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Bildung(skritik)

Auf dieser Seite: Aktionen an der Uni ++ Schule ++ Weitere Beispiele ++ Links

Im Unialltag nicht abstumpfen

Gegen Studiengebühren sind viele. So ist es verständlich, dass es grad bei diesem Thema zu großen Protesten kommt. Doch die Universität ist bereits jetzt in ihrem Alltag nicht besonders frei: auf Verwertungslogik ausgerichtet, voll mit Hierarchien, Kontrollen und absurden Regeln. Bereits einfache direkte Aktionen können im Unialltag können einigen Staub aufwirbeln - oft mehr als eine Demo.

Anwesenheitsliste

In vielen Seminaren kursieren Anwesenheitslisten und zwingen zur körperlichen Anwesenheit. Diese lassen sich vielfältig sabotieren: klauen ist am direktesten. Noch schöner, wenn hinterher ein Bekennerinnenschreiben bei der Dozentin eintrifft. Die Erfahrung zeigt, dass dies in der Regel sogar verlesen wird, und so für einigen Gesprächsstoff sorgt.
Oder am Anfang des Semesters aufstehen, und erklären, dass mensch die Liste ignorieren werde, und warum. Oder ganz einfach, aber ohne politische Wirkung: Unterschreibgemeinschaften bilden. Immer eine Anwesende unterschreibt für die Abwesenden mit. Oder alle vorhandenen Unterschriften durchstreichen, dann fehlt die Kontrolle, wer sich danach eingetragen hat.

Hierarchien

Fast alle Veranstaltungen sind extrem dominiert von der Dozentin. Das liegt nicht nur an ihr, sondern in der Regel auch an den Studis. Wie wäre es, am Anfang eines Seminars eine Debatte darüber anzuzetteln? ...über Anwesenheitspflicht? ...über Diskussionsmethoden? Warum sitzen eigentlich fast immer alle in Reihen? Warum ist oft nur das, was die Dozentin sagt, wichtig? Wieso verlaufen fast alle Seminare nach starren Mustern?
Das mag nicht besonders revolutionär sein, kann aber für viele apolitische Studis der erste Schritt sein, Bestehendes in Frage zu stellen. Unter Umständen rennt mensch jedoch damit offene Türen ein: gerade im Umbau zur neoliberalen Uni ist z.B. „projektbezogenes Lernen“ der große Renner. Deshalb gilt es, nicht bei den Lernformen stehenzubleiben, sondern auch andere Inhalte einzubringen. Hierarchiearme Lernformen sind keine Garantie für emanzipatorisches Handeln, aber eine wesentliche Voraussetzung dafür.

Wissenschaftskritik

Wissenschaft ist nie „objektiv“, fast immer ist sie gegenwärtig mit Verwertungs- und Herrschaftsinteressen, mit sexistischen und rassistischen Ideologiefragmenten durchsetzt. Das zu thematisieren, ist nicht immer leicht. Einfach, aber mit enormer Wirkung: ein Flugblatt, das sich mit Inhalten und Methoden einer Vorlesung kritisch auseinandersetzt, und während einer langweiligen Veranstaltung kursiert, kann enorme Aufmerksamkeit erhalten. Überhaupt Lesestoff: Aufrufe zu Demos, Aufkleber - was einmal durch die Reihen geht, wird verteilt.

Selbstorganisation

Ein Modell, wie Bildung jenseits gegenwärtiger Unistrukturen, funktionieren könnte, sind selbstorganisierte oder autonome Seminare. Hier besteht aber auch enorme Vereinnahmungsgefahr: sehr leicht können selbstorganisierte Seminare dazu dienen, den Stellenabbau an der Uni aufzufangen. Das droht gerade dann, wenn selbstorganisierte Seminare als "Nachhilfestunde" für die „richtigen“ Lehrveranstaltungen verstanden werden.

