Geplant: Anti-Knast-Projekt
Ausstellung ++ Buch ++ mehr ...

Siehe auch:  Antirepression +++ Anti-Knast-Seite +++ Knastberichte und Soliseite T. Meyer-Falk
Bericht aus dem Knast: 8 Tage U-Haft Stammheim +++ Berichte aus dem Knast Gießen: 1998 und 2002

Konzept für eine Ausstellung zu „Strafanstalt“

Kurzbeschreibung

Die Ausstellung soll im Kern das Geschehen und die Verhältnisse in einer Strafanstalt sowie die Wirkung von Gefängnisstrafe auf die betroffenen und beteiligten Menschen darstellen. Dafür werden mit Fotowänden verschiedene Gänge und Räume so ausgeschmückt, dass sie den Eindruck vermitteln, die BesucherInnen würden sich tatsächlich z.B. in einer Zelle befinden oder in eine solche hineinsehen. Die Gänge und Räume werden entweder am Ausstellungsort in vorhandenen Fluren und Gängen eingerichtet oder es werden Stelltafeln, Stoffe u.ä. so angebracht, dass eine größere Halle sich wie ein Gang mit Räumen aufteilt. An allen Orten vermitteln die Fotos sowie eine dazupassende Geräuschkulisse aus vielen, kleinen Lautsprechern das Geschehen. Zu den Fotos sollen außerdem passende Texte ausgewählt werden, die auf Papierbögen aufgehängt werden (je nach Textmenge ca. A4 bis A2 – hochkopiert/ausgedruckt). Sie stammen aus dem Buch „Strafanstalt“ oder aus der Sammlung von Gedichten, Berichten aus dem Knast (Stammheimbericht ...) usw.

1. Räume

1.1 Zelle
Mit vier Wänden, die Großfotos von Zellensituationen zeigen, d.h. die BesucherInnen befinden sich, wenn sie die Tür passiert haben, rundherum von Zellenatmosphäre umgeben.

  • Drei große Fotowände: Großfotos (Doppel Buch S. 18/19, Doppel Zelle mit Waschbacken und Bett (nicht im Buch), Doppel mit Essgeschirr, ähnlich Buch S. 54)
  • Vierte Wand von Tür abgewandt mit mehreren Fotos plus Fenster (Buch S. 17, 70)
  • Ton: Wechsel von Stille mit Schritten draußen, Klospülung, Lalülala draußen in Entfernung, Türenknallen, Schlüsselumdrehen an Nachbartür, Klappe geht auf – Essen rein – Klappe zu, Geschrei, Pöbeleien, sehnsüchtiger Gesang usw.

1.2 Blick in zwei weitere Zellen
(wie 1.3) mit Großfotos (Doppel Buch S. 53, 1 Foto S. 53 Mittelausschnitt), neben einer Zellenschild (Buch S. 16)

1.3 Blick in Straf-/Arrestzelle:
Vom Flur aus können die BesucherInnen scheinbar durch eine Essensklappe auf ein Arrestzellenfoto schauen, dabei wird das System der Strafe innerhalb des Strafvollzugs erläutert (Strafe im Strafvollzug).

1.4 Weitere Räume:
Ebenso wie in die Arrestzelle können die BeobachterInnen in weitere Räume sehen, z.B. die Büros der Gefängnisbeamten (Doppel Buch S. 28/29, weitere Blicke S. 31, 33), Kleiderkammer (Buch S. 15 unten), Besucherraum (Buch S. 57 unten) usw.

1.5 Hof:
Raum, umgeben mit Fotos von Hofsituationen (Buch: S. 46 links, 72). Ton mit Gemurmel, Schritten im Kies, Lautsprecherdurchsage, Ende-Gong.

2. Flur

An den Räumen vorbei führt ein Flur. Er ist mit Fotoansichten dieser Gänge sowie weiterer Gefängnisinnenansichten gestaltet. Vom Flur gehen die oben genannten Räume ab oder es finden sich scheinbare Gucklöcher (wie die Durchreichklappen in den Gefängnistüren), durch die in andere Räume (tatsächlich Fotos derselben) geschaut werden kann.

  • Fotos: Großfoto (1 Foto Buch S. 12/13, Mittelausschnitt, 1 Foto S. 73) sowie kleine Fotos (Buch: S. 50 unten, 67). Zudem Ankunftssituation am Flurbeginn (Buch S. 10 und 11)

3. Ein- und Ausgänge

Zum Flur soll es einen Zugang und einen Ausgang geben. Für die BesucherInnen gibt es also einen festen Plan, wie die Ausstellung betreten und wie sie verlassen wird. Gibt es aufgrund der räumlichen Lage nur einen Zugang, wird dieser entsprechend geteilt.

3.1 Eingang:
Der Zugang ist ein Weg, der den sozialen Weg in das Gefängnis illustriert (ebenfalls als Gang gestaltet von ca. 2-3m Breite). Er beginnt mit dem Leben „draußen“: Freundschaften, Party, FussgängerInnenzone, Einkaufen, Urlaub, Arbeit, Faulenzen, Hobby. Danach folgen Bilder von Polizeieinsätzen, Verhör usw. Noch ein Schritt weiter Bilder von Gerichten, aus Gerichtssälen, Schriftzüge „Im Namen des Volkes“ usw. Am Schluss zeigt die Außenansicht eines Gefängnisses das Ankommen im Gefängnis. Die BesucherInnen gehen auf das Plakat zu und drängeln sich an der Seite vorbei. Dann folgen weitere Fotos von Eingangssituation und ein weiteres querstehendes Foto mit Blick in den Flur als Übergang zum Flur. Dahinter beginnt der Flur (siehe 2.)

  • Fotos: Anfangs umfangreiche Collage aus vielen, vielen Bildern, Postkarten usw. Danach passende Bilder zu Polizei, Gericht. Am Schluss steht quer im Zugang das Großfoto (zwei Teile) aus Buch S. 35. An den Seiten nach Durchdrängelpunkt weitere Fotos von Eingang (Buch S. 7). Danach Großfoto (1 Foto Buch Rückseite).
  • Ton: Bei Collage (Stimmengewirr, Verkehr, Vögel, Straßenmusik ...), Polizei (Lalülala, Autos, Autotüren, Stimmen ...) und Gericht („Im Namen des Volkes“, Hammer, Türgeräusche, Stühleknarren ...) jeweils Klangcollage von dazupassenden Geräuschen.

3.2 Ausgang
Der Ausgang illustriert die Etappen beim Verlassen des Gefängnisses. Der Ausgang beginnt mit einem querstehenden Bild (wie bei Eingang zum Flur) am Ende des Flurs (Doppel, Buch Titel, wenn nur ein Zugang auf Rückseite des Eingangs-Doppelfotos, dann je an einer Seite vorbeidrängeln und dann geteilter Ein-/Ausgang). Danach finden sich Symbole für Leere und Perspektivlosigkeit, z.B. Foto von Liebster/m durchgestrichen oder zerrissen, Obdachloser, Alkohol, Arbeitslos. Aus Rückfallstatistik. Zudem Foto aus Buch, S. 69.

4. Zusätze

Außerhalb dieses Inszenierung können weitere Ausstellungsteile aufgebaut werden:

  • Leseecke mit Knastbüchern, Spielen usw.
  • Ausstellung zu Prozessen in Gießen mit Bildschirm zum Film darüber (und Taste zum Starten, z.B. Computer, der auch andere Geräusche steuert, aber ohne Tastatur)
  • Texte zum Zweck von Strafe sowie zu Alternativen zur Strafe
  • Videogerät oder Beamer mit Knastfilmen
  • Informationen zu Knast-Solidaritätsarbeit, Adressen und mehr ...

5. Rollenspiel

Eine Variante für die BesucherInnen, die diese eingehen können oder nicht (also als „Angebot“), ist ein Rollenspiel. Die BesucherInnen (einzeln oder auch mehrere) entscheiden sich am Beginn für eine Rolle im Gefängnis oder losen diese zu. Später gibt es an verschiedenen Orten Ereigniskarten, was der jeweiligen Rolle widerfahren kann. Mögliche Rollen sind WärterIn, SozialarbeiterIn, DeutscheR als GefangeneR, AusländerIn als GefangeneR, BesucherIn.

6. Begleitveranstaltungen

Es soll eine Liste, besser Sammlung von Filmen zum Thema sowie eine ReferentInnenliste mit Vorschlägen für Diskussionsveranstaltungen, Vorträgen usw. erstellt werden, damit rund um die Ausstellung auch ein Begleitprogramm organisierbar ist in den jeweiligen Orten.

7. Buch

Das Buch „Strafanstalt“ soll wieder neu verlegt werden. Es soll ergänzt werden um Texte zu:

  • Was soll Knast und Strafe? Wem dient Repression?
  • Alternativen zu Knast und Strafe
  • Knast-Solidarität, Kontaktadressen und mehr

Es soll in einem Verlag erscheinen und als Kooperation mit anderen herausgegeben werden.

8. Material für Infostände draußen

Die Ausstellung kann durch Infostände und Aktionen in FussgängerInnenzonen ergänzt werden. Ideen dafür: Käfig, Plakatständer, Transparent, Verkaufsständer.

Todo:

Bilder: Foto/Bilder/Postkarten-Collage zu „Draußen“, „Polizei“ und „Gericht“ im Eingangsflur. Vergrößerungen der kursiv gesetzten Fotos aus dem Buch auf Plastik in jeweils ca. 50cm Höhe (je nach Druckbahn, um Kosten zu sparen und Folienbreite auszunutzen). Die Bilder können auch unterschiedlich groß sein! Mit cv ist abgesprochen, dass er die Fotos auf Kunststofffolie ausdrucken kann für ca. 35 Euro pro Quadratmeter (farbig oder grau). jl scannt als erstes alle vorhandenen Papierabzüge (sollen ca. 300 sein, d.h. mehr als im Buch vorhanden) ein, damit sie auf CD bei mehreren vorhanden sind zwecks endgültiger Auswahl. Im Vorschlag oben sind bislang nur die Bücher aus dem Buch berücksichtigt plus Arrestzellenfoto.

  • Ton: Drei Klangcollagen für Eingangsflur. Klänge für Gefängnisflur, Hof und Zelle. Wer solche Geräusche hat, bitte melden, ansonsten probiert sich sp daran.
  • Texte zum Aufhängen auswählen, einlesen mit OCR, Layouten und ausdrucken. Frage: Auf welches Material drucken und wie aufhängen??? Zum Teil müssen Texte auch neu geschrieben werden zu dem, was im Buch fehlt (z.B. Ein- und Ausgangssituationen, Arrestzelle).
  • Werbeplakate mit A4-Freifläche für örtliche Ankündigungen und Flugblattvorschlag, der jeweils in den Orten ergänzt werden kann.
  • KooperationspartnerInnen (Personen, Gruppen usw.) ansprechen.
  • Buch: Verlag suchen (jb koordiniert), alle Texte einlesen (jl fragt bei Verlag von altem Buch nach Datei mit Texten, sonst OCR). Fotos werden ohnehin alle gesannt (siehe oben)
  • Finanzantrag: ??? Muss enthalten weitere Fototafeln, Texttafeln, Collagen, Technik (Boxen, Kabel, ca.-10-Kanal-Soundkarte, Minicomputer als Steuerung, Beamer, 1 Flachbildschirm, Transportkisten, Beleuchtung, Aufhängungen/Klammern usw., Buch, Werbeplakate, Fahrt- und Transportkosten, weitere Ausstellungsergänzungen, Material für Infostände draußen
  • Transportkisten usw.: Eine für Großfotos, eine für gerollte weitere Fotos und Texte. Eine für sonstiges Material.
  • Verkaufs- und Materialständer für Buch, CD zum Thema, weitere Bücher und Hefte (Knastheft, Lebenslänglich-Heft, Buch „Autonomie und Kooperation“ usw.).
  • Material für Infostände draußen.


Download des Plans als PDF

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