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Direct-Action: Überidentifikation

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Überidentifikation meint die übertriebene, aber in der Regel gerade noch ernst genommene Übernahme der eigentlich kritisierten Position, also die Meinung des politischen Gegners. Durch die gesteigerte Präsentation, z.B. unter Offenlegung der dahinter stehenden Interessen, kann so diese Position diskreditiert werden. Mögliche Formen sind:

Notizen zur Positiven Subversion

Wer seinen Feind umarmt, macht ihn bewegungsunfähig. Wolfgang Neuss

Den Begriff »Positive Subversion« benutze ich noch nicht lange. Ich weiß noch nicht mal, ob ich ihn irgendwo aufgeschnappt habe oder ob er sich im eigenen Kopf zusammengesetzt hat. Ist auch unwichtig. Die Methode dagegen kenne ich schon seit der Schulzeit.
Damals waren wir als Klasse für unsere »mangelnde Beteiligung am Unterricht« bekannt. Zuweilen legten wir großen Eifer an den Tag und diskutierten höchst engagiert. Allerdings gelangten wir dann sehr schnell von der inneren Zerrissenheit des Prinzen von Homburg zum Kaliber von Musketen oder ähnlichem. Wollte der Lehrer uns stoppen, versuchten wir die Relevanz solcher Fragen nachzuweisen. Wurde auch das unterbunden, zeigten wir uns empört und beleidigt: »Sonst heißt es immer, wir beteiligten uns nicht. Wenn wir es tun, ist das auch nicht richtig. Kein Wunder, daß wir da keine Lust haben« usw.
Später, bei der Bundeswehr, begegnete mir die Methode erneut. Man führte bestimmte Befehle einfach wörtlich durch, war übergehorsam und damit nicht bestrafbar. Unteroffizier XY hatte ja befohlen.
Noch später, zu einer Zeit, als auch auf Deutschlands Straßen und Plätzen zuweilen öffentlich diskutiert wurde, lernte ich eine weitere Variante kennen. Ich vertrat die Meinung, die meiner nicht entsprach, die Position, gegen die ich anging. Und die führte ich durch kleine, aber feine Übertreibungen und Verdrehungen ad absurdum, ohne sie auch im mindesten zu kritisieren. Das war oft sehr wirksam - einmal wurde ich von einem zackigen Militaristen zur Seite genommen. Er vertraute mir an, es sei zwar alles richtig, was ich sage, aber darüber solle man doch nicht in der Öffentlichkeit reden! (Fremde Meinungen zu vertreten, schult übrigens nicht nur das Hirn und lehrt Widersprüche zu erkennen, man lernt auch, daß jeder Position ein gerüttelt Maß Absurdität innewohnt - auch der eigenen.)
Doch zurück zum Begriff »Positive Subversion«: Er bedeutet, gegen eine Sache oder Zustände anzutreten, indem man sie scheinbar unterstützt. Nicht kritisch zu attackieren, sondern durch Eifer und Bejahung zu ersetzen.
Schön an der Positiven Subversion ist, daß sie Spaß macht und das Herz erfreut. Nicht umsonst steht sie in enger Verwandtschaft zu Dada-Aktionen, Happenings, Yippietum und Spaßguerilla. Zu ihren Ahnen zählen Till Eulenspiegel und Schwejk. Die Positive Subversion weicht der offenen Konfrontation aus, zeigt sich nie als sichtbare Aufsässigkeit. Im Gegenteil!

Verhalten nach Vorschrift

Die in Deutschland bekannteste Form der Positiven Subversion ist der »Dienst nach Vorschrift«, der hierzulande als angebliche Auseinandersetzungsform privilegierter Beamter etwas scheel angesehen wird. Daß gerade Staatsdiener zu dieser Methode greifen können, liegt weniger an ihren sicher vorhandenen Privilegien, sondern am Charakter des Apparates, in dem sie beschäftigt sind.
Ich ziehe den Ausdruck »Arbeit nach Vorschrift« vor, »Dienst« klingt zu sehr nach Beamten und Soldaten. Das zeigt aber, wie differenziert diese Kampfform wahrgenommen wurde. »Dienst nach Vorschrift« bei den besser gestellten Gehaltsempfängern - bei den einfachen Arbeitern hieße sowas allemal Sabotage und Leistungsverweigerung.
Die Industrial Workers of the Worid, eine der wenigen Organisationen der Arbeiterbewegung, die offen Sabotage propagierte, zählte den Dienst nach Vorschrift denn auch zu den Methoden der »Proletarischen Sabotage«.
Arbeit nach Vorschrift beruht auf der Tatsache, daß an jedem Arbeitsplatz in jeder gesellschaftlichen Organisation (sei es Fabrik oder Bundesbahn, Armee oder Großraumbüro) Vorschriften gelten. Ge- und Verbote aller Art, Gesetze, Hausordnungen, Dienstanweisungen, Arbeitssicherheitsbestimmungen und und und. Vom unmittelbaren Vorgesetzten bis hin zur Regierung tut jeder etwas dazu. Ein Teil solcher Vorschriften ist immer überholt und unsinnig, manche widersprechen sich.
Im »Normalbetrieb« werden sie einfach nicht beachtet, das wäre viel zu kompliziert. Sicherheitsbestimmungen werden zum Beispiel allerorten bewußt übergangen, um die Arbeitsleistung zu erhöhen. Wenn dann ein Unfall passiert, wird die Verantwortung auf den Einzelnen geschoben, der die Vorschriften nicht beachtet hat. Wie bei den LKWFahrern, die sich nach zwölf Stunden ununterbrochener Raserei nicht mehr konzentrieren können. Dabei ist es ein offenes Geheimnis, daß Fahrer, die sich auf solche gefährlichen Spielchen nicht einlassen, oft einfach entlassen werden. Bei der Arbeit nach Vorschrift wird der Spieß umgedreht. Möglichst jede Regel, jedes Ge- und Verbot wird beachtet. Je mehr Regeln existieren, desto umständlicher und langwieriger wird bald jeder sonst noch so einfache Vorgang. Je mehr Regeln existieren, desto mehr widersprechen sie sich aber auch. Das muß natürlich geklärt werden, ehe man aktiv werden kann. Aber wer ist zuständig, wer darf entscheiden? Wie ist das wieder geregelt, usw.

Beschwerden an Behörden u.ä.

Bürokratische, zentralistische und hierarchische Institutionen neigen dazu, dauernd Verfügungen zu erlassen in dem Bestreben, alles zu regeln. Damit schaffen sie,die Voraussetzungen für völlige Verwirrung.
Sehr schön ist, daß bei den meisten Behörden vorgeschrieben ist, in welcher Frist Beschwerden behandelt werden müssen. Fristüberschreitung berechtigt zur Beschwerde bei der nächsthöheren Behörde. So lassen sich ganze Lawinen lostreten - allerdings kostet das viel Arbeit und ist im Alleingang nicht zu machen. Außerdem bedarf es eines eingehenden Studiums von Gesetzen und Paragraphen.
Das weiß ich auch von einem Ratsmitglied einer kleinen Dorfgemeinde. Er stört das traditionelle Gekungel der Dorfhonoratioren nicht durch entlarvende Reden oder revolutionäre Resolutionen - er kennt sich nur in den Regeln der Geschäftsordnung und dergleichen besser aus als seine etablierten Ratskollegen. Inzwischen wird er, der langhaarige Freak, schon sicherheitshalber gefragt, ob bestimmte Beschlüsse oder Vorgehensweisen rechtens sind...

