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Nachhaltigkeitsstrategie für Deutschland

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Aus dem Entwurf der Bundesregierung

Zugleich soll das Gesetz ermöglichen, dass bereits im Inland befindliche Extremisten besser erkannt und ihre Aktivitäten rascher unterbunden werden können. Dazu sollen unter anderem Neben der Intensivierung der internationalen Zusammenarbeit erfordert Nachhaltige Entwicklung einen Rechtsstaat, der Freiheit sichert. Sicherheit im Innern und nach außen ist ein wichtiger Beitrag zu Lebensqualität und sozialem Zusammenhalt. (S. 24/25)
Stellungnahmen dazu

Stellungnahme des Rates zur Nachhaltigkeitsstrategie
Aus einer Rundmail des Rates für Nachhaltigkeit, 28.2.2002
Der Rat für Nachhaltige Entwicklung äußert sich zu dem Entwurf der Bundesregierung für eine Nachhaltigkeitsstrategie. Trotz einiger Kritikpunkte sehe er die Strategie der Bundesregierung auf dem richtigen Weg, so der Rat. "Der Entwurf ist ein Meilenstein der deutschen Nachhaltigkeitsdiskussion", betonte der Ratsvorsitzende Volker Hauff am 18. Februar in Berlin.  Insbesondere die integrierte Sichtweise und die sachlich begründete Definition von 21 Einzelindikatoren schaffe eine Grundlage, um Nachhaltigkeit konkret zu messen.

Zur elfseitigen Stellungnahme des Nachhaltigkeitsrates gelangen Sie direkt über den Link
http://www.nachhaltigkeitsrat.de/service/download/pdf/Stellungnahme_zu_NHS.pdf
Einen Beitrag über Reaktionen weiterer gesellschaftlicher Gruppen finden Sie unter
http://www.nachhaltigkeitsrat.de/aktuell/news/aktuelle_stellungnahmen_zur_nhs

