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Direct Action

Aktionen gegen Knäste und deren Rundherum

Knste abschaffen ++ Aktionsideen ++ Berichte ++ Links

Knäste abschaffen!!!

Strafvollzug ist, laut der GesetzgeberInnen, eine Chance für den auffällig gewordenen, sein Leben wieder neu zu ordnen, damit er/sie nach Absitzen der Strafe den Normen und Gesetzen angepasst leben kann. Diese Resozialisierung, als Wiedereingliederung in die Gesellschaft, ist eine Lüge in sich. Niemand kann erlernen, wie er/sie sich verantwortungsvoll gegenüber der Gesellschaft verhält, während er/sie von der Gesellschaft weggeschossen leben muss. Das Wegsperren von Menschen in „Käfige“ zerstört ihre Existenz. Freunde und Familie wenden sich häufig ab. Es ist wichtig dieses Zwangs- und Herrschaftsmittel zu enttabuisieren und zu thematisieren.

Aktionsidee

Da 50% der in der Bremer JVA Inhaftierten auf Grund von Taten die im Zusammenhang mit Drogen stehen, sitzen, hat die Knast-Kampagne Bremen mit einer „Überidentifikation“ auf die Absurdität und die Folgen aufmerksam gemacht. Sie veranstalteten eine „Demo gegen die offene Koffein-Szene“. Mit Flugblättern und Sprechchören forderten sie das konsequente Vorgehen gegen die Kaffee-Szene, Kaffee- Dealer, Koffein-Junkies, Schluckräume, etc.. Das Flugblatt, welches das ironische Fazit: „Gesellschaftliche Probleme lassen sich nur durch härtere Strafen lösen“ enthielt, regte sie Umstehenden zu einem breiten Grinsen und viel Zustimmung an. Einige Menschen gesellten sich spontan zu der Demonstration. (siehe hier).

Andere Aktionsideen

Sabotage an Knästen, Gerichten, Bullenwachen ...:

Wichtig bei allen Formen von Sabotage und Militanz ist, genau zu überlegen, wer durch eine Aktion gefährdet oder behindert werden kann. Die Psyche, Gesundheit und das Leben von Menschen sollten nicht gefährdet werden.

Knastalltag stören
Aktionen in der Öffentlichkeit

Durch kleine Aktionen in der Innenstadt wird die Öffentlichkeit angeregt, über das Thema „Knast“ nachzudenken.

Beispiele und Ideen

Gefangenentransporte stoppen ...

Gefangene werden ständig hin- und hertransportiert. Solche Transporte gehören zu den erniedrigensten Erfahrungen von Menschen, die länger in Haft sind. Transporte von A nach B ziehen sich oft über Wochen, weil nicht zwischen allen Knästen direkt Gefangenentransporte laufen, sondern große Umwege in Kauf genommen werden müssen mit mehreren Kurzaufenthalten in den Durchgangszellen anderer Knäste. Zusätzlich zu solchen Transporten gibt es bei Festnahmen während politischer Aktionen Gefangenentransporte vom Aktionsort in die Gewahrsamszellen der Polizei. Bei einem Castor-Transport nutzte die Polizei Bahnwaggons als Gefangenentransporte bei der Räumung einer X-1000malquer-Blockade, da der Wegtransport sonst durch steile Böschungen erschwert wurde. Dieser Transportzug wurde dann wiederum erfolgreich per Sitzblockade festgehalten, so dass der entgegenkommende Castor ebenfalls warten musste.
Bei der Blockade vollbesetzter Gefangenenbusse muss allerdings beachtet werden, dass die Bedingungen für Gefangene in den Bussen äußerst schlecht sind. Blockaden sollten daher symbolisch sein und vor allem die im Bus Gefangenen offensiv mit einbeziehen - sonst wird sie von denen nur als nervige Verlängerung der Transportfahrt empfunden.

Festnahmen zu Aktionen machen

Die meisten Festnahmen bei politischen Aktionen geschehen öffentlich. Es ist also eine politische Aktion, wenn sie nach außen vermittelt werden können. Sowohl die Festgenommenen wie auch die Drumherumstehenden können mit lauten Rufen, lauten Dialogen oder Theaterszenen das Geschehen, die Rolle von Knast, Polizei und Justiz sowie die Perspektive herrschaftsfreier Gesellschaft nach außen vermitteln. Ein spannendes Mittel dazu ist der offensiv-vermittelnde "Dialog" mit Polizei oder anderen Repressions-Ausführenden selbst. Wer z.B. PolizistInnen lautstark darauf ausfragt, ob sie nur nach Befehl handeln, ob sie nicht lieber Eis essen gehen würden als Befehle zu empfangen, ob sie hinter ihrem Tun stehen usw., vermittelt die in dem Streitgespräch ausgetauschten Positionen nach außen. Zudem kann es für viele erleichternd wirken, nicht nur eingeschüchtert alles über sich ergehen zu lassen, sondern zu spüren, dass weiter Handlungsfähigkeit besteht. Allerdings mit Grenzen: Zur Sache oder zu Personen außerhalb des Kreises der Repressions-Ausführenden selbst darf auf keinen Fall etwas gesagt werden (weil sonst verwertbar für die Justiz). Und wichtig ist auch der Spürsinn dafür, welche Provokation und Nerverei kontrollierbar bleibt. Nicht jedeR hat Lust, von einem durchgeknallten Bullen vermöbelt zu werden, weil dieser bloßgestellt wird und sich abreagieren will. Jedoch auch hier hilft es, viele Handlungsoptionen offen zu halten, z.B. die vorweggenommene Thematisierung durch die laute Frage: "Möchtest Du zuschlagen, weil Dir jegliche Argumente fehlen?" oder ähnliches.
Alle diese Hinweise gelten auch für Kontrollen, Kessel usw.

Bei Knast: Aktionen im und gegen Knäste!

Mit dem Schließen des Tores von Knast oder Bullengebäude hinter dem Gefangenen sind alle Möglichkeiten der direkten öffentlichen Wirkung beendet. Wer sich dort dann wie verhält, sollte an persönlichem Befinden orientiert sein. Das Regime im Knast oder im Polizeigewahrsam ist aus verschiedenen Gründen hart - Langeweile in der Zelle, manchmal gewaltbereite Mitgefangene, Entzug von Drogen, Sorgen um andere oder Zurückgelassenes und oft die Unklarheit über das weitere Geschehen können an einem nagen. Vor allem bei kurzen Aufenthalten ist Ruhe und Schlafen für viele das Beste, andere gehen auf und ab - wer mit anderen zusammen eingepfercht ist und sich mit denen unterhalten kann, hat es noch am besten. Möglich bleibt auch auf der Polizeistation oder im Knast die provozierend-vermittelnde Kommunikation mit den BewacherInnen - die Fragen nach dem Sinn ihrer Arbeit, ob sie nicht lieber frei ihren Tag einteilen wollen statt unter Befehl zu handeln usw. Oben Gesagtes bei Verhaftungen gilt auch hier: Gefährdet Euch nicht und plaudert nicht über tatsächliche Geschehnisse oder Personen (außer eben die BewacherInnen)!

Sabotage und Militanz an Knast und Justiz

Mögliche Ziele sind:

Wichtig bei allen Formen von Sabotage und Militanz ist, genau zu überlegen, wer durch eine Aktion gefährdet oder behindert werden kann. Wer das Schloss eines Gefangenenbusses zuklebt, wenn er leer ist, verhindert das Einsteigen der Gefangenen. Wer es macht, wenn die Gefangenen drin sind, verhindert das Aussteigen. Das ist ein Unterschied. Wer Repressionsinfrastruktur zerstören will, sollte darauf achten, das Menschen nicht in Gefahr geraten können. Wer Brandsätze wirft, wo Menschen drüber wohnen, oder die Bremsen von Autos sabotiert, muss das wissen und dafür eine gute Begründung haben. Gefährdung der Gesundheit, Psyche oder gar des Lebens von Menschen ist unseres Erachtens aber nur dann überhaupt begründbar, wenn von diesen selbst und direkt die Gefährdung anderer ausgeht - also bei ausländerInnenjagenden Nazis, bei Vergewaltigern, Bomberpiloten, Diktatoren, Erschiessungskommandos usw.