Gefahren

Hier deutet sich eine der Gefahren der Positiven Subversion an: ein Sich-Vertiefen in Paragraphen kann durchaus damit enden, daß man dabei steckenbleibt und sich auf Geschäftsordnungsanträge beschränkt. Daß man die Spielregeln übernimmt und verinnerlicht. Als Beispiel bietet sich so manche Fraktion der Grünen an. Wer sich ins Parlament begibt, kommt darin um.
Den "Feind" zu umarmen, kann durchaus damit enden, daß man selber bewegungsunfähig wird. Um das zu vermeiden, braucht es eine bestimmte innere Einstellung. Man muß die Illusion vom "Feind" aufgeben und als mindeste Gemeinsamkeit akzeptieren, daß auch das Gegenüber ein Mensch ist. Und daß man selber ihm/ihr wahrscheinlich ähnlicher ist, als man es wahrhaben möchte.
Nur so läßt sich Abstand bewahren. Doch das führt jetzt ins grundsätzlich philosophische. Hier ging es aber um die Methode der Positiven Subversion, zu der ich einige Anregungen liefern wollte. Nicht mehr - sie hat noch tausendundeine andere Variante. Peter Will

Zugabe: Am liebsten sind mir die kleinen Gemeinheiten: an Automaten Aufkleber »DEFEKT!« anbringen, Geldscheine mit einem Stempel »Inflationsgeld« versehen, Überweisungen an Behörden, Finanzämter und ähnliche Institutionen um kleine Beträge kürzen - es gibt meistens eine Summe, unterhalb derer nicht mehr gemahnt wird. Und was dergleichen Späßchen mehr sind. Gerne benutze ich auch die Freiumschläge, die manchen Werbesendungen beiliegen.

Aus Pieper, Werner: "Widersteh' Dich!", W. Piepers Medienexperimente in Lörrach

Aktionsbeispiele und Berichte

Lotterie Sorglos: 2001 in Göttingen vor dem G8-Gipfel in Genua

Ich stelle nachfolgend zum Zwecke der Nachahmung und Dokumentation ein Aktion - die „Lotterie Sorglos“ - vor, die wir vor Genua in der Göttinger Innenstadt (07.07.01) und in der Göttinger Zentralmensa (12.07.01) durchgeführt haben. Wir (schöner leben göttingen) freuen uns über NachahmerInnen und stellen alle vorhandenen Materialien und Erfahrungen gerne zur Verfügung. Vielleicht können ja noch andere von solchen Aktionen berichten. Ich jedenfalls fände das gut. Und wenn wir dann noch Aktionsmaterial gegenseitig ausleihen, ist es bestimmt nur noch ein kurzer Weg bis sich die Freie Kooperation allüberall durchsetzt...
Bitte entschuldigt die Länge und daß ich zur Vervollständigung des Eindrucks auch noch zwei Fotos (in KB-freundlicher schlechter Qualität) drangehangen habe, ist vielleicht nicht für alle interessant, aber es gibt ja auch nicht so viele Aktionsberichte.  Orientiert Euch an den Überschriften zwischen den ------------.
Die Aussagen im Bericht wurden nicht formal als Gruppenkonsens verabschiedet, wenngleich ich den Bericht natürlich in Rückkopplung mit den anderen geschrieben habe. Ich habe mich bemüht, die Eindrücke der AktionsteilnehmerInnen zusammenzufassen.
Mit solidarischen Grüßen
einfreunddesmaquis

Aus Sicht nur einer der vielen PassantInnen ging die Lotterie Sorglos so:

Ich schlenderte wohlgelaunt Samstagmorgens durch die Innenstadt Richtung Markt, als mir schon von weitem einige große Schilder auffallen, die von Menschen in knallroten Overalls herumgetragen wurden. Als ich näher kam, hörte ich ihre Rufe „Greifen sie Ihr Glück!  Mit einem Los alle Sorgen los!“ Große Versprechungen dachte ich...  Alle PassantInnen durften einmal in den Eimer in der Hand des rot Gewandeten greifen und ein Los ziehen. Da wollte ich nicht nachstehen und ich versuche flugs zuzugreifen, es kostete offenbar nichts, denn ich konnte weder Preisschild noch Kasse entdecken - selber schuld also. Als ich dann bei dem Losverteiler war und zugreifen wollte, habe ich doch nicht sofort ein Los bekommen. Der Mensch in dem roten Overall zuckte ein wenig mit der Lostrommel und fragte mich, ob ich schon einen der fünf Preise, die auf seinem großen Schild aufgeführt sind, ausgesucht hätte. Er riet mir dazu, damit ich dann gezielt ein (farblich gekennzeichnetes) Los ziehen könne, um den ausgesuchten Preis gewinnen zu können. Also gut, dachte ich, suche ich also einen passenden Preis aus, schaden kann es ja nicht. Ich habe also einen Blick auf das Schild geworfen (s.a. Foto 1):
LOTTERIE SORGLOS - Nehmen Sie Ihr Glück in die eigene Hand...
Die Preise:

Mit einem Los alle Sorgen los ... LOTTERIE SORGLOS
Beim Blick auf diese Preise schwante mir aber dann doch, daß da irgendwas nicht stimmen konnte. Es war ohnehin schon merkwürdig, daß die kostenlos Lose verteilen. Aber wieso wollen die, daß ich ein Los nehme und wieso besteht der Verteiler darauf, daß ich mir die Wahl des Preises auch gut überlege? Schwierig, was ist mir denn jetzt am wichtigsten...? Also gut, ich nehme ein rotes Los (5-Stunden-Arbeitswoche) und frage den Losverteiler aber sicherheitshalber noch mal, ob es den Gewinn den wirklich gäbe. Denn ein bißchen komisch fand ich das schon, aber weil sich der Losverteiler überhaupt nichts hat anmerken lassen, war ich mir auch noch ein wenig unsicher, ob es nicht doch was zu gewinnen gegeben hätte. Ich blieb stehen, öffnete das kompliziert verschlossene Los und ... ... „Schade, Sie haben nicht gewonnen. Aber es noch nicht alles verloren!“ Auf dem Los findet sich ein kleiner Text, der dazu aufruft (grob), eine entsprechende Markt und Macht ablehnende politischen Bewegung zu stärken, um doch noch an die Preise zu kommen. Auf der Rückseite des Loses ist eine Weltkarte und steht Genua 19.-21.07., Internetadressen und ein Hinweis auf einen Büchertisch finden sich da auch noch. Und da endlich ist es mir eingefallen, das sind also diese Leute, die immer zu den Gipfeln fahren, hm... Das wollen die also, ist ja so schlecht nicht. Weil ich da dann noch so rumstand hat mich der/die LosverteilerIn noch gefragt, ob ich noch Fragen hätte oder an mehr Informationen dazu interessiert sei. Das hat mich dann aber wirklich interessiert und ich hab so einen „Göttinger Bewegungsmelder“ mitgenommen. „Ganz schön geschickt gemacht, diese Werbeaktion,“ (Originalkommentar) dachte ich.
Als ich dann 50m weiter am Markt bin, wurde mir natürlich alles klar. Auf dem Platz stand ein Büchertisch mit dem Überwurf „schöner leben“. Dort gab es Literatur zu Utopien, zur Globalisierung, zu Wirtschaftspolitik und Flugis von einer Gruppe namens „Schöner Leben“ (daher wohl auch der Tischüberwurf, s.a. Foto 2). Und hinter dem Büchertisch stand dann auch „die Auflösung“ auf einem Transparent: „Nehmen Sie Ihr Glück in die eigene Hand ... ... durch Proteste beim G7/G8-Gipfel in Genua und anderswo!“ Und diese frechen Leute in roten Overalls haben auch noch am hellichten Tag die Ballustrade des alten Rathauses erklettert und dort einfach die zwei großen Transpis der Stadt mit ihren eigenen verhüllt („Verlosung des Rathauses“, „Lotterie Sorglos - Nehmen Sie Ihr Glück in die eigene Hand“). Also eigentlich haben die ja Recht, so wie die sich das vorstellen, wäre es schon schöner und ganz nett sind sie auch. Aber ob das geht, was die wollen...?

Das haben wir gebraucht:

Wir haben alles noch elektronisch oder physisch (bis auf die Klamotten): Ausleihe, weitere Infos etc. gerne auf Anfrage.


So ist die Aktion gelaufen:
Also für uns war es super. Besonders gut für uns war, daß wir erstmalig und bislang einmalig eine Aktion von der Idee bis zur Pressearbeit komplett alleine geplant und durchgeführt haben.  Personalaufwendig, aber empfehlenswert sowas!
Insgesamt war die Aktion ein Erfolg, wir haben sie an einem anderen Tag in der Uni-Mensa noch einmal wiederholt. Durch die Aktion hatten wir rekordverdächtig viele Gesprächskontakte sowohl durch die LosverteilerInnen, als auch am Büchertisch, wo sich interessierte Leute erkundigt haben. Wir haben sogar drei richtige Bücher verkauft und einige kleine Spenden „für Genua“ bekommen, was für derartige Büchertische/Aktionen wohl sehr selten geworden ist. Außerdem haben wir über die richtigen Sachen geredet, nicht über Tobin o.ä., sondern über die Frage, welche Sorgen die Leute haben, welche Bedürfnisse sie wie verfolgen und ob es nicht eine politische Bewegung oder eine andere Gesellschaft geben könnte/müßte, wo sie ihre Bedürfnisse besser verwirklichen können und was wir überhaupt mit der Globalen Bewegung wollen.
Die Preise sind unterschiedlich gut angekommen. Unter Frauen war die „Gleichverteilung der Hausarbeit“ ein Renner, das lila Los wurde sogar bisweilen mit einer drohenden Bemerkung an den begleitenden Mann gezogen („jetzt kannste was erleben...“ o.ä.), ansonsten ist aber erwartungsgemäß oft das Los „Kostenloses Einkaufen“ genommen worden, vielleicht gibt es für so etwas (Warenzugriff ohne Verwertzungszwang) noch bessere, nicht rein materiell besetzte Übersetzungen in das Jetzt. Das Los „Uneingeschränkte Reise- und Bewegungsfreiheit“ war eigentlich speziell für AusländerInnen, Flüchtlinge etc. gemacht, aber viele haben das wohl als Reisegutschein von tui o.ä. aufgefaßt. Wir hatten noch einige andere Vorschläge für Preise. Unsere Formulierungen haben sich danach orientiert, daß jeder Preis nur in einer Utopie umzusetzen ist und nicht rein materialistisch begriffen werden kann, er aber gleichwohl auch faßbar bleiben muß - eine Gratwanderung.
Nicht so gut gelungen ist uns der Text auf dem Los selbst. Der Text war wohl mal wieder zu abstrakt und zu sehr mit der Türe ins Haus (man sollte Vor-Tests machen, bevor man sowas rausgibt). Auch muß man ein Layout wählen, wo die Leute stärker gezwungen sind, sich den Text anzuschauen (manche haben nur „nicht gewonnen“ gelesen und das Los weggeworfen). Da haben wir viel von der Wirkung der Aktion verschenkt, denn das Los haben ja alle TeilnehmerInnen bekommen (insg. ca. 1300).  Aber das kann man ja leicht verbessern. Unzureichend war auch die Berichterstattung in der Presse (immerhin gab es sie aber). Dafür braucht man offenbar klare, an gängigen Begriffen orientierte Forderungen und peppige Aussagesätze, die das jeweilige Anliegen zum Ausdruck bringen, ohne dafür auf Vokabeln wie emanzipatorisch, selbstbestimmt, herrschaftsfrei, verwertungskritisch, Dominanzstrukturen etc. zurückzugreifen, denn so etwas „können“ Journalisten sowieso nicht in Artikeln unterbringen. Solche pressetauglichen Formulierungen fallen uns immer noch eher schwer, hat jemand erfolgreiche(!) Bespiele für Presseerklärungen, die die Überwindung von Markt und Macht fordern? Ebenfalls nicht richtig geklappt hat die Inanspruchnahme einiger auf der Rathaus-Ballustrade befindlicher Fahnenmasten. Zwar konnten wir in einer Überrschungsaktion unsere Großtranspis dort anbringen (mit Leitern, ohne Vermummung oder so), aber der Hausmeister war dann sehr schnell und wir hatten für die Minuten, als sie hingen kein Mega o.