Bomben-Haumann & Co.
Die fiesen Tricks von Polizei und Justiz

Tricks, Lügen und Polizeiattacken ...

Bombenbedrohung

Vor dem Rathaus spitzt sich die Situation zu. Immer mehr DemonstrantInnen versammeln sich vor dem Rathaus am Rande des dortigen Berliner Platzes, wie die große Kreuzung heißt. Drinnen im Rathaus und vor dem Eingang: Polizei. Massenweise.


Demo (oben) und Stadtverordnetenvorsteher bei Einreden auf die Demo (unten)

Nervosität herrschte. Was sollte der ganze Sicherheitswahn? Müssen sich die selbsternannten und vielfach auch als solche akzeptierten VolksvertreterInnen von den Menschen schützen lassen? Polizei- und PolitführerInnen rangen nach Erklärungen. Da fiel Bürgermeister Haumann etwas ein, was er als öffentliche Erklärung für all den Polizeiaufwand einwerfen konnte. Nach einem Geschwafel über die schwierige Lage sagte er: „Die Höhe dieser Befürchtungen ist eine Bombendrohung, die uns heute Nachmittag gegen 13.30 Uhr erreichte“. Sprengstoffspürhunde der Polizei durchsuchten das Rathaus. Immer mehr Uniformierte zogen am Eingang auf, nur wenige ZuschauerInnen wurden eingelassen. Der Rest begann gegen die Glasscheiben des Eingangs zu hämmern. Einsatzführer Wiese dirigierte eine Reihe lebender Abstandshalter zwischen Demonstration und der Glasfront. Innen kam es zu einigen Handgreiflichkeiten. Informationsschriften einer PDS-Abgeordneten auf den Plätzen der Stadtverordneten wurden von offizieller Seite konfisziert. Andere Schriften flogen von der Tribüne in den Saal. Da musste Staatsschutzchef Puff zeigte sich von seiner besten Seite – er wurde wieder mal handgreiflich. Stadtverordnetenvorsteher Gail griff ein Megaphon und versuchte, umringt von Polizei, Presse und dem als Konfliktmanager auftretenden Juso-Boss die DemonstrantInnen zu beruhigen. Die aber hatten keine Lust auf Ruhe. So blieb die Stadtverordnetenversammlung für die meisten geschlossen, während Polizei das Rathaus eisern im Griff behielt. Aus Protest gegen das martialische Polizeiaufgebot verlies die SPD-Fraktion den Saal. Für das Abstimmungsergebnis war das nicht wichtig, die SPD saß in der Opposition. Aber ein lustiges Bild erzeugte das Szenario schon, denn die SPD blieb auch den folgenden Tagesordnungspunkten fern. Darunter befand sich ein Antrag der SPD ... auf mehr Polizei. Realpolitik halt.


Gießener Allgemeine, 5.3.2003 (S. 20)

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