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Martin Luther
Antisemit, Frauenhasser, Sozialrassist, Reaktionär

Link auf diese Seite: martin-luther.tk (ehemals: www.luther-action.de.vu und www.luther-der-film.de.vu)

31.10.2016: Das Lutherjahr beginnt.
Er war geistiger Brandstifter von Holocaust und mittelalterlicher Aufstandsbekämpfung, zudem theologischer Wegbereiter des Absolutismus, Frauenhasser, Befürworter des Mordens an Andersgläubigen und Gebrechlichen. Das soll nun gefeiert werden. Von Staat und Kirche. Widerlich!

NPD wirbt mit LutherWhy the fuck ... Martin Luther???
Was macht Martin Lutherso wichtig, dass Kirchen und deutschnationale Strömungen ein "Lutherjahr" ausrufen - und hier der Aufruf erfolgt, sich mit ihm auseinanderzusetzen? Nun - Luther selbst kann es nicht sein. Der ist tot. Was aber lebt, sind die Institutionen, die Luther als Helden abfeiern und sich damit hinter ihn stellen, wenn er für Juden fordert, „daß man ihre Synagoga oder Schule mit Feuer anstecke, ... das Geleit und Straße ganz und gar aufhebe“ (also ein Art Ausgangsverbot) und sie zu Zwangsarbeit verpflichte. Luther erniedrigte Frauen. Türken, Glaubensabweichler, Gebrechliche und Aufständische seien vom Teufel besessen und deshalb zu vertreiben oder gleich zu töten. Jede Obrigkeit sei von Gott bestimmt und deshalb auch der schlimmste Despot zu ertragen. Dass Hitler sich auf Luther bezog, ist angesichts dessen nicht überraschend. Es ist aber unerträglich, wenn heute große Organisationen diesen religiösen Fanatiker abfeiern - und Millionen Menschen der Kirche und anderen lutherisch geprägten Strömungen dabei kritiklos folgen. Dass Luther mit seinem Hahnenkampf gegen den Papst (beide sahen sich selbst als Stimme Gottes und unfehlbar - ein unversöhnlicher Gegensatz) auf die weltlichen Führungen setzte und der heranwachsenden Allmacht des Staates ein geistiges Fundament schuf, ist schlimm genug. Der Staat bedankt sich artig und fördert solchen Fanatismus seit Jahrhunderten. Auch die jetzt anstehenden Feierlichkeiten für einen der einflussreichsten Antisemiten und Hassprediger aller Zeiten werden mit Steuergeldern ausgestattet. Das Gegenteil wäre nötig: Luther als Held streichen! Wider jeden religiösen Fanatismus! Lutherdenkmäler schleifen! Lutherstraßen, -kirchen, -städte und -stätten umbenennen! Kritische Aufarbeitung statt Feiern! Aufklärung statt Verklärung!

Martin Luther: Ob Kriegsleute in seligem Stande sein können, 1526
Ich möchte mich fast rühmen, dass seit der Zeit der Apostel das weltliche Schwert und die Obrigkeit noch nie so deutlich beschrieben und gerühmt worden ist wie durch mich. Sogar meine Feinde müssen das zugeben. Und dafür habe ich doch als Lohn den ehrlichen Dank verdient, dass meine Lehre aufrührerisch und als gegen die Obrigkeit gerichtet gescholten und verdächtigt wird. Dafür sei Gott gelobt! ... Gott henkt, rädert, enthauptet, tötet und führt den Krieg. Das alles sind seine Werke und sein Gericht.

Aus "Denklinien der Weltkulturen" (S. 65)
Der humanistische Denker Erasmus von Rotterdam wollte die neue Kultur der Neuzeit auf zwei Säulen bauen, nämlich auf der Moral der stoischen Ethik und auf den Lehren der christlichen Bergpredigt. Doch der Reformtheologe Martin Luther widersprach ihm heftig, für ihn genügte allein die Bibel (sola scriptura) als Säule der neuen Kultur. Damit hat dieser Theologe die Impulse der humanistischen Denker für lange Zeit verzögert, lange Religionskriege zwischen den Konfessionen waren die Folge.

Aus einem Interview mit drei Pastoren in Osthessen, im Printzip 3/2017 (S. 4f)
In seinem mittelalterlichen Denken konnte er sich gar nicht vorstellen, gegen vorhandene Gesetze der Obrigkeit vorzugehen, denn sie war für ihn gottgegeben und demzufolge auch anzuerkennen. Dies spiegelt auch seine schwierige Position im Bauernkrieg wider. ...
Man könnte sagen, Luther war konservativ, wenn es darum ging, die Ordnung zu halten und er war progressiv, was den Glauben angeht. Da komme ich gerne auf Thomas Mann zurück, der den Verdacht äußerte, dass Luther politisch keine Ahnung hatte. Die Anheizung der Bauern durch Müntzer war jedoch insofern fatal. als dass er sie in den sicheren Tod gegen übermächtige Truppen schickte. Ein weiterer Grund für Luther, die Revolte um der Menschenleben willen so früh wie möglich niederzuschlagen. ...
Luther hatte im Ansatz eine negative Anthropologie: Wir sind alle ohne Furcht vor Gott und voller Begierde.

Sprechblase Lutherzitat

Martin Luther gilt als großer Held und wird ungebrochen als nationale Symbolfigur genutzt. Seine Ideologien sind allerdings derart menschenverachtend, dass er ohne Skrupel als Vordenker der Nazis bezeichnet wird, die sich immer wieder positiv auf den Reformator bezogen: In abstossenden Formulierungen phantasierte er über das feurige Ende aller Juden, vom Ersäufen behinderter Menschen in der Gosse und rechtfertigte das Morden an den aufständischen Bauern. Martin Luther steht für Sexismus, Sozialrassismus, Antisemitismus und Obrigkeitshörigkeit - ungeachtet dessen feiern die evangelische Kirche und auch insgesamt die patriotischen Teile Deutschland Luther unkritisch als wichtigen Gesellschaftsgestalter. Aufklärung und kreativer Widerstand gegen den Luther-Fankult bleiben auch in Zukunft notwendig - diese Seite ist hoffentlich ein kleiner Beitrag zu dieser kritischen Auseinandersetzung. Fragen, Anregungen, Kritik? Einfach Kontakt aufnehmen!

Einleitung "Der Held ist geistiger Brandstifter" in: grünes blatt Herbst 2016 (S. 24)


Luther am Boden - als Ergebnis des Krieges, den sein "praktischer Vollstrecker" (Hitler) angezettelt hatte.

Gegen deutschen Heldenmythos

Völker und Nationen sind Konstrukte – das erste weitgehend ohne, das zweite aber mit dem vollen Schwall formaler Regelungen. Innen und Außen, das Eigene und das Fremde, das „Wir“ und das „Die“ schaffen Identität, das Gefühl organisierter Geborgenheit und Zugehörigkeit. Ein Mensch, der in solchen prägenden Verhältnissen aufwächst, wird vieles mehr verinnerlichen und die Existenz von Völkern und Nationen als unumstößliche Tatsachen akzeptieren. Und noch schlimmer: Als Folge wird das Konstruierte als Selbstverständliches wieder im Denken reproduziert, an andere Menschen weitergegeben und so die Konstruktion selbst weiter vorangetrieben.
Auch Deutschland hat Helden. Sie wechseln je nach Zeitgeist und entsprechend den Interessen bzw. Ideologien derer, die den Diskurs privilegiert beeinflussen können. Aber sie alle brauchen identitätsstiftende Helden – nicht als einziges, aber Helden (oft ausschließlich männlich, aber in feministischen Kreisen fehlen die Heldinnen dann auch nicht) sind gute Projektionsflächen dafür, was als identitätsstiftendes Gedankengut in ihnen verpackt werden soll.

Das prägnanteste Beispiel der letzten Jahre in doitschen Landen ist Martin Luther. Wer sich anschaut, was er für Theorien vertreten hat, würde sich – so er/sie nicht eine extreme rechte Gesinnung hat – angewidert abwenden. Alles Jüdische soll verbrannt, Behinderte ersäuft werden, Frauen sind nur darum da, um Männer zu gebären. Hoch lobt er die Obrigkeit und fordert die totale Unterwerfung selbst unter die fiesesten Herrscher. Da Luther tot ist, könnte mensch auch zur Tagesordnung übergehen – mit einem kritischen Hinweis zu jeder Geschichtsschreibung, die Luther als großen Reformator darstellt. Aber Luther ist nicht einfach tot. Er lebt – als deutscher Held. „Luther – eine deutsche Heldengeschichte“ titelte die Filmwerbung Ende 2003, als der Film die Kinos füllte. Von kritischen Bezügen auf Luthers Sprüche und Handlungen – kein Wort. Das Volk jubelt Luther zu, er kämpft aufrichtig gegen die kirchliche Obrigkeit. Das zieht – und macht ganz vergessen, wie er zu der ihm genehmen Obrigkeit stand, wie er sich für den Massenmord an den aufständischen BäuerInnen aussprach.

2017 soll die deutsch-nationale und religiöse Packung noch größer werden: 500 Jahre Thesenanschlag, ein bundesweiter Reformationsfeiertag und zahlreiche Heldenveranstaltungen stehen bevor - vermutlich mit den üblichen Auslassungen.

Lutherkritische Aktionen

Das Spektakel um Luther rund um den Film blieb 2003 bis 2005 zum Glück nicht ungestört. Zu Film gab es Flugblattaktionen, Ausstellungen und manch Veranstaltung. Die Mehrzahl der Kinos verweigerte jegliche Kooperation – der Heldengenuss sollte ungestört über die Leinwände flimmern. In einer der Wirkungsstätten von Luther, der Lutherstadt Wittenberg, lief eine Aktionswoche gegen Luther, wo verschiedene Aktionen zusammenkamen und recht wirkungsvoll auf die reaktionären und diskriminierenden Positionen von Luther hinwiesen. Gegenüber dem Heldenmythos ist das wenig – aber die Aktionsform setzt dort an, wo die modernste Form der Herrschaft stattfindet: Die Herrschaft über die Köpfe, der Diskurs.

Und nun? Gibt es vor bzw. in 2017 wieder Aktionen, die der Geschichtsverfälschung und dem nationalen Taumel etwas entgegensetzen?


Martin Luther: "Daß man ihre Synagogen oder Schulen mit Feuer anstecke..."
Gespräch mit Jörg Bergstedt über die Kritik an Martin Luther und seinen heutigen Verehrer_innen (Dez. 2016)

Aktion gegen Lutherverehrung

Berichte aus dem Lutherjahr 2016/2017
Im Original: Luther abfeiern - die Termine ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Die offiziellen Termine (soweit bekannt)
  • 31.10.2016: 499 Jahre Thesenanschlag (jedenfalls des Mythos, denn stattgefunden hat er wahrscheinlich nie)
  • 10.11.2016: Luther's Geburtstag
  • 15.05.2017: Pfingsten (und Unmengen weiterer christlicher Feiertage)
  • 20.05. bis 10.09.2017: Weltausstellung Reformation, Wittenberg
  • 24.05. bis 28.05.2017: evangelischer Kirchentag in Berlin und Wittenberg
  • Juni bis September 2017: 10 "Konfi-Camps" mit je ~1000 Teilis; Zeltlager in Wittenberg
  • 31.10.2017: 500 Jahre Thesenanschlag
Termine in (Mittel-)Hessen (soweit bekannt ++ Terminübersichten: Lutherweg ++ EKHN
  • 28.1. in Marburg (Aula der Alten Universität): Ökomene-Gespräch mit Friedrich Schorlemmer, Annette Schavan und Kurt Flasch
  • Ab 5.3. in Dietzenbach: Ökumenische Reformation
    Zu einer ökumenischen Kirchenwoche anlässlich des Reformationsjahres lädt die Christus-Gemeinde ein
  •  4. bis 6.4. in Grünberg: Grünberg pilgert zu Luther
    Das evangelische Dekanat pilgert mit Klein und Groß Richtung Lutherstadt Worms
  • 26.4. bis 19.7. in Marburg: Studium Generale "Die Reformation und ihre Wirkungen"
  • 8.5. in Herborn; „Martin reloaded“
    Ein besonderer Jugendgottesdienst dreht sich rund um den Reformator
  • 8. bis 10.5. in Herborn: Europa-Tour der Reformation macht Halt in Hessen
    Der große Reformations-Truck stoppt mit Geschichten und Prominenten auf seinem „Stationenweg“ durch 18 Länder und 60 Städte
  •  14.5. in Romrod: Eröffnung des Lutherweg 1521
    Um 15.00 Uhr findet ein Festgottesdienst der beiden hessischen ev. Landeskirchen in Romrod statt. Ministerpräsident Bouffier wird den Lutherweg feierlich eröffnen
  • 5.6. in Frankfurt: Frankfurt feiert 500 Jahre Reformation
    Mitten auf dem Römerberg lädt die Kirche mit buntem Bühnenprogramm und großen Aktionen alle zum Jubiläum ein
  • 3.-5.6.2017: Festwoche in Frankfurt
    Rund um das Pfingstfest finden Festtage in Frankfurtam Main statt. Die EKHN feiert mit dem Ev. Stadtdekanat Frankfurt.
  • 15.-18.6. rund um den Lutherischen Kirchhof: Zeitreise mit Luthers Tischreden, historischer Musik und lauter Trallala aus Luthers Zeit
  • 23.6. in der Wetterau: Frauen haben das Wort: Alleine Frauen dürfen die Tischreden in der Tradition des Hauses Luther im Dekanat Wetterau halten
  • 27. bis 29.9. am Fachbereich Theologie der Uni Marburg: Wissenschaftlich auf den Spuren Luthers
    An der Universität Marburg diskutieren namhafte Forscher über die Impulse der Reformation für das Bildungswesen
  • 29.10. in Marburg: Hessen feiert Reformation
    Luther geht per Gottesdienst auf Sendung: Der Hessische Rundfunk überträgt den offiziellen Festgottesdienst für Hessen aus der Elisabethkirche in Marburg
  • 31.10. überall: 500. Reformationstag
    Überall in Deutschland und der Welt begehen evangelische Christinnen und Christen das historische Reformationsfest ein halbes Jahrtausend nach dem Thesenanschlag

Grundsätzliches zu Martin Luther

Originaltexte von Luther
Zitate

Luther-Lob von links
Aus "Vorwärts zum Urchristentum", in: Junge Welt, 4.7.2015 (S. 15)
Das »Lutherjahr« 2017 wird schon lange vorbereitet; und je näher es rückt, desto mehr greifen die Medien das Thema auf. Dass aber Luther weder der erste noch der einzige war, der die mächtige Institution Kirche mutig kritisierte und dass er ohne die Wegbereiter wohl kaum zu seiner großen Leistung fähig gewesen wäre, gerät bis jetzt wenig in den Blick.

Judenverfolgungs-Lob mit Lutherbezug durch die evangelische Kirche im Dritten Reich
"Die nationalsozialistische deutsche Führung hat mit zahlreichen Dokumenten unwiderleglich bewiesen, daß dieser Krieg in seinen weltweiten Ausmaßen von den luden angezettelt worden ist. Sie hat deshalb im Innern wie nach außen die zur Sicherung des deutschen Lebens notwendigen Entscheidungen und Maßnahmen gegen das Judentum getroffen. Als Glieder der deutschen Volksgemeinschaft stehen die unterzeichneten deutschen Evangelischen Landeskirchen und Kirchenleiter in der Front dieses historischen Abwehrkampfes, der u. a. die Reichspolizeiverordnung über die Kennzeichnung der Juden als der geborenen Welt- und Reichsfeinde notwendig gemacht hat, wie schon Dr. Martin Luther nach bitteren Erfahrungen die Forderung erhob, schärfste Maßnahmen gegen die Juden zu ergreifen und sie aus deutschen Landen auszuweisen. Durch die christliche Taufe wird an der rassischen Eigenart eines Juden, seiner Volkszugehörigkeit und seinem biologischen Sein nichts geändert. Eine deutsche Evangelische Kirche hat das religiöse Leben deutscher Volksgenossen zu pflegen und zu fordern. Rassejüdische Christen haben in ihr keinen Raum und kein Recht. Die unterzeichneten deutschen Evangelischen Kirchen und Kirchenleiter haben deshalb jegliche Gemeinschaft mit Judenchristen aufgehoben." (zitiert nach: Joachim Kahl, "Das Elend des Christentums", S.54)

Absurder Zufall: Ein Martin Luther war auch bei der Wannsee-Konferenz mit dabei - dort, wo der Judenmord geplant wurde
Aus der Liste der Teilnehmenden (Quelle: Spiegel)
Martin Luther: Der spätere Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt war bereits im März 1932 in die NSDAP eingetreten. Ab 1936 leitete Luther die Parteiberatungsstelle des Beauftragten der NSDAP für außenpolitische Fragen, Joachim von Ribbentrop.

Lese- und Buchtipps
Materialien und Downloads für Öffentlichkeitsarbeit und Aktionen

Vorlagen für Etiketten (3x9, A4-Bogen)
Workshops zu Lutherkritik

Bei Interesse sind auch Workshops zur Kritik an Luther möglich - gerne auch mit Bezug zu lutherkritischer Öffentlichkeitsarbeit. Ein bereits existierender Veranstaltungstext (als .rtf) kann übernommen werden - bei Bedarf einfach Kontakt aufnehmen!

Links zu Martin Luther

Die Person Martin Luther
Luther und Antisemitismus
Kirche und Nationalsozialismus
Christlicher Antijudaismus
Aktionen gegen Luther
Aktionen für Luther
Rückblick: Aktionen zu "Luther - der Film" (Ende 2003)

Folgende Kommentare zu dieser Seite erreichten uns ...

Da kann man nur sagen, dass die Verfasser dieser Site keine Ahnung von Geschichte haben, kein Verständnis für die großartigen Leistungen, die die lutherische Reformation für die europäische Geschichte bedeutet.
Unverständiges Kopfschütteln ...