Gemeinsame Pressemitteilung von BUND, DNR und NABU vom 13. März 2002 / pm 22
Umweltverbände fordern Nachbesserungen an der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung
Berlin, 13.03.02: Die drei Vorsitzenden der Umweltverbände und Mitglieder im nationalen Nachhaltigkeitsrat, Hubert Weinzierl (Deutscher Naturschutzring), Angelika Zahrnt (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) und Jochen Flasbarth (Naturschutzbund), begrüßten am Mittwoch den von der Bundesregierung vorgelegten Entwurf einer nationalen Nachhaltigkeitsstrategie. In einer an das Bundeskanzleramt gerichteten Stellungnahme forderten DNR, BUND und NABU aber umfangreiche Nachbesserungen an dem Strategießentwurf, der am 17. April vom Kabinett verabschiedet werden soll.
"In der Nachhaltigkeitsstrategie wird der im großen und ganzen gelungene Versuch unternommen, die ökologische, soziale und ökonomische Dimension nachhaltiger Entwicklung integriert zu betrachten. Da zum Beispiel steigende Artenvielfalt und sinkende Kriminalität als verschiedene Aspekte hoher Lebensqualität in der Nachhaltigkeitsstrategie erscheinen, erhöht das die Chance, dass die Strategie die Bevölkerung erreicht", sagte NABU-Präsident Jochen Flasbarth.
Vor allem bei den 21 quantitativen Zielen forderten die Umweltverbände Nachbesserungen. Die Bundesregierung dürfe beim Klimaschutz nicht bei den existierenden kurzfristigen Zielen stehen bleiben, sondern müsse sich verbindlich zu einer Verringerung der Treibhausgase um 40 Prozent bis 2020 und um 80 Prozent bis 2050 gegenüber 1990 verpflichten. "Deutschland als einer der Hauptverursacher des drohenden Klimawandels darf sich nicht auf ersten Erfolgen im Klimaschutz ausruhen. Ein anspruchsvolles Klimaschutzziel ist der Prüfstein, ob die Bundesregierung Nachhaltigkeit ernst meint", sagte DNR-Präsident Hubert Weinzierl. "Die Umweltverbände erwarten hier von der Bundesregierung ein klares Signal, dass der Klimaschutz weiterhin einen hohen Stellenwert in der deutschen Politik hat".  Die internationale Dimension nachhaltiger Entwicklung komme in dem Strategießentwurf zu kurz. Im Landwirtschaftsteil beispielsweise widme die Bundesregierung weniger als ein Zehntel des Textes der internationalen Agrarpolitik, obwohl gerade dieses Politikfeld auf internationaler Ebene abgestimmt werden müsse. Außerdem müsse die Bundesregierung endlich einen Zeitplan nennen, bis wann sie die internationale Zusage erfülle, 0,7 Prozent des Sozialproduktes für Entwicklungsprojekte zur Verfügung zu stellen. "Wenn sich Deutschland und die anderen Industriestaaten beim Entwicklungsetat nicht bewegen, riskieren sie mutwillig ein Scheitern des Weltgipfels für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg", kritisierte die BUND-Vorsitzende Angelika Zahrnt.
Die drei Vorsitzenden begrüßten das Ziel einer Reduzierung des Flächenverbrauchs von zur Zeit 130 Hektar pro Tag bis auf 30 Hektar pro Tag im Jahr 2020. Noch fehlten aber geeignete Maßnahmen, wie dieses Ziel erreicht werden könne.
"Für die Umweltverbände ist es wichtig, dass die Bundesregierung eine nachhaltige ökologische Finanz- und Steuerpolitik macht", erklärte Hubert Weinzierl. Die Streichung umweltschädlicher Subventionen und Steuererleichterungen sowie die verursachergerechte Anlastung externer Kosten seien eine wirksame Grundlage für eine nachhaltige Politik.
Die Ökosteuer habe sich nach Ansicht der Umweltverbände bewährt und solle fortgeführt und zu einer ökologischen Finanzreform weiterentwickelt werden.
Jochen Flasbarth kritisierte, dass in dem Entwurf der Bundesregierung zum Handlungsfeld Mobilität der Schwerpunkt zu sehr auf der Verkehrsverlagerung und der Effizienzsteigerung liegt. "Der Verkehrsvermeidung als wichtigem Strategieansatz wird zuwenig Aufmerksamkeit geschenkt", erklärte Jochen Flasbarth: "Vor allem im Güterverkehr liegen noch Einsparpotentiale".  Insgesamt enthalte der Strategießentwurf gute Ansatzpunkte, aber die Zielvorgaben reichten meist nicht weit genug. Auch bliebe an vielen Stellen unklar, wie die Ziele erreicht werden sollen. Das Nachhaltigkeitsverständnis der Bundesregierung decke sich noch nicht mit dem der Umweltverbände.  Angelika Zahrnt (BUND): "Effizienzsteigerung allein garantiert noch keine nachhaltige Entwicklung. Deshalb darf die Bundesregierung Fragen des Lebensstils nicht aus dem Weg gehen. Nachhaltigkeit bedeutet, die Begrenztheit der natürlichen Ressourcen auch als Grenze für wirtschaftliches Handeln anzuerkennen."
Die Stellungnahme kann auf den Internetseiten der Verbände abgerufen werden unter: www.dnr.de; www.bund.net, www.nabu.de
Bei Rückfragen: BUND-Pressestelle, Philipp Prein, Fon: 030-27586-464, Fax: 449, E-Mail: presse@bund.net; DNR: Doris Pruin, Fon: 0228 / 359005, E-Mail:
doris.pruin@dnr.de; NABU: Evelyn Faust, Fon: 0228 / 4036 - 152, E-Mail: evelyn.faust@nabu.de

Achim Brunnengräber, Rio+10 - nur Schaufenster nationaler Nachhaltigkeit?, in: Ökologisches Wirtschaften 1/2002 (S. 8)
Allem Anschein nach hat die Nachhaltigkeitsstrategie ein ganz anderes Ziel. Sie wird zu einer Öffentlichkeitskampagne, durch die die rot-grünen "Reformen" sozial-ökologisch geschickt vermarktet werden sollen. Sie dürfte vor allem auf der partizipativen Ebene Erfolg haben (Stichwort "symbolische Politik"), neue inhaltliche Maßstäbe werden dadurch nicht gesetzt. Das wird auch gar nicht gewünscht. Rio+10 ist nur ein kleiner Aspekt der viel umfangreicheren Wahlkampfstrategie der Bundesregierung. Den wohlgemerkt: Erst geht`s auf den Gipfel, dann in die Wahllokale.

