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Materialien

Lüneborg* - von Schafen, Hirten und Ziegen

Eine klare Kritik an politischen Verkürzungen, Demokratiefetischismus, Elitendominanz und Ausgrenzung in der Anti-Atom-Bewegung
(am Beispiel des Castor-Widerstandes im November 2002)

*Borg sind eine Gruppe im Film "Star Trek", die eine interessante Herrschaftsstruktur aufweisen, aus der sich viele Erkenntnisse über moderne Hierarchien ablesen lassen.

Übersicht

Die folgenden Texte und verlinkten Seiten sollen einen vertieften Blick hinter die Kulissen schaffen - nicht nur die tristen oder bejubelten Zahlen erfolgreicher Aktionen ("Linke" und Bullen sind beim Castor wie Parteien nach der Bundestagswahl ... alle haben gewonnen), sondern die Analyse hinsichtlich der Fragen:

Auf dieser Seite sind zu finden:


Auf anderen Seiten finden sich:

Die Sammlung wird ständig ergänzt. Folgende sind bereits in Arbeit und folgen in Kürze:

Auswertungstexte anderer:

Zusammenfassung

Die Vorphase:
  Schwierige Kontaktaufnhme ... erster Rauswurf ... Einigung ... weitere Rauswürfe

Einleitung ... worum sollte es gehen?

Bereits nach den letztjährigen Castorprotesten verstärkte sich in verschiedenen Diskussionen, u.a. auf den bundesweiten Treffen „Kreativer Widerstand & Organisierung von unten“ sowie der Mailingliste des Hoppetosse-Netzwerk für kreativen Widerstand (www.projektwerkstatt.de/hoppetosse) zum einen die Kritik an einer inhaltlich stark auf den Castor reduzierten öffentlichen Vermittlung der Aktionen sowie zum anderen die Dominanz von Eliten innerhalb der Bewegung – z.B. intransparente Gremien und Apparate sowie StellvertreterInnenpolitik gegenüber Behörden und Presse. Im Sommer 2002 spitzte sich die Kritik angesichts des Desinteresses und der verheerenden Dominanzvorfälle bei der Vorbereitung der Aktionen gegen das Atomforum sowie der sich steigernden öffentlichen Ausrichtung auf Demokratie und Rechtsstaat zu (Flugblätter der BI Lüchow-Dannenberg, Werbung der BI und des Multifunktionärs Jochen Stay für den etatistischen (staatsorientierten) Groß-NGO Attac). Folge waren konkretere Planungen und Ideen für die Ausweitung des Castor-Widerstandes auf eine allgemeine Herrschaftskritik. Die Diskussion darum hat sogar schon eine längere Tradition. So wurde der Text „Hinter dem Castor steht das System“ im Rahmen der Proteste gegen den Grünen-Parteitag im Frühjahr 2001 in Stuttgart als Rede gehalten, zudem gab es auf dem Wendlandcamp 2001 einen Direct-Action-Workshop, aus dem heraus eine Attacke auf die örtliche Polizeistation mit dem Transparent „Polizei abschaffen!“ und das Rathaus mit „Für eine herrschaftsfreie Welt!“ entstand. Diese stieß gerade wegen der grundsätzlich herrschaftskritischen Aussage auf dem Camp auf breite Kritik. Ständige Kritik riefen die Castorproteste hervor, bei denen sowohl Basisaktionsgruppen mit reduzierten Aussagen („Stoppt Castor!“) wie auch eine ständige Instrumentalisierung der Proteste durch wenige FührungsfunktionärInnen - vor allem der Umweltverbände plus den beiden Dauerapparatschiks Wolfgang Ehmcke und Jochen Stay, die ständig als Sprecher aller Aktiven inszenieren (lassen). Vorbereitungstreffen und Anti-Atom-Konferenzen werden von intransparenten Zirkeln dominiert. Vorschläge für Änderungen wurden abgelehnt, z.B. zum Ablauf der Anti-Atom-Konferenz zweimal gegenüber Vorschlägen der Projektgruppe HierarchNIE! oder für die Schaffung einer offenen Presseplattform durch die Mehrheit des Vorbereitungstreffens des Antiatomforums-Bündnisses.
Die Idee einer „Organisierung von unten“ sowie der grundsätzlich herrschaftskritischen und visionären Positionierung und Vermittlung wurde aus Basisgruppen erstmals gemeinsam im Rahmen der Anti-NATO-Proteste im Frühjahr 2002 in München verwirklicht. Danach und auf der Basis einer kritischen Auswertung wurden die Atomforumsproteste in Stuttgart als nächster gemeinsamer Bezugspunkt von einigen Basisgruppen ausgewählt. Die Pläne scheiterten am erbitterten Widerstand der alteingesessenen FunktionärInnen der Anti-Atom-Szene im Südwesten. Ausgrenzungen und Spaltungen machten für beide Seiten jegliche wirkungsvolle Aktion unmöglich. Weitere Projekte, bei denen mehrere Basisgruppen überregional herrschaftsfeindlich und organisiert „von unten“ waren die Anti-Wahl-Aktivitäten (www.wahlquark.tk, zu unterscheiden von eher elitären und zentral organisierten Wahlboykott-Aufrufen) im Sommer 2002 und eben der Castor ins Wendland im November 2002.

Im Folgenden: Kursiv und eingerückt sind zitierte Mails
Kontaktversuche

Bereits im ersten Halbjahr 2002 fanden erste Treffen in Lüneburg statt, um die Ideen einer offenen Aktionsplattform als wesentliches Element der „Organisierung von unten“ (statt nur Eliten zugänglicher Infrastruktur, Presseverteilern usw.) und der Ausweitung von Aktionen auf alle Herrschaftssymboliken mit entsprechender Vermittlung (Rathäuser, Regierungsbehörden, Gerichte, Medien, Knäste, Soldatendenkmäler, Nationalsymbole usw.) zu diskutieren. GesprächspartnerInnen waren einerseits die LIGA (Anti-Atom-BI in Lüneburg) sowie das Anna&Arthur (autonom-anarchistisches Infocafe in Lüneburg). Beide Gruppen signalisierten großes Interesse, vereinbart wurde, sich weiterhin über die Planungen auf dem laufenden zu halten.
Doch daran hielten sich beide nicht – trotz einseitiger Information zu ihnen hin und auch Nachfragen bzw. Bitten um Rückmeldung per Telefon und Mail gab es nicht eine einzige Reaktion aus Lüneburg. Nachdem daher Zweifel an der Realisierbarkeit entstanden, entschlossen sich zwei Menschen aus Basisgruppen im Kreis Gießen und Osnabrück, nach Lüneburg zu fahren. Im Vorfeld gab es verstärkte Bemühungen um Termine sowohl mit LIGA- wie auch mit Anna&Arthur-Menschen. Zweiteres gelang kurzfristig als Reaktion auf die folgende, direkt vorher an verschiedene Gruppen (LIGA, A&A, Ökoreferat ...) verschickte Mail (geschrieben 9.10.2002, 11:06 Uhr):

Hallo,
seit Tagen krampfe ich mir über Mailadressen und Telefonnummern einen ab, um einen Kontakt nach Lüneburg zu bekommen - aufbauend auf Gespräche in Anna&Artur sowie mit der LIGA. Leider funktioniert NIX - Adressen tot, keine Antworten ...
Wir würden (ein paar Leute aus verschiedenen Städten) gerne am nächsten Wochenende (ja jetzt, in 3 Tagen) vorbeikommen und Vorabklärungen machen (genauer: sonntagmittag kommen, bis montagnachmittag bleiben). Wir würden uns gerne mit AkteurInnen treffen - und wir brauchen für 1-5 Leute (leider können wir ja nicht  genau planen) einen einfachen Pennplatz.
Wer meldet sich mal?
Schnell ... wäre sehr nett.

Eine LIGA-Person konnte einmal telefonisch erreicht werden, bat aber darum, daß sie jemanden anders zum Zurückrufen bewegen wolle - es geschah aber nichts.

Besuch in Lüneburg, um alles zu klären ...

So trafen die zwei Aktivistis in Lüneburg zum mit A&A-Leuten verabredeten Termin in Lüneburg ein – im Anna&Arthur. Dort aber begann gerade ein ganz anderes Treffen, von dem die beiden nichts wußten. Eine LIGA-Person lud die beiden aber spontan ein ... der weitere Ablauf ist aus einem Mail der Hoppetosse-Mailingliste sowie anschließend einem Text zu sehen, der für das Lüneburger Szenemagazin „Streitblatt“ und auf deren Bitte hin geschrieben wurde (ob er da wohl noch erscheint???).

- ankunft in lüneburg sonntag mittag, verabredet gewesen mit leuten aus infoladen-strukturen (anna + artur)
- niemensch da ausser einigen checkerInnen aus der anti-atom-szene: liga, ökoli, bi lüchow-dannenberg, anti-atom-aktuell und so. "deli-treffen" (ist das dann eigentlich "direkt-demokratisch"?). sehr sehr wichtig ...
- jörg und mir wird von einem liga-menschen angeboten mit zum treffen zu kommen (war totaler zufall (oder?) dass die sich grade getroffen und zum plenum in nem seminarraum aufgemacht hatten) und unsere planung für lüneburg vorzustellen, zu koordinieren
- auch "besagte kreise" haben einen aktionschwerpunkt in lüneburg
- wir setzen uns dazu, weden ignoriert, dann die frage ob es nicht bedenklich wäre mit verfassungsschutz blabla, ausschlussantrag durch ökoli...
- wir gehen nach hin und her und anbahnender bis vollzogener eskalation wieder raus. will da jetzt nix mehr zu schreiben, vielleicht jörg ja noch später. aber schon einfach absurd, wir seien unsolidarisch und sollten den sabbel halten und blabla. einige scheinen schon gecheckt zu haben dass es eigentlich um was völlig anderes geht ("also wenn hier wer kontakt zum vs hat, dann bestimmt nicht jörg" und so), aber ausschluss ist halt immer die einfachste lösung...
- dann rumtelefonieren um die eigentlich mit uns verabredeten aufzutreiben, nach einer stunde werden wir abgeholt, gehen mit zwei leuten in ne wg, dann schon ein recht spannendes gespräch über november-castor
- die räume im infoladen scheinen noch nicht verplant zu sein. die beiden mit denen wir geredet haben sind von der infoladen-gruppe, recht grosse kneipe, mehrere räume, theke, wie das halt so ist in allen infoläden ausser dem in osna vielleicht ...
- einige ideen; antidemokratische herrschafts- und verwertungsfreie zone mit umsonstladen, offener medienplattform, da-treffpunkt und vorbereitungs-krams und so im infoladen, vielleicht einige infopunkte in der city (aktionsmobil?), tägliche kleine zeitung während der castor-woche, vielleicht dafür ne mini-druckerei aus dresden (neue prowe) anschleppen, stadtkarte, wie in münchen im februar, mit "potenziellen angriffszielen" ;-)
- haben uns überlegt dass jedeR einfach alles mögliche mitbringt (viel zu überlegen gabs da nicht), so an material, da-krams (mag da jetzt nix genaueres sagen), nur so kann kooperation statt verwertung ja letztendlich funktionieren, sonst müssen wir halt da einkaufen gehn ... also gesucht sind vor allem scheren ;-). naja und tacker, bürokrams, alles was halt so einfällt 
- genaueres wohl am kommenden freitag, donnerstag ist da das infoladen-plenum speziell zum castor, soll geplant werden was in den räumen passiert, ich fahr da wohl nochmal hin und spätestens dann mail ich noch mal
Erster Castor-Platzverweis oder:
Warum es dringend nötig ist, Eliten zu überwinden - auch in den eigenen Reihen!

