Laden, um 12 km zur Bank und Anbietern von regionalen Produkten oder 20 km zum nächsten Arbeitsplatz zu bewaltigen. Es werden auch Fahrzeuge benötigt, um die Läden zu versorgen. Da hilft auch ein recht gut funktionierender Busverkehr nicht weiter. ...
Es gibt keine Anreicherung von klimaschädlichen Gasen. Es findet ein ökologischer Kreislauf statt.

Links zu Biodiesel & Co.

Scheuklappe Energie?

Aus Friedrich Schmidt-Bleek (2014), "Grüne Lügen", Ludwig-Verlag in München
Und wir glauben voll stolzer Überzeugung, gerade Deutschland stehe besonders gut da, mit seinem ständig wachsenden Anteil an erneuerbaren Energien und Vorzeigetechniken wie dem Elektromobil.
Mit diesem Glauben befinden wir uns im Irrtum. Die Energiewende trägt nicht zur Entschärfung von Umweltproblemen bei, weil sie anstelle von Ursachen nur Symptome bekämpft. Sie trägt nicht einmal maßgeblich zur Verlangsamung des Klimawandels bei! Und zwar deshalb, weil sie sich nahezu ausschließlich auf technische Energie konzentriert, und hier auf den Ausstoß von CO2. Die Ursachen für den Klimawandel liegen jedoch nicht allein in der Verwendung technischer Energie und der damit verbundenen Emission von CO2 sondern auch und in allererster Linie im Verbrauch natürlichen Materials die Entnahme von Sand trägt dazu ebenso bei wie der Verbrauch von Wasser, das Abholzen von Wäldern und vieles mehr. Der ungebremste und verschwenderische Gebrauch von Ressourcen führt zu einer rasanten Zerstörung unserer Umwelt weltweit. Der Klimawandel ist lediglich eine von mehreren gefährlichen Folgen dieser Entwicklung.
Wenn aber der Verbrauch von Ressourcen ebenso zum Klimawandel beiträgt wie die CO2 Emissionen, wenn er zudem andere, schwerwiegende Umweltprobleme erzeugt, so bedeutet dies, dass die Energiewende diese Probleme nicht löst, sondern sogar noch verschärft. Denn viele als grün gepriesene Technologien erfordern einen extrem hohen Materialeinsatz. Durch ihre Ressourcenintensität sind sie Gift für die Umwelt und in Wahrheit alles andere als grün. Gerade die CO2 mindernde Technik ist in der Regel besonders ressourcenintensiv und verschärft damit unsere Umweltprobleme. All dies werde ich im vorliegenden Buch ausführlich erläutern. ... (S. 18ff)
Die Energiewende schützt die Umwelt nicht und das Klima bestenfalls teilweise, und es wird so nicht gelingen, die Schöpfung zu bewahren. Sie macht uns nicht einmal wirklich unabhängiger von Importen, wenn man etwa an die seltenen Rohstoffe denkt, die für die »grüne« Elektromobilität gebraucht werden. Und es ist unpräzise, denn die Industriegesellschaft, die hier beschworen wird, kann allenfalls dann Zukunft haben, wenn ihr mithilfe technischen Fortschritts eine zumindest zehnfach verbesserte Nutzung von Ressourcen gelingt. (S. 185)

Ein weiteres Problem gibt es beim Ökostrom: Das klingt toll, hilft aber oft gar nichts, weil Strommengen nur buchhalterisch umhergebucht werden. In der Sache verändert sich dann gar nichts.

Pro Atom

Aus einem Interview mit Franz-Josef Radermacher, Club of Rome, in: FR, 26.3.2011 (S. 16)
Manche fühlen sich ja als Retter der Welt, wenn sie jetzt dafür kämpfen, dass alle Atomkraftwerke sofort abgeschaltet werden. ...
Bisher sind die Folgen des Tsunamis und des Erdbebens viel gravierender als die Folgen des Atomunfalls. Mindestens 10000 Menschen sind gestorben, Hunderttausende sind obdachlos und große Teile der Infrastruktur zerstört. Dem steht die Strahlenbelastung gegenüber, die die Lebenserwartung potenziell verkürzt. Das betrifft bisher aber nur eine relativ kleine Anzahl von Menschen. Es gibt noch das Restrisiko eines Super-GAUs. Der ist aber glücklicherweise unwahrscheinlich. ...
Ich bin der Meinung, dass wir weltweit nicht sofort aussteigen können und in Deutschland bei der Verlängerung der AKW-Laufzeiten bleiben sollten. Die Konsequenz, die ich aus Japan ziehen würde, ist eine nochmalige rigide Überprüfung der Sicherheit. Wir wissen jetzt, dass die Zuständigen in Japan an vielen Stellen geschludert haben. Die Betreiber haben an Stellen gespart, die in keiner Weise nachvollziehbar sind. Mit diesem neuen Wissen sollten wir jetzt die deutschen Atomkraftwerke noch einmal überprüfen. Ich sehe die Chance, mit überschaubaren Aufwand die Sicherheit weiter zu erhöhen. Einen Grund zum Ausstieg erwarte ich nicht.
Auch dann bleibt ein Restrisiko.
Ja. Das ist der Preis für mehr Wohlstand und Zukunftsperspektiven. Wir können die Kernkraft noch für einen substanziellen Zeitraum kostengünstig nutzen. Der deutsche Staat zieht erhebliche Gelder aus der Laufzeitverlängerung. ...
Die Menschen, die jetzt in Nordafrika aufbegehren, wollen mehr Wohlstand. Das gleiche gilt für Chinesen und Inder. Wenn man deren Bedürfnisse befriedigen will, braucht man viel mehr Energie. Deswegen können wir nicht einfach aus der Atomkraft aussteigen. Wir sollen die Meiler mindestens so lange laufen lassen, wie ein hoher Standard gesichert werden kann. Und möglichst keine neuen Reaktoren bauen. In 30 oder 40 Jahren haben wir dann vielleicht den Ausstieg weltweit geschafft. Die Atomkraftgegner reden sich ein, es gäbe schon die nötigen Technologien zum Umsteuern. Das stimmt aber nicht. Biomasse, Windräder und Solarenergie sind ungeeignet, die gesamte Erdbevölkerung auf ein hohes Wohlstandsniveau zu bringen. ...
Ich persönlich hoffe, dass wir damit auch das Atommüll-Problem lösen können. Wenn wir stabile Bohrlöcher bis in 15 Kilometer Tiefe hinbekommen, können wir den gesamten Atommüll in Richtung Erdkern entsorgen. Er schmilzt sich mit seiner Abwärme weiter in Richtung Erdkern. Und dort findet sich ohnehin Radioaktivität ohne Ende.

Prinz Philip, der internationale WWF-Präsident, 1986 bei der 25-Jahr-Feier des WWF, kurz nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl
Hören Sie doch mit dieser ewigen Hetze gegen Atomkraft auf. Kümmern wir uns lieber um existierende Probleme statt um mögliche.

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Lösung des Zitateratens:
Zu 1.) Prinz Philip, der internationale WWF-Präsident, 1986 bei der 25-Jahr-Feier des WWF, kurz nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl
Zu 2.) .ausgestrahlt auf einem Plakat, beigelegt dem Rundbrief 9/2013