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Sachspenden, Tauschen, „Dealen“
Möglichkeiten, Grenzen und weitergehende Ideen

Voraussetzungen ++ Grundlagen ++ Kontaktaufnahme ++ Was kommt woher? ++ Warum funktioniert das? ++ Mehr ++ Links

Materielle Grundlagen und Unabhängigkeit sichern!

Fast überall ist es spürbar: Politische, soziale oder Umweltgruppen knapsen am Geld, die Finanzbeschaffung nimmt großen Raum ein und oftmals werden fatale Abhängigkeiten eingegangen, nur um die materielle Ausstattung zu erhalten: Räume, die von Regierungsstellen zugeteilt werden (und wieder entzogen werden können), Gelder aus öffentlichen Etats (für die mensch von der Rechtsform bis zu politischen Inhalten Vorbedingungen erfüllen muß) oder gar Kredite (ganz modern, als ethische Geldanlage getarnt, treibt sie Projekte in Abhängigkeit des Marktes, denn Kredite müssen zurückbezahlt werden, d.h. das Projekt auf Dauer gewinnorientiert agieren). Hinzu kommen die, die (oft skrupellos) mit Firmen kooperieren, sei es in Form des Sponsorings (Spenden kassieren für Öffentlichkeitsdarstellung u.ä.) oder der gemeinsamen Durchführung von Projekten bis hin zur gemeinsamen Tätigkeit auf dem Markt. Inzwischen gibt es ganze Produktpaletten, die von Konzernen gemeinsam mit Umwelt- oder Eine-Welt-Organisationen entwickelt oder vertrieben werden.
Eine solche Finanzierung politischer Arbeit schafft Abhängigkeit – direkt von einzelnen Regierungsstellen oder Konzernen bzw. vom Markt, in Form des Zwangs zur gewinnorientierten Arbeit. Sie unterdrückt Phantasie und Kreativität, denn viele Ideen werden durch den Finanzierungsvorbehalt oder durch die Angst, die materiellen Grundlagen zu verlieren, abgeblockt. Ängste und Zwänge dominieren den Alltag des politischen Handelns.

Nicht viel anders ergeht es den Menschen selbst. Sie kommen aus einer sozialen Zurichtung, die ihnen deutlich vermittelt hat, daß die materielle Reproduktion nur über die Eingliederung in soziale Verhaltensnormen möglich ist: Den Verkauf der eigenen Denk- und Arbeitskraft im Markt, den „Einkauf“ von Gütern und Dienstleistungen aus dem Markt (im Extremfall der selbst vorher hergestellten Waren) oder das Erfüllen von Rollen rund um diese Verwertungslogik, z.B. der Arbeit im Haushalt einer im Arbeitsmarkt verwerteten Person (EhepartnerIn u.ä.). Die Fähigkeit dazu wird in Elternhaus, Schule, Ausbildung usw. vermittelt – zusammen mit den klassischen Rollenmustern nach Geschlecht, Herkunft oder Bildungsgrad. Selbstorganisation ist dagegen kein Gegenstand der Fortbildung. Wer z.B. ein Handwerk lernt, lernt dieses nicht, um sich selbst zu helfen, sondern um sich mit dem Wissen im Markt als Arbeitskraft verwerten lassen zu können. Eine auf Selbstorganisation ausgerichtete Fortbildung müßte einen Querschnitt durch alle Alltags-Handwerke, soziale Kompetenzen, Bereiche von Organisation und Aktionsformen, Mitbestimmungsmöglichkeiten und kreative Diskussions-, Planungs- und Entscheidungsverfahren und vieles mehr bieten. Sie findet nicht statt. Menschen und gesellschaftliche Gruppen sollen sich an den Staat, an Konzerne oder in der Marktlogik bewegen. Das stabilisiert Herrschaftssysteme und Marktökonomie, das treibt alle, ob Einzelperson oder Gruppe, in die Abhängigkeiten von den Herrschenden und der Logik des Marktes. Statt kreativer Prozesse, diese Abhängigkeiten zu überwinden, dominieren heute auch bei politisch aktiven Menschen und bei den politischen Gruppen die Kreativität, besonders geschickt Herrschaft und Markt für sich zu nutzen. Soziale, ökologische und andere ehemals „linke“ Projekte der 70er bis 90er Jahre gehören heute zu den geschicktesten und modernsten KapitalistInnen – mit KnowHow in allen Bereichen der öffentlichen Förderung, des Subventionsbetrugs und der Akquise von Fremdkapital an Börsen und im Geldmarkt. Diese Abhängigkeiten haben folgen: Politische Gruppen, die eher Modernisierer von Herrschaft und Kapitalismus sind (statt deren Gegner), und Einzelpersonen, die durch die Zwänge und Abhängigkeiten vom Arbeitsmarkt und der alltäglichen Reproduktion im Markt (Beschaffung der zum Leben und Überleben nötigen Güter und Dienstleistungen) immer mehr von idealistischen Ideen weg zu einer normal-kapitalistischen Lebensweise kommen.

