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Skandal: Antisexistische Praxis vor der Revolution entdeckt!

Eine nüchterne Bilanz antisexistischer Politik gibt zum Jubeln wenig Anlass: Die vorherrschende antisexistische Praxis stärkt Zweigeschlechtlichkeit statt sie zu schwächen. Sie baut auf kollektive Strukturen und Ausgrenzung statt auf Selbstorganisierung und direkter Intervention. Über den Dunstkreis der eigenen Szene hinaus gibt es kaum gesellschaftliche Wirkung - Aktionskonzepte und Strategien, um offensiv Gegenbilder zu Patriarchat und Herrschaft zu thematisieren, werden nicht diskutiert.

Von Geburt an werden Menschen darauf zugerichtet, einem der zwei vorgegebenen Geschlechter zu entsprechen und die entsprechende Sexualität zu entwickeln. Wer ohne eindeutige Geschlechtsmerkmale auf die Welt kommt, wird chirurgisch und hormonell angepasst. Solche Gewalt ist allerdings nur selten nötig: Ob Medien, Spielzeug, Wissenschaft oder Stammtischgespräch die zweigeschlechtliche Norm durchzieht Gesellschaft bis in die letzten Winkel. Völlig selbstverständlich reproduzieren (fast) alle Menschen in ihrem Alltag die typischen Rollenlogiken. Da, wo überhaupt noch Bewusstsein besteht, fehlt leider Phantasie, der Mut zum Ungewohnten und der Wille zu herrschaftskritischem Handeln - ein kritischer Blick auf antisexistische Politik.

Im schlimmsten, aber gar nicht so seltenen Fall, soll Ausgrenzung die antisexistische Reinheit garantieren - ungewollt wird dadurch der Blick noch stärker auf die Spitzen des Eisberges, z.B. Vergewaltigungen fixiert. Im besten Fall setzen sich Vorschläge durch, welche die zweigeschlechtliche Ordnung sogar bestärken, z.B. Quotierung nach Geschlecht oder gesonderte Frauen-Bereiche, -Parkplätze, -Klos und -Duschen. Es geht nicht darum, den Sinn von Frauenräumen in Frage zu stellen. Enttäuschend daran ist vor allem, dass gar keine weitergehenden Ansätze diskutiert oder ausprobiert werden bzw. auf den Tag nach der Revolution verschoben werden. Inzwischen besteht nicht einmal die Bereitschaft, neuen Leuten klar zu machen, warum mensch keinen Bock auf Patriarchat und ähnlichen Unsinn hat.

Wir träumen von etwas ganz anderem ... die Vision: Statt der oft arroganten Verteidigung von Standards steht die kontinuierliche Debatte und Weiterentwicklung antisexistischer Praxis im Mittelpunkt. Anstatt in Feuerwehr--Manier auf den nächsten Übergriff zu warten werden Wege gesucht, bereits die subtilen Sexismen anzugehen. Statt langweiligen Resolutionen und szenigen Events gibt es überall ein Feuerwerk kreativer Aktionen gegen Sexismus und die zweigeschlechtliche Ordnung. Camps, Kongresse, linke Zentren usw. könnten dann so aussehen: Damit nicht mehr Plena oder andere Kollektive, sondern konkrete Menschen agieren können, gibt es in der Anfangsphase Trainings bzw. Workshops, welche die Handlungsfähigkeit der Einzelnen stärken sollen - viele kleine Runden „trainieren“ sich gegenseitig, den Blick für subtile Sexismen und andere Formen von Diskriminierung zu schärfen oder bei Übergriffen direkt zu intervenieren. Überall gibt es ganz unterschiedliche Lösungen: Schlafräume für alle un-möglichen Geschlechter, Klos für Rock- und HosenträgerInnen oder Duschen, bei denen per Ampel signalisiert werden kann, was mensch gerade will bzw. nicht will (z.B. alleine duschen). Sie entspringen den Bedürfnissen konkreter Menschen ohne Verweis auf Geschlecht oder andere Konstruktionen.

Statt dem Abfeiern des Erreichten entstünde ein offener Prozess der vielen Möglichkeiten - es wird Zeit, endlich damit anzufangen ... „Sie können antisexistische Praxis jetzt neu starten!“ Ein paar Bausteine dazu möchten wir auch beitragen ...

Mehr Infos:
Kontaktaufnahme sehr erwünscht: Fuck Gender!, Ludwigstr. 11, 35447 Saasen, 06401-903283, "zuschreibungen ätt web.de"

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