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Gewaltdebatte bei Attac

Gewalt verdrängen, Protest einbinden

Aus Alexander Neumann, "Gegen den stummen Zwang der Verhältnisse. Eine Kritik der Gewalt" in: A. Bilek u.a. (2002): "Kritik der Gewalt", ProMedia in Wien (S. 159)
... führt uns zu dem Vorschlag, soziale Gewalt über demokratische Gegenmächte zu binden, um sie für neue Rechtsauffassungen nutzbar zu machen. ... der Ansatz, soziale Gegenmächte dazu einzusetzen, globale demokratische Rechtsgefüge durchzusetzen. Sogar die großen, schwerfälligen Apparate sind anfällig für solche Prozesse. Französische Gewerkschaften beteiligen sich an ATTAC!, während die IG Metall ihren Mitgliedern neuerdings rät, die alternative Globalisierungsbewegung zu unterstützen, anstatt SPD zu wählen.

Bernhard Cassen (Attac-Chef Frankreich), "Dank an Seattle - Es lebe Porto Alegre!" in: Bernhard Cassen u.a., 2002, Eine andere Welt ist möglich, VSA in Hamburg (S. 27)
(Zu Genua 2001:) Ja, in Genua gab es tatsächlich gewalttätige Personen: maximal 2.000 aus dem Schwarzen Block, zu denen 20.000 Polizisten hinzugerechnet werden müssen, gegenüber 200.000 Demonstranten, die sich gewaltlos verhielten.

Aus dem Interview mit Sven Giegold im Managermagazin brand eins 1/2004 (S. 74ff), vollständige Antwort auf die Frage: "Wo liegen die Grenzen des Konflikts, den Sie führen?"
Für mich ist die Grenze in einer demokratischen Gesellschaft die Frage der Gewalt. Konkret: Attac wendet nie Gewalt an, wir haben es nie gemacht und werden es auch in Zukunft nicht tun. Da ist die Grenze.

Gewaltdistanzierung im Rahmen der G8-Aktionen 2007

Von besonderer Bedeutung sind die Distanzierungen im Jahr 2007. Attac hatte - wie andere NGOs auch - einem breiten Bündnisansatz zugestimmt. Auch radikale Gruppen ließen sich einlullen oder rochen, wie die neugegründete Interventionistische Linke, am Duft der Elitenzugehörigkeit. Selbstorganisierung und Vielfalt wurden zugunsten einer Geschlossenheit geopfert. Die mutierte schnell zur Einheitssoße. Kurz vor Beginn der Proteste dann ließen die Führungs-NGOs die Hosen herunter: Distanzierungen von denen, die sie zunächst eingebunden haben, vollendeten das Kunststück, sich selbst als SprecherInnen der gesamten sozialen Bewegungen zu inszenieren und dennoch viele auszugrenzen. Dass das so einfach gelang, ist nicht nur eine Folge der widerlichen Strategien von Führern bei Attac & Co., sondern auch die Dummheit radikaler Gruppen und die Strategien ihrer FührerInnen, die immer wieder die Teilnahme an den zentralen Strukturen organisierten.

Spalten, spalten, spalten: Wir wollen Euch nicht sehen!
Aus "80000 gegen acht", in: Junge Welt, 4.6.2007 (S. 1)

Das breite Bündnis, das sich gegen den G-8-Gipfel gebildet hatte, dürfte jedoch Schaden genommen haben: Das globalisierungskritische Netzwerk ATTAC will nicht mehr gemeinsam mit »gewaltbereiten Autonomen« demonstrieren. »Wir wollen euch nicht sehen!«, erklärte ATTAC-Sprecher Peter Wahl am Sonntag im Fernsehsender nt-v in Richtung Autonome. Bei dem »schwarzen Block« handele es sich »um eine Gruppe von Personen, die mit der Absicht, Krawall zu machen, angereist ist.«
Aus "Gleiche Gewalt gegen alle", in: Junge Welt, 5.6.2007 (S. 1)
Der Druck auf prominente Globalisierungskritiker ist derweil enorm. Medien und Politik drängen die Bewegung, sich von den »Randalierern« und »Gewalttätern« zu distanzieren. Nicht jeder aus dem Demonstrationsbündnis hielt dem Sperrfeuer stand. So ließ sich dessen Sprecher Monty Schädel am Sonntag abend im ZDF-Interview zu der Versicherung hinreißen, man werde künftig eng mit der Polizei kooperieren und mutmaßliche Rechtsbrecher bei den Behörden denunzieren. Auch das globalisierungskritische Netzwerk ATTAC ging auf deutliche Distanz zu militanten Gipfelgegnern. Im Hinblick auf die Randalierer sei zuvor nicht in aller Schärfe gesagt worden, »wir wollen euch nicht sehen, wir wollen euch nicht dabei haben«, sagte ATTAC-Sprecher Peter Wahl am Montag im NDR. »Das hätte mit viel größerer Klarheit formuliert werden sollen, und ich denke, daß es jetzt zwingend notwendig ist, dies heute und für die nächsten Tage noch einmal sehr deutlich zu tun.«
Werner Rätz vom ­ATTAC-Koordinierungskreis entschuldigte sich am Montag bei den Rostocker Bürgern für die Eskalation. Gegenüber junge Welt präzisierte er, wie seine Organisation in den kommenden Tagen mit mutmaßlichen Militanten umzugehen gedenke: »Wenn einer ankommt, mit Kapuze und Palästinensertuch vor dem Gesicht, dann sagen wir dem, er ist unerwünscht.«

Antwort von Geronimo u.a. auf Peter Wahls Hetze im Interview der Jungen Welt, 16.6.2007 (Beilage)
Werner Rätz von ATTAC und der Interventionistischen Linken meinte nach der Randale in Rostock, daß es nun angebracht wäre, die globalisierungskritische Bewegung in gute und schlechte Kräfte zu sortieren.
Warum soll man bitte schön an einer Bewegung teilnehmen, wenn man nicht aus den depressiven Sortierungen des trostlosen Alltagslebens ausbrechen will? Und wenn Zigtausende Menschen kollektiv den ersten Schritt raus aus ihren Zwangssortierungen versuchen, dann sollen sie von ATTAC wieder neu sortiert werden? Das finde ich grauenhaft. Was maßen die sich eigentlich an?
Ja, wer ist eigentlich ATTAC?
Ernährungsfragen spielen in der autonomen Linken eine größere Ro
Ernährungsfragen spielen in der autonomen Linken eine größere Rolle, als man denkt: ein selbstironisches Plakat aus der Hochzeit der Bewegung in Westberlin, 1982
ATTAC ist ein Sammelbecken der aus den staatlichen Institutionen weitgehend outgesourcten Intelligenz der untergegangenen sozialstaatlich-fordistischen Epoche. Aber diese Beschreibung ist natürlich keine Antwort auf die nun wirklich dumme Politik der aktuellen Führungsriege dieser Organisation.
Was meinen Sie damit?
Sie begreifen nicht das notwendig dialektische Verhältnis zwischen Randale oder – sagen wir es lieber sozialverträglich – Dampf im Kessel und den von ATTAC angestrebten systemimmanenten Reformen.
Können Sie das vielleicht noch etwas komplizierter ausdrücken?
Gerne: Warum wohl hat ATTAC in Rostock darauf verzichtet, ein eigenes Camp mit eigenen starken Ordnern und eigenen Sortierungen durchzuführen? Genau: Wie bei ihren Sommerakademien hätten sich in einem solchen Camp mehr Referenten mit bedeutenden akademischen Titeln als potentielle Zuhörer eingefunden. Herr Wahl von ATTAC erklärt über das sozialistische Massenblatt Tagesspiegel, Autonome bei ATTAC-Aktivitäten nicht mehr sehen zu wollen. Danach muß er in unserem Rostocker Camp an mir vorbeiradeln, weil die im Gegensatz zur vielfältig autonomen Bewegung keine eigene vergleichbare Struktur auf die Beine stellen können. Die Reformisten sollen intellektuell bitte nicht beständig unterhalb des Niveaus der tatsächlichen Gewaltverhältnisse agieren.
Der Organisator der Rostocker Demo, Monty Schädel, hat dem ZDF gegenüber kundgetan, daß ihn die Bilder des 2. Juni in Rostock an die Bilder von Rostock-Lichtenhagen im Spätsommer des Jahres 1992 erinnern würden. Wenn das stimmt, dann würde das bedeuten, daß Autonome auf dem Platz der Abschlußkundgebung im Rostocker Hafen 300 von der Abschiebung bedrohte Polizeibeamte in ein Hochhaus eingesperrt hätten, um sie dann abfackeln zu wollen. Ich habe nun wirklich einiges gesehen, aber diese dramatische Sequenz ist von mir völlig unbemerkt geblieben.

O-Töne im Attac-Plenum, aufgezeichnet für die Report-Sendung vom 4.6.2007:
Das Problem war weniger die Polizei, von der man einschätzen konnte, dass sie so agiert. Das Problem waren die anwesenden Gewalttäter, die ganz einfach... Wer hat die Steine geschmissen? Die Polizisten waren es nicht. Oder sie haben sich vorher schwarz angezogen. ...
Das muss man uns selbst sagen: Meines Erachtens hat unsere Strategie nicht gegriffen, eindeutig im Bereich des Bündnisses die entsprechenden Leute mit einzuschließen, da muss drüber nachgedacht werden.

Aus einem Streitgespräch mit Sven Giegold, dokumentiert in der taz, 19.6.2007
Einen Stein zu schmeißen, kann ich mir nicht vorstellen. Unter halbwegs demokratischen Verhältnissen ist Gewalt ein ineffektives und unmoralisches Mittel. ...
Es gibt viele Methoden, ungehorsam zu sein, ohne sich die Sympathien der Mehrheit zu verscherzen. Gewaltfreie Blockaden gehören dazu. Die Steine in Rostock dagegen waren ein riesiger Rückschritt für die Bewegung. ...
Es geht um diejenigen, die sich um Absprachen einen Teufel geschert haben. Die will ich in der Tat auf Demonstrationen mit Attac nicht mehr sehen. ...
Große Bündnisdemonstrationen kann ich mir künftig nur mit eigenen OrdnerInnen vorstellen, die demokratisch vereinbarte Regeln der Veranstalter durchsetzen. ...
Alle, die mit gewaltfreien Mitteln gegen die Globalisierung von Menschenrechtsverletzungen und Naturzerstörung vorgehen wollen, mit denen finde ich es richtig, zusammenzuarbeiten. Leute, die die Absprachen brechen, brauchen wir nicht. Die erschweren uns unsere politische Arbeit nur.