Michael Müller und Ulla Burchardt (SPD-MdBs) in der FR vom 17.4.2002
Die Leitidee der nachhaltigen Entwicklung ist schon deshalb von großer, ja strategischer Bedeutung, weil sie die wichtigste Antwort auf die Herausforderung der neoliberalen Globalisierung ist. Sie ist zuerst ein europäisches Konzept. Denn mit ihr verbinden sich sich drei große Ideen der europäischen Moderne: Gerechtigkeit, Demokratie und Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen. Nicht von ungefähr kamen die wichtigsten Impulse von den drei europäischen Regierungschefs Olof Palme, Willy Brandt und Gro Harlem Brundtland.
Das Konzept hat in den letzten Jahren weiter an Bedeutung gewonnen. Nachhaltigkeit ist die wichtigste Alternative zu einem US-Unilateralismus, der auf militärische Stärke setzt und die Welt den Interessen der Wall Street unterordnet. Sie setzt dagegen auf mehr Partnerschaft, mehr Demokratie und mehr Mitverantwortung. Mit ihr kann Europa eine zentrale Rolle bei der Gestaltung der Globalisierung einnehmen, statt an den Rand gedrängt zu werden. ... Der Europäische Rat hat die Nachhaltigkeit zum Leitziel der EU ausgerufen. Damit kann Europa - wie schon beim Kyoto-Prozess - eine entscheidende Vorreiterrolle einnehmen. Deshalb ist es so wichtig, dass die Bundesrepublik, als das wirtschaftlich stärkste Land der Europäischen Union, sich an die Spitze der Nachhaltigkeitsdebatte stellt.
Nachhaltigkeit ist kein theoretischer Ansatz mehr. Denke global und handele lokal, regional und national - das ist die politische Maxime, um Europa zu behaupten ...

Aus der Presse-Stellungnahme des NABU zum Entwurf der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie
Der NABU hält den von der Bundesregierung vorgelegten Entwurf für die nationale Nachhaltigkeitsstrategie insgesamt für einen gelungenen Start der gesellschaftlichen Debatte über die Frage, wie wir künftig leben wollen, welche gesellschaftlichen Ziele mittel- und langfristig verfolgt werden sollen und welche Rahmenbedingungen für eine gute Zukunft gesetzt werden müssen.
... Fazit
Die Bundesregierung hat nach Ansicht des NABU ein umfassendes und auf alle Lebens- und Politikbereiche übertragbares Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung formuliert, das sich als Diskussionsgrundlage über die Frage, wie wir in Zukunft leben wollen, für unsere Gesellschaft gut geeignet. Es ist jedoch bislang nicht gelungen, das Thema Nachhaltigkeit in die breite Öffentlichkeit zu transportieren.

Kritisch dagegen: Aus Bernd Hamm, "Hausaufgaben gemacht?" in: Politische Ökologie Mai/Juni 2002, S. 37)
Die "Perspektiven" sind mit 266 Seiten überaus voluminös ausgefallen. Der Text wirkt in weiten Teilen redundant und additiv, aus den Beiträgen de beteiligten Ministerien zusammengesetzt. Der Begriff der Nachhaltigen Entwicklung wird entsprechend weit gedehnt. ... Über weite Strecken (vor allem Teil B "Leitbild") feiert sich die Bundesregierung wortreich selbst mit all dem, was sie bisher für Nachhaltige Entwicklung getan habe. Die wenigen Absätze, in denen es tatsächlich um Ziele, Prioritäten und zukünftig geplante Aktivitäten geht (vor allem in Teil E "Schwerpunkte einer Nachhaltigen Entwicklung"), bleiben mehrheitlich wage, voller Phrasen und Gemeinplätze, abwehrend und mit Vorbehalten versehen. Konflikte, gar solche der Interessen, Machtstrukturen und Entscheidungsprozesse gibt es nicht. Entscheidend sei unsere Innovationskraft. Damit werden Wachstum und Ressourcenschonung, Shareholdervalue und soziale Verantwortung, globale Verantwortung und nationale Entscheidungsprozesse, Ressourcenschonung und Beschäftigung problemlos versöhnt. ... Zusammenfassend: Das, was hier als "Strategie" gewertet werden könnte, hätte leicht auf 25 Seiten Platz gehabt.  ... von bilateralen Beziehungen ist nur nebenbei die Rede - dafür viel von Wettbewerbsfähigkeit. Das ist nach innen gerichtete Wahlpropaganda, aber keine Strategie für Nachhaltige Entwicklung.

