Utopisches Gießen: Lust und Laune statt Law and Order! @

Rückblick: Utopie-Zeltstatt gegen die Normalität | 26.08 - 04.09.03 in Gießen

Berichte: Was ging ab? @
 Auswertung @
 Hintergründe, Verbote und mehr @
 Was waren die Ideen? @
 Downloads (noch mehr Vorlagen) @
  • Utopiezeitung "Lust und Laune statt Law and Order": Ausgabe ... (1), (2 - in das leere Mittelfeld die aktuelle Termin-Tabelle kopieren + dann als Plakat mitverwenden!)
  • Vorlagen für Bushaltestellen-Copyart (als .pdf) zum Thema Mobilität - Bilder einer Aktion, die das bereits nutzte ...
  • Stadtpläne: Innenstadt und nähere Umgebung
  • Das war das Programm (siehe unten), downloadbar auch als PDF
copyart, während der utopiezeltstatt gefunden
2. Urteil des Verwaltungsgericht pro Demonstrationsrecht @
 Was abging: So sah der "offizielle" Zeitplan aus ... nicht alles klappte, aber es lief auch viel nicht Vorgeplantes @

Zeitplan

 Was abging ... Das war der Service-Teil @

Es gibt eine kleine Camp-Wiese für Zelte auf dem Gelände der Fachhochschule in der Wiesenstrasse. Zelte mitbringen ist super, zur Zeit gibt es aber auch noch Platz in einem Gruppenzelt für alle, die das wollen und kein Zelt schleppen können bzw. wollen. Ab Mittwoch besteht zudem die Möglichkeit, ganz in der Nähe Computer zu nutzen für Zeitungsprojekte, Indymedia usw. Der Frisuerladen „Verhaarlosung“, T-Shirt Malecke, Direct Action Plattform sind auch in der Mache – die genaue Umsetzung ist allerdings noch unklar. Jeden Tag finden Workshops auf dem Kirchplatz statt bzw. starten dort – je nach Lage und Lust verlagern sich diese dann in Geschäfte, Parks, die Innenstadt, Arbeitsämter, Kreuzungen oder was euch sonst so einfällt ... also pünktlich sein! Abends gegen 19h gibt es Volxküche auf dem Kirchplatz, geschnibbelt und gekocht (wenn sich Leute finden!) wird ab ca. 16.30 Uhr auf Uni-Gelände direkt gegenüber der linken Kneipe „Domizil“ (Braugasse 6, nur ein paar Schritte vom Kirchplatz entfernt. Es gibt Stadtpläne (Innenstadt und nähere Umgebung) mit spannenden Aktionsorten, Treffpunkten usw. Diese finden sich wie alle weiteren Infos, Utopie-Zeitung (Nr. 1, Nr. 2) und Programmpunkten auf dieser Seite. Infotelefon: 0171-8348430 und 0162-1920415.

 Was waren die Ideen? @

Hier die Ergebnisse der ersten Runden zum Utopien-Zeltstatt Giessen "Lust und Laune statt Law and Order", die für Sommer ins Auge gefasst ist. Anregendes Beispiel könnte die Wahnmache ("Zelt gegen Normalität") in Frankfurt sein, die ein sehr ähnliches Ziel hatte - Plattform sein, Normalität brechen, visionäre Ansätze verwirklichen.

  • Zeitpunkt: Angemeldet werden soll: 26. August bis 4. September, dei aktuelle Planung geht aber eher von 27.oder 28.8. bis 2.9. aus. Wenn aber mehr Ideen zusammenkommen, halt länger. Begründung für diesen Termin: Es ist nicht der Wunschtermin. Der wäre im Juli gewesen. Aber die beiden Wochen vor Schul-/Semesterferien, die wir optimal fanden, gingen einmal nicht, weil der Kirchplatz belegt war, und in der anderen Woche ist das Thinkprograssive-Festival, wo einige hinwollen und wir ein Direct-Action-Zelt machen (17.-20. Juli bei Eisenach ... wer will da noch mitmischen???)
  • Orte: Vorschlag ist Kirchplatz (den Ganzen), ausserdem noch Räuume rundherum, wo wir halt organisieren koennen, dass wir die Räuume für Workshops (bei schlechtem Wetter), für Infrastruktur wie Wasser/Strom usw. sowie für technische Geraete, Telefon, Fax usw. nutzen können. Angefragt ist bereits die Buechergilde Gutenberg, die wir während der Öffnungszeiten nutzen können. Angefragt werden sollen noch ALI-Cafe, Kunstschule KORA und Kurdische Gemeinde. Wer noch Kontakte hat bzw. Räuume in der Nähe des Kirchplatzes kennt, kann da auch fragen. Strom sollten wir aber auch noch direkt vor Ort bekommen können - wer da jemand kennt, wo ein Kabel hingelegt werden kann, kann auch mal fragen
  • Projekte und Plattformen: Einfach mal locker genannt wurden ... Bühne soll ständig da sein mit Spontan-Musik und -Performance bis ca. 22 Uhr ... Umsonstladen ... Umsonstessen und Vokü (Küchenausstattung müsste dafür her) ... Direct Action Plattform ... Kunst ... Zelte zum Pennen (da es ja auch nachts belebt und auch bewacht sein soll).
  • Aktionen: Viele, viele kleine Aktionen in der Innenstadt, am besten aus Workshops heraus, damit auch viele Menschen neu einsteigen können. Vorschlag war auch, wieder eine Nachttanzdemo zu machen.
  • Organisierung: Wäre schön, wenn statt ständiger zentraler Absprachen (Plena) viele Gruppen, Einzelpersonen oder einige sich dafür zusammenfindende Personen etwas machen, worauf sie Lust haben - und sich alles dann Bausteinmässig zu einem bunten, chaotischen Ganzen zusammensetzt. Wobei nett wäre, wenn alle oder viele die Augen offenhalten fuer das, was allen hilft: Zelte oder Bauwaegen, Stromanschluss usw.