Sven Giegold war nicht immer einer der Mächtigen der deutschen NGO-Szene, sondern auch mal einer ihrer erbittetsten Kritiker. Geändert haben sich nicht die NGOs, sondern Sven Giegold. Auch zur Gewalt hatte er schon mal andere Ansichten. An die sei erinnert:
Ich habe den Glauben an diesen Staat verloren. Vieles ist hier zusammengekommen, es war nur ein Auslöser: Wir sollten uns fragen, ob ein bißchen Vögel zählen, gegen AKWs demonstrieren und mit Politikern diskutieren überhaupt etwas bringt. Müssen wir uns nicht fragen, wieviel von unseren Zielen in diesem Staat überhaupt umsetzbar sind?

Kritik an Distanzierungen aus Attac-Führungskreisen durch die AG soziale Rechte in Berlin (Papier als .rtf)
Es gibt in Attac eindeutig keinen Konsens für eine Strategie, die auf Distanzierungen und damit notwendigerweise verbundenen Spaltungen innerhalb der Bewegung abzielt. Eine eben solche wurde jedoch von Attac, bzw. dessen „Sprechern“ – die von uns sonst sehr geschätzte geschlechtsneutrale Schreibweise ist hier leider aus empirischen Gründen hinfällig - praktiziert. Attac-Sprecher, wie sich einige Mitglieder des Koordinierungskreises zu nennen pflegen, verurteilten nach den Auseinandersetzungen im Rahmen der Großdemonstration am Samstag scharf Gewalt aus den Reihen der DemonstrantInnen. Auch wir haben uns in dieser Situation über diese sehr geärgert, sind jedoch nicht bereit, uns zu Helfershelfern staatlicher und medialer Hetzkampagnen gegen GlobalisierungskritikerInnen zu machen, bzw. über „unsere Sprecher“ dazu gemacht zu werden.
Am migrationspolitischen Aktionstag am 4.6. griff die Polizei völlig friedlich Protestierende mit willkürlichen Verhaftungen, Pfefferspray und Faustschlägen sowie unzähligen Provokationen an und zwang später eine angemeldete friedliche Demonstration mit Wasserwerfern und der „Begründung“, es seien zu viele DemonstrantInnen anwesend, zur Auflösung. Dennoch lobte „unser Sprecher“ Peter Wahl auf der Pressekonferenz am Tag darauf erneut munter und wirklichkeitsfremd die herbeihalluzinierte konsequente „De‑Eskalation“ der Polizei und klagte wiederum „gewalttätige Chaoten“ an, die er damit für jegliche Eskalation verantwortlich machte. Dass er die erfolgreichen Massenblockaden des zivilen Ungehorsams im Vorfeld stets bekämpft hatte und wenig später in der Tagesschau den Kapitalismus als aus „Attac-Perspektive“ alternativlos darstellte, passt dabei gut ins Bild. Hier stellt sich jemand auf die Seite der herrschenden Verhältnisse, übernimmt den Definitionsrahmen der Regierenden und geißelt Menschen, die – auch wenn mit Methoden, die wir für ungeeignet halten – zumindest meist noch glauben, dass eine andere Welt möglich werden muss. Bitte nicht in unserem Namen, wir können das nicht länger ertragen. Peter Wahl hat sich als Attac-Sprecher disqualifiziert und sich selbst aus der globalisierungskritischen Bewegung ausgeschlossen. Doch das Problem sitzt tiefer: auch in einer am 5.6. von den Attac-Sprechern Sven Giegold und Pedram Shayar verantworteten Erklärung zu den Blockaden übernahmen diese mit der Formulierung, dass „mögliche Straftäter von vornherein ausgeschlossen werden“ den Definitionsrahmen des bürgerlichen Strafgesetzbuchs.

Interview mit Attac- und IL-Führer Pedram Shayar, in: taz, vom 17.3.2007 (S. 4)
taz: Herr Shahyar, 72 Straftaten sind nach Angaben des BKA im Zusammenhang mit dem G-8-Gipfel bereits verübt worden. Schaden Aktionen wie Brandanschläge nicht Ihrer Mobilisierungsarbeit? Pedram Shahyar: Ja, das tun sie. Wir wollen demonstrieren für eine gerechte, friedliche und ökologisch nachhaltige Weltordnung. Um das zu erreichen, ist es sehr wichtig, dass wir unsere Inhalte in breite Kreise der Bevölkerung tragen. Brandanschläge sind nicht förderlich, sondern entfremden viele Leute von unserem Anliegen. Warum tun sich dennoch viele Leute aus der linken Szene schwer, sich von Anschlägen dieser Art zu distanzieren? Ich bezweifele, dass es wirklich so viele sind. Bei einigen Bewegungsaktivisten gibt es diese klammheimliche Freude aber schon. Ich bin der falsche Ansprechpartner, da müssen sie die fragen. Unabhängig von Brandanschlägen stellt sich auch bei Ihren Vorbereitungen die Frage nach Militanz und Gewalt während der Protesttage. Wie wollen Sie gewährleisten, dass alles friedlich bleibt? Dieses Mal gibt es eine sehr große Bündnisbereitschaft, die weit über die linke Szene hinausgeht. Dies setzt natürlich voraus, dass man sich auf die Prinzipien der anderen Bündnispartner einlässt. Attac hat immer klar gesagt, dass von unseren Aktionen keine Gewalt ausgehen wird. Das heißt: Bei allen Bündnissen, an denen wir uns beteiligen, wird dies auch sichergestellt. Insofern wird es in Heiligendamm keine Gewaltwelle geben. Ganz im Gegenteil: Wir werden große Demos und entschlossene Aktionen haben. Aber noch mal: Von uns wird keine Gewalt ausgehen. Eine Aktion heißt „Block G 8“. Das klingt nach mehr als einer friedlichen Latschdemo. Latschdemo allein reicht mir ja auch nicht. Ein gewisser rebellischer Gestus ist ein Konstitutionsmoment der globalisierungskritischen Bewegung. Wir appellieren nicht nur an die Elite, wir stellen uns quer. Wir haben monatelang bis ins kleinste Detail in Selbstverständnisdiskussionen geklärt, dass „Block G 8“ eine nichtmilitante Aktion von Massenblockaden sein wird. Wie geht das? Indem wir uns zu Tausenden friedlich auf die Straße setzen. Bilder wie in Genua 2001 schließen Sie für Heiligendamm also definitiv aus? Von uns und auch über Attac hinaus: ganz sicher ja. Aber Sie sollten auch mal die Gegenseite fragen. Momentan habe ich den Eindruck, dass die Gewaltdebatte von Keilen des BKA und der Polizei bewusst geschürt wird, um unseren Protest in Misskredit zu bringen. Aber auch dabei gilt: Wir werden uns nicht provozieren lassen.

Peter Wahl auf der Pressekonferenz der Rostock II Konferenz (aus der Dissent!-Mailingliste)
Wir haben einen demokratisch organisierten Vorbereitungsprozess, alle Akteure, Organisationen, Gruppen, die in diesem Prozess drin sind, haben klipp und klar erklärt: von ihnen wird keine Gewalt ausgehen.

Aus einem Beitrag von Wolfgang Neef, Mitglied des wiss. Beirates von Attac (als PDF)
Kein Mangel also an diversen "agents provocateurs", seit Ende des 19. Jhds übrigens, um Linke und gewaltlose Anarchisten in Verruf zu bringen. Die "linke" Szene, die Militanz so prima findet, weil man damit so herrlich und Macho-mäßig seine Wut austoben kann, ist diesen Bemühungen immer wieder auf den Leim gegangen. Irgendwann einmal muss man ihnen einfach sagen: Ihr seid blöd und uninformiert. Ihr begebt euch auf genau die Ebene, die gewünscht wird, um die Wirkung der nicht-militanten, zahlenmäßig weit größeren und argumentativ weit wirksameren Aktionen und DemonstrantInnen zu konterkarieren. Das ist zweifach dumm: Zum einen, weil man auf der Militanz-Ebene dem "System" immer unterlegen ist. Zum anderen, weil man dadurch sicherstellt, dass die Breitenwirkung von Argumenten von der Gewalt-Debatte überlagert wird. ... Eine klare Abgrenzung von denen, die das Solidaritäts-Argument intern in Anspruch nehmen, um dann als selbsternannte militante Avantgarde den Resonanzboden einer breiteren Bewegung "autonom" für ihre Aktionen zu nutzen, ist nicht nur nach außen politisch sinnvoll, sondern sorgt auch nach innen für Klarheit darüber, dass der Zweck eben nicht die Mittel heiligt. Auch das, übrigens, eine historische Erfahrung, eine bittere zudem angesichts von 70 Jahren "realem Sozialismus" - insofern auch volles Einverständnis mit deinem Satz zu Machiavelli, Stalin und Baader.

Kritik daran

Aus einem offenen Brief von Raul Zelik an Peter Wahl, dokumentiert in: Junge Welt, 7.6.2007 (S. 12)
Doch das, was Ihr in den Medien vertreten habt, war, wie ich finde, eben keine Position gegen die Gewalt. Ihr habt die verurteilt, die bereits Verfolgungsziel sind, und über jene Gewalt geschwiegen, die gesellschaftlich akzeptiert ist, weil sie mit der Position der Macht identisch ist. Über prügelnde, vermummte Polizisten fiel der Satz eben nicht: »Mit solchen Leuten haben wir nichts gemeinsam, wir wollen sie nicht mehr sehen.« ...
Ich habe den Eindruck, daß in diesen Tagen auch deshalb alle in den Medienchor mit einstimmen, weil man befürchtet, gesellschaftlich isoliert oder sogar kriminalisiert zu werden. Diese Angst kann ich gut verstehen. Wir alle teilen sie. Wir bekommen hautnah zu spüren, daß diejenigen, die nicht laut genug mitrufen, jederzeit geächtet und verfolgt werden können.