Sonntag, 12.10.2002, Lüneburg. Die Elite des Castorprotestes trifft sich zum sogenannten Delegiertentreffen. Probleme mit StellvertreterInnentum gibt es hier von vorneherein nicht. Doch die Elite will Elite sein - mit allen modernen Mitteln der Herrschaft. Und so erfolgte als Tagesordnungspunkt 1, auf Antrag des Delegierten einer autoritären Partei, der Rauswurf eines Akteurs aus dem Treffen. Was in der Debatte um diesen Rauswurf geschah, zeigt deutlich, wie sich Eliten organisieren und verteidigen. Welche Rolle ihre willfährigen UnterstützerInnen spielten und warum es nötig ist, endlich einen Schlußstrich zu ziehen unter Jahrzehnte herrschaftsförmiger politischer Arbeit gerade in Deutschland.
Überraschend war das alles nicht. Rein zufällig verabredeten sich in Lüneburg im gleichen Haus und zur gleichen Zeit zwei „Szenen“ zu einer Vorbesprechung zu den Castortransporten. Einerseits die Eliten der Anti-Atom-Bewegung, vor allem älterer Männer (und wenige Frauen), die in immer ähnlicher Zusammensetzung die Köpfe der unabhängigen Anti-Atom-Zusammenhänge bilden. Sie sind neben X-tausendmalquer und dem NGO-Spektrum eine der großen Drei im Anti-Atom-Filz, der zwar das gegenteilige Ziel verfolgen, aber eine ähnliche Struktur aufweist wie die Pro-Atom-LobbyistInnen und die ihnen zuarbeitende Staatsgewalt. Die Anti-Atom-Konferenzen sind ihre Großtreffen, einige Rundbriefe und die anti atom aktuell überwiegend ihr Sprachrohr. Soweit - sogut. Das allein wäre noch nicht herrschaftsförmig. Doch die Wichtig-Männer (und wenige Frauen) der Szene betreiben die Absicherung ihres Elitedaseins durchaus systematisch.  Die zweite Runde, die sich am gleichen Ort traf, war kleiner und zu dem Zeitpunkt noch unvollständig. Anwesend waren schon zwei Menschen aus verschiedenen Städten, die miteinander im „Netzwerk für kreativen Widerstand“ (http://www.projektwerkstatt.de/hoppetosse/index.html) vernetzt sind und dort mit anderen über Ideen gegen den Castor diskutiert hatten. In diesem Zusammenhang gibt es kein StellvertreterInnentum, keine SprecherInnenräte, PressesprecherInnen und andere Formen von Eliten. Herrschaftsverhältnisse treten dort auch auf (leider), ihr Abbau ist aber ständig Gegenstand von Debatte und Handeln.
Einzelne der beiden Runden kannten sich und so lud ein Mensch der ersten die beiden Anwesenden der zweiten ein, doch am Delegiertentreffen teilzunehmen, da ja über dasselbe geredet werden sollte und so eine Koordination möglich wäre.  Tatsächlich verteilten LüneburgerInnen dann auch eine Tischvorlage mit Aktionsvorschlägen für Lüneburg - das wollen die Kreativ-Widerständler ja auch.  Doch es gab einen kurzen Prozeß. Noch bevor es losging, fragte der für ständige Rauswurf-Anträge bekannte C. vom BundessprecherInnenrat der autoritären Partei Ökologische Linke: „Finden wir es o.k., daß wir hier im Raum mit jemandem zusammen tagen, der Kontakte zum VS hatte?“ Und damit begann das fröhliche Eindreschen auf eine Person, die mensch ohnehin weghaben wollte, war sie doch bekannt als entschiedener Gegner der Existenz von Eliten und hierarchischen Strukturen. Der eigentliche Vorwurf eines knapp 2 Jahre alten VS-Kontaktes (jenseits der Kritik an dem Kontakt gibt es keine konkreten Vorwürfe, daß Aussagen, Kooperation u.ä. vorgekommen seien) schien denen, die den Rauswurfen organisieren wollten, denn auch wenig zukräftig - und so wurde wild durcheinander alles mögliche festgestellt:

Es ließen sich einige Beispiele für die Art von Herrschaftsausübung nennen. Doch das Detail ist ebenso uninteressant wie der konkrete Vorgang überhaupt.  Wichtiger ist etwas anderes: Insgesamt ist das Ganze nämlich nur ein kleiner Baustein für eine Praxis von herrschaftsförmiger Organisierung, wie sie in den politischen Strukturen ganz besonders in Deutschland gang und gebe ist: Ob in „linken“ Zeitungen, in Netzwerken oder NGO, Internetprojekten oder Camp-/Kongreßvorbereitungsgruppen - immer gibt es die Eliten, bestehend oft nur aus einer oder wenigen Personen. Sie sichern ihre Macht ab über regulierte Informationsflüsse, abgeschottete Treffen, Sicherung des Zugriffs auf Daten und Ressourcen (Geld, Materialien, Räume, Posten usw.). über gerichtete Kommunikation in Rundbriefen, bei Redebeiträgen auf Demos und Treffen bis hin zu Ausgrenzungen, wo das alles nichts hilft. Kein Zusammenhang in Deutschland ist zur Zeit sichtbar, wo das nicht so ist.
Das aber hat viel damit zu tun, wie wirksam politische Aktion in der Gesellschaft ist. Die Strukturen entsprechend weitgehend dem Staat selbst. Die AkteurInnen verhalten sich kungelig nach innen, die Eliten absichernd, die Machtressourcen umklammernd. Nach außen (z.B. zu anderen politischen Zusammenhängen mit ähnlichen Innenstrukturen) verhalten sie sich dagegen hochkonkurrend. Eben wie Parteien zueinander, wie Nationen, Fußballmannschaften, usw.
Jetzt über den Lüneburger Vorgang, die Selbstverteidigung der Elite* gegen ihre Infragestellung, zu diskutieren, ist verkürzt. Wichtig wäre eine grundsätzliche Debatte - und vor allem das Handeln. Gegen herrschaftsförmige Gesellschaft, gegen Markt und Staat, Diskriminierung und gerichtete Kommunikation kann nur eine Bewegung erfolgreich sein, die diese „Spielregeln“ nicht selbst reproduziert. Und zwar nicht, weil Herrschaft nur ohne Herrschaft gebrochen werden kann (solche Axiomen, d.h. Dogmas ohne weitere Begründung, setzen eher die FetischistInnen der Gewaltfreiheit oder der ArbeiterInnenklassenlehre), sondern weil Emanzipation niemals ein einmaliger Akt sein kann, sondern nur ein immerwährender Prozeß - der aber nicht gelingen kann, wenn nur eine Elite durch die andere ersetzt wird oder zu einen Elite (Staat, Konzerne, Medien & Co.) eine weitere in den internen Strukturen hinzu kommt.  Hinzu kommt, daß Eliten immer untereinander durchlässig sind und das gemeinsame Interesse verfolgen, als Elite zu bestehen. Staat und Markt stützen Eliten, so fordert z.B. das Demorecht eine Demoleitung und Ordner, das Vereinsrecht einen Vorstand, die Presse fordert SprecherInnen - und die meisten politischen Gruppen unterwerfen sich diesen Spielregeln ... oft auch gerne, denn das eigene Bedürfnis der Eliten, Elite zu sein, wird so zusätzlich abgesichert. Ebenso springen Menschen, die in der Elite agieren, zwischen Eliten hin und her. Die Leitungsgremien, Geschäftsstellen usw. von NGOs, Parteien, Konzernen, Netzwerken, Medien usw. sind untereinander durchlässig ... dazu bedarf es keiner neuen Beweisführung unter dem Label „attac“, solche Prozesse sind sei Jahrzehnten Praxis.
Das Gegenmodell ist das der „Organisierung von unten“. Niemand vertritt mehr jemanden anders. Keine Runde kann per se Entscheidungen treffen, die andere betreffen. Alles ist das Miteinander, die freie Kooperation und Vereinbarung der AkteurInnen und ihrer Zusammenschlüsse. Wo immer darüber diskutiert wird, was dann viele angehen soll, müssen auch diese immer zugelassen werden. Es gibt keine Form von „Illegalität“, sprich der Ausgrenzung als Übernahme der Spielregel soziale Ausgrenzung oder Ausweisung von Menschen. Nichts gilt per se, sondern alles ist Gegenstand der Vereinbarung. Die Organisierung erfolgt ebenso als Handeln der konkreten Menschen und ihrer Gruppen. Ein umfangreicheres Ideenpapier dazu ist auf einen Treffen zu „Organisierung von unten“ entstanden. Es ist ein Diskussionspapier, parallel dazu entwickelte sich eine Praxis der Organisierung, z.B. die offenen Presseplattformen (statt in Eliten ernannter oder selbsternannter PressesprecherInnen) oder der Aufbau offener Infrastruktur bei Aktionen (Direct-Action-Points) oder dauerhaft (Projektwerkstätten usw.).
Diese Modelle stehen grundsätzlich gegeneinander. Über besonders extreme Formen der Machtausübung, wie in Lüneburg geschehen, zu streiten, wäre falsch. Es wäre eine Debatte, die die Herrschaft der Eliten modernisiert. Die Frage, die nötig ist, ist die nach der Existenz der Eliten. Sie machen seine Fehler, ihre Existenz ist der Fehler. Sie sind Teil einer Organisationsstruktur, die die Spielregeln der existierenden Gesellschaft übernimmt und eine Kollektivität konstruiert, die der Nation im Kleinen ähnelt. Dieses grundsätzlich zu überwinden und eine Form kreativer Widerständigkeit und selbstorganisierter Selbstbestimmung in Alltag und Politik zu entwickeln, wäre die grundsätzliche Alternative.
Fuck Eliten! Hier und überall! Herrschaft runterfahren!

Über den/die AutorIn dieses Textes darf spekuliert werden - das machen Eliten und ihre willigen Vollstrecker gern. Weitere Infos zu Organisierung jenseits von Elitismus und Herrschaft: http://www.projektwerkstatt.de/von-unten und http://www.projektwerkstatt.de/ovu.

*Elite ist keine abgegrenzte „Schicht“ oder „Klasse“. Die Personen können wechseln (wenn auch ein Eindringen in Eliten meist der Akzeptenz der bestehenden Elite bedarf), es können auch neue Teile von Elite entstehen - immer aber gibt es die Elite als strukturell mehr oder weniger gut erkennbare Ebene. Neuere Eliten in der Bewegung oder der Gesellschaft entstanden z.B.  durch attac oder die Antideutschen - jenseits der Kritik an ihren politischen Konzepten bzw. Konzeptionslosigkeit sind beide von Beginn an als Elite organisiert).

Auch dieser Text ging nach dem Rauswurf über verschiedene Listen.

Mit der LIGA gab es kein verabredetes Gespräch mehr, nur eine kurze Unterhaltung am Abend in einer Privatwohnung, wo die Aktivistis mit zwei Leuten von A&A noch vorbeigingen. Dort wurde formuliert, daß jetzt erstmal eine Entscheidung getroffen werden müsse, ob es erlaubt sein würde, Treffpunkte im Anti-Castor-Widerstand (vor allem den geplanten Infopark im Clamartpark) zu betreten.

Erst mit Stunden Verspätung konnten Anna&Arthur-Leute erreicht werden. Sie hatten den verabredeten Termin allesamt verpennt – und auch im Plenum einen Tag vorher vergessen, davon zu berichten. Somit kam auch nur noch eine kleine Runde zusammen. In dieser wurden aber viele kreative Ideen ersonnen, die in ein ersten Vorschlagspapier mündeten, daß im Hoppetosse-Netzwerk veröffentlicht und an Anna&Arthur geschickt wurde. Der Text:

Ideen und Vorschläge für eine Woche zu „Widerstand und Vision“ in Lüneburg (Widerstand gegen Castor und mehr ...)

Hinweis: Alles sind nur Vorschläge. Am Donnerstag wird ab 19 Uhr im Anna&Arthur (Katzenstr. 2) in Lüneburg über alles geredet und dann endgültig besprochen, was alles laufen soll.

Grundideen:

Die verschiedenen Bausteine könnten sein:

1. Anna&Arthur als Plattform für „Widerstand & Vision“:

2. Aktionsmobil als rollender Aktions- und Infowagen:

(unklar ist, ob die LIGA uns da will oder nur für „alle außer uns“ offen sind wird – wäre zwar absurd, daß Nazis reinkönnten, aber wir nicht, aber möglich scheint das. Wir haben deutlich gemacht, daß das erhebliche Mehrarbeit für beide „Seiten“ bedeuten würde, wenn zu unterschiedlichen Anlaufpunkten mobilisiert würde ... also wie in Stuttgart)

3. (Zwei)Tageszeitung

4. Stadtplan und Sonstiges

Das Plenum

Auf das Fax gab es keine weitere Reaktion. Vereinbart war, daß diese Ideen auf dem nächsten Plenum diskutiert werden sollten – was auch geschah, in Anwesenheit eines der beiden, die vorher schon in Lüneburg waren. Dieser stellte die Ideen nochmals vor. Das Plenum lehnte die die „antikapitalistische Zone“ ab, weil sich A&A unter Sachzwang sah, die Castorproteste auch für vermehrten Thekenumsatz zwecks Mietfinanzierung zu nutzen. Daraufhin wurde diese Idee auch verworfen, der gesamte übrige Rahmen aber wurde ohne Kritik aufgenommen. Formale Abstimmungen gab es zwar nicht, das schien aber auch unüblich – ohnehin war das Plenum von krassen Dominanzverhalten weniger vor allem männlicher RednerInnen geprägt.
Nach diesem Plenum, daß von den A&A-Menschen als Voraussetzung für das konkrete Loslegen vorher bezeichnet wurde (weswegen ja auch nochmals jemand nach Lüneburg fuhr), wurden die Ideen veröffentlicht (Internet: www.atommafia.de) und in verschiedenen Städten begannen Aktivitäten (Zeitungsprojekt, Presseplattform, direkte Aktionen, Materialien für alles als Sachspenden organisieren usw.). Aus Lüneburg gab es keine weiteren Rückmeldungen, der Infofluß blieb weiter eine Einbahnstraße.
Die folgende Protokollierung des Plenums zeigt aber sehr eindeutig, daß das Plenum den Vorschlägen zustimmte, denn etliche Anwesende sagten bereits Unterstützung zu oder wollten sich gar um Einzelnes selbst kümmern:

Einladung A&A-Plenum

Hier jetzt mal ein paar Infos aus Lueneburg, war da am Donnerstag um mit den Infoladen-Menschen weiter ueber die Anti-Castor+co(!)-Tage zu reden...
-ab jetzt jeden Donnerstag Info-/Koordinationsabend im A&A
-die Miete fuers A&A muss durch Tresenverkauf und so reinkommen, die Castor-Zeit ist mit die wichtigste dafuer jedes Jahr... der Vorschlag, parallel dazu noch Essen und so umsonst zu organisieren und ebenso ("gegen" Spende?)anzubieten wurde, mit einschraenkendem Verweis aufs Gesundheitsamt (?), das die Konzession entziehen koenne (?), recht positiv aufgenommen
-Mail-Verteili fuer Oeko-Einrichtungen, Biolaeden und so wird fuer Spendenaufruf genutzt werden, hat schon mal sehr gut geklappt ("konnte das ganze kaum in meiner Wohnung unterbringen, kofferweise Tofu und so")
-einige Leuts haben schon angekuendigt Transpi-Stoffe, DA-Material und so weiter mitzubringen
-mehrere Info"staende" mit Aktionsmobil werden versucht anzumelden
-ein ("low-tech"?) Kopierer ist vor Ort den wir wohl zum Papierpreis nutzen koennen, Papier wird moeglicherweise von der Uni besorgt
-erste Ausgabe der Aktionszeitung soll bereits einige Zeit vor dem 7.11. erscheinen, mit Ankuendigungen und so
-Pennplaetze ueber anticastorbettenbörse@gmx.de moeglich, dort einfach mal anfragen, sonst halt vor Ort, klappte auch fuer mich ganz gut, sozusagen freie Auswahl
-weitere Koordination ueber Telefon, hab gesagt vor Donnerstag (naechstes Treffen im Infoladen "anna&artur") nochmal anzurufen

Und insgesamt hab ich echt n gutes Gefuehl, einige nette Leute mit Interesse, die sich einbringen wollen. Zuerst war ich n bisschen geschockt ueber das 40-Leute-Plenum am Anfang (zum Schluss: "wenns wen gestoert hat dass wieder mal nur Typen und die auch noch viel zu lange geredet haben, koennt ihr uns ja nen anonymen Brief schreiben" oder so aehnlich...). Danach aber noch einige Zeit sehr cooles Gespraech wo eben grob das bei rausgekommen ist was oben steht. Dann ist halt auch noch die geplante "Widerstandsbaustelle" (siehe letzte Mail von mir) superinteressant... werd mal mit denen ueber deren Internet-Seite Kontakt aufnehmen. Und nochmal die Frage: Wer kommt denn jetzt so alles?
Und was haltet ihr denn so von den geplanten Sachen, siehe auch Mails nach dem letzten Lueneburg-Trip? So, jetzt geh ich schlafen, hoffe auf weitere Koordination in Marburg und hoffentlich mit ganz vielen weiteren Besuchis im Laufe der naechsten Woche, lieben Gruss...

Auf dem Plenum erfuhr der Mensch, der aus Hoppetosse-Zusammenhängen anwesend war, erstmals von den Ideen einer Widerstandsbaustelle aus Berlin. Auf dem ersten Treffen hatte niemand davon berichtet, stattdessen wurde klar formuliert, daß noch keine Pläne für die Räume des A&A existierten – wir also die Einzigen seien, die etwas einbrachten. Auch mit der LIGA gäbe es eher wenig Kontakte. (Erst später wurde dann behauptet, daß die Berliner Widerstandsbaustelle schon vor dem Plenum beschlossen worden sei - sehr seltsam angesichts dessen, daß es erst einen Tag vorher den ersten Anruf aus Berlin gab und das Plenum das allererste zum Thema war - diese Darstellung ist also entweder eine spätere Lüge, um die Geschichte zu schreiben, oder Einzelpersonen haben über den Kopf des Plenums hinweg bereits Beschlüsse gefällt, ohne sie dann dem Plenum überhaupt mitzuteilen).

Sofort nach dem Plenum begann der Versuch, mit dem Berliner Anti-Atom-Plenum Kontakt aufzunehmen, zunächst nur über die „offiziellen“ Mailadressen und Telefonnummern, dann auch immer mehr über Bekannte in Berlin, die bei den Anti-Atomis die Rückrufbitten hinterließen. Das AAP grenzt sich nach außen stark konspirativ ab, d.h. gegenüber anderen Menschen in politischer Bewegung werden weder Namen noch Adressen noch direkte Telefon- oder Mailadressen bekanntgegeben. Es ist höchst zweifelhaft, ob das als Absicherung vor Bullen- und VS-Überwachung etwas bringt – eher dürfte die Reduzierung auf eine anonyme Telefonnummer und Mailadresse die Überwachung sogar vereinfachen. Die Kommunikation und Kooperation zwischen Gruppen ist aber massiv gestört. So können die Eliten in politischer Bewegung, die voneinander mehr wissen und sich direkt erreichen können, uneingeschränkter dominieren. Solche Konspirativität dient der Herrschaftssicherung! (Erst später wurde behauptet, der Mensch aus dem Hoppetosse-Zusammenhang, der beim Plenum da war, hätte private Telefonummern erhalten und die nicht angerufen. Er selbst berichtete aber, daß er mehrfach darum gebeten, sie aber nicht erhalten hätte!)

Die Wende: Ohne Vorwarnung alles in Frage gestellt!

So geschah in Sachen Kontakten nach außen wenig. Doch urplötzlich kam dann das erste Mail aus Lüneburg ... unbekannter Herkunft, gezeichnet mit Anna&Arthur (abgeschickt am 24.10.2002, 13:13 Uhr):

Wir, d.h. das Anna & Arthur Plenum, haben Klärungsbedarf!

1. Warum veröffentlicht Ihr immer noch Vorschläge für die X-Tage bei Anna & Arthur, obwohl Euch spätestens seit letztem Donnerstag klar sein muss, dass einiges so schlicht nicht realisierbar ist und für den Rest z. T. erheblicher Klärungsbedarf besteht ?
2. Warum meldet Ihr Euch nicht bei den BerlinerInnen um eine Zusammenarbeit zu klären ?
3. Was schreibt Ihr für eine Scheiße über die LIgA ?

Das letzte Anna & Arthur Plenum hat folgendes beschlossen:
Wir erwarten, dass Ihr Euch umgehend mit den BerlinerInnen in Verbindung setzt.
Wir erwarten, dass Ihr Euch zu Euren Aussagen über die LIgA äußert.
Wir erwarten, dass Ihr Eure Homepage umgehend aktualisiert.

Wenn Ihr euch nicht in der Lage seht oder nicht bereit seit, diese Dinge bis spätestens Donnerstag, den 31.10.02 mit uns zu klären, sehen wir keine Basis für eine Zusammenarbeit bei Anna & Arthur.

verständlicherweise angesäuerte Grüße
Anna & Arthur

Wir riefen sofort an – direkte Kommunikation. Die Beschlüsse wurden bestätigt, jedoch wurde beiderseits versichert, daß an einer Einigung Interesse bestehe. Zu den Fragen wurde wiederum zu 1. und 3. nachgefragt, was genau gemeint sei – zu 1. nur der Hinweis auf den Vorschlag der „antikapitalistischen Zone“, der von Anna&Arthur abgelehnt wurde, da sie per Verkaufstheke ihre Mietkosten decken müßten. Zu 3. wurde der Satz benannt, daß im Clamartpark möglicherweise am Ende Nazis erlaubt, aber Menschen aus Direct-Action-Zusammenhängen verboten würden. Beides wurde sofort aus der Vorschlagsliste entfernt ... obwohl es ja als „Vorschläge“ gekennzeichnet war.
Zu 2. wurde Anna&Arthur mitgeteilt, daß der Kontakt zum AAP Berlin daran scheitere, daß dort nur anonyme Telefonnummern mit AB und Mailadressen offiziell bekanntgegeben worden seien. Die AAP reagiere nicht auf Anrufe oder Anschreiben. Auch etliche Rückrufbitten, hinterlassen über persönliche Bekannte bei AAP-Aktiven, blieben ohne Reaktion.

Trotz hohen Zeit- und Geldaufwandes entschlossen sich aber mehrere Personen, zum vierten Mal nach Lüneburg zu fahren – am 1.11.2002 luden Anna&Arthur-Menschen zu einem Klärungsgespräch ein. Genaueres über dieses Gespräch erfuhren wir nicht, allerdings wurde uns gesagt, daß dort abschließend entschieden werden sollte. Angesichts des bis dahin für uns sichtbaren Plenumsfetischismus bei Anna&Arthur (inzwischen ist sichtbar, daß Eliten bei Anna&Arthur auch ohne Plenum entscheiden können und das Plenum vor allem taktisch benennen, wenn es ihnen hilft) gingen wir davon aus, daß es sich folglich um ein Plenum handeln müsse.

Durch die Herrschaftsbrille: Der Sprachstil der Mail zeigt, daß die AbsenderInnen ihre Machtposition (Hausrecht) kennen und ausnutzen. Sie stellen keinen Dialog her, sondern schreiben Texte, die vom Stil her einem Bescheid einer Behörde ähneln. Deutlich zeigt das „Wir erwarten, dass ...“, wie offensiv hier Herrschaft ausgeübt wird und werden soll. Der Datumshinweis ist ein Ultimatum mit automatischer Ausgrenzung im Falle der Nichteinhaltung, also ebenfalls nur aus einer Herrschaftsposition heraus erklärbar. Zudem wird komplett verschwiegen, daß alle Kommunikation bisher Einbahnstraße war ... Anna&Arthur haben es ständig nicht organisiert bekommen, selbst etwas zu planen, verabredete Treffpunkt einzuhalten oder direkten Kontakt aufzunehmen.

Schriftliche Antwort an "Anna&Arthur"

Das Antwortmail der zwei Menschen, die bei der Vorbesprechung in Lüneburg waren (einer davon dann auch beim Plenum, wo alle Vorschläge vorgestellt und diskutiert wurden):

Hallo,
in Saasen sitzen jetzt wir zwei, die auch schon das erste Mal bei Euch waren, und erhalten Eure Mail. Zunächst sind wir etwas entsetzt, weil diese Entwicklung sehr plötzlich kommt und uns auch nicht klar ist, warum das so ist. Denn: Wir sind zu Euch gefahren beim ersten Besuch. Dann haben wir die Vorschläge an Euch gefaxt und jemand ist nochmal zum Plenum gefahren, hat das alles vorgestellt. Bis auf die Sache mit der Theke, die zur Finanzierung gebraucht wird, hat es keinen Widerspruch gegeben.
Unser Text stammt von vorher ... und es ist alles als "Vorschläge" gekennzeichnet (in einem Mail der LIGA werden wir sogar attackiert, wir hätten "neue Spielregeln definiert" - das ist schon eine krasse Verdrehung).
Wir haben hier Angst, daß da ein Streit entsteht, der nicht mehr klärbar ist, weil gar nicht richtig klar ist, was unklar ist. Und wir haben den Eindruck, daß es möglicherweise Menschen gibt, die ein Interesse daran haben, daß es nicht geklärt wird, weil sie uns dann rauskicken können. Das fänden wir sehr traurig.
Wir versuchen, auf Eure Fragen einzugehen. Leider, leider sind sie bereits mit negativem Unterton formuliert ... so ist es nicht leicht.

> 1. Warum veröffentlicht Ihr immer noch Vorschläge für die X-Tage
> bei Anna & Arthur, obwohl Euch spätestens seit letztem Donnerstag
> klar sein muss, dass
> einiges so schlicht nicht realisierbar ist und für den Rest z. T.
> erheblicher Klärungsbedarf besteht ?
Siehe oben. Wir haben ja alles besprochen - und abgelehnt wurde "nur" das mit der antikapitalistischen Zone. Unser Vorschlagspapier ist ja das, was wir Euch geschrieben haben. Wir haben das jetzt im Internet auch geändert. Bitte bedenkt: Wir kommen aus unterschiedlichen Städten - die Internetseite zum Castor wird in Saasen gemacht, der Mensch auf Eurem vorletzten Plenum kam aus Osnabrück. Da vergehen ein paar Tage des Infoaustausches.

> 2. Warum meldet Ihr Euch nicht bei den BerlinerInnen um eine
> Zusammenarbeit zu klären ?
Hier mal deutlich gemacht, daß schon ein negativer Unterton drin ist. Ihr fragt nicht "habt Ihr Kontakt zu ...", sondern "warum ... nicht". Damit unterstellt Ihr, daß es so ist. Warum schreibt Ihr das so?
Wir haben auf mehreren Drähten Kontakt aufgenommen: Per Mail und über eine Person in Berlin, die die Leute direkt kennt. Sie hat diese auch bereits angesprochen. Die Gruppe in B arbeitet aber hochkonspirativ, was ja vor allem eine Kontaktaufnahme erschwert. Wir können nur indirekt agieren oder Mails irgendwo hinschicken. Das tun wir - bislang melden die BerlinerInnen sich aber nicht bei uns.

> 3. Was schreibt Ihr für eine Scheiße über die LIgA ?
Das ist eine nicht sonderlich konkrete Frage. Bitte benennt konkrete Zitate u.ä.

Dann noch zu Euren Forderungen ... mit der Vorbemerkung, daß der Tonfall ein bißchen nach Polizeiverhör klingt ...

> Wir erwarten, dass Ihr Euch umgehend mit den BerlinerInnen in
> Verbindung setzt.

Siehe oben.
Und Gegenfrage: Warum fragt Ihr nicht nach? Warum ruft Ihr nicht mal an? Warum ist unser Verhältnis eine totale Einbahnstraße?

> Wir erwarten, dass Ihr Euch zu Euren Aussagen über die LIgA äußert.

Wie gesagt: Bitte die Aussagen benennen. Der längere Text zum Rauswurf beim Deli-Treffen ist übrigens in Abstimmung mit Euch für das Streitblatt entstanden (nicht der Text ist abgestimmt, aber daß wir einen schreiben).

> Wir erwarten, dass Ihr Eure Homepage umgehend aktualisiert.