Aus dem Newsletter des Rates für Nachhaltige Entwicklung (6. Juni 2002)
... legt der Nachhaltigkeitsrat der Bundesregierung nahe, die Nachhaltigkeitsstrategie "Perspektiven für Deutschland" offensiv bekannt zu machen.

Die nächste Runde: Fortschreibungsbericht 2004

Aus dem Konsultationspapier zwecks Beteiligung von außen (via Internet u.ä.) vom 15.12.2003
A. Potenziale älterer Menschen in Wirtschaft und Gesellschaft
...Ältere Menschen ... sind eine Wertschöpfungsquelle für Wirtschaft und Gesellschaft, die es in Zukunft wieder stärker ökonomisch wie gesellschaftlich zu nutzen gilt. (S. 4)
... bessere Potenzialnutzung Älterer (S. 5)

Nachhaltigkeitsberichte

Absurde Auswahl von Indikatoren

Zum Nachlesen:

Pressemitteilungen der Bundesregierung

Forschung für Nachhaltigkeit birgt ein enormes Innovationspotenzial. Deutschland soll bis zum Jahr 2010 zum weltweit größten Exporteur für Umweltschutztechnologien werden". Das erklärte Bundesministerin Edelgard Bulmahn anlässlich der Eröffnung des ersten Forums für Nachhaltigkeit des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, BMBF, am heutigen Dienstag in Berlin vor rund 300
Teilnehmerinnen und Teilnehmern. ...
Nachhaltigkeit hat sich zu einem Innovationsmotor entwickelt, der Wachstum und Beschäftigung steigert und Arbeitsplätze entstehen lässt. Schon heute sind bei uns fast 1,5 Millionen Menschen im Umweltschutz beschäftigt. Deutschland ist schon jetzt weltweit der zweitgrößte Exporteur für Umwelttechnologien. Neue Impulse aus der Nachhaltigkeitsforschung können dazu beitragen, dass wir in diesem Bereich die Spitzenposition einnehmen", so Bulmahn weiter.

Im Original: "Das Jo'burg Memo" ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Herausgegebenen von der Heinrich-Böll-Stiftung, 2002, Berlin

Werden wir uns seiner erinnern als eines "historischen Durchbruchs", ähnlich dem Erdgipfel in Rio 1992? ... Die Mitglieder der Memorandum-Gruppe nutzten das Privileg, neue Ideen in die Diskussion zu bringen, ohne die Kompromisszwänge eines Verhandlungsprozesses zu antizipieren ... (S. 5)

Was nottut, ist nicht freier Handel, sondern fairer Handel. Jedenfalls sind die Regeln des Freihandels höheren Verpflichtungsebenen wie Menschenrechten und Nachhaltigkeit nachzuordnen. (S. 7)

Ferner ist die Sorge um die Natur nicht nur auf der administrativen, sondern auch auf der kognitiven Ebene in die Politik eingesickert. Insbesondere der Begriff "nachhaltige Entwicklung", um den sich bei der Rio-Konferenz alles drehte, hat als Kompromissformel eine bemerkenswerte Karriere hinter sich gebracht. Während Wirtschaftsfreunde und Umweltschützer sich jahrzehntelang als Kontrahenten gegenübergestanden waren, zwang dieser Begriff sie nunmehr dazu, auf einem gemeinsamen Terrain zu agieren. Sowohl Shell als auch Greenpeace , die Weltbank wie indigene Organisationen berufen sich auf "nachhaltige Entwicklung"; und kaum jemand wagt, dieses Konzept offen zurückzuweisen. Der Begriff wirkt im Gegenteil wie ein Allzweckkleber, der Freund und Feind gleichermaßen zusammenbindet. So sahen sich im Gefolge dieser semantischen Innovation sowohl Entwicklungsenthusiasten wie Naturfreunde veranlasst, ihre Positionen zu revidieren. Der Begriff bot eine gemeinsame Basis, die einen produktiven Austausch zwischen den etablierten Institutionen und ihren lautstarken Opponenten ermöglichte. Natürlich war ein Preis für diesen Konsens zu bezahlen, und das war die Klarheit. Inzwischen werden Dutzende von Definitionen von Experten und Politikern herumgereicht, weil sich an dieselbe Idee widerstreitende Interessen und Visionen an ein und denselben Begriff heften. Aber gerade diese integrierende Kraft muss als das Erfolgsgeheimnis der Formel "nachhaltige Entwicklung" betrachtet werden. Kaum jemals hinterließ eine Konferenz eine solche Wirkung auf die politische Landschaft mit keinem anderen Mittel als der Sprache. (S. 10)