„Diskussionspapier“: ATTAC Deutschland zur Gewaltdiskussion, 3.7.2001

1. Die gegenwärtig herrschende Form der “Globalisierung” stellt eine historisch neue Qualität gesellschaftlicher Entwicklung dar, die auf eine Art Manchesterkapitalismus auf globaler Ebene hinausläuft. Sie führt zu einer Vertiefung von sozialer Ungerechtigkeit und Ausgrenzung. Die Armut nimmt zu – etwa die Hälfte der Menschheit muss mit weniger als 2 Dollar täglich überleben – und das nicht nur in den Entwicklungsländern, sondern auch in den Industrieländern. Die internationalen Finanzmärkte diktieren in immer stärkerem Maße die Wirtschafts- und Sozialpolitik der zu Standorten mutierten Nationalstaaten und machen damit auch die parlamentarische Demokratie zunehmend zur leeren Hülse. Die Umweltzerstörung beschleunigt sich, der Markt dringt in alle Lebensbereiche vor und selbst die menschlichen Gene sollen der kommerziellen Verwertung unterworfen werden.

2. Es ist nur logisch und natürlich auch gut so, dass diese Entwicklung Kritik, Widerstand und Gegen-bewegung hervorruft. Die Akzeptanz der Globalisierung sinkt. Das Scheitern des Multilateralen Investitions-abkommens und die seit Seattle nicht mehr abreißende Kette von Protestaktionen gegen internationale Regie-rungskonferenzen sind nur spektakuläre Ausdrucksformen dieser globalisierungskritischen Gegenbewegung. Sie ist sehr vielfältig und umfasst Menschen und Organisationen unterschiedlichster politischer, philosophi-scher, religiöser, sozialer und kultureller Herkunft. Sie bedient sich einer pluralistischen Vielfalt von Instru-menten, Aktions- und Ausdrucksformen und sucht noch nach Wegen zu Zusammenarbeit und politischer Durchsetzungsfähigkeit. Sie ist eine Bewegung im Werden und Hoffnungsträgerin für viele. Sie ist aber auch noch keineswegs so stabil, als dass sie nicht jeder Zeit scheiten könnte.

3. Genauso unvermeidlich wie die Entstehung einer globalisierungskritischen Bewegung ist es, dass die wenigen Gewinner der herrschenden Form der Globalisierung und ihre politischen Vertretungen ein Interes-se daran haben, dass diese Bewegung sich nicht zu einer mächtigen politischen Kraft formieren kann. Dazu bedienen sie sich eines großen Arsenals an Mitteln, darunter Diskreditierung, Spaltung und offene Repressi-on. Daher ist es nicht verwunderlich, dass seit Seattle eine Eskalation beim Einsatz polizeilicher Mittel zu beobachten ist, immer häufiger Gewalt von der Polizei ausgeht und die Einsätze von immer drastischerer Unverhältnismäßigkeit geprägt sind. ATTAC verurteilt den konfrontativen, provokanten und mit der Ein-schränkung demokratischer Rechte einhergehenden Einsatz von Polizei gegen friedliche Proteste. Insbeson-dere ist der Einsatz von Schusswaffen nicht zu rechtfertigen. Er stellt für Europa eine neue Qualität staatli-cher Übergriffe dar.

4. Trotzdem ist bei Protestaktionen nicht die Polizei unser Gegner. Sie ist nur Instrument der herr-schenden Politik, nicht aber Ursache der gesellschaftlichen Probleme. Eine Strategie, die auf Militanz setzt und die Konfrontation mit der Polizei sucht, lehnen wir deshalb ab. Wir wissen, dass es unter den Globalisie-rungskritikerInnen auch andere Meinungen gibt. Wir halten diese für theoretisch falsch und politisch schäd-lich. Die Kontroverse darüber muss selbstverständlich geführt werden,  solche Positionen können und müs-sen – auch öffentlich – kritisiert werden. Umgekehrt ist es ebenfalls völlig legitim, wenn Gruppen und Indi-viduen für sich selbst das Recht in Anspruch nehmen, uns und andere zu kritisieren. Diese gegenseitige Kri-tik ist notwendig zur Klärung der Widersprüche untereinander und dient nicht der Distanzierung und Auslie-ferung an die Polizei noch der Diffamierung als Helfershelfer des Systems.

5. ATTAC ist der Meinung, dass gesellschaftliche Veränderungen durch die Köpfe der Menschen ge-hen müssen. Ohne  die Emanzipation von ideologischer Bevormundung wird es keine Veränderung geben. Veränderung kann deshalb auch nur demokratisch, d.h. durch die Teilnahme vieler Menschen an gesell-schaftlicher Bewegung erreicht werden. Anders funktioniert sie nicht. An diesem demokratischen Imperativ orientieren sich auch die Aktionsformen von ATTAC. Aktionsformen, die diesem Ziel widersprechen und zur politischen Isolierung und moralischen Diskreditierung der Bewegung führen, lehnen wir ab. Daraus ergibt sich, dass unsere Aktionsformen friedlich und frei von physischer Gewaltanwendung sind. Das schließt Aktionen zivilen Ungehorsams, wie Blockaden und begrenzte Regelverletzungen nicht aus.

6. Die Anwendung physischer Gewalt ist ein Problem, das für alle Menschen eine existenzielle Dimen-sion hat. Jedes Kind, das einmal geschlagen wurde, hat diese Erfahrung gemacht. Deshalb erweckt diese Gewalt so tiefgehende Emotionen, wie wir gerade erst jetzt wieder im Zusammenhang mit dem EU-Gipfel in Göteborg erlebt haben. Deshalb wird die Präsenz von Gewalt in der politischen Auseinandersetzung als be-sonders schwerwiegend empfunden. Aber gerade deshalb auch ist das Gewaltthema so leicht politisch in-strumentalisierbar, gerade deshalb ist es ein so wirksames Mittel zur Diskreditierung und Spaltung von so-zialem Protest. Diese besondere Qualität von Gewalt muss in eine politische Strategie, die diesen Namen verdient, eingehen.

7. Dies gilt umso mehr, als angesichts des Einflusses der Medien auf die Meinungsbildung, insb. des Fernsehens, die politische Instrumentalisierbarkeit der Gewaltfrage heute noch mehr Brisanz erhält. Denn Gewaltszenen kommen der visuellen Logik des Mediums in besonderem Maße entgegen. Seine dramaturgi-schen Bedürfnisse nach Action, einfachen Schemata von Gut und Böse und sein Sensationalismus entfalten ihre Wirkung auf dem Hintergrund der o.g. existenziellen Bedeutung von physischer Gewaltanwendung bei den ZuschauernInnen. Auch wenn es uns nicht passt, dass die Darstellung in viele Medien einseitig und sen-sationslüstern ist, die Medien sind ein Machtfaktor, den man nicht ungestraft geringschätzen darf.

8. Auch die Einebnung des qualitativen Unterschieds zwischen struktureller Gewalt, dem “stummen Zwang der Verhältnisse” also, und physischer Gewalt ist ein Irrweg. Es ist und bleibt ein qualitativer Unter-schied, ob sich z.B. patriarchale Gewalt darin äußert, dass Eltern von ihren Kindern Gehorsam über nicht-physische Druckausübung durchsetzen, oder ob sie diesen mit Prügel erzwingen. Es ist und bleibt ein quali-tativer Unterschied, ob ich gezwungen bin, meine Arbeitskraft als Ware zu verkaufen, oder ob etwas mit vorgehaltener Waffe erzwungen wird.

Als praktische Schlussfolgerung für zukünftige Aktionen wird ATTAC sich an folgenden Eckpunkten orien-tieren:

Der vorliegende Text ist Konsens im Koordinierungskreis von ATTAC Deutschland.
Mitglied im Koordinierungskreis sind:
Lena Bröckl (ATTAC Regionalgruppe Berlin), Hugo Braun (Euromärsche), Sven Giegold (ATTAC-Büro) Martin Gück (KAIROS Europa), Martin Herndlhofer (Pax Christi) Philipp Hersel (blue 21), Dirk Krüger (ATTAC Regionalgruppe Rheinland) Oliver Moldenhauer (ATTAC-Büro), Pedro Morazan (Südwind), Werner Rätz (ila), Peter Wahl (WEED).
Die Organisationsangaben in Klammern dienen nur der Information.

