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Jagd - den Bock zum Gärtner machen?

Kritik der Jagd ++ Internationale Jagd ++ Direkte Aktionen ++ Links

Erst machen sie viel kaputt, dann spielen sie sich als Retter auf

So könnte man das Verhalten der meisten Menschen, die in diesem Lande den Naturschutz auf ihre Fahnen schreiben, charakterisieren. Schon die Zerstörung der Natur gleicht einem strategischen Feldzug, nur sind diesmal nicht (bzw nicht nur) Menschen die Gegner, sondern die Natur, ihre Regelkreisläufe und vor allem das undurchschaubare Landschaftsgefüge, das mit Katastrophen auf den Krieg gegen sie reagiert. Es tut das nicht aus Bösartigkeit, sondern als logische Konsequenz der Wirkungsketten, die der Mensch nicht kennt, nicht sehen will oder einfach übergeht. Derselbe Mensch, der diese Zerstörungen auf dem Gewissen hat, greift nur zur zweiten strategischen Tat, der Rettung der Natur. Ob es Jäger, behördliche oder VereinsnaturschützerInnen, Garten- und Häuslebauer oder was auch immer sind, sie alle gleicht eine Grundregel: Die Rettung bzw Heilung der Natur muß durch denjenigen geschehen, der sie vorher zerstört hat. Die Natur selbst ist dafür selbstverständlich zu blöd. Also muß wieder der Mensch ran.

Wir basteln uns die Natur zurück!

Der Mensch, oberster Feind der Natur, arbeitet mit umfassenden Konzepten und viel Geld bzw Arbeitskraft an der Heilung. Genauso, wie in der modernen Medizin nicht die Selbstheilungskräfte des durch Umweltgifte, Rauchen, Nahrungsgifte und vielem mehr geschundenen Körpers geweckt werden, sondern der kranke Mensch an hochtechnische Apparaturen angeschlossen bzw mit künstlichen Produkten vollgeschüttet wird, geht es der Natur. Nichts wird dem Zufall überlassen. Alles wird genau geplant. (Woran natürlich viele PlanerInnen und MöchtegernplanerInnen Geld verdienen.) Dann rücken Horden von BiotopgestalterInnen, PflegerInnen und BiotopmanagerInnen aus, um die Natur in das neue Korsett zu zwingen, das sich der schlaue Mensch für sie ausgedacht hat. "Der Bock wird z um Gärtner" heißt, daß der Mensch, Schinder der Natur, nun selbst meint, alles wieder richten zu müssen, und das nach seinen Vorstellungen. Und, noch schlimmer: Während er die Natur wieder "heilbasteln" will, macht er andersorts bzw global (durch Gifte in Luft und Wasser) immer mehr kaputt, um schließlich wieder als Retter und Wunderheiler mit neuen Gesetzen, Richtlinien und Biotopmanagementkonzepten aufzutreten.

Warum das? Ganz einfach, weil daran viele Leute ihr Geld verdienen, wieder andere ihr Gewissen beruhigen und noch andere einfach ihre Langeweile totschlagen, dh die Freizeit in ihren Pflegeflächen verbringen wie andere kegeln gehen.

Beispiel: Bäche

Niemand wird bestreiten, daß es Menschen waren, die den Bächen jene grausame Gewalt angetan haben, die sie in die heutige Form gebracht hat: verrohrt oder begradigt fristen sie ihr Dasein. Nun kommen die Menschen wieder daher und basteln ihre Heilungskonzepte. Und nicht zuletzt tun das die Wasserwirtschaftsämter selbst, die um ihre Arbeitsplätze bangen, weil es nichts mehr zu begradigen gibt. Jetzt wird dem Bach eine neue Form gegeben: In schönen, natürlich regelmäßigen Kurven (man will ja was für's Auge und für die einfache Nutzbarkeit der angrenzenden Flächen haben), oft mit einem Wanderweg dabei. Und ganz nebenbei auch noch tiefer als vorher, denn die anliegenden Landwirte wollen ihr Wasser bei der Gelegenheit auch noch schneller loswerden. Letzteres wird aber nicht so deutlich gesagt. Warum auch? In bunten Broschüren, Zeitungsartikeln usw ist das geschwungene Bachbett für eine positive Berichterstattung gut genug. Der Planer verdient gut, die örtliche Baufirma auch und der Politiker sackt ein paar Wählerstimmen ein.

Beispiel: Jagd

Unablässig fordern die Jäger Abschußgenehmigungen, verweisen andere Menschen aus den Wäldern und Feldern (um selbst dann mit Jeep, Hund und Flinte in selbigen rumzubrettern) und glauben sich als Regelgrößen in den Ökosystemen. Dabei hat die Jagd ihren Anteil daran, daß alles aus den Fugen geraten ist: Fütterungen verändern die Populationsdynamik und -größe erheblich. Anpflanzungen ausgewählter, oft gezüchteter oder fremdländischer Schutzgehölze fördern nur einige Arten, aber das auf Kosten der anderen. Abschuß und Störungen durch Jäger sind ebenfalls willkürzliche Regelgrößen ohne Rücksicht auf ökologische Prinzipien. Nachdem nun Jagd und (teilweise wesentlich schwerwiegender) andere menschliche Eingriffe die Natur zer- oder gestört haben, wollen die jagenden Menschen nun der Ersatz für die zerstörten Regelkreise sein. Und das heißt: Abknallen, was zuviel wird (weil Freßfeinde fehlen oder, meist der Hauptgrund, Biotopbedingungen verändert wurden). Füttern, was zu wenig ist. Natur wird zum Zoo, der Jäger zum Zoodirektor. Wichtig ist allein: Nur nicht die Natur machen lassen. Am Ende könnte sich noch herausstellen, daß Jagd Unsinn ist und sich die Natur viel besser selbst hilft.

Fazit

Naturschutz muß sich mehr an der Natur selbst orientieren. Lösungen, die das Herumbasteln des Menschen zwingend vorsehen, sind Unsinn und führen zu unvorhersehbaren Nebenwirkungen. Für Hirne mit linearen Denkstrukturen (1 Rabenkrähe abknallen = 1 Rabenkrähe weniger) ist die Natur zu komplex. NaturschützerInnen sollten mehr Mut haben, der Natur zur Selbstheilung zu verhelfen. PlanerInnen, PolitikerInnen und NaturschützerInnen sind nötig, um der Natur den Platz dafür zu geben, (ein Nebeneinander von Flächen, wo die Natur selbst wirkt, und solchen, wo der Mensch nutzt) naturverträglich, versteht sich. Eine dritte Kategorie, wo der Mensch in der Natur bastelt, braucht niemand. Außer vielleicht die Bastler zur Selbstbefriedigung selbst!

International

Aus "Umwelt-Beamter posiert mit totem Elefanten", in: Focus online am 31.1.2014
Ein hoher Beamter im thüringischen Umweltministerium sorgt mit einem ungewöhnlichen Hobby für Irritationen: Der Mann geriert sich in einer E-Mail an Kollegen als passionierter Großwildjäger. Auf mehreren Fotos posiert er neben einem erlegten Elefanten und brüstet sich mit der Größe und dem Gewicht des Tieres. ...
Der Beamte hält die ganze Sache für kein rechtliches Problem. Dass die Bilder und seine Mail weitergeleitet wurden, sei entweder Jagdneid oder jemand gewesen, „der mich aus dienstlichen Gründen nicht mag“. Er würde sich sowieso keine Vorschriften machen lassen, aus seiner Jagdleidenschaft habe er nie einen Hehl gemacht. Die Zeitung zitiert weiter: „Meine ganze Bude ist voll von toten und lebenden Tieren."

Direct-Action: Jagd stören

Waldspaziergang – einmal anders ... (Gedanken zu direkten Aktionen gegen Jagd)

Unter dem fadenscheinigen Deckmäntelchen der Ökologie oder auch ganz offen aus "Spaß am Töten" sind in den uns umgebenden Naturfleckchen zahlreiche Schießwütige unterwegs, deren Treiben nicht ungehindert zugesehen werden muss. Der Einstieg in Direkte Aktionen fällt beim Thema Anti-Jagd recht leicht, die meisten Aktionen sind legal bis niedrigschwellig, insbesondere, da die ausgespähten Objekte in der Regel unbewacht mitten im Grünen liegen.

Dass Hochsitze oder Kanzeln nicht für ewig erbaut sind, das wissen die meisten. Herkömmliche Holzbauten lassen sich leicht umsägen oder kippen, bei geeigneten Wetter- und Umweltbedingungen auch zu einem wärmenden Lagerfeuer verarbeiten. Das ist eine der einfachsten Sachen der Welt, aber warum stehen denn eigentlich noch so viele? Wie immer: Bitte niemals Hochsitze angesägt hinterlassen, mensch hat es nicht auf die Gefährdung von JägerInnen abgesehen.
Darüber hinaus hält die Technisierung auch bei den JägerInnen Einzug. Oft aufgewachsen in der Stadt ist der oder die Durchschnittsjagende nicht mehr vertraut damit, bei Nacht und Nebel durch den Wald zu stapfen und das "Wild" an Spuren zu erkennen. Stattdessen sind Jäger und Jägerin mit Autos unterwegs, oft Geländewagen oder Pickups, die an irgendeiner Stelle des Wagens nach außen durchblicken lassen, dass es sich um jagende EigentümerInnen handelt. Diese Autos (Vorsicht, meist ist Jägerin oder Jäger nicht weit, denn mensch möchte nicht viel laufen!) lassen sich nach Bedarf verzieren (zum Beispiel mit Abbeizer und Pinsel), oder es könnte vorkommen, dass urplötzlich Luft auf den Reifen fehlt.

Der moderne Homo sapiens jägermeister hinterlässt auch einen Teil seiner Technik im Wald. So finden sich moderne Kirrungstonnen aus Aluminium, die sich mit entsprechendem Gerät zerkleinern und dorthin befördern lassen, wo sie hingehören: In den grünen Punkt. Salzlecksteine können vergraben, Futterkrippen zerstört werden. Kein falsches Mitleid mit den Tieren im Winter! Das Füttern hat nur den Sinn, dem Jäger neues Wildfleisch heranzuzüchten und es an berechenbare Orte zu locken! An Futterplätzen finden sich häufiger auch Wilduhren, die mitsamt Ummantelung ins Getreide gesteckt sind. Kostenpunkt mindestens 30 €.

Sind Menschen nur für kurze Zeit oder spontan ohne Ausrüstung im Wald spazieren, ließen sich zumindest die Einrichtungen der Kanzeln etwas schmälern. Stühle verstecken, Teppiche, Leitern, Sichtschutz, Wärmedämmung, Wolldecken verschwinden lassen. Oder ihnen kleine Präsente in die Kabine legen. Klebrigen Saft auf Fensterbrettchen oder Holzbank hinterlassen. Vielleicht hat mensch ja einen Hund dabei, der dringend mal muss? JägerInnen überlegen sich in der Regel sehr genau, welchen Hochsitz sie in einer Nacht ansteuern wollen. Und da sie unflexibel sind, hält sie fehlendes Mobiliar oder ekelhafter Gestank zumindest eine Nacht lang vom Töten ab. Vor Jagden oder an Stellen, die bekanntermaßen gern von JägerInnen zum Morden verwendet werden, lassen sich Haare auslegen (im Friseursalon fragen ist allemal besser als eigene DNA-Ausweise zu hinterlassen).

Doch neben diesen insbesondere finanziell schädigenden Formen des Protests gegen Jagd stehen andere, nicht minderwichtige: Kommunizieren! Ob direkt mit JägerInnen, was je nach Situation nicht unbedingt ungefährlich ist, ob morgens mit PlatznachbarInnen im Bus oder auch indirekt über Hinweisschilder ("Idyllisch? Hier wurde heute Morgen ein Reh erschossen!"). Es ist wichtig, die Problematik in den Alltag der Menschen zu bringen, die zumeist sowieso nicht verstehen, wieso gejagt wird.
Übrigens: Viele Aktionen lassen sich auch gegen Randbereiche der Jagd, wie Schädlingsbekämpfung und Angeln, mitten in der Stadt organisieren!

Etwas gegen Jagd zu tun, hat vor allem etwas mit Fleiß und Kreativität zu tun. Aber auf jeden Fall bietet das Thema ein buntes Direct Action-Potpourri, bei dem für alle Interessierten etwas dabei sein dürfte...

Links und Aktionsbeispiele