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Ausstellung

Zickige Wissenschaft
Im Auftrag Ihrer Majonaise. 0815 auf gefährlicher Mission. Wer ist die „Linke“?

Vorweg: Der Zickensong – (Text: Jaybee)

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Ich bin froh, daß ich ´ne Zicke bin, denn Zickigsein heißt Frechheit pur.
Bb                                                                                     C
Ich bin froh, daß ich so'n armes Schaf nicht bin, denn Schaf bedeutet Herde nur.

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Zicken ... machen gerne Späße. Zicken sehen öfter rot.
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Wir Zicken ... sind nicht anzupassen. Zicken sind sehr klug beim flieh'n.
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Zicken sind so schrecklich aufmüpfig   und widerständig – visionär.
    Bb                                                  C
Zicken ... foppen Bullenschweine, überlisten sie und vieles mehr.

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Und darum bin ich froh, daß ich ´ne Zicke bin, denn Zickigsein heißt Frechheit pur.
Bb                                                                                  C
Ich bin froh, daß ich so'n armes Schaf nicht bin, denn Schaf bedeutet Herde nur.

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Zicken ... haben Phantasie, Zicken haben 'n dicken Kopf.
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Und gegen die ganzen Herrschaftsmittel, pöbeln Zicken sowieso.

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Ich bin froh, daß ich ´ne Zicke bin, denn Zickigsein heißt Frechheit pur.
Bb                                                                                   C
Ich bin froh, daß ich so'n armes Schaf nicht bin, denn Schaf bedeutet Herde nur.

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Schafe ... bleiben lieber ruhig, sonst gibt’s Ärger mit der Obrigkeit.
Bb                                                                           C
Und haben sie dennoch was zu kritisiern,   ist´s laue Unterwürfigkeit
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Schafe ... sind beliebt bei Eliten, denn Schafsein ist dort angesagt.
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Darum wollen Schafe auch Karriere machen, mit Pöstchen ist man bei den Schafen gefragt.

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Und darum bin ich froh, daß ich ´ne Zicke bin, denn Zickigsein heißt Frechheit pur.
Bb                                                                                   C
Ich bin froh, daß ich so'n armes Schaf nicht bin, denn Schaf bedeutet Herde nur.

Mööööhhh.

Dann die Geschichte ...

ZiegenkopfEs war lange Zeit ein gut behütetes Geheimnis und ich durfte nicht darüber reden. Im Auftrag dunkler Mächte mußte ich im dichten Gestrüpp politischer Aktionen und miefiger Hinterzimmer nach einer Spezies forschen, die bislang wenig erforscht war: Die „Linken“. Dieses ist die Geschichte meiner großen Untersuchung. Und ihres Gegenstandes. Inzwischen weiß ich viel über sie, fühle mich angezogen und abgestossen zugleich. Aber ich habe lange Zeit nicht begriffen, welcher Spezies sie überhaupt angehören. Sie haben sich selbst einen Namen gegeben: „Linke“. Doch mit links hat alles nur begrenzt zu tun. Naja schon ... manches deutet darauf hin, daß der Name gerechtfertigt ist. Junges SchafViele „Linke“ haben zwei linke Hände, wenn es um Praktisches geht. Die Gleichberechtigung von männlichen und weiblichen Wesen (soweit sie deutlich erkennbar sind, was oft nicht der Fall ist – darauf wird auch viel Wert gelegt, daß es gar keine klare Einteilung gibt!) wird vor allem dadurch hergestellt, daß beide weder abwaschen noch Wasserhähne reparieren können. Viele jedenfalls – und irgendwie hat das ja auch mit linken Händen zu tun. Reichen für eine Bezeichnung „Linke“ als eigene Spezies reicht das aber nicht ... auch nicht, daß sich viele untereinander ständig „linken“. Trotz vieler Sprüche von Solidarität und Gemeinsamkeit sind die „Linken“ untereinander meist eher konkurrierend.
Die meisten Exemplare der untersuchten Spezies treten nur selten ins Licht der Öffentlichkeit, dann aber oft, nein ... eigentlich immer in großen Herden. Anschließend verschwinden sie wieder für lange Zeit. Wenn sie als Herde durch die Lande ziehen, sind sie oft laut. Aber sie sind nicht gefährlich. Ein bißchen gleichen sie Hunden, denn auch dort gilt: Hunde die bellen, beißen nicht. Andererseits ist jedoch ausgeschlossen, daß es sich um Hunde handelt. Hunde sind ausdauernd und schnell. Das trifft auf die untersuchte Spezies meist nicht zu. Also mußte ich neu überlegen, um herauszufinden, was das für Wesen sind. Ich begab mich zu meinen Biologiebüchern und Bestimmungsführern, um mehr zu erfahren über die „Linken“. Die Beschreibungen verglich ich mit meinen Beobachtungen der „Linken“ in der freien Wildbahn. Am Ende habe ich dann doch ein eindeutiges Ergebnis gefunden. Aber das dauerte, denn „Linke“ sind eine seltsame Spezies. Sehr widersprüchlich. Wie sie reden und handeln – kein Zusammenhang. Sie sind gegen Arbeit, und gehen arbeiten. Sie sind gegen Zweierbeziehungen, und leben fast alle in solchen. Auch wenn sie sich dabei langweilen, zerstreiten oder gar unterdrücken. Sie lernen nicht daraus, die meisten jedenfalls. Eigentum ist ihnen zuwider, aber alle horten es. „Linke“ häufen oft ungemeine Reichtümer an. Sie reden von Selbstbestimmung und gehen sehenden Auges in ihrer Kollektivität unter. Sie wollen die Welt verändern und hocken doch meist in ihren schlecht beleuchteten Höhlen, hinter dicken Büchern, Bierdosen oder Weinflaschen. Nur selten kriechen sie ans Licht – meist eher, um zu sehen, ob sich die Welt verändert hat statt sie zu verändern.
Doch all die Widersprüche und Widrigkeiten hielten mich nicht davon ab, immer näher hinzugucken, zu vergleichen, zu lesen und zu beobachtungen. Den Anfang machte die Vermutung, die „Linken“ gehörten zu den Menschen oder wenigstens zu den Primaten. Junges SchafZumindest das Körperliche legte das nahe. Doch der Blick in verschiedene Wörterbücher ließ mich schnell daran zweifeln. Vor allem philosophische Wörterbücher betonen die Fähigkeit von Menschen, individuell zu agieren und zu reflektieren. Das paßt wenig zu „Linken“, die doch immer wieder als Herde agieren, geradezu einen Kult um das Kollektive schaffen. Begriffe wie „Kollektiv“, „Genossenschaft“, „Staat“, „Demokratie“ oder, der absolute Kracher, „Plenum“ und „Basisdemokratie“ prägen Denken und Reden von „Linken“ sehr stark. Sie lieben es auch, in stundenlangen Sitzungen vor sich hinzureden, meist motivationslos, genervt – aber dennoch immer wieder. Diese endlosen „Plena“ oder Sitzungen sind geradezu ein fest verbundenes Merkmal fast aller „Linken“. Es gibt nur sehr, sehr wenige „Linke“, die solches ablehnen – so selten, daß sie getrost als Mutanten, also biologische Abnormitäten angesprochen werden, wie es in der Biologie bei allen Spezies vorkommt. Meist werden sie von der Masse der Herden-„Linken“ auch als Abnorme angesehen und ausgesondert. In der Biologie gilt das als untrügliches Zeichen für ein festes Merkmal.

ZiegenkopfIch beobachtete aber noch viel mehr. Wie ein Chamäleon können die Wesen ihre Farbe wechseln, aber innerhalb der Herden ist diese oft identisch – schwarz, einheitliche sonderbare Zeichen auf T-Shirt (aktuell vor allem eine Form wie ein %-Zeichen), manchmal auch bunt, jedoch auch das dann einheitlich. So ließ sich feststellen, daß es Subspezies gab, aber die waren in sich immer eine Herde. Ich habe viele Einzelwesen länger beobachtet. Die haben mitunter auch die Herden gewechselt und nahmen dann die Farbe der neuen Herde an. Auffällig war, daß genau diese dann oft aggressiv gegenüber Wesen der Farbe waren, die sie selbst noch vor kurzem trugen.
Innerhalb der Herden sahen zwar alle gleich aus, aber sie waren nicht gleich. Es gab keine offenen Rangordnungskämpfe, aber doch keine Gleichheit. Das soziale System bot viele Merkwürdigkeiten. Scheinbar gleiche Wesen konnten dasselbe tun, aber es hatte eine unterschiedliche Wirkung. Nach den einen richteten sich viele andere oder gar alle, nach den andere nicht. Die, nach denen sich viele richteten, hatten viel Kontakt untereinander, aber sie taten sich nicht als Herdenführung hervor. Eher wie von unsichtbarer Hand beherrschten sie das Geschehen. Innerhalb der ganzen Herde gab es die schon benannten Teilherden. Jede hatte ihre wichtigen und ihre unwichtigen Wesen – eben die, nach denen sich viele richteten, und die, für die sich nur wenige oder niemand interessierten. Die Wichtigen der einen Teilherde konnten in der anderen nichts bewirken – oft wurden sie angefeindet. Aber alle Wichtigen kamen untereinander gut miteinander aus, auch wenn sie gegenüber ihren eigenen Herden immer wieder voller Haß über die anderen redeten. Ein seltsames Schauspiel ... welch eine Spezies sind diese „Linken“. Ich zog durchs Land, hörte ihnen zu, fragte viele und kam auf keine Lösung.

1. Herden

Und dann, endlich, war ich am Ziel. Es geschah eher zufällig, an einem grauen Herbsttag. Ich befand mich auf einer langen Reise zu einem neuen Ort, wo ich „Linke“ beobachten wollte. Da sah ich eine größere Ansammlung von Wesen. Sie standen zusammen und riefen immer dieselben Slogans. Das hatte ich bei den „Linken“, die ich beobachten sollte, auch schon gesehen. Sie riefen und riefen, standen als Herde zusammen, trotten langsam weiter und riefen wieder – immer denselben Slogan. Ich blieb stehen und beobachtete die Ansammlung. Könnte ich hier Artverwandte der „Linken“ gefunden haben, könnte es sogar sein, daß ich am Ziel angekommen war? Ich schaute weiter zu und verglich die Bilder. Am 29. Mai 1999 in Köln hatte ich ähnliche Bilder gesehen. 30.000 waren es, die sich dort als Schaf, einfache Haltung (aus: Alles für das Schaf)große Herde durch die Straßen wälzten. Einige waren mit rot-schwarzen Fahnen unterwegs, anderen mit roten. Wieder andere mit den Zeichen ihrer Herden. Heute sind eher rote Fahnen mit zwei weißen Punkten und einem weißen Strich zwischen ihnen üblich.
Daß was ich dann an jenem Herbsttag beobachtete, ähnelte der Spezies „Linke“ sehr genau. Da wußte ich endlich, zu welcher Spezies „Linke“ gehören. Es sind Schafe. Eindeutig.
Ich sah eine große Herde, die wie von selbst zum Kollektiv „Herde“ zusammenstand. Und sich gleichförmig verhielt. Sie riefen immer den gleichen Slogan: „Böhhh!“ Immer wieder. Das klingt so ähnlich wie „Hoch die internationale Solidarität!“. Und dieses identische Aussehen und Auftreten, die Uniformität – wie die FAU am 29.5.99 in Köln, die schwarze Antifa gegenüber den Bullenketten, die Attac-Herden in Genua oder anderswo oder die Kommies mit roten Fahren, Pali-Soligruppen oder Antideutschen mit den jeweiligen Nationalflaggen und immergleichen „Böhhhh“-Rufen (Slogans ohne viel Substanz).
Schafe, Herde (aus: s.o.) Hochinteressant war der Blick darauf, wie die Herde funktionierte. Ein wichtiger Faktor, warum die Herde eine solche war, waren die äußeren Feinde. Bei den Schafen hießen sie „Hütehunde“, bei den „Linken“ einfach nur Bullen oder VS, manchmal auch Rechnungshof oder Vorstand. Die Hütehunde greifen die Schafe gar nicht an, sondern tun immer nur so. Aber das reicht, die Schafe sind völlig eingeschüchtert und fühlen sich nur in der großen, einheitlichen Masse sicher. Das ist zwar eine Täuschung, spielend könnten die Hunde Einzelschafe herausgreifen, aber sie tun das nicht, weil es gar nicht mehr nötig ist. Die Hunde haben den Auftrag, die Herde einzuschüchtern. Das klappt meist ohne grobe Gewaltanwendung. Mal ein zartes Zuschnappen, wo ein Schaf allzuweit aus der Herde herausragt – das reicht. Wo Hunde auftauchen, rennen die Schafe schon frühzeitig zur Herde zurück. Bei „Linken“ und den Bullen ist das ganz ähnlich, vor Staatsschutz und VS haben sie sogar dauerhaft Angst – egal ob die überhaupt da sind oder nicht.

Ich beobachtete Hunde und Schafe lange. Wer mochte wohl auf die ganzen Rollenaufteilungen gekommen sein? Das Spiel funktionierte wie von selbst. Aber niemand hatte etwas davon, daher war anzunehmen, daß noch einiges weitere herauszufinden war.
Innerhalb der Schafherde gab es nur kleine Abweichungen, aber ein bißchen interessant fand ich die doch. Mitten in der Herde rannten friedlich einige schwarze Schafe. Sie sahen gefährlich aus und fühlten sich wohl auch selbst so – als etwas Besonderes. Die anderen Schafe rundherum nahmen manchmal Abstand, aber nicht mehr als nötig. Es war eher ein optischer Unterschied als tatsächlicher. Aber auch das paßte ja zu der Gruppe, die ich untersuchen sollte, d.h. den „Linken“. Da nannten sich einige der Schwarzen imposant „black blöc“ (oder so ähnlich) – und vergaßen ganz, eigenständige Aktivitäten zu entwickeln. Sie waren eine Herde in der Herde. Mit eigenen Leitböcken (wie bei den Schafen waren die Leithammel auch in der „Linken“ durchweg männlich) waren sie stolz auf sich, auf ihre Herde. Hatten Fahnen, eigene Poster, Treffpunkte usw. – wie alle anderen Teilherden auch. Kamen die Bullen, rannten auch sie nur schnell weg – wie die Schafe vor den Hütehunden. Oft rannten die Gehetzten in die Menge und versteckten sich dort, wie die Schafe vor den Hütehunden. So wurde ich mir immer sicherer, des Rätsels Lösung gefunden zu haben. „Linke“ gehören zur Spezies der Schafe.
Kleine Schafe, offenbar noch nicht lange auf der Welt und somit nicht so auf Herde getrimmt, brachen manchmal aus der Normalität aus. Sie waren übermütiger – aber immer nur in einem engen Rahmen. Und mit der Zeit ging ihr Schwung auch verloren. Wurden sie zu eigensinnig, verließen die Herde und gingen eigene Wege, reagierten erwachsene Schafe und brachten die Ausreißer sanft in die Herde zurück. Manchmal, wenn das nicht von selbst und schnell genug klappte, kamen auch die Hütehunde und schnappten nach den jungen Schafen. Das schüchterte diese ein und Tag für Tag wurden sie mehr zu normalen Schafen, herdengemäß. Nicht viel anders lief es bei den „Linken“, die ich beobachtet hatte. Kinder wurden dort oft nur als lästige Pflicht gesehen. Entfernten sie sich von der Herde, kamen sofort erwachsene „Linke“ und holten sie zurück. Die Kinder mußten ständig betreut werden. So wurden aus ihnen meist auch Teile der Herde. Um Mitglied einer Schafherde zu sein, muß man vor allem eines sein: Ein Schaf. So hatte es mal jemand festgestellt, der viele Jahre vor mir Studien betrieb, um die „Linken“ und andere zweibeinige Wesen zu untersuchen. Wie recht er hatte.

2. Schafhirten und Hütehunde

Es lohnt sich aber, genauer hinzugucken. Denn zur Herde gehören nicht nur die Schafe als Masse, sondern auch die Hütehunde und die Schafhirten. Und da konnte ich spannende Ähnlichkeiten, aber auch Unterschiedlichkeiten zwischen „Linken“ und Schafen beobachten. „Linke“ scheinen nämlich eine Art doppelte Schafherde zu sein. Das eine hatte ich schon beschrieben – die Hütehunde waren Bullen, Finanzämter, Stadtverwaltungen, Medien und einige mehr, die meist nur zu kläffen brauchten (drohen, Knüppel schwingen oder auch nur in großer Entfernung vorbeifahren, Briefe schreiben usw.), damit die „Linken“ sich wieder zurückzogen und selbst die wenigen, die sich ein paar Meter außerhalb der Herde gewagt hatten, in die Masse zurückkehrten, ja in ihr verschwanden. Ich habe nie gesehen, daß die Hütehunde wirklich richtig Gewalt ausüben mußten – mehr spielerisch sah es aus, wie sie die Schafe leicht zwickten und schubsten, damit deren Widerstand schnell zusammenbrach. Immer wieder blöckten die Schafe, beschwerten sich über die Hütehunde ... aber parierten.
Schaf, Hütehund (aus: s.o.) Die Hütehunde zeigten immer wieder das gleiche Verhalten. Ich überlegte lange, ob das ihrer „Natur“ entsprach, aber ich konnte es mir nicht vorstellen. Zu eintönig und für sie selbst unnütz war das, was sie taten. Nur: Warum taten sie es? Aus meinen Beobachtungen wurde ich nicht klüger – bis ich nach einiger Zeit einen alten Menschen ansprach, der etwas abseits stand und scheinbar nichts tat außer da zu sein. So dachte ich lange, er hätte mit dem ganzen Geschehen nichts zu tun, schließlich fuhr der Mensch auch ab und zu weg, ohne daß sich was änderte. Aber ich ging zu ihm hin, weil er vielleicht noch weitere Beobachtungen gemacht haben könnte, schließlich war er schon länger an dieser Stelle. Was er mir erzählte, verschlug mir die Sprache. „Hier hat alles ein System und es funktioniert danach“ berichtete er und fügte hinzu: „Es bedarf nur selten des direkten Eingreifens. Alle haben ihre Rollen gelernt und handeln nