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Aktionen gegen Copyrights, Patente und Biopiraterie

Neulich ... eigentlich wollte ich nur einen Film ausleihen: In der Videothek hängt immer noch das „Raubkopierer sind Verbrecher“-Plakat, auf der ausgeliehenen DVD ist schon wieder ein neuer Kopierschutz. Und auf dem Weg zurück nerven mich riesige Werbewände, die völlig unkritisch das Urheberrecht anpreisen – hey, hatte ich nicht noch 'nen Edding dabei? Eine zugespitzte Einleitung mit realem Erfahrungshintergrund:

Überall in unserem Alltag begegnet uns Eigentumslogik in unterschiedlichen Ausprägungen – der Zugriff auf Ressourcen ist nur wenigen vorbehalten, Nahrungsmittel und nützliches Wissen werden künstlich verknappt, um sie verwerten, d.h. in Profit umsetzen zu können. Die Allgegenwart von Patenten oder Copyrights bietet aber zugleich viele Möglichkeiten, mit kreativem Widerstand an der kapitalistischen Normalität zu rütteln. Gut durchdachte Aktionen schaffen Erregungskorridore, in denen Kommunikation über den (Un-)Sinn von geistigen Eigentumsrechten bis hin zu grundsätzlichen Utopie-Debatten möglich wird. Neben einer sicher erweiterbaren Liste phantasievoller Protestformen unterbreitet dieser Text auch ein paar grundsätzliche Anregungen, die bei Aktions-Planung und -durchführung bedacht werden sollten.

Vom Symbol zur grundsätzlichen Kritik

Aktionen greifen fast immer Symbole auf, um eine Kritik deutlich zu machen. Aber egal, ob sich eine Aktion gegen Biopiraterie oder Software-Patente richtet – es ist immer möglich, den konkreten Ausschnitt zu nutzen, um die grundsätzliche Problematik von Patenten und der Eigentumslogik zu thematisieren. Und für jede Aktion sollte überlegt werden, wie eine globale Perspektive eingenommen und nach außen vermittelt werden kann. Beim Protest gegen die Kriminalisierung von unbezahlten Musik-Downloads sollte nicht vergessen werden, dass z.B. Patente auf Medikamente für Menschen auf der Südhalbkugel eine existenzielle Bedrohung darstellen. Polemisch ausgedrückt: Es geht um mehr als die Frage, wie Menschen in reichen Industrienationen umsonst an die neue CD von Superstar „X“ oder „Y“ gelangen können ...

Die Eigentumsfrage stellen: Utopiedebatten anzetteln

Wer Aktionen nur mit reformerischen Forderungen verbindet, vergibt Chancen auf weitergehende Debatten. Forderungen wie „Alles für alle“ oder „Für eine Welt ohne Eigentum“ provozieren Fragen, da diese Vorschläge völlig offensichtlich mit der Normalität „kollidieren“ – und das ist auch gut so. Das Spannende liegt darin, sich Aktionen auszudenken, welche die Eigentumslogik hinterfragen und einen Rahmen schaffen, in dem möglichst intensive, gleichberechtigte Kommunikation entsteht. Dafür ist gar nicht zwingend ein hoher, materieller Aufwand nötig. Ein mögliches Beispiel: Verstecktes Theater an der Ladenkasse, d.h. eine geschickt inszenierte Situation, die aber nicht als Schauspiel erkennbar ist. Eine Person schiebt einen vollen Einkaufswagen an die Ladenkasse und sagt laut, gut verständlich „Ich habe kein Geld – aber essen will ich trotzdem, ich nehme das einfach so mit.“ Vielleicht erzielt schon diese Handlung die erhoffte Wirkung, z.B. irritierte Empörung, Nachfragen und andere Reaktionen, die als Einstieg in die Debatte genutzt werden können. In der Schlange hinter der Kasse stehen weitere Personen, die – scheinbar unabhängig voneinander – in das Geschehen eingreifen und dabei unterschiedliche Positionen beziehen, um den Aufmerksamkeitskorridor zu erweitern: Vom Part des skeptischen „Aber wenn alle das machen würden“ bis hin zu „Geh doch arbeiten“. Ziel ist, möglichst viele Unbeteiligte in intensive Gespräche einzubeziehen – ohne den Anspruch, Einigkeit zu produzieren: Gerade kritische Einwände sind hilfreich, z.B. um deutlich zu machen, dass die Aufhebung von Eigentum eine grundsätzliche Veränderung der Rahmenbedingungen voraussetzt.

Aktionsideen gegen Eigentum

Hinweis: All diese Ideen sollen natürlich nur die Möglichkeiten kreativen Widerstands veranschaulichen und sind nicht als Aufruf zu strafbaren Handlungen zu verstehen ...



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