Kritik an Attac-Positionen zur Militanz

Entgegen der häufig vorberachten Behauptung, die militanten Auseinandersetzungen am Rande der diversen Gipfel schadeten den politischen Zielen der globalisierungskritischen Bewegung, lasst sich empirisch für das deutsche ATTAC-Netzwerk festhalten, dass  die Medien in der Bundesrepublik erst aufgrund der Krawalle ein großes Interesse an ATTAC entwickelt haben ...
(Aus iz3w, September 2001. Text von Thomas Fritz aus der ATTAC-Gruppe BLUE 21)

Da schießen Polizisten mit scharfer Munition auf DemonstrantInnen, da werden Übernachtungsquartiere und Pressezentren von staatlichen "Sicherheitskräften" platt gemacht, die Anwesenden völlig wahllos zusammengeschlagen und ohne Anklage tagelang in Gefängnisse gesperrt - und Nichtregierungsorganisationen wie ATTAC bschweren sich über die Gewalt der Demonstrierenden! Sicherlich erfolgt in dem Diskussionspapier die Abgrenzung von der "Militanz" eher vorsichtig, die polizeiliche, auch die strukturelle Gewalt werden beim Namen genannt, man gibt sich dialogbereit mit den Militanten - nichtsdestotrotz hat das Papier vor allem die Disteanzierung von ihnen zum Ziel.
(Aus iz3w, September 2001. Text de AG Konfliktprävention im iz3w39_iaa.tif)

Bei den Protesten gegen den G8-Gipfel in Genua waren mehr als 200.000 Menschen auf der Strasse. Seitdem reißt die Debatte über die Ziele und Forderungen dieser internationalistisch orientierten Bewegung nicht ab.  In der öffentlichen Wahrnehmung stehen Organisationen wie ATTAC, die Vereinigung zur Besteuerung von Finanztransaktionen zu Gunsten der Bürgerinnen und Bürger, im Vordergrund.
Sie gehören zum reformorientierten Flügel der Bewegung. Dieser glaubt, dass die schlimmsten Auswirkungen des Kapitalismus durch kosmetische Korrekturen abzuwenden sind.
Dank professioneller Pressesprecherinnen und festangestellten Mitarbeitern entsteht in der Öffentlichkeit oft der Eindruck, als wären sie die einzigen Protestierenden, die inhaltliche Positionen anzubieten hätten.  Inhaltlich abweichende Positionen innerhalb der Bewegung finden selten Beachtung, statt dessen wird die altbekannte Spaltung zwischen legitimen Protest und den Untaten der gewaltbereiten Autonomen herbei geschrieben - Zum Glück hat dies relativ wenig mit der Realität zu tun. Angesichts von Hunderten Verletzten und einem Toten, die in Genua Opfer staatlicher Gewalt wurden, hat die Bewegung wirklich wichtigeres zu diskutieren als die Abgrenzung zu militanten AktivistInnen in den eigenen Reihen.
(Rede der Erfurter Gruppe PAKT auf dem PDS-Parteitag, September 2001)

Pro & Contra Militanz (Positionen aus dem Attac-Koordinierungskreis)

Text von Peter Wahl (Attac, Weed) "Eine kritische Anmerkung zur Militanz", erschienen in der Tageszeitung von 16.7.2001
"Dem Hut soll gleiche Ehre wie ihm selbst geschehen!" heißt es im Wilhelm Tell. Auch derzeit werden sie wieder allerorten aufgepflanzt, die diskursiven Gesslerhüte auf hoher Stange. Da muss man sich von Gewalt in Göteborg - und vorsorglich in Genua - distanzieren. Auch von andrer Seite wird ein Hut - oder vielmehr eine schwarze Kapuze - aufgepflanzt: "Du darfst dich nicht distanzieren." Schon Schiller wusste, dass man daran "die Gehorsamen erkennen" kann. Und wer das Knie nicht beugt, sieht sich von den Landvögten aller Lager unversehens aus der Gemeinschaft der jeweiligen politischen Couleur ausgegrenzt.
Dass es hochemotional wird wenn physische Gewalt in die Politik kommt, ist natürlich verständlich. Gewalt ist für alle Menschen eine existenzielle Erfahrung. Für die meisten ist sie ein Kindheitstrauma. Daher fühlt man sich von Gewalt in besonderem Maße berührt, selbst wenn man sie nur im TV erlebt. Gewalt übt eine hochambivalente Faszination aus. Gerade wegen dieser durchschlagenden Wirkung ist die Versuchung, Gewalt politisch zu instrumentalisieren, besonders groß - auf allen Seiten. Man kann damit auf einen Schlag Ziele erreichen, für die man sich sonst in jahrelanger Kleinarbeit abmühen müsste. Das weiß nicht nur Otto Schily.
Die große Mehrheit derjenigen, die eine andere Form von Internationalismus wollen, als den der neoliberalen Globalisierung, lehnt Gewalt ab. Manche aus prinzipiellen, ethischen Motiven, z.B. Pazifismus, andere aus politischen Gründen, wie die prinzipielle Anerkennung des staatlichen Gewaltmonopols oder dessen taktische Hinnahme mit dem Hinweis, die Kräfteverhältnisse seien nun mal nicht so, als dass Militanz derzeit positive Effekte haben könnte. Aber es gibt eben auch jene, die Gewalt oder eine die staatliche Gewalt provozierende Militanz in ihr politisches Kalkül einbeziehen. So schreibt z.B. ein Luciano aus der Freiburger Autonomenszene am 11. April auf einer Diskussionsliste im Internet: "Wir sollten den Level an Konfrontation nicht schneller steigen lassen als die Unterstützung, die wir von der 'Zivilgesellschaft' haben."
Darüber sollte gesprochen werden, es sei denn, man wollte eine bestimmte politische Strömung unter Denkmalschutz stellen und die Kritik an ihr zum Tabu erklären. Auf alle Fälle hat es jener Luciano geschafft, alle wesentlichen Defekte militanter Politik in einem einzigen Satz unterzubringen:

Mit dem Hineintragen von Militanz in eine soziale Bewegung diktiert man dieser den Charakter der Aktionsformen, ohne sich der Mühe demokratischer Überzeugungsarbeit unterziehen zu müssen. Zu dieser erstaunlichen Leistung sind die Militanten aber keineswegs kraft eigener intellektueller, politischer oder zahlenmäßiger Stärke in der Lage. So wie beim Jiu Jitsu auch ein Schmächtiger mit guter Technik einen viel Stärkeren durch die geschickte Nutzung von dessen Stärke besiegen kann, so erzielen die Militanten in Wechselwirkung mit dem unvergleichbar stärkeren Staat eine Wirkung, die in keinem Verhältnis zu ihrer politischen Bedeutung steht. Weniger nett formuliert, Militanz verhält sich unter den gegenwärtigen Bedingungen parasitär zum staatlichen Gewaltmonopol. Anders als im Sport, legen die Militanten allerdings nie den Staat, sondern Dritte aufs Kreuz, nämlich jene "Zivilgesellschaft", deren Unterstützung eingefordert wird. Gleichzeitig jedoch verachten sie die Zivilgesellschaft als nützlichen Idioten.
Dieses Haltung ist durch und durch undemokratisch. Darüber hinaus grenzt sie aus. Denn jeder, der sein Grundrecht wahrnimmt, sich friedlich und ohne Waffen zu versammeln, muss mit zweierlei rechnen: erstens, dass ihm der Schwarze Block u.ä. Formationen in subtilem Zusammenspiel mit den Medien - auch hier funktioniert die Jiu Jitsu Logik ! - ihn mit seinem inhaltlichen Anliegen in den Hintergrund drängt. Das Gewaltthema marginalisiert alles Inhaltliche. Denn die visuelle TV-Logik hat nicht nur im Krimi eine besondere Affinität zu Gewaltszenen. Ihre dramaturgischen Bedürfnisse nach Action, Schwarz-Weiss Schemata und der Sensationalismus entfalten ihre Wirkung auf dem Hintergrund der o.g. existenziellen Gewalterfahrungen und -faszination. Die Strategen der Militanz wissen, wie die Medien funktionieren und verstehen es glänzend, davon zu profitieren. Niemand kann behaupten, sie wüssten nicht was sie tun.
Zweitens werden Menschen, die Gewalt ablehnen, sei es aus prinzipiellen Gründen, sei es weil sie - was absolut legitim ist - Angst haben, von der Teilnahme an solchen Aktionen abgeschreckt. Susan George hat dies in einer sehr persönlichen Stellungnahme zu Göteborg auf den Nenner gebracht: "Eine Bewegung kann sich nicht auf Grundlage einer Jugendkultur und auf der Bereitschaft, sich verprügeln zu lassen, entwickeln. Jeder der Angst vor Tränengas und Gewalt hat - Menschen meines Alters, Familien mit Kindern, Menschen, die körperlich nicht so fit sind - werden zukünftig nicht mehr an unseren Demonstrationen teilnehmen."
Selbstverständlich besteht keine Veranlassung, sich von der Politik der Militanz zu distanzieren. Distanzieren ist ein Verb der Bewegung. Wer sich von etwas distanziert, begibt sich von einer Position zu einer anderen. Die Bewegung, die sich für eine Alternative zur neoliberalen Globalisierung engagiert, hat nie auf militanten Positionen gestanden. Daher braucht sie sich auch nicht per Distanzierung auf andere hin zu bewegen. Vielmehr ist es ihr Recht - politisch und moralisch - Theorie und Praxis der Militanz öffentlich zu kritisieren und abzulehnen.
Mit anderen Worten: die Rituale um Distanzierung sind wie der Gesslerhut: nur ein Stück Filz. Lassen wir uns davon nicht beeindrucken.

Antwort von Werner Rätz (ila & attac) auf den Anti-Gewalt-Text von Peter Wahl (Weed & attac)
In einem taz-Kommentar legte Peter Wahl, der mit mir Autor der Attac-Erklärung war, seine Interpretation dar. Militanz sei die Scheidelinie zwischen der »großen Mehrzahl derjenigen, die eine andere Form des Internationalismus wollen als den der neoliberalen Globalisierung« und »jenen Protestierern, die Gewalt oder eine staatliche Gewalt provozierende Militanz in ihr politisches Kalkül einbeziehen«. Ihnen wirft er vor, im Zusammenspiel mit dem Staat zugunsten des Gewaltthemas »alles Inhaltliche zu marginalisieren«. »Militanz«, schreibt er, »verhält sich unter den gegenwärtigen Bedingungen parasitär zum staatlichen Gewaltmonopol.« Und: »Mit dem Hineintragen von Militanz in eine soziale Bewegung diktiert man dieser den Charakter ihrer Aktionsformen, ohne sich der Mühe demokratischer Überzeugungsarbeit unterziehen zu müssen.« Hier wird nicht nur das Verhältnis von Gewalt und Gegengewalt (anders als in der Attac-Erklärung) auf den Kopf gestellt, sondern auch die Dialektik von Form und Inhalt völlig verkannt.  Selbst in Zeitungen wie der taz, dem Neuen Deutschland oder der Frankfurter Rundschau wurde darauf hingewiesen, dass es sehr wohl einen Zusammenhang zwischen Gewalt und kritischer Berichterstattung gebe. Wer sagt, dass Gewalt sozialen Bewegungen immer geschadet habe, bemüht eine außerordentlich unhistorische und völlig unpolitische Betrachtungsweise. Vielmehr ist es so, dass, geschichtlich gesehen, Gewalt in all ihren Formen - destruktiven wie wohl überlegten, begrenzten wie nützlichen - soziale Bewegungen einer gewissen Relevanz immer begleitet hat.
(aus Jungle World, 37/2001)

Zitate gesammelt

Aus Dieter Rucht (Funktionär bei Attac und Bewegungsstiftung), "Die Gipfelprotestierer haben ihre Unschuld verloren", in: FR, 3.8.2001 (S. 7)
Genua war ... buchstäblich in eine Festung verwandelt worden, gegen deren Mauern und Wächter Brandsätze geschleudert wurden. Dies ist nicht das ganze Bild, aber doch jenes, das sich in den Köpfen des weltweiten Publikums festsetzen wird. Alles andere tritt in den Hintergrund: vor allem das Wort, das Ringen um die "Kraft des besseren Arguments", die diskursive "Belagerung" des politischen Zentrums durch die zivilgesellschaftlichen Akteure der Peripherie, von der sich Jürgen Habermas eine demokratisierende Wirkung verspricht. ... In den Hintergrund getreten ist aber auch der eher stumme Körpereinsatz im zivilen Ungehorsam - ein Einsatz, der sich dadurch auszeichnet, dass man sein gesicht unverhällt zeigt und gleichsam die eigene Hand, die in der Hitze des Konflikts zur Schlag- oder Wurfhand werden könnte, ruhig stellt. ...
Ein dritter Akteur, der Gewalttäter, prägte - zumindest in den Augen des weltweiten Publikums - das Geschehen und vermochte sein Skript vom Straßenkampf durchzusetzen. Auch am Tag nach dem Tod des jungen Demonstranten verknäuelten sich angesichts der Guerillataktik der Gewalttäter erneut die Handlungsfäden von friedlichen Demonstranten und Ordnungskräften zu bürgerkriegsartigen Szenen, die ebenso hilflos wie zutreffend als Chaos beschrieben wurden. ...
(Zur Strategie in Genua) Im Übrigen aber sollte der Fantasie der demonstrativen und offensiven Aktion freier Lauf gelassen werden. Dieses Prinzip der Unbestimmtheit konnten sich die Gewalttäter zunutze machen, indem sie wahlweise aus der Masse hervorbrachen und in sie wieder eintauchten. So wurde das in diesen Dingen unerfahrene Gros der Demonstranten zu nützlichen Idioten. ... Die taktische Instrumentalisierung friedlicher Demonstranten im Rahmen des Straßenkampfes geht einher mit neu erwachten Hoffnungen auf eine längerfristige Strategie der Eskalation. Der Tod eines "Genossen" kommt hier durchaus zupass. Um 18 Uhr 29, knapp eine Stunde nach den ersten und zunächst widersprüchlichen Meldungen über die beiden tödlichen Schüsse am vergangenen Freitag, schrieb ein als "unbekannt" Zeichnender auf der website von Indymedia Germany: "Die Ermordung von Benno Ohnesorg war ja auch ein Punkt der Radikalisierung. Danach sind RAF und Bewegung 2. Juni entstanden. Es ist zwar ziemlich zynisch, aber vielleicht ist das eine Möglichkeit, gemeinsam eine radikal vorgehende Linke aufzubauen." Weitere Verluste auf eigener Seite sind offensichtlich einkalkuliert, wenn der Autor fortfährt: "Aber der Bodycount sollte 2:1 ausgehen." ...
Nur eine Minderheit der Kritiker vertritt strikt antikapitalistische Positionen. Die große Mehrheit dagegen fordert einen gebändigten Kapitalismus ...
Die Gipfelstürmer stehen vor einer Wegscheide. Zwischen dem Körpereinsatz des zivilen Ungehorsams und dem Wurf von Brandsätzen liegen Welten, so sehr auch diese Differenz - nicht zuletzt durch das Vorgehen der Polizeikräfte - in den Straßen von Genua verwischt wurde. Diese Differenz in Zukunft wieder sichtbar zu machen liegt nicht nur in der Verantwortung der gewaltfrei Protestierenden, sondern auch von Polizei, Gerichten und Medien.

Autor von WEED, eine der wichtigsten Organisationen bei Attac - dort arbeitet auch Peter Wahl), "Nur die Trennlinie gegen Provokateure schützt vor Selbstzerstörung", in: FR, 3.8.2001 (S. 7)
"300000 demonstrierten friedlich - 1000 zerstörten alles", titelte die altehrwürdige, von Antonio Gramsci gegründete Unita am Sonntag nach der größten Demonstration in der Gipfelgeschichte. Die Zahlen mögen zu hoch gegriffen, die Aussage unter dem Schock der Ereignisse zu zugespitzt sein, und dennoch könnte Genua für die neue Bewegung für globale Gerechtigkeit zu einem Wendepunkt werden, ganz und gar nicht im Sinne eines Rückzugs, wohl aber im Sinne eines Katalysators, der überfälligen Debatten und Klärungsprozessen neuen Schwung gibt. ...
Eine besonders verhängnisvolle Rolle innerhalb des Eskalationsszenariums spielte offensichtlich das (mindestens) faktische Zusammenspiel zwischen der Polizei und dem so genannten Schwarzen Block. Diese Gruppierung ist, wie auch aus der Geschichte des politischen Anarchismus bekannt, inzwischen nicht nur von der Polizei vielfach infiltriert, sondern erweist sich insgesamt als "nützliches Instrument der Polizeistrategien" (so Ricardo Petrella) bei der Diskreditierung der gesamten Protestbewegung.
Die Bewegung für globale Gerechtigkeit kann den damit einhergehenden Gefahren und ihrer Selbstzerstörung letztlich nur dann wirksam entgegenwirken, wenn sie eine klare Trennlinie gegenüber derartigen Provokateuren zeiht. Dies schließt - über die politische Isolierung hinaus - auch das Nachdenken über Maßnahmen ein, die den friedlichen Ablauf von Demonszug aus Rainer Falk (Mitarbeistrationen sicherstellen können.

Gesellschaftliche Veränderungen können nur demokratisch, d.h. durch die Teilnahme vieler Menschen erreicht werden. An diesem Leitbild orientieren sich auch die Aktionsformen von ATTAC. Aktionsformen, die diesem Ziel widersprechen, lehnen wir ab. Daraus ergibt sich, dass die Aktionsformen friedlich sind. Eine Strategie, die auf Militanz setzt und die Konfrontation mit der Polizei sucht, lehnt ATTAC ab.
(Barbara Unmüßig, WEED, in ihrer Auftaktrede über Hintergründe und Ziele von ATTAC auf dem ATTAC-Kongress 19.-21.10.2001 in Berlin)

Die zweite Gefahr ist, der Gewalt nachzugeben oder gewälttägige Elemente in unseren Reihen zuzulassen. ... Obwohl ich die Argumente bezüglich struktureller Gewalt sehr wohl kenne, und obwohl ich weiß, dass der Staat weitaus gewalttägiger sein kann als jene Personen, die sagen, sie seien auf unserer Seite, glaube ich immer noch, daß wir uns gewalttägigen Elementen verweigern und sie isolieren müssen, weil sie undemokratisch sind. Sie zerstören die geduldige Arbeit des Aufbaus von Allianzen und scheren sich nicht darum, was 99 Prozent der Bewegung sagen. ... Diese Elemente werden außerdem leicht von Faschiste und der Polizei unterwandert.
(Susan George in Attac, 2002: Eine andere Welt ist möglich!, VSA Hamburg, S. 149)

Attac-Distanzierung vom Grenzcamp in Straßbourg 2002, Link zum Original und Teilübersetzung (ungeklärt ist, ob die Distanzierung tatsächlich von Attac stammt oder ein Fake ist):
attac Strassbourg bedauert dass der Begriff "Globalisierungsgegner" mit der Bezeichnung des Kollektives "No Border" gleichgesetzt wird (...) Die Strassbourgervereinigung legt wert auf die Feststellung dass sie keinerlei Beziehungen zu dem kollektiv hat von dessen skandalösen Ausschreitungen in den letzten Tagen berichtet wurde. Attac verurteilt jede Art von Gewaltakt aufs schärfste.

Philipp Hersel, Attac-Koordinationskreis im Interview der FR, 3.6.2003 (S. 2) zum G8-Protest in Evian
Wenn bisher viel Gewalt rüberkam, dann liegt das auch daran, wie die Medien berichten. Die Gruppe der gewaltbereiten Demonstanten war ausgesprochen klein. ... Über die Millionen Menschen, die jährlich sterben, weil eine bestimmte Weltwirtschaftsordnung aufrechterhalten wird, redet keiner. Aber wenn hier eine Fensterscheibe kaputtgeht, reden alle darüber.

Pressemitteilung von Attac am Freitag, 29. August 2003, 14:45 Uhr
Farbbeutel-Angriff auf das Büro von Lauterbach war keine Attac-Aktion
Nach dpa Angaben ist heute in das Kölner Büro des Gesundheitsexperten Lauterbach eine Gruppe von Protestierenden eingedrungen und hat rote Farbbeutel mit der Folge erheblichen Sachschadens geworfen. Die Protestierenden haben ein von der Attac-Projektgruppe Agenda 2010 unterzeichnetes Flugblatt verteilt, das Attac vorliegt. Diese Aktion wurde nicht von Attac durchgeführt. Weder Attac Deutschland noch die Regionalgruppe Köln oder die Projektgruppe Agenda 2010 wussten von dieser Aktion.
Das globalisierungskritische Netzwerk Attac setzt sich für die Erhaltung des solidarischen Gesundheitssystems und gegen Sozialabbau ein. Dabei sucht Attac die inhaltliche Auseinandersetzung um die geplanten Schritte und steht für Proteste mit kreativen Aktionen, die geeignet sind, Anliegen einer breiten Öffentlichkeit verständlich zu machen. Attac geht jedoch bei seinen Aktionen ausschließlich mit friedlichen Mitteln vor. Ein Vorgehen wie in diesem Fall lenkt von der inhaltlichen Diskussion ab und schadet allen, die sich ernsthaft für den Erhalt der Sozialsysteme einsetzen.