Ist geschehen. Aber auch nicht so einfach, weil Ihr nicht konkret äußert, was inaktuell sein soll. Das mit "antikapitalistischer
Zone" haben wir rausgenommen und das mit der Frage, ob wir überhaupt in den Clamartpark dürfen, weil das ja auch geklärt ist.

Anti-Atom-BIs in Lüneburg

Soweit der Handlungsstrang von Anna&Arthur. Der Entwicklung fehlen Gründe. Es hat keinen Streit gegeben mit Menschen von Anna&Arthur. Beim Versuch der gemeinsamen Organisierung hat vor allem Anna&Arthur gezeigt, daß es zu strategischen Absprachen und überlegter Organisierung kaum in der Lage schien. Termine wurden nicht eingehalten, bei den Gesprächen wurde allgemeine Orientierungslosigkeit darüber deutlich, was eigentlich in den Räumen geschehen sollte, irgendwelche hilfreichen Adressen (z.B. zum AAP Berlin) konnte Anna&Arthur nicht geben, ebenso keine Hinweise darauf, was von dort geplant sei. Das schien die Menschen von A&A auch nicht zu interessieren.
Am Deligiertentreffen der Anti-Atom-Eliten, wo auch und schwerpunktmäßig über Aktionen in Lüneburg geredet wurde, waren A&A-Leute nicht anwesend und auch gar nicht geladen/informiert, obwohl der Treffpunkt in ihren Räumen lag. Das zeigt das Verhalten der Lüneburger Anti-Atom-Eliten gegenüber Anna&Arthur. In diese Richtung, nämlich daß massive Beeinflussung aus den Eliten von LIGA und anderen Anti-Atom-Zusammenhängen stattfand, gehen noch etliche weitere Beobachtungen:

Mails der LIGA, zuerst vom 23.10.2002, 1:56 Uhr, dann vom 31.10.2002, 4:37 Uhr:

Hallo Hoppetossler,
mit großem Interesse haben wir soeben Eure Internet-Seite http://www.projektwerkstatt.de/hoppetosse beäugt. Dabei sind uns ein paar Dinge aufgefallen.
- Bisher ist uns noch vollkommen unklar, ab wann Anna und Arthur offen sein wird. Ein Plenumsbeschluss dazu wird erst noch gefasst werden. Ihr könnt nicht einfach so über diesen Raum verfügen und dann auch noch öffentlich dafür werben !!!
- Anna und Arthur als "Anti-kapitalistische Versuchszone" zu beschreiben ist sicherlich ein hehres Ziel. Allerdings haben wir Euch mittlerweile auf mindestens zwei Treffen auf die finanziellen Zwänge von Anna Und Arthur aufmerksam gemacht und Euch die Spielregeln erklärt, wie das bei den letzten Castor-Transporten funktioniert hat (übrigens im Sinne aller erfolgreich !). Ihr könnt nicht einfach so neue Spielregeln definieren, die definitiv vom Anna und Arthur Plenum nicht getragen werden.
- selbstverständlich wählen wir als LIgA uns die Gruppen aus, mit denen wir Sachen zusammen machen. Jede Gruppe, die von sich behauptet das nicht zu tun, lügt. Grundvoraussetzung ist für uns dabei eine basisdemokratische und antiautoritäre Gruppenstruktur. Wenn jedoch, wie bereits mindestens zweimal geschehen, Leute von Euch in unsere Sitzungen reinschneien und mit Ihrer Wortgewalt ein 50-köpfiges Plenum so beherrschen, dass keiner mehr zu Wort kommt, ist dass kein Zeugnis von Basisdemokratie oder so, sondern im positivsten Fall von schlechter Redekultur. Eure Vertreter auf den letzten Treffen hier in Lüneburg haben es irgendwie nicht auf die Reihe gekriegt zuzuhören und die Bedürfnisse und Vorstellungen der meisten PlenumsteilnehmerInnen zu wahrzunehmen und zu respektieren (wir möchten nur nochmal an die Geschichte mit Anna und Arthur erinnern s.o.)
- wenn Ihr, wie auf Eurer Internet-Seite, behauptet, dass die LIgA die Aktionen in Lüneburg organisiert, zeigt das, dass Ihr von den Strukturen hier keine Ahnung habt und Euch auch keine Mühe gebt, das zu ändern. Mit dieser Aussage unterschlagt Ihr das Engagement und den politischen Willen von vielen anderen Gruppen und Menschen aus Lüneburg und Umgebung. Die LIgA ist nur eine von Vielen.
Wir hoffen, auf Besserung.
Grüße aus Lüneburg


-Ist euch immer noch unklar warum wir behaupten das ihr über Räume verfügt die euch nicht zur Verfügung stehen?  Jetzt stehen eure "Vorschläge" schon in einer Entgleisung zu Runterladen obwohl ihr wisst das Anna&Arthur so nicht mit euch will.
- die einzige Spielregel die ihr zu kennen scheint, ist die normative Kraft des faktischen, ihr klärt nix und veröffentlicht fröhlich weiter.
-so ihr( Jörg und noch jemand) wurdet also von jemand zum Delitreffen eingeladen? Diejenige meinte Sie hätte euch mitgeteilt das auch ein Delitreffen ist und die Leute vom Delitreffen haben klar gemacht das ihr nicht eingeladen seid.
- wenn Du Jörg, aufgefordert wirst zu gehen wie anders als mit Wortgewalt ist es zu erklären das es fast eine Stunde dauert bis du gehst? Obwohl Du weißt, das daß Delitreffen noch andere Sachen zu tun hat als deinem Personenkult zu frönen.
- oh, entschuldigung, wir vergaßen zu erwähnen das sich ein "ElitenDelitreffen" nicht so leicht unterkriegen lässt wie das Anna&ArthurPlenum welches mehr aus unerfahrenen Leuten besteht. Nichts desto trotz bist Du, Jörg entgegen den bedürfnissen des Delitreffens zu lange geblieben und hast bis heute die Vorstellungen von Anna&Arthur und der LIgA nicht wahrgenommen.
- auf allen öffentlichen Puplikationen ist darauf hingewiesen das die Plätze in Lüneburg von der Heidewerkstatt organisiert werden. Wenn eine Person etwas anderes sagt solltet ihr prüfen was da stimmt, besoders wenn wir euch darauf hinweisen.(und immernoch steht auf der Internetseite das die LIgA die Zelte und alles auf dem Clamartpark organisiert)

Ein Kooperatives miteinander beginnt mit Kommunikation, erst wenn beide Seiten deutlich gemacht haben was laufen kann, dann sollte es veröffentlicht werden!

Also lasst die Atommafia entgleisen und entfernt alle anderen "Entgleisungen" aus der Öffentlichkeit.
 einer der LigA

Durch die Herrschaftsbrille: Die LIGA-Mails sind von vorneherein sehr grundlegend abwertend, erniedrigend formuliert. Den AutorInnen ging es offenbar darum, zu zeigen, daß sie in der Machtposition sind und den Selbstbestimmung einfordernden „Niederen“ Grenzen aufzeigen konnten. Angebote zur Kommunikation u.ä. gibt es in den Mails gar nicht. Das zweite Mail ist sogar nach dem totalen Verbot verfaßt, also in der Sache völlig überflüssig. Es wirkt eher so, als wenn da Eliten ihren Sieg über die Selbstbestimmung feiern und nochmal nachtreten müssen.
Die Texte sind voller Befehle und Erwartungszwänge. Hinzu kommen arrogante Formulierungen wie „wir vergaßen zu erwähnen“ usw. Zu Herrschaftsverhalten gehört auch das Umschreiben der Geschichte. So war dem Rauswurf aus dem Delitreffen nicht eine Einladung durch eine LIGA-Frau vorausgegangen, sondern neu soll diese sich jetzt sogar gegen die Teilnahme ausgesprochen haben. Ungeklärt bleibt dann, warum die beiden dann Rausgeworfenen zum Delitreffen gingen, wo sie doch komplett zufällig da waren und gar nicht wußten, daß da ein Delitreffen stattfand. Den Rauswurf dann als „Personenkult“ zu bezeichnen, zeigt, wie weitgehend die Arroganz der Macht entwickelt ist – mensch übertrage das auf gesellschaftliche Verhältnisse: Den Ausgegrenzten (z.B. Menschen, die auf der Straße betteln, oder Personen, die abgeschoben werden) wird von den AusgrenzerInnen hinterher noch vorgeworfen, sie würden mit ihrer Ausgrenzung Personenkult betreiben.

Zur Kenntnis: Weitere Mails aus Lüneburger Anti-Atom-Kreisen (anonym)

sorry,
aber wenn ihr weiter so "debatten" anfacht wie jene, euch will ja niemand, noch nicht einmal die liga, weil die wollen stattdessen nazis, was eine infame lüge ist, dann, kann euch niemand und -frau wollen!!!
also, bleibt in euren käffern und versucht nicht uns herrschaftsfreie politik beizupulen!
unfreundliche grüße
qu


na, da kam ja nichts mehr heißt nicht, du bist im nichts versunken. mehr ist das aber auch nicht, deswegen HEUCHLER!!!
du bist die elite die du bekämpfst und nicht ich mit meinen fragwürdigen stil.
arschloch feigling!!!

Antwort der zwei Leute, die in Lüneburg bei der Vorbesprechung waren (und aus dem Deli-Treffen rausflogen)

LIgA-tom@gmx.de (Tomas Liga) schrieb am 23.10.102 01:56:59 zu So geht das nicht, Leute:

Hallo,
wir (zwei Leute, die hier das lesen) versuchen mal, zu antworten.
Einfach ist das nicht, weil in Eurem Mail die Gefahr mitschwingt, daß sich nichts lösen läßt, sondern Fronten entstehen oder verhärten.
Dennoch der Versuch:

>     Hallo Hoppetossler,
Sowas gibt es nicht. Wir sind sehr unterschiedliche Menschen aus unterschiedlichen Orten und lehnen jegliche Form von förmlicher Kollektivität ab.

> - Bisher ist uns noch vollkommen unklar, ab wann Anna und Arthur offen sein
> wird. Ein Plenumsbeschluss dazu wird erst noch gefasst werden. Ihr könnt
> nicht einfach so über diesen Raum verfügen und dann auch noch öffentlich
> dafür werben !!!

Uns ist unklar, warum hier steht "so über diesen Raum verfügen". Im Internet steht EINDEUTIG, daß es "Vorschläge" sind. Dieses Papier ist auch an A&A gegangen. Ein Mensch von uns war dann auch auf dem folgenden Plenum und hat die Ideen dort vorgestellt. Es kam kein Widerspruch außer zu der völligen Umsonstzone.
Uns ins unklar, warum Ihr behauptet, wir würden "einfach so über diesen Raum verfügen".

> Allerdings haben wir Euch mittlerweile auf

Uns ist unklar, warum hier ein "wir" steht. In der Tat haben uns Mencshen von A&A das erzählt. Es wurde dann überlegt, eine Mischung zu machen. Unser Text entstand vorher.

> Ihr könnt nicht einfach so neue Spielregeln definieren, die
> definitiv vom Anna und Arthur Plenum nicht getragen werden.
Auch hier ist uns unklar, wie Ihr zu der Formulierung kommt. Wo "definieren" wir "neue Spielregeln", wenn wir einen Text mit Vorschlägen machen?

> Jede Gruppe, die von sich behauptet das nicht zu tun, lügt.
Auch hier haben wir ein Problem: Bitte redet von Euch und nicht stellvertretend für alle. Es ist sehr wohl möglich, aus politischen Überzeugungen heraus Ausgrenzung grundsätzlich abzulehnen, weil es eine Übernahme von herrschaftsorientierten Logiken ist.

> Grundvoraussetzung ist für uns dabei eine basisdemokratische und
> antiautoritäre Gruppenstruktur.
Und deshalb sind wir in Frage gestellt, wärend die ÖkoLi dabei ist? Auch viele BIs sind Vereine. Die haben per se (Vereinsrecht) keine Basisdemokratie, sondern Vorstände.

> Wenn jedoch, wie bereits mindestens zweimal
> geschehen, Leute von Euch in unsere Sitzungen reinschneien und mit Ihrer
> Wortgewalt ein 50-köpfiges Plenum so beherrschen, dass keiner mehr
> zu Wort kommt,

Da fällt uns wenig zu ein:
 - Wir sind nicht reingeschneit, sondern eingeladen worden von jemandem aus der Liga. Warum Ihr etwas anderes behauptet, ist unklar.
 - Eine Person von uns hat genau NICHTS gesagt. Warum Ihr es so formuliert wie oben, ist uns unklar.
 - Die andere Person ist bei fast allen Versuchen, was zu sagen, ziemlich schnell unterbrochen worden (nur einmal hat jemand aus HH dieses Unterbrechen kritisiert), zudem gab es ständig Zwischenrufe, abwertende Gestiken usw. Warum Ihr es jetzt komplett umdreht, ist uns unklar.

> die Bedürfnisse und Vorstellungen der meisten
> PlenumsteilnehmerInnen zu wahrzunehmen und zu respektieren
Oben steht noch, niemand von Euch sei zu Wort gekommen. Jetzt wird das Gegenteil behauptet, aber auch das gegen uns verwendet.

> - wenn Ihr, wie auf Eurer Internet-Seite, behauptet, dass die LIgA
> die Aktionen in Lüneburg organisiert,
Wir haben nach dem Treffen nochmal ein Gespräch (im privaten Rahmen, mit einer LIGA-Person) geführt. Dort wurde uns gesagt, daß die LIGA darüber entscheiden wird, ob wir kommen dürfen. Das mag ja falsch sein, ist dann aber nicht auf unserem Mist gewachsen.

