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Die Qualität offener Medien ++ Kontrolle bei Wikipedia ++ Weitere Beispiele ++ Seilschaften ++ Medien ++ Links

Die Qualitäten offener Medien

Das Gezetere der Demokraten und Autoritären ist groß, doch alle Untersuchungen zeigen immer wieder dasselbe: Offenheit schafft und sichert Qualität. Ein beeindruckendes Beispiel war und ist Wikipedia. Es begann weitgehend offen und unkontrolliert. Die Folge: Hohe Qualität. Das wurde mehrfach durch Untersuchungen bestätigt.

Aus "Googles Gegner", in: FR, 28.12.2007 (S. 48)
Während Kritiker immer wieder an der Seriosität der "anarchischen Wiki-Welt" zweifelten, fanden Studien heraus, dass die Einträge durchaus mit althergebrachten Lexika mithalten konnten, wenn nicht sogar besser waren.

Wikipedia: Kontrollierter Mainstream

Gelebte Demokratie: Wikipedia als Abbild herrschender Diskurse

Das Konzept von Wikipedia entspringt dem weit verbreiteten Irrtum, zu jedem Ding könne es nur eine Wahrheit geben. Der Rest seien Abweichungen. Die Wahrheit sei nicht immer leicht zu bestimmen, aber möglich. Das Gegenmodell, dass alles Wahrnehmungen von Menschen mit unterschiedlichen Blickwinkeln ist, hat bei Wikipedia wenig oder gar keinen Platz. Letzteres müsste zu einer völlig anderen Form der Darstellung führen, nämlich der Gegenüberstellung unterschiedlicher Auffassungen. Wikipedia ist die Organisierung von Einheit aus einer Menge von Menschen. Das ist die Idee von "demos", Volk, Schwarmintelligenz, Plenum und andern Begriffen der Masse als Gesamtwille. Aus der Vielfalt und Differenz wird etwas Einheitliches destilliert (meist unter massiv hierarchischem Zugriff der Privilegierten). Insofern ist Wikipedia gelebte Demokratie und ein gutes Beispiel, dass diese Gesellschaftsform ein Typus der Beherrschung ist - nämlich der Unterschiedlichkeit der Vielen durch die Hegemonie des geformten Gesamtwillen (Diskurse, Hierarchie, Norm, hegemoniale Begriffe usw.). Ein Wikipedia-Nutzer stellte fest, "dass sich in den Artikeln langfristig diejenigen Positionen durchsetzen werden, die in der Gesellschaft gerade dominant sind. Allerdings noch nicht einmal in der Gesamtgesellschaft, sondern in der Gruppe der Wikipedia Autoren, also vor allem der jungen, gut gebildeten, männlichen Naturwissenschaftler. Sie stellt die meisten Benutzer und Administratoren." Damit "trägt Wikipedia dazu bei, die gerade herrschende Ordnung zu legitimieren". Den hegemonialen Kreisen von Wikipedia wird die Kritik Ansporn sein. Sie wollen Abbild der herrschenden Elitenmeinungen sein - nicht umsonst werden erhebliche Ressourcen investiert, um Menschen mit tollen Titeln für Wikipedia anzuwerben und ihnen dort die Mitarbeit attraktiv zu gestalten. Das geht vor allem über Privilegien.

Im Original: Abbild des Mainstreams: Wikipedia ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus BENUTZER:NE0N02: "Wikipedia: Eine kritische Sicht", in Wikimedia Deutschland e.V. (2012), "Alles über Wikipedia", Hoffmann und Campe in Hamburg (S. 43ff.)
Die Wikipedia ist ein Projekt, das alle gedruckten Universalenzyklopädien sowohl in der Artikelzahl als auch im Umfang weit hinter sich gelassen hat. Auch wenn die Artikelqualität schwankt, bestätigen zahlreiche Untersuchungen, dass zufällig ausgewählte Wikipedia Artikel in puncto Richtigkeit, Vollständigkeit, Aktualität und Verlässlichkeit mit den gedruckten Enzyklopädien durchaus mithalten können bzw. diese sogar übertreffen. Chris Anderson, der Chefredakteur der amerikanischen Technologie Zeitschrift Wired, weist darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit für einen fehlerfreien und zutreffenden Artikel sehr hoch ist, auch wenn einzelne Artikel durchaus Fehler, Vandalismus etc. enthalten können.
Zu Recht steht auf der Startseite: »Wikipedia ist ein Projekt zum Aufbau einer Enzyklopädie ... «, also noch nicht die Enzyklopädie selbst. Gemessen am eigenen Anspruch, das gesamte Wissen der Welt zu sammeln, steht Wikipedia erst am Anfang, sowohl quantitativ als auch qualitativ: Von den Millionen Lebewesen haben zum Beispiel erst die wenigsten einen Artikel, noch nicht einmal alle in Mitteleuropa vorkommenden Baumarten sind abgedeckt. Im Bereich der Popkultur hinkt die deutsche Wikipedia der englischen weit hinterher. In letzter Zeit wurde häufiger kritisiert, dass gerade bei Überblicksartikeln wie »Frühmittelalter« noch große Mängel bestehen. Wikipedia ist ein Generationenprojekt. Die meisten Artikel sind bereits heute sachlich richtig und beinhalten keine gravierenden Fehler. Es wird aber wahrscheinlich noch weitere Jahrzehnte dauern, bis sie alle ein stilistisch und inhaltlich zufriedenstellendes Niveau erreicht haben.
Die Wikipedia leidet aber meiner Meinung nach an einigen vermeidbaren Problemen, die ihre Weiterentwicklung erschweren: Das Hauptproblem ist die jetzige Definition von »NPOV« (Neutral Point of View Neutraler Standpunkt). Wikipedia-Gründer Jimmy Wales hat sich bei der Aufstellung dieses Prinzips an einem eng positivistischen Wahrheitsbegriff orientiert, der in den Naturwissenschaften noch akzeptabel sein mag, aber in den Sozialwissenschaften, wo soziale Interessen Forschungsprogramme und Erkenntnisse beeinflussen, große Probleme bereitet. Nicht zufällig drehen sich die großen Methodendebatten in der Soziologie um Fragen der möglichen oder unmöglichen Werturteilsfreiheit. Da in Wikipedia abgestritten wird, dass sozialwissenschaftliche Erkenntnisse immer auch durch bestimmte soziale Interessen beeinflusst werden, können diejenigen Benutzer, deren Meinung mit dem gerade existierenden Mainstream übereinstimmt, behaupten, sie verträten die reine Wahrheit, während alle anderen »POV Pusher« oder »Men on a Mission« seien, die von Wikipedia ferngehalten werden müssen. Nur derjenige, der aus der Position der gesellschaftlich dominierenden Ideologie bzw. des dominierenden Wissens spricht, also der Doxa im Sinne von Bourdieu, kann diesen Vorwurf äußern. Das bedeutet, dass sich in den Artikeln langfristig diejenigen Positionen durchsetzen werden, die in der Gesellschaft gerade dominant sind. Allerdings noch nicht einmal in der Gesamtgesellschaft, sondern in der Gruppe der Wikipedia Autoren, also vor allem der jungen, gut gebildeten, männlichen Naturwissenschaftler. Sie stellt die meisten Benutzer und Administratoren. Während die Enzyklopädie von Diderot und d'Alembert die gesellschaftlichen Verhältnisse ihrer Zeit noch kritisierte, trägt Wikipedia dazu bei, die gerade herrschende Ordnung zu legitimieren.
Das bewirkt auch eine offene Flanke nach rechts außen. In einigen Artikeln wie »Polenfeldzug«, wo die Schuld Nazideutschlands am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges durch Verweis auf angebliche polnische Aggressionen relativiert wird und Revisionisten wie Alfred de Zayas als reputable Quellen gelten, ist offen rechtsextremes Gedankengut anzutreffen. Verbindungsglied zu weit rechts stehenden Positionen ist die in Wikipedia dominante Totalitarismustheorie.
Ein weiteres Problem ist der Umgang der Wikipedia Administratoren mit den gewöhnlichen Benutzern. Die Administratoren sind sich einig: »Wikipedia ist keine Demokratie.« Bei ihrer Sanktionierung von normalen Benutzern entscheiden sie in der Regel nicht nach rechtsstaatlichen Grundsätzen, sondern nach einem engen utilitaristischen Kosten Nutzen Kalkül für Wikipedia. Wenn sie davon ausgehen, einen unerwünschten Störer vor sich zu haben, der zudem mit ihrer Meinung nicht übereinstimmt, sperren sie häufig beim geringsten Anlass. Altgediente »Qualitätsautoren« können sich dagegen eine Menge herausnehmen und werden bestenfalls mit Wattebäuschchen beworfen. Diese Willkür führt aber zu einem vergifteten Arbeitsklima und schreckt viele Menschen von der Mitarbeit bei Wikipedia ab.
Die meisten Admins werden gewählt, weil sie in einem Fachgebiet Bedeutendes geleistet haben. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass sie besonders dazu geeignet sind, Konflikte zwischen den Usern zu lösen. Im Allgemeinen sind sie es nicht. Häufig verschärfen sie durch ihr Agieren diese Konflikte eher noch zusätzlich.
Nicht zuletzt dieses häufig unbefriedigende Arbeitsklima bewirkt, dass Frauen in der Wikipedia sehr unterrepräsentiert sind.
Auch unter einem anderen Gesichtspunkt sind die Folgen von Wikipedia zumindest ambivalent: Das Aufkommen von interaktiven Diensten des Web 2.0, wofür Wikipedia Vorreiter war, hat zwar die Möglichkeiten der Bevölkerung zur Meinungsäußerung und des kulturellen Ausdrucks entscheidend verbessert. Zugleich führt die Entprofessionalisierung von Berufen wie LexikonredakteurIn, Fotoreporterln, Journalistln zu einer zunehmenden Prekarisierung vieler Menschen.