Es gibt jedoch auch politische Gruppen, die unabhängige, emanzipatorische politische Arbeit machen und trotzdem nicht "am Hungertuch nagen". Eines ihrer Geheimnisse ist: Ganz wenig Geld brauchen! Es gibt nur wenige Bereiche, in denen es nicht auch ohne Knete ginge, von Sachspenden bis zu abenteuerlichen „Deals“ kann ganz gezielt und in breiter Form die materielle Grundlage für die politische Arbeit organisiert werden.
Ebenso kann das Alltagsleben selbst zu großen Teilen aus der Logik des Marktes herausgeholt werden. Auch wenn noch Bereich übrig bleiben, wo ohne Geld nichts läuft – wer im Monat nur noch 200 oder gar 100 Euro in Geldform braucht, wird keinen Job in Abhängigkeit mehr brauchen, sondern aus ihren/seinen Fähigkeiten mit ein bißchen Geschick diese Geldmenge „nebenbei“ erwirtschaften. Und das hat wiederum viel mit den politischen Möglichkeiten zu tun, denn Projekte und Gruppen, deren AkteurInnen dem Zwang zur zeit- und kraftintensiven materiellen Reproduktion unterliegen (und noch dazu ständig fürchten, bei radikalen Positionen und Aktionen die aktuelle Absicherung zu verlieren), sind in ihren Handlungen sehr eingeschränkt. Zudem fördert eine solche Einbindung das Herausfallen aus politischer Arbeit zugunsten „normaler“ Lebensgestaltung.

A. Voraussetzungen

Voraussetzung 1: Organisieren statt finanzieren
Wer in seinem/ihrem Lebensalltag monatlich 5000 DM oder mehr ausgeben will, hat kaum eine Chance zur Selbstorganisation. Der Ansatz selbstverwalteter oder pseudo-alternativer Betriebe, zwar hierarchiefrei, aber doch hochprofitabel zu arbeiten, hat nur zu kollektiver Selbstausbeutung oder enormen Modernisierungsstrategien geführt – nicht aber zu einer Befreiung von den Markt- und Herrschaftszwängen (und ganz nebenbei noch die Modernisierung des Kapitalismus insgesamt vorangetrieben – eine klare Niederlage gegenüber der alten Idee, Gesellschaft stückweise von den Marktzwängen zu befreien). Selbstorganisation hat dort Chancen, wo es gelingt, den Bedarf an auf dem Markt eingekauften Waren drastisch zu senken – mit dem Ziel Null. Denn „Markt“ bedeutet immer die anonyme Vermittlung von Werten ohne jegliche direkte Vereinbarungsebene zwischen Menschen. Und sie schafft den Zwang, für das allgemeingültige Tauschmittel im Markt, eben das Geld, selbst wieder im Markt die Wertschöpfung zu betreiben, d.h. sich zu verkaufen, Lohnarbeit nachzugehen.
Die Alternative muß lauten, den Aufwand für die materielle Reproduktion zu minimieren und diese im direkten Verhältnis zu organisieren, weil es nur dann gestaltbar ist. Tausch, gemeinsames Eigentum oder organisiertes „Schenken“ bzw. „Nehmen statt Kaufen“  können dazu Ansätze bieten.

Voraussetzung 2: Alltag und Politik verbinden
Unendliche Ressourcen ... fast alle Gruppen in den Industrieländern verfügen, den Besitz und die Verfügungsrechte aller beteiligten Menschen sowie den Besitz der Gruppe zusammengerechnet, meist über einen unglaublichen Reichtum. Was für das Auto allgemein bekannt ist (es bindet extrem viel Geld und Zeit bzw. zwingt zur fremdbestimmten Arbeit), gilt auch für viele, viele andere (eigentlich alle?) „Güter“: Computer stehen bei fast jeder Person herum – genutzt oft nur wenige Minuten durchschnittlich am Tag. Fahrräder, Klamotten, Werkzeug, Küchengeräte, Waschmaschinen usw. – alles steht oder liegt die meiste Zeit ungenutzt herum. Noch einfacher: Bücher und Zettelsammlungen schlummern in Regalen. Das Privateigentum bindet unglaubliche Mengen an Geld und Zeit. Wenn aus Privateigentum Kollektivbesitz wird, und das dann noch mit einem politischen Projekt verbunden wird, entsteht meist sofort ein unglaublicher Reichtum: Eine ansehnliche Bibliothek, wenn einfach nur die Bestände aller Beteiligten zusammengeworfen werden. Eine beeindruckende Heim- oder Fahrradwerkstatt. Ein Computerraum mit perfekter Ausstattung (meist noch mehr ... und eventuell kann jedeR noch einen eigenen Computer für einfache Sachen haben, denn alte Kisten schmoren überall in Kellern, Dachböden oder Schränken herum). Das und vieles mehr sind Beispiele für die massive Reduzierung des materiellen Bedarfs. Entweder die beteiligten Menschen bauen einen Raum auf, wo politischer Raum und kollektives Leben örtlich verbunden und damit alle Ressourcen gemeinsam (von den Menschen gemeinsam und gemeinsam für politische Arbeit – dann auch von anderen – und das Alltagsleben) nutzbar sind. Oder dann, wenn alle getrennt leben, kann ein gemeinsamer Raum für das politische Zentrum plus kollektiver Räume (Waschmaschine, Werkstatt, Computerräume, Bibliothek) geschaffen werden. Das reduziert auch den Raumbedarf pro Person sehr stark. Und all das spart Geld, spart Zeit, beendet eine materielle Verschwendung (und damit wieder den Zwang zum Geldbeschaffen/-verdienen), die durch die Orgie des totalen Privatbesitzes hervorgerufen wurde.
Kollektive Strukturen der Kooperation von Nützlichkeit sind eine wichtige Basis der Selbstorganisation. Kollektivität bezeichnet hierbei nicht den Mythos der Art alter selbstverwalteter Projekte, wo kollektiv immer gut sein sollte, auch wenn dadurch alles schwieriger, anstrengender usw. wurde und die harte Orientierung der Produktion für den Markt blieb.

Voraussetzung 3: Phantasie, Kreativität und das richtige Gespür für „Deals“
Selbstorganisation ist nicht nur ungemein praktisch und ein Weg hieraus aus den Abhängigkeiten von Markt und Staat. Es ist auch ein Bruchstück visionärer Entwurfe, hereingeholt in das konkrete Handeln hier und jetzt. Eine emanzipatorische Vision der „Freien Menschen in Freien Vereinbarungen“ wird noch einige Schritte weiter führen müssen – dann geht es nicht mehr um gegenseitige Unterstützung, sondern alle Fähigkeiten, aller materieller Reichtum ist allen zugänglich, schafft immer weitere Möglichkeiten für alle. Das ist weit weg. Doch ein Hauch davon ist erreichbar, wenn Menschen auf kreative Art gucken, wo sie sich gegenseitig helfen können als Form des punktuellen Ausbruchs aus herrschafts- und marktförmigen Verhältnissen. Darum geht es – um das Vermitteln der Idee von gleichberechtigter Unterstützung. Das ist ein deutlicher Unterschied zum Betteln, einem Bitten um eine Unterstützung als Wohltat oder Almosen. Betteln ist als Notmaßnahme oder als Lebensentwurf so akzeptabel wie alle anderen unterwürfigen Formen der fremdbestimmten materiellen Reproduktion. Selbstorganisation aber will etwas ganz anders. Selbst beim Versuch, eine Firma um eine Sachspende anzuschnorren, geht es darum, die Idee der Unterstützung auf gleichberechtigter Ebene zu vermitteln.
Das gilt selbst für das zunächst unterwürfig erscheinende „Schnorren“. Die Form der Kontaktaufnahme zwecks „Schnorrens“ (Überschüsse und Spenden für sich gewinnen) oder „Dealens“ (kreative Vereinbarungen treffen der ganz unterschiedlichen Art – vom Tausch bis zur politischen Aktion) kann und sollte auf dem gleichberechtigten Gespräch basieren. Der Ausgang ist offen. Es geht nicht nur um ein Ja oder Nein, sondern um vielfältige Möglichkeiten. Kann sein, daß ein Gespräch beginnt, weil eine politische Gruppe einen Computer sucht – und am Ende kommt heraus, daß sie etwas ganz anderes bekommt oder die/der GesprächspartnerIn die politische Zeitung abbonniert oder was auch immer. Angetrieben ist das Gespräch von der Nützlichkeit und von politischen Ideen. Die Kunst ist das kreative Diskutieren, das Gespür für den richtigen Augenblick und die passenden Vorschlag, die Wendigkeit im Denken ... all das ist etwas, was in dieser Gesellschaft wenig geübt wird, aber die Übung kommt, wenn die Gespräche mutig geführt werden. Selbst ein absurder Vorschlag kann helfen – das Gespräch bleibt in Erinnerung.

B. Schnorren und Sachspenden

Die folgenden Erläuterungen beziehen sich auf das „Schnorren“ und „Dealen“, also eine konkrete Form der materiellen Reproduktion politischer Arbeit, die keine Infragestellung marktförmiger Verhältnisse beinhaltet – aber dennoch eine teilweise Loslösung aus den Abhängigkeiten bringen kann. Dazu dienen sie auch – das allein kann sehr wertvoll sein. Die Vorbemerkungen und abschließenden Abschnitte dieses Mittelteils sollen die teilweise eher technischen Tipps in einen politisch-visionären Zusammenhang stellen. Schnorren kann ein Stück Freiheit schaffen und damit Teil der Strategie zu den weitergehenden Visionen sein. Es bleibt aber selbst eine Teilnahme am Markt, zeitweise subversiv, aber denkbar nur als Nische und in der Hoffnung auf gesellschaftliche Veränderungen als Zwischenlösung für politische Gruppen und Einrichtungen.

1. Vorweg: Grundlagen erfolgreichen Schnorrens
a. Fast nichts läßt sich nicht "für umsonst" bekommen. Ein bißchen Phantasie ist Vorraussetzung, um die richtigen Quellen zu finden und anzuzapfen.

b. Eine Portion Mut, Dreistigkeit und Penetranz ist notwendig, um erfolgreich beim "Schnorren" zu sein. Aber diese Eigenschaften lassen sich üben. Dabei geht es nicht darum, mitleidsvoll nach Spenden zu betteln, sondern kreativ die verschiedenen Wege und Möglichkeiten abzuchecken.

Bei allen Anfragen gilt: Möglichst jeden Schritt der Absprachen schriftlich festhalten. Kontaktpersonen, Durchwahl, direktes Fax und Email, Erreichbarkeitszeiten, Stand der Dinge, Termine und wann wieder nachgefragt werden kann.

c. Die beste Reihenfolge:

d. Tipps und Tricks:

2. Wege der Kontaktaufnahme
a. Ausnahmen: Gleich per Brief, Fax oder Mail
Nur weniges ist ohne vorherige direkte Kontaktaufnahme, also gleich per Mail, Brief oder Fax sinnvoll. Dazu gehören Standardanfragen wie „Wir wollen ein Seminar gegen Gentechnik durchführen und würden uns freuen, wenn Sie das mit einigen Proben ihrer gentechnikfreien Brotaufstriche unterstützen könnten“. Solche oder ähnliche Standardfälle klappen meist recht unkompliziert. Das hat guten Grund, denn die Firmen wollen in der Regel bei so etwas mit ihren Produkten als Alternative vertreten sein und/oder unterstützen auch die politische Zielrichtung, denn von gesellschaftlichen Veränderungen in die entsprechende Richtung profitieren sie wirtschaftlich. Daher ist es auch nur fair, wenn sie Aktionen, Seminare usw. unterstützen, die ihnen Vorteile bringen:

Da der Bezug der Sachspende zur Aktion sehr direkt ist, kann hier auch ausnahmsweise mal eine schriftliche Anfrage zum Erfolg führen. Ansonsten ist davon abzuraten. Was zählt, ist der direkte Kontakt und die Kreativität der Gesprächsführung.
Auch ausreichend ist der Brief für Rezensionsexemplare von Büchern, CDs und Software.

b. Ansonsten immer: Ruf doch mal an ... „Dealen“ für Materialien
Einen passenden Begriff für das, um was es hier geht, gibt es nicht. „Dealen“ soll ausdrücken, daß es eine Mischung ist aus Überredungs- und Überzeugungskunst sowie Verhandlungsgeschick, aus der Fähigkeit, das Besondere herauszustellen, und aus Spontanität, Kreativität und dem Gespür für den passenden Vorschlag. Wer nur um Geldspenden telefoniert oder im 0-8-15-Standard seine/ihre Anfragen runterspult, wird wenig erreichen. Viele Gruppen und Menschen bauen ihre Arbeit oder ihr Leben sehr stark auf Geld auf – dann ist es einfacher, beim Staat zu schleimen, um Förderungen zu bekommen, mit Arbeits- oder Sozialamt zu kooperieren (und damit die Zwangsgesellschaft zu stützen und für sich einzusetzen) oder mit Konzernen sogenannte „Sponsorings“ zu machen der Marke „Eine Hand wäscht die andere“. Die Idee des „Dealens“ um Sachmaterialien entstammt eher dem Ansatz der Selbstorganisation, wo die gute Idee zählt und wo für jeden Fall ein neuer Vorschlag entworfen wird. Der Vorschlag besteht aus der Überlegung, welche Quelle (Firma, Schrottplatz, PrivatbesitzerIn u.ä.) ich angehe, wie in das Gespräch anfange, welche Vorschläge und Begründungen ich bringe, ob ich nur eine Spende will, eine Gegenleistung anbiete, mit der oder einem besonderen „Deal“ überzeugen will usw.


3. Die Quellen
Für AnfängerInnen mag es schwerfallen, sich zu überlegen, wo diese oder jene notwendigen Dinge herzubekommen sind. Wichtig ist, genau zu überlegen, welche Materialien wo anfallen – und dort zum einen zu bekommen sind und zum anderen keinen oder einen geringen „Wert“ mehr haben für diejenigen, die mit ihnen umgehen. Einen kleinen Eindruck zur Orientierung kann folgende Liste geben.

Übersicht

  • Neue technische Geräte, Büromaterial: Sie sind nur selten „wertlos“ bzw. werden, wenn nicht mehr ganz das aktuelle Modell, verschrottet oder umgebaut, um den Markt für das jeweils Neueste freizuhalten. Am ehesten wären die Herstellerfirmen eine Quelle für Geräte als Spende oder z.B. schadhafte, veraltete, Rücknahme- oder Vorführgeräte).

    Altgeräte: HändlerInnen, die Geräte zurücknehmen. Privathaushalte. Dienstleistung, Firmen, Behörden usw., die ihr technisches Equipment erneuern und das alte rauswerfen, Recyclingfirmen oder Arbeitslosen-/Jugendwerkstätten.