> Die LIgA ist nur eine von Vielen.
O.K. Das sollte aber nicht das Problem sein, daß wir das ändern. Allerdings haben wir nicht den Eindruck, daß das das Problem ist. Ohnehin steckt hier unsere Angst: das das eigentliche Problem von Euch gar nicht im Mail steht und daher auch so nicht lösbar ist. Der Versuch, uns als nicht antiautoritär zu konstruieren und dann zu sagen, daß solche gruppen nicht erwünscht sind, wirkt eher wie der Versuch, noch irgendwas hinzukriegen, was plausibel erscheint, uns loszuwerden.
Das aber wäre sehr, sehr schade. Wir haben total keine Lust auf die ewige Wiederholung solchen Streits und finden nicht, daß wir ihn angezettelt haben (wie schon gesagt: selbst daß wir auf dem Treffen waren, geht auf eine Person von Euch zurück - ohne daß das jetzt ein Vorwurf ist, wir fanden den Vorschlag ja auch sinnvoll und sind deshalb mit hochgegangen).

Insgesamt wäre nett, wenn Ihr Eure Kritiken präzisiert. Es fällt sehr schwer, etwas Konkretes zu erkennen und nicht das Gefühl zu haben, daß es um Ausgrenzung geht und nach den Gründen noch etwas krampfhaft gesucht wird.
Von uns aus würden wir ein kooperatives Miteinander anstreben. Wir empfinden, daß es schon deutliche Unterschiede gibt in der Einschätzung, was autoritäre Strukturen, Hierarchien usw. sind. Aber wir würden niemals auf die Idee kommen, Euch deshalb auszugrenzen. Weil das eben autoritär wäre.

Zwei Leute, die z.Zt. in Saasen sind

Weiter bis Lüneburg ...

Das folgende Geschehen ist schwieriger zu beschreiben weil es "nur" noch Telefonate und direkte Treffen waren. Das von Anna&Arthur-Menschen eingeladene Klärungsgepräch wurde ohne Rücksprache von ihnen wieder abgesagt. Alle Hoffnung der Klärung lag auf diesem Termin, mit der Absage war es für Außenstehende vorbei, noch etwas zu erreichen. Die Anonymität erschwerte alles weitere. Erst einige Stunden nach dieser Absage gelang endlich ein erster direkter Kontakt zum Anti-Atom-Plenum Berlin. Schockierend, daß eine Person des AAP auf der Hoppetosse-Mailngliste eingetragen war und alle Probleme mitlas. Spätestens in Lüneburg wurde sichtbar, daß diese Person (selbst eher elitär agierend) aber durchaus zu denen gehörte, die den Kontakt gar nicht wollten. Auch das ist Eliten-Strategie - wssen, aber nicht handeln, wenn es für einen gut ist, nicht zu handeln. Und andere unwisend lassen, selbst in der eigenen Gruppe.
Wenige Tage vor dem Start bescuhten Menschen aus dem Hoppetosse-Zusammenahng ein Treffen des AAP. Vor Ort wurde geklärt, daß im Rahmen der Widerstandsbaustelle Aktivitäten möglich sein können. So geschah es dann auch, bis dann in Lüneburg den Eliten auch das zu bunt wurde ... (siehe die weiteren Berichte aus Lüneburg, z.B. Bericht des A&A-Plenums, Bericht  Clamartpark-Plenum, Bericht der "Jagd auf Hoppetosse" usw.).
All diese Schilderungen sollen vor allem Transparenz schaffen. Auf keinen Fall soll der Eindruck entstehen, daß es „Schubladen“ oder „Fraktionen“ gäbe. Sie sind teilweise künstlich erzeugt worden, um einheitliche Blöcke zu formieren und gegeneinander einsetzen zu können – eine typische Strategie von Eliten. Doch tatsächlich hat es viele sehr schöne Kontakte gegeben. Kraß war oft, zu sehen, wie solche Kontakte wenig nützen, wenn einflußreiche Leute ihre Positionen als „Konsens“ oder „wir“ durchsetzen, dabei aber viele andere nie fragen, übergehen oder in internen Treffen erst auf Linie bringen müssen. Insofern bleibt mindestens dreierlei:

Eine politische und strategische Kritik am Castor-Widerstand

Politisches hat der Castorwiderstand kaum zu bieten – dafür aber Leistungsschau und widerliche Ausgrenzungen! So lassen sich die Tage der Zugfahrt zwischen La Hague und Dannenberg sowie die folgenden 20 Straßenkilometer zusammenfassen. Im Vordergrund der Aktionen und Berichte stand der Versuch, den Castor irgendwie um einige Minuten oder gar Stunden zu verzögern. In Pressemeldungen der verschiedenen Gruppen finden sich Berichte wie von einem mittelmäßigen Fußballspiel: Soundsoviele Bullen wurden gebunden oder mußten neu angefordert werden, soundsoviele Minuten Powerplay (sprich Castorverzögerung) oder die Zahl von Platzverweisen (sprich Neu-Tramm ...). Druckvolle Aktionen aber, also solche, die wirklich Normalität veränderten oder mehr als „Wir sind auch wieder da und machen dasselbe wie letztes Mal“ fehlten ebenso ganz wie jeglicher Versuch der inhaltlichen Vermittlung über den Dauerlangweiler „Stopp Castor“ hinaus. Überraschend ist das angesichts der bisherigen Praxis nicht – wohl aber im Vergleich zu den Phrasen, die sonst das Selbstverständnis der Anti-Atom-Bewegung beschreiben. Die staatstragenden NGOs sind nämlich nur ein kleiner Teil des Ganzen, doch ihre Apparate schaffen es geschickt, große Teile der Außenvermittlung bei der Castor-stoppen-Olympiade zu übernehmen. Attac dominier-te diesmal, aber auch die Demokratie- und Gewaltfreiheitsfetischisten um die Pressestars Wolfgang Ehmcke und Jochen Stay spielten sich wieder als Sprecher der Bewegung auf. Neu war der zusätzliche Aktionsschwerpunkt in Lüneburg – aber auch dort nur das gleiche Spiel: Leidlich bekannte Aktionsformen, hierarchische Organisierung (die Pressesprecherin in Lüneburg wurde auf einem Plenum nur kurz vorgestellt, woanders nicht mal das – Mit-sprache dort, wo es wichtig wird, gibt es halt nicht!) und keinerlei allgemeinpolitische Aktionen und Inhalte.
Der folgende Text soll zwei Schwerpunkte der Auswertung setzen – die Inhalte und die hierarchische Organisierung des Widerstands. Deutlich mehr wäre zu sagen, u.a. die unerträglichen Jubelberichte über die Aktionen und die jeweils eigene Organisation. Beim Dargestellten beschränken wir uns zudem auf eine kurze Übersicht (siehe Hinweis am Schluß).

Pro Demokratie – gegen Militanz!

„Demokratie Jetzt!“ lautete die Parole der BI Lüchow-Dannenberg am Ende des Vorwortes zum letzten Rundbrief vor dem Castor. Und die kam auch: Polizei, KonfliktmanagerInnen, bürgerliche Presse, staatsnahe NGOs – sie alle liefen im Wendland und entlang der Castor-Strecke wieder zu Hochform auf. Sie sind einige der Säulen der Demokratie. Der Castor fährt nicht trotz, sondern u.a. wegen der Demokratie. Demokratie ist eine Herrschaftsform, zu der die Durchsetzungsmittel eines jeden Nationalstaates gehören: Militär, Justiz, Behörden, Grenzen, BGS, Polizei und VS, Schulen und Medien – und das zudem ausnahmslos verbunden mit Marktwirtschaft und Normierungen aller Art.Polizei soll Bürgern helfen
Vor allem in den Chefetagen der Anti-Castor-Bewegung ist davon aber nichts bekannt. Die Demokratie soll gerettet werden – in trauter Eintracht mit Parteien, Medien, dem Aufstand der Anständigen, dem Ausbau des robusten Rechtsstaat, Zwangsbildung und Erziehung vielleicht? Demokratie ist heute ein gesellschaftlicher Diskurs zur Durchsetzung westlicher Leitkultur. Angriffskriege gegen die Barbarei gehören ebenso dazu wie Überwachungskameras und Fahnenmeere von Attac. Alles ist irgendwie Demokratie!
Statt nun dieses Lügengebäude zu durchbrechen und für Selbstbestimmung einzutreten, machen sich breite Teile der Anti-Atom-Bewegung zum Akzeptanzbeschaffer gerade des Systems, was ihnen den Castor schickt: Der Staat Bundesrepublik Deutschland, der eben nicht nur seine ungebrochenen Traditionen widerlich weiterführt, abschiebt, mordet, ausgrenzt, diskriminiert und weltweit ausbeutet, sondern der auch den Markt garantiert und die freie Fahrt für den Castor. Daher wäre der Castor eine gute Gelegenheit, das Ganze anzugreifen. Doch davon war kaum etwas zu spüren. Selbst bei einer intensiven Analyse konnten wir bislang nur den Bericht der Castor-Blockade in Göttingen finden, wo gegen mehr als den Castor protestiert wurde. Ansonsten herrschte verkürzte Herrschaftskritik und Demokratie-/Staatsfetischismus pur. Oder noch schlimmer: „Schützt uns, nicht die Atomkraft!“ wurde den Bullen entgegengehalten. Brrrrr ... die Bullen aufzufordern, sich um uns zu kümmern. Statt ihnen deutlich zu machen, daß sie sich verpissen, am besten gänzlich auflösen sollen!Die Demokratie geht!
So entschieden viele für die Demokratie und den Rechtsstaat stritten, so deutlich kam immer wieder durch, daß militante Aktionen nicht gewünscht waren. In Lüneburg wurden ganze Aktionsgruppen ausgeschlossen (siehe unten), die BI Lüchow-Dannenberg distanzierte sich spontan von der Blockade eines ICE und in der professionellen Pressearbeit von BI L-D und der attac-gesteuerten X-1000malquer-Pressearbeit wurde immer wieder die absolute Gewaltfreiheit propagiert. Bullenprügel wurde als „Übergriff“ oder ähnliches, aber nie als Normalität staatlicher (und zwar demokratischer!) Gewalt bezeichnet.

Bild rechts: Flugblatt zum Castor mit Text "Der Castor kommt, die Demokratie geht"

Eliten über alles!