Aus dem Artikel "Wie Wikipedia die Wahrheitsfrage ausblendet" von Werner Rügemer, in: Neue Rheinische Zeitung 5.4.2014
95 Prozent aller Abiturienten und Studenten nutzen Wikipedia, bei Journalisten dürften es mindestens fünf Prozent mehr sein. „Normalbürger“ freuen sich über das schnell konsultierbare, kostenlose Lexikon. So wurde Wikipedia zu einem wichtigen Akteur dessen, was heute Öffentlichkeit heißt: Die Tatsache, nach den Weltmarktführern Facebook und Google schon an 7. Stelle der am häufigsten genutzten Internetportale zu stehen, gilt als Beweis von Wichtigkeit. ...
Doch die naive Basisdemokratie ist ein Spielball der PR-Industrie. „Public Relations und Manipulation sind in Wikipedia allgegenwärtig“, heißt es in einer gut recherchierten Studie. Unter unscheinbaren Pseudonymen ließ Daimler den Einsatz von Zwangsarbeitern während des Faschismus ebenso löschen wie die Abordnung eines Leihmanagers ins Bundesverkehrsministerium, als der Vertrag über die LkW-Maut (Toll Collect) behandelt wurde. So verschiedene Akteure wie BMW, Ebay, Dell, der CIA, der Vatikan manipulierten Einträge. Von einer IP-Adresse im RWE-Konzern wurden Angaben zu Störfällen im AKW Biblis entschärft. CDU und SPD verschönten ihre Einträge, das FDP-Plappermaul Christian Lindner ließ über eine IP-Adresse im Düsseldorfer Landtag seinen Eintrag 40 mal ändern. Wikipedia eröffnet für PR-Agenturen ein dauerhaftes Geschäftsfeld. ...
Die Schwarmintelligenz wird zudem autoritär geführt. Der Verein Wikimedia betreibt das deutsche Wikipedia. Der Vorstand besteht aus einer Person: Pavel Richter. Er wird mit 90.000 Euro Jahresgehalt und erfolgsabhängigen Boni bezahlt. 76,9 Prozent der Autoren des deutschen Wiki haben seit ihrer Anmeldung höchstens 9 mal etwas in einen Artikel eingefügt. Dagegen hat Wikimedia-Mitbegründer Achim Raschka bisher 78.000 Bearbeitungen vorgenommen. Damit hat er auch gut verdient: Das Ministerium für Verbraucherschutz förderte das Wiki-Projekt „Nachwachsende Rohstoffe“ (318 Einträge) mit 234.000 Euro. Der pseudonyme Autor 7Pinguine, der von einer IP-Adresse des Leibinger-Konzerns arbeitet, hat es seit 2007 auf 15.000 Bearbeitungen geschafft, mit Manipulationen zugunsten von Nestlé und der FDP. Auf Nachfragen wegen der Manipulationen gibt Wikimedia keine Antwort. ...
Die vorgegebene Haltung der Autoren ist ebenfalls autoritär. Die Einträge stellen in der Regel erstmal die offizielle Version von Staaten, Unternehmen, Parteien, Organisationen, Finanzprodukten, Medikamenten usw. dar. Dann folgt an hinterer Stelle der gesonderte Abschnitt „Kritik“. Die beschränkt sich meist auf das, was in großen Medien veröffentlicht wurde. Eine Bewertung der Kritik findet in der Regel nicht statt, sie steht als pseudodemokratische Pflichtübung neben der offiziellen Version. ...
Das wesentliche Kriterium für das Verfassen von Wiki-Texten ist „Neutralität“ (Neutral Point of View, NPOV). Bisher einzige Ausschlusskriterien sind Scientology und nach Aussage des Wikipedia-Gründers Jimmy Wales der „gute Geschmack“. Der Welt-Vorstand in den USA konnte sich nicht durchringen, Pornografie als Ausschlußkriterium hinzu zu fügen. Als Alternative schlägt der Informatikprofessor Clemens Cap vor: Statt NPOV soll gelten EPOV = Every Point of View. So soll erstmal jede irgendwie erstellte Textfassung gelten; durch einen Zustimmungsfilter soll dann die beliebteste Fassung herausgefiltert werden. Beliebigkeit ist eine Variante der Neutralität. Man muß nur etwas genauer hinsehen, um zu entdecken: Das, was als „neutral“ gilt, ist die offizielle Selbstdarstellung eines Konzerns, eine Organisation, eines Staates, eines Mediums, eines Wissenschaftlers. Insbesondere Aussagen von Behörden gelten als grundsätzlich neutral. Allerdings werden linke Organisationen von vornherein kritisch dargestellt. Bücher und andere Veröffentlichungen aus Verlagen, die als „links“ beurteilt werden, gelten als nicht neutral. Bücher und andere Veröffentlichungen aus Wirtschafts- und konservativen Verlagen gelten dagegen als neutral. ...
Und dann stellen wir mal die einfache Frage: Wem gehört Wikipedia? Die „freie Enzyklopädie“ liegt in den Händen des Privatkapitals. Beim deutschen Trägerverein mit immerhin 47 hauptamtlich Beschäftigten hört sich das noch harmlos an: Er wird durch Spenden finanziert. Das Präsidiumsmitglied Robin Tech promoviert am Institut für Internet und Gesellschaft an der Berliner Humboldt-Universität: Google finanziert das Institut mit 4,5 Millionen Euro jährlich. Wikimedia muß einen Teil der Spenden an das Zentralkomitee abliefern, an die Wikipedia Foundation in den USA. Dort liegen die Rechte an allen Wiki-Artikeln weltweit. Selbst wenn durch ein deutsches Gericht Artikel gesperrt werden sollen, hat dies keine Wirkung. ... Wikipedia Foundation Inc. beschäftigt 142 Angestellte und hat gegenwärtig knapp 50 Millionen US-$ Einnahmen jährlich. Die Hauptfinanziers (major benefactors) des weltweiten „freien Wissens“ sind Unternehmens-Stiftungen: Stanton-Stiftung (Frank Stanton, TV-Unternehmer, der das erste TV-Duell der US-Präsidentschaftskandidaten organisierte), Sloan-Stiftung (Alfred Sloan, Ex-Chef von General Motors, der gut mit Hitler konnte), Arcadia-Stiftung (Erbin des Tetrapak-Konzerns), die Stiftung der Google-Gründer Sergey Brin und Anne Wojciki, Graig-Stiftung (Internet-Unternehmer), Knight-Stiftung (Zeitungskonzern) und das Scheichtum Katar. In der nächsten Spender-Kategorie „Patrons“ – Spenden bis 50.000 US-$ - finden sich u.a. Apple, Goldman Sachs, Google, Microsoft. Unter den kleineren Spendern sind American Express, Boeing, Chevron, Deutsche Bank, Bill und Melinda Gates, General Electric, IBM, Tikvah, Yahoo und weitere 200 namentlich genannte und 192 anonyme Unternehmer bzw. deren Stiftungen.

Pro ExpertInnen
Aus Marco Ternick: "Ausblick: Wikipedia 2012", in Wikimedia Deutschland e.V. (2012), "Alles über Wikipedia", Hoffmann und Campe in Hamburg (S. 317f.)
Für den Nutzer ändert sich das erst, wenn Professor Müller mit seinem guten Ruf dafür einsteht, dass der Artikel »Chemie« richtig und vollständig ist. Sollte also der Reputationsgewinn für Wikipedia das Ziel der geprüften Version sein, dann sollten nur ausgewiesene Experten als Prüfer für einen Artikel gewonnen werden. Die Qualifikation muss nicht unbedingt ein abgeschlossenes Studium sein, sondern kann auch durch die langjährige berufliche Beschäftigung mit dem Themengebiet bzw. für Artikel in Themenfeldern, die man weder studieren noch beruflich ausüben kann, entsprechend durch eine langjährige private Beschäftigung erbracht werden, vielleicht darüber hinaus auch durch Veröffentlichungen im Themenkomplex.
Die Entwicklung: Der bürgerliche Diskurs erfand und stärkte den Wunsch nach Kontrolle

Zunächst war Wikipedia ziemlich frei. Alle möglichen Menschen konnten ihr Wissen einbringen, Positionen anderer verändern oder ergänzen. Das führte mitunter zu chaotischen Streitereien um Formulierungen, sogenannten "Editwars". Aber insgesamt entstand nicht nur ein großes, sondern auch - verglichen mit Enzyklopädien in Buchform - recht fehlerfreies Online-Lexikon. Statt nun über Ursachen dieses bemerkenswerten Erfolges nachzudenken, machten z.B. bürgerliche Medien Druck auf Wikipedia und verbreiteten die Legende, dass angesichts der fehlenden Kontrolle das so erfolgreiche Projekt früher oder später schief gehen müsste.