  • Baumaterial, Fenster, Türen usw.: HandwerkerInnen und Kleinfirmen
  • Bücher, CDs, Software: Verlage usw. als Rezensionsexemplar (muß dann in einer Zeitung, im Radio oder im Internet vorgestellt werden – wer kein eigenes Medium hat, kann mit einer Zeitung kooperieren)
  • Gebrauchte Möbel, Büromaschinen, Aktenordner: Banken, Ämter und Versicherungen, wenn die ihren Bestand erneuern (haben oft Lager an Altmöbeln und –geräten in Kellern, Garagen u.ä. und sind froh, wenn dann doch wegkommt). Sperrmüll und Kleinanzeigen. Privathaushalte.
  • Nebenprodukte, Verpackungen, Reste: Überall möglich, je nachdem, was gesucht wird

    Dienstleistungen, z.B. von Copyshops, Versicherungsagenturen: Aufgrund der oft großen Gewinnspannen bzw. Personalkosteneinsatz bei geringem materiellen Einsatz haben diese Firmen wenig Fixkosten. Das bietet bessere Chancen, mit einer Spendenbescheinigung zu überzeugen – und so z.B. einen Copyscheck, eine Versicherung u.ä. zu erhalten.

a. Warum spendet wer?
Ein paar nützliche Erkenntnisse über die jeweiligen AnsprechpartnerInnen ...

 

EinzelhändlerInnen:
HerstellerInnen:
HandwerkerInnen:

Sie stellen aus "Rohstoffen" neue Dinge her. Es ist möglich, daß sie ihre Arbeitszeit für eine gute Sache einbringen und nur Materialkosten in Rechnung stellen. Oder sie lassen sogar das. In Kellern, Garagen u.ä. von Handwerksbetrieben lagern meist Reste (Installationskram für Elektro, Sanitär usw., Farben oder Tapeten), Altgeräte oder Fehlbauten (z.B. vermessene Möbel, Fenster, Türen usw.), deren Existenz sie manchmal gar nicht mehr kennen und deshalb schnell verschenken.
Außerdem können HandwerkerInnen wichtig sein, um deren Know-How zu nutzen. Statt selbst zu helfen, können sie bei Fragen beraten, mal vor Ort vorbeikommen und Tipps geben – und oft ist möglich, mal einen Tag dort zuzugucken, um einfache Dinge zu lernen. Auch das ist eine wichtige Hilfe!

Banken, Versicherungen und Co.:

Vor allem wegen ihres Drangs von Bankfilialen, Versicherungsbüros und anderen, immer modern und neu zu wirken, sich vorbildlich ihren KundInnen präsentieren wollen, mustern sie Mobiliar, das gerade beginnt, nicht mehr wie neu auszusehen, schnell aus. So sind sie eine wahre Goldgrube bei der Suche nach alten Möbeln und ausrangierten Büromaschinen (Kassen, Kopierer, Computer). Auf eine freundliche Anfrage öffnen oft geduldige Hausmeister (oder weniger geduldige, dann ist mehr Verhandlungsgeschick gefragt!) die Keller. Schreib- und Rechenmaschinen, Schreibtische, Regale, Schränke, Tische, Stühle, Aktenordner, Hängeregistraturen... warten dort auf einen neuen Einsatz.

Ämter/Behörden, Rathäuser usw.:

Bestimmte richtig „schöne“ Möbel (wie alte Aktenschränke mit Holzrolläden) schmoren nur noch in den Behörden, denn dort wird viel seltener modernisiert (BeamtInnen-Tragheit, fehlendes Geld ... außer für die Chefzimmer und Emfangssuiten). Dort HausmeisterInnen u.ä. zu fragen, kann in Keller oder Garagen mit Beständen, die sonst nirgends mehr zu bekommen sind.

Verlage:

Für Verlage ist es die Haupt-Werbestrategie: Von jedem neuen Buch gehen Dutzende bis Hunderte an die Presse, die das Werk besprechen und vorstellen („rezensieren“) soll. Gruppen, die eine Zeitung herausgeben oder mit einer zusammenarbeiten, können so mit geringen Ausgaben für Porto eine ganze Bibliothek aufbauen. Teilweise klappt das auch mit Internetseiten.

Am einfachsten sind die Sachen, die thematisch und von der Zielgruppe her passen – also Musik-CDs für Kultur-/Musikzeitschriften oder solche mit Kulturveranstaltungs-Kalender, Software passend zum Thema oder eben Bücher (Umweltbücher für Umweltzeitungen usw.). Aber auch bei anderen Themen kann oft jede Besonderheit ausgenutzt werden – z.B. einen Artikel über Internetangebote im Umweltschutz verbunden mit Ökologie-Datenbanken und Internet-Software, ein Text über Datensicherheit im Netz verbunden mit Büchern und Software zu diesem Thema. Phantasie und dann die geeignete Vorstellung in der Zeitung sind gefragt. Mit dem Belegexemplar können gut weitere Werke angefordert werden – das geht oft besonders einfach, weil ja der „Beweis“ erbracht ist, daß auch Rezensionen erfolgen.

Gebraucht“waren“handel aller Art

Der Flohmarkt ist ein bekannter Weg, an Gebrauchtes aller Art heranzukommen. Bekannt sind zudem die Kleinzeigen in der Zeitung – in größeren Städten gibt es meist sogar Zeitungen ausschließlich für diesen Zweck („Such&Find“ oder ähnliche Namen). Aber es gibt noch mehr ...

Reste und Abfälle:

In der bestehenden Profitgesellschaft fallen täglich gigantische Mengen von Zeug an, was noch brauchbar ist, aber weggeworfen wird. Als Rest und Altmaterialien sind hier nicht oder wenig benutzte Materialien gemeint, die aus Rationalisierungsgründen (eigene Arbeitszeit ist teurer als unter Ausbeutungsbedingungen hergestellte Waren) weggeworfen werden. Beispiel: Wo eine neue Elektrik verlegt wird, sind meist gleich aussehende Schalter- und Steckdosendesigns gefragt. Der Elektrobetrieb, der die liefert und einbaut, bestellt eine aufgerundete Stückzahl (kann ja mal was verloren- oder kaputtgehen). Nach dem Einbau sind z.B. 7 Schalter und 3 Steckdosen übrig. Da beim nächsten Objekt ein anderes Design gewünscht ist (z.B. andere Farbe der Schalter), sind diese übriggebliebenen Teile wertlos. Früher oder später landen sie im Müll. Oder eben bei der politischen Gruppe, in der WG u.ä., die sich drum kümmert.
Die wichtigste Frage ist, herauszufinden, wo was anfallen könnte. An welcher Stelle werden Materialien weggeworfen – ist es im Betrieb, auf der Baustelle, bei einer Entsorgungsfirma, beim Zwischenhändler, im Lager, beim Spediteur oder im Laden? Das ist von Produkt zu Produkt verschieden. Der Ort muß gefunden werden, wo etwas schon zu Müll deklariert ist (also keinen „Wert“ mehr hat – oft sogar die BesitzerInnen froh sind, es kostenfrei loszuwerden), aber noch nicht kaputt. Dieser Moment ist sehr kurz, denn in der kapitalistischen Profitlogik ist Müll nur ein Kostenfaktor, Lagerplatz kostet Miete usw.

Konkrete Tipps:

Manchmal führt das „Schnorren“ wertlos gewordener Waren (Reste und Abfälle) auch zu weitergehenden Möglichkeiten, denn solche relativ harmlosen Anfragen (kosten die SpenderInnen schließlich nichts) können Kontakte aufbauen, auf deren Grundlage mit den AnsprechpartnerInnen auch in weiteren Fällen was zu machen ist, z.B. bei weiterem Materialbedarf, Ausleihen, Hilfe bis Beratung oder auch dem Nutzen von Firmenhallen und –gelände (zum Unterstellen von Material, Fahrzeugen usw.) oder der Werkstätten, um selbst an den Geräten zu agieren (Heften und Schneiden von Zeitungen/Broschüren in Druckereien, Holzbearbeitung in Schreinereien, Schweißen in Schlossereien usw.)..

Versicherungen:

Auch eine Haftpflicht- oder andere Versicherung kann der Gruppe gespendet werden. Wirkungsvolle Hilfsmittel sind hier auch Gegenleistungen wie Spendenquittungen (siehe unten) oder Freinanzeigen in einer eigenen Zeitung (falls diese existiert). Da bei Versicherungen erhebliche Gewinnspannen für die MaklerInnen existieren, sind Spendenquittungen für sie attraktiv.

b. Warum funktioniert es?
Was versprechen sich die SpenderInnen oder UnterstützerInnen? Das kann sehr unterschiedlich sein ...

Spenden
Spende gegen Werbung
Gegenleistungen, Tauschen und „Deals“

Statt einer direkten Kopplung (Material gegen Werbung für diese Materials können Tausch und Deals auch komplexer sein. Wer etwas haben will, kann z.B. eigene Möglichkeiten anbieten – ein Tausch sieht dann variantenreicher aus und muß vor allem nicht zum gleichen Zeitpunkt erfolgen.

Wichtig: Kein künstliches Tauschsystem schaffen, sondern das als Gegenwert einsetzen, was ohnehin läuft – also die eigenen Fähigkeit oder die politische Arbeit selbst!

C. Weitere Ökonomieformen

Schenk– und Tauschökonomie sind genauso wie Spenden eng an Verwertungslogik und Märkte angebunden. So liegt auch immer das Denken in Leistung und Gegenleistung nahe. Das zu überwinden, wäre politisch wertvoller und visionärer – jedoch nicht mehr nur eine Geschichte von Fall zu Fall.
Neben der normalen Marktökonomie (Kaufen und Verkaufen bis zum Abzocken von Spenden und Resten) sowie demTauschen und Schenken können auch andere Formen zumindest teilweise verwirklicht werden.

a. Gratis- und Klauökonomie
Wer die Bewertungen nicht anerkennen will, kann einfach immer oder zumindest in Teilen auf Umsonstwirtschaften setzen. Also: Verschenken, was andere brauchen. Und Schenken lassen. Das kann auch mit spannenden Aktionen verbunden werden, z.B. entstehen spannende Situationen, wenn in einem Laden ganz offen das Benötige eingeladen wird, ohne dafür bezahlen zu wollen. Für die Idee des Schenkens (nicht als Spende, sondern als Normalität im Alltag) können auch andere Menschen oder Firmen gewonnen werden. Wenn sich z.B. eine größere Runde von Menschen vereinbart, sich gegenseitig Benötigtes zu schenken (wenn möglich), kann das vieles möglich machen. Diese Form der Umsonstökonomie läßt sich auch organisieren, z.B. im Internet (siehe unter anderem www.alles-und-umsonst.de) oder in Geschenkläden, wie es mehrere schon für Alltagsbedarf (Klamotten, Fahrräder usw.) gibt. In der Projektwerkstatt in Saasen ist jetzt auch ein solcher „Laden“ für politischen Bedarf geschaffen worden. Wer Computer, Bauteile dafür und Peripherie, Megaphone, Zelte, Faxgeräte, Aktionsmaterialien, Ausstellungswände usw. übrig hat, stellt sie in den Raum. Und wer was braucht, holt es sich. Näheres unter www.projektwerkstatt.de/ladenschluss.
Ähnlich zu bewerten ist Klauen, jedoch verboten und daher auch schlecht zu einer politischen Aktion zu machen. Einige spannende Ausnahmen (z.B. Plünderungen von Großmärkten durch DemonstrantInnen und AnwohnerInnen während der Aktionen zum G8-Gipfel in Genua, Gratiszüge und Hausbesetzungen als offene Aneignung) ändern daran wenig. Allerdings ist eines wichtig: Wer etwas klaut, was gemeinschaftlich nutzbar ist (also z.B. Bücher aus Bibliotheken), macht das genaue Gegenteil. Aus kollektiver Nutzbarkeit wird wieder Privatbesitz – konterrevolutionär bis zum Abwinken! Also: Wenn klauen, dann aus Privatbesitz.

b. Gemeinschaftsökonomie und Eigentumsneutralisierung
Das ist die weitestgehende Form – es gibt gar keinen eigenen Besitz mehr, sondern nur gemeinschaftlichen und (noch schlauer!) es gibt kein Eigentum mehr. Letzteres widerspricht zwar dem geltenden Recht in Deutschland, aber als Vereinbarung bis hin zum Vertrag kann auf die Ausübung des Eigentumsrechts verzichtet werden – und so ist es zumindest in der Wirkung aufgehoben. Beispiele für solche Projekte:

Links

Links zu Annettes Philosophenstüchen