Es ist nichts Neues, daß rund um den Castor Tausende Aktionen versuchen oder machen (wenn auch viele planlos und ohne inhaltliche Vermittlung). Ebenso ist nicht neu, daß nur ganz wenige bestimmen, warum das Ganze stattfindet. Vor allem die Namen Jochen Stay und Wolfgang Ehmcke standen in der Vergangenheit für diese Instrume-nalisierung des Widerstandes. Was die vielen Aktionsgruppen tatsächlich bewegte, interessierte niemanden. Die von Eliten bestimmten Pressesprecher packten ihre Meinung in Texte und Interviews – die heldengeile bürgerliche Presse hielt bereitwillig die Mikrofone hin. Neben Stay und Ehmcke versuchten die Apparate von BUND und ande-ren NGOs ebenfalls, etwas vom Kuchen der öffentlichen Aufmerksamkeit abzubekommen. Von Fernsehstudio zu Pressekonferenz trotteten sie hin und her – immer mit ihren Positionen auf den Lippen und der Behauptung, die Menschen auf den Gleisen und Straßen würden diese auch verfolgen.
Im November 2002 wurden die bisherigen Großmäuler übertroffen – und überraschend war das nicht. Wer die Zeitungen aufmerksam gelesen hat, fand den Namen Sören Janssen am häufigsten. Der ist Fundraiser von Attac – und beim Castorwiderstand Pressesprecher von X-1000malquer. Solche Pressesprecher werden nicht in basisde-mokratischen Verfahren bestimmt, sondern von Eliten. Janssen zur Seite stand Rasmus Grobe, auch Attac-Funktionär. Somit holten die Attac-Funktionäre beim Castor-Widerstand nach, was sie auch sonst beherrschen: Die Instrumentalisierung von Bewegung für die eigenen Zwecke.
Eliten beherrschen das Geschehen. Normalerweise nimmt das kaum jemand war. Sie agieren nicht dominant, sondern geschickt. Moderne Herrschaft halt. Nur wo sie enttarnt und angegriffen werden, wo offene Strukturen und gleichberechtigter Arbeitsstil ihnen die Kontrolle nehmen, werden sie wütend. So geschah es diesmal in Lüneburg. Dort entstand bereits im Frühsommer die Idee einer offenen Direct-Action-Plattform. Entwickelt wurde sie von Gruppen, die über das Hoppetosse-Netzwerk für kreativen Widerstand vernetzt sind. Erstmals gab es sie bei den Protesten gegen die NATO-Tagung in München (Februar 2002), nun sollte sie im Lüneburger Infocafe Anna&Arthur entstehen. Der Weg dahin war mühselig. Die Anti-Atom-Gruppen in und um Lüneburg reagierten trotz anderer Absprache weder auf Mails noch auf Anrufe, aus einem Delegiertentreffen für den Castor flogen zwei Leute, die die Idee dort einbringen wollen, noch vor Beginn des Treffens wieder raus. Dennoch nahm zunächst alles Stück für Stück seinen Lauf – vor allem dank einiger Besuche in Lüneburg. Das Konzept wurde schließlich auf der Internetseite www.atommafia.de veröffentlicht und vor dort auch von der anti atom aktuell übernommen. Doch der Traum platzte schnell, schließlich wurde die Direct-Action-Plattform vom Anna&Arthur-Plenum unter Einmischung etlicher Anti-Atom-Eliten verboten. Dennoch begann am 6.11. kreativer Widerstand in teil-offenen Strukturen, denn zwi-schenzeitlich hatte das Anti-Atom-Plenum Berlin mit einer ähnlichen Idee („Widerstandsbaustelle“) denselben Raum erhalten. Und in diesem Rahmen begannen auch Menschen, die ursprünglich die Direct-Action-Plattform (die viel mehr Elemente umfaßte, z.B. eine offene Presseplattform, ein offenes Zeitungsprojekt usw.) aufbauen wollten, einzelne Ideen umzusetzen. Am 8.11. erschien tatsächlich die Zeitung „entgleisung“, obwohl Eliten auch dafür die Zugänge versperrten – als ASTA-FunktionärInnen oder anderswo. Am 9.11. bemerkten die Eliten, daß es unabhängigen Gruppen doch gelang, erste eigene, noch kleine Aktionen zu planen und vor allem selbständig, ohne zu fragen, in die Öffentlichkeit zu kommen (Zeitung „entgleisung“). Die Kontrolle schwand ... also kam es zum Eklat: In das laufende Plenum im Anna&Arthur hinein wurde zu einem internen Treffen eingeladen. Das beschloß dann den Ausschluß von zunächst einem Aktivisten, im anschließenden Gesamtplenum wurde das umgewandelt in ein Aktionsverbot für viele: Die unabhängigen Gruppen und AkteurInnen, die im Hoppetosse-Netzwerk mitdiskutierten (mehr als ein Diskussionszusammenhang ist es ja nicht), durfte im Anna&Arthur keine Aktivitäten (Zeitung, Veranstaltungen, Treffen, Aktionsvorbereitungen, Trainings, Infotisch, Aushänge usw.) mehr machen, sondern nur noch bei den schon geplanten Aktionen mitmachen. Die am Ende noch anwesenden drei Personen aus Lüneburger Anti-Atom-Eliten waren zwar damit auch noch nicht zufrieden (sie forderten immer wieder den Totalausschluß), aber am Ende blieb es so. Ein weiterer Tag verging, mehr Leute kamen, Aktionen wurden vorbereitet. Viele derer, die über das Hoppetosse-Netzwerk in Kontakt standen, hatten sich vorgenommen, den Widerstand gegen den Castor auf Herrschaftssymbole allgemein auszudehnen – per Straßentheater, Liedern, Spuckies, Plakaten, Fakes bis hin zu militanten Aktionen. Eigenständige Vermittlung war wichtig (deshalb die eigene Zeitung und mehr), ebenso die grundsätzliche Offenheit aller Infrastruktur.
Am Sonntag, den 10.11., schlugen dann einige beim Plenum im Clamartpark (organisiert von Anti-Atom-BIs der Region) einige Veranstaltungen vor – ein Trainingsworkshop und eine Diskussion zu Castor und Demokratiekritik. Das Plenum stimmte zu. Doch kurze Zeit später hatten die Eliten (die offenbar im Plenum noch geschlafen hatten?) die Situation im Griff. Sie hoben in einer internen Sitzung die Beschlüsse des Plenums auf und verboten die Veran-staltungen. Zum zweiten Mal innerhalb von wenigen Stunden wurden Plenumsbeschlüsse durch Elitetreffen, die das Plenum nur solange wichtig nehmen, wie sie es dominieren, aufgehoben. Daraufhin gaben verschiedene unabhängige Aktionsgruppen auf. Einige fuhren nach Hause, andere in andere Regionen (z.B. Wendland). Dem Widerstand fehlten ab diesem Zeitpunkt etliche direkte Aktionen, vor allem die über den Castorbezug hinausgingen, und eine eigene Zeitung. Da nützte es dann auch nichts mehr, daß sich AktivistInnen einige Tage später vor ein NDR-Auto setzten, um gegen deren Berichterstattung zu protestieren: Die Chance auf ein eigenes Medium, in dem eigene Inhalte unverfälscht nach außen getragen werden konnten, hatten die Anti-Atom-Eliten selbst zerstört – nur um anderen eigenständige Handlungsmöglichkeiten zu nehmen. Geil auf Presseecho in den bürgerlichen Medien und fixiert auf die eigene Kontrolle über das Geschehen sägten sie den eigenen Ast ab, auf dem sie saßen – die Chance auf eine Außenwirkung des Widerstandes. Was von den Aktionen in den Medien zu lesen war, was fade und zeigte vor allem das Interesse der Medien selbst und der von Eliten bestimmten PressesprecherInnen an harmloser Demokratiefolklore statt herrschaftskritischer Widerständigkeit.

Auszug aus BI-Flugblatt
Auszüge aus einem Flugblatt der BI Lüchow-Dannenberg zur Mobilisierung vor dem Castor
Auszug aus BI-Flugblatt

Die Alternative: Gegen jede Herrschaft – organisiert von unten!

Politische Aktionen ohne Benennung der dahinterstehenden Herrschaftsformen (Markt, Staat, Diskurse, Normen, Diskriminierungen usw.) sind nicht nur verkürzt, sondern sogar gefährlich. Denn sie können Macht legitimieren, rufen den Staat als Retter, legitimieren Herrschaft, machen die Böcke zu Gärtnern. Dabei wäre das Umgekehrte eine Chance: Die Symbole nutzen für einen öffentlichkeitswirksamen Widerstand, der aber über das Detail hinausgeht und die dahinterstehenden Ursachen und Verhältnisse thematisiert.
Die Herrschaftsfrage zu stellen, gilt aber ebenso für die eigenen Organisierungsformen. Dominanzabbau dort heißt, die Rahmenbedingungen anzugreifen und neu zu organisieren. Solange Eigentums- und Besitzrecht, ungleicher Zugang zu Ressourcen und Wissen usw. das Verhältnis der Menschen untereinander prägen, gibt es Herrschaft. Daher muß emanzipatorische Politik offene Plattformen schaffen, auf denen alle Menschen mit gleichen Möglichkeiten agieren können. Weder Vorgaben noch ungleiche Zugänge zu Handlungsmöglichkeiten dürfen weiter das Geschehen prägen. Formale Herrschaft ohnehin nicht – wie peinlich es herrschaftstheoretisch doch ist, wenn (wie in Lüneburg) sich „Linke“ auf Hausrecht oder Demoleitungsfunktion positiv beziehen ...
Wie offene Organisierungsplattformen aussehen können, wird noch sehr stark zu entwickeln sein. Es gibt einzelne Beispiele für Anfänge von Praxis, so etwa ...

Abschließender Hinweis:

Dies ist eine kurze Übersicht über die strategischen und inhaltlichen Verhältnisse im Castor-Widerstand sowie die Dominanz von Eliten, die einer breiten, bunten und unberechenbaren Widerständigkeit genauso im Weg stehen wie die verkürzten oder gar fehlenden Herrschaftsanalysen der AkteurInnen. Die gesamten Texte, Kommentare, Bei-spiele und Berichte sind unter http://www.atommafia.de zu finden und werden dort laufend ergänzt.

Bewegungshierarchien: Veranstaltungen verboten!

Hier folgt die Veranstaltungstexte für den 10.11. (2 Workshops an zwei Orten vom Plenum genehmigt, dann veröffentlicht und schließlich von Führungspersonen doch untersagt)

Der Castor kommt, die Demokratie geht?

Oder ist Castor nur ein anderes Wort für Rechtsstaat?
Offene „Fishbowl“ Diskussion

Castortransporte bedeuten Ausnahmezustand: Über ein massives Polizeiaufgebot wird wohl auch dieser Castor durchgesetzt werden. Was das bedeutet ... dazu gibt es sehr unterschiedliche Ansichten: Viele Anti-Atom-Gruppen und -Initiativen bezeichnen die Versammlungsver-bote und Polizeieinsätze als Einschränkung von Demokratie. Von der BI stammt - sinngemäß - der Satz: „Wenn die Polizei kommt, geht die Demokratie“. Aber es gibt auch Gruppen, die sich nicht als VerteidigerInnen des Rechtsstaates verstehen oder sich positiv auf die Demokratie beziehen. In ihren Augen stellen prügelnde Polizisten, Verbote und Einschränkungen von Grundrechten nicht die Abwesenheit, sondern die Normalität von Demokratie, Recht und Ordnung dar: Herrschaft lebe von der Durchsetzung per direkter Repression, Bildung, Meinungsmache, Erziehung, materieller Abhängigkeit usw. - egal ob sie sich „demokratisch“ gibt oder als Diktatur offen daherkommt. Die Ansichten gehen also auseinander, Diskussion macht Sinn: Denn dieser „Streit“ ist wichtig für die Frage, was ‚uns‘ an dieser Gesellschaft eigentlich stört und vor allen, was die Welt ist, von der wir träumen: Herrschaftsfreie Gesellschaft ohne Knäste, Polizei und Repression oder Demokratie? 

Was ist „Fishbowl“
Diesen Streit wollen wir offensiv führen - als Alternative zu Podiumsdiskussion (formale Hier-archie) oder moderierten Großplena wollen wir eine „Fishbowl“ versuchen: Bei einer „Fishbowl“ werden ein innerer und ein äußerer Stuhlkreis aufgebaut (oder auch mehrere, z.B. Matratzen-, Stuhl- und Tischkreise hintereinander, damit eine Art „Arena“ entsteht). Im inne-ren Kreis stehen 4-6 Stühle und im äußeren Kreis Stühle für die restlichen Teilnehmenden (TN). Wie läuft eine „Fishbowl“ ab: Nur die TN im Innenkreis dürfen diskutieren, die TN im Außenkreis hören zu. Wenn sich ein/e TN aus dem Außenkreis an der Diskussion beteiligen will, dann muss er/sie sich entweder auf einen freien Stuhl im Innenkreis setzen oder stellt sich hinter einen Stuhl. Diese darf ihren Gedanken noch zu Ende formulieren und anschließend den Kreis verlassen. Die andere Person darf dann diesen Platz einnehmen. Ebenso kann jedeR TN im Innenkreis jederzeit den Platz im Innenkreis verlassen, wenn er/sie in der Diskussion pausieren möchte. Wer den Kreis verläßt, kann auch wiederkehren. Wer das penetrant macht (also dominieren würde), fällt sofort auf. Das Verfahren schafft dann Transparenz über Dominanzverhältnisse. Chancen: Die Fish Bowl kombiniert eine Großveranstaltun-gen mit den Vorteilen kleiner Gesprächsrunden. In diesen werden keine Reden gehalten, sondern miteinander geredet. Die rhetorischen Unterschiede werden aufgeweicht, weil eben miteinander geredet wird, eine brilliante Formulierung oder Gestik dadurch weniger wichtig wird. Gegenseitige Unterstützung, Nachfragen, Aufeinander-Eingehen und direkter Widerspruch werden viel einfacher, weil keine starren Regeln, Redelisten oder Moderation dieses verhindern.

Hinter dem Castor steht das System!

