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Blockieren, besetzen & more

Lock-on

Bedeutet das Festketten an Gegenständen, in der Erde oder untereinander, um etwas zu blockieren (berühmte Fälle: Castor).

Rechts: Blockadefibel mit vielen Tipps und Zeichnungen für Lock-ons, Anketten usw.

Straßenfahrzeuge blockieren

Ein Beispiel aus Braunschweig: Arm-Lockons rund um einen Reifen. Der LKW wurde vorher mit einer Sitzblockade gestoppt.

Tripods

Sie dienen dem Räumungsschutz auf Flächen, Straßen, Schienen oder wo sonst Bäume und Gebäude fehlen oder nicht reichen.

Für ein einfaches Tripod benötigst du:

Gerüstschellen

Die Schellen müssen so befestigt werden, dass ihr die drei Gerüststangen parallel auf den Boden legen, aber auch zu einem Tripod aufrichten könnt. Es ist nicht ganz einfach, die Schellen an der richtigen Stelle zu befestigen, da müsst ihr rumprobieren, bis es stimmt.

Tripod

Wie auf der Zeichnung zu sehen, bilden die zwei Hauptstangen ein A und werden von der dritten Stange gestützt. Die Schelle für die dritte Stange wird etwa 30cm unterhalb der Hauptschelle befestigt, so dass die Hauptstangen davon nicht behindert werden. Das Gewinde der zweiten Schelle soll in einem Winkel von etwa 120 Grad zum Gewinde der ersten Schelle stehen. Das ist ein bischen tricky und ihr müsst einfach solange herumprobieren, bis die drei Stangen parallel am Boden liegen und sich zu einem Tripod öffnen lassen.

Tripod aufrichten

Wenn ihr Eisenstangen verwendet, braucht ihr mindestens fünf Leute, um das Tripod aufzurichten. Die beiden Hauptstangen werden zu einem A auseinandergezogen und an den Enden von zwei Personen mit den Füssen fixiert, damit sie nicht verrutschen. Eine weitere Person hebt die dritte Stange an. Zum Aufrichten muss mindestens je eine starke Person pro Hauptstange von der Spitze zum Ende des Tripods laufen und es dabei aufrichten. Mit der dritten Stange wird das aufgerichtete A abgestützt. Beim Aufrichten müsst ihr sehr konzentriert sein, vor allem dürfen die beiden fixierten Enden der Hauptstangen nicht wegrutschen, sonst stürzt das Tripod zusammen und verletzt womöglich jemanden.
Wenn ihr Alu-Stangen verwendet, schafft ihr das Aufrichten auch zu dritt, allerdings ist Eisen viel stabiler und belastbarer.

Schnell hochklettern

Sobald das Tripod steht, muss eine Person schnell an einer Stange hochklettern, bis sie außer Reichweite an der Spitze ist. Während eine Person hochklettert, sollten die drei Stangen gesichert sein (festhalten), damit sie nicht auseinander rutschen.

Hängematte

Am komfortabelsten sitzt es sich in einem Tripod mit einem Klettergurt. Hierfür muss einfach eine Schlaufe + Karabinerhaken an der Spitze befestigt werden, in die sich mensch mit seinem Gurt einklinken kann. Cool ist auch eine Hängematte, an der wie auf dem Bild ein Seil befestigt wird.

Besonders stabiles Tripod

Für Extra-Stabilität oder wenn mehrere Leute gleichzeitig auf das Tripod wollen könnt ihr noch drei kurze Stangen mit Schellen befestigen. Befestigt die Stangen jeweils nur an einer Schelle, bis das Tripod steht, dann könnt ihr die Stangen an den zweiten Schellen festschrauben. Vergesst den Schraubschlüssel nicht. Natürlich ist das Tripod mit den Zusatzstangen schwerer, vielleicht braucht ihr mehr Leute zum Aufrichten.

Ein Tripod ohne diese Extra-Stangen sollte durch ein Seil stabilisiert werden, damit die drei Stangen am Boden nicht auseinander rutschen. Wenn die Stangen am Fußende Ösen haben, kann das Seil einfach dadurch gezogen werden, ansonsten in ca. 1m Höhe das Seil um das Tripod spannen und so befestigen, dass es nicht nach oben rutscht.

Türme

Gab es zum Beispiel bei der legendären Bauplatzbesetzung von Gorleben und auf etlichen besetzten Genfeldern der 90er Jahre. Foto unten: Besetztes Feld Mitte der 90er in Melbach (Wetterau).

