Oscar Wilde

Siehe auch: Anti-Herrschafts-Seiten

Aus dem Buch "Der Sozialismus und die Seele des Menschen"

Erschienen bei Diogenes im Jahr 1970.

Altruismus nützt nichts
Sie suchen etwa das Problem der Armut dadurch zu lösen, dass sie den Armen am Leben halten, oder - das bestreben einer sehr vorgeschrittenen Richtung - dadurch, dass sie für seine Unterhaltung sorgen. Aber das ist keine Lösung: Das eigentliche Ziel ist der Versuch und Aufbau einer Gesellschaft auf einer Grundlage, die die Armut unmöglich macht. Und die altruistischen Tugenden haben tatsächlich die Erreichung dieses Ziels verhindert. (S. 8)

Pro Gesetzesbruch
Aber es ist für mich fast unglaublich, wie jemand, dessen Leben durch solche Gesetze verstämmelt und besudelt worden ist, ihre Fortdauer zu ertragen vermag. (S. 14)

Freie Vereinigungen statt autoritäre Strukturen
Aber ich gestehe, viele sozialistische Anschauungen, denen ich begegnet bin, scheinen mir mit unsaubern Vorstellungen von autoritärer Gewalt, wenn nicht tatsächlichem Zwang behaftet zu sein. Autoritäre Gewalt und Zwang können natürlich nicht in Frage kommen. Alle Vereinigung muss ganz freiwillig sein. Nur in freiwilligen Vereinigungen ist der Mensch schön. (S. 16f)

Gar keine Regierung ...
Alle Arten, regieren zu wollen, sind verkehrt. (S. 29)
Die Regierungsform, die für den Künstler am geeignetsten ist, ist: überhaupt keine Regierung. (S. 59)

Gegen Justiz
Mit der autoritären Gewalt wird die Justiz verschwinden. Das wird ein großer Gewinn sein - ein Gewinn von wahrhaft unberechenbarem Wert. Wenn man die Geschichte erforscht, nicht in den gereinigten Ausgaben, die für Volksschüler und Gymnasiasten veranstaltet sind, sondern i nden echten Quellen aus der jeweiligen Zeit, dann wird man völlig von Ekel erfüllt, nicht wegen der Taten der Verbrecher, sondern wegen der Strafen, die die Guten auferlegt haben; und eine gemienschaft wird unendlich mehr durch das gewohnheitsmäßige Verhängen von Strafen verroht als durch das gelegentliche Vorkommen von Verbrechen. Daraus ergibt sich von selbst, dass je mehr Strafen verhängt werden, umso mehr Verbrechen hervorgerufen werden, ...
Je weniger Strafe, um so weniger Verbrechen. Wenn es überhaupt keine Strafe mehr gibt, hört das Verbrechen entweder auf, oder, falls es noch vorkommt, wird es als sehr bedauerliche Form des Wahnsinns, die durch Pflege und Güte zu heilen ist, von Ärzten behandelt. Denn was man heutzutage Verbrecher nennt, sind überhaupt keine Verbrecher. Entbehrung, nicht Sünde ist die Mutter des Verbrechens unserer Zeit. Das ist in der Tat de Grund, warum unsere Verbrecher als Klasse von einem irgend psychologischen Standpunkt aus so völlig uninteressant sind. Sie sind keine erstaunlichen Macbeths und schrecklichen Vautrins. Sind sind ledigklich das, was gewöhnliche Dutzendmenschen wären, wenn sie nicht genug zu essen hätten. Wenn das PRivateigentum abgeschafft ist, wird es keine Notwendigkeit und keinen Bedarf für Verbrechen geben; sie werden verschwinden. Natürlich sind nicht alle Verbrechen Verbrechen gegen das Eigentum, obwohl das die Verbrechen sind, die das englische Gsetzt, das dem, was ein Mensch hat, mehr Wert beimißt als dem, was er ist, mit der grausamsten und förchterlichsten Strenge bestraft, wofern wir vom Mord absehen und den Tod für ebenso schlimm halten wie das Zuchthaus, worüber unsere Verbrecher, glaube ich, anderr Meinung sind. Aber wenn auch ein Verbrechen nicht gegen das Eigentum gerichtet iste, kann es doch aus dem Elend und der Wut und der Erniedrigung entstehen, die unsere verkehrte Privateigentumwirtschaft hervorbringen, und wird so nach der Abschaffung dieses Systems verschwinden. Wenn jedes Glied der Gemeinschaft so viel hat, als es braucht, und von seinen Mitmenschen nicht behelligt wird, hat es kein Interesse daran, andern lästig zu werden. (S. 30ff)

Der Entwurf von Utopien motiviert zur Veränderung des Hier & Jetzt
Eine Weltkarte, in der das Land Utopia nicht verzeichnet ist, verdient keinen Blick, denn sie läßt die eine Küste aus, wo die Menschheit ewig landen wird. Und wenn die Menschheit da angelangt ist, hält sie Umschau nach einem besseren Land und richtet ihre Segel dahin. Der Fortschritt ist die Verwirklichung von Utopien. (S. 35)

Subjektivität
Es ist nicht selbstsüchtig, auf seine Art zu denken. Wer nicht auf seine Art denkt, denkt überhaupt nicht. (S. 66)

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