Dagegen kann helfen:

Erst wo aus Selbstorganisation Widerstand gegen die aktuelle (Uni)politik erwächst, wird's richtig spannend: aus dem Studi-Streik 2003 in Berlin wurden zwei Räume besetzt. Aus der kleinen Aktion wurde schließlich ein ganzes Haus - die Offene Uni Berlins. Genutzt von Studierenden, feiernden Partygästen, debattierenden Politgruppen und nächtigenden Obdachlosen ist die OUBS das einzige Projekt in Berlin, das trotz Räumungsbedrohung den damaligen Unistreik überdauert hat. Probleme mit der Offenheit gibts mehr als genug, doch erst aus dieser Offenheit kann auch Neues erwachsen. (Links zu Gegenuniprojekten: www.coforum.de/?SelbstorganisierteSeminare)

Bildungssyndikat

"Bildungssyndikate" sind der Versuch, eine anarchistische Gewerkschaft für SchülerInnen, Studierende und Lehrende zu schaffen. In verschiedenen Städten gibt es Gruppen (eine Übersicht: www.fau.org/syndikate/bsy2/). Deren Praxis ist oft nicht so spektakulär, doch können sich hier Ansätze für mehr Aktionen finden.
Und an weiteren Aktionsfeldern besteht kein Mangel: Werbung an der Uni, Messen auf denen Unternehmen um Arbeitskräfte werben, Burschenschaften...

Und an der Schule?

Ideen finden sich in einer Broschüre: www.de.anarchopedia.org/index.php/Projekte:Schulaktionen

Direktes Handeln in der Schule

„In der Schule lernt man fürs Leben, nicht für die Lehrer!“ Leider stimmt dieser Satz, denn die Hauptaufgabe der Schule ist nicht die Wissensvermittlung, sondern die Konditionierung der Schülis auf ein herrschaftskonformes Leben. Deshalb sind Herrschaft und Autorität in der Schule deutlich spürbar. Doch das macht Schule spannend: Es gibt viele Möglichkeiten, Unterdrückung zu thematisieren, um aus jeder Schulstunde eine Aktion zu machen.

„Thomsen! Die Vokabeln für heute!“ „Äh, also...“ „Wie, Sie haben sie nicht gelernt?“ „Äh doch, aber...“ „Aber Sie können sie nicht! Das ist nicht gelernt! Thomsen, Thomsen, was soll ich mit ihnen nur machen! Ständig zu spät, und dann ihre Haare! Aber ihr Bruder ist ja auch nix geworden. So Lena, zeigen sie diesem Sauhaufen hier mal, wie das geht!“

Wege aus der Hilflosigkeit

Eine typische Situation, die zeigt, wie Schülis in scheinbar ausweglose Situationen gedrängt werden. Die erste Reaktion darauf ist häufig Empörung in der Pause, eventuell wird noch die „VertrauenslehrerIn“ eingeschaltet. Das führt dann meistens zu nichts, weil die typischen Beschwerdeinstanzen (Schülivertretung, „Vertrauenslehris") keine Durchsetzungsmöglichkeiten haben. Selbst an meiner Schule, wo die SV-Heinis echt bemüht waren, aus ihrer systemimmanenten Handlungsunfähigkeit auszubrechen, ist dies kaum gelungen. Der einzige Punkt, wo das klappte, war die Schülizeitung, in der Fälle wie oben gnadenlos ausgewalzt und mit allen Klopperkommentaren von Schulleitung, Lehris etc. veröffentlicht wurden. Dies führte allerdings nicht zu weniger Herrschaft, sondern lediglich zu Privilegien: Nur der individuelle Handlungsspielraum für die Zeitungsheinis erweiterte sich. Daran zeigt sich, dass Schülizeitungen gut und wichtig für Gegenöffentlichkeit sind, aber nicht per se bessere Verhältnisse schaffen. Und SV-Menschen müssen schon sehr frech und abgebrüht sein, um ihren Job so wenig ernst zu nehmen, das sie damit ernsthaften Widerstand leisten, und nicht nur die tolle demokratische Fassade der Schule schönen.