ä. zur Hand, mit dem man die Aufmerksamkeit darauf hätte lenken können. Der Rathaus-Hausmeister hat uns die Transpis nach dem abschneiden jedoch wiedergegeben und diese kleine Aktion war am Ende auch nicht so wichtig für das Gelingen des Ganzen.
Natürlich wollten viele Menschen die LosverteilerInnen lieber nicht ernstnehmen. Die haben einfach wegen der Preise und der Kostenlosigkeit den Braten gerochen und wollten nicht Gefahr laufen, in eine Falle zu gehen. Leider war es dann oft so, daß es gerade die etwas einfacher denkenden Menschen waren, die auf die Sache „reingefallen“ sind, z.T. haben die Leute sogar versucht, sich zur Steigerung der Gewinnchancen zusätzliche Lose zu „erschleichen“. Viele andere werden sich aber Gedanken gemacht haben und - wie gesagt - es gab ja auch viele (positive) Reaktionen. Wir waren natürlich kein bißchen hämisch zu den Glücksritter(Innen?), wäre ja auch bescheuert gewesen, denn bei uns gab es ja wirklich was zu gewinnen.
Ich denke insgesamt und bei entsprechender Umsetzung (bürgerliches oder sonstiges einheitliches Spezial-Outfit für LosverteilerInnen, freundliches und offenes Auftreten, einheitliches und möglichst professionelles Design für die Lotterieteile) ist das eine sehr gute Aktion. Man kann was erleben, so richtig auf Otto- und Anneliese NormalverbraucherIn zugehen und Feinde vor Ort macht man sich ausnahmsweise auch mal keine. In manchen (kleineren?) Städten kann man damit vielleicht auch etwas Inhaltliches zum bevorstehenden Event in die Presse bekommen. Wir hatten jedenfalls eine Menge Gesprächskontakte und Spaß. Ohne Gespräche, bei durchschnittlich aufgeschlossenem Publikum an einer belebten Stelle kann man maximal 50-90 Lose (Miniflugis) pro Stunde verteilen. Den „Utopie-Kick“ durch das Lesen der Preistafel holen sich deutlich mehr.
Wir warten auf Anfragen.

Lostext (ohne Bilder etc...):
Schade, Sie haben nicht gewonnen.
Aber es ist noch nicht alles verloren!
Schließlich können Sie Ihr Glück in die eigene Hand nehmen und gemeinsam mit der globalen Beweguing gegen Unterdrückung und Ausbeutung und für die Verwirklichung Ihrer Bedürfnisse und Interessen kämpfen - beim G7/G8-Gipfel in Genua und anderswo.
Fordern Sie direkte Mitbestimmung bei allen Angelegenheiten, die Sie angehen, und sorgen Sie dafür daß das auch alle anderen können. Falls Geld hierbei ein Hindernis darstellen sollte, holen Sie es sich dort, wo es in Massen ist - oder schaffen Sie es ganz ab. Nehmen Sie nicht hin, daß das Lebensglück vieler Menschen durch Rassismus, soziale Ausgrenzung und geschlechtsspezifische Rollenmuster eingeschränkt ist.  Das große Los für alle muß kein Wunschtraum bleiben!
Ein Teil der globalen Bewegung wird den G7/G8-Gipfel in Genua zum Anlaß nehmen, die bestehenden Herrschaftsverhältnisse zu kritisieren und mit der Umsetzung von Alternativen zu beginnen.
Informieren Sie sich:

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