Um bei Flächenbesetzungen eine schnelle Räumung zu verhindern, loht es sich, einen Turm aufzustellen. Das wirkt offener als Befestigungsanlagen wie Zäune und Gräben, hindert die "Freunde und Helfer" aber trotzdem, euch einfach vom Platz zu fegen.

Zeit und Handlungsmöglichkeiten schaffen

Wenn erstmal Leute auf dem Turm drauf sind, werden Spezialeinheiten gebraucht, um sie da wieder runter zu kriegen. Solange kann von oben mit Kofetti und Krach für Stimmung gesorgt, mit Kompost und anderen unangenehmen Sachen auf Behelmte geworfen und die Vorgänge unten gefilmt werden. Wenn dann irgendwann ein Räumtrupp nach oben kommt, können sich die Aktivistis anketten, um den Beamten noch mehr Arbeit zu bereiten.

Die Baumstämme

Wenn sich Menschen auf dem Turm befinden, kann dieser nicht einfach umgesägt werden und die Leute nicht so leicht geräumt. Vorausgesetzt, der Turm ist so hoch, dass keine zur Verfügung stehende Leiter dran kommt. Lange Baumstämme bringen allerdings eine Schwierigkeit mit sich: Pro Meter eines frisch geschlagenen Stammes braucht es schon mindestens eine Person, um ihn von A nach B zu tragen. Ein Jahr abgelagerte Stämme sind leichter.
Für die Stämme müssen am Aufbauort Löcher gegraben werden, deren Boden im Idealfall noch mit Kies oder Schotter gefüllt wird. Damit die Stämme auch wirklich da reinrutschen, machen sich Ausrichtungsgräben ganz gut. Bei jahrelang stehenden Bauten sollten mindestens die in der Erde stehenden Enden geschält und abgeschmort werden.

Technik

Als Technik zum Aufbau von dreibeinigen Türmen hat sich folgendes bewährt: Zwei Beine zeigen in die Zugrichtung wie ein A, das andere zeigt in die andere Richtung und wird beim Hochziehen hinterhergezogen. Dabei muss es ein wenig gelenkt werden. Bei der Methode, das Bein vorne weg zu schieben, würde es sich in den Boden bohren. Die Verbindung der drei Stämme muss bei der ersten Möglichkeit beweglich sein, weil sich der hintere Stamm um über 90° dreht. Als erstes werden also die beiden A-Stämme zusammengebracht und dann der dritte flexibel damit verbunden. Verstärkt werden kann die Konstruktion später, wenn der Turm steht.
Um den Turm direkt aus dem Liegen hochzuziehen ist der Winkel zu flach. Deshalb sollte der Turm vorher angehoben oder das Zugseil über ein Zweibein umgelenkt werden, um den Winkel herzustellen. Das Zweibein kann, nachdem es seinen Dienst getan hat auch zerbrechen. Das Seil dagegen muss wirklich viel aushalten, denn beim Hochziehen von drei 17m-Stämmen wirkt eine Last von 4t und bei Stößen kann sich diese Kraft vervielfachen. Mit 10mm Durchmesser aus Draht ist mensch auf der sicheren Seite. Damit das Drahtseil nicht die Verbindungsseile an der Spitze zerschneidet oder die Stäbe vom Zweibein zerdrückt, wird ein Schutzmantel (z.B. Metallrohre) gebraucht.

Aufbau

Wie der Turm hochgezogen werden kann, hängt vom Gelände ab. In dem Extremfall, dass es sich um Ackerboden handelt, reicht ein üblicher Traktor nicht aus. Ein schwerer LKW mit Allrad, Differentialsperren und Ballonreifen ist bei solchen Bodenbedingungen Pflicht. Um dieses Problem zu umgehen, kann das Seil umgelenkt werden, damit das Gefährt auf festerem Gelände in der Nähe fahren kann. Wenn der Turm nicht von einer Hebebühne erreichbar sein soll, muss er aber weit genug weg davon aufgebaut werden. Andere Möglichkeiten sind ein Seilzug (langsam) oder pure Muskelkraft. Hier ist eine Rücksicherung angebracht, falls das Seil aus der Hand gleitet.
Damit der Turm während dem Hochziehen nicht kippt, muss alles genau ausgerichtet werden: Die Spitze des Dreibeins, des Zweibeins und der Punkt, wo gezogen wird müssen sich auf einer Linie befinden. Nachts im Dunkeln eignen sich z.B. Fahrradblinklichter dazu - aber nur dort, wo es nicht bemerkt werden kann. Sonst muss viel hin- und hergerannt oder mit Seilen als Ausrichtungsschnur gearbeitet werden.
Und dann kann es endlich losgehen:


Schritt 1 ist, die Stämme zu holen, passend zuzusägen, Äste entfernen und sie dann so zu legen, dass zwei parallel liegen und einer gegenüber in der Mitte der beiden anderen. Die dünneren Enden liegen dann in der Mitte nebeneinander - sie bilden später den Knotenpunkt. Das Seil wird dann mehrfach um die Balken gewickelt (Beginn oben). Am Ende werde dann die Überkreuzstellen nochmals mehrfach umwickelt, damit der Knoten stramm sitzt (unten).


