Projektwerkstatt

UNIVERSELLES LEBEN

Links


1. Einleitung
2. Wer bzw. was ist der Verein Universelles Leben?
3. Rechte Muster im UL-Denken
4. Kritik und Protest gegen Universelles Leben
5. Universelles Leben und der Umgang mit Kritik
6. Unterwanderung der Tierrechts- und Tierschutzszene durch Universelles Leben?
7. Links

Zu UL und der Kritik am Universellen Leben

Kritisches

UL und der Umgang mit KritikerInnen

Weiterlesen ... Papierkram zu UL
Wie immer gilt: Auch die kirchlich-religiösen KritikerInnen von UL sind mit Vorsicht zu geniessen, da es trotz der Konkurrenzkämpfe durchaus Übereinstimmungen zwischen all diesen religösen Strömungen gibt. Wer genauere Buchbeschreibungen zu folgenden Titeln hat - her damit: Info- und Kontaktformulare!
  • Behnk, Wolfgang (1994): Abschied vom 'Urchristentum'? Gabriele Witteks' Universelles Leben zwischen Verfolgungswahn und Institutionalisierung. München: Evangelischer Presseverband für Bayern. ISBN: 3-583-50210
  • Haack, Friedrich-Wilhem (1985): Das Heimholungswerk der Gabriele Wittek und die Neuoffenbarungsbewegung. München: Evangelischer Presseverband für Bayern. ISBN: 3-583-50641-3
  • Jungen, Hans-Walter (1996): Universelles Leben: Die Prophetin und ihr Management. Augsburg: Pattloch. ISBN: 3-629-00675-2
  • Mirbach, Wolfram (1994): Universelles Leben. Die einzig wahren Christen? Eine Neureligion zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Freiburg: Herder. ISBN: 3-451-23619
  • Marbach, Wolfram (1994): Universelles Leben - Originalität und Christlichkeit einer Neureligion. Erlangen: Evang.-Luth. Mission. ISBN: 3-87214-319

Im Original: Gesammelte Einzeltexte zu Universelles Leben
"Posaune Gottes" in Pension?
UL erklärt: Gabriele Wittek gibt Verantwortung in jüngere Hände ab

würzburg/greussenheim Seit Jahren lebt die Prophetin des Universellen Lebens (UL) zurückgezogen und gut bewacht auf Gut Greußenheim (Lkr. Würzburg). Nun lässt die 72-jährige Gabriele Wittek erklären, es sei an der Zeit, die Verantwortung für ihr "Werk" einigen "vor allem jüngeren Urchristen" zu übertragen.
Als "Posaune Gottes" machte Gabriele Wittek Karriere. 1975 sattelte die 1933 in Wertingen bei Augsburg geborene gelernte Buchhalterin um und wurde "Prophetin". Die von ihr in drei Jahrzehnten verkündeten angeblich "göttlichen" Gesetzmäßigkeiten haben dafür gesorgt, dass beim "Heimholungswerk Jesu Christi" und ab 1984 beim "Universellen Leben" der Glaube Berge von Geld versetzt hat.
Nun hat das UL im Internet eine Erklärung veröffentlicht, die 72-Jährige Wittek habe 30 Jahre unermüdlich im Dienst des Herrn gestanden und wolle die Verantwortung in die Hände einiger "vor allem jüngerer" Urchristen abgeben. Dazu habe sich auf ihren Wunsch hin ein Gremium von "gegenwärtig" 15 Personen gebildet.
Die Erklärung ist von exakt 15 Personen unterzeichnet. Neben eher unbekannten "Christusfreunden" sind die Namen dreier Männer aus dem Führungskreis des UL gelistet, die den Willen Witteks von jeher durchgesetzt haben: Witteks langjähriger Gefährte Harald Dohle, ihre rechte Hand Gert-Joachim Hetzel und der UL-Jurist Christian Sailer. Daraus folgern Kenner, dass das "Werkzeug Gottes" über ihre Getreuen die Fäden im Glaubens- und Wirtschaftskonzern nach wie vor fest in der Hand behalten will.
Der letzte Satz der Erklärung legt den Schluss nahe, dass die "Posaune" nicht verstummt, höchstens pausiert. Dort heißt es nämlich: Wittek werde ihre "unermessliche" Lebensleistung fortsetzen, "soweit sie dies für richtig hält". Ein Kenner der internen Strukturen des UL ist sich daher sicher: "Wittek kann nicht von der Macht lassen, die sie als Verkünderin ,göttlicher Gesetzmäßigkeiten' hat. Und sie braucht die Huldigungen ihrer Anhänger."
Personen, die einmal beim UL beteten und arbeiteten, sehen in der Erklärung ohnehin eher den Willen eines absoluten Herrschers verwirklicht als die vom UL propagierte Urdemokratie. "Die Fürstin hat ihre Nachfolger eigenmächtig bestimmt", sagt ein UL-Aussteiger.
Seit Monaten kursieren widersprüchliche Aussagen über die streng abgeschottete UL-Prophetin. Sie sei krank, sie lebe nicht mehr auf Gut Greußenheim, denn das Essen für sie werde nicht mehr in der "Christusklinik" in Michelrieth (Lkr. Main-Spessart) zubereitet. Sie sei "munter und quietschfidel" einem VW-Phaeton entstiegen, wollen andere gesehen haben. UL-Sprecher Dr. Christian Sailer wollte am Montag keine Stellungnahme abgeben, die über die Erklärung hinausgegangen wäre.
(Quelle: Main-Post vom 28.06.05)

