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Direct-Action: Verstecktes Theater

am Beispiel einer Aktion zur Kritik des Christentum im Weihnachtsgottesdienst

Auf dieser Seite: Aktion zu Weihnachten ++ Reaktionen ++ Links

Verstecktes Theater bedeutet, dass das Theater nicht oder nicht so einfach als solches zu erkennen ist. Entweder ist es gar nicht sichtbar, d.h. es läuft innerhalb des alltäglichen Geschehens ab, ohne dass die spielende Gruppe erahnbar ist, oder es wirkt wie offiziell dazugehörig. Wenn z.B. ein Promi eine Rede halten soll, es aber einfach jemand anders macht, aber die ZuhörerInnen denken, es ist die erwartete Person ...

Religionskritische Weihnachtsaktion in Gießener Gottesdiensten

Am 24.12. lief in 5 Gießener Kirchen ein unangemeldetes Theaterstück ... und inzwischen gibt es eine ganze Menge von Dokumenten dazu:

Redetext des Theaterstückes:

Ich bin nicht Jesus, ich bin das Leben.
Seit 2000 Jahren handelt Ihr in meinem Namen:
 


Das alles tut Ihr, Ihr Christen, in meinem Namen.
Aber ich ... bin ... das Leben.

Flugblatttext dazu

Ich bin nicht Jesus, ich bin das Leben.
Seit 2000 Jahren handelt Ihr in meinem Namen:

Ihr habt mich verbrannt, zu Hunderttausenden, auf Scheiterhaufen, als Volksfeste. „Hexe“ und „Ketzer“ habt Ihr mich genannt.

Menschen wurden wegen ihres Wissens als „Hexen“ und „Ketzer“ gebrandmarkt, grausam gefoltert, ertränkt oder verbrannt. Ihr Wissen stand der Allmacht der Kirche im Weg, zum Beispiel untergruben die Erkenntnisse über Verhütung die Legende der natürlichen Fruchtbarkeit von Frauen und die Verteufelung der sexuellen Lust.

Ihr habt weggeschaut, als ich vergast wurde. Ihr habt die Mörder gesegnet und auch den geistigen Nährboden bereitet. Ihr habt die Verträge mit den Nazis geschlossen. Und Ihr wart selbst die Mörder in den Konzentrationslagern.

Die Kirchen haben von den Greueln der Nazis nicht nur gewußt, sie haben verhandelt und Verträge geschlossen – die Kirche durfte bleiben, weil sie dem Schweigen zustimmte. Die wenigen christlichen WiderständlerInnen, die heute immer wieder genannt werden, waren Ausnahmen und vertuschen, daß die Kirchen und Millionen ChristInnen in Deutschland und anderen Ländern an der Vernichtung und Vertreibung mitgewirkt haben.
Und sie haben immer wieder den geistigen Nährboden bereitet. So wie es die Kolonialpolitik ohne brutale Missionierung in dieser Form nicht gegeben hätte, ist auch der Antisemitismus nicht ohne christliche Diskussionen und Instiutionen denkbar.
"Wie es unmöglich ist, daß die Aglaster ihr Hüpfen und Getzen läßt, die Schlange ihr Stechen: so wenig läßt der Jüde von seinem Sinn, Christen umzubringen, wo er nur kann."  (Tischreden. Erlanger Ausgabe der Werke Luthers, Bd. 62, S. 375)
„Darumb wisse Du, lieber Christ, und Zweifel nichts dran, daß Du, nähest nach dem Teufel, keinen bittern, giftigern, heftigern Feind habest, denn einen rechten Jüden, der mit Ernst ein Jüde sein will.“ (Luther: Handbuch der Judenfrage, S. 182)
„Wenn ein Dieb zehn Gülden stiehlet, so muß er henken; raubet er auf der Straßen, so ist der Kopf verloren. Aber ein Jüde, wenn er zehn Tunne Goldes stiehlet und raubet durch seinen Wucher, so ist er lieber denn Gott selbs.“ (Luther: Von den Jüden und ihren Lügen. Erlanger Ausg. Bd. 32. S. 244)
"Summa, ein Jude steckt so voll Abgötterei und Zauberei als neun Kühe Haare haben, das ist unzählig und unendlich, wie der Teufel, ihr Gott, voller Lügen ist."  (dito, S. 300)
„Ich will meinen treuen Rat geben.
Erstlich, daß man ihre Synagoge oder Schule mit Feuer anstecke, und was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufe und beschütte, daß kein Mensch einen Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich..
Zum andern, daß man auch ihre Häuser desgleichen zerbreche und zerstöre. Denn sie treiben eben dasselbige darin, was sie in ihren Schulen treiben ...“ (S. 233-238)
"Denn es gibt viele Schwätzer, Ungehorsame und Schwindler... die aus dem Judentum kommen. Diese Menschen muß man zum Schweigen bringen...es sind abscheuliche und unbelehrbare Menschen, die zu nichts Gutem taugen." (Paulusbrief an Titus 1, Verse 10-16)

