Projektwerkstatt

ÖKOSTROM VON UNTEN: PRO & CONTRA III

sfv-rundmail: 21.12.00 Schwarzes Schaf, Wolf im Schafspelz, harmloses Schaf im ,Ökostromhandel'


1. Emanzipatorischer Umweltschutz - umgesetzt im Energiebereich
2. Pro & Contra
3. Pro & Contra II
4. Pro & Contra IV
5. Kritik von Ilka Schröder (MdEP der Grünen), Antwort von Detlef Gebauer
6. sfv-rundmail: 15.12.00 ,Ökostromhandel' hält nicht was er verspricht
7. sfv-rundmail: 19.12.00 Persönlicher Atomausstieg - wirtschaftlich sinn- und folgenlos!
8. sfv-rundmail: 20.12.00 Rechthaberei beim Thema Ökostrom?
9. sfv-rundmail: 21.12.00 Schwarzes Schaf, Wolf im Schafspelz, harmloses Schaf im ,Ökostromhandel'
10. REINSTROM ArbeitsGemeinschaft: Grüner Strom für die Region Göttingen
11. Tradition mit Fortschritt - den Energiemarkt durch Kooperativen beleben
12. ALBWERK: Von der Strommuehle zur Dividendengemeinschaft
13. Kurzinterview "Wir haben guenstige Strukturen"
14. Heizwerk SIEDERLERSTRASSE, Nürnberg
15. Biomasseprojekt LIEBERHAUSEN
16. Energiegemeinschaft Windfang
17. Energiegemeinschaft Windfang: Windkraftanlage Hamburg-Ochsenwerder
18. Agrarenergie RODING
19. Windkraftgenossenschaft LÜBECK

Sehr geehrte Umweltfreunde,
selten hat ein Rundmail-Thema so viele Reaktionen hervorgerufen, wie das Thema ,Ökostromhandel'.
Für die vielen zustimmenden Antworten ganz herzlichen Dank! Sie machen mir Mut, die Diskussion weiter voranzubringen, aber ich komme nicht mehr dazu, alle einzeln zu beantworten.
Unter den kritischen Antworten gibt es hauptsächlich drei Einwände:
  • Die Bitte um mehr Toleranz. Auf diese habe ich bereits gestern in der Rundmail Nr. 84 geantwortet.
  • Die Aussage, dass ja nicht alle ,Ökostromhändler' schlecht seien. Dazu heute eine Antwort.
  • Die Klage, dass dem Normalbürger eine Alternative fehle, wie er mit kleinen monatlichen Beiträgen die Energiewende voranbringen könne. Diese Frage werden wir in Zukunft stärker beachten müssen. Anregungen sind uns willkommen.

Heute also zu folgendem Einwand:
>Ich stimme Ihnen zu, daß die meisten Ökostromhändler >schwarze Schafe sind, aber deshalb ist der >Ökostromhandel doch an sich noch nicht zu verurteilen.
>A U F K L Ä R U N G ist angesagt!!

Darauf meine Antwort:
Sie und ich, wir nehmen uns viel Zeit, herauszufinden, wer schwarzes Schaf, wer Wolf im Schafspelz oder wer nur ein harmloses Schaf ist. Einigkeit haben wir bisher nicht erzielt. Nicht einmal die Zertifizierungskommissionen sind sich einig.
Wie soll der Normalbürger herausfinden, bei welchem ,Ökostromhändler' er ungewollt zur Verbilligung von Atom- und Braunkohlestrom beiträgt, bei welchem er "nur" sein gutes Geld ohne Gegenleistung los wird, und bei welchem er tatsächlich einen kleinen Beitrag zur Energiewende leistet?
Ich gebe ja gerne zu, dass es eine oder zwei rühmliche Ausnahmen gibt; z.B. das Projekt der Schönauer Stadtwerke, "WATT IHR WOLLT". Aber ein Fördersystem, in welchem in Dutzenden anderer Fälle der gute Wille der Beteiligten so leicht missbraucht werden kann und missbraucht wird, ist für mich trotzdem nicht länger tolerierbar.
Eine Eisenbahnstrecke, auf der fast alle Züge entgleisen, gehört gesperrt! Aufklärung der Fahrgäste löst das Problem nicht!
Mit freundlichen Grüßen
Wolf von Fabeck

Anfang 2002 gab der Solar-Förderverein (Wolf von Fabeck) eine Broschüre gegen Ökostrom heraus
Wolf von Fabeck stellt im Vorwort bereits klar:
"Für uns im Solarenergie-Förderverein ist es sogar Gewissheit: Jede Beteiligung am Ökostromhandel gefährdet den Fortgang der Energiewende. ..."
Sein Hauptargument ist ein Axiom, d.h. eine Setzung ohne Begründung, die allen weiteren Folgerungen zugrundelegt:
Fabeck: "Je kürzer die Entscheidungskette ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zum Bau eine Anlage kommt."
Folgt daraus, daß eine Öko-Diktatur das Beste ist? Oder eine Marktwirtschaft total, wo nur noch das Geld regiert?
Als Beleg wird vor allem der Atomstromgigant RWE angeführt, dessen Ökostromangebote tatsächlich zu keinen neuen regenerativen Energieanlagen, also kein fossiler Strom verdrängt wird. Dennoch ruft Fabeck dazu auf, gerade solche Atomkonzerne auszuwählen - ausdrücklich ruft er zum Kauf von Atomstrom auf:
"Wenn Sie wechseln, kaufen Sie ausdrdücklich keinen Strom, der als "Ökostrom" angeboten wird. Demonstrieren Sie dem Handler, dass Sie auf seinen Werbegag nicht hereinfallen. Wenn er zwei Tarife anbietet, wählen Sie den billigeren."
Das dürfte Atomstrom sein. Damit geht auch das Geld an den Atomkonzern. Fabeck ist das egal - sein Ziel ist, die Reichen zur Geldanlage in regenerative Anlagen zu bewegen. Daß viele Menschen die Mindestbeteiligungen gar nicht erreichen können und gerade dort Ökostromfirmen, die tatsächlich aus den Einnahmen neue Kraftwerke bauen, helfen können, dieses Geld umzulenken, kommt ihm nicht in den Sinn. Mehrfach gab es schon Entgegnungen dieser Art, Fabeck geht darauf nicht ein. Die Aktion "Ökostrom von unten", ihm intensiv vorgestellt, erwähnt er auch nicht als Möglichkeit - obwohl hier genau das erfüllt wird, was er fordert: Die StromverbraucherInnen sorgen direkt für neue Anlagen, ohne Umwege. In Fabecks kapitalistischem Modell der Energiewende dagegen fließen Anteile in Finanzmakler, in Werbung, an Banken sowie die Stromtarife an die Atomkonzerne.

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