Wieder handlungsfähig werden

„Thomsen! Sie sind schon wieder 3 Minuten zu spät!“ „Ja, aber natürlich. Es gibt in meinem Leben ja auch mehr, als mich sinnlos anschreien zu lassen.“ Haben Sie die Hausaufgaben!“ „Aber Herr Meier, sie wissen doch, das ich aus Prinzip keine Hausaufgaben mache, weil ich Dinge verstehen möchte, und nicht nur sinnlos auswendig lerne.“ „Und äh letzte Stunde, wo waren sie da?“ „Am Strand in der Sonne. Wann ich Latein lerne, kann ich mir aussuchen, wann die Sonne scheint, leider nicht.“ „Äh ja, dafür gibt es jetzt aber einen Strich!“ „OK, wenn sie sich dann besser fühlen. Sie dürfen das nächste Mal aber gerne mitkommen. Am Strand ist genug Platz für alle.“

Repression in Kommunikation wandeln

Solchen Gesprächsansätzen liegt zugrunde, dass sie Absurditäten thematisieren, die sonst auch vorhanden sind, aber wie selbstverständlich hingenommen werden. Und damdurch, dass mensch diesen Herrschaftsquatsch thematisiert, läuft gleichzeitig die Repression ins Leere. Erst recht passiert dies, wenn mensch auch noch Repression einfordert: „Machen Sie jetzt einen Strich? Wird davon der Unterricht besser? Bringt Ihnen das Spaß?“ „Ist ihre Note - nicht meine! Die Note sagt nix über meine Fähigkeiten aus, aber sehr viel über Ihre.“ etc. Die Möglichkeiten in der Schule Herrschaft und Repression zu thematisieren, sind schier unendlich.

Unterdrückungsmaßnahmen thematisieren

Ein weitere spannender Ansatz ist die Thematisierung konkreter Unterdrückungsmaßnahmen. Zum Beispiel im Unterricht demonstrativ sein Frühstück auspacken, mit Serviette, Kaffeetasse, Besteck und darauf warten, dass die Leerkraft zu pöbeln anfängt. Dann fragen, warum es sinnvoll sei, nicht zu essen, wenn mensch Hunger habe. „Dann können Sie sich nicht auf den Unterricht konzentrieren!“ „Mit Hunger bin ich aber noch weniger in der Lage, mich zu konzentrieren.“ „Aber wenn das Alle machen würden!“ „Dann könnten alle viel besser lernen! Zumal ich nicht sehe, dass Frühstück den Unterricht behindert, sondern erst Ihr Ausrasten den Unterricht unterbrochen hat.“ Und dann lässt sich wunderbar einsteigen in generelle Herrschaftskritik, weil ja offensichtlich sei, dass das Essverbot dem Unterricht schade und nur zur Disziplinierung diene.

Zu Risiken und Nebenwirkungen

Lehris sind unter ihrer Charaktermaske Menschen! Nie vergessen! Es geht nicht darum, einem Menschen seinen Beruf zur Hölle zur machen, sondern Herrschaft zu thematisieren. Bitte immer eine Grenze zwischen Menschen platt machen und Herrschaftskritik ziehen. Und zu viele Schulis sind Radfahrer. Egoistische kleine fiese Radfahrer, die nach oben buckeln und nach unten treten. Nix tun sie lieber als auf schwache Menschen einzuprügeln (mobben). Dies zeigt sich leider auch an als gesellschaftlich „schwach“ konstruierten Lehris, die im Unterricht oft mit gnadenlosem Psychoterror überzogen werden. Das darf durch herrschaftskritisches Handeln nicht gestärkt werden. Vielmehr muss es immer Ziel sein, Schwächere zu stützen, Herrschaft zu thematisieren und abzubauen, statt eine neue Gewaltsituation aufzumachen.

Beispiele und Ideen

Text aus dem Direct-Action-Kalender 2006

Beispiele und Ideen

Liste aus den Unistreiks 2004 in Gießen und Marburg
Links zu Aktionsberichten auf der Beispielseite zu Direct-Action ++ speziell zu Bildung ++ Kommunikationsguerilla an der Uni
Aktionsberichte

Links zur Bildungskritik