Ihr zwingt mich zur Ehe und zerstört meine Liebe zum gleichen Geschlecht. Erst macht Ihr mich zur Frau, dann macht Ihr mich zur Mutter. Ihr macht mich zum Mann und ich werde mächtig.

Daß fast alle Menschen sich als Mann und Frau empfinden und zu einer Ehe zwischen genau einer Frau und einem Mann streben, kommt nicht von selbst. Es ist die Folge von Erziehung, von Gesetzen, Geld, Medien und Moral. Christliche Moral predigt die Ehe zwischen Mann und Frau als Ziel einer Partnerschaft. Doch tatsächlich wären viele Formen des Lebens möglich: Eine bunte Gesellschaft selbstbestimmter Menschen. Offene Beziehungen, kollektives Leben und Homosexualität werden ausgegrenzt, zu Krankheit oder Verwirrung definiert.
Wer als Mann auf die Welt kommt, wird auch als Mann erzogen und füllt jene Positionen und Rollen aus, von denen Macht ausgeübt wird – ob er will oder nicht. Die patriarchalen Strukturen in Kirchen sind ein deutliches Beispiel. Frauen haben keine oder keine gleichen Entfaltungschancen – selbst dann nicht, wenn sie sich „männlich“ verhalten, d.h. Macht auszuüben bereit sind. Von Männern wird das erwartet – sie sind Pastor, Ehemann, Kollege, Vorgesetzter, Parteifunktionär oder Führer eines „zivilisierten“ (d.h. meist christlichen) Landes.

Ihr hat mich getötet auf den Schlachtfeldern Eurer Kreuzzüge. Und Ihr tötet auf den Schlachtfeldern bis heute: in den Weltkriegen, in den Kolonien, im Kosovo, in Afghanistan – Ihr tötet mit Waffen, Ihr tötet mit Geld.

Zwischen 1096 und 1291 fanden auf Betreiben der Päpste sieben Kreuzzüge ins „Heilige Land“ Palästina statt, die nach Schätzung des Schriftstellers Hans Wollschläger („Die bewaffneten Wallfahrten nach Jerusalem“) insgesamt 22 Millionen Menschen das Leben kosteten. Bei der Eroberung Jerusalems (1099) wurden etwa 70 000 Juden und Muslime im Blutrausch umgebracht - die gesamte Einwohnerschaft der Stadt. Die noch vor Blut triefenden Ritter gingen anschließend „vor Freude weinend ... hin, um das Grab unseres Erlösers zu verehren, und entledigten sich ihm gegenüber ihrer Dankesschuld“ - so ein Augenzeuge („Die Kreuzzüge in Augenzeugenberichten“, dtv-Taschenbuch, 1971, S.101).
Die Kolonialpolitik, die blutige Unterwerfung vieler Länder und Menschen in Afrika, Asien, Mittel- und Südamerika sowie Ozeanien trägt die Handschrift des Christentums – die Missionierung war das zentrale Mittel der Umerziehung und der Legitimierung von Unterdrückung, Folter und Mord. Noch heute koppeln viele Kirchen ihre Hilfsangebote an den christlichen Glauben.
Weltkriege und alle weiteren Kriege wurden durch die Kirche unterstützt, öffentlich, mit Militärseelsorge und kirchlichen Sozialdiensten. Das Gerede vom Frieden auf Erden und das Handeln für den Krieg sind immerwährende Kennzeichnen vieler christlicher Organisationen, Parteien und der meisten Menschen christlichen Glaubens. Auch im Kosovo und jetzt in Afghanistan ist die Kirche im Krieg, sitzen ChristInnen und die christliche Moral in Panzern, Bombern und hinter Maschinengewehren.
Millionen Tote sind Folge von Vertreibung und Ausbeutung. Die Herrschaft des freien Marktes statt Selbstorganisation und Kooperation hat Hunger, Armut, Kriege und Flucht oft erst geschaffen und verstärkt.

