Thema GENDER / ANTISEXISMUS

Bauknecht weiß, was Frauen wünschen ...

war in den 60igern ein bekannter Werbeslogan des KüchenherstellersBauknecht. Und ‘Frauen’ wünschten sich natürlich eine zeit- undarbeitssparende Bauknecht-Küche, damit auch sie ihren Beitrag zurMehrwertschöpfung auf einem expandierenden Arbeitsmarkt leisten konnten. So war „Emanzipation“ „der Frau“ eine durch und durch sozialdemokratischeForderung. Ein anständiger Sozialdemokrat tritt für Gleichheitein: Allen soll es gleich schlecht gehen. Wie üblich wurde dieserBeschiß erst bemerkt, als es zu spät war, nämlich als dertraute Haushalt im Vergleich mit der unwirtlichen Arbeits(amts)welt fastwie eine romantische Idylle erscheinen mußte. Und ‘die Frauen’ schlugenzurück: Esther Villars populäres Buch „Der dressierte Mann“ warein erster genüßlicher Racheakt, mit dem die Heldenfigur Mann(Held der Arbeit, Held des Krieges, Beschützer und Patriarch, Helddes Trunkes u.s.w.) von seinem Sockel gestoßen wurde. Und plötzlichstanden Adam und Eva nackt und bloß da. Sie sahen sich aus dem Paradiesihrer Geschlechterrollen vertrieben und hineingeworfen in eine kalt-rollenleereWirklichkeit. Sehnsüchtig blickten sie zurück, da sahen sie vordem Tor des Paradieses zwei Engel stehen, die mit flammenden Schwerternden Rückweg versperrten. Die Betroffenheit wuchs angesichts der Tatsache,daß diese Wesen auch noch geschlechtslos waren. Es wäre so einfachgewesen... „Na klar, Männer!“ oder „Verdammtes Weiberpack!“, je nachdem...Das war der Moment, wo Gender und Antisexismus als neue Themen geborenwaren.
Doch war dies eine Geburt mit Schmerzen. Besonders für die Männer.Ohne die heldische Fassade wurde ein albern-neurotisches Wesen sichtbar,ein sexistisches. „Männlichkeit“, zuvor mit Selbstbeherrschung, Disziplin,Treue und Verantwortlichkeit gleichgesetzt, zeigte sich als unbegreiflichespsychoenergetisches Phänomen, das Ärgernis erregte.  Menschenmit der Eintragung „weiblich“ in der Geburtsurkunde erkannten notgedrungen,daß diese Knalltüten mit der Eintragung „männlich“ wohlzunächst einmal ihr Problem würden pflegen müssen. (Dasist doch vornehm ausgedrückt, nicht?) So waren es vor allem weiblicheMenschen, die als erste den nächsten Schritt gingen: sie stelltendie Frage nach Geschlechtlichkeit als sozialer, mythisch fundierter Konstruktion.
Seitdem ist viel geredet, gedacht, geschrieben, gemacht worden. Undimmer noch fehlt ein „einfacher“ Zugang zum Thema. Vielleicht ironischist, daß bereits schon vor vielen Jahrzehnten „ein Mann“ diese Arbeitfür die Gender-Pionier-Frauen in einigen nicht unwesentlichen Teilenvorgeleistet hat—und dieser Mann heißt auch noch Erich Neumann. (Nicht zu verwechseln mit dem aus dem MAD-Heft, der heißt AlfredE.  Neumann!) Aber dieser Erich Neumann (1905-1960) war bescheiden.Er wußte um seine Grenzen als „Mann“. In „Ursprungsgeschichte desBewußtseins“ (1948) und in „Die Große Mutter“ hat er jene eineGeschichte der Mythen nachbeschrieben, welche „Mann“, welche „männliches“Bewußtsein -, welches allgemeiner als „das“ Bewußtsein begriffenwerden will -, als soziale und geschlechtliche Konstruktion ausmachen:Mann ist ein Mythos aus Mythen. Und diese Mythen handeln alle von „derFrau“. Wer diese Mythen kennt, der versteht leicht, wieso „Männer“diese seltsame, sexistische Neigung haben. Diese Mythen über „dieFrau“ sind verrückte Konstruktionen, sie entbehren jeglicher „realer“Grundlage. Sie sind ein Produkt des Zufalls, der analogischen Denkweisedes Unbewußten. Sie sind albern und quälend.
Nun läßt sich Erich Neumann hier nicht in wenigen Zeilen referieren. Auch ist das Thema zu komplex, selbst um es in einem Workshop zu behandeln.Es bleibt zunächst nur die einsame Lektüre, um sich Neumann anzunähern.Dazu möchte ich anregen. Neumann ist immerhin ein Einstieg ins Thema,da seine Darstellung mit fundierter Mythenkenntnis unterbaut ist. Ganz nebenbeihilft seine Arbeit auch, ein Phänomen des Wahnsinns zu begreifen, dases vermocht hat, die politische Macht an sich zu reißen, - ich meinedie „Neue Mitte“. Dies rosasozial-christ-grün-braun-liberal-blutrot-hämatombunt-demokratismischeMysterium ist politischer Ausdruck der inneren Haltung von etwas, was sichadäquat am ehesten als „Gesindel“ bezeichnen läßt. Neumannzeigt, daß der zentrale Kult des Gesindels ein Kult um „die Frau“ alsmythisch-zufälliger Konstruktion ist. Sei ich selber nun „Mann“ oderMann, oder Mensch mit Eintragung „männlich“ in der Geburtsurkunde, sobin ich doch das, was ich bin: ein konkreter Körper, ein konkreter Organismus.Ich kann daher nicht für andere konkrete Organismen sprechen. Das gehtnicht. Reden läßt sich nur über MYTHEN, da Mythen allgemeineKonstruktionen sind. Jenseits dieser Mythen ist die Wirklichkeit. Die istsubjektiv. Die Kenntnis des „objektiven“, des mythischen Menschen, kann jedochunter Umständen helfen, die eigene Subjektivität zu entdecken,sie zu spüren, sie zu feiern, sie zu genießen, sie zu verteidigenund für sie zu kämpfen. Das geht letztlich wiederum nur kollektiv.Ein eigenartiger „Widerspruch“?
Weiß nicht, aber wohl einfach eine ganz uneigenartige Tatsache:
Kollektiv kämpfen, um nicht kollektiv sein zu müssen.
In Freundschaft und Zuneigung zu allen MitkämpferINNEN ...Werner

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