Am 13.10.2003 gab es Brandanschläge auf zwei Arbeitsämter in Berlin . In BekennerInnenschreiben wurde eindeutig der Bezug auf die Sozialpolitik der Bundesregierung thematisiert. In der taz vom 14.10.2003 war zu lesen:
Dazu Birger Scholz von Attac: "In der Tat ist eine andere Welt möglich, aber nicht mit Brandanschlägen." Solche Aktionen schadeten dem Anliegen der KritikerInnen der Agenda 2010 und jenen, die die bundesweite Demonstration gegen Sozialabbau am 1. November in Berlin vorbereiten.

Alles ist beliebig, außer eines: Keine Gewalt
Der Beitrag erscheint im ila-Dossier Finanzpolitik "Geld. ¿Gerechtigkeit? Geld." Das Dossier ist ab 15. September für 3,- DM im Attac-Büro erhältlich oder kann hier online bestellt werden. ila-AbonnentInnen erhalten das Dossier kostenlos als Beilage zur ila 248.
http://www.attac.de/rundbriefe/sandimgetriebe03_01.php?print=yes&id=#text5

Attac hat keine verbindliche theoretische, weltanschauliche, religiöse oder ideologische Basis. Mehr noch, Attac braucht eine solche Basis nicht, und der Versuch, dem Projekt eine solche aufzudrängen, würde rasch zu seinem Ende führen. ...
Pluralität von Instrumenten und Aktionsformen
Von der Publikation über Workshops, Konferenzen, Politikbeeinflussung im offiziellen politischen System bis zur phantasievollen Performance, Demonstrationen und Aktionen des zivilen Ungehorsams bedient sich Attac je nach Umständen dieser Instrumente, ohne eines zu verabsolutieren. Mit anderen Worten, es geht darum eine produktive Dialektik aus konfliktiven und kooperativen Aktionsformen freizusetzen. Gewalt lehnt Attac allerdings ab.

Presse gibt Anleitung zur Ausgrenzung und schimpft mit Attac, wenn sie das nicht tun ...
Untertitel und Aus der FR, 2.6.2003 (S. 3)

Einige gewaltbereite Globalisierungskritiker ramponieren den Ruf einer mächtigen sozialen Bewegung
Zumindest im "Intergalactic Village" ... herrschte eine mehrheitliche Stimmung gegen offensivere Aktionen oder gar ein Eindringen in den als "Rote Zone" bezeichneten hermetisch abgeriegelten Sicherheitsbereich um Evian. Doch im Laufe des Samstags gewannen plötzlich jene die Oberhand, die mit der Polizei Pfadfinder spielen wollten: mögliche Routen der Gipfeldelegierten auskundschaften, Blockaden koordinieren, Barrikaden bauen. Auch ein Eindringen in die waffenstarrende "Rote Zone" war auf einmal wieder Thema. Damit schlugen die Aktivisten vieles von dem in den Wind, was sie seit ihrer Ankunft - die meisten waren am Donnerstag gekommen, einige noch früher - diskutiert hatten. Etwa, dass man den Gipfel ohnehin nicht würde verhindern oder auch nur ernsthaft beeinträchtigen können und deshalb allenfalls symbolische Blockaden sinnvoll seien. Stellen dafür waren seit langem mit der Polizei abgesprochen. ...
Auf brennende Barrikaden vermitteln kaum den Eindruck, eine gewalttätige Staatsmacht habe sich an friedlichen Sitzblockierern vergangen. Attac-Aktivisten hatten die Straßensperre bei Annemasse maßgeblich mitorganisiert. Sich deutlich von solchen Aktionen zu distanzieren, auf die Kraft der Argumente und die Zahl der Engagierten zu vertrauen: Das könnte die Lehre sein, die die Globalisierungskritiker aus diesem Gipfel ziehen müssen.

Frankfurter Rundschau, 13. Juli 2001
Globalisierungsgegner kündigen "Ungehorsam" an (Überschrift auf der Titelseite)
Dann auf Seite 3:

Wo immer sich heutzutage die Mächtigen dieser Welt treffen, es folgt ihnen die Gewalt. Ob in Seattle oder in Prag, ob in Nizza oder in Göteborg oder, wie zu vermuten steht, beim bevorstehenden Weltwirtschaftsgipfel in Genua, aus dem Schutz friedlicher Demonstrationen gegen die Globalisierung heraus wird die Staatsmacht angegriffen, es werden Geschäfte verwüstet und es wird geplündert. Spontane Reaktionen auf Dialogverweigerung der Politik und Brutalität der Polizei sind das nicht. Nein, der schwarze Block bereit sich generalstabsmäßig vor und zieht seine Aktionen rücksichtslos durch. Spaß an der Gewalt und nicht Sorge um die Welt sind die Triebfedern der reisenden Gewalttäter. Nach dem Fußball hat nun auch die Politik ihre Hooligans.
Der Kreis der Straßenkämpfer ist überschaubar. Und das wird trotz aller Fernsehaufmerksamkeit auch so bleiben, weil naturgemäß nur jene wenigen die Grenzüberschreitung in den Terrorismus wagen, die um eines Adrenalinstoßes willen bereit sind, ihre Freiheit und ihr Leben zu riskieren, und das anderer. ... Wer wegschaut, wenn sich die schwarzen Truppe in die Reihen einschleicht, der macht sich durch Gewährenlassen mitschuldig an der Gewalt. Doppelt mitschuldig macht sich, wer die Polit-Holligans tendenziell auf seiner Seite glaubt. Es ist genau dieser Pawlowsche Reflex der Solidarität, auf den diese setzen, weil er ihnen das schützende Gebüsch verschafft, aus dem heraus sie angreifen und hinter das sie sich flüchen können. ...

Sabine Leidig in ihrer Rede auf dem Ostermarsch 2003 (zitiert nach Junge Welt, 22.4.2003, S. 2)
Ich möchte Euch heute einladen, radikaler zu werden. Nicht im Sinne unnützer Gewalt ...

Gegenstimmen

Markus Steigenberger fordert von anderen mehr Radikalität und stellt sich damit auch in den Flair des Radikalen (Aus den 6 Thesen zum McPlanet-Kongress von den Sprechern der Attac-AG zu Umwelt und Globalisierung - auf dem Kongress nicht beachtet):
Die Umweltbewegung muss wieder radikalere Forderungen stellen. ... In ihren Anfängen hat die Umweltbewegung grundsätzlichere Fragen gestellt. Das beste Beispiel ist die radikale Kritik am Wachstumsparadigma ... An diese Tradition muss die Umweltbewegung wieder anknüpfen!

In der jüngsten Geschichte sozialer Bewegungen in Westdeutschland stehen die Anti-AKW-Bewegung der siebziger und die Friedensbewegung der achtziger Jahre für zwei unterschiedliche Umgangsweisen mit Militanz - und für Erfolgsbilanzen, wie sie gegensätzlicher kaum sein könnten. Die Anti-AKW-Bewegung setzte bewusst darauf, dass unterschiedliche Aktionsformen, auch militante, möglich sind und akzeptiert werden, obwohl nicht alle sie anwenden. Sie respektiert das heute noch und war ausgesprochen erfolgreich damit, auch wenn die Bauplätze nur selten - in Wackersdorf immerhin - zur Wiese wurden. Das Atomprogramm wurde erst mal angehalten, weitere AKW wurden nicht gebaut, stabile, bis heute tragende Mehrheiten gegen Atomenergie geschaffen. Die Friedensbewegung schwor in ihrer von SPD und DKP bestimmten Mehrheitsströmung auf geradezu penible Weise aller Militanz ab.  Wenn man aber gleichzeitig behauptet, die Herrschenden planten den atomaren Weltuntergang oder nähmen ihn zumindest wissentlich in Kauf, ist man völlig unglaubwürdig, wenn man zu diesen Herrschenden lediglich »Bitte, bitte!« sagt. Und innerhalb eines Jahrzehnts war Deutschland kriegsfähig. Diese komplette Niederlage der Friedensbewegung ist nicht nur, aber auch auf dem Mist der Gewaltfreiheit gewachsen. Volksfeste sind eben selbst dann keine Politik, wenn ihre Organisatoren das behaupten. Eine abstrakte Gewaltdebatte, die Distanzierung, Abgrenzung, meist auch Denunziation fordert, kann nur im Interesse derer sein, die die gewalttätigen Verhältnisse nicht ins Blickfeld rücken wollen. Lassen wir uns darauf nicht ein - bei aller notwendigen Kritik an Aktionsformen, die so leicht von Provokateuren, Durchgedrehten oder wem auch immer enteignet werden können.
(Werner Rätz, in Jungle World, 37/2001)

Gewaltwarnung für EU-Gipfel in Brüssel

Antworten auf eine Mail auf der Attac-Liste zu Gewalt beim EU-Gipfel (aus der Hoppetosse-Mailingliste):
Die Attac-Mail liegt leider zur Zeit (noch) nicht vor

