Direct Action Days - Magdeburg

Siehe auch: Antirepressionsseite +++ Bündnis "Mehr Sicherheit fü,r Magdeburg" +++ §129a-Verfahren Magdeburg +++ Indymedia-Beitrag dazu

Ermittlungsverfahren gegen AktivistInnen

Einige Wochen nach den Direct Action Days hat sich der Repressionsapparat entschieden, eine öffentliche Plattform für die Kritik an den ganz alltäglichen staatlichen Einschüchterungsinstitutionen zur Verfügung zu stellen: Es wurdenen mehrere alberne Vorwürfe benannt, nach denen einige ausgewählte AktivistInnen nun verfolgt werden sollen. Einer davon ist das Bekleben von Flaschen bei Karstadt und der andere ist eine "grob ungehörige Handlung, die geeignet ist die Öffentliche Ordnung zu gefährden". Was die ganz konkret wollen und wie sie das juristisch untermauern wollen, wird spannend.

Nett ist aber schonmal, dass der Herr Polizei-Einsatzleiter von den 129a-Aktivitäten des 25. Oktober nochmal eine nette Unterhaltung mit uns möchte. Denn da wird er nicht drumherum kommen, als Zeuge in dem zu erwartenden Prozess geladen zu werden - er ist schließlich in der Gerichtslogik der glaubwürdigste Mensch für die Wahrheitsfindung... *gg*

Bei der Gelegenheit werden dann noch ein paar andere Persönlichkeiten vor Gericht zu Rate gezogen werden müssen, um Hintergründe und Ablauf der vorgeworfenen Taten zu ermitteln. Da sollen sich Kriminalpolizei und SchreibtischtäterInnen schon mal freuen. Begleitet wird diese lächerliche Polizeimaßnahme dann von kreativen Aktionen, die auch den Blick der Öffentlichkeit für dieses Treiben sensibilisieren sollen. Am Ende werden sollen sich so manche Law & Order - Junkies wünschen, nie auf die dumme Idee gekommen zu sein, mit solchen Aktionen etwas erreichen zu können. Aber das wird natürlich ein weiter steiniger Weg mit aufwendigen Ermittlungen und ohne viel Ergebnis:p

Was ging ab?

An mehreren Tagen fanden Workshops zu Themen direkter Aktion statt: Einführung in Direct Action, Subversive Kommunikation, Kreative Antirepression, Molly-Workshop (weiterer Bericht) und Tipps & Tricks. Im Vorfeld wurden diese offensiv beworben, was dazu führte, dass die Polizei ein erhebliches Interesse zeigte, mehr zu erfahren. Es gab da neben verschiedenen E-Mails, Einträgen in Termin- Internetseiten wie www.Termine-Online.NET und Presseinformationen eine "Werbepostkarte", die in ca. 60 Kneipen, kulturellen Einrichtungen und Diskotheken von einer kommerziellen Firma ausgelegt worden war. Diese Karte hat als Cover einen Stadtplanauszug des LKA (Landeskriminalamt), auf dem handschriftlich Tankstellen etc. markiert waren. Der Einsatzleiter des 25.10. fand das sehr ernst...

Broschüre Kreative Antirepression +++ Broschüre Subversive Kommunikation +++ Broschüre Antiknast +++ Liedersammlung

Am 23. Oktober kam es unverhofft zu einem Training in Kreativer Antirepression, als die Karstadt-Detektive zwei Leuten, die sich gerade im Kaufhaus aufhielten, Sachbeschädigung vorwarfen. Sie sollen Aufkleber mit antikapitalistischem Inhalt auf Produkte geklebt haben. Diese repressive Situation wurde sogleich für den Einsatz kreativer Antirepression genutzt. Die Karstadt-Wächter waren sichtlich überrascht, dass ihr autoritäres Auftreten diesmal kaum Eindruck machte. Mehrfach wurde die Polizei und eine Strafanzeige verlangt, was ursprünglich die Drohung der Detektive war. Erst nach längerer Freiheitsberaubung setzten sie diese dann in die Realität um.

Außenstehende berichteten von mit Blaulicht herbeieilenden Streifenwagen und aufgeregten Zivilbeamten, die nach einem Grund zur Festnahme suchten, aber keinen fanden. In Karstadt schienen manche Gerüchte herumzuirren. Eine Mitarbeiterin erzählte, nein, Ladendiebstahl wäre es wohl nicht, aber jemand hätte einen Molli werfen wollen...:-)

Zurück aus dem Kaufhaus war der Workshop "Kreative Antirepression" leider schon angelaufen. Aber die betreffenden hatten die Theorie bereits in der Praxis erproben können... Später gab es noch kleinere theatralische Aktionen mit der Polizei - die war nämlich der Meinung, den Veranstaltungsort alle paar Minuten anfahren zu müssen. Als sie ein weiteres Mal neugierig gaffend vorbeifuhren, stellten sich ein paar Leute mit dem Gesicht zur Wand, Beine breit und Häden an die Wand, wie bei einer Durchsuchung halt. Das verwirrte die Bullen wohl; sie fuhren schnell weiter. Überhaupt ist den FreundInnen und HelferInnen nichts unwohler, als in der Öffentlichkeit als UnterdrückerInnen und GewalttäterInnen demaskiert zu werden. In den nächsten Tagen verhielten sie die "BeamtInnen" dann auch sehr zurückhaltend - etliche Aktionen konnten ohne große Polizeipräsenz durchgezogen werden, wenngleich sie nicht angemeldet waren. Die Einheiten standen dann meist in irgendwelchen Seitenstraßen und warteten ab.

Am Samstag, den 25.10.03 gab es dann eine Jubeldemo (weiterer Bericht) des Bündnis "Mehr Sicherheit für Magdeburg", sozusagen als Gegenveranstaltung zur großen linksradikalen Anti-129a-Demo. Leider wurde sie in den Medien totgeschwiegen; die hatten von der Polizei wohl einen Wink erhalten, dass das alles nur Verarschung sei. Was zwar nicht stimmte, aber in diesem Filz von Polizei und Presse nützt es halt nichts, wenn die Herrschaften anderer Meinung sind.

Hintergrund: Magdeburger 129a-Verfahren

Im November 2002 wurden zwei Magdeburger Aktivisten mit dem Vorwurf der "Bildung einer terroristischen Vereinigung"; in Untersuchungshaft genommen. Im April 2003 folgte ein Dritter. Mitte Oktober sollte dann der Prozess gegen die drei beginnen (parallel dazu gibt es ein weiteres Verfahren gegen sechs andere Leute, denen der gleiche Vorwurf gemacht wird). Anlässlich des Prozessbeginns sollte es eine bundesweite Demonstration gegen den 129a in Magdeburg geben. Damit es nicht nur bei der üblichen Latsch-Veranstaltung hinter Polizei- Ketten bleibt, bei denen außer den DemonstrantInnen niemand was vermittelt bekommt, weil die Bullen alles fein abschotten, wurde zu den "Direct Action Days" aufgerufen.

Material:

Links:

Zu Hoppetosse +++ projektwerkstatt.de +++ Direct Action. Zum Anfang.