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Thesen

1) Geschlecht Ist ein Konstrukt.

Dies gilt für das biologische, das soziale und das sexuelle Geschlecht. Das heißt es gibt keine vorgesellschaftliche Festlegung auf eine eindeutige Zuordnung von zwei Geschlechtern. Insbesondere gilt das biologisches, sexuelles und soziales Geschlecht nicht übereinstimmen müssen. Das heißt im Gegensatz zur zweigeschlechtlichen Gleichmacherei ist jede/r Mensch unterschiedlich.

Für diese Aussage gibt es; - Historische Belege Geschlecht wird in Laufe der Geschichte ganz unterschiedlich begriffen. Was als weiblich/männlich angesehen wird, weiche Verhaltensweisen, welche Sexualität und wo die Grenze zwischen den Geschlechtern verläuft ist selbst in der europäischen Geschichte unterschiedlich, Für das biologische Geschlecht gilt z.B. in Europa allein für die letzten 100 Jahre, daß die Definition von einer morphologischen zu einer genetischen übergeht und zur Zeit die Tendenz hin zu einer neurologischen Definition besteht. Morphologisches, genetisches und neurologisches Geschlecht sind aber nicht immer identisch. Es gibt auch Untersuchungen zur historischen Herausbildung der Mutterliebe und der Erfindung der Kindheit. Beides wird üblicherweise für Europa auf das 17te bis 18te Jahrhundert datiert.

- Ethnologische Belege
Es gibt eine Reihe von Kulturen, die mehr als zwei Geschlechter kennen, bzw. in denen andere Zuordnungen stattfinden (Ein "Geschlecht" für Kinder bis zur Pubertät, ein "Geschlecht" für gebärfähige Frauen, ein "Geschlecht' für jüngere Männer, und ein "Geschlecht' für ältere Frauen und ältere Männer)

- Ethnomethodologische Belege
Untersuchungen unserer Kultur unter ethnologischen Gesichtspunkten zeigen das es nicht eine Männlichkeit gibt sondern viele unterschiedliche Arten von Männlichkeit z.B. nach Schichtzugehörigkeit und Status. Dabei gelten bestimmte Attribute von Männlichkeit aus der einen Gruppe in der anderen nicht selten als weiblich (Z.B. zurückgenommener Körperhabitus).

- Politische Gründe
Vor allem Menschen, die aus diesen Kategorien herausfallen oder raus wollen, die ja, wenn es sich um natürliche Bedürfnisse handeln würde, gar nicht existieren dürften (Es gibt z.B. keine politische Gruppe von Menschen, die sich weigern zu atmen), haben auf den Zwang und die Gewalt, die in Zuweisungspraxen liegt hingewiesen. Auch die feministische Bewegung hat viele Zuweisungen als Zumutungen entlarvt.

- Belege aus Medizin, Psychologie, Biologie, Genetik usw.
Keine Wissenschaft ist heute in der Lage intern ein allgemeingültiges Einverständnis über Definitionen in diesem Bereich zu ereichen. Zu jeder wissenschaftlichen Aussage gibt es Gegenaussagen.

- Erfahrungswissen
Es ist mir keine einzige Kultur bekannt in der die eindeutige Aufteilung in zwei Geschlechter ohne Ausnahmen funktioniert, Insbesondere ist es nicht möglich in allen Fällen das biologische, das soziale und das sexuelle Geschlecht in Obereinstimmung zu bringen, soweit eine Zuordnung zu diesen Kategorien überhaupt möglich ist.

- usw.

2) Die zweigeschlechtliche heterosexistische Ordnung wird gewaltsam und machtförmig produziert und produziert Differenzierungen, die Aufrechterhaltung und den Ausbau von Macht- und Herrschaftsverhältnissen

Geschlecht wird produziert durch eine Unzahl an Einwirkungen auf die Menschen, juristische Satzungen, medizinische Festlegungen und operative Praxen, Körperstyling, Erziehung, Familienverhältnisse und die bürgerliche Form der Subjektgenese, Medien, direkte Gewalt, sexuelle Gewalt, und ...