Interneterklärung des Universellen Lebens löst Spekulationen aus
Würzburg. Auf Skepsis stoßen bei kirchlichen Beobachtern Medienberichte über eine angebliche "Pensionierung" der Würzburger Sektenchefin Gabriele Wittek (71). Eine entsprechende Internet-Mitteilung ihrer Glaubensgemeinschaft "Universelles Leben" (UL) werfe mehr Fragen auf als sie beantworte, erklärte der evangelische Pfarrer Michael Fragner (Reichenberg) am Mittwoch auf epd-Anfrage.
Fragner beschäftigt sich seit über fünf Jahren Jahren mit dem "UL", das nach höchstrichterlicher Entscheidung als "totalitäre Organisation" bezeichnet werden darf. Auch die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) sieht bislang keine Anzeichen für einen echten Führungswechsel in der klagefreudigen Organisation, die bislang weit über 100 Prozesse gegen Kritiker in Kirchen, Kommunen und Medien geführt hat. Nach der UL-Erklärung stand "Gabriele, die Gott Seine Prophetin nennt" und die ein weltweites urchristliches Offenbarungswerk entstehen ließ, "30 Jahre unermüdlich im Dienst des Herrn". Nun habe sie ihre Verantwortung an ein Gremium aus 15 Personen übertragen. Ihm gehören auch die Rechtsanwälte Christian Sailer und Gert Hetzel an, die in der Vergangenheit die meisten der Prozesse gegen Kritiker und Aussteiger der Sekte führten. Gabriele Wittek, geborene Maden, stammt aus Wertingen bei Augsburg. Ihr Aufstieg zur "Prophetin" begann eigenen Veröffentlichungen zufolge am 6. Januar 1975, als sie nach dem Tod ihrer Mutter und schweren "Seelenkämpfen" den "Durchbruch des Inneren Wortes" erlebte. Fünf Tage später bereits will sie erstmals die Stimme Jesu Christi vernommen haben. Doch auch andere Wesen meldeten sich bei ihr: Ein "Geistbruder Emanuel" etwa, ein "Schutzgeist Hielya" sowie ein "Bruder aus dem All" namens "Mairadi". Die Offenbarungen der gelernten Kontoristin führten in Nürnberg und Würzburg zur Gründung so genannter Christuszellen, die sich 1977 zu einem "Heimholungswerk Jesu Christi" zusammenschlossen. Laut EZW wurde die Ideologie dieses Werkes in der Folgezeit deutlich mit esoterischen Elementen angereichert.

Gemeinwohl vor Eigenwohl
1984 erfolgte die - angeblich von "Christus" geforderte - Umbenennung in "Universelles Leben". Damit, so das EZW, begann auch eine zunehmende Kommerzialisierung der Organisation. In Würzburg und Umgebung gründeten aus dem In- und Ausland zugezogene Anhänger der "Posaune des Herrn" so genannte Christusbetriebe. Das Spektrum reicht dabei von der Agrarproduktion über Handwerks- und Dienstleistungsfirmen bis zu einer Klinik, einem Sanatorium, und einer staatlich geförderten Grund- und Hauptschule samt Kindergarten im Kreis Main-Spessart. Von den teilweise hochqualifizierten Mitarbeitenden wird erwartet, dass sie das "Gemeinwohl" des UL stets vor ihr Eigenwohl stellen. Zahlen über die Anhänger Witteks gehen weit auseinander. Aussteiger berichten von einer erheblichen Fluktuation. Vor dem Oberlandesgericht Bamberg sprachen UL-Anwälte zuletzt von mehren Zehntausend in Deutschland. In Mainfranken leben etwa 2000 bis 3000. Dem inneren Zirkel "Bundgemeinde", der 1995 schon einmal Führungsaufgaben Witteks übernehmen sollte, gehören etwa 500 Personen an. Fragner geht davon aus, dass die Zahl der Wittek-Gläubigen überschätzt, die Konfliktträchtigkeit der Sekte jedoch unterschätzt werde. "Geistschwester Gabriele" wird seit vielen Jahren von einer eigenen Schutztruppe vor den Medien abgeschirmt. Aktuelle Fotos und Interviews aus den letzten 20 Jahren von ihr sind nicht bekannt. Ihre eigenen Veröffentlichungen und Offenbarungen erscheinen in einem hauseigenen Verlag. Er unterhält auch eine angeblich weltweit sendende Radiostation. Aussagen ehemaliger Anhänger über den Gesundheitszustand und den Einfluss Witteks auf das Geschehen in der Sekte sind widersprüchlich. UL-Pressesprecher und Hausanwalt Sailer verweigert Stellungnahmen, die über die Internet-Erklärung hinausgehen.
(Autor: Gerhard Lenz. Quelle: Main-Echo vom 30.6.05)

Die Adresse der Prophetin
UL-Sprecher Sailer reagiert schroff

greussenheim/michelrieth Was Du nicht willst, das man Dir tu', das füg' auch keinem anderen zu. Das ist ein Leitspruch der Christusfreunde, wie sich die Anhänger der Gemeinschaft Universelles Leben (UL) selber bezeichnen. Die Prophetin des UL pocht auf Rechte, die Anhänger von ihr gering achten.
Datenschutz und Persönlichkeitsrecht - beides fordert Rechtsanwalt Dr. Christian Sailer für seine Mandantin Gabriele Wittek ein. Die 72-Jährige gilt beim UL als Prophetin. Sie lebt überwiegend auf Gut Greußenheim (Lkr. Würzburg), gelegentlich lässt sie sich zu ihrer Wohnung nach Michelrieth (Lkr. Main-Spessart) chauffieren. Im Marktheidenfelder Stadtteil ist Wittek gemeldet.

"Nicht zulässig"
Die Adresse in Michelrieth - Straße, Hausnummer, Postleitzahl - stand bis vor kurzem im Internet. Die Tierrechtsinitiative "Maqi" (www.maqi.de), die sich seit Jahren kritisch mit den Aktivitäten des UL auseinander setzt, hatte sie dort veröffentlicht.
Wittek mag es offenbar nicht, wenn bekannt wird, wo und wie sie lebt. Ihr Anwalt Sailer forderte folglich von Maqi-Gründer Achim Stößer (Bad-Soden-Salmünster) die Löschung der Adresse und drohte mit dem Gericht. Die Veröffentlichung einer Adresse ist laut Sailer auch bei Persönlichkeiten der Zeitgeschichte nicht zulässig und verletzt das Datenschutzgesetz. Stößer kam der Aufforderung nach und löschte die Adresse der UL-Prophetin.
Wittek und UL-Sprecher Sailer haben allerdings auf Rechte gepocht, die einige ihre Glaubensbrüder gering achten. In Flugblättern einer heftigen Anti-Jagd-Kampagne wurden Anfang 2005 systematisch Wohnorte, Straßen und Hausnummern von vier Personen aufgelistet, die die "Urchristen" zu ihren Gegnern beziehungsweise Kritikern rechnen: Jäger, Behördenvertreter, ein Journalist.

Jetzt Skizzen und Fotos
Für die Flugblätter zeichneten "Die Landwirte von Gut Greußenheim" verantwortlich. Das sind einerseits direkte Nachbarn der UL-Prophetin, andererseits Mandanten von Christian Sailer. Der Sprecher des Universellen Lebens wollte sich auf Anfrage dieser Zeitung nicht zum Sachverhalt äußern. Sailer reagierte schroff. Er lasse sich nicht unter Druck setzen und gebe keine Rechtsauskünfte.
Ein vor zwei Wochen verteiltes, von einer Wittek-Anhängerin verantwortetes Flugblatt enthält Angriffe gegen "Milliarden-Funktionäre und Handlanger". Diesmal sind die Adressen nicht erwähnt. Das Flugblatt enthält jedoch Wohnort-Skizzen und Fotos von Wohnhäusern.
Von unsererm Redaktionsmitglied tilman toepfer (Quelle: Main-Post vom 08.04.06)

Nun hadert das UL mit den Richtern
Anwalt Christian Sailer wollte die MAIN-POST mundtot machen - Jetzt beschimpft er die Justiz

würzburg/bamberg Die Führung des Universellen Lebens (UL) ist mit dem Versuch gescheitert, die Berichterstattung dieser Zeitung über die Glaubensgemeinschaft mit Hilfe der Gerichte einzuschränken. Jetzt attackiert UL-Anwalt und Pressesprecher Dr. Christian Sailer "Richter, die das Recht verbiegen". Das große Klagen gegen die MAIN-POST - etwa zehn Verfahren in eineinhalb Jahren - hatte Ende 2003 begonnen, nach der Berichterstattung über den 70. Geburtstag von Gabriele Wittek. Die Prophetin des UL wähnte sich verleumdet. Daraufhin marschierten Anwälte gegen die "ganze schwarze Kolonne der Intoleranz und Meinungsmache" auf. Für Wittek, die sich für ein "Werkzeug Gottes" hält, fallen darunter auch Journalisten, die ihr "göttliches Lehrwerk" und seine Auswirkungen auf Menschen kritisch hinterfragen.
Vom UL kontrollierte Firmen und der Verein Universelles Leben folgten ihrer "Chefin" und klagten gegen die MAIN-POST. Sie wollten Formulierungen verbieten lassen, die Wittek und ihrer Führungsriege unangenehm sind. Sie wollten nichts mehr über das System lesen, das ihre Kontrolle über die "Christusbetriebe" sicherstellt. Und wollten nichts mehr über Aussteiger lesen, die von einem System der Entmündigung, Angst und Ausbeutung beim UL berichten. Alle Prozesse sind abgeschlossen, keiner endete im Sinne des UL. Im bedeutendsten Zivilverfahren hatten der Verein UL und Wittek geklagt. Das Oberlandesgericht Bamberg (OLG) wies die Klage Anfang März ab. Das Urteil ist rechtskräftig.
Die Richter des 4. Zivilsenats sprechen dem Verein das Recht ab, alle Anhänger des UL zu vertreten. Dort sind nämlich nur rund 500 der "bis zu hunderttausend" Anhänger des UL Mitglied. Das hatte der Vorsitzende Dr. Gert-Joachim Hetzel vor Gericht ausgesagt und die UL-Anhänger als "absolut frei" bezeichnet, vergleichbar der Fan-Gemeinde eines Rockstars. Das Gericht folgerte: Das UL entzieht sich jeder Erfassung, Lenkung und Gliederung. Es gibt keine Mindestkriterien für die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft, und es ist unklar, ob die Satzung des Trägervereins und die Interessen der Anhängerschaft deckungsgleich sind. Auch im Verbraucherschutz- und Wettbewerbsrecht dürfe ein Verband nur klagen, wenn sein Mitgliederbestand gewissen Mindestanforderungen genüge.

Große Bedeutung
Medienrechtler Dr. Johannes Weberling (Berlin), der diese Zeitung als Anwalt vertritt, misst dem OLG-Urteil für die weitere Auseinandersetzung mit Sekten und vergleichbaren Gruppierungen große Bedeutung zu. Denn nach den dort festgelegten Kriterien können sich auch islamistische Trägervereine von Kulturzentren und Moscheen nicht mehr ohne weiteres als Sprecher und Kläger für ihre Anhänger aufschwingen.
UL-Sprecher und Rechtsanwalt Dr. Christian Sailer hingegen geht scharf und polemisch mit dem "Bamberger Landrecht" ins Gericht. Das OLG habe "endlos schwafelnd" einer missliebigen Religionsgemeinschaft das Klagerecht verweigert und deren Anhänger für vogelfrei erklärt. Der "urchristliche" Jurist nennt die Richter beim Namen und schimpft: "Sie können jetzt am Sonntag stolz zum Kirchgang schreiten." Sailer verschweigt seinen Lesern allerdings, dass das OLG Bamberg die Revision gegen sein Urteil "wegen der grundsätzlichen Bedeutung der Sache" ausdrücklich zuließ, die Kläger aber den Gang zum Bundesgerichtshof scheuten.
Die Klagebefugnis war nicht der einzige Grund, der den UL-Verein und die "Prophetin" scheitern ließ. Die Bamberger Richter bescheinigten der Berichterstattung über die wirtschaftlichen Aktivitäten und die Vermögenskonzentration beim UL "eine sachbezogene und zugleich durch mehrere nachhaltige Indiztatsachen geprägte Grundlage". Der Verbund der "Christusbetriebe" über eine "Holding" weise alle Merkmale einer Konzernbildung auf. Die Richter am OLG äußern sich auch zur "Spenden-These" der Kläger. Es sei "jedenfalls nicht fernliegend", dass das Spendenaufkommen für Wittek und den UL-Verein "in nennenswerter Höhe" aus den Erträgen der Betriebe stamme.
(Quelle: Main-Post vom 09.06.05)

UL-Beschwerde zurückgewiesen
Würzburg/München (epd) Eine Niederlage vor dem Bundesgerichtshof (BGH) hat die umstrittene Würzburger Glaubensgemeinschaft Universelles Leben (UL) erlitten. Die Richter wiesen eine UL-Beschwerde gegen die Nichtzulassung einer Revision zurück. Damit hat die von den großen Kirchen als Sekte bewertete Gruppierung einen Rechtsstreit gegen den Bayerischen Rundfunk (BR) endgültig verloren.
In der BR-Sendung "Unkraut" war das Universelle Leben als "bedrohliche Psychotruppe" und "Ausnutzungssystem raffinierter Art" bezeichnet worden. Sowohl das Landgericht Hamburg wie auch das Hanseatische Oberlandesgericht als Berufungsinstanz hatten an der deftigen Wortwahl nichts auszusetzen. Beide Instanzen werteten die umstrittenen Textpassagen als Meinungsäußerungen, die trotz ihrer Schärfe auf "entsprechende Anknüpfungstatsachen" gestützt werden könnten.
In der Sendung war unter anderem die Rede von "falschen Propheten, die Menschen in ihre Abhängigkeit und Unterdrückung bringen wollen." Die Abmoderation der Sendung enthielt außerdem den Satz: "Vom Eso-Schmus zur Psychosekte ist nur ein kurzer Weg. Religion verkommt dort zur bloßen Kulisse, dahinter steckt eine neue Form von Extremismus - aggressiv, totalitär, extrem gefährlich."
Die Glaubensgemeinschaft sah darin eine schwere Rufbeeinträchtigung und argumentierte, eine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt müsse bei ihrer Programmgestaltung ein Mindestmaß an inhaltlicher Ausgewogenheit, Sachlichkeit und gegenseitiger Achtung gewährleisten. Sie vertrat außerdem die Ansicht, die Rundfunkfreiheit sei im Ergebnis enger anzusehen als die allgemeine Meinungsfreiheit. Dem widersprach der Bundesgerichtshof. Der zuständige Senat erklärte, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk träfen keine höheren Sorgfaltspflichten als private Presseorgane.
Bereits in der Berufungsinstanz hatte das Hanseatische Oberlandesgericht festgestellt, die Programmleitlinien des Bayerischen Rundfunkgesetzes seien interne Bindungen und schützten nicht die Interessen Dritter. In dem Prozess ging es außerdem um die Frage, ob die angegriffenen Äußerungen die Grenze zur zulässigen Kritik überschreiten. Das Gericht führte dazu aus, zwar handle es sich dabei um scharfe und aggressive Kritik, welche auch herabsetzend wirke, dennoch müsse das Universelle Leben diese überspitzten Aussagen im Rahmen des öffentlich ausgetragenen Meinungskampfes hinnehmen.
(Quelle: Main-Post vom 09.07.05)