Dann werden die beiden bisher parallel liegenden Beine gespreizt und so gelegt, dass ihre dicken (später unteren) Enden vor den für sie gegrabenen Löchern liegen. Auch für das dritte Bein ist schon ein Loch vorbereitet, das aber vom Bein weit entfernt ist. Oben: Der gespreizte Knoten. Unten: Foto in die andere Richtung mit den beiden Beinen vor ihren Löchern. In der Mitte erkennbar das Loch für das dritte Bein.


Nun wird an einem der beiden Beine direkt unter dem Knoten ein langes Zugseil befestigt. Die Mehrzahl der mithelfenden Personen postiert sich am Knoten, einige ziehen das Zugseil stramm. Dann geht es los:


Der Knoten wird angehoben (oben). Das Zugseil spielt noch keine Rolle, weil der Winkel dafür zu flach ist. Dann den Knoten so hoch wie möglich, um dann (kleinere Leute jeweils nach vorne) die drei Beine des Turms Zentimeter für Zentimeter hochzudrücken (unten). Nun kann auch schon am Seil gezogen werden, weil der Winkel immer besser wird.


So geht es weiter Zentimeter um Zentimeter. Oft stockt es, weil der Kraftaufwand hoch ist. Dann auf Kommando drücken und das Ganze ruckweise aufrichten. Zurückfallen kann der Turm nicht, da das hintere Bein nachgezogen wird und immer wie eine Sicherung wirkt. Wichtig noch: An den unteren Enden der Beine sind kleine Seile (Ruckelbänder) befestigt, an denen die Richtung der Beine korrigiert werden kann. Sie sollen ja in die Löcher rutschen.


Am Ende steht der Turm fast aufrecht. Die Hauptzuglast kommt jetzt über das Seil, weil dieses nun einen besseren Kraftansatz hat, während das Hochdrücken der Turmbeine kaum noch geht. Deshalb sollten im Laufe der Zeit Leute von den Turmbeinen an das Seil wechseln.


Dann: Vorsicht! Kurz vor dem Einlochen des hinteren Beines erstmal Stoppen. Es besteht die Gefahr, dass durch hektisches Ziehen am Seil der Turm zu weit gezogen wird und dann Richtung Seil rüberkippt. Den letzten Meter vorsichtig und in Etappen vollziehen. Oft reicht es, wenn eine Handvoll Menschen am letzten Bein dieses direkt in das Loch hineindrückt.


Irgendwann dann ist fertig. Der Turm kann geschmückt werden, zudem können durch Querstreben Auflagepunkte für eine Plattform geschaffen werden. Dieser Turm diente keiner Besetzung, sondern stand auf dem Camp der Aktion "Gendreck weg!" im Jahr 2008 - unter anderem als Blickfang neben der Bühne (unten).

Anwendungen

Sieben Feldbesetzungen in zwei Monaten: Der Widerstandsfrühling auf Genfeldern 2008 brachte viele Türme zum Einsatz.

Rechtstipps

Kurzfassung
Besetzungen von Flächen, die nicht "eingefriedet" sind (Zaun, Mauer, Betreten-verboten-Schilder, aktuell und sichtbar bewirtschaftete Flächen) sind kein Hausfriedensbruch. Wird dabei auch keine konkrete Sache auf dem Feld zerstört (kein Zaun, kein Gebäude, keine Anpflanzung u.ä.), dann ist es auch keine Sachbeschädigung.

Genauer: Hausfriedensbruch

StGB § 123 Hausfriedensbruch
(1) Wer in die Wohnung, in die Geschäftsräume oder in das befriedete Besitztum eines anderen oder in abgeschlossene Räume, welche zum öffentlichen Dienst oder Verkehr bestimmt sind, widerrechtlich eindringt, oder wer, wenn er ohne Befugnis darin verweilt, auf die Aufforderung des Berechtigten sich nicht entfernt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Die Tat wird nur auf Antrag verfolgt.