Aus der Zeitschrift Zivildienst, 11/2007 (S. 34 f.)
Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile - doch gelegentlich leidet eben dieses Ganze darunter, wenn es aus zu vielen Teilen zusammengesetzt ist. Diese Erfahrung musste in den vergangenen Jahren das wohl erfolgreichste Online-Projekt der Welt machen: Wikipedia. ...
Immer wieder macht Wikipedia mit falschen Informationen und kruden Einträgen Schlagzeilen. ...
In Misskredit hat Wikipedia das eigene Prinzip gebracht: Wenn jeder mitschreiben kann, kann auch jeder Fehler einbauen. Die Zahl der Autoren ist zu groß, als dass alle Artikel vor oder wenigstens kurz nach ihrer Veröffentlichung auf Fehler, Unterstellungen oder Manipulationen hin untersucht werden können.
Man habe keine Sicherheit, "dass Artikel einhundertprozentig korrekt sind", räumt Tim Bartel, Mitglied des deutschen Wikipedia-Presseteams, ein. "Deshalb weisen wir auch immer wieder darauf hin, dass es keine gute Idee ist, sich bei der Recherche ausschließlich auf Wikipedia zu stützen. Man sollte immer auch Primärquellen hinzuziehen!' Obwohl die Kritik an fehler- oder lückenhaften Einträgen richtig sei, habe sich das Projekt "als durchaus erfolgreich erwiesen. Wir sind in vielen Bereichen sehr gut, oft sogar besser als konventionelle Enzyklopädien," ...

Obwohl Wikipedia besser war als die meisten anderen Enzyklopädien, wird gerade bei diesem Lexikon darauf hingewiesen, die Originalquellen zu prüfen. Klar - das ist immer richtig. Aber wird so auch vor dem Brockhaus gewarnt? Nach vorliegenden Stichprobentests war der nämlich fehleranfälliger als das Wikipedia zu den Zeiten offener Editierbarkeit. Überraschen konnte das jedoch nur die, die an das "Gute von oben", also durch Kontrolle und Verregelung glauben. Das ist die überwältigen Mehrheit. Ein genauerer analytischer Blick zeigte jedoch: Brockhaus & Co. waren nicht so gut, obwohl, sondern weil sie kontrolliert wurden. Denn wenn nur noch wenige Menschen, getarnt als ExpertInnen, an den Texten schrauben, steigt die Fehlerquote.
Die Wikipedia-MacherInnen gingen auf diesen Diskurs ein. Stück für Stück wurde immer mehr Kontrolle eingeführt. Was abzusehen war: Die Idee wurde zerstört - und die Qualität verschlechterte sich! Heute ist Wikipedia ein Top-Beispiel für Manipulation, z.B. durch Konzernlobbyist_innen oder Parteiapparate. Das ist keine Überraschung, sondern die logische Folge der Einführung von Regeln und Hierarchie.

Kontrolle ist gut, obwohl ihr Fehlen ein besseres Ergebnis lieferte!
Aus "Vorsicht Ente!", in: FR, 18.2.2009 (S. 36 f.)
Das Interessante ist: Die deutschsprachige Version von Wikipedia hat schon im Mai 2008 begonnen, eine kollektive Kontrollinstanz aufzubauen. Seitdem gibt es Aufpasser, die Artikel überprüfen und Schmierereien entfernen. ... Beiträge, in denen ihnen kein Vandalismus aufgefallen ist, werden mit einem gelben Auge gekennzeichnet. Das Siegel ist ein minimaler Qualitätsnachweis. Es signalisiert vor allem: Auf den ersten Blick ist mit diesem Text alles in Ordnung. Wenn das Sichter-Prinzip sich bewährt, könnte der nächste Schritt folgen. Dann würden die gesichteten Versionen inhaltlich geprüft. ...
Im Laufe der recht jungen Wikipedia-Geschichte zeigten verschiedene Untersuchungen, dass sowohl Brockhaus als auch Britannica nicht unbedingt besser sind als die Online-Enzyklopädie. Im führenden Wissenschaftsmagazin Nature erschien 2005 eine Studie, die bei Britannica-Artikeln im Durchschnitt drei und bei Wikipedia vier Fehler zählte - ein erstaunlich geringer Unterschied. Der Stern verglich den Netz-Auftritt von Brockhaus mit Wikipedia - und gab der selbstgemachten Enzyklopädie viel bessere Noten. Ihr großer Vorteil: Sie war fast immer aktueller. Allein bei der Verständlichkeit lag der Brockhaus vorn.

Sehr schön brachte das die bildungsbürgerliche taz auf den Punkt: "Natürlich gibt es Probleme. Weil jeder mitmachen kann, wird auch viel Falsches in Wikipedia-Artikel hineingeschrieben" (taz, 8.1.2011, S. 1). Das ist das typischen Denkschema der Gutmenschen: Kontrolle macht alles gut. Die Mächtigen sind schlau, die vielen sind seltsamerweise dagegen mit Fehlern behaftet - woher dieser Unterschied kommt, wir nie geklärt. Es ist eine trübe Soße das Glaubens, dass Eliten das Gute wollen. So hatte die taz auch keinen Schimmer, welcher Kontrollwahn inzwischen Wikipedia auszeichnet: "Der Organismus Wikipedia zeigt, das es funktionieren kann. ... Die Chance, mitzumachen - das ist die große Errungenschaft der Wikipedia". Wahrscheinlich in in den Kreisen von taz-AutorInnen noch nie jemand bei Wikipedia zensiert worden. Die haben auch keine Bekannten, die im Knast sitzen - folglich finden sie die Strafjustiz auch gut und notwendig. Das immer gleiche Spiel des Glaubens an das Gute von oben.

Schritt für Schritt unter Kontrolle: Ein Beispiel

Zensur und Kontrolle
Im Herbst 2007 wurden mehrere Texte in Wikipedia eingestellt. Sie waren sorgsam mit Links, Verweisen, Quellen usw. vorbereitet und wurden dann hochgeladen. In allen Fällen kam es zu sofortigen Durchgriffen der Personen, die privilegiert in Wikipedia agieren, quasi herrschen. In einem Fall (2. Oktober 2007) wurde der Löschangriff von einem mit Sysop-Rechten ausgestatteten Wikipedia-Kontrolleur bereits vor dem Hochladen des Textes vollzogen. Jeder Text kann zunächst als Vorschau überprüft werden. Für "normale" NutzerInnen ist er dann noch ansteuerbar. In dieser Phase hat ein Sysop bereits den Löschangriff organisiert, so dass es den Text "Umweltschutz von unten" nie ohne Löschmarke gab.


Die Versionenliste: Zwei Minuten reichten für Löschantrag einbauen und Begründung schreiben - da war wohl eher prinzipielle Zensur als Durchlesen und Nachdenken der Ansporn ...


So sah der Kopf sofort nach Einstellung aus ... Gerbil ist der Name eines der Systemoperatoren von Wikipedia. Unten: Die Löschdiskussion.

Wenige Minuten später ... wer die Seite "Umweltschutz von unten" aufrufen will, erhält die Behauptung, dass es diese Seite nicht gäbe. Das ist wie Orwells "1984". Die Geschichte wird repariert. Überall ist Wikipedia bereinigt. Der ganze Vorgang hat nie stattgefunden. Alles ist in Ordnung. Weiterschlafen!

Überflüssigerweise wird dem Einsteller des Textes dann noch eine Strafe verhängt - unglaubliche Allüren von Machthabern. Selbst ohne jegliche Rücksprachen überall reinpfuschen, sich selbst als Inhaber des neutralen Standpunktes inszenierend und Abweichende bestrafend.

Und: Gleich mal auch die Seite des Nutzers zensieren - kurz nach der Sperrung, da dieser dann ja nicht reagieren kann! Das geht alles ruckzuck - Kontrollverlustängste überall ...

Doppelt hält besser: Drohen und zensieren. Denn die sechs Stunden würden dem Betroffenen gar nichts bringen. Als er auf den Link klickt, der im Ultimatum angegeben wurde, sind die sechs Sunden noch lange nicht rum. Der Link ist aber tot. Die Schergen der Wikipedia-Kontrolle haben die Ruhe nur für andere verordnet. Sie selbst wüten weiter. Schon kurz nach der Sperre schalten sie die Seite ab. Der Straf-Link wirft nur noch das aus:

Wer aber die totale Kontrolle will, ist damit noch nicht zufrieden. Also ein Angriff auf den Account und die Personen, die den unerwünschten Text eingestellt haben. Ein weiterer Administrator von Wikipedia besorgt das. Er überarbeitet die Selbstdarstellung der Nutzers, der den Text verfasste und sperrt diesen dann. Auf Deutsch: Die Wikipedia-Kernmannschaft hat nicht nur die Geschichte überarbeitet, sondern auch die Störenfriede sorgsam getilgt. Selbst deren Selbstdarstellung wird nun von den Wikipedia-Chefs geschrieben - und der Betroffene kann es nicht einmal mehr verändern. Das unten ist ein Aus der Seite des gesperrten Benutzers:

Aus dem weiteren Text geht deutlich hervor, dass die Sperrung um 12:39 Uhr erfolgte. Und zwar genau für sechs Stunden. Schon in den Minuten danach konnten die Wikipedia-Chefs dann ungestört löschen, zensieren, verändern ...

So bastelten die Admins an weiteren Seiten herum. Auf der Seite zu Projektwerkstätten wurde sogar der Link "www.projektwerkstatt.de" wegzensiert. Die Begründung ist der klassische Totschlaghammer der Chefs: NPOV - nicht neutral. Das sie ihre Position als die neutrale hinstellen, ist jede andere automatisch nicht neutral. Damit müssen sie sonst nichts mehr begründen - gottähnliche Stellung.

Ob das aber für andere überhaupt auch gilt? Werfen wir mal einen Blick auf andere Seiten, z.B. die von Angela Merkel. Aber hoppla - was ist das? Da sind nicht nur die regierungsamtlichen Seiten (sicherlich nicht sonderlich "neutral") verlinkt. Sogar die Seite von Angela Merkel selbst hat einen Link. Aha - manche sind gleicher als andere.