Daraus ergibt sich, dass Staaten mehr Spielraum haben sollten, um dem Gemeinwohl mehr Geltung zu verschaffen. ... (S. 7)
Ökologie und Gerechtigkeit werden WTO's Stiefkinder bleiben, wenn nicht der politische Spielraum für Nationen in der Handelspolitik erweitert wird. (S. 69)

Nachhaltigkeit als Modernisierungs-Schmieröl

Hierzulande ist für viele »grün« immer noch eine politische Farbe, verbunden mit ewi­gem Protest und langen Haaren. Aber »grün« ist längst jenseits von rechts und links angesiedelt, »grün« ist die Farbe der Versöhnung von Ökonomie und Ökologie. Unsere Zukunft wird grün sein   oder gar nicht. (aus: Michael Müller/Kai Nieberg, 2009: "Epochenwechsel", S. 9)

Aus: Freitag, 13. Juli 2001 (S. 5)
Wir sind für den Wettbewerb der Eigentumsformen, um die Form zu finden, die am meisten nachhaltige Effizienz zeitigt ...

Richard Häusler in Toolbox, punct.um 12/2001 (S. 17)
Nachhaltige Entwicklung (sustainable development) ist das Leitbild, das den Globalisierungsprozess durch die Beteiligung aller Bevölkerungsgruppen zu einer allseitigen Win-Win-Situation machen soll.

Saral Sarkar, Nachhaltige Entwicklung, in: Tarantel Dez. 2001, Vierteljahresschrift der ökologischen Plattform bei PDS
Nachhaltige Entwicklung, wie sie z.B. im Brundtland-Bericht definiert wird, will einerseits ökologische Probleme einer globalen Industrialisierung eindämmen, andererseits soll an der Maxime eines weiteren weltweiten Wirtschaftswachstums nicht gerüttelt werden. VerfechterInnen einer so definierten nachhaltigen Entwicklung verschließen jedoch die Augen vor einer wesentlichen und alten Erkenntnis: Die Erde ist und bleibt begrenzt. Weder verstärktes Recycling noch technologischer Umweltschutz noch eine zunehmende Nutzung von Sonnenenergie führen an dem Problem vorbei, dass quantitatives Wirtschaftswachstum an stoffliche Grenzen stößt. ... es gibt auch Grenzen des Recyclings ... von diesen immer knapper werdenden Metallen gehen im Durchschnitt gegenwärtig noch etwas 70% der jährlich geförderten Mengen verloren. Auch wenn der Rest von 30% früher oder später wiedergewonnen wird, bleiben davon nach zehn "Lebenszyklen" nur 0,1% übrig.

EU-Verfassung ohne Nachhaltigkeit?

Die Europäische Union könnte eine Verfassung bekommen, in der eine nachhaltige Entwicklung der Wirtschaft und ein hohes Maß an Umweltschutz als politische Ziele nicht vorkommen. Das befürchtet das Europäische Umweltbüro (eeb) in Brüssel. Das eeb appelliert an den Konvent, die Ziele für eine nachhaltige EU-Politik aus den Amsterdamer Verträgen vollständig und ohne Abschwächungen auch in die künftige Verfassung zu übernehmen.

BUND für die asoziale Agenda 2010 (von Gerhard Schröder) ... nur grün angestrichen werden soll sie!
Pressemitteilung vom 10. Juni 2003
BUND für „Öko-Agenda 2010“
Berlin, 10.06.03: Vom Sonderparteitag von Bündnis 90/Die Grünen am kommenden Wochenende in Cottbus erwartet der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die Aufnahme ökologischer Inhalte in die Agenda 2010. Es sei Aufgabe der Bündnisgrünen, ungenutzte Potentiale im Umweltschutz zu thematisieren und in praktisches Handeln umzusetzen.
In einem Offenen Brief an die Delegierten des Sonderparteitages fordert die BUND-Bundesvorsitzende Dr. Angelika Zahrnt, dass die Bündnisgrünen versuchen müssten, wirtschaftliche und soziale mit den notwendigen ökologischen Reformen zu kombinieren. ...

Volker Hauff, Vorsitzender des Rates für Nachhaltige Entwicklung, im Vorwort der Zeitung punkt.um 7/2003 (S. 1)
Es ist in der Politik sehr ruhig um die Nachhaltigkeit geworden. Ich bedauere, dass die Agenda 2010 nicht deutlicher an die Nachhaltigkeitsstrategie anknüpft. Man mag über sie durchaus streiten; insgesamt ist mit ihr aber ein guter Auftakt gelungen.

Fritz Vorholt in "Die Zeit" Nr. 25/2003
Mit der viel kritisierten Agenda 2010 vergibt die Bundesregierung auch die Chance, notwendige gesellschaftliche Reformen mit einer nachhaltigen Entwicklung zum Nutzen von Mensch und Umwelt zu verknüpfen. Gerade dies würde nach Ansicht vieler in der Ökoszene der Reform vieles von ihren Schwerzen nehmen.

Positionen und Forderungen von Vorständlern von "UnternehmensGrün" (Forum, Sonderheft 2003)
Absenkung des Rentenniveaus ... Anhebung des Renteneintrittsalters ... Der anhaltende Trend zur Frühpensionierung bei Beamten ... wird nur über die Festlegung und Umsetzung von schärferen Beurteilungskriterien bei den zuständigen Behörden umzukehren sein ... Liberalisierung des "Marktes" Gesundheitssystem ... Viele der gegenwärtigen Probleme im Gesundheitssystem sind nur über mehr Liberalisierung und die Einführung von marktwirtschaftlichen Elementen lösbar ... Abschaffung des Kundigungsschutzes in den ersten zwei Jahren des Bestehens eines Arbeitsverhältnisses ... Agenda 2010 unzureichend ... Freier Wettbewerb im gesamten Gesundheitssystem ...

Sozialabbau ja, aber grün anstreichen!
Aus Wolf von Fabecks Text "Hartz IV ohne Erhöhung der Energiesteuern wirkungslos" in: Solarbrief 3/04 (S. 6)
Die Hartz IV Reform ist ein Projekt zur Vermittlung von Arbeitslosen. ... Eine Verminderung der Unterstützungen soll der Versuchung entgegenwirken, sich in der "sozialen Hängematte auszuruhen". ... Diesem wachsenden Druck auf die Arbeitslosen stimmen viele Menschen zu. Fast jeder kann Beispiele für echte Schmarotzer im Sozialwesen nennen oder hat zumindest davon gelesen. ... Zahlen deuten darauf hin, dass es sich bei den erwähnten Missbrauchsfällen eher um die Ausnahme als die Regel handelt. Der immense organisatorische Aufwand und die drastischen Maßnahmen bei Hartz IV erwecken jedoch den Eindruck, es ginge darum, Millionen arbeitsentwöhnter Menschen an die Selbstverständlichkeit zu erinnern, dass jeder erwerbsfähige Mensch einen eigenen Anteil zu seinem Lebensunterhalt beitragen soll. Doch genau darum geht es in Deutschland nicht - jedenfalls nicht in erster Linie. ... Statistisch gesehen hat nur jeder dreizahnte Arbeitslose überhaupt eine Chance. Daran ändern auch viele gute Neuregelungen der Hartz IV-Reform nichts.

