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Widerstand organisieren!
Plädoyer für Vielfalt, Selbstorganisation und Autonomie – gegen Filz, Intransparenz und Zentralismus in der politischen Arbeit

Abschnitte dieser Seite: Gründe für "von unten" ++ Organisiertheit ++ Abgrenzungspunkte ++ Zitate ++ Links

Beitrag "Pro" zu Widerstand von unten - Pro & Contra in der Zeitschrift "Sozialismus von unten", Autor: Jörg Bergstedt

Dieser Text ist ein Beitrag zum Streit um politische Strategien, denn ich bin überzeugt, daß wir eine Veränderung im Arbeits- und Aktionsstil brauchen: Weg von den primitiv gestrickten, kontrollierbaren und ideenlosen Hierarchien! Oder weg von intransparenten, oft arroganten Gruppen und Grüppchen, die aus dem Hintergrund Fäden ziehen! Weg vom Eventhopping gegen Naziaufmärsche, Castorbehälter oder internationale Großereignisse! Hin zu einer Bewegung der handlungsfähigen Gruppen mit selbstbestimmten Koordinations- und Kommunikationsstrukturen, die von Dorf bis international Widerstand und Gegenmodelle aufbauen kann. Gegenüber den Möglichkeiten einer „Bewegung von unten“ sind zentrale Aktionsformen langweilig, bieder und von denen, die unsere Arbeit verhindern wollen (Justiz, Bullen, Medien) kalkulierbar. Wir müssen frech, ungehorsam, unberechenbar werden, selbstbestimmte Räume erobern, Widerstand bieten, überall agieren und agitieren. Der Weg zu einer solchen „Bewegung von unten“ ist länger als zu einer Hierarchie. Aber die Möglichkeiten einer Hierarchie sind immer begrenzt, kreativer Widerstand aus selbstbestimmten Gruppen dagegen nicht.

Gründe für „Bewegung von unten“

1. Aktionsfähigkeit lokal bis global

Hierarchische Formen schwächen die Handlungsfähigkeit der einzelnen Teile. Eine solche politische Strategie ist an der existierenden, zentralistischen Mediengesellschaft orientiert. Zugunsten großer Einzelevents und –strukturen (überregionale Zeitungen, Kundgebungen) wird die flächige Handlungskraft vernachlässigt. Das ist falsch. Die Handlungsmöglichkeiten im überregionalen Rahmen sind zu großen Teilen ausgeschöpft. In Dörfern und Stadtteilen dagegen findet emanzipatorischer Protest nicht statt, obwohl hier die Auswirkungen von Unterdrückung und Ausbeutung, von Kapitalismus und Diskriminierung am deutlichsten sind: Zerschlagung von selbstbestimmter Alltagsorganisation, im Bildungs- oder Konsumbereich, in sozialen Fragen oder im Umweltschutz. Zudem bestehen lokal Chancen, sich gegen herrschenden Strukturen durchzusetzen: Angriffe auf konkrete Firmen oder Behörden, Blockaden oder Streiks, eine Zeitung im Betrieb, Stadtteil oder Dorf, ein selbstbestimmtes Zentrum dort kann Wirkung haben, Menschen ansprechen. Der derzeitige Stil politischer Bewegung setzt auf Massenmobilisierung, während die Teile des Ganzen schwach sind.

2. Kreativität und Spontanität - überall, zu allen Themen, auf verschiedene Art

Das Gegenbild einer zentralistischen Organisation sind viele Gruppen, die (unter vielen Namen über bisherige Grenzen hinweg) ihre Ideen, Aktionsformen und Themen umsetzen. Die einen agieren in Betrieben, die anderen besetzen Genfelder, wieder andere greifen (Abschiebe)Knäste an oder organisieren Solidarität gegen Repression. Die Vielfalt ist gut, denn auch die Menschen, die wir ansprechen wollen, sind unterschiedlich – daher brauchen wir Viele Strategien, um alle zu erreichen. In zentralistischer Logik kommt es zu Spaltungen, in einer „Bewegung von unten“ ist die Unterschiedlichkeit Grundlage. Daraus entsteht die Möglichkeit, daß immer wieder andere Gruppen die Hauptrolle spielen, je nachdem, welche Aktionsformen gerade am sinnvollsten sind oder welche Themen gefragt sind.

3. Langfristig bessere Handlungsmöglichkeiten

„Bewegung von unten“ scheint nur auf den ersten Blick schwieriger. Leider setzt sich oft der Hang durch, zu Großereignissen zentral gesteuert eine Massenmobilisierung zu versuchen – z.B. bei der Prag-Mobilisierung in Deutschland: Fast nix vor Ort, Masse statt Klasse. Entsprechend hat in Deutschland kaum jemand etwas von den Protesten mitbekommen. Besser wäre es gewesen, während und nach den Aktionen in Prag auch in vielen Städten und Regionen zu Aktionen gekommen, in den eigenen Medien (die es geben muß!) zu berichten usw.

4. Emanzipatorische Ansprüche durchsetzen, wo immer es geht

Letztlich ist auch ein Grund, daß unsere emanzipatorischen Ziele immer und überall gelten. Es ist nicht einsichtig, daß wir genau dort, wo wir den größten Einfluß auf das Geschehen haben (innerhalb unserer Zusammenhänge, in den geschaffenen Freiräumen, Projekten und Aktionen), plötzlich der Meinung sind, daß die Ziele nicht gelten: Abbau von Hierarchien, antisexistische, antirassistische bzw. umfassend antidiskriminierende Praxis, Autonomie der Einzelnen und der Einzelgruppen – all das ist immer richtig! Also auch und gerade intern. Es muß uns nicht schwächen, ganz im Gegenteil.

„Von unten“ ist das Gegenteil von Unorganisation

In vielen Fällen werden eine horizontale Vernetzung und Aktionsformen von unten als unorganisiert und handlungsschwach kritisiert. Doch das Gegenteil ist der Fall. „Bewegung von unten“ schafft die Kooperation zwischen den handlungsfähigen Teilen selbst. Sie braucht keine Zentralen. Neben Basisgruppen gibt es autonome Projekte von Zeitungen über Anti-Repressionsgruppen, Häuser und Wagenplätze, Bands, Theatergruppen, Verlage, Betriebe und viele mehr, die sich auf ihre Art als Teil politischer Bewegung begreifen. Vernetzung wächst von unten, die autonomen Teile schaffen sich ihre Austauschorte (Plena, Internet, Rundbriefe, Telefonketten) selbst.

Abgrenzungspunkte

Was bleibt, ist eine klare Aussage gegen jede Beliebigkeit: „Bewegung von unten“ ist emanzipatorisch. Das muß klar benannt werden. Keine Kooperationen mit Minimalzielen: Die ganze Gesellschaftsstruktur, die Logik von Verwertung und sozialer Konstruktion der Menschen ist Scheiße. Wir wollen etwas anders – darum gibt es eine Grenze gegenüber allen, die antiemanzipatorische Ziele verfolgen, von Esos über NationalistInnen bis zu NeoliberalisierInnen und anderen.

Quellen

Zitate zu horizonalen Organisierungen, offenen Räumen ...

Burkhard Keimburg, 1989; Konsensprinzip in der Kommune, in: Trafik Nr. 2/1989 (S. 29ff.)
Kreativität blüht nur in konsensfreien Räumen oder im kleinen Rahmen, wie zum Beispiel in den verschiedenen Arbeitsbereichen.

Links und Lesestoff

Lesestoff

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