Das alles tut Ihr in meinem Namen. Aber ich bin ... das Leben.

Was ist „gut“ und „böse“? Seit 2000 Jahren wird weltweit aufgeteilt in „entwickelt“ und „unterentwickelt“, in „zivilisiert“ und „unzivilisiert“, „modern“ und „rückständig“.
„Führungsländer“ dominieren vieles, getarnt als „Wertegemeinschaften“. Die Teilung in „gut“ und „böse“ soll verdecken, daß es um Macht, Geld und die Durchsetzung von Leitkulturen geht. Das Leben, die Möglichkeit aller Menschen, sich frei zu entfalten, ist nirgends das Ziel des Handelns. Nicht in den Regierungen, nicht in den Kirchen, nicht im Kleinen.
Christentum ist Macht, Ausbeutung, eine Blutspur von  vielen Millionen Menschen. Wie lange noch kann es sich tarnen als „humanitär“, „zivilisiert“ oder eben ... „christlich“?

Reaktion aus einer Kirche (als Antwort auf ein Gesprächsangebot)

Brief aus einer betroffenen Kirchengemeinde

Kommentierung

Na denn, daß Wissen um Vergangenheit auch zu verändertem Handeln in der Gegenwart führt, darf bezweifelt werden, denn sonst wäre ja ...

Die Argumentation des kath. Pfarrers ist falsch und gefährlich. Gerade die „Erledigung“ der Vergangenheit und das Sich-sicher-Sein, dass "wir jetzt irgendwie die besseren sind" und alles gelernt haben, ist die Ausgangsposition fuer die Wiederholung der Scheisse (wenn auch in modernisierter Form).

Dass Menschen wissen, dass es Hexenverbrennungen gab, ist keinerlei Argument dafuer, dass moderne Diskriminierung bis sozialrassistische Morde nicht wieder laufen könnten.

Auch am 1. Mai 2001 in Saasen (sozialrassistischer Überfall in der Region Gießen, mehr ...) waren Kirchenvorstandsmitglieder dabei.  Und die meisten werden Kirchenmitglieder gewesen sein. Und der Oberhetzer (SPDler und Baufirma) sitzt auch im Kirchenvorstand.  Natuerlich weiss der um die Hexenverbrennungen. Na und, was sagt das aus?
„Nie wieder Auschwitz“ war auch so eine Geschichte - gerade mit dem offensiv vor sich hergetragenen „Wir haben aus unserer Geschichte gelernt, wir kennen sie“ liess sich die erste aktive Kriegsbeteiligung der BRD organisieren.

Auch die weiteren Ausführungen könnte mensch auch anders sehen ...

Links

Zitate und Links zu Kirche und Religion
Martin Luther

Luthers Ideologien sind derart widerlich, daß es verwundert, daß er nicht als Vordenker der Nazis bezeichnet wird. In widerlichen Formulierungen phantasierte er vom feurigen Ende aller Juden, vom Ersäufen der "Behinderten" in der Gosse, vom Morden an den aufständischen Bauern usw. Die evangelische Kirche und auch insgesamt die patriotischen Teile Deutschland feiern Luther als wichtigen Gesellschaftsgestalter. Hier folgen einige Links zu Luther: