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Spiel- und Erfahrungsidee:
Ein Tag in der Großstadt - möglichst ohne Geldausgeben

Der Lektor dieses Buches empfand die folgende Geschichte als)ziem­lich caivinistisch und wenig propagie­rensweffi. In der Tat soll es hier nicht dar­um gehen, wirklich Bedürftigen ihre Pfründe abzugraben, sondern es geht um gelebte Selbsterfahrung. Wie kann man sich im Großstadtdschungel allein durchschlagen? Weiche Probleme hat man mit dem Betteln? Ich habe solche Erfahrungen selber auch gemacht und möchte sie nicht missen. Aber wir wissen ja: Geben ist seliger denn nehmen.

Spielidee: Ausgangslage

Du lebst in einer. Und du tust es aus Not, ich komme als Touristin und tue es aus steinböckischer Mark- und Pfennigfuchserei. Eine sehr ungleiche Ausgangslage - aber das Widerstandsmotiv bildet die Brücke: Geld dürfe nicht so übermächtig sein, soll nicht alles bestimmen. Bisheriges Spiel: Silbergeld horten und verlegen - dann die Überraschung, wenn du es wiederfindest, Material kaufen kannst - für deine Arbeit. Neues Spiel: Tauschen, finden, handeln, schlauchen, klauen.

Tabelle der Punkte:
Beispiele

Schwarzfahren zum Beispiel, in Kaufhäusern beiläufig, bei Gelegenheit, etwas mitgehen lassen - das ist weder neu noch originell - aber ökonomisch und befriedigend; als kleiner Racheakt an schlecht gemachten öffentlichen Systemen.
Für das »Schlauchen« - von der Zi­garette bis zur freien Benutzung von jemandes Automobil - gebe ich mir 3 Punkte gut, das gleiche wie für »Handeln« (ver-, be-, runter-). Weil das Bitten, Betteln, Schnorren mir besonders schwerfällt. Eigentlich müßte Handeln mehr bringen, finde ich, weil dabei mindestens zwei profitieren - aber auch das ist kapitalistisch verseuchtes Denken bei mir, deswegen: auch für das Erbitten von Geschenken drei Punkte. Heute morgen habe ich mir zehn Punkte gutgeschrieben, weil ich im Bioladen die "recycelten" Brötchen gegen ein neues getauscht habe und mittags drei Punkte, als mich eine nette Frau, die ich nach der Kantstraße gefragt hatte, eingeladen hat zum Essen am Wurststand.
Das könntest du nicht, sagst du, als Frau dich einladen lassen von Männern - ich bin da unsensibler. Du gehst manchmal kurz vor Schluß zu Märkten, um die Schleuderpreise zu nutzen und nach Schluß Lebensmittel im Rinnstein zu finden. Ich finde im Container an der Goethestraße ein schönes altes Waschbecken und bringe es meinen Gastgebern (denn selbstverständlich wohne ich so gut wie nie in Pensionen): macht (nur) fünf Punkte, obwohl ich weiß, die suchen grad so eins, Bügeleisen ist in ihres geknallt.
Während du, Chris, das Essen in Behördenkantinen empfiehlst - da gab es mal einen Leitfaden, wo überall man 'in Westberlin sich für unter zehn Mark satt essen konnte - Casinos, Mensen, Werkskantinen - verbringe ich einen Tag in Frankfurt - ganz ohne Geld - und habe dabei warm gesessen, gut gegessen und mich prächtig "unterhalten".
Das ergibt schon hundert Punkte, ein Tag in der Großstadt ohne den "Vol kskraftstoff". Dazu kommen die ganzen Einzelpunkte, also - dreimal ÖPNV (Öffentlicher PersonenNahverkehr), davon zweimal schwarz gefahren, einmal mit gefundenem Ticket, macht zweimal einen, einmal fünf, also sieben Punkte. Viel zu Fuß gegangen echtes Sparen, nochmal 10 Punkte.

Und: Nichts getauscht an dem Tag? Ich könnte die bei EDEKA mitgenomme­nen Spankisten zum Anheizen der WG­Öfen als Tauschobjekte für mein Frühstück und Abendbrot bei den Freunden betrachten. Aber da hört das Punktieren einfach auf. Ich zähle meine Punkte meist nicht am Abend des Tages zusammen, erst jetzt, wo ich dies schreibe: In Frankfurt damals waren's 133 bis 161 Punkte. Auf alle Fälle ein Rekordtag. Gionia Ventura

Verändert nach: Pieper, Werner: "Widersteh' Dich!", W. Piepers Medienexperimente in Lörrach (S. 235 ff.)


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