Aktionsideen

  • Subversive Gegendemo von Law and Order Freunden anmelden, die mit völlig überzogenen Forderungen und lustigen Schildern ("Law and Order statt Lust und Laune", "Überwachungsstaat ausbauen" usw.) durch den Seltersweg watscheln und die Zelt-Statt verbal angreifen
  • Direct Action Plattform mit vielen Materialien
  • Aktionen zum Thema Lernen & Schule
  • "Lernen statt Schule/ GegenSchule/Uni" während der Utopie-Tage ... einen Rahmen für selbstorganisiertes Lernen schaffen u.a. durch Infoboard, wo Menschen Interessen und Fähigkeiten offen legen können, sich für Workshops verabreden usw. Dazu auch LehrerInnen anfragen, ob sie mal etwas außerhalb des Zwangsrahmens Schule machen wollen
  • Offensiv beworbenes Schulschwänzerinnen-Cafe an den ersten Schultagen (Albi-Cafe im Begrenzt, Ostanlage 27 in Giessen)
  • Aktionen vor Schulen ... z.B. mit Transpi "Willkommen im Knast"
  • Südanlagenpark und die Menschen dort miteinbeziehen ... z.B. eine Party machen oder als Startpunkt für eine NachtTanzDemo
  • VoKü in der Südanlage 20 mit Transpi usw. als Vermittlung für bzw. gegen den Leerstand
  • Critical Mass - RadlerInnen-"Demo" durch Gießens Strassen ..
  • Besetzungen
  • Tag gegen Arbeit ... Zeitarbeitsfirmen besetzen, Aktionen bei Schichtwechsel vor Firmen
  • Aktionsidee: "Reclaim The Behörden"
  • Demo zur Erstaufnahmestelle
  • Aktionen zu den Happy HiPos (HilfspolizistInnen), die ab 1. Juli durch Gießen watscheln
 Nachbetrachtungen, Berichte, Auswertungen... wie war's für Beteiligte? @

Auszug aus einer Mail ("Gemischte Gefühle - Nachbetrachtungen zum sog. UtopieCamp"):

Gegenöffentlichkeit: Das UtopieCamp war "Streetwork", also Öffentlichkeit direkt. Es war auffällig und bunt - besonders in die Richtung ging auch der gehende Pavillon in den ersten Tages (wo anderes verboten war). Dennoch glaube ich, dass Gegenöffentlichkeit noch mehr ausgebaut werden sollte. Letztlich war es vor allem begründet in dem Mangel an Möglichkeiten (Zeit, Kraft, Menschen ...), dass wir keine Ausgabe der Zeitung mit hinbekommen haben. Sicherlich ist es zur Zeit auch nur von einigen der strategischen Personen vorstellbar, dass sie so etwas umsetzen. An Radio (Freies Radio durchsetzen, Piratenradio machen) oder den Offenen Fernsehkanal ist zur Zeit wohl kaum zu denken. Dazu fehlen strategisch agierende Menschen, die es hinbekommen, für so ein Camp ein Projekt so zu organisieren, dass es auch steht, wenn es losgeht. Ich würde aber gerne darüber diskutieren, wie wir mit Gegenöffentlichkeit weitermachen - also ob wir ein Zeitungsprojekt starten, uns für ein Freies Radio einsetzen oder mit dem Offenen Kanal was zusammen machen. Konkret heißt das natürlich immer: Ob es konkrete Menschen gibt, die das anpacken - auch vielleicht genau mit der Idee neu begeisterte Menschen.

KünstlerInnen: Naja, das war wohl ein Flop. Ich fand, es wurde viel zu wenig Musik gemacht und sowieso nie andere Formen von Kunst verwirklicht. Denkmäler, Skulpturen, Staffeleien - das hätte alles gut gepasst. Meine Enttäuschung über das komplette Wegbleiben der kulturellen Szenen ist groß. Keine Ahnung, warum das so war und wie das zu ändern wäre. Bei einigen ist klar, dass sie Schisser sind und nur dort agieren, wo der Rahmen abgesichert ist. Aber bei vielen ist das wohl nicht der Grund.