Der Castor fährt nicht, weil die Grünen so schlapp sind oder „der Atommüll ja irgendwo hinmuß“. Es ist zwar wahr, daß Trittin und Schröder nur früher gegen die Atomkraft kämpften, als sie wenig zu sagen hatten – und heute mit der Atomenergie paktieren. Ebenso ist wahr, daß Gutachten gekauft und Störfälle vertuscht werden – die strahlen-den Castoren wurden ebenso lange Zeit verschwiegen wie der gefährliche Störfall von Brunsbüttel oder aktuell die strahlenden Kügelchen in Hanau. Überall herrschen Lügen und Betrug. Das alles regt uns auf, macht uns wütend, doch es ist nicht der entscheidende Grund.
Sondern: Die Atomkraft, der Castor und neue Anlagen werden durchgesetzt, weil wir in einer Welt leben, in der es Herrschaft und Verwertungslogik gibt, allen voran in der Form von Markt und Kapital. Atomkraft ist wie der Zwang zur Lohnarbeit, wie die Ausbeutung weiter Teile der Welt, die Schere in Arm und Reich, die Abschiebung von Menschen, die Einteilung in nützlich und unnütz – das und vieles mehr geschieht zum Zwecke der Sicherung von Herrschaft, der Zugriffsrechte auf Mensch und Natur und des Ausbaus von Profit.
Markt und Verwertung haben die Gesellschaft und unser Leben bis in die letzte Ecke erfaßt. Alles wird verwertet, alles der Logik von Verwertung und Profit unterworfen. Alles, was verwertbar ist, wird verwertet: Arbeitskraft, Kreativität, Boden, Wasser oder Luft, neuerdings die Gene, Krankheit und Gesundheit, Gedanken und Ideen. Und eben auch irgendwelche herumstehenden Atomkraftwerke. Ohne Verwertungs- und Profitlogik würde kein Castor fahren und kein Atomkraftwerk laufen.
Aber es würde sie auch nicht geben ohne die Herrschaft, d.h. dem Staat, der Verwertung und Profit sichert sowie eigene Herrschaftslogiken hinzufügt und dem vereinheitlichten Denken so vieler Menschen, die viele Herrschafts-formen zu ihrem Leben gemacht haben – Arbeit, Rollenverteilungen in Beziehungen, Akzeptanz von Bildung und Nachrichten, Bevormundung, Selbstdisziplinierung. Verwertung und Profit sind untrennbar mit der Herrschaft und damit auch immer mit Regierungen und Institutionen verbunden. Es gibt keinen guten Markt und keinen guten Staat. Ein Beispiel für die unabwendbare Logik von Herrschaft ist die Möglichkeit, die Folgen eigener Entscheidun-gen auf andere abzuwälzen. Und darum fährt der Castor. Müßten Konzerne und Regierungen die Brennstäbe im eigenen Garten lagern – es gäbe keine Atomkraft. Urangewinnung, Transporte, Uranverarbeitung und Wiederauf-arbeitung – nix gäbe es ohne die Existenz von Herrschaft.
Verwertung und Herrschaft, Markt und Staat sind zwei Seiten derselben Medaille. Wer behauptet, sie stünden ein-ander gegenüber, hat eine falsche Analyse und betreibt die Akzeptanzbeschaffung für beides – auch wenn er scheinbar nur nach De- oder eben Reregulierung schreit. Ohne die Büttel und ExekutorInnen der Enteignung, der öffentlichen Meinungsmache, inneren Sicherheit und sogenannten Rechtssprechung, ohne all diese Institutionen mit ihren Paragraphen oder Knüppeln in der Hand wäre auch Profit nicht möglich. AKWs würden abgeschaltet, Uranbergwerke geschlossen und der Castor würde nicht rollen.
Herrschaft und Verwertung, Staat und Markt sind überall, sie sind die durchgreifenden Wirkungsmechanismen überhaupt. In ihnen und mit ihnen gibt es nichts Richtiges im Falschen. Mehr Markt, getarnt unter Begriffen wie Effizienz, Entbürokratisierung oder Liberalisierung, ist ebenso eine Zuspitzung von Herrschaft wie mehr Staat, also neue Behörden, Sicherheitskonzepte, Kontrolle oder Regulierung. Mehr Markt wird immer durchgesetzt über das Gestaltungsmonopol des Staates. Und mehr Staat dient wiederum der Sicherung der Märkte. Darum sind Markt und Staat ein im Kapitalismus untrennbares Paar, und wer eines stärkt, stärkt immer das Ganze.
Es zeigt sich ein grundlegender Irrtum bei sehr vielen politischen Gruppen, die eine bessere Welt wollen und das über mehr Markt (Nachhaltigkeitsdebatte, ethische Geldanlagen, regenerative Energien usw.) oder mehr Staat (GlobalisierungskritikerInnen, etliche NGOs) anstreben. Der Abbau von Herrschaft und Verwertung ist nur gleich-zeitig möglich, emanzipatorische Politik muß Freiräume und den Abbau von Zwängen erreichen!
Weil wir das so sehen, möchten wir aufrufen ...

Wir protestieren hier einerseits gegen den Transport von Atommüll, andererseits aber auch gegen die Rahmenbe-dingungen, die ihn ermöglichen. Den Castor gäbe es nicht ohne die Polizei, ohne die akzeptanzbeschaffenden Me-dien, ohne die Parteien und Parlamente. Er würde nicht rollen ohne die Orientierung auf Profit und ohne den Zu-griff von Eliten auf Ressourcen. Wer diese Eliten anerkennt, Teil von ihnen ist oder sich an ihre Tische drängelt, ist selbst TäterIn in Ausbeutung und Zerstörung – und steht symbolisch für Herrschaft und Verwertung insgesamt. Wir wollen ein Ende dieses Systems der Hierarchien und Unterdrückung. Wir träumen von einer Welt ohne Herr-schaft und Verwertung, der freien Menschen in freien Vereinbarungen. Und wir träumen von einer widerständigen politischen Bewegung, die nicht in denen das Heil sucht, die die Rahmenbedingungen schaffen und sichern. Wer formuliert, daß die Demokratie geht, wenn die Polizei kommt, hat diese Rahmenbedingungen nicht verstanden. Herrschaft lebt von der Durchsetzung per direkter Repression, Bildung, Meinungsmache, Erziehung, materieller Abhängigkeit usw. – egal ob sie sich „demokratisch“ gibt oder als Diktatur offen daherkommt.
Wer den Castor nicht will, darf von Staat und Markt nicht schweigen!
Unser Traum gilt auch für unsere Aktionsformen. Wenn Staat und Markt der Grund und der Rahmen für Unter-drückung, Ausbeutung und Zerstörung sind, dann können die von ihnen und zu ihrem Schutz gemachten Gesetze nicht die unsrigen sein. Der Rahmen für unseren Widerstand kann nicht aus den Spielregeln derer bestehen, gegen die sich unser Widerstand richtet.
Daher rufen wir auf zu kreativen, direkten, inhalts- und einfallsreichen Aktionen, mit denen wir für das Leben, ein besseres und selbstbestimmtes Leben eintreten. Wählen wir unsere Aktionsformen selbst. Zeigen wir die Direktheit und Vielfalt, die in den Menschen auch tatsächlich schlummert, wenn sie nicht den Zwängen von Verwertung und Herrschaft unterworfen sind – und wenn sie sich nicht selbst durch interne Hierarchien einzwängen.
Machen wir den Protest gegen den Castor zu einer wirkungsvollen Aktion gegen die Atomkraft, gegen die dahin-terstehenden Logiken und für eine Welt von unten.

Castor stoppen! Herrschaft und Verwertung beenden! Demokratie und alle anderen Herrschaftsformen runterfahren. Selbstbestimmung neu starten!

Erklärung zu einem vorläufigen „Rückzug“
  aus Aktionen gegen Castor und Herrschaft in Lüneburg

Vorweg: Der Text basiert auf den Stichpunkten, die ich mir für meine „Abschiedserklärung“ auf dem Infoplenum im Clamart Park am Sonntag gemacht habe. Es ist allerdings keine Wiedergabe - hier fließen auch die Gedanken ein, die ich aufgrund meiner Anspannung, Ängsten und den massiven Einschüchterungen im Plenum (Unterbrechungen, abwertende Äußerungen) nicht geäußert oder holpriger formuliert habe. Anlass des Textes ist das Verbot zweier Veranstaltungen im Clamart Park, Hintergrund weitere Verbote und Rauswurfversuche in Lüneburg.

Einige Leute sind bereits gefahren; auch ich verlasse heute Lüneburg - Grund dafür sind eine Woche, in der Ausgrenzung, Verbote, abfälliges Reden, ein Auschlussversuch und die Verhinderung offener Strukturen meinen Alltag dominierten und mir jede Lust und Power genommen haben, hier kreativ gegen Castor und Herrschaft zu protestieren. Niedergeschlagenheit und Frust überwiegen zur Zeit. Mein Zug fährt in einer Stunde, mein Entschluss steht ... ich möchte heute nur noch klar machen, warum ich und andere gehen, denen ich ähnliche Gründe unterstelle.
Ich habe nicht vor, das Plenum zu sprengen ...

Im Anna & Arthur haben sie es schon einmal geschafft, Ursache und Wirkung zu verkehren: Menschen, die sich dagegen wehrten, dass ein Büchertisch verboten und Leute rausgeworfen werden sollen, werden zu denen definiert, die Widerstand lähmen oder Plenas sprengen - und nicht etwa die, die Verbote aussprechen, sich offensiv auf Hausrecht beziehen und Rauswürfe zu organisieren versuchen. Mit der gleichen Logik werden Menschen diffamiert, die sich gegen ihre Abschiebung wehren.
Zwei Veranstaltungen, die ich und Thorsten heute Morgen im Orga-Plenum vorstellten und die angenommen wurden, sind später von der Orga-Gruppe wieder gekippt worden. Ein bemerkenswerter Vorgang: Während sonst immer Basisdemokratie hochgehalten und kollektive Entscheidungen durch Plena gefordert werden, setzen sich Eliten über deren Beschlüsse hinweg.  Hier werden all die Menschen, die von hierarchiearmen Strukturen träumen oder an das Gute im Plenum glauben, verarscht. Und die das tun, werden es auch hin bekommen zu erklären, warum Verbote, intransparente Zirkel und Fremdbestimmung gut für uns sind.
Ich will mich nicht als Opfer stilisieren und es steht außer Zweifel, dass ich und andere Fehler gemacht haben. Es geht aber nicht nur um Mißverständnisse; von daher ist jetzt nicht der Zeitpunkt für versöhnliche Worte: Es gibt hier Leute, die mich und andere nicht wollen ... Sie sagen „Hoppetosse“, meinen aber alle, die für offene Strukturen kämpfen und intransparente Zirkel mit Sonderrechten demaskieren. Ich will mich gar nicht an den Vorgängen in Lüneburg aufhängen. Fest steht für mich: Es gibt Eliten, Hierarchien und Herrschaft in linken Strukturen, in der Anti-Atombewegung. Auch wenn das als Verschwörungstheorie konstruiert wird: Es gibt Menschen und Seilschaften mit ungleichem Zugang zu Infos, Geld und Ressourcen. Es gibt Zirkel, die Entscheidungen der Gremien wieder kippen, welche sie den eigenen Leuten als Basisdemokratie vorstellen - dafür gab es in den letzten Tage mehrere Beispiele! Ich lebe in einer Welt voller Hierarchien, Dominanz und Herrschaft - und es ist eher völlig absurd anzunehmen, dass es all das hier nicht gibt.
Es hilft nicht, das zu leugnen, sondern es muß die Auseinandersetzung geführt werden, warum unsere Strukturen so sind und wie wir das abbauen können, Experimente zu wagen und eigene Dominanzen einzugestehen. Es geht mir nicht darum, einzelne Leute anzugreifen, auch wenn es zweifellos Menschen gibt, die von elitären Strukturen profitieren. Sondern um Strukturen, die immer wieder Hierarchien hervor bringen und Offenheit verhindern.
Meine Utopie ist eine herrschaftsfreie Gesellschaft, und damit möchte ich heute anfangen: Ich will offene Plattformen, in denen alle Menschen gleichberechtigt ihre Form von Widerständigkeit entwickeln können und Vernetzungen ohne Zentralen und Zirkel. Dafür mache ich mich gerne unbeliebt. Das ist hier in Lüneburg für mich gerade nicht gegeben: In den Knotenpunkten der Anti-Atom-Proteste dürfen ich und andere keine Veranstaltungen machen usw. Wo ich hinkomme merke ich, wie Leute über „uns“ reden, sich Zirkel bilden, die auf mich und andere zeigen; Leute, die offenbar nicht mit mir reden wollen. Mir persönlich fehlt nach all dem Lust und Power, mich selbst einzubringen. Trotzdem wünsche ich mir Aktionen gegen den Castor und die Strukturen dahinter ... Justiz, Medien, Markt und Staat. Und hoffe, dass es um mehr geht als Atomkraft, denn auch ohne sie werden Polizisten dann eben Autobahnen durchsetzen und staatliche Behörden Menschen abschieben.  Heute ziehe ich mich zurück, um denen, die Widerstand wollen, nicht im Wege zu stehen. Aber das kann keine Ausrede sein, die Auseinandersetzung um hierarchische Strukturen wie üblich auszusetzen und weiter zu machen wie bisher. Und so wie fest steht, dass ich mich weiter gegen Atomkraft und Herrschaft widersetzen werde, ist mit meinem Widerstand gegen Eliten, Dominanzen und Ausgrenzung zu rechnen.
Am Ende noch Dank bzw. Entschuldigung an die,

Für eine herrschaftsfreie Gesellschaft!
Nieder mit Eliten, auch in den eigenen Reihen!
Espi

Bericht zum Anna&Arthur-Plenum am Freitag, den 8.11. mit Rauswurf(versuch)

Auszug aus einer Mail auf Hoppetosse:

Zwei Tage ging es hier gut. Nicht heiss und innig, mich nervten die Plena usw., aber es ging. Und dann gaaaaaaanz ploetzlich gab es einen Totalcrash. Innerhalb von 10min. Im laufenden Plenum, Ausloeser war meine Frage, ob es ok sei, hier einen kleinen Buechertisch aufzubauen. Das zeigt schon, wie wir hier agieren: Alles im Plenum klaeren, supervorsichtig sein. Es gab die Nachfrage, was das fuer einer sei. Naja, antwortete, halt so der Buechertisch aus der Projektwerkstatt. Tja scheisse - Falle nicht erkannt. „Die Gruppe ist hier verboten“ kam die Antwort. Hae? als Reaktion. Weitere Frage, was fuer Buecher und vor allem wer die geschrieben/herausgegeben hat (es ging um die Suche nach verbotenen Gruppen ... vor allem wohl Hoppetosse). Einiges Hin und Her, dann „Wir machen jetzt ein internes Anna&Arthur-Plenum, um da zu klaeren“.  Interessant: Da waren ploetzlich aeltere Leute da, die auftauchten. Von draussen berichteten andere, dass die sich da durchaus vorbereitet hatten, jetzt den Rauswurf zu organisieren. Ich fand, dass es superoffensichtlich war, dass Leute von aussen da reinhauten jetzt.
Also internes Plenum. Ich setzte mich wieder in „unseren“ Raum. Noch jemand sass da. Irgendwann gingen die Leute vom Getrennt-Plenum vorbei - etliche Aeltere aus Antifa-Strukturen dabei, die nix mit A&A zu tun haben. Und dann Unglaubliches.  Sie stellten sich in die Tuer, zeigten auf mich und riefen „Das ist er, der muss hier raus!“. Der Mensch neben mir (hatte in dem Zimmer „Hausrecht“) sprach die Leute an, was das solle. Reaktion: „Du bist hier nicht  wichtig, der da fliegt raus“. Das wiederholte sich, die stritten sich, ich guckte fassungslos aus dem Raum zu.
Unten erzaehlte ich das. Reaktion: „Du faehrst Filme“. Der Mensch berichtete den Vorgang dann im Plenum von sich aus. Keine Reaktion mehr - das „Filme“ wurde nicht zurueckgenommen. Naja ... dann Endlosdebatte. Ewig und drei Tage. Tausend Sachen waeren zu sagen. Ich fuehlte mich, wie schon gesagt, sehr allein zunaechst.
Es gab einiges AUfeinandereingehen, aber meistens nur Spaltung und immer neue Gruende. Am Ende blieben nur noch die drei Elitenleute da. Unwidersprochen blieb, dass die von aussen reinkamen. Einige von ihnen waren auch mal so da, aber hatten uns gar nicht ge- und erkannt. Erst als andere Eliteleute anfingen, fanden die zueinander, eine Attacke zu fahren. Bis zu Wortgewalt der Marke „Ihr habt noch die Erfahrung“ oder „Wir hier in Lueneburg haben halt eine bestimmte Kommunikationsstruktur und da passt Ihr nicht rein“ oder „Wegen Euch koennte es Repression geben“ war alles dabei. Und akzeptiert.
Jetzt ist „beschlossen“ (ohne jegliche Abstimmung ... Konsens wurde immer dann eingefordert, wenn es darum ging, ob wir dableiben koennten, bei anderen Fragen reichte, wenn einige dafuer sind), dass wir nur in „unserem“ Zimmer sein duerfen.
Den Eliten schienen das aber zu wenig, nur ging nicht mehr (mal sehen, ich behaupte mal, die werden auch noch versuchen, ueber andere Elitenkontakte uns diesen Raum zu entziehen). Der Raum ist ein Ghetto, wir nur eine kleine Gruppe.  Es gibt Einzelne von A&A, die gesagt haben, sie wuerden uns gerne naeher kennenlernen, aber ich empfinde mich und uns jetzt ueberall beobachtet.  Ausserdem ist die Widerstandsbaustelle ab morgen frueh beendet und der offizielle Rahmen ist das Delitreffen - also die Eliten im nicht oeffentlichen Rahmen. Wie vor ein paar Wochen. Nicht mal Plena sind mehr wahrscheinlich.

Persönlicher Erfahrungsbericht zu den Verboten im Clamart Park

Eindrücke zur Infowiese
Als ich und andere das Eröffnungsplenum betreten, merke ich, wie neben mir „Wichtigleute“ anfangen zu tuscheln, auf Jörg zeigen, über Rauswurf reden usw. - eine für mich unangenehme Stimmung. Dann das Infoplenum: Vier bis fünf Leute der Orga-Gruppe rattern das Programm runter. Die vorgestellten Ideen und Aktionen fand ich teilweise gut, aber für Eigeninitiative war kein Raum dar ... und zwar spürbar: Nachdem das Programm vorgestellt wurde, wurde nicht einmal die Frage gestellt, ob Leute noch eigene Ideen haben. Auch fehlte im Clamart Park jegliche Infrastruktur, die es Menschen ermöglicht, noch etwas Eigenständiges zu entwickeln, sich selbst zu organisieren. Auch wurde nie gefragt, ob wir eine Pressesprecherin haben wollten ... die gab es einfach. Später gibt es im Anna & Arthur noch einige spannende Runden mit gerade angekommenen Leuten aus Osnabrück und Braunschweig, aus der sich ein paar Vorschläge ergaben, um die Infowiese offener zu gestalten.

Die nächste Verbotsverfügung
„Ihr könnt eure Sachen ja woanders machen“

Beim morgendlichen Orga-Plenum im Clamart Park bringen Thorsten und ich zwei Vorschläge ein, die wir gern auf der Infowiese umsetzen wollten: Einen Workshop zu Reclaim The Streets und eine Fishbowl-Diskussion zu „Der Castor kommt, die Demokratie geht?“. Beides wurde im Plenum angenommen. Als wir nach Frühstück und Stadtrundgang wieder kehren, um mit dem Workshop zu starten, kommt ein Mensch aus der Orga-Struktur auf uns zu mit der Aussage, dass das nicht ginge, beide Veranstaltungen untersagt seien. Wir seien die Leute von Hoppetosse, mit denen es schon Probleme im Anna & Arthur gab und die Infowiese wolle sich deren Entscheidung anschließen. Wieder wurden also Veranstaltungen, die schon durch das Plenum gingen, nacher von einem intransparenten Zirkel gekippt. Darauf weise ich hin - und auch darauf, dass es unter Menschen vom A&A keine einheitliche Meinung gibt. Danach kommen weitere Rechtfertigungen, es gäbe AnmelderInnen, die für alles gerade stehen müßten und Aktionen dürften hier nicht geplant werden. Während dessen fand gerade ein für alle erkennbarer Kletterworkshop in den Bäumen statt, der diese Begründung für mich deutlich widerlegte. Zumal damit das Verbot der Fishbowl-Diskussion zum Demokratieverständnis nicht erklärt werden kann.

Zwischendurch kommen zwei weitere Personen der Orga-Gruppe hinzu. Alle betonen, dass es ihnen leid tue, unsere Ideen ja gut fänden und unseren Frust verstünden, aber wir ja mit A&A viele Probleme hatten und dort bereits ein Plenum gesprengt hätten. Ich versuche klar zu machen, dass es eine einseitige Darstellung ist und die Probleme durch Verbote sich eher verschärfen. Auf unser anhaltendes Nachhaken folgen dann so Sätze wie „Ich bringt eine total komische Stimmung hier rein“ und „Ihr nehmt schon wieder so viel Raum ein“, die Ursache und Wirkung verdrehen und so tun, als sei es total daneben, sich gegen Verbote aufzulehnen. Ein richtiger Hammer war für mich der Satz „Ihr könnt eure Sachen ja woanders machen“, es gäbe ja kommerzielle Cafes. Mit solchen Statements befindet mensch sich auf einer Ebene mit Kaufhausleitungen, die BerberInnen, Punks usw. raus werfen. Verbote in den wichtigsten Anlaufpunkten des Anti-Atom-Widerstandes in Lüneburg soll mensch locker hinnehmen. Ein Mensch der Orga-Gruppe kritisiert, dass ich von „Eliten“ rede, fragt, ob ich sie auch so bezeichnen würde. Ich erkläre noch mal, um was sonst als eine Elite es sich handelt, wenn im Plenum nicht beanstandete Veranstaltungen von der Orga-Gruppe einfach so gekippt werden. Daraufhin meinte der Typ: „Ja.“ 

Verbote rauben jede Motivation
Frust, Wut, aber vor allem Niedergeschlagenheit und Perspektivlosigkeit machen sich breit. Nach langer Unschlüssigkeit ergibt es sich, dass die Gießener und Saasener AktivistInnen abreisen wollen. Gründe: Außer dem BUND-Büro überall Verbotsverfügungen, keine Möglichkeiten, Aktionen vorzubereiten. Aber vor allem waren wir, glaube ich, einfach durch und nicht mehr in der Lage, uns für kreativen Widerstand zu motivieren. Während dessen beziehen einzelne Menschen von Anna & Arthur klarer Stellung gegen das Verbot auf der Infowiese. Vor meiner Abfahrt wollte ich nur noch auf das Info-Plenum im Clamart Park gehen, um dort eine Rückzugserklärung abzugeben. Vorher begleitete ich die anderen zum Bahnhof - dort trudelt dann auch die Person der Infowiese ein, die mir und Thorsten gegenüber das Verbot vermittelt hatte. Sie entschuldigt sich, meint, sich selber nicht genau genug informiert zu haben und sagt, dass wir wohl doch Raum für Workshops bekommen würden. Auf meine kritischen Nachfragen gibt sie aber zu, dass das wahrscheinlich nur ihre Position ist und nicht geklärt ist, ob das Verbot aufgehoben ist. Auch die anderen waren zu skeptisch und zu fertig, um noch mal enttäuscht zu werden.

Der letzte „Auftritt“
Zusammen mit Menschen aus Braunschweig und Osnabrück betrete ich das gefüllte Infoplenum: Etwa 150 Leute, ich sofort tierisch eingeschüchtert, fange an vor mir zu rationalisieren ("Ach, dann fahre ich halt ohne Statement“ usw.). Thorsten haut mich immer wieder darauf an, loszulegen und ich versuche mich zu sammeln. Irgendwann wird der Tagesordnungspunkt „Hoppetosse“ benannt. Nachdem die Person, die das Verbot gegenüber uns vertreten hatte, sich entschuldigt hatte mit dem Hinweis, dass die Infowiese ja offen sein sollte, meint einer der älteren Orgas, dass das alles beim nächsten Mal besser laufen können und man die Sache doch jetzt zu Ende bringen könne. Der Konflikt sollte gedeckelt und harmonisiert werden, mein Statement war scheinbar gar nicht vorgesehen.

Ich melde mich und meine, auch noch was zu den Vorgängen sagen zu wollen. Sofort fordert einer der Infowiesen-Checker eine Redezeitbegrenzung auf zwei Minuten wegen der bisherigen Erfahrungen. Verschiedene Leute widersprachen dem empört, sehr deutlich ein Mensch aus Berlin, andere meinten, ich solle anfangen. Der Dominanzvorgang war einfach zu offensichtlich und platt. Während ich meine Erklärung zum, Rückzug aus Lüneburg und zur Auseinandersetzung um hierarchische Strukturen vortrage (relativ entschlossen und geladen), immer wieder Unterbrechungen und Pöbeleien ... „Komm auf den Punkt“, ein abfälliges „Ja, wir haben dich verstanden“, „Was willst du, dass wir beschließen“, aber auch jedes Mal eine kleine Reihe Menschen, die dagegen intervenierten. All das hat mich noch mal mehr verunsichert als ich eh schon war, einmal hatte ich auch so ein Blackout, aber das war egal. Spürbar war das komplette Fehlen der Sensibilität für Dominanz - klarer wird das, wenn mensch sich vorstellt, an meiner Stelle wäre eine Frau oder ein als eindeutig als Youngster wirkender Mensch so angegangen worden ... heftig. Auch ein Mensch von der Bettenbörse, der ‚uns‘ in den letzten Tagen segr engagiert unterstützt hatte, und den Widerspruch von angepriesener Offenheit und Ausgrenzung thematisierte, wurde direkt von einem Checker* unterbrochen. Wie gerichtet die Wahrnehmung war zeigte für mich, dass Leute nacher meinten, ich könne nicht einfach 5 Minuten reden, während die Orgas 98% der Zeit für sich beanspruchen, was scheinbar ‚normal‘ und akzeptiert ist.

Irgendwann wurde das Ganze durch die Orgas beendet ... kleine Runden entstanden, von denen ich einige trotz Zeitdrucks mitnahm. Von verschiedenen Menschen, die ich teilweise nicht kannte, gab es positive Resonanz („Lass dich nicht unter kriegen“, „Ich glaube, ihr habt Recht mit dem, was ihr kritisiert“) und Enttäuschung darüber, dass ein ganzer Aktionszusammenhang Lüneburg verläßt. Das und die Unterstützung im Plenum, die Interventionen gegen Unterbrechungen usw. haben mir erheblich geholfen und die Situation vor kompletter Trostlosigkeit bewahrt. Ich hatte den Eindruck, dass verschiedene Leuten gemerkt haben, was hier abgeht, nicht zu letzt wegen der offensichtlichen Dominanz der Eliten. Im Zug fühlte ich mich zwar nicht super, aber zumindest glücklich, der Situation nicht ausgewichen zu sein, sondern meinen Umut geäußert zu haben.

*Möglicherweise fühlen sich einzelne Menschen von Begriffen wie „Wichtigleute“, „Elite“ usw. zu Unrecht angegriffen. Neben meiner Ansicht, dass es in der Anti-Atombewegung, und nicht nur da, tatsächlich „Gleichere als andere“ gibt, war es in Lüneburg auch so, dass mir - bis auf eine Ausnahme - keineR der Führungspersonen als Mensch begegnet ist oder sich irgendwie für mich interessiert hat.
espi

Bullen-Kooperation: Nach außen "Nein", aber in der Praxis ...

"Alles Quatsch", sagt der Sprecher der Anti-Atom-Initative Wolfgang Ehmcke, "es gibt keine Zusammenarbeit mit der Polizei." (Presseinfo vom 11.11.2002, http://www1.giga.de/storie_u4/0,3202,47066,00.html)

Auszug dagegen aus der Jungen Welt (13.11.2002, S. 6)
Susanne von Imhoff von der Castorgruppe Gorleben ... Imhoff betreut den „Info- und Verpflegungspunkt“ der Atomgegner am Ortsrand von Gorleben. ... „Heute nach kamen Beamte auf einen Kaffee und um sich zu informieren“, sagt Imhoff. Zu Herrn Spiegel und seiner Polizeieinheit aus Magdeburg, die auf der anderen Seite der Straße Posten bezogen hat, bestehe „ein ganz guter Draht“. Spiegel sieht das genauso: „Alles klappt hier wunderbar“.
Und: Auf der Linkseite der Lüneburger Initiative gegen Atomanlagen finden sich unter bundesweiten Anti-Atom-Kontaktadressen auch die Kritischen PolizistInnen!

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