Das dem so ist kann vor allem an der dogmatischen Unflexibilität dieser Machtausübungen gegenüber Abweichungen gesehen werden. Wäre Geschlecht natürlich gegeben, dann wären Abweichungen als Einzelfälle keine Bedrohung und könnten toleriert werden. Einzelfälle werden aber als Gefahr für das gesamte System begriffen, was sie aufgrund der Konstruktion von Geschlecht auch real sind. Ein Beispiel ist die höchstrichterliche Rechtssprechung in Deutschland zur Frage der Geschlechtszuweisung, so wurde Intersexuellen ein Eintrag der weder männlich noch weiblich ist verweigert und Transsexuelle können nur nach Operation eine Personenstandsänderung vornehmen lassen. Begründet wurde dies damit, daß das gesamte Rechtssystem geschlechtliche Unterscheidungen vorsieht und eine eindeutige Zuordnung notwendig macht. Nach höchstrichterlichem Urteil sind Menschen also in der BRD vor dem Gesetz nicht gleich, sondern werden als Männer oder Frauen unterschiedlich behandelt. Damit legitimiert das heterosexistische Geschlechterverhältnis selbst die Macht- und Herrschaftsverhältnisse die dieses Geschlechterverhältnis produzieren. Macht, Gewalt und die heterosexistische Ordnung bilden einen sich selbst verstärkenden Zirkel.

3) In der Moderne wird Geschlecht zunehmend in den Innenraum des neugeschaffenen Subjektes verlagert und gleichzeitig biologisch medizinisch verkörperlicht.

Im Mittelalter wurde Geschlecht primär aufgrund von Kleidung zugeordnet. Frauen, daß heißt Menschen, die wir nach unseren Maßstäben als Frauen bezeichnen würden, lebten nachweislich zum Teil ihr Leben lang, teils sogar verheiratet, als Männer. Sie fuhren z.B. zur See, wo sie auf engstem Raum mit anderen Männern zusammenlebten ohne das sie als Frauen wahrgenommen worden wären. Mit der Herausbildung des modernen bürgerlichen Subjektes wurden viele vorher äußerlich erzwungene Verhaltensnormen internalisiert und gleichzeitig eine klar getrennte Biologisierung der vergeschlechtlichten Körper vorangetrieben einhergehend mit entsprechenden Praxen der Körperformierungen (z.B. Korsett). Ohne medizinische operative und medikamentöse (Hormonpräparate/ Wachstumsbremsen für Frauen/Kindergynäkologie/Operationen/ usw.) Eingriffe und die Praxen der Körperformierung, z.B. Bodybuilding, Diäten, Enthaarung, Bewegungsdressur würden Menschen sich nackt sehr viel weniger eindeutig geschlechtlich unterscheiden lassen als sie es heute tun. Und auch heute sind die meisten Männer und Frauen sich einander sehr viel ähnlicher als den in der Öffentlichkeit repräsentierten Frauen und Männerkörpern in Werbung und Pornographie.

Widerstandsideen

Der Widerstand gegen Sexismus muß immer sowohl an den Gewalt- und Machtpraxen ansetzen, die sich primär gegen Frauen richten, aber auch gegen abweichende Männer und Kinder, wie auch an der Unterminierung der zweigeschlechtlichen heterosexuellen Ordnung.

Ich habe vor die eine oder andere Idee in Berlin umzusetzen zu versuchen, aber vorstellbar wäre falls Interesse besteht ja auch eine überregionale Gruppe zu bilden, oder dies zu versuchen.

Ansonsten sind dies einfach Ideen, Zum Teil wurden sie auch auf dem letzten A-Camp diskutiert.

(Text von Jörg Djuren)




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