Strategiemängel und Pannen: Immer wieder waren die ständigen Aussetzer und die mangelnde Aufmerksamkeit für die Lage der Dinge Thema. Hier hat sich oft Streit entbrannt. Ich habe mehrmals meine Frustration ausgedrückt. Ich will das noch mal erklären, warum ich da so angenervt war. Ich habe es so empfunden, dass in vielen Situationen viele Beteiligte gar nicht versucht haben, einen Blick auf das ganze Geschehen zu werfen (Meta-Ebene: Wo stehe ich? Was geschieht um mich herum? Welche Möglichkeiten des Handelns gibt es? usw.). Dadurch entstanden immer wieder unfassbare Situationen: Menschen guckten zu, wie Materialien naß regneten oder reagierten nicht, als Zelte weggeweht wurden, Geschirr im Mülleimer landete usw. Auch die vier ersten Verhaftungen gehen auf das Konto "Metaebene ausgeschaltet". Davon gab es superviele Vorgänge. So gab es weder Musik noch Strom noch Wasser noch viele andere Dinge, weil sich niemand drum kümmerte - obwohl es bereits mehrfach geklärt war. Der Videoabend ist ein ähnliches Beispiel, wo Menschen glauben, etwas im Griff zu haben, wenn eigentlich nix klar ist. Die verpennte Eingabe an das Verwaltungsgericht war die wohl folgenschwerste Panne dieser Art. Ich würde mir wünschen, dass Menschen sich trainieren darauf, den Blick und die Aufmerksamkeit so zu auszuweiten, dass sie nicht nur ihr unmittelbares Umfeld wahrnehmen, sondern auch gucken, wer sonst noch da ist, was möglich oder auch nötig wäre. Das würde auch informelle Hierarchien abbauen, denn zur Zeit sind es meist dieselben, die versuchen, alles im Blick zu haben, die Lücken erkennen und die dann immer selbst oder durch Hinweis an andere zu stopfen versuchen. Und dass die, die etwas übernommen haben in freier Vereinbarung, selbst gucken, ob sie das auch hinkriegen und sich sonst rechtzeitig melden, um Unterstützung bitten usw.

Gelungene autonome Bereiche: Um die strategische Kritik wiederum zu relativieren, will ich auch benennen, dass ich viele Teile bemerkt habe, die immer wieder selbst liefen, also keinen großen Eingriffs derer, die die Metaebene hatten, bedurften. Beispiele sind das Umsonstessen, der Frisörsalon und der Umsonstladen. Für die Zukunft würde ich mir wünschen, dass mehr Menschen bewusster ihr Tun und Lassen organisieren - und sich damit emanzipieren von denen, die sonst immer den Rahmen sichern, in dem Mensch auch dann erfolgreich agiert, wenn ständig Pannen auftreten. Die Abhängigkeit von "CheckerInnen" zu überwinden finde ich genauso wichtig wie die Abhängigkeit von Plena, die eine sehr ähnliche Funktion haben - immer wieder zu überprüfen, ob auch alles klappt, sprich alle funktionieren. Schöner fände ich Aktionen, die bausteinartig aus den durchaus unterschiedlichen, aber möglichst weitgehend selbstorganisierten Teilen mit den Ideen der Beteiligten bestehen. Dann müsste noch der Infofluss verbessert werden (war auf dem UtopieCamp teilweise sehr schlecht, weil Infoboards fehlten und das Schlafcamp kein Treffpunkt war, da immer mehr Leute in die kuscheligen Privatzimmer der WG umziehen wollten und dort erst sehr spät aus den gemütlichen Betten krochen, während die Isomattenfraktion aus den Zelten längst schon gestartet hatte ...).

Weitere Nachbetrachtungen

 Kommentare auf Indymedia (unter dem letzten Bericht) @
Utopist schrieb am 04.09.2003:

"Als ich heute (eher gesagt vor ein paar minuten)am Kirchplatz vorbeikam, fand ich ein erfreuliches Bild vor: Einer der Obdachlosen führte das Utopiecamp weiter. Er erzählte mir, was dort angefangen wurde, hätte ihn so bewegt und nicht mehr losgelassen, dass er weitermache. Er hatte die Nacht auf dem Kirchplatz verbracht und war unsanft von der Polizei geweckt worden. Heute Abend hatte er seine spärlichen Vorräte zusammengekratzt und daraus ein Umsonstessen bereitet. Wie lange er das durchziehen will weiß ich nicht (er auch nicht), aber eines ist sicher: Das Camp hat was bewirkt. Allermindestens in ihm."

bunt schrieb am 08.09.2003:

"Ich wollt euch nochmal loben, soviel Durchhaltevermögen und Kreativität ist selten und einfach klasse. Ich habe neulich auch den besagten Obdachlosen getroffen,er stürmte gleich auf uns zu und erzählte wie scheisse er diese ganze Geschichte von der Stadt etc. fand...am besten war der Satz"Die nehmen euch alles, lassen euch kein Raum zum Leben"...schade nur, dass er sich selbst immer noch als Aussenstehenden sah... Danke an Euch!"
 So sah's aus ... mehr Bilder auf Indymedia (siehe: Berichte) @

Während des Verbots: Fettes Polizeiaufgebot


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