Aber bei diesen weiteren Seiten fiel eine neue Steigerung auf: Wer bisher noch an die Versionenlisten glaubte, kann das nun auch knicken. Denn das Gerücht ging um, dass dort zensierte Teile weiter sichtbar gemacht werden können. Pustekuchen ... im Laufe des 2.10.2007 wurde auch der Eintrag "Projektwerkstatt" von den Wikipedia-Chefs zerlegt. Die haben zwar auch von diesem Thema keine Ahnung - aber das stört sie ja auch sonst nichts, nach Gutdünken alles umzuschreiben. Als nun die Person, die den Text unsprünglich eingestellt hatte, nach der Sechs-Stunden-Sperre wieder Veränderungen vornahm, erlebte sie etwas Neues: Die Veränderungen wurden rückgängig gemacht (das war zu erwarten) - und diese Handlung war in der Versionsgeschichte nicht zu finden. Die Veränderung wurde also aus der Geschichte entfernt. 1984 reloaded.

Nach der Kritik auf der Diskussionsseite wurde das wieder geändert ... zeigt aber eher erneut, welche Machtfülle hier besteht. Die beliebige Manipulation der Versionsgeschichte ist gezielte Steuerung von Geschichte. DAS IST 1984!

Und auch im kleinen zeigten sich die Wikipediachefs kleinlich: Verweise auf die veränderten Seiten durften nicht sein. Ausschließlich ein Link, der mit dem ursprünglichen Eintrag gar nichts mehr zu tun hat, ist erlaubt. Vorher und nachher:

Insgesamt ist auch "Projektwerkstatt" als ursprüngliche Seite weg. Strategie hier: Feindliche Übernahme: Begriff stehenlassen, aber einfach einen anderen Inhalt drauf. Die jetzige Definition von und Geschichte von Projektwerkstatt ist einfach absurd. Von dem ursprünglichen Text ist nichts mehr vorhanden (siehe den Projektwerkstatts-Text auf Anarchopedia - der übrigens auch nicht verlinkt werden darf!):

Lustig: Das Bild stammt noch aus der Ursprungsversion - mit dem Beschriebenen hat es genau nichts mehr zu tun. Aber auch dieser Zustand währte nicht lange. Der Wikipedia-Polizei fiel einige Stunden später auf, dass sie da ein unkontrolliertes Element auf der Seite gelassen hatten. Also: Noch einmal die Zensurschere - und dann war der Artikel so, wie er den Wikipedia-Chefs gefiel. Dass der Eintrag nun für NutzerInnen keine sinnvollen Informationen mehr bot, war der Wikipedia-Zentrale egal.

So ging es in die Nacht. Und als die Wikipedia-Macher aufwachten, fanden sie auf der Selbstdarstellungsseite des Benutzers "Pwsaasen" einen Text mit Kritik an der Zensur und mit den Links zu den verbotenen Artikeln, die jetzt auf Anarchopedia waren:

Das ging natürlicht nicht und so setzte es die am 3. Oktober 2007 die Höchststrafe: Lebenslänglich ... gesperrt!

Wer auf den Link zum Grund des Ganzen klickt, liest das: "Kein Wille zur enzyklopädischen Mitarbeit erkennbar" heißt dort, was in anderen autoritären Kollektiven "steht nicht auf der freiheitlich demokratischen Grundordnung" lautet.

Aber bevor sich Wikipedia-Obermotz Jergen über den Account "Pwsaasen" hermachte, surfte er nochmal auf der letzten Seite vorbei, die noch nicht vernichtet war: Antirepression. Die hatte erst selbst 8 Minuten nach dem Erscheinen (wohl wieder die Vorschau überprüft, was?) vorläufig gesperrt, vermeintlich wegen Urheberrechtsproblemen, weil "Pwsaasen" da einen Text von "Pwsaasen" draufgesetzt hatte. Na gut. Am 2.10.2007 um 22.44 Uhr wurde sie nach Klärung dieser Frage freigegeben.

Das hatte sich nicht gelohnt, denn Zensator Jergen machte am folgenden Morgen seinen Kontrollgang - und setzte um 10.27 Uhr die neue Seite auf "Löschen":

Sechs Minuten später (siehe oben) schoß er den Autor ab - damit dieser an der Debatte nicht mehr teilnehmen konnte. Da wirkt wie ein Hohn, dass Zensur-Kumpel Sargoth noch schnell den Autor anpöbelte, dass er mit seinen Vermutungen um Zensur irgendwelchen Verschwörungen anhängen würde:

In derselben Sekunde, wie die Kritik erschien, hatte Sargoth schon die Antwort: Die Wikipedia-Polizei ist wachsam. Aber wird selbst von der eigenen Wirklichkeit überholt: 11 Stunden später stand der Artikel auf "Löschen". "Das Ticket ist da, der Text frei" - schrieb Sargoth ... und hatte für 11 Nachtstunden recht. Danach erschienen die Wikipedia-Security-Männer wieder an ihren Bildschirmen und der "aggressive Zensurvorwurf" mutierte zur Wirklichkeit.

Ein Blick lohnt sich noch auf die Debatte um die Löschung: Keine Argument, Rumgemackere wie am übelsten Stammtisch.

Wenig überraschend: Das Ende vom Lied ...

Ein versteckter Eintrag zeigt die Zeit: Kurz nach der Sperrung von PwSaasen werden alle Spuren deren Existenz bei Wikipedia vernichtet:

Nachtreten ... da war noch die Seite "Direct Action". Bislang war die Auffassung der Wikipedia-Polizei, der Inhalt solle auf "Direkte Aktion" verlagert und diese beiden Seiten zusammengelegt werden. Neu nun: Löschen. Keine Inhalte übertragen. Ist alles ohnehin unerwünscht. Ganz "zufällig" kommen die der Wikipedia-Polizei sicher sehr gelegenen Löschwünsche nach zwei Wochen Pause um diese Seite alle kurz nach der Lebenslänglich-Sperre des Nutzers Pwsaasen, von dem der Text ursprünglich stammt. So organisiert man die Propaganda zur Ausgrenzung ...


Das Ganze ist auch deshalb lustig, weil Wikipedia-Polizist "Sargoth" schon mal eine ganz andere Auffassung vertrat - zum selben Artikel. Da wollte er "nur" beide zusammenführen und bezeichnete den Text sogar als "gut", den er jetzt einfach ersatzlos löschen will:

Aber auch egal. Am Ende kam alles noch schlimmer. Die Direct-Action-Seite, von WIkipedia-Polizist Sargoth anfangs noch für "gut" befunden, wurde einfach gelöscht, ohne dass Inhalte übernommen oder eine Redirect eingerichtet wurde. Wer jetzt zu Direct Action will, findet das:

Wer die zensierten bzw. gelöschten Seiten anschauen will, findet sie inzwischen auf Anarchopedia:

Weitere Beispiele

SeitenHieb-Verlag auf Wikipedia nicht erwünscht
Im Wikipedia-Artikel zu "Jörg Bergstedt" (im Wesentlichen aus der Ecke dessen Gegner_innen entstanden) haute die Wikipediapolizei im August 2014 plötzlich einfach alle SeitenHieb-Bücher raus. Zunächst ohne Begründung. Nach Rückgängigmachung wurde es erneut zensiert, diesmal ganz offen mit der Begründung, die SeitenHieb-Bücher seiten "Literaturspam". Das ist gedanklich nicht weit von der Bücherverbrennung entfernt. Mensch beachtet: "Monsanto auf Deutsch", "Fiese Tricks von Polizei und Justiz", der HierarchNIE!-Reader oder "Freie Menschen in freien Vereinbarungen" waren gemeint: Literaturspam! Wikipedia definiert, was gut und böse ist. Es gab ein bisschen hin und her, dann wurde die Zensur erwartungsgemäß damit vollendet, dass die Bücherliste zensiert und dann die Seite gesperrt.


Screenshot der Versionsgeschichte: Beginn unten mit der Zensur des SeitenHieb-Verlages. Ende oben mit der Sperrung.


Noch offensichtlichere Zensur am 29.12.2014: Das Buch "Fiese Tricks von Polizei und Justiz" wurde zensiert mit der einfachen Begründung: "Bitte keine Veröffentlichungen im SeitenHieb-Verlag". Keine weitere Begründung (siehe Screenshot oben, rechte Spalte). Der Zensierer ... ist übrigens Henning Schlottmann aus München. Statt Recherche ist der schnell auch mal mit Unterstellungen dabei, wie eine Debatte um seinen Zensurvorschlag auf der Seite zu "Jörg Bergstedt" zeigt:
SeitenHieb-Zensur auf Wikipedia

Löschungen von SeitenHieb-Büchern und -Verweisen gab es später auch weiter. Dann tobte der Kampf eine Weile um die Seite zum SeitenHieb-Verlag - auch hier arbeitete die Zensur überwiegend mit freien Erfindungen über den Verlag. Screenshot aus 2016:
Wikipedialöschung 2016
Beispiel eines Zitats aus der Löschdebatte über das Buch "Monsanto auf Deutsch", welches auf Gentechnikseiten nicht benannt werden durfte: "Der Seitenblicke-"Verlag" ist das persönliche Engagement von Jörg Bergstedt, mit dem er Autoren eine ISB-Nummer besorgt. Sonst tut der "Verlag" nichts. Im konkreten Fall Monsanto ist diese Broschüre tatsächlich bei so vielen Bibliotheken gelandet, dass man es rechtfertigen kann, sie aufzuführen. Man muss aber nicht, denn irgendeine fachliche Rezeption ist nicht ersichtlich, ich halte es nicht für unwahrscheinlich, dass die Exemplare den Bibliotheken unaufgefordert und kostenlos zugeschickt wurden. Grüße --h-stt !? 14:11, 10. Okt. 2016 (CEST)"
Wie zu sehen ist: Dieser Löschpolizist (Henning Schlottmann aus München) kannte nicht einmal den Namen dessen, was er zensierte. Diesmal bekam Schlottmann aber Gegenwind, so dass "Monsanto auf Deutsch" wieder eingetragen wurde.