Bei Gebäuden ist die Sache relativ klar. Gleiches gilt für Grundstücke, die sichtbar "eingefriedet" sind, also mit Mauern, Zaun oder ähnlichem umgeben sind. Ähnlich könnte es gewertet werden, wenn sehr deutlich (z.B. durch Schilder) das Betreten untersagt wird. Allerdings dürfte es in solchen Fällen ständig schwierig sein, auch nachzuweisen, ob jemand die Schilder gesehen hat. Solange aber eine Person ein Gelände betritt, ohne die Kenntnis gehabt zu haben, dass es nicht erlaubt sei, dieses zu betreten, kann sie auch nicht wegen Hausfriedensbruch bestraft werden.
Für die Praxis der Besetzung von Flächen und Gebäuden ist das von herausragender Bedeutung. Wo kein Zaun ein Gelände absichert, keine Nutzung sofort erkennbar ist und auch keine Schilder zu finden ist, ist der Fall recht einfach. Das Betreten ist nicht strafbar. Hausfriedensbruch entstände frühestens dann, wenn ein Berechtigter (Nachweis dafür ist aber nicht immer einfach zu führen ...) zum Verlassen auffordert. Die Situation kann aber geschickt so verändert werden, dass der Fall des eindeutigen Hausfriedensbruches nicht mehr zutrifft:

Also: Kreativität schafft Freiräume, sollte aber bedacht genutzt werden, um nicht zusätzliche Straftaten verfolgbar zu machen wie Amtsanmaßung - also immer schon vorsichtig, ohne untätig oder einfallslos zu werden.

Wichtig ist noch der Absatz 2. Das Begehen eines Hausfriedensbruchs reicht nicht zur Strafverfolgung. Der Berechtigte muss innerhalb einer kurzen Frist (drei Monate) auch einen Strafantrag stellen. Das bietet viele Handlungsoptionen:

Wie immer gilt: Kopf benutzen - und zwar kreativ. Die genannten Möglichkeiten sind nur wenige unter vielen.

Genauer: Sachbeschädigung

StGB § 303 Sachbeschädigung
(1) Wer rechtswidrig eine fremde Sache beschädigt oder zerstört, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Der Sachbeschädigungsparagraph wirkt eindeutiger - und dennoch ist er es nicht. Wann ist eine Sache beschädigt? In einigen Fällen haben erst Ergänzungen im Gesetz die Sachlage geklärt, z.B. bei Graffiti. Die waren jahrelang nur strafbar, wenn eine Substanzverletzung der Wand nachweisbar war. Nun ist geklärt, dass die Veränderung des Erscheinungsbildes auch zur Sachbeschädigung ausreicht. Kaputt gehen muss aber schon irgendwas. Regelmäßig keine Sachbeschädigung ist ...

Wichtig: Auch Sachbeschädigung wird im Normalfall nur auf Antrag verfolgt. Daher gilt das gleiche wie für Hausfriedensbruch. Allerdings kann die Staatsanwaltschaft ausnahmsweise auch aus eigener Überzeugung anklagen, wenn sie der Meinung ist, dass daran ein besonderes öffentliches Interesse besteht. Bei politischen Sachbeschädigungen ist das vorstellbar.

Die Strafhöhen sind bei Sachbeschädigungen oft sehr gering. Problematisch kann sein, dass einer Verurteilung oft eine Schadensersatzklage folgt. Das kann ein Grund sein, Einstellungen auch gegen Auflage zuzustimmen. Aber das sollte gut überlegt sein, weil es eine sehr defensive Strategie darstellt.

Hinzuweisen ist noch auf eine besondere Form der Sachbeschädigung, die gemeinschädliche Sachbeschädigung. Aber irgendwie ist das eine schöne Anklage, denn es ist eine Steilvorlage für eine offensive Prozessführung. Gemeinschädlich ist die Sachbeschädigung an Sachen, die der Allgemeinheit nützen. Die Staatsanwaltschaft dazu zu zwingen, nachzuweisen, warum etwas der Allgemeinheit nützen soll (Polizei, Bundeswehr, Arbeitsamt, Ausländerbehörde ...), könnte ein sehr interessanter Prozessgegenstand sein. In Gießen hat bei einer Attacke auf die Gerichtsgebäude und die Staatsanwaltschaft mal der Staatsanwalt den Vorwurf zurückgezogen, weil im nichts einfiel, was der Nutzen von Justizgebäuden sein soll.

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