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Direct-Action: Kreativ gegen Nazis

Antifaschismus und kreative Widerstandsstrategien

Antifa ist immer noch eines der Politikfelder, das in linken Strukturen anhaltende Zugkraft entwickelt. Wie in anderen Bewegungszusammenhängen dominieren auch hier eingefahrene Aktionsmuster – zumeist Demos oder Kundgebungen – die für viele dauerhaft wenig motivierend und erfolgsversprechend wirken. Dieser Text will daher ein paar Anregungen für eine kreative Antifa-Praxis vermitteln, die aber sicher auch auf andere Felder politischer Auseinandersetzung bezogen werden können.

Emanzipatorisches Politikverständnis, Gewalt und Reflektion
Problematisch ist, wenn Nazis ausschließlich auf den Ebenen begegnet wird, die zu ihrem ureigensten „Repertoire“ (z.B. Schlägereien) gehören. Im schlechtesten Fall werden damit ihre eigenen Logiken wie Mackertum und männerbündisches Verhalten gestärkt – auch bei denen, die sich gegen Nazis und rechte Ideologien wenden. Ein Nazi, der von Antifas verprügelt wird, kann sich in einer Kameradschaft als Opfer stilisieren. Es könnte daher deutlich demoralisierender für einen Nazi-Obermacker sein, mit Parfüm besprüht, pink angemalt und mit Antifa-Symbolen bestückt zu werden – also Mackertum selbst anzugreifen als dieses zu bestätigen.
Aus diesen kritischen Anmerkungen gegenüber dem „Vermöbeln“ von Nazis leitet sich daraus kein dogmatische Nein gegenüber Gewalt ab. Gewaltfreiheit per se als das richtige zu feiern ist ähnlich absurd wie der Militanz-Kult in manchen autonomen Kreisen. Wichtig ist die ständige Reflektion, welches Mittel in welcher Situation sinnvoll ist. Den eigenen Kopf einsetzen und überlegen, ob eine Aktion emanzipatorischen Ansprüchen gerecht wird, d.h. wird Herrschaft verringert oder gestärkt. Als unmittelbarer Selbstschutz bei Nazi-Übergriffen ist auch Gewalt legitim, da es darum geht, eine Unterdrückungssituation zu beenden. Anders sieht es aus, wenn eine größere Gruppe Antifas aus einer klaren Überlegenheit heraus einen einzelnen Nazi krankenhausreif prügelt – dann kommt die Gewalt selbst „von oben“ und baut eine eigene Machtposition auf, anstatt diese abzuschaffen.
Emanzipatorische Politik unterscheidet sich immer deutlich von dem, was Nazis oder rechte Gruppen wollen. In den Aktionsformen sollte daher deutlich werden, wofür die Nazis stehen – und was die Utopie einer Welt wäre, in der Menschen ohne Angst verschieden sein können. Gerade bei öffentlichen Anlässen müssen die Unterschiede zu den Nazis erkennbar sein – ein bunter Aufzug verschiedenster Aktionsgruppen mit Tanz, Musik, Samba- und Theatergruppen wirkt deutlich offener als eine normale, von uniformierten Blöcken geprägte Demo. (unabhängig davon, dass uniforme Kleidung auch als Selbstschutz dienen kann, um von der Polizei nicht identifiziert werden zu können).

Subversiv und unberechenbar werden
Viele Antifa-Aktionen folgen einer linearen, „militärischen“ Logik, d.h. es geht darum, die Nazis durch die eigene Überzahl zu „schlagen“. Das ist schade, da dadurch viel Energie gebunden wird und politische Aktionen so immer in gewohnten Bahnen wandelt, berechenbar wird – statt zu überlegen, ob rechte Zusammenhänge nicht auch gegen sich selbst gewendet werden können. Gerade gegenüber schwerfälligen, hierarchischen Strukturen mit ausgeprägtem Führerprinzip können subversive Aktionsansätze deutlich destabilisierende und irritierende Wirkung entfalten. Zum Beispiel könnte mittels gefälschten Aufrufen („Fakes“) Streits zwischen einzelnen Nazi-Gruppen simuliert werden, zwischen denen es ja ohnehin viele Grabenkämpfe gibt. So könnte die NPD einen Text verbreiten, in dem sie vorschlägt, den anstehenden Aufmarsch mit einer klaren Position gegen der „Volksgesundheit“ schadende Drogen zu verbinden und dabei den Schwerpunkt auf Alkohol zu legen. Eine Burschenschaft fordert daraufhin den Ausschluss der NPD und distanziert sich von dem Aufmarsch usw. Kommunikationsguerilla und Fakes könnten eine deutliche Bereicherung der Antifa-Arbeit darstellen und diese gerade auch für Menschen interessant machen, die den vorherrschenden Aktionsstilen in Antifa-Zusammenhängen kritisch gegenüber stehen.

Handlungsfähigkeit aufbauen
Es wirkt wie ein ewiger Kreislauf: ab und zu gelingt es aus Demos heraus, den Nazis ihre Show zu vermasseln, dann folgen weitere, wo ein riesiges Polizeiaufgebot alles völlig im Griff hat. Die Reaktion darauf sind häufig dezentrale Aktionen, deren Vorbereitung dann dazu führt, dass wieder Demos gemacht werden. Statt dieser Endlosspirale wäre zu wünschen, dass auf Autonomie und Selbstorganisation setzende Aktionskonzepte ernsthaft umgesetzt werden. Dezentrale Aktionen setzen Handlungsfähigkeit der einzelnen Teilgruppen sowie eine hohe Transparenz voraus: so könnten vor einem Aufmarsch ein Stadtplan mit Routen und wichtigen Zielen veröffentlicht werden. Auf Direct Action Trainings könnten Ideen gesammelt und ausprobiert werden – wie werden Polizeikette durchbrochen, wie lassen sich Nazi-Autos lahm legen, wie vermitteln sich die Gegenaktivitäten nach außen. Eine Aktionsplattform mit Materialien, Workshops usw. kurz vor und während des Aufmarsches könnte Möglichkeiten bieten, Aktionen vorzubereiten und sich mit anderen Gruppen zu koordinieren.

Aus dem Direct-Action-Kalender 2006

Bericht

unter dem motto „wischi-waschi-weg-die faschis“ (war erst „weg den faschi“ aber nicht alle fasch@s sehen sich selbst als maennlich, so reimts sich aber nicht mehr richtig - meine idee jetzt grade: wischi-waschi-schluss-mit-faschi oder so was) wollten 8 menschen als putzmenschen verkleidet die fasch@s „wegputzen“.  grosses transpi wurde gemalt, passende kleidung beim second-handler gekauft, und dann gings mit besen, wischmops, wassereimern, spruehflaschen (so wassserzerstaeuber), lappen usw. und entsprechendem outfit auf zum npd-„infostand“. Dort angekommen stießen die putzis auf jubel bei der schwarz-bunten bande, ein „das ist doch mal lustig“ von nem bullen (ohrenzeugen-bericht) und ziemlich verwirrte nazis.  Der versuch, durch die bullenkette zu kommen (wir haben hier inner umgebung immer ne 100schaft bei solchen sachen), weil mensch dort nen putzauftrag habe, wurde natuerlich nicht ganz ernst genommen. dabei hat mensch den dreck schon von weitem aufa  strasse liegen sehen!  also wurden erst mal bullenvisiere mit wasser besprueht, dann mit nem lappen druebergeputzt, schienen ja einige aufm rechten auge blind zu sein...  dann viel lustige verarschung, irgendwann wurden die bullen echt sauer („hier nehmen se mal den lappen hier, wollen sie dem einsatzleiter nicht mal die schuhe putzen, sie sind hier sonst ziemlich ueberfluessig“ - „jetzt reichts aber!!!“...).
noch son paar ideen und gedanken dazu; erstmal, ists nicht grad fortschrittlich wenn sich alle als „putzfrauen“ verkleiden und den job so als rein weiblich konstruieren. putzmenschen halt, keine frauenarbeit... (war bei einigen nicht ganz klar hier, ist schon ne zwiespaeltige sache sich als typ ausgerechnet bei so was nen rock anzuziehen) irgendwann viel auch den putzis nicht mehr viel mehr ein als sich parolisierend dazuzustellen. mensch haette mit chilliger tanzmusik, viel konfetti (oder: hab grad n altes federkissen vorm muell retten koennen, der inhalt kommt auch nicht schlecht), viel guter laune, und mehr mitmacherinnen den nazis von vorne bis hinten „die schau stehlen“ koennen (so pinky-maessig, ne putzmenschenparty neben dem npd stand, gleichzeitig immer wieder den anspruch artikulieren, die nasen da weg haben zu wolln, sonst steht mensch da wie die ig-metall letztens in osnabrueck; alle dachten die und die npd zusammen wuerden nen info-stand machen, weil die sich mit ihren tollen faehnchen einfach daneben gestellt haben; aber wenn da voll die geile party abgeht, wird schon keiner drauf kommen das wir da was mit zu tun haetten)

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