KrawallPolizei hat nicht die Aufgabe, gegen  Gewalttaeter vorzugehen, sondern eine Demo  verpuffen zu lassen, und wenn das zu misslingen  droht, zu Gewalt zu stimulieren und selber in  brutalster Form zur Anwendung zu bringen!!!
Waere dem nicht so, gaebe es nicht soviele  unbeteiligt niedergeknueppelt friedliche Liedersinger,  sondern nur (oder zumindest hauptsaechlich)  niedergeknuppelte Gewalttaeter in den  Krannhaeusern: Das waere den Innenministern  jedoch ziemlich teuer, wenn sie ihre Untergebenen  nach jeder Demo Krankenurlaub geber muessten!!!
Httest Du wirklich von Demos im allgemeinen und von  gewaltbereiten chaoten, die friedliche demos missbrauchen, reden wollen, haettest Du nicht die  ATTAC-Liste bestuecken muessen, sondern die  GewaltbereiteChaotenListe!!! Gewaltbereite Chaoten,  welche Demonstrationebn missbrauchen, stehen im  Sold politischer Parteien, wie Weiland Bachman der  von CDU und SPD gleichzeitig gefuettert wurde, und  den Ruf hatte, ein Nazianhaenger zu sein, oder  FritzTeufel und Cohn-Bendit, welche von der SPD  gezahlt wurden um Demos gegen die  Notstandsgesetze und dem Schahbesuch genauso  entgleisen zu lassen, wie all die vielen Aktionen der  APO!!! Fischers Putztruppe unter den Spontis und  Polizeischueler wie auch altgediente Kravallpolizei  vom Kalieber DavidWache der 70gerJahre etc. Das  sind die Chaoten, die Demonstrationen  missbrauchen. nicht die Autonomen, auf die Du im  schoensten patriotischdeutschem Sprachgebrach als  Chaoten abzielst!!!
Ziemlich schmutzig von Dir, Deine Mail und meine  Antwort unten herauszunehmen: Das schafft  Verwirrung und Bereitschaft, Deine Darstellung nicht  als verlogen zu interpretieren!!! Bei mir zieht so etwas  nicht, und privat angesandte Mails sind nichtr privat,  wenn sie aufgrund eines Disdkussiuonsfadens  verschickt werden, Die vorangegangene Diskussion  ist also unten wieder drin!!! und diese Mail in der  Liste!!!
Dein erster Satz war:

Zitat Beginn:
> moin Attacies,
>
> da in kuerze wieder ein eu-gipfel ansteht und auch
> dort wieder mit gewalt zu rechnen sein wird,
Zitat Ende

Warum beziehst Du Dich auf den bevorstehenden EU- Gipfel mit der Formulierung: „Auch wieder Gewalt“ ?? Keiner der Gipfel ist gewaltfrei gewesen,  nicht vor  Seattle, und nicht nach Seattle. Bei jedem dieser  Gipfel ist unabhaengig dokumentiert worden, dass  Gewalttaeter den Schutz der Riot-Polizei genossen,  und  friedliche Demonstranten, welche  Ausschreitungen verhindern wollten gezielt  eingekesselt und mit TraenenGas, ReizGas andere  Chemikalien und einem BenzinWassergemisch,  welches stark die Augen reizt besprueht wurden,  sofern sie das Glueck hatten, nicht  Niedergeknueppelt oder Mit Gummigeschossen oder  Scharfer Munition verletzt oder getoetet wurden wie  letztlich in Goeteburg, und Genua, wobei die zweite  Tote von Genua noch immer nicht in Zusammenhang  mit der Demo gebracht wird!!!
Du hast von den gegenGipfeln-Demonstrationen  gesprochen, und die dort stattfindende Gewalt  gewissen Demonstranten angedichtet, nur weil sie  nicht wie ATTAC am Rande des Geschehens in  einem Stehkaffe Tee schluerfen, und sich ueber die  boesen Chaoten das Maul zerreissen!!!
Was tief blicken laesst, ist nicht mein  Demonstrationsverhalten, sondern Dein Versuch  wege und Mittel zu fibnden um die grossen Massen,  ohne die auch ATTAC nur ein armseeliges Haeufchen  Hasenperlchen verkoerpert, von der  Demonstrationsteilnahme ausschliessen zu koennen : Dazu nur noch eins: Wenn Dir diese grossen  friedlichen Chaotenmassen, welchen es immer  wieder geling
gewaltfrei, wenn auch mit  Korperkrafteinsatz, Absperrungen zu durchbrechen  und an den Ort des Geschehens
vorzudringen:  verabscheust, dann bleib gefaelligst zu Hause, beug  Dich aus dem Fenster und schwente ein
deutsches  Faenchen in der einen Hand und einen Bittbrief in der  anderen Hand: Sicherlich erntest Du damir auch aufmerksamkeit: Jedoch nur als jemand, der auch  zufrieden ist, wenn sein Bittbrief zum Hinternputzen  benutzt wird, statt fuer leseuebungen!!!
Die WTO ist kein KinderGarten, und deren Vertreter  keine lieben Weihnachtsmaenner, die Die etwas  schenken: Was Du noch besitzt, musst Du  festhalten, auch gegen jede Gewaltanwendung  seitens der Obrigkeit. Wenn sie Dir erst Dein Wasser  weggenommen haben, und Dich so hart fuer Dein  Eigentum zur Kasse bitten, wie die Bauern und  einheimischen in Bolivien, dann sagst Du sicherlich  immer noch friedlich bitte bitte, und wenn Du dann  noch gezwungen wirst verseuchte Rinder zu fressen,  weil Du Dir nichts anderes leisten kannst und sehr  Jund toedlich erkrankst an diesen Almosen, dann  bettelst Du immer noch frioedlich um Erloesung???!!!
Ja ich erlaube mir von den deutschen- und EU- - Lieferungen von BSE-RindsFleisch in die asiatischen  Hungerrlaender Mongolei, Korea Cambotcha etc. zu  sprechen, denen wir keine gesunden Feldfruechte  liefern wollen, weil diese von demokratischen  Politikern noch immer als Untermenschen  betrachteten Voelker ruhig leiden duerfen!
Fui Teufel, mit Deiner verlogenen Friedfertigkeit!!!
Die Mehrheit der von Dir angeprangerten Chaoten  denken nicht wie Du, aber sie sind mit Sicherheit in  ihren Handlungen um ein vielfaches friedfertiger als  Du, der sich hinter einem Nicknamen versteckt, weil  er fuer sein von ihm selbstverbreitetes geistiges  Eigentum (Im WTO-Sprachgebrauch „TRIPS“ ) nicht  einstehen will!!!

Vor allem: behalt Deine andere Welt: Ich will diese  Welt, mit einer anderen GesellschaftsOrdnung,  welche willens ist, DIES Welt zu recykeln zu dem  Paradies ohne Umweltvergiftung, dass sie sein  koennte!!!
Gruss an alle Menschen, Peter

Nein Kalle!!!  So nicht!!!
Ohne Die von Dir veraechtlich gemachten Chaoten, gaebe es diese MassenProteste nicht. Sie waren lange vor ATTAC aktiv, und werden lange nach ATTAC aktiv sein, denn ATTAC ist nicht die Welt des Guten schlechthin!!!

Eine Demo in Form einer Mahnwache, ist moeglicherweise eine friedliche Demonstration, aber auch eine absolut wirkungslose!!!
Du verdraengst zudem die Tatsachen, dass es nicht die Chaoten sind, welche die Gewalt verursachen!!!
Auf Indymedia konnte JederMensch, der sich ungepudert informieren wollte, eine Fotoserie sehen, von Polizisten, vor einer Polizeistation in Genua, welche die fuer den „SCHARZEN BLOCK“ typische Kleidung trug, und die Vermummung im Arm hielt, waerend sie sich von ihren uniformierten Kollegen verabschieden!!! Der Schwarze Block und TuttiBianci wurden von ATTAC schon mal zu Unrecht attakiert, und Deine unverschaemte Gewalt-zuteilung an „Chaoten“ ist eine durch nichts zu rechtfertigende Anschuldigung, von der ich hoffe, dass ATTAC und die Listen von ATTAC sich eiligst distanzieren!!!
Ich habe diese Mail bei einer Freundin gelesen, welche die moderierte Liste empfaengt, und antworte, „Trotz des Maul-Und-Augen_Korbs“, den ATTAC mir dadurch verhaengt hat, dass ATTAC trotz Subscribtion keine Mail dieser Liste an mich weiterleitet!!!
Maulkoerbe sind zwecklos, wenn Wahrheiten ans Licht der Oeffenbtlichkeit draengen!!!
Und dabei hat ATTAC noch soooo laut getoehnt, dass keine Zensur erfolgt, die nicht durch Aussagen oder Aussageform den ATTAC-Ansichten vom Umgang  Miteinander widersprechen!!!
Wenn bereits das blosse Lesen der Zensur anheimfaellt, dann muss zwingend von DIKTATUR die Rede sein!!!
In Demokratien, darf auch Der, dem das Reden und Schreiben verboten wird, wenigstens noch Lesen.!!!
Die Demokratie, mit der ATTAC das Lesen verbietet, ist dieselbe Demokratie, mit der ATTAC die Finanzmaerkte kontrollieren will !!!
Zu solch einer demokratischen Kontrolle der Finanzmaerkte, bei der kritische Geister die Protokolle der Kontrolle nicht lesen duerfen, darf es nie kommen!!!

ATTAC, demokratisiere Dich!!!
Von Wem stammt wohl der Ausspruch: „Wer das Lesen verbietet, wird sich bald genoetigt sehen, das Denken zu verbieten.“
???????????????????????????????????????  Gruss an alle Menschen, Peter

Kalle,
Ich glaub ich spinn, das ist ja Denunziantentum der uebelsten Sorte!.
Die Bullen auf Menschen einer anderen Aktionsform zu hetzen, hast Du einen an der Waffel, KAlle? Das ist NICHT Solidaritaet, das ist scheisse.
Eine Diskussion ueber die Art der politischen Einmischung ist zwar wichtig, aber es gilt immer noch das Motto der bewegung: Alle Aktionsformen respektieren sich.
Mein Beitrag:

  1. Gewalt erzeugt immer Gegengewalt, vor allem wenn sie sich gegen Menschen richtet. Diese Logik der Gewaltspirale ist als antiquiertes, patriarchales Denksystem abzulehnen. Dies ist auch ein Grund, weswegen Gewalt gegen Menschen (und Tiere) unannehmbar ist.
  2. Die Debatte um „Gewalt“ wird in der Gesaellschaft aeusserst heuchlerisch und inkonsequent gefuehrt.
    Zigtausende gehen jedes Jahr zur Bundeswehr, um dort zu lernen, wie sie anderen Menschen Leid und Tot zufuegen koennen, und andere zigtausend leisten jedes Jahr Zivildienst, obwohl dieser nur der Reproduktion der SoldatInnen und des Hinterlandes dient, um einen Krieg aufrecht erhalten zu koennen, sie damit also als integraler Bestandteil die Gewalt foerdern; (Du bist wahrscheinlich auch kein TKDVler, oder, Kalle????) zigtausende Menschen arbeiten bei der Polizei, und auch hier zum Schlagen, Verletzen und Toeten ausgebildet werden und dies auch praktizieren; Millionen von Menschen rennen von Schroeder gebrainwashed mit Hurra in den Krieg zur Zeit.
    Gleichzeitig regt sich die „Zivilgesellschaft“ mit samt ihren gewaltgeilen Medien ueber gewalttaetige DemonstrantInnen auf. Es scheint, als wuerde Gewalt akzeptiert und befuerwortet, wenn die, die sie ausueben, eine Uniform tragen. Ich halte das fuer a-logisch, inkonsequent und laecherlich, denn entweder, ich befuerworte Gewalt gegen Menschen, oder ich lehne sie ab. Die Kleidung des Taeters/der Taeterin kann hierbei keine Rolle spielen.
    Gewalt ist also durchaus akzeptiert in der Gesellschaft.
  3. Bei der meisten Gewalt in politischen Auseinandersetzungen handelt es sich um Gegengewalt von unten als Gewaltabwehr. Diese richtet sich in den allermeisten Faellen auch gegen Sachen. Nun ist die Frage, wie „Gewalt“ eigentlich definiert ist. Gewalt ist, jemenschen den eigenen Willen aufzuzwingen oder ihn in seiner Handlungsfreiheit zu behindern. gewalt ist auch Zerstoerung und Vernichtung.
    Ist also eine Sitzblockade auf einer Strasse Gewalt? Schliesslich werden Menschen zum Anhalten GEZWUNGEN.
    Gewalt (gegen Sachen)  als Gegenwehr gegen die herrschenden Verhaeltnisse (also gegen die Gewalt von Militaer und Polizei als auch die strukturelle Gewalt, die durch Zwaenge ausgeuebt wird: Knaeste, Hunger, Arbeitszwang etc), die durch PolitikerInnen und KapitalistInnen ausgeuebt werden, ist legitim. Sie richtet sich deshalb nur gegen Sachen und muss sich in einer bestimmten Relation zur herschenden Gewalt befinden, weil WIR niemals so skrupellos sein sollten wie das, was wir ablehnen.
    Die Definition, wann Gewalt gegen eine Sache gegeben ist, finde ich aeusserst schwierig. Ist das Ansaegen von Castorschienen wirklich Gewalt?  Und wie ist es zu bewerten, angesichts der toetlichen Gefahr von Atomenergie, die vom Uranabbau bis zum Endlager Millionen von Menschen bedroht?  ich finde aber auch nicht alle Sachbeschaedigung ok. Gewalt gegen Sachen sollte a) effektiv in der Wirkung und b) grosse Symbolkraft haben bzw.  Inhalte vermitteln. Unterhoehlte Castorstrassen sind auesserst effektiv, das Zerlegen einer McDoof Filiale hat Jose Bove zum Gruender einer der bekanntesten und fortschrittlichsten Bauernbewegungen gemacht. Das Zerlegen dieses McDoof war eine super vermittelte, symbolisch wundervoll gemachte Aktion.
  4. Da „Gewalt“ ein so schwammiger Begriff ist, dessen Grenzen fuer viele Menschen woanders liegen, ist die Fragestellung gewalttaetig/gewaltlos falsch gestellt. Ich finde, dass wir in einer Gewaltherrschaft leben. Wie viele Menschen teilen diese Einschaetzung? Strassen durch die Natur zu bauen und sie mit Autos zu befahren, halte ich fuer Gewalt gegen die Natur. Wie viele „gewaltlose“ essen Fleisch von ermordeten Tieren (und wem das nicht reicht, die auch noch unter den gewalttaetigsten Bedingungen gelebt haben, in Mastbetrieben ohne Bewegung, mit aufgerissenen Fuessen und am Schluss in tagelangen Lebendtiertransporten)??  Wieviele der Gewaltgegner schlagen ihre Kinder?
  5. Fuer mich gibt es zwei Masstaebe, an denen ich die Legitimation von Gewalt messe: Dass sie sich niemals gegen Menschen oder Tiere richtet, auch nicht als Gegengewalt, da wir nicht auf diese antiqierte Gewaltspiralenlogik reinfallen sollten, die Krieg und Terrorismus mit Krieg und Staatsterror beantwortet. Gewalt darf nur der Gewaltabwehr dienen (einen Angreifer abwehren, ohne aber dabei zu versuchen, ihm das anzutun, was er einem antun wollte/angetan hat, sondern ihn lediglich an der Fortfuehrung seiner Absichten hindert (z.B. Festhalten, fesseln, nackt ausziehen); zudem ist Gewalt gegen Objekte dann ok, wenn sie inhaltlich vermittelbar ist, symbolwert hat oder in ihrer Wirkung effizient ist.
  6. Was bei Gewalt gegen Objekte entsteht ist finanzieller Schaden. Diesen Schaden haben meistens Grosskonzerne und Personen, die mit der Gewaltausuebung gegenueber anderen Menschen das geld verdient haben, aus dem das beschaedigte Objekt erwuchs, denn gegen sie richtet sich der Widerstand.
  7. Daimler Chryler stellt Waffen her. Sie verdienen sich eine goldene Nase am Tod unzaehliger Menschen. Diesen Wert durch eine Entglasungsaktion zu zerstoeren, ist mehr als gerechtfertigt und folgt in seiner Verhaeltnismaessigkeit und seinem Ziel auch nicht der logik der Gewaltspirale. Es handelt sich um symbolisches Oeffentlichmachen. Das benzin von Shell ist mit dem Blut etlicher Menschen behaftet, die in der Naehe der Bohrungsgebiete wohnten und gewaltsam vertrieben oder getoetet wurden, wenn sie nciht an der Zerstoerung ihrer Umwelt untergingen. Graffitis an Shelltankstellen - Gewalt???
    es ist heuchlerisch, dass die gleichen Menschen, die sich ueber brennende Bankfilialen empoeren, die sind, die mit Hurra in den Kosovo-, Mazedonien-oder Afghanistan Krieg rennen, zum grossen Teil die sind, die noch nie was dagegen unternommen haben, dass Menschen in der sog. 3. Welt fuer unseren Wohlstand, und noch viel mehr, fuer den dieser Banken, verhungern und erfrieren, und die nicht erkennen, dass dies in unserem Wirtschaftssystem notwendig so ist.
    Das makabere daran ist die Logik, die dahinter steckt: Eigentum, Geld, materielle Dinge, werden hoeher bewertet als Menschenleben. Die Aufregung ueber zersaegte Castorschienen ist groesser als die Aufregung ueber verstrahlte Menschen in den Abbaugebieten oder Endlagerungsorten, oder gar denen, die bei einem GAU draufgehen. Die Zerstoerung der Bank ruft mehr Empoerung hervor, als das Blut, das an ihren Haenden klebt, wenn sie bestimmte Projekte finanziert. Ich sehe es andersherum. Umso mehr, wenn die Gewalt  dazu dient, Menschenleben zu retten.
    Gewalt gegen Objekte ist ein massvolles Mittel, sich gegen die taegliche Vergewaltigung durch Zwang und Gewaltherrschaft zu wehren. Das Anzuenden einer Bankfiliale ist im Vergleich zum dem, was Menschen hier taeglich angetan wird, ein marginaler Akt. Wer sich darueber aufregt, sich aber nicht ueber die Vernichtung tausender Menschenleben aufregt und schon gar nichts dagegen unternimmt, heuchelt und zeigt, der ihm/ihr Eigentum wichtiger ist als Menschenleben.
  8. Als lobby des Heuchlertums haben sich die Medien aufgespielt, die sich ueber gewalttaetige Proteste aufregen, waehrend sie aber exakt nur jene Bilder zeigen, auf denen Gewalt zu sehen ist; Waehrend der Kommentator bedauert, dass die friedlichen Proteste von den Medien nicht wahrgenommen werden, zeigen die Bilder brennende Barrikaden... Waere es nicht sinnvoller gewesen, sich die Worte zu sparen und die friedlichen Demos zu zeigen, wenn sie Gewalt abzulehnen vorgeben? Die Medien sind es, die sich immer beschweren, dass die friedlichen nicht gezeigt werden, dabei sind sie es, die sie nicht zeigen.Anstatt sich aufzuregen, koennten sie sie zeigen..  Warum zeigen sie sie nicht? Weil es sich schlechter verkauft. Latschdemos will kein Mensch sehen.
  9. Gleichzeitig machen wir die Erfahrung, dass friedliche Proteste von den Medien totgeschwiegen werden. Alle Fluechtlingsaktionen des letzten jahres, an denen zigtausende menschen teilgenommen haben, sind einfach ignoriert worden, weil die Fluechtlinge immer „gewaltlos“ bleiben.
    Die Medien sollen ihr heuchlerisches Maul halten. Wenn sie die Gewalt immer zeigen wollen, dann sollen sie sich nicht darueber aufregen, dass immer nur die Gewalt gezeigt wird. Dann sollen sie es einfach bleiben lassen.
    Deshalb kann Gewalt auch ein strategisches Mittel sein, um sich Gehoer zu verschaffen.

Ich hoffe, Dir ist meine Position einigermassen klar geworden.
Ob friedlich oder militant, wichtig ist der Widerstand!
Keine Spaltung, und schon gar nicht von Seiten ATTAC!, die sich auffuehren, als haetten sie irgendein Recht die Bewegung zu dominieren. Macht Euren Kram, aber lasstt andere auch den ihren machen. Ohne die Militanten haettet ihr NIEMALS die heutige Oeffentlichkeit und den heutigen Bekanntheitsgrad.
Und solange ihr in Eurer eigenen Organisation schlechter Herrschafts- und Verwertunganalysen habt als die meisten Militanten, solange ihr so undemokratisch seid wie eine Aristokratie und solange ihr versucht, die Bewegung zu dominieren und zu spalten, solltet ihr Euch besser aus sowas raushalten.
Rehzi

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