Kritik an Monetarisierung der Umwelt
Müller, Christa, 1997: Von der lokalen Ökonomie zum globalen Dorf, Frankfurt/Main (S. 209)
Das Instrumentarium der Ökonomie soll durch die Einführung des „Ökosozialprodukts“, das Naturverbrauch als Kapitalverbrauch verbucht, sogar noch optimiert werden. Die Monetarisierung der Natur reproduziert jedoch die Reduktion von Natur auf ihren Tauschwert innerhalb der einseitigen Wertzuweisung einer Ökonomie, die nur auf quantitative Tauschwerte bzw. Preise reagieren kann. ... Von dieser Warte aus betrachtet schreibt eine Monetarisierung der Natur lediglich ihren zweifelhaften Aufstieg zur gesellschaftlich anerkannten Ware fest und bedeutet nicht mehr als die künstliche Verknappung der Natur. Über die Konstruktion des Ökosozialprodukts erscheint Natur nur noch mit ihrem Kapitalwert in den Produktionsfunktionen.

Aus P.M. (2012): "Kartoffeln und Computer", Nautilus in Hamburg
Insbesondere stellen solche Nachbarschaften ein ideales Soziotop für nachhaltige Kooperation dar … (S. 19)
Es darf weder die Natur ruiniert noch dürfen Menschen ausgebeutet werden. Es geht um eine nachhaltige Logistik. ... (S. 50)
Die Isolation von Gebäuden, die Einrichtung lokaler Energiegewinnung und ökologisches Re Design für industrielle Güter würde ein letztes industrielles Wachstum erzeugen vor der endgültigen und notwendigen Stagnation. Dieser Aspekt könnte wichtig sein, um einige der etwas aufgeklärteren (grünen) Kapitalisten an Bord zu bekommen (vgl. Green Economy). … (S. 59f.)
Daher muss das Programm des Green New Deal die Form eines Kompromisses zwischen den Klassen annehmen: (kleine) Profite werden gemacht, anständige Löhne werden verdient, ein Green Business Kreislauf wird konstruiert. Es ist klar, dass wir (Arbeitnehmer, Landwirte usw.) die Kosten tragen, aber auf die Großzügigkeit der alten Ollgarchen zu hoffen, wäre illusorisch. Die Reichen lassen sich nicht ausbeuten, weil sie unproduktiv sind. Der Green New Deal ist ein implizites Friedensangebot, Gesetze werden beachtet, und es gibt keine Enteignungen, es werden Aquivalente getauscht. Eigentum wird respektiert, solange es sich nicht selbst aufhebt (wie es in der gegenwärtigen Finanzkrise passiert). (S. 62)

Integration des Ex-Kritischen

Waldemar Schindowski in einem Tagungsbericht des TAK AÖ (Sommer 2000)
Die Revolution ist vorbei – wir haben gesiegt! Die gesellschaftliche Akzeptanz für selbstverwaltetes Wirtschaften hat mittlerweile dazu geführt, daß ein „Aha-Effekt" nicht mehr da ist. Ausgehend von der Oppenheimerschen These bedeutet dies für selbstverwaltete Betriebe, daß sie entweder marktgerechte Produkte und Dienstleistungen herstellen, die auch nachgefragt werden, oder sie verschwinden vom Markt. Einzig und allein auf seine Betriebsstruktur verweisend, kann sich kaum noch ein selbstverwaltetes Projekt behaupten.

Aus Helmut Höge: "Moderne vs. Ökologie", in: Junge Welt am 26.03.2013 (S. 12)
Die Grünen haben keinen Zulauf ... weil sie in der "Moderne" dieser "Planer" stehen, d.h. sie greifen Bürgerproteste zwar auf (mit denen gegen Atomkraft sind die großgeworden), bringen sie dann jedoch auf die handelsüblichen Lösungswege. Die da wären: Einzäunen und Nutzung reduzieren (Nationalparks und Schutzzonen); besser, wenn auch teurer, produzieren und verkaufen (Biosupermärkte); industrielle Verfahren optimieren (entgiften, recyceln, den CO2-Ausstoß reduzieren); wissenschaftlich erforschen; anerkannte Experten (zahlenverliebte Darwinisten) heranziehen, selbst zu solchen werden - und ganz allgemein die "Performance" verbessern, "optimieren". All diese Wege enden früher oder später im Etikettenschwindel.

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