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Religion? Nein danke ...

Definitionen ++ Merkmale ++ Weltliche Ersatzgötter ++ Kreationismus ++ Kritik ++ Links

Definitionen zu "Religion"

Schmidt, Manfred G. (1995): Wörterbuch zur Politik, Kröner Verlag in Stuttgart
Bezeichnung für ein System von Glaubensüberzeugungen und zeremoniellen Riten, das auf einer - allgemeinere Verbindlichkeit beanspruchenden - Unterscheidung zwischen heiligen und profanen ... Dingen und der positiven Bezugnahme auf eine überweltliche, göttliche Wesenheit beruht.

Meyers Großes Taschenlexikon (1992), B.I.Taschenbuchverlag in Mannheim
Zusammenfassende Bez. für eine Fülle histor. Erscheinungen, denen ein spezif. Bezug zw. dem überwelt., transzendenten Heiligen in personaler Gestalt einer oder mehrerer Gottheiten einerseits und den Menschen andererseits in einer deren Verhalten normativ bestimmenden Weise zugrunde liegt. ...
Mit der Gottheit als Zentrum jeder R. verbindet sich das Offenbarungserlebnis des Stifters ... Diese Offenbarungsinhalte werden in sog. Buch-R. in hl. Texten festgehalten und können in Dogmen kodifiziert werden.

Klaus, Georg/Buhr, Manfred (1975): Philosophisches Wörterbuch, VEB Bibliographsiches Institut in Leipzig
Form des gesellschaftlichen Bewußtseins mit Weltanschauungscharakter, deren Besonderheit in einer verzerrten, verkehrten Widerspiegelung der Natur und Gesellschaft im Bewußtsein der Menschen besteht, dergestalt, daß die Erscheinungen der Natur und Gesellschaft auf übernatürliche Ursachen und Zwecke zurückgeführt bwz. als übernatürliche Vorgänge und Mächte vorgestellt werden, zu denen die Menschen in einem unmittelbaren Abhängigkeitsverhältnis stehen und denen gegenüber sie sich zu ihrem Wohle zum Vollzug bestimmter Handlungen ... verpflichtet fühlen.

Auszug aus einem Text der Jungen Linken
Religion ist der Glaube an übernatürliche Mächte, die die Welt und die Menschen — wenn sie sie nicht sowieso gleich geschaffen hat — beherrschen und leiten, in das Weltgeschehen eingreifen und bei Wohlverhalten in der Regel noch ein besseres Leben nach dem Tode (Christentum, Islam, Judentum, Sikhs, Bahai) eine Wiedergeburt in der Luxusklasse (Hinduismus, Mormonen) oder aber die wenigstens den Ausstieg aus dem Wiedergeburtskarussel (Buddhismus) anzubieten haben.

 

Aus Salcher, Ernst F. (2007): Gott? Das Ende einer Idee. VAS in Frankfurt (S. 19 f.)
Über den genauen Ursprung des Begriffs Religion herrscht nach wie vor Unstimmigkeit. In Luthers Bibelübersetzung z.B. kommt der Begriff kein einziges Mal vor. Führt man ihn aufs Lateinische zurück, so bedeutet „religare“ das Gebundensein an eine höhere Macht und der Begriff "relegere" die gewissenhafte Beach­tung des religiösen Kults. Aus den vielen vorliegenden Begriffsbestimmungen eine kleine Auswahl:

Die bisherigen Definitionen beziehen sich eher auf das Religionsverständnis früher Menschen mit ihrem Gefühl der Abhängigkeit und des Schutzbedürfnisses gegenüber einer übermächtigen Welt, wohingegen die nachfolgenden Begriffsbestimmungen auch die späteren und kulturell fortgeschritteneren Epochen einbeziehen:

Neue Begriffe und Inhalte scheinen hier auf. Das am Anfang stehende Schutzbedürfnis wird erweitert durch Fragen, die über das gegenwärtige Leben des Menschen hinausgehen, die nach dem Sinn desselben fragen und danach, was nach dem Tode mit dem Menschen bzw. seiner Seele geschieht (Jenseitserwartungen). Erkennbar versucht der Mensch nun, sich von anderen Lebewesen abzusetzen, seine Sonderrolle zu definieren und zu hinterfragen, einen besonderen Sinn für sein Dasein zu verlangen und sich mit einem endgültigen Tod nicht abfinden zu wollen.
Ein letztes wesentliches Element fehlt in unserem bisher herausgearbeiteten Religionsbegriff: die Verpflichtung auf ein von Gott vorgegebenes Sittengesetz! Alle Religionen haben einen solchen Sittencodex, dessen Befolgung von Gott belohnt und dessen Missachtung von Gott bestraft wird. Nicht unbedingt gleich im Diesseits, aber umso wirkungsvoller, weil auf alle Ewigkeit, im jenseits. Man könnte also sagen, dass die so drängenden Fragen des Menschen nach dem Sinn seines Lebens und nach allgemeingültigen und endgültigen Werten geradezu zum Glauben an eine Macht führen mussten, die mit höchster Autorität diese Werte vorgibt und deren Befolgung einfordert (Gott).

Um den Überblick nicht zu verlieren, wollen wir uns auf die wesentlichen Bestimmungsmerkmale der monotheistischen Re­ligionen konzentrieren:

Merkmale und Gemeinsamkeiten von Religionen

Es gibt etwas Höheres als den Menschen und seine soziale Interaktion

Gröhe, Hermann (MdB), "Widerkehr der Religion?", in der evangelischen Kirchenzeitung "chrismon", Nr. 8/2006 S. 10)
Theologische Reflexion und das Miteinander in der Gemeinde bewahren uns dabei vor der Gefahr, unsere subjektiven Erfahrungen überzubetonen.

 

Aus Mühsam, Erich (1933): "Die Befreiung der Gesellschaft vom Staat", Nachdruck bei Syndikat A und im Internet (mehr Auszüge)
Daß der Anarchismus mit dem Glauben an eine außerhalb der Persönlichkeit wirkende bewußte und willensbegabte Kraft unvereinbar ist, bedarf keiner besonderen Darlegung. Der Begriff der Religion könnte nur insofern mit anarchistischer Denkweise in Übereinstimmung gebracht werden, wie er als Hingebung und Versunkenheit des Ich in seiner Beziehung zu Menschheit und Weltall gemeint wäre. ... (S. 30)
Jede Unterwerfung und Beherrschung führt zu materieller Ausbeutung, jede Ausbeutung zu Autorität, Zentralismus, Staat. Gott und der Staat sind die beiden Pole der Macht, die auf der Verneinung von Gleichberechtigung, Gegenseitigkeit und Selbstverantwortung beruht. ... (S. 32)
Die jüdische Gottvater-Lehre, die den einzigen, allmächtigen, allgerechten, allgegenwärtigen Gott mit dem finster drohenden Verlangen über die Menschen setzt, in unaufhörlichem Gebet angefleht, bewundert, der hingegebenen Verehrung versichert und für alles, selbst für jede Qual und Demütigung bedankt zu werden, schuf den westlichen Völkern die Voraussetzung zur Hinnahme der Vaterschaftsfamilie mit der gottähnlichen Stellung des über die Seinen herrschenden Oberhauptes. Diese autoritären Vorbilder haben auch dem Staat mit seiner nationalistischen Ideologie die Bereitwilligkeit der Menschen zur Untertanschaft unter eine zentralistisch schaltende Macht, zum Verzicht auf Selbstverantwortung, Selbstbestimmung und Gleichberechtigung in den Dingen des gesellschaftlichen Zusammenlebens erschlossen. Gottvater, Vater, Vaterland - die Einwirkung auf die Gefügigkeit der Menschen geschieht überall auf die gleiche Weise ... (S. 40)

SprecherInnen des Höheren ... Einteilung in Gut und Böse ... Halt und Orientierung

Schmidt, Wolfgang: "Die Sehnsucht nach Identität", in: PROKLA 96, Sept. 1994 (S. 367)
Ohne einen Halt, der sie an die Geschichte bindet, scheint die große Mehrheit nicht in der Lage, die neue Freiheit leben zu können, und identifiziert sich mit nationalistischen, ethnischen und religiösen Bezugspunkten.

Religion als Rückbesinnung

Schmidt, Wolfgang: "Die Sehnsucht nach Identität", in: PROKLA 96, Sept. 1994 (S. 359 ff.)
Statt eines Aufbruchs in den Umbau der Industriegesellschaft und die Öffnung zur Welt hin, ist jedoch der Rückfall in eine neue Enge zu beobachten. Gefangen in der Spannung von Vereinheitlichung und Ghettoisierung steigen vergessen geglaubte Stimmen nationaler Erneuerung, ethnischer Identität und religiösem Fundamentalismus auf. ...
Der Niedergang des marxistischen Diskurses, die Ermüdung, die der rationalistische Optimismus hervorgerufen hat und die moralische Unübersichtlichkeit der Gegenwart haben dem Religiösen eine ungeahnte Klientel eröffnet. ...
Angesichts der erdrückenden und phantasielosen Eindimensionalität des Alltags und der Vorherrschaft des ökonomischen Zwangs führt das Fehlen von spiritueller Erfahrung und sinnlicher Erfüllung in eine Kultur des Rausches und der Religiösität. War das Aufkommen des Haschisch im Europa der 60er Jahre noch Vehikel von Emanzipations-Wünschen und erotischer Befreiung, so ist es heute ein Mittel, um den mechanisierten Alltag aushalten zu können. Die sehnsüchtigen Potentiale der eingezwängten Seele und des funktionalisierten Körpers sind nicht niederzukriegen und machen sich Luft in mystischer Ekstase und rauschhafter Erfahrung.

Alle dogmatischen Bezüge auf externe Autoritäten sind absurd

Aus der Satire-Kolumne "Liebe Salachristen!" von Mely Kiyak, in: FR, 21.4.2012 (S. 10)
Bislang dachte ich, Fundamentalismus an sich sei ein Problem. Letzte Woche habe ich gelernt, dass Fundamentalisten, die sich auf den Koran beziehen, hysterischere Reaktionen auslösen, als Fundamentalisten, die sich auf die gute alte Bibel berufen. Anders kann ich mir nicht erklären, warum eine Million fundamentaler Christen in Deutschland, so die allgemeine Schätzung, keine Nachricht wert sind. Wohl aber 500 Salafisten, von denen man g l a u b t, dass sie verrücktes Zeug anstellen k ö n n t e n. ...
Was wäre, wenn Salafisten das Dr. Oetker-Kochbuch aus den siebziger Jahren kostenlos verteilen würden? Ich habe ein solches Exemplar im Küchenschrank. Wenn man sich ausschließlich mit Rezepten aus diesem Buch ernähren würde, wäre man bestimmt schnell tot. Mehl, Fett, Fleisch. Für mich birgt ein solches Buch mehr Sprengstoff als der Koran. Ohnehin finde ich, dass heutzutage von Kirchen, Moscheen, Tempeln und Synagogen weniger Unheil ausgeht als von der Lebensmittelindustrie und vom Bankenwesen.
Vor einigen Wochen erklärte ich, was ein Salafist ist. Jetzt sprechen alle über Salafisten. Ich bin auch eine Art Prophet. Mal sehen, ob demnächst alle von fundamentalen Christen sprechen, nur weil ich es mal eben so erwähne. Ein fundamentaler Christ ist ähnlich wie ein fundamentaler Muslim. Kein Salafist, sondern, nennen wir ihn Salachrist. Auch ein Salachrist legt seine heilige Schrift wortwörtlich aus. Auf seinem Buch steht Bibel. Es könnte auch etwas anderes drauf stehen. Harry Potter. Oder Heidi. Es gibt nämlich Fundamentalisten, die wollen wie zu Zeiten Heidis leben. Mit Gouvernante, Alm-Öhi und Berghütte. Heidifisten nennt man sie. Sie leben vornehmlich in bayerischen Provinzen.
Es gibt viel Interessantes auf der Welt. Beispielsweise die Christen-Community namens Universales Leben, deren Ziel die Gründung eines Urchristenstaates ist. Klingt ganz schön gefährlich! Sie verkaufen Ihre Produkte in Bioläden unter der Marke: „Gut zum Leben“. Es gibt Salachristen-Gruppen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren; mit der Begründung, dass Jesus Vegetarier oder Veganer war. Jede fundamentale Gruppe behauptet das, was ihr am besten in den Kram passt. Salatessende Salachristen nennt man übrigens Salatchristen.

Beten statt handeln

Renke Brahms beschreibt in "Luther und wir" (S. 143) die Katastrophen wie Kriege, Zerstörung usw. auf der Welt. Dann folgt:

Das was können wir tun angesichts dieser Bedrohungen für den Frieden? Als Christen können wir vor allem beten.

Kirchenbauten und Protz: Produktivkraftverschwendung, früher unter Zwangsarbeit

Norbert Bolz, "Glanz liegt über der Stadt" (zur Frauenkirche in Dresden) in: Chrismon 10/2005 (S. 44)
Der Protestantismus kann hier viel von der katholischen Kirche lernen. Denn was auch immer man von der unendlichen Inszenierung des Glaubens ohne Worte bei den Großereignissen in Rom und Köln halten mag - der Eventcharakter der religiösen Erfahrung ist überdeutlich geworden. Und hier kann die sündenstolze, unsichtbare protestantische Innerlichkeit nicht mithalten, wenn sie nicht ihrerseits die Kraft zur Repräsentation unter Beweis stellt. Da die protestantische Kirche nun aber die Kraft zur Repräsentation nicht in einer Person verdichten kann, muss sie auf die große Rhetorik der Architektur setzen. ...
die Dresdener Frauenkirche als protestantisches Pendent zum Kölner Dom ... oder, für noch Ehrgeizigere, als protestantischen Petersdom.

Unterschiede

Meyers Großes Taschenlexikon (1992), B.I.Taschenbuchverlag in Mannheim
Jeder R. eignet eine die die Gesellscahft sturkturierende Kraft, die zur Organisation von Gemeinden, Kirchen ode Orden und bis zur Identifikation der R. mit dem Staat führen kann (Sakralkönigtum).

Konkurrenzen

Rede von Hugo Chavez, Staatschef von Venezuela, vor der UN-Vollversammlung über US-Aggressionen, dokumentiert in: Junge Welt, 23.9.2006 (S. 3)
Ein weiterer Mißbrauch und Angriff, den wir aus Venezuela als einen – sogar persönlichen – Angriff des Teufels zu registrieren beantragen. Es riecht nach Schwefel, aber Gott ist mit uns.

Weltliche Gottheiten & transzendentale Quellen des Richtigen

Volk

"Ohne Demokratie keine Ökologie", in: "ÖkologiePolitik", Journal der ÖDP, Nov. 2004 (S. 11)
Wilhelm von Humboldt sah "in der Welt zwei wohltätige Potenzen: Gott und das Volk". Diese Sichtweise rechtfertigt Vertrauen in das Volk.

"Hegels Geistwelten" in: Grabner-Haider, Anton/Weinke, Kurt, 2006, "Denklinien der Weltkulturen" Lit-Verlag in Wien (S. 118 f.)
In jeder Staatsverfassung äußere sich der Geist eines Volkes als Teil des einen Weltgeistes.

Schwur in England am Beginn des Parlamentarismus, zitiert in Canfora, Luciano (2006): "Eine kurze Geschichte der Demokratie", PapyRossa in Köln
Nach dem Willen Gottes ist das Volk der Ursprung jeder rechtmäßigen Gewalt.

Besson, W./Jasper, G. (1966), "Das Leitbild der modernen Demokratie", Paul List Verlag München (herausgegeben von der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung, S. 21)
Die Lehre von der Volkssouveränität löste die traditionelle Vorstellung ab, nach der dem König oder Fürsten kraft seiner Abstammung aus einer von Gott begnadeten Dynastie die Herrschaft zustand.

Rede von Hugo Chavez, Staatschef von Venezuela, vor der UN-Vollversammlung, dokumentiert in: Junge Welt, 23.9.2006 (S. 3)
was passiert, ist, daß die Welt erwacht und überall wir, die Völker, uns erheben. ... ich kenne den größten Teil der Seele dieser Völker, der Völker des Südens, der angegriffenen Völker.

Vorwort "Der Demokratie eine Seele?" und dem Text "Hat die Demokratie eine Seele?" des Chefredakteurs Erhard O. Müller, in: Mehr Demokratie 1/2006 (S. 3, 6 ff.)
Über die Grundlagen der Demokratie ist viel geredet und geschrieben worden. Ist sie nur ein Verfahren, das eine Gesellschaft sich zur Regelung ihrer Angelegenheiten gegeben hat? Oder verfügt sie womöglich über eine Art Seelenleben, welches sich - unabhängig von allen Mechanismen an der Oberfläche - auf einer tieferen Ebene unseres Bewusstseins abspielt und unsere Ursehnsucht nach "Rückbindung an das Ganze" widerspiegelt? ...
Warum die demokratische Kultur im postmodernen Europa sich (auch) ihrer metaphysischen Grundlagen bewusst sein sollte ...
Bereits dem alten Rousseau war bewusst, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt, auf dem eine Demokratie nur gedeihen kann, eines spirituellen Fundaments bedurfte. Rousseau bezeichnete dieses kulturelle Ferment als "Zivilreligion", ohne die eine demokratische und gerechte Gesellschaft auf Dauer nicht überlebensfähig sein werde. ...
Die politische Kultur einer modernen Demokratie kommt in dieser Situation gar nicht umhin, auch Sinn-Gebung zu umfassen - d.h. sie muss das leisten, was die zur Zeit vorherrschende politische Kultur kaum noch (und die tradierte Religion immer weniger) zu bieten vermag: Sicherung und Orientierung des Ichs, das in der modernen Situation des Verlusts tradierter Werte und Moral sehr zerbrechlich und vielfach gefährdet ist. Der Orientierungsbedarf des Individuums schafft einen Zwang zur ethisch-sinnstiftenden Begründung der modernen Demokratie, ihrer Verhaltensweisen und Verfahrensmuster.
Das Individuum - der einzelne Bürger - verspürt eine Sehnsucht nach "Aufgehobenheit" in einem größeren Ganzen, welches weit mehr umfasst als seine physi­sche und menschliche Umwelt. Ein solches Gefühl des Eingebundenseins in ein größeres Ganzes hat unmittelbare Folgen für die moralischen und Handlungsmaximen des menschlichen Zusammenlebens - mithin für eine "nachhaltige" Politik und ihr Eingreifen in reale gesellschaftliche Konflikte. ...
Harmonie gegen Trennung, Synthese gegen rational-beschränkte Analyse (=Zerlegung), Miteinander statt Gegeneinander, Liebe statt Hass ...

 

Endplädoyer von Hermann Göring im Nürnberger Prozess 1946, zitiert nach Junge Welt, 14.3.2006 (S. 11)
Das einzigste Motiv, da mich leitete, war heiße Liebe zu meinem Volk, sein Glück, seine Freiheit und sein Leben.

 

Recht und Staat

"Hegels Geistwelten" in: Grabner-Haider, Anton/Weinke, Kurt, 2006, "Denklinien der Weltkulturen" Lit-Verlag in Wien (S. 118 f.)
Auch das Recht und die Moral seien ein Ausdruck der absoluten Idee und im Staat zeige sich der ewige Geist. Damit werden der Staat und das Recht metaphysisch abgesichert. ... Der Wille des einzelnen Staatsbürgers muss sich dem Allgemeinwillen des Staates unterwerfen, dem Recht kommt etwas Heiliges zu.

Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Grundlinien der Philosphie des Rechts (PhB 483, 1995)
Der Staat ist göttlicher Wille als gegenwärtiger, sich zur wirklichen Gestalt und Organisation einer Welt entfaltender Geist.

Proudhon, Pierre-Joseph, zitiert in: Grosche, Monika (2003): "Anarchismus und Revolution", Syndikat A in Moers (S. 23)
Die ökonomische Idee des Kapitals, die politische Idee der Regierung und die theologische Idee der Kirche sind drei identische und wechselseitig vertauschbare Ideen, eine anzugreifen, bedeutet alle anzugreifen. Was das Kapital der Arbeit tut und der Staat der Freiheit, das tut die Kirche dem Geist.

Objektivität

Schmidt, Wolfgang: "Die Sehnsucht nach Identität", in: PROKLA 96, Sept. 1994 (S. 360)
erst die Moderne konnte den Mythos als das Andere begreifen und gleichzeitig das analytisch﷓instrumentelle Vorgehen als fortschrittliche Vision, als neuen Glauben an die Wissenschaft, hervorbringen, Auch wenn die alte Welt des Glaubens untergegangen ist, stirbt der Drang nach Mythenbildung nicht: die Aufklärung ersetzt die archaischen Götter durch den weltlichen Mythos der Freiheit des Verstandes und hofft auf Ewigkeit im Gewande des Fortschritts.

Klaus, Georg/Buhr, Manfred (1975): Philosophisches Wörterbuch, VEB Bibliographsiches Institut in Leipzig
Die Ursachen der Religion werden erst mit der Aufhebung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, mit der Errichtung der klassenlosen kommunistischen Gesellschaft und der Überwindung der Reste der Klassengesellschaft endgültig beseitigt. Mit der Entwicklung der kommunistischen Gesellschaftsordnung und der umfassenden Verbreitung der wissenschaftlichen Weltanschauung der Arbeiterklasse, des dialektischen und historischen Materialismus, wird die Religion aus dem Leben der Gesellschaft verschwinden.

Leitkultur und Bekenntnis

Aus Schmidt-Salamon, Michael, "Die zehn Angebote des evolutionären Humanismus", in: Manifest des Evolutionären Humanismus, Alibri Verlag, Aschaffenburg 2005
Diene weder fremden noch heimischen "Göttern" (die bei genauerer Betrachtung nichts weiter als naive Primatenhirn-Konstruktionen sind), sondern dem großen Ideal der Ethik, das Leid in der Welt zu mindern! ...
Stelle dein Leben in den Dienst einer "größeren Sache", werde Teil der Tradition derer, die die Welt zu einem besseren, lebenswerteren Ort machen woll(t)en! Eine solche Haltung ist nicht nur ethisch vernünftig, sondern auch das beste Rezept für eine sinnerfüllte Existenz. Es scheint so, dass Altruisten die cleveren Egoisten sind, da die größte Erfüllung unseres Eigennutzes in seiner Ausdehnung auf Andere liegt. Wenn du dich selber als Kraft im "Wärmestrom der menschlichen Geschichte" verorten kannst, wird dich das glücklicher machen, als es jeder erdenkliche Besitz könnte. Du wirst intuitiv spüren, dass du nicht umsonst lebst und auch nicht umsonst gelebt haben wirst!

Aus Schmidt-Salamon, Michael: "Erwachsen werden", in: Jungle World, 9.11.2005 (S. 28)
Diese Kombination von höchstem technischen Know-how und naivstem Kinderglauben könnte auf Dauer fatale Konsequenzen haben. Wir verhalten uns wie Fünfjährige, denen die Verantwortung für einen Jumbojet übertragen wurde. ...
Wir können es uns nicht mehr leisten, mit der weltanschaulichen Mentalität von Fünfjährigen die Geschicke der Welt zu lenken. Wer das Atom spalten kann und über Satelliten kommuniziert, muss hierfür auch die erforderliche intellektuelle und emotionale Reife besitzen. ...

Aus Schmidt-Salamon, Michael: "Für eine Leitkultur ...", in: Jungle World, 9.11.2005 (S. 29)
Eigentlich sollte es einleuchtend sein, dass wir heute kaum eine andere Chance haben, als auf jene »verdrängte Leitkultur« zu setzen, mit der der gesellschaftliche Fortschritt in der Geschichte verknüpft war: die Leitkultur von Humanismus und Aufklärung. ...
Sämtliche Studien, die sich mit dem Thema eingehender beschäftigten, haben gezeigt, dass die optimistische Erwartung, dass sich die Menschen schon automatisch zu Demokraten entwickeln würden, wenn man ihnen rechtsstaatlich garantierte Grundrechte einräumt, hoffnungslos naiv war. (2) Es ist an der Zeit, aus dieser Erkenntnis die richtigen politischen Schlüsse zu ziehen. Das Erlassen von Gesetzen, die die Ausübung der Religionsfreiheit bzw. das Ausleben kultureller Traditionen dort rigoros begrenzen, wo sie mit rechtsstaatlichen Prinzipien kollidieren (Beispiel: Zwangsheirat), ist in diesem Kontext zwar ein notwendiger, aber noch kein hinreichender Schritt. Gerade in der Bildung müssten neue Wege gegangen werden. So wäre beispielsweise statt der »flächendeckenden Einführung des Islamunterrichts« die Einführung eines für alle verbindlichen Werteunterrichts (ohne Abmeldemöglichkeit) angebracht, denn ohne solche integrativen Maßnahmen, die für alle – selbstverständlich nicht nur für Menschen mit muslimischen Hintergrund – zu gelten haben, wird das Phänomen der zunehmenden »kulturellen Ghettoisierung« kaum zu überwinden sein. ...
Das Gemeinwesen der Bürger beruht auf klar benennbaren Verfassungswerten, die als Minimalkonsens das Zusammenleben der Menschen regeln sollen ...
Lehrpläne, Schulbücher etc. müssen also wissenschaftlichen Wahrheitswerten genügen. Aussagen, die logischer/empirischer Überprüfung nicht standhalten können, haben im Curriculum der öffentlichen Schulen nichts verloren. ...
Beispiel: Wenn eine religiöse Gruppe gegen den Sexualkundeunterricht agitiert oder homosexuelle Handlungen als »unnatürlich« dargestellt wissen will, so können sich Staat und Länder als Träger oder Aufsichtsagenturen der Bildung hierzu nicht neutral verhalten, denn zum einen wird ohne gründliche Erörterung des Themas Sexualität weder das menschliche Verhalten noch die Evolution des Lebendigen als Ganzes verständlich, zum anderen finden sich homosexuelle Verhaltensweisen erwiesenermaßen im gesamten Tierreich ...
In der öffentlichen politischen Diskussion müssen notwendigerweise weltliche Standards gelten – und zwar (in ethischer Hinsicht) die humanistische Orientierung an den Selbstbestimmungsrechten des Menschen sowie (in methodischer Hinsicht) die aufklärerische Orientierung an den Idealen der intellektuellen Redlichkeit, wonach Behauptungen logisch/empirisch belegt sein müssen, damit sie von Relevanz sein können. ...
Wer für die Leitkultur Humanismus und Aufklärung eintritt, beschreitet einen Weg jenseits von Fundamentalismus und Beliebigkeit. Diese Leitkultur vermittelt (im Unterschied zum Paradigma der postmodernen Beliebigkeit) einerseits genügend Orientierung, um den Menschen in ihrer Suche nach Sinn Halt zu geben und ihr Zusammenleben nach vernünftigen Regeln zu gestalten, ...

Besondere Formen irrationalen Glaubens

Kreationismus

Junge Welt, 30.12.2009 (S. 10 f.)
Mit dem Übergang vom antiken Weltbild und der Vorstellung einer zielgerichteten und von Gott gelenkten Schöpfung zum naturalistischen Weltbild einer Natur ohne Ziel und Plan wuchs in Teilen der Bevölkerung die Angst vor der Relativierung ihres Selbst- und Weltbildes. Während sich die Wissenschaft im 20. Jahrhundert zunehmend in den Dienst des neoliberalen Dogmas stellte und so zur Skepsis gegenüber den eigenen Errungenschaften beitrug, nahm in der Gesellschaft die Zahl derer zu, die – zum Teil berechtigt – auf die negativen Auswüchse des wissenschaftlichen Fortschritts hinwiesen. Die Kirchen reagierten ihrerseits auf die Veränderung innerhalb der Gesellschaft, indem sie sich zunächst abschotteten und in den letzten Jahren verstärkt fundamentalistischen Strömungen den Zugang zur Gesellschaft ermöglichten.

Auch in der Kritik am Kreationismus lauert der Aufruf zum "Bekenntnis" - hier in Christoph Lammers "Kreationismus auf dem Vormarsch", in: Junge Welt, 30.12.2009 (S. 10)
Tatsächlich wäre ein klares Bekenntnis zur Wissenschaft und zum rationalen Weltbild ein Fortschritt zur Überwindung von religiösem Fundamentalismus.

Dalai Lama und Roland Koch




Autoritäre Religions- und politische Führer entwickeln inniges Verhältnis: Dalai Lamas bester Freund in Deutschland: Roland Koch, CDU-Ministerpräsident von Hessen










An seinen Freunden lässt sich ohnehin einiges erkennen (Aus der Internetseite zum Dalai-Lama-Besuch in Hessen im September 2007):
Dalai Lama in Hessen
Dokumentation "Ahnungslose Schwärmerei" von Colin Goldner, in: Junge Welt, 26.3.2008 (S. 10 f.) ++
Weiterer kritischer Text zum Verhältnis China - Tibet, in: Junge Welt, 17.5.2008 (S. 10)

Weihnachten

Kritik und Überwindung der Religion

Karl Marx, 1844: Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie
Die Kritik der Religion endet mit der Lehre, daß der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei, also mit dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.

 

Aus Mühsam, Erich (1933): "Die Befreiung der Gesellschaft vom Staat", Nachdruck bei Syndikat A und im Internet
Gott und der Staat sind die beiden Pole der Macht, die auf der Verneinung von Gleichberechtigung, Gegenseitigkeit und Selbstverantwortung beruht.
Gott und der Staat mit allen ihren Ausdrucksorganen, Kirche, Regierung, Gerichtsbarkeit, Militär, Polizei, Bürokratie, Sultanen, Wesiren, Statthaltern, Kadis, Schatzmeistern, Zollpächtern, Fakiren und Bonzen sind die vollkommensten Verkörperungen zentralistischer Autorität.

Links und Materialien

Im Original: Bücher vorgestellt ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Stefan Braun
Das Staat-Religionen-Verhältnis in seiner historischen Entwicklung
2005, Wissenschaftlicher Verlag Berlin, 129 S., 16 Euro)
Ein Geschichtsbuch der Beziehung zwischen Kirche und Staat, Religion und Politik in Deutschland und der Geschichte, die von zentraler Bedeutung für die heutige Situation in diesem Land ist. Es beginnt mit der Etablierung des Christentums im Römischen Reich und endet in der Verfassungswirklichkeit der BRD. Etliche Quellen bis hin zu aktuellen Urteilen belegen die Aussagen. Eigentlich hätte der Titel aber statt Staat auch Deutschland und statt Religion passender Christentum lauten müssen - dafür aber dann bietet das Buch sachkundige Information.

Hans Joas (Hrsg.)
Was sind religiöse Überzeugungen ?
(2003, Wallstein in Göttingen, 152 S., 19 Euro)
Braucht Werterziehung Religion?
(2003, Wallstein in Göttingen, 141 S., 19 Euro)
Jeweils der beiden Bücher enthält drei Beiträge, die zu Wettbewerben unter der Fragestellung des Buches eingereicht und prämiert wurden. Sie beleuchten die Frage aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Alle drei des ersten Buches versuchen sehr stark, logische Argumentationsmuster zu entwickeln, nach denen ein Gedanke oder eine Empfindung als religiös eingestuft werden kann. Eine klare Antwort haben alle nicht - insofern sind die Texte eher eine Anregung als eine Antwort, können aber genau so auch gut gelesen werden. Im zweiten Buch stehen sich unterschiedliche Auffassungen gegenüber. Etwas seltsam kommt dabei die kritische Bejahung von religiösen Werten in der Erziehung herüber, die mit dem Trick arbeitet, diese seien gut, weil ein Kind daran eigene Überzeugungen messen kann. Mit dieser Gedankenschleife wäre alles begründbar - auch der Faschismus. Wertevermittlung aber heißt im Kontext von Erziehung, also der zielgerichteten Steuerung von Verhalten und Denken, gerade nicht die Information zum Zwecke der Auseinandersetzung. Insofern ist die Logik von Erziehung in den Beiträgen zum Teil unzureichend erfasst.

Reinhard Starkl
Naturwissenschaft & Glaubenslehren
(2000, VAP-Verlag in Preußisch Oldendorf, 334 S.)
Achtung, konzentrieren: Hier wird das Denkvermögen nicht geschont. In präzisen Abhandlungen werden die großen Religionen dieser Welt und etliche bekannte Wissenschaftstheorien vorgestellt. Die Texte gehen dabei vielfach so in die Tiefe, dass mehr vermittelt wird als nur ein einfacher Überblick. Dann geht es ans Vergleichen, zunächst der Religionen untereinander (wobei noch ein besonderer Schwerpunkt auf die Entwicklung der christlichen Theorien gelegt wird), dann mit den Wissenschaften und ihren Welttheorien. Logisches Denken wird stark beansprucht. Die Vergleiche beschränken sich einerseits auf konkrete Fragestellungen wie das Leben nach dem Tod, andererseits versucht der Autor, Ansätze für eine Fusion zu einem alles einschließenden Weltbild zu finden. Zumindest die Frage kommt bei Lektüre des stark mathematischen, vor allem mit Formeln als Weltbeschreibung arbeitenden Textes auf, ob nicht spätestens hier der Autor selbst Gefahr läuft, sich als Religionsstifter zu betätigen. Denn Religion ist ebenso wie dogmatische Wissenschaft ja gerade dadurch gekennzeichnet, geschlossene Erklärungsansätze für die Welt zu bieten und Komplexität durch Berufung auf eine Einheitlichkeit zu reduzieren.

Erhard Zauner
Die Un-Heilige Schrift
(2007, novum in Neckenmarkt, 462 S., 21,30 Euro)
Wer eine ganz harte Kritik an der Bibel sucht, wird hier fündig. Zitat für Zitat wird die ersten Teile der Schrift seziert - und als blutrünstige, menschenverachtende Erzählung mit einem widersprüchlichen, aber oft fast sadistisch anmutenden Gott vorgeführt. Die Sichtweise ist tendenziös - wie die der Kirchen und sonstigen Christusfans. Beides zusammen aber belegt auf jeden Fall, dass die Bibel einfach alles enthält, komplett beliebig ist und so für alle die eine Quelle sein kann, die das Unerwünschte einfach ausblenden. Der billigen Masche vieler Christusfans, dass die alten Teile der Bibel von Jesus widerrufen oder zumindest ergänzt worden wären, tritt der Autor entschieden entgegen. Auch Jesus ist für alles zu haben - auch für die Forderung nach wörtlicher Umsetzung der sadistischen Anweisungen des Alten Testaments.

Winfried Krakau
Vernunft contra Glaube
(2007, Novum Verlag in Neckenmarkt, 113 S.)
Ein flammendes Plädoyer für eine Überwindung monotheistischer Moralreligionen hin zu kosmischen Wertereligionen. Der Autor stuft die großen Offenbarungsreligionen Islam, Juden- und Christentum als Zwischenstadien ein, die geschichtlich rückständig sind. Seine Vorbilder sind die Bilder einer universellen Weisheit, die von namhaften Philosophen ebenso vertreten werden wie ansatzweise in esoterischen Orientierungen oder asiatischen Religionen. Warum überhaupt solche externen Quellen höherer Werte notwendig sein sollen, erklärt der Autor nicht.

Wörterbuch Religion
(2008, Compact-Verlag in München, 288 S.)
Rund 1000 Stichworte werden beschrieben - nicht nur religiöser Fachbegriffe, sondern auch Allerweltsworte, die hinsichtlich ihrer Bedeutung in Religionen ausgelegt werden. Die thematische Breite reicht weit über die klassischen großen Religionen hinaus, z.B. in esoterische Themen. Die Stichworte sind sehr kurz beschrieben und beschränken sich weitgehend auf das Alltagswissen. Kritische Verweise fehlen fast vollständig.

Ernst F. Salcher
Gott? Das Ende einer Idee
(2007, VAS in Frankfurt, 425 S., 22,80 Euro)
Das Buch ist eine runde Sache: Nachvollziehbar wird der Werdegang des historischen Objektes "Gott" erklärt - seine Entstehung, Gründe und Hintergründe der Dominanz in vielen historischen Phasen, aber ebenso die Überflüssigkeit dieses Versuchs, über dem Menschen und von ihm unerreichbar eine Instanz anzusiedeln, die beliebig als Projektionsfläche für Orientierung oder Quelle von Machtansprüchen genutzt werden kann. Insgesamt liegt mit dem Buch ein Kompendium des Nachweises vor, dass Gott eine allzumenschliche und oft auch allzu leicht aus Interessen ableitbare Erscheinung ist. "Wir sollten diese vage Ersatzlösung nicht länger akzeptieren und den Mut haben, den historischen Fehlversuch der Gottsuche zu beenden. Wenn uns wirklich an der besseren Welt liegt, müssen wir begreifen, dass nur die Menschen sie schaffen können." Damit hätte das Buch ein schlüssiges Ende gehabt. Hätte ... denn dann führt der Autor an, dass er erst kurz vor Drucklegung des Buches in Kontakt mit ReligionskritikerInnen der bekannten Giordano-Bruno-Stiftung kam. Da stellt sich einerseits die Frage, wie solch ein Autor eigentlich agiert und recherchiert. Andererseits übernimmt Salcher dann unkritisch deren Positionen und druckt zum Abschluss die neuen 10 Gebote des Stiftungsvordenkers Schmidt-Salomon ab. Die sind zwar eine beißende Kritik bisheriger Religionen. Mit ihrer überdeutlichen Bejahung höherer Werte und der Aufforderung, diesen als Mensch zu dienen, inszeniert sich Schmidt-Salomon aber eher als neuer Religionsstifter denn als Kritiker übermenschlicher Autoritäten.

Elie Barnavi
Mörderische Religion
(2008, Ullstein in München, 176 S., 18 Euro)
Dem Autor geht es vor allem um die von ihm "Offenbarungsreligionen" genannten drei Religionen, die auf Schriften basieren - im Ursprung alle sogar auf dem gleichen, dem Alten Testament. Er versucht nachzuweisen, dass gerade diese drei, Juden-, Christentum und Islam (nach Alter geordnet), zu fundamentalistischen Tendenzen neigen. Exemplarisch beschreibt er einige - und verliert aus den Augen, dass Religion eine grundsätzlich das Menschliche in Frage stellende Sache ist, weil sie einen höheren Wert kreiiert als den Menschen selbst. So ließen und lassen sich Hexenverbrennungen, Kreuzzüge, Massenmorde, Zwangsmissionierungen und unzählige Fälle von Gehirnwäsche legitimieren: Es geht um etwas Höheres! Folglich wählt der Autor auch seine Medizin so aus: Demokratische Werte sollen den religiösen Orientierungen Grenzen setzen. Das aber ist der Austausch einer höheren Moral gegen die andere. Emanzipation dagegen denkt und geht vom Menschen aus.

Alfred Hackensberger
Lexikon der Islam-Irrtümer
(2008, Eichborn in Frankfurt, 280 S., 19,95 Euro)
Es geht um "Vorurteile, Halbwahrheiten und Missverständnisse von Al-Qaida bis Zeitehe" - so jedenfalls verspricht es der Untertitel. Alphabetisch werden etliche Themengebiete abgehandelt, in denen in hiesigen Medien und Diskursen zum Teil seltsame Vereinheitlichungen und Legenden zur Religion der Moslems dominieren. Das Buch räumt mit einigen auf, aber es macht sich die Sache einfach: Auf Quellenangaben verzichtet der Autor gleich ganz - und so manche seiner Ausführungen füllt den Leerraum zerschlagener Mythen mit neuen Verallgemeinerungen. Als gäbe es "den Islam" überhaupt ...

Richard Dawkins
Der Gotteswahn
(2008, Ullstein in Berlin, 575 S., 9,95 Euro)
"Schrill, aufgeregt, unbeherrscht, intolerant" - so beschimpft der Schreiber eines Leserbriefes das Buch. Abgedruckt ist die Kritik im Buch selbst. So unrecht hat der Schreiber nicht, nur vergisst er, dass eine solche Sprache durchaus angemessen sein kann angesichts der verblödenden, machtsichernden und mörderischen Wirkung der Inszenierung personaler Gottesbilder und der wirren Ableitungen, die daraus für das menschliche Leben und die soziale Struktur erfolgen. Fraglos ist Dawkins Buch eine Anklage, mitunter polemisch. Doch die Schärfe des Wortes ist das Mindeste, was der Schärfe der Gehirnwäsche und blutrünstiger Machtkämpfe entgegengesetzt werden muss, die im Namen Gottes, der große Erfindung zur Legitimierung übelster Handlungen, erfolgen.

Rolf Luther
Die Weisheit des Lebens
2009, Projekte-Verlag Cornelius in Halle, 163 S., 12,50 Euro)
Ein wirres Buch voller religiöser Bekenntnisse, die - lose gegliedert - aneinandergereiht wurden. Alle Klischees religiöser Gehirnwäsche werden bedient - von der Fügung unter höhere Gewalt bis zur Teilung in gut und böse. Insofern kann das Buch doch einen Nutzen haben: Eine Zitatequelle zur Kritik an einem Menschen- und Gesellschaftsbild, das nur so davon trieft, Menschen als Mitglieder einer armseligen Herde von Schafen zu begreifen. Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln (außer Verstand) ...

Carsten Jaboki u.a.
Religionskritik
(2007, mdv in Halle, 232 S., 16 Euro)
Eine - sich neutral gebende - Sammlung von Abhandlungen über Religionskritiker in der Zeit nach der Aufklärung. Der Blick auf Literatur und philosophische Debatte verschafft einen guten Überblick über die dort vorhandenen Begründungen für die Kritik an Religion oder am Gebaren der Religionshüter. Den Schlusspunkt bildet ein Überblick über die Religionskritik der Nationalsozialisten. Spätestens dann wird deutlich: Religion kann aus einem befreienden Verständnis heraus abgelehnt werden - oder als Konkurrenz zu anderen, mitunter noch herrischer Ideologien.

Gerd Lüdemann
Der große Betrug
(1998, zuKlampen-Verlag in Springe, 126 S.)
Der Autor, Professor für Evang. Theologie in Göttingen, untersucht Passagen der Bibel nach einfachen Kriterien. So schließt er bestimmte Formulierungen aus, die von ihrer Form her beweisen, dass sie zumindest in der konkreten Formulierung nicht von ihm stammen können, weil Deutungen aus der Zeit nach seinem Tod in die Worte aufgenommen wurden. Zudem werden solche Passagen als unglaubwürdig bewertet, die Naturgesetze durchbrechen. Schließlich gilt alles als unecht, was eine heidnische Zuhörerschaft voraussetzt, denn in einem solchen Umfeld lebte Jesus nicht. Insgesamt kommt der Autor zu dem Ergebnis, dass Jesus zwar gelebt, gewirkt und viele interessante Dinge gesagt hat, aber von anderen zum Sohn Gottes bzw. zu einer heiligen Figur überhöht wurde. Als ergänzende Quelle für die Kritik an Kirche und Gottesglauben ist das Büchlein recht nützlich.

Dr. Alfred Stümper
Gott? Rational nachgefragt
(2005, Info Verlag in Karlsruhe, 26 S., 5 Euro)
Die erste Hälfte liest sich richtig spannend: Der Autor, Hobby-Gottesforscher im Polizeipräsidentenrang, frönt dem Dekonstruktivismus. Dass es Wahrheit im objektiven Sinne nicht gibt, hätte er mal in seinem früheren Beruf mehr beherzigen sollen. Im Buch lässt er auf diese Erkenntnis dann die Definition folgen, dass Gott in Form der Liebe existiert. Die Idee ist zwar gegenüber dem strafend-personalen Gott schon ein Fortschritt - aber was daran rational gedacht ist, bleibt unklar.

Horst Groschopp
Humanismusperspektiven
(2010, Alibri in Aschaffenburg, 209 S.)
Das Buch war überfällig. Seit Jahren erscheinen Bücher mit Titeln, in denen der Begriff des Humanismus den Kern bildet. Sie kritisieren in teils brillianter Art den Unsinn theistischer Religionen. Gleichzeitig muteten immer wieder Texte selbst religiös oder zumindest bekenntnishaft an. Humanismus erschien als Leitkultur, die alte ersetzen sollte. Kritik daran führte eher zu Verärgerung - mitunter ein Beleg dafür, dass sie trifft. Das Buch zeigt nun die Richtigkeit des Vorhalts, hier würde eine konkurrierende Weltanschauung beworben, zumindest von Jaap Schilt auf Seite 84, der findet, "dass der HVD nur als Gemeinschaft mit einem klaren, gelebten Bekenntnis die Traditionslininen des europäischen Humanismus wirkungsvoll mit seiner Arbeit verknüpfen und gegenüber den Kirchen eine wichtige gesellschaftliche Rolle spielen kann". Amen - ist mensch zu sagen geneigt. Blättert weiter und stößt als Nächstes auf ein Kapitel, dass ein deutscher Verfassungsschützer schreibt. Gehts noch? So geht ganz verloren, dass etliche der einzelnen Kapitel durchaus scharf, analytisch und interessant zu lesen sind. Doch sie sind Teil einer Baustelle, die stark nach Religionsanstiftung riecht.
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