Beispiel für Machtdiskurse in der Sexismusdebatte

Es gibt viele Texte, in denen über das Argument der Sexismusbekämpfung Machtkonstellationen eingefordert werden. Das folgende Beispiel ist eines von vielen. Trotz aller Dementis übersteigt in "linken" Zusammenhängen die Zahl der Texte, die Sexismusvorwürfe zu Abrechnungen und Machtkämpfen mißbrauchen, die konkreten Tatvorwürfe oder Forderungen nach einer antisexistischen Praxis.
Text aus Wurfsache zu Definitionsrecht usw.  +++  Text aus ZECK zu WG-Streit

Text aus „wurfsache“ (Kasseler autonome Zeitung)

Über den Umgang mit Veröffentlichungen von Vergewaltigungen, das Definitionsrecht von Frauen und die Frage nach den Details

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 - Das Hinterfragen des von der Frau gewählten Mittels in der Auseinandersetzung (z.B. Veröffentlichung) kommt in jedem Falle  dem Täter entgegen, läßt den Übergriff selbst in Vergessenheit geraten und lenkt den Blick auf den Täter, der plötzlich zum Opfer zu werden scheint.
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- Haben Männer überhaupt das Recht, eine Position zu entwickeln, die sich nicht in je-dem Fall solidarisch auf die betroffene Frau bezieht?
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- jede Diskussion über unterschiedliche Perspektiven bzw. Wahrnehmungen des Täter's und der betrollenen Prau läuft darauf hinaus, einen sexuellen Übergriff verharmlosen und entlastet den Täter.

die redaktion

Der ganze Text im Zusammenhang ... (Die Redaktion hat uns kritisiert, den Zusammenhang falsch rübergebracht zu haben.)

Mail aus der Hoppetosse-Mailingliste:

Hallo,
ich glaubs nicht ... in den beiden neuen ZECK (Hamburg), eine schon einen Monat alt gibt es einen neuen Höhepunkt des Sexismusvorwurfs als Waffe. Da gibt es WGs, die sich eine regelrechte Schlacht liefern (nicht Männer gegen Frauen, sondern auf der einen Seite einige Frauen, die andere gemischt) - mit „Besuchen“ zwecks Zerstörung anderer Wohnungen u.ä. Und dann ziehen welche aus und dissen die anderen, weil in den Auseinandersetzungen unflätige Begriffe fallen. Das ist zwar im Einzelnen gar nicht nachzuprüfen und auch nicht schon deshalb akzeptabel, weil es offenbar von beiden Seiten geschah, aber eine solche Geschichte jetzt auf eine öffentliche Outung umzusetzen, ist unfaßbar.  Die angegriffene WG ist präzise beschrieben, also die Personen damit direkt denunziert - eine politische Debatte des Vorfalles also gar nicht das Ziel.
Das schreibe ich hier, weil ich es schon erschreckend finde, in welche Art die Debatte in immer schnelleren Zeitabständen doch sehr eindeutig mißbraucht wird.  Es ist die Frage zu stellen, ob die Mißbräuche nicht aktuell schon häufiger sind als die veröffentlichten tatsächlichen Übergriffe u.ä. (deutlich mehr werden wahrscheinlich und leider die nicht veröffentlichten weiterhin sein ...). Ich finde tatenloses Zuschauen in dieser Debatten blöd. Hier auf der Hoppetosse sind ja einige Debatten gelaufen, deren Qualität ich meist auch ziemlich dürftig fand (nur mal als kleiner Seitenhieb: Auf der IMC-Seite zum Castor steht unten Fuck copyright ...), aber immer waren es einige Ansätze von Debatte - ich würde es gut finden, wenn es zu klareren Debatten und auch zur Frage der Entwicklung einer Praxis kommt.
Und am Rande noch:
Von meiner Seite möchte ich mich auch erneut hinter die Positionen des AC/PC-Papiers stellen (auch wenn das sicher viele Punkte ausblendet bzw. nicht alle Facetten behandelt - das kann wohl kaum ein kurzer Text) und das als ein Diskussionsbeitrag neu einbringen. Auch das ist bisher (abgesehen von einigen Einzelgesprächen, für die ich sehr dankbar bin) hier nicht weiter diskutiert worden - einige Reaktionen waren denunzierend bzw. ablehnend mit Ankündigungen von kritischen Gegentexten, die es dann nie gegeben hat ...

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