Zum kleinen Ort Saasen: Projektwerkstatt darf nicht erwähnt werden
So richtig viel hat der kleine Ort Saasen nicht zu bieten. Die Projektwerkstatt ist das einzig überregional bekannte. Erwähnt werden darf es im Eintrag "Saasen" aber nicht. Eine Minute, so zeigt es die Versionsgeschichte, brauchte es von Eintrag bis Zensur (im Eintrag zu "Reiskirchen" wurde der Hinweis auf die Projektwerkstatt ebenfalls sofort gelöscht).

Screenshot der Versionsgeschichte
Das Löschargument mit dem Link ist erkennbar vorgeschoben. Zum SV Saasen gibt es gar keine Quellenangabe.

Löschen, Löschen, Löschen

Die Löschdiskussion auf Wikipedia ist auch noch anzugucken ... trostloser Stammtisch-Talk. Als Fazit bleibt: Das Schauspiel "Wikipedia" ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Und beweist eindrucksvoll, dass Herrschaft ständig selbst der Grund ihrer Anwendung ist. Es ist nicht schwer sich vorzustellen, wie die Personen im Kern Stunde für Stunde mühevolle Arbeit anderer Menschen einfach per Tastenklick vernichten, Menschen abkanzeln und sich selbst hinter einer seltsamen Maske verstecken. Das ist noch viel schlimmer als die Stellung von PolizistInnen, RichterInnen, KontrolleurInnen, ArbeitsagenturbürokratInnen usw. - denn diese sind wenigstens noch sichtbar, wenn sie auch bereits aus der Rolle der Nichtbetroffenen und aus der Stellung der Überlegenen fließbandmäßig über andere entscheiden. Bei Wikipedia ist das nur noch ein Mausklick. So wie Wikipedia-Cop "GDK". Als er "Umweltschutz von unten" ohne jegliche Debatte von der Festplatte fegte, war er gerade im Abstand weniger Minuten dabei, Werke zu vernichten.

Im Original: Einblicke in die Löschkultur ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus BENUTZER:STEFAN64: "Möglichkeiten und Grenzen demokratischer Struktur in der Wikipedia ", in Wikimedia Deutschland e.V. (2012), "Alles über Wikipedia", Hoffmann und Campe in Hamburg
Die Löschpraxis der Wikipedia ist mit der Eingangskontrolle und den Relevanzkriterien direkt gekoppelt. Dabei finden Löschungen auf unterschiedlichen Wegen statt, die hier kurz dargestellt werden sollen. Allen gemeinsam ist allerdings auch hier: Löschungen dienen der Verbesserung der Gesamtqualität der Wikipedia, idealerweise sollten entsprechend nur Inhalte gelöscht werden, die die Qualität der Wikipedia verschlechtern.
Dies trifft insbesondere auf Schnelllöschungen zu, also Löschungen, die direkt nach dem Eingang eines neuen Beitrags stattfinden. In der Regel handelt es sich hierbei um offensichtlichen Unsinn, Tastaturtests und ähnliche Experimente seltener werden ernsthafte Artikelanlagen gelöscht, die die bestehenden Relevanzkriterien bereits bei oberflächlicher Betrachtung massiv unterwandern (häufig Artikel über Personen, Vereine oder Unternehmen, die sich der Rubrik »Selbstdarsteller« zuordnen lassen) oder qualitativ von einem Artikel meilenweit entfernt sind (Schlagwortdarstellungen, Halbsatzartikel und Ähnliches). In der entsprechenden Richtlinie sind Schnelllöschungen erklärt als »das Löschen einer Seite ohne vorherige siebentägige Löschdiskussion. Die Schnelllöschung ist für ein-deutige Fälle vorgesehen, die nicht erst ausdiskutiert werden müssen.« ... (S. 91)
Auch in Löschdiskussionen geht es nicht um Mehrheiten. Das ist insbesondere Neulingen, deren erster Artikel womöglich gleich zur Löschung vorgeschlagen wird, nur schwer klarzumachen. Es gab einige notorische Fälle, in denen etwa Blogleser aufgerufen wurden, gegen eine Löschung zu votieren, und diesem Appell auch in großer Zahl nachkamen. Wenn ein solcher Artikel dann trotzdem gelöscht wird, ist natürlich sofort die Rede von undemokratischen Verhältnissen bei Wikipedia. Es lassen sich jedoch gute Gründe anführen, warum Löschdiskussionen von einem Administrator ausgewertet werden, der dabei einen gewissen Ermessensspielraum hat. In der nicht ohne Grund sogenannten »Löschhölle« geht es oft unsachlich zu. Bei katastrophal schlechten Artikeln wird in der vagen Hoffnung auf Verbesserung für Behalten votiert, demgegenüber finden sich bei Artikeln über anstößige Themen immer Benutzer, die trotz brauchbarem Inhalt für Löschen plädieren etc. Hier aufgrund von Zufallsmehrheiten zu entscheiden würde dazu führen, dass keine klare Linie mehr erkennbar wäre, was in Wikipedia Bestand haben sollte.
Administratoren sind mit den Qualitäts und Relevanzkriterien, die in langen Diskussionen entwickelt wurden und ständig fortgeschrieben werden, vertraut und sollten diese im Sinne der Community umsetzen. (S. 155)



Ohne Scham stellt sich GDK auf seiner Selbstdarstellung als das dar, was er ist: Ein widerlicher Macker, der seine Überlegenheit bei selbstbefriedigenden Mausklicks auslebt und sich sichtbar noch darin suhlt, andere ausknipsen zu können.

Die Macher (und z.T. Macker) im Zentrum der Macht wird diese Kritik nicht interessieren - schließlich haben sie auch dieser Zeitung bescheinigt, was sie von unabhängigen Medien halten: Uninteressant. Die Seite "gruenes blatt" wurde gelöscht.
Wie immer wird die Machtergreifung des Wikipedia-Kern das Gegenteil von dem Bewirken, was vorgegeben wird:

Die abgehoben-arroganten Wikipedia-Macher werden das nicht reflektieren. Sie schwimmen im Strom. Nachtrauern bringt nichts,
sondern daraus endlich Konsequenzen ziehen. Kontrolle ist immer Macht. Das Gegenmodell einer herrschaftsfreien Gesellschaft
als offenes Neben- und Miteinander vieler kleiner Subsysteme ist mit Kontrolle nicht vereinbar. Das hat Konsequenzen für die
heutige Praxis: Offene Räume, offene Medien, offene ... meist fehlt der Mut, das anzupacken. Wichtig wär's - auch um Wikipedia
zu vergessen als längst gescheiterter Versuch.

Rechts: Rückseite in "grünes blatt", Ausgabe Herbst 2007 zu Wikipedia (Download als PDF)

Aus Clausen, Levke: "Einst basisdemokratisch, jetzt ein exklusiver Club", in: FAZ, 28.9.2010
Wer sagt bei Wikipedia, was Qualität ist und was nicht? Unter den Forschern herrscht Einvernehmen: Über Relevanz und Qualität bestimmen sogenannte "Elite User", die hohe Anforderungen an die Qualität von Artikeln stellen und die eigehenden Texte gegebenenfalls stark bearbeiten. Sie entscheiden oft darüber, ob ein Artikel überhaupt veröffentlicht oder ob er gelöscht weden wird. Das Machtmonopol der Administratoren führt immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen: "Löschkriege" und "Sperrwahn" haben das Mitmachinteresse bei Wikipedia gesenkt. Wikipedia ist zu einem Club geworden.
Denen, die ihm angehören, erscheint er offen, Außenstehenden als geschlossenes System. Der Soziologe Christian Stegbauer brachte die Clubregeln auf die Formel: "Wer hier reinwill, muss sich anpassen". ...
Für stärkere Beteiligung von Wissenschaftlern tritt Wikipedia deshalb ein - Experten, so die Devise, erzeugen Qualität. Was viele Wissenschaftler bisher von einer Mitarbeit abhält, ist die Befürchtung, de eigene Artikel könne von jedermann bearbeitet werden.

Qualität von Wikipedia - offen oder kontrolliert

Die Begründung für Kontrolle ist immer dieselbe: Nur so können Fehler vermieden werden, kann Neutralität durchgesetzt werden usw. Wer solches Denken herrschaftsanalytisch betrachtet, gerät ins Zweifeln. In dieser Denke sind die Menschen als Feinde identifiziert - sie bringen ihre eigenen Ansichten und Wahrnehmungen ein - bäh! Doch wer sitzt hinter den Schalthebeln der Kontrolle? Keine Menschen? Doch - aber welche, die ihre eigenen Meinungen als Neutralität verklären und so rücksichtslos durchsetzen. Das Ergebnis ist alles andere als qualitätsvoll. Denn einzelne Menschen, die kontrollieren, sind regelmäßig wenig informiert, unter Zeitdruck und sehr technisch orientiert - während viele Menschen auch insgesamt viele Blickwinkel einbringen. Das kommt der sogenannten "Wahrheit" am nächsten, denn der z.B. von Wikipedia-KontrolleurInnen behauptete neutrale Standpunkt (NPOV) existiert gar nicht. Er ist nicht als eine Selbstermächtigung derer, die sich für was Besseres halten und damit legitimieren, überall ihre Meinung durchzusetzen. Im Ergebnis entsteht ein Artikel, der dann sogar eher ziemlich schlecht ist - im Namen der Qualität.
Das zu ein Beispiel aus dem Konflikt - weil es so schön war und sich das vorher und nachher über den Versionsvergleich veranschaulicht werden kann. Der Wikipedia-Eintrag zu "Projektwerkstatt": Gelb (links) die alte Fassung und grün (rechts) die neue - von den Wikipedia-Chef. Sehr deutlich ist erkennbar: Richtig schlecht. Die Hauptbedeutungen des Wortes sind gar nicht mehr enthalten. Das gilt dann als "neutral"!

