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Argumente

Ein Interview mit Gendreck-weg

Wir sperren ein Schaf und einen Wolf ein, und gucken mal was übrig bleibt!
Von Tierschützern, die heimlich die Käfige von Nerzen und Füchsen aus Pelztierfarmen öffnen, hat man schon gehört. Weniger bekannt ist, dass auch ganze Genfelder in Deutschland "befreit' werden. Um sich gegen die Agro-Gentechnik auf den Äckern der Republik zu wehren, wollen die Mitglieder der Bürgerinitiative Aktion Freiwillige Feldbefreiung Gendreck-weg in zwei öffentlichen Feldbefreiungen im Juni und Juli genmanipulierte Pflanzen ausrupfen. Michael Grolm, Agraringenieur und Berufsimker aus Tübingen, hat die Initiative mitgegründet.

punkt.um: Weiche Ziele hat sich die Bürger­initative Gendreck-weg gesetzt?
Michael Grolm: Keine Agro-Gentechnik in Europa und weltweit.

Und wie will die Initiative das erreichen?
Indem wir Felder von genmanipulierten Pflanzen befreien, leisten wir zivilen Ungehorsam des gewaltfreien Widerstands. Damit wollen wir die Politik zum Handeln zwingen.

Umfragen zufolge wollen 80 Prozent der Deutschen kein Genfood auf ihrem Teller. Überzeugt werden müssten also eher die Landwirte, die GVO anbauen. Halten Sie es für die geeignete Methode deren Ernte zu vernichten?
Wir sind selbst Landwirte und diskutieren auch mit den Kollegen, die manipuliertes Saatgut ausbringen. Der Agrarunternehmer, dessen Mais­pflanzen wir im letzten Jahr ausgerissen haben, meinte, er habe nun mal eine Genehmigung für den Anbau seiner manipulierten Pflanzen und alles andere sei nicht sein Problem. Das bedeutet, wir müssen einen anderen Weg gehen. Entscheidend ist die Politik. Wenn bei den kommenden Feldbefreiungen 500 bis 1.000 Menschen auf den Acker gehen, können die Volksvertreter den Protest der Bürgerinnen und Bürger nicht länger totschweigen.

Welche Bevölkerungsgruppen werden bei den Feldbefreiungen dabei sein?
Zum Großteil engagieren sich Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten oder damit zu tun haben, also Imker, Bauern oder auch Naturkosthändier. Ansonsten rekrutieren sich die Feldbefreier aus Gruppen des Anti-AKW-Widerstands, aus der Globalisierungskritik und der Friedensbewegung.

Was motiviert die Menschen dazu dem Genmais auf die Pelle rücken?
Viele Leute sammeln seit Jahren Unterschriften gegen Gentechnik und haben festgestellt, dass sich die Politiker davon nicht beeindrucken lassen. Feld­befreier sind Menschen, denen das Problem unter den Nägeln brennt und die was machen müssen. Die Agro-Gentechnik spielt mit dem Saatgut, das den Menschen auf dieser Weit Leben garantiert.
Politiker beschwören immer, dass genmanipulierte und herkömmliche Pflanzen problemlos nebeneinander existieren könnten. Aber ich habe noch niemanden gefunden, der dafür garantieren kann, dass mein Honig frei von gentechnischen Pollen ist und sein wird. Wer die Koexistenz befürwortet, handelt nach dem Motto "Wir sperren ein Schaf und einen Wolf ein, und gucken mal was davon übrig bleibt“.

Die französischen Anti-Gen-Aktivisten haben bei Feldbefreiungen ganze Äcker umgegraben.
Wenn man uns lässt, machen wir das auch.

Im Sommer vergangenen Jahres haben Mit­glieder von Gendreck-weg auf einem Feld in Strausberg bei Berlin Maispflanzen ausgerupft und vor das Brandenburger Tor gekippt. Was haben die Aktionen gebracht?
Die Aktion hat das Thema Gentechnik wieder in die Medien gebracht, davor ist das Problem lange Zeit nicht mehr in der öffentlichen Meinungsbildung aufgetaucht.
Bei der Feldbefreiung standen 300 Aktivisten 300 Polizisten mit einem Hubschrauber, Hundestaffel, Pferdestaffel und Räumpanzern gegenüber. Trotzdem hat die Polizei nicht verhindern können, dass doch einige Teilnehmer aufs Feld gekommen sind und dort Pflanzen ausgerissen haben. Dabei haben sie auf ungefähr 500 Quadratmetern die Ernte zerstört. Nicht unbedingt viel bei zehn Hektar Gesamt­flache, aber es zeigt, wie entschlossen die Feld­befreier sind.

Wie werden die Politiker reagieren?
Wahrscheinlich genauso wie beim letzten Mal. Man wird uns mangelndes Dernokratieverständnis vor­werfen und versuchen uns zu kriminalisieren.
Wegen Aufruf zur Straftat läuft gerade ein Gerichtsverfahren gegen mich als Pressesprecher und den Betreuer der Komepage von Gendreck-weg. Wir freuen uns aber schon darauf dem Gericht unsere Beweggründe näher zu bringen.

Wodurch werden sich die diesjährigen Feldbefreiungsaktionen von denen im letzten Jahr unterscheiden?
Diesmal erwarten wir nicht nur mehr, sondern auch Teilnehmer aus anderen Ländern. Für die erste Aktion am Pfingstwochenende in Süddeutschland mobilisiert das französische Agrarbündnis Faucheur volontaire d'OGM Demonstranten.
Zur zweiten Feldbefreiung in Ostdeutschland Ende Juli erwarten wir viele polnische Landwirte, die keine kontaminierten Pflanzen ernten wollen. Polen hat sich gegen Agro-Gentechnik ausgesprochen und die Bauern an der Grenze zu Deutschland sind nicht besonders gut darauf zu sprechen, dass ausgerechnet hier die meisten, teilweise bis zu 50 Hektar großen Genfelder bewirtschaftet werden.

Welchen Erfolg wünschen Sie den Feldbefreiungen im Juni und Juli?
Die Bewegung gegen Agro-Gentechnik soll stärker werden und noch viele Genfelder öffentlich befreien. Wir wollen die Politiker so stark unter Druck setzen, dass sie den Willen der Bevölkerung endlich umsetzen. Wir wollen keine Gentechnik und wir lassen nicht zu, dass man unser Saatgut verschmutzt.
[Interview: Helena Obermayr]

Michael Grolm ist Pressesprecher der Aktion Freiwillige Feldbefreiung Gendreck-weg.de
Kontakt: Fon +49/74 72/28 17 27, E-Mail presse@gendreck-weg.de