Repression, Genua und andere Fragen

(Ein Text der Hoppetosse-Mailingliste)

Nachdem die Diskussion grad mal wieder aufkommt (Anti-JB-Mails und Verschlüsselung u.a), nehm ich mir mal die Zeit was los zu werden, was mich schon ne Weile beschäftigt nach Genua.
Also, wenn ich mir mal überlege was so nach Genua abging an Debatten und Aktionen, so war im wesentlichen doch nur ein Thema dabei (nicht mal dominierend, sondern fast ausschliesslich): Repression, in allen Facetten.
Ich denke, dass war ein verdammter Fehler. Damit möchte ich aber ausdrücklich nicht diejenigen angreifen, die die wichtige Anti-Rep.-Arbeit machen, denn sie ist natürlich wichtig. Aber wenn alle die, die nach Genua wegen Carlo auf der Strasse waren, einen Tag gemeinsam für die an dem Tag verhungerten 17.000 Kinder des Tages auf die Strasse gehen würden, dann...
Mal in der Sprache der DA: Die Krawalle, der Tote, die brutale Polizei usw. hat einen „Erregungskorridor“ geschaffen, weit in die Fehrnsehsessel der „Republik“. Und wir erzählen den Menschen genau das was sie in der Glotze gesehen haben... Dabei fragen/fragten sich doch bestimmt viele, warum denn in Genua 60.000/100.000/200.000 Menschen auf der Strasse waren. Und wir erklären ihnen „Die Presse lügt, es waren 300.000 und alles voll mit Tränengas“.
Ich kanns verstehen, ich rede selbst ja auch nach ner Aktion von der Repression und wie böse die Bullen waren. Aber antikapitalistische Inhalte, die fallen uns allen schwer...
Wir müssen aus der Defensive raus, und zwar schnell. JedeR von uns kann doch einfach das näxte Mal auf die Bemerkung „Aber was in Genua war, war schon krass“ mal nicht mit „Tränengas & Kugeln“ bzw. „Gabs jetzt einen BB“ antworten, sondern: „Schau mal an was so in der Welt abgeht, Israel, Mazedonien, der afrikanische Kontinent, Sweatshops, Plan Colombia, Festung Europa, NMD, Gentechnik, Klima...“.
Wir können das nicht Attac überlassen, die Grünen haben gerade gecheckt, auf was es ankommt. Attac bringt den Leuten einen Inhalt „Finanzspekultius“. Wir haben viele Gründe, revolutionär zu sein... und viele Alternativen, Ideen, Vorschläge...
Aber wir haben einfach ein verdammtes Mackertum-Problem, dass jedeR gerne erzählt wie krass es/er/sie war. Und ich erinnere mich noch nach Göteburg, wie sich viele überlegt haben wegen der Gewalt (von Bullen, wohlgemerkt) nicht zu fahren. Und ganz ehrlich, da überzeugt kein männliches „ich fahr jedenfalls hin“, sondern halt nur ne klare Diskussion(sprozess).
Und da mal was zu Gewalt, Repression usw.

  1. Wir werden auf der Ebene nix gewinnen. Wenn die wollen können die mehr Tränengasgranaten abfeuern, als wir zurückwerfen könnten, wenn wir alle dafür trainiert und ausgerüstet wären. (ich spreche mich aber trotzdem nicht gegen irgendeine Form der Militanz aus, und finde sogar „Sicherheits-Training“, wie z.B. X1000-Gewaltfrei-Sitzblockieren verdammt wichtig)
  2. Es gibt Wege, da können die uns nicht kriegen, wir dürfen uns nur nicht die Spielregeln vorschreiben lassen. Ich hab nix dagegen auf möglichst allen Ebenen sich zu wehren, aber wenn die Infos wollen, dann bekommen die sie (heisst nicht, jetzt alle Vorsicht fallen zu lassen), aber technisch kriegen die uns auch klein. Wo sie uns nicht klein kriegen, ist da wo wir „Teil“ der Kapitalismus-gläubigen Masse sind. Das bedeutet nicht den „Schutz, den friedliche DemonstrantInnen den Militantis geben“, sondern die Kritik in den und aus dem Bereich kommen zu lassen.

Gut, wie? Sollen wir nur noch von Tobin-Steuer labern? Nee, das es keinen Platz mehr in der Innenstadt für Jugendliche gibt, die nicht einen Haufen Geld auf den Kopf hauen wollen. Diese sterilen Innenstädte gehen doch echt jedeRmensch aufn Keks.
Der Kapitalismus hat sich doch dermassen ausgebreitet in jeden Winkel der Gesellschaft, dass es echt leicht ist in jeder Lebenssituation Markt und Herrschaft zu „erfahren“.
Anderes Bsp., hier wird gerade der „Mooswald“, also ein nicht unbedeutendes Ökosystem und gleichzeitig Naherholungsgebiet für die Menschen wahrscheinlich platt gemacht. Für was? Für eine Erweiterung des Industriegebiets, muss ich da noch „Kapitalismus“ sagen?

Mein Fazit: Scheiss auf die Repression und die Gewalt Debatte, wir sollten nicht das Spiel der (actiongeilen) Medien mitspielen sondern offensiv mit antikapitalistischen Inhalten arbeiten. z.B. in Nach-Genua-Veranstaltungen mal mit dem Titel „Alle reden nur von Gewalt - um was gings wirklich?“.

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Denn:
In Genua ging es uns um mehr als nur Gewalt.

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