Mehr Beispiele: Wikipedia schützt Politiker Volker Bouffier

Ein gutes Beispiel für die Probleme scheinbar offener Räume, hinter deren Fassade der Offenheit aber massiv privilegierte Zugriffsrechte bestehen, ist die Seite zu Volker Bouffier. Hier wird seit Jahren erfolgreich die Aufnahme kritischer Links und Hinweise verhindert mit folgenden Methoden:

Aus der Diskussionsseite zur (ständig zensierten) Bouffier-Seite:


Offen zugegeben: Eine politische Beurteilung der verlinkten Seite führt zu deren Zensur.


Die zensierende Person macht sich selbst zum Kontrolleur.


Eine weitere Person (erster Absatz) versucht, kritische Links unterzubringen. Der Zensator geht darauf nicht inhaltlich ein, sondern vermutet hinter dem Eintrag eine Gruppierung, die Bouffier politisch kritisch gegenübersteht. Erstens wäre das kein Argument, zweitens war es frei erfunden.


Die weitere Person beschwert sich über die Zensur, der Zensator gibt sich wieder als Exekutierer einer höheren Wahrheit: "musste natürlich ... heraus".


Die Begründung (erster Absatz) zeigt: Hier wird politisch gehandelt. Abweichende Meinungen sind "absurd". Und wenn jemand was anderes denkt, dann "können die Eindrücke auch trügen". Außer natürlich die des Zensators ...

Kommentar:
Offene Räume sind ein Experiment. Kontrolle ist Gift. Die Probleme offener Räume lösen zu wollen, in dem die Offenheit immer nur gilt, wenn es ohnehin keine Konflikte gibt, vernichtet den offenen Raum. Selbst in den autoritärsten Familien wird Macht auch nur direkt ausgeübt, wenn Konflikte herrschen. Das ist kein offener Raum. Bei Wikipedia sind aber ohnehin nie gleiche Bedingungen gegeben. Die NutzerInnen, in der Propaganda als Basis von Wikipedia bezeichnet werden, sind dumme Sklaven, die die Arbeit machen, aber deren Beiträge von meist im Thema ahnungslosen Menschen mit privilegierten technischen Zugriffsrechten zurechtgestutzt oder gar gelöscht werden. Wer widerspricht, merkt, wie wertvoll für Wikipedia die NutzerInnen sind: Sperre. Ausgrenzung ist Alltag in solchen Systemen. Im Fall der Internetseite führender PolitikerInnen führt das regelmäßig dazu, dass diese Seiten durchweg tendenziös PolitikerInnen-freundlich sind.

Keine Kritik am Flughafen Frankfurt

Zum Artikel “Flughafen Frankfurt am Main” wurde der Beitrag: “Momentan haben KlimaaktivistInnen den Wald besetzt der für die neue Landebahn gefällt werden soll. Sie fordern keinen weiteren Flughafenausbau mehr zu betreiben und die Flugbewegungen stark einzuschränken um die CO2 Emissionen zu verringern, die in der Höhe, in der sie beim Flugverkehr entstehen, dreimal so klimawirksam ind wie in Bodennähe.” hinzugefügt. Nach nur einer Minute war er wieder gelöscht. Quelle ...

Die typische Reaktion: Noch mehr Kontrolle und Machtausübung

"Das richtige moralische Ziel im Leben ist die Suche nach dem persönlichen Glück ... Das einzige gesellschaftliche System, das dazu passti, ist eines von vollem Respekt für die Rechte des Individuums, eingebettet in Laissez-faire-Kapitalismus."
Wikipediaerklärung zum Objektivismus, dem sich der Wikipedia-Chef Jimmy D. Wales zugehörig fühlt (zitiert nach: FR, 15.1.2011 (S. 3)

Wurde anfangs noch behauptet, gerade die Offenheit würde Fehler vermeiden, macht die Wikipediazentrale nun das, was typisch deutsche Reaktion auf Kritik ist: Kontrolle. Damit ist das Experiment am Ende, die Normalität übernimmt das Kommando ...

Aus "Wikipedia bald mit neuer Anzeige", in FR, 23.9.2007
In den nächsten Tagen beginnt der Test eines neuen Kennzeichnungssystems, teilte Wikimedia Deutschland am Sonntag mit. Es sieht vor, den Lesern mithilfe von Markierungen deutlich zu machen, ob ein Artikel frei von Unsinn oder falschen Darstellungen ist. Die neue Funktion werde voraussichtlich im November in das deutsche Hauptportal integriert, erklärte Wikimedia-Vorstandsmitglied Philipp Birken. Ob anderssprachige Seiten folgen, sei noch unklar.
In der Standard-Ansicht des Internet-Lexikons sollen künftig nur Texte angezeigt werden, die erfahrene Autoren als frei von Verunstaltungen markiert haben. Wieviele Autoren das sein werden, steht noch nicht fest. Nutzer sollen die nicht gekennzeichneten Versionen aber weiterhin lesen und bearbeiten können. "Ziel ist es, die Verlässlichkeit und Qualität der Texte zu erhöhen", sagte Birken der Deutschen Presse-Agentur dpa.
Bislang können alle Nutzer Artikel bearbeiten, was immer wieder zu Manipulationen und Vandalismus führt. Häufig würden etwa in Artikel über Politiker Schimpfwörter eingefügt.

Kommentar: Typisch auch, dass dem Wikipedia-Boss als Beispiel die Kritik an PolitikerInnen einfällt - obwohl deren Apparate die Haupt-ManipulatorInnen sind ... das berichtete sogar die FR selbst am 20.9.2007 (Hessenseite D1) vorher (natürlich erst dann, als ein anderer Eliteangehöriger davon betroffen war ...)

Wikipedia als Geldsammelprojekt
Aus "Wie die Wikipedia-Spendenaktion die Basis erzürnt", in: Süddeutsche, 15.12.2015
Der Großteil der Finanzierung kommt von kleinen Spenden um die 20 Dollar. Doch trotz solcher überschaubaren Beträge häuft sich einiges an: Aktuell sitzt die amerikanische Wikimedia-Stiftung auf 78 Millionen Dollar, ein Zuwachs um mehr als 24 Millionen Dollar im Vergleich zum Vorjahr. Im Jahr 2008 besaß die Stiftung noch weniger als zehn Millionen Dollar.

Wikipedia unter Kontrolle

Die kritischen Atom-Internetseiten von www.bund-freiburg.de sind jüngst bei Wikipedia auf der Spamseite gelandet. Das führte dazu, dass diese wichtigen AKW-Seiten auch bei Google ab Mitte Juni 2008 nicht mehr gefunden werden. Es gibt einige Indizien, die auf eine mögliche Unterwanderung des Atombereichs bei Wikipedia schließen lassen: Getarnt als unabhängige Bürgerinitiative, verbreite die industriegesteuerte Schein- Bürgerinitiative „Bürger für Technik“ (BfT) Lobeshymnen über die Kernkraft, berichtete die "Zeit" am 17.4.2008. Die Tarnorganisation der Atomlobby bearbeitet natürlich auch Wikipedia: „Zum selben Zweck wird offenbar auch das freie Internetlexikon Wikipedia manipuliert. Mehrmals schon wurden die BfT-Mitglieder aufgefordert, missliebige Beiträge zu bearbeiten. "In der Anfangszeit war da viel ideologisch durchsetzt", zitiert die "Zeit" einen Insider.

Torsten Kleinz, Autor von Focus-Online berichtete am 15.08.07: "Biblis ist sicher! Einer der aktivsten Autoren im Wikipedia Artikel über das Kernkraftwerk in Biblis ist ein Nutzer mit der IP-Adresse 153.100.131.14. Er schrieb schon im vergangenen Jahr über Radionuklide, die Reaktion der Notstrom- Dieselgeneratoren und setzt im Brustton der Überzeugung den Satz hinzu: 'Das Kraftwerk Biblis ist ein Meilenstein in puncto Sicherheit.' Der anonyme Autor muss es wissen: Seine IP-Adresse gehört dem Biblis-Betreiber RWE."

Ausgerechnet Neues Deutschland, die Zeitung der Partei Die Linken, machte den Kommunismus für die autoritäre Kontrolle im eigentlich anarchistischen Wikipedia verantwortlich: "Mit ein wenig Fantasie könnte man Wikipedia als eine Art herrschaftsfreie Assoziation solidarischer Individuen beschreiben. Doch der Kommunismus zeigt auch hier sein Janusgesicht. In einem Forschungsprojekt stellte der Soziologe Christian Stegbauer fest, dass die Legende von der egalitären Internet-Gemeinde nicht mehr stimmt. Längst habe sich eine 'Herrschaft der Administratoren' etabliert" (ND, 15.1.2011, W9).

Aus dem Vorspann zum Interview mit dem Netzwerkforscher Christian Stegbauer auf telepolis am 26.11.2009
Urheber neuangelegter Artikel werden in der deutschsprachigen Wikipedia oft durch Löschungen vor den Kopf gestoßen; wer uneingeladen an Artikeln arbeitet, deren Struktur von einem etablierten Wikipedianer geprägt wurde, muss mit heftigem Gegenwind rechnen. Andererseits gilt die deutschsprachige Wikipedia als vergleichsweise anspruchsvoll, was nicht zuletzt der Aufmerksamkeit der aktiven Wikipedianer geschuldet ist, die jede Änderung argwöhnisch in Minutenschnelle kontrollieren. ...
Aus dem Interview:
Das gegenwärtige Machtmodell des ursprünglich anarchistisch anmutenden Projekts Wikipedia haben Sie "Oligarchie" genannt. Wie hat sich diese entwickelt?
Christian Stegbauer: Der Begriff der Oligarchie ist angelehnt an die klassische Beschreibung der Machtstrukturen in politischen Parteien von Robert Michels, die 1911 veröffentlicht wurde. Dort wird von der Zwangsläufigkeit der Herausbildung einer Oligarchie gesprochen. Man kann sich das folgendermaßen vorstellen: Diejenigen, die sich für Wikipedia besonders eingesetzt haben, sind über die Zeit zu Experten geworden. Nicht nur, dass sie das Wikipediaprogramm genau beherrschen würden, sie kennen die anderen relevanten Teilnehmer und wissen, wie gute Artikel auszusehen haben. Sie sind es Leid, sich immer wieder denselben Diskussion, die sie ermüdet haben, zu stellen. An vielen Stellen zeigt sich, wie unsinnig lange Diskussionen sein können - sie führen sehr oft zu keinem Ziel. Aus dieser, gemeinsam mit den Mitstreitern gemachten Erfahrung heraus, versucht man, gewonnene Einsichten zu verteidigen. Zudem sind es nicht viele, die das gleiche Niveau erreicht haben, wer sonst sollte etwas zu sagen haben? Diejenigen, die neu hinzukommen besitzen nicht die Erfahrung und nicht das über die Jahre gesammelte Wissen.
Von einem technokratischen Standpunkt aus gesehen, kann man dies durchaus nachvollziehen. Klar ist aber auch, dass dies der Grundsatzidee von Wikipedia, der gemeinschaftlichen Erstellung einer Enzyklopädie, die mit einem Befreiungs- und Aufklärungsgedanken verbunden ist, widerspricht. Forderungen nach mehr innerwikipedianischer Demokratie werden häufig mit dem Argument, man könne über Wissen nicht abstimmen abgetan - dieses Argument dient implizit der Aufrechterhaltung der inzwischen weitgehend etablierten Machtstruktur - und was für Wissen in weiten Teilen richtig ist, kann aber nicht zählen bei Fragen der Organisation.
Wie beurteilen Sie Einfluss und Kompetenz der Wikipedia-Administration?
Christian Stegbauer: Häufig wird betont, dass es sich bei Admins um "normale" Teilnehmer handele, die lediglich über ein paar mehr Befugnisse verfügten. Formal mag das stimmen, tatsächlich wird das Projekt sehr stark von Administratoren beeinflusst, was sich etwa bei "Wahlen" zu Administratoren oder anderen Funktionen gut belegen lässt. Dort sind Admins ein starker Einflussfaktor, weil sich im Vergleich zu den Wahlberechtigten nur sehr wenige Nichtadmins an dem öffentlichen Procedere beteiligen. Man kann sagen, dass Admins selbst andere Admins bestimmen. Die Öffentlichkeit der Diskussion erzeugt zudem einen sozial stimulierten "Bekennerdruck", der freie Entscheidungen erschwert. Im Grunde handelt es sich bei Admins sicherlich um eher kompetente und im Grunde vernünftige Teilnehmer, wobei die Kompetenz hinsichtlich Artikelinhalte natürlicherweise auf bestimmte Fachgebiete begrenzt ist. Nach unseren Beobachtungen lässt allerdings die Mitarbeit an der Erstellung von Artikeln nach der Ernennung als Admin im Verhältnis zu anderen Aufgaben nach.

Löschen und Editieren als Konkurrenzkampf

Das ist bemerkenswert: Was eigentlich wie eine Kooperation wirkt, zeigt sich hinter den Kulissen als Konkurrenzkampf. Das beweist einerseits, dass Konkurrenz und Durchsetzungswillen je nach Bedingungen nicht zwingend andere unterdrücken müssen, andererseits wandelt sich Wikipedia aber immer mehr in eine Richtung, dass dieses doch geschieht.

Aus einem Interview mit dem Netzwerkforscher Christian Stegbauer auf telepolis am 26.11.2009
In Ihrem Buch untersuchen Sie die Motivation für die häufig anonym editierenden Wikipedianer, die im Gegensatz zu konventionellen Autoren nicht durch Geld oder Anerkennung in der Fachwelt honoriert werden. Sie vertreten die Ansicht, ein wesentlicher Beweggrund läge insbesondere in der Verbesserung der Wikipedia-internen Position des Benutzers, also dem Ansehen bei anderen etablierten Wikipedianern, das sich u.a. auch über die Zahl der Editierungen definiert. Ein Großteil der Editierung besteht jedoch aus Löschung, sodass tendenziell destruktives Verhalten belohnt wird. Wäre es sinnvoll, stattdessen ein Bewertungskriterium einzuführen, das Erhaltung und Ausbau von Informationen belohnt?
Christian Stegbauer: Die Motivation längerfristig mitzuarbeiten ergibt sich aus der sozialen Integration - d.h. die Mitarbeiter müssen wissen, wofür sie zuständig sind, was wir als Position bezeichnen würden. Ferner muss ihre Mitarbeit für sie erkennbar geschätzt werden. Innerhalb dieser Position dann findet man Wettbewerb zwischen den Teilnehmern. Die meisten Aktivisten haben sich spezialisiert. Der Wettbewerb der sich in der Anzahl der Artikelbearbeitungen ausdrückt besteht nicht zwischen allen engagierten Teilnehmern. Die Zahl der Bearbeitungen ist besonders bei den sog. "Vandalismusbekämpfern" von Bedeutung. Bei den sog. "Qualitätsautoren" ist die absolute Zahl nicht so sehr wichtig. Dort geht es eher um die Zahl der als lesenswert oder exzellent anerkannten Artikel. Wettbewerb innerhalb der einzelnen Funktionspositionen ist sinnvoll und hilft die Qualität zu verbessern. Allerdings erschweren die vielen guten Schreiber den Einstieg für Neulinge und die andere Seite des Wettbewerbs ist die Frage, wie neue Teilnehmer gewonnen werden können. Hier scheint Wikipedia heute in weiten Teilen abschreckend zu wirken. Strengere Relevanz- und Qualitätskriterien als dies zu Anfang der Fall war, helfen bei der Gewinnung und Integration neuer Mitarbeiter jedenfalls kaum.
Sie beschreiben in einem Kapitel die typische Erfahrung eines Bearbeiters, der in einem Artikel editiert, den bereits ein anderer Autor als sein Revier betrachtet. Sie sprechen von "Artikelbesitzern", während Spötter diese Leute als "Blockwarte" bezeichnen, die nur Freunden das Mitbauen an ihren Sandburgen gestatten. Wie läuft solch ein typischer Konflikt ab?
Christian Stegbauer: Wir haben die Entstehung von Artikeln untersucht. Dabei hatten wir den Eindruck, dass Artikel, um die sich jemand kümmert, in einem besseren Zustand waren als solche, für die sich niemand zuständig fühlte. Eine Grundidee von Wikipedia wird in dem Slogan "Weisheit der Vielen" beschrieben. Empirisch beobachtbar ist aber, dass es meist sehr wenige sind, die an einem Artikel schreiben. Sehr häufig wird sogar die Autorenschaft für einzelne Artikel auf der Benutzerseite markiert. Wenn ein anderer Teilnehmer sich nun an der Konstruktion des anderen "vergreift", kommt es oft zu Auseinandersetzungen. So ein Streit kann schwierig zu lösen sein, weil es hier um Expertise geht und es so aussehen mag, als ob derjenige, der nachgibt, eine Niederlage erleidet. Die sozial durch die Mitarbeit an den Artikeln konstruierte Identität wird durch so eine Niederlage in Frage gestellt. Solche Kämpfe werden nach unseren Untersuchungen immer von den "formal" Ranghöheren "gewonnen", etwa dann, wenn es im Zuge der Auseinandersetzungen zu Artikelsperrungen kommt.

Aus "Inside Wikipedia. Angriff der PR-Industrie", auf: WDR, 30.1.2014
... längst haben PR-Agenturen und große Unternehmen zum Angriff auf Wikipedia geblasen. Und plötzlich könnte ein gutgemeintes Projekt zu einem Problem für die Demokratie werden. Denn schließlich lebt eine aufgeklärte Gesellschaft von einem offenen Zugang zu unabhängigen Informationen. ...
Im Artikel über den Fahrzeugbauer MAN wurde die Information gelöscht, dass das Unternehmen im zweiten Weltkrieg Panzer für das Nazi-Regime gebaut hat - von einer Internetadresse bei MAN. Im Beitrag zum Luftverkehr wurde ein Absatz über die Gesundheitsgefahren durch Fluglärm entfernt - von einem Rechner bei der Lufthansa. Auf der Seite zur Daimler AG sollte gleich ein ganzer Absatz gelöscht werden, in dem die Lobby-Aktivitäten des Konzerns thematisiert wurden. Wieder saß der Urheber bei Daimler selbst. Manipulationsversuche, die in den letzten Jahren spektakulär aufgeflogen sind und von anderen Nutzern korrigiert wurden. Die Unternehmen bestreiten, sie veranlasst zu haben. ...
Das größte Problem, bei Wikipedia gibt es immer weniger ehrenamtliche Aktive wie Dirk Franke. Und immer mehr bezahlte Schreiber wie Malte Landwehr, die für PR-Agenturen arbeiten - sogar als Administratoren, sagt er. ...
Wikipedia ist gestartet als demokratisches Projekt - offen und unabhängig. Jetzt droht daraus ein Informationsmonopol zu werden, unterwandert von Wirtschaftsinteressen.

Aus "Das Werkzeug der Spin Doctoren", in: Cicero, 23.1.2014
Die Wikipedia sieht sich selbst gern als das umfangreichste Wissensprojekt der Menschheit. Doch der offene Enzyklopädie-Monopolist wird von PR- und Lobbygruppen unterwandert. Eine Studie offenbart das Ausmaß ...
Wenn ein einzelnes Forenmitglied mit einer winzigen Manipulation die Presselandschaft derartig übertölpeln kann, wenn Medien- und Wirtschaftsprofis vor der Online-Enzyklopädie kapitulieren, wie groß muss dann erst der Einfluss professioneller Lobby-Organisationen sein? Dieser Frage ging der Journalist Marvin Oppong nach. Heraus kam die Studie „Verdeckte PR in der Wikipedia – Das Weltwissen im Visier von Unternehmen“, erschienen in einer Reihe der gewerkschaftsnahen Otto-Brenner-Stiftung. ...
PR und Manipulation, so Oppong, seien in der Wikipedia allgegenwärtig. Die Einflüsse von Interessengruppen und Kommunikationsprofis sind sogar so groß, dass Oppong von einer „Diktatur der Zeitreichen“ spricht. ...#
Dabei gehe es für Organisationen nicht nur darum, Fakten auf den neuesten Stand zu bringen, zu ergänzen oder eigene Artikel anzulegen. Viel wichtiger sei es, Unangenehmes zu löschen oder zu verschleiern. Besonders dreist bei diesen Methoden ist nach Beobachtungen des Autors die Pharmaindustrie. So wurde von einem Account aus dem Umfeld des Konzerns Boehringer Ingelheim der Hinweis auf die Agent-Orange-Produktion der Firma entfernt. Die Änderungen blieben teilweise monatelang bestehen. Fresenius wiederum löschte kritische Angaben über ein eigenes Medikament. Die Änderungen: „größtenteils permanent“. Der WikiScanner, ein Tool, das entlarvt, aus welchen Firmen bestimmte IP-Adressen stammen, listet etwa auch Manipulationen von Real, RWE, dem Spiegel-Verlag, Scientology oder der CSU auf. Die meisten dieser Beispiele wurden entdeckt, bloßgestellt und von der Community korrigiert. Neuere Fälle sind jedoch nicht mehr aufgelistet, weil der WikiScanner seit mindestens drei Jahren nicht mehr nutzbar ist. ...
Was Marvin Oppong in seiner PR-Studie ganz besonders rügt, sind Grenzübertritte von Mitgliedern aus der Wikipedia-Community selbst. Einer davon ist Achim Raschka, Verfasser von 78.000 Artikel-Bearbeitungen und Gründungsmitglied von Wikimedia Deutschland e.V. Obwohl sich die Online-Enzyklopädie der Neutralität verpflichtet, editierte Raschka zahlreiche Artikel im Sinne diverser Lobbyverbände beim Wikipedia-Projekt „Nachwachsende Rohstoffe“ – darunter für ein Nachhaltigkeitsprojekt des Verbraucherschutzministeriums, die Energie-Pellet-Branche oder die Altholzindustrie. Raschka schulte den Kernkraftwerksbetreiber RWE; das Chemieunternehmen BASF platzierte und verlinkte er in mehreren Artikeln.
Auch der Nutzer des mittlerweile aufgegebenen Accounts von „7Pinguine“ gab Oppong Rätsel auf. „7Pinguine“ löschte einen kritischen Eintrag über mutmaßliche Ausländerfeindlichkeit bei der Sportkette McFit, nahm Schönheitskorrekturen für Trumpf, Nestlé sowie die FDP vor und hübschte den Wikipedia-Entrag des Filmemachers Günter Ederer auf. Wer sich hinter dem Pseudonym versteckte, ist bis heute unklar. ...

Mehr Beispiele

Wikileaks

Die Enthüllungsplattform machte 2010 Karriere zum meistdiskutiertesten Medium der Welt. Die Konsequenz war aber typisch: Aus der chaotisch-offenen Plattform wurde eine kontrollierte, von wenigen beherrschte Internetseite. Etliche Mitwirkende der Anfangsphase verließen das Projekt oder wurden hinausgedrängt. Die Zeiten, wo alles veröffentlicht wurde, was den MacherInnen von Wikileaks an geheimen Dokumenten zugespielt wurde, sind vorbei. Jetzt herrschen Wenige über die Seite und benutzen sie in politisch gerichteter Form (z.B. recht einseitig gegen die US-Regierung).

Aus "Vom Hacker zum Popstar", in: taz, 1.12.2010 (S. 4)
Wie Wikileaks heute arbeitet und warum es seine Ausrichtung geändert hat, darüber sprechen vor allem Leute, die bei Wikileaks ausgestiegen sind und deren Sichtweise, auch wenn sie sehr glaubwürdig erscheint, natürlich eingefärbt ist. Nach ihren Aussagen ergibt sich folgendes Bild: Nachdem Wikileaks größere Erfolge mit seinen Veröffentlichungen hatte, mussten sich die Macher angesichts einer wachsenden Flug von Dokumenten entscheiden. Manche, darunter die meisten der heutigen Exilanten, wollten große Veröffentlichungen zunächst vermeiden und das Netzwerk ausbauen, es dezentraler und weniger abhängig vom Kern der Gründer organisieren. Julian Assange hingegen hatte spätestens seit der Veröffentlichung eines Videos über schießwütige US-Soldaten im Irak Gefallen am Spektakulären gefunden. Publiziert wird seither vor allem contra Vereinigte Staaten, Dokumente aus anderen Teilen der Welt bleiben liegen. ... "Das liegt nicht an der Quellenlage, sondern an der Auswahl". Domscheit-Berg und andere haben Julian Assange deshalb den Rücken gekehrt.
Die Kritiker sagen auch, es sei für sie oft nicht nachvollziehbar gewesen, wann welches Dokument warum an die Öffentlichkeit gegeben worden sei, Assange habe Deals mit Medien ausgehandelt, von denen man wenig oder erst hinterher erfharen habe. Domscheit-Berg sagt dazu: "Es fehlt die Transparenz, wie eigentlich Entscheidungen getroffen werden, und deshalb traue ich dieser Organisation so wenig, wie ich einer anderen Organisation mit ähnlichen Problemen trauen würde. Gerade weil ich drin war und weiß, was hinter den Kulissen ablief".

Fraglos sind auch hier die Medien, die über den Wandel zu einem kontrollierten, machtdurchzogenen Internetangebot berichteten, Hauptverursacher der Veränderung. Wie an vielen anderen Baustellen gesellschaftlicher Aktivität fordern sie Kontrolle, scheinbare Seriösität und Führungsfiguren ein. Was horizontal organisiert ist, wird regelmäßig nicht zur Kenntnis genommen oder sogar dafür kritisiert. Wie bei Wikipedia schon.

Flickr

Noch ein Beispiel, dass Horizontalität nicht nur endet, wenn einige sie beenden könnten und andere nicht, sondern sie wird auch ständig beendet ...

Chaos Computer Club & Congress (CCC)

Aus Laaff, Meike: "Wikileaks war gestern", in: taz, 30.12.2010 (S. 13)
Den gerade die deutschen Hächer vom Chaos Computer Club haben sich in den vergangenen Jahren vor allem dadurch eine bedeutsame Stellung erwartet, dass sie konstruktiv auf Mängel hinweisen, den Dialog mit Behörden, Ministerien und Gerichten suchen, statt ernsthafte Zerstörung anzurichten. Nicht umsonst lautet der Titel des Kongresses, dessen Tickets innerhalb von Stunden ausverkauft waren, "We come in Peace". ...
Reife Hacker, so der allgemeine Tenor, sollten ihr Wissen um die Gefahren dieser Vorhaben in politischen Aktivismus umsetzen, um die Freiheiten des Internets zu verteidigen. Oder, wie Netzaktivist Alvar Freude vom AK Zensur es formuliert: "Wir brauchen Nerd-Lobbyismus."

Filz und Seilschaften

Einer der Köpfe von Wikipedia Deutschland war/ist Achim Raschka. Der Deutschlandfunk beschrieb in der Sendungsreihe "Informationen am Mittag" dessen Verflechtungen mit der Großindustrie - von BASF bis RWE arbeitet er gegen Honorar. Auf Wikipedia zensiert er kritische Texte und steuert trotz Präsenz in Industrieseilschaften mehrere industrienahe Projektbereiche der Enzyklopädie. Der Deutschlandfunk berichtete aus einer Studie zu Wikipedia:

Die Studie der Otto-Brenner-Stiftung [1] belegt das Ausmaß von Fälschung und Manipulation auf Wikipedia. Statt neutraler Fakten finde man dort zunehmend frisierte Artikel - von PR-Agenturen. "Je länger ich mich mit dem Thema Wikipedia beschäftigt habe", sagt der Autor der Studie, Journalist und Dozent Marvin Oppong [2], "desto mehr habe ich den Eindruck gewonnen, dass PR in Wikipedia weit verbreitet ist."

Offene Medien?

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