Trainings zu Knast, Justiz und Bullenkontakt

Um oben genannte oder neue kreative Aktionsmöglichkeiten auch nutzen zu können, ist Vorbereitung sinnvoll - Situationen entwickeln, durchsprechen und trainieren sowie hinterher reflektieren und weiterentwickeln. Solches hat zudem einen weiteren Zweck - nämlich den, das Ohnmachtsgefühl zu überwinden. Bisher beschränkte sich die Auseinandersetzung mit der Repression oft auf den Schutz vor ihr. Festnahmen, Knast, Bullenkontakt, Verhöre usw. wurden als Bedrohung gesehen und Verhaltensregeln dafür vermittelt. Das schürte nicht nur Angst, die Kreativität hemmt, sondern reduziert alle, die mit der Staatsmacht in Konflikt kommen, zu Opfern. Genau das Umgekehrte aber wäre für eine Vermittlung von herrschaftskritischen Positionen aber sinnvoll. Jede Verhaftung, Kontrolle, jeder Gerichtsprozess und jede Inhaftierung ist die Verteidigung des angegriffenen Herrschaftssystems. Sie offenbart dessen Herrschaftsverhalten. Zu spüren, dass auch dann viele Handlungsmöglichkeiten bestehen, wenn die Daumenschraube der Repression angelegt ist, kann mental sehr viel mehr bringen als die auswendig gelernte Strafprozessordnung. Wobei nichts dagegen spricht, beides zu können ...

Gerichtsprozesse verwandeln

Gerichtsprozesse sind fast immer öffentlich - ein Ausschluß der Öffentlichkeit geschieht nur in besonderen Ausnahmen. Daher sind sie als Aktionsplattformen auch immer geeignet. Aus verschiedenen Gründen sogar ganz besonders:

Die Anfälligkeit des ritualisierten Gerichtsablaufes gegenüber Störungen schafft riesige Handlungsmöglichkeiten vom versteckten Theater, dem Streit zwischen zwei oder mehr verschiedenen Teilgruppen, die gegenteilige Überzeugungen "vertreten" - z.B. eine die Überidentifikation mit dem Gericht (Law-and-order-Rufe, Anbeten des Gerichts usw.), die andere eine herrschaftskritische. Sabotage und Militanz wirken ebenso stark, z.B. stinkende Flüssigkeit, das Verkleben der Türen am Anfang des Tages usw. Räumungen auch von Einzelpersonen im Gerichtssaal sind wegen der Bestuhlung und Enge oft sehr schwer - der Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt.
Auch die sog. Angeklagte hat viele Aktionsmöglichkeiten - z.B. durch das Ausfragen der ZeugInnen, durch Anträge auf andere Sitzordnung, Prozessunterbrechungen, Freibier für alle, Befangenheit, Beweisanträge und mehr. Die Situation der Nicht-Gleichberechtigung kann ebenso thematisiert wie politische Erklärungen abgegeben werden. In vorheriger Absprache mit Leuten unter den ZuschauerInnen können auch durch Anträge gute Ausgangssituationen für Aktionen geschaffen werden.

Veranstaltungen machen oder nutzen

Knast sowie, im allgemeineren, das System "Strafe" und Strafandrohung innerhalb des komplexen Aufbaus von Herrschaft ist für Veranstaltungen ein besonders entscheidender Punkt. Denn er hat doppelte Bedeutung. Zum einen geht es um das konkrete: Knast bedeutet die soziale Zerstörung von Menschen mit dem Ziel der Norm(alis)ierung von Verhalten. Das ist für jede Gefangene unmenschlich und in seiner Gesamtheit jeglicher Form von Selbstbestimmung individuell sowie als soziale Gruppe zuwiderlaufend. Zum anderen aber ist Knast auch ein zentraler, weil unverzichtbarer Bestandteil autoritärer Gesellschaftsmodelle - wie sie Staaten immer darstellen. Ohne Knast bzw. die Androhung von Strafe machen formalisierte Gesetze, Normierungen und Regeln keinen Sinn. Beschlüsse, die für alle zu gelten haben, sind nur lohnenswert, wenn es auch Durchsetzungsmechanismen gibt. Diese sind folglich unverzichtbar. In den typischen Nationalstaaten der heutigen Zeit reicht die Spanne der Durchsetzungsmittel von Erziehung über Marktzwänge, gerichtete Kommunikation, Wirklichkeits- und Geschichtswahrnehmung bis zum ausgeklügelten System von Verfolgung, Strafandrohung und Strafvollzug. Jeder organisatorische Teil von Gesellschaft verfügt in sich wiederum über solche Systeme, z.B. die Noten, Verweise usw. in der Schule, Disziplinarverfahren oder Ausschlüsse in Vereinen oder Parteien sowie Prügeln, Liebesentzug usw. in der Familie. Gesamtgesellschaftlich sind Ordnungsbehörden (Jugend-, Finanz-, Bau-, Ausländer-, Gesundheitsamt usw.) sowie Bullen, Justiz und Knast die Organe und Orte von Strafe und Strafandrohung. Wer sie ablehnt, muß konsequent auch Herrschaft insgesamt ablehnen, weil Herrschaft nicht ohne Durchsetzung der Beschlüsse und Normen auskommt. So grauselig das ist, so bietet es Chancen. Die plakative Forderung nach Abschaffung von Bullen, Justiz und/oder Knästen führt zielgerichtet in eine Diskussion um Gesellschaftsutopien. Und die ist nötig.
Aktionen gegen Polizei und Justiz, Veranstaltungen zu deren Abschaffung oder Diskussionsbeiträge auf Veranstaltungen anderer mit diesen Positionen bieten Ausgangspunkt für eine Thematisierung von herrschaftsfreier Gesellschaft. Ein Nationalstaat oder jede andere Herrschaftsform ohne Castor, Nazis oder internationalen Devisenspekulationen ist ohne Probleme denkbar. Ohne Knast, Polizei und Justiz dagegen nicht. Darum bieten solche Aktionen und Thematisierungen besondere Chancen.

Pro-autoritäre Positionen auch bei "Linken" angreifen!

Demonstrationen samt ihrer Vor- und Nachbereitungstreffen, Diskussionen, Camps, Kongresse und Einzelverstaltungen vieler politischer Gruppen können Ort der Thematisierung von antiautoritären Ideen sein. Das ist auch deshalb nötig, weil es nur sehr wenige "linke" Gruppen und Organisationen gibt, die tatsächlich Herrschaft und autoritäre Gesellschaftsstrukturen ablehnen. Zwar sind fast alle nach außen verbalradikal und sprechen sich gegen Macht aus. Aber schon bei der ersten Nachfrage sowie bei ihren konkreten Aktionen wird deutlich: Sie wollen nur selbst an die Macht, wollen eine andere Art der Machtausübung, aber auf keinen Fall die Auflösung von Herrschaft.
Beispiele:

In einer solchen Atmosphäre kann das Beispiel der Knäste ein wichtiger Einstieg in eine Debatte um Herrschaft sein. Binnen weniger Sekunden sind aus "Fuck-the-system"-Linken glühende VerfechterInnen von Knästen zu machen. Der Ruf gegen Knäste erntet noch etwas Zustimmung - wenn auch in der Geschichte der "Linken" der Trend von "Alle Türen waren offen, die Gefängnisse leer" über "Freiheit für alle politischen Gefangenen" (also nur noch sehr wenig) zu "Freiheit für alle linken politischen Gefangenen" geht - womit am Ende auch deutlich wird, worum es geht: Die eigene Macht unter Fortsetzung der Beherrschung anderer. Wer das "Gegen Knäste" dann allerdings übersetzt mit "Freiheit für alle Nazis und Vergewaltiger!" ist dem Rauswurf aus linken Zusammenhängen recht nahe. Nicht nur einmal ist es auf "linken" Veranstaltungen geschehen, dass KnastgegnerInnen als SexistInnen beschimpft und offen härtere Haftstrafen, Arbeitslager oder gar die Todesstrafe gefordert wurde. Insofern gilt für "Linke" dasselbe wie für Veranstaltungen allgemeine: Die Ablehnung von Knast, Polizei und Justiz ist nicht nur wichtig, weil Strafe ein widerliches Mittel der Herrschaftsausübung ist, sondern auch, weil das einen sehr guten, da provokativen Einstieg in die Debatte um Herrschaft im allgemeinen schafft.

Berichte von Aktionen und mehr

Links und Leseempfehlungen

Gefangen
Kritik von Gefängnissen und Alternativen zur Strafe. Über die fatale Wirkung von Strafe, vor allem von Haftstrafen. Alternativen. Quadratisch 15x15cm, 64 S. Einzelbuch: 3 Euro.  Ab 3 St.: 2,50 Euro, ab 10 St.: 2 Euro.