Angriff auf Kirche, Papst und Kardinal
VON SUSANNE HENGESBACH, 20.08.05, 08:15h
Kirchenkritiker Hubertus Mynarek hat sich bei einer Podiumsdiskussion gegen eine "Verunglimpfung als Nazi-Esoteriker" gewehrt.
"Ist die halbe Welt verrückt geworden?", fragte der Religionswissenschaftler und ehemalige Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien zu Beginn seiner Ausführungen im Ehrenfelder Theaterhaus. "Da kommt der Großinquisitor nach Köln und die Politiker liegen auf dem Bauch!" Da würde "der Diktator einer faschistoiden Institution" hofiert, während "gradlinige Demokraten" verunglimpft und eine Veranstaltung wie die seine "unter dem Druck des Pöbels abgesagt" werden müsse.
Mynarek reagierte damit auf die Vorwürfe von Kölner Antifa-Leuten, die im Internet gegen seinen Auftritt protestiert und "kein Podium für Antisemiten" gefordert hatten. Der Kirchenkritiker aus dem pfälzischen Odenheim war zunächst von der Giordano-Bruno-Stiftung als Redner für die "Religionsfreie Zone" eingeladen, später jedoch aufgrund massiver Vorbehalte einiger Mitglieder des "Heidenspaß"-Komitees wieder ausgeladen worden. Daraufhin hatte die Initiative "Ein Mahnmal für die Millionen Opfer der Kirche", die auch Organisatorin der Plakataktion "Spart Euch die Kirche" ist, eine Podiumsdiskussion organisiert. Etwa ein halbes Dutzend Ordnungskräfte eines privat angeheuerten Sicherheitsdienstes überwachte den Einlass.
Mit Genugtuung korrigierte der Sprecher der Initiative, Ralf Speis, die "tatsächliche Zahl" der Pilger und behauptete, statt der angekündigten Million seien "nur 100 000" gekommen, was von den rund 150 Zuhörern ebenso mit Beifall bedacht wurde, wie die meisten Sätze Mynareks, die sich gegen den "Faschingsprinz in langen Weiberklamotten" richteten und gegen eine Kirche, die ihr eigenes Überleben nur durch "Anpassung, Korruption und Bestechung der Mächtigen" geschafft hätte. Speis ist nach Einschätzung der Arbeitsstelle für Weltanschauungsfragen - ebenso wie die Initiative selbst und wie der dritte Mann auf dem Podium, der ehemalige evangelische Pfarrer Dieter Potzel, - der religiösen Gruppierung "Universelles Leben" (UL) zuzuordnen.
(Autor: Susanne Hengesbach. Quelle: Kölner Stadt-Anzeiger vom 20.8.05)

Posaune Gottes für die Tiere
Hinter einer gefühlsbetonten Plakatserie steckt eine Sekte. Kritiker sehen darin eine Werbekampagne.
Von Michael Hammes
Neuss. Eine Plakatserie verdirbt derzeit in deutschen Städten den Appetit auf Wurst und Steak: Passanten schauen in treuherzig blickende Tieraugen. Reh, Schwein, Kuh und Schaf flehen: Bitte, bitte iss mich nicht! Der gerührte Bürger ist geschockt, sinnt über seinen Fleischkonsum nach - und will sich am liebsten für die geschundenen Kreaturen engagieren. Doch nicht etwa Veganer, die auf tierische Produkte gänzlich verzichten, noch Tierschützer stecken hinter der aufwändigen Kampagne, sondern die Gemeinschaft "Universelles Leben" (UL), die sich ur-christlich nennt - und die ist nach Einschätzung von Andrew Schäfer, Landespfarrer für Sekten- und Weltanschauungsfragen der Evangelischen Kirche im Rheinland, "stark umstritten" und "konfliktträchtig".
An der UL-Spitze steht die 71-jährige Gabriele Wittek, "das Gottesinstrument", die "Lehrprophetin" und die "Posaune Gottes". Als 1970 ihre Mutter verstarb, glaubte die gelernte Kontoristin Stimmen aus anderen Welten zu hören. Sie behält es sich vor, die Gesetze Gottes zu übermitteln und auszulegen. Die Religionsgemeinschaft wurde 1977 unter dem Namen "Heimholungswerk Jesu Christi" gegründet. Die Zahl der Gemeinschaftsmitglieder wird weltweit auf mehrere zehntausend geschätzt. Im Raum Würzburg sollen nach eigenen Angaben des UL etwa 3000 Mitglieder leben. Die UL-Anhänger sind auch wirtschaftlich stark aktiv. Es gibt eine Reihe so genannter "Christus-Betriebe", darunter die "Naturheilklinik Michelrieth", das "Einkaufsland Alles für Alle" oder auch der Vertrieb von Bioprodukten ("Lebe-gesund-Versand"). Heute sollen nach Angaben der Evangelischen Informationsstelle rund 100 mittelständische und Kleinbetriebe zum Universellen Leben gehören, "in denen eine rigide Arbeitsmoral gefordert wird: Rechtes, gewissenhaftes Arbeiten gilt nämlich als rechtes Beten". Nach einem Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes darf die Ausgestaltung des Gemeindelebens "als totalitäre Struktur" bezeichnet werden. Der Sektenbeauftragte der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg, Pfarrer Thomas Gandow, spricht von einer "problematischen Sekte".
Nach Einschätzung des Sektenexperten Schäfer kommt das UL seit einiger Zeit mit Religiösem in der Öffentlichkeit nicht mehr so gut an: "Mit Themen aus dem Bereich der Tierrechtsbewegung oder der gesunden Ernährung wird man eher anschlussfähig an gesellschaftliche Trends." Damit würden Emotionen angesprochen, seien positiv besetzt und könnten zur Verbesserung des eigenen Images dienen. Schäfer: "Vielleicht macht man damit auch interessante neue Kundenkreise wie junge Eltern auf sich und die eigenen Unternehmen aufmerksam, die auf gesunde Ernährung ihrer Kinder achten wollen, die Themen wie Tierschutz - man denke nur an BSE, artgerechte Haltung - hoch schätzen." Das sieht auch der Tierschutzbund so. Bundesgeschäftsführer Thomas Schröder: "Denen geht es nicht um den Tierschutz. Hier versuchen offenbar Trittbrettfahrer für eine zweifelhafte Sekte neue Mitglieder zu werben." UL habe versucht, örtliche Tierschutzvereine zu unterwandern.
Die neue Ausrichtung auf die Tierwelt rührt her von einer "Offenbarung", die Gabriele Wittek am 27. Februar 2001 von Gott empfangen haben will und die zu einem erneuerten Verhältnis zu den Tieren aufruft. Der Schöpfer habe darin sogar gemahnt, auf Kunstdünger und natürlichen Dung zu verzichten, da sonst Kleinsttiere und Bodenleben getötet würden.
Doch UL versucht sich auf einem noch weiteren Feld: Wie sehr Natur und Tiere unter dem aggressiven Verhalten des Menschen leiden, wird von der "Gabriele-Stiftung" durch Feldversuche analysiert. Dazu ist auf der Internetseite der Gemeinschaft zu lesen: "Dass Blumen Angst haben, wenn man aggressiv auf sie zugeht - z.B. um sie abzuschneiden -, wurde sogar auf Messgeräten nachgewiesen." Und sollte der Mensch trotz aller UL-Warnungen weiter Fleisch essen, "so brauchen sie sich nicht zu wundern, wenn sie eines Tages unter dem leiden, was Sie mit verursacht haben". Damit das nicht geschieht und das Essen dennoch schmeckt, bietet UL gleich noch "Das tierfreundliche Kochbuch" aus dem hauseigenen Verlag an, Stückpreis 24 Euro.
(Quelle: Westdeutsche Zeitung - Düsseldorfer Nachrichten vom 06.04.05)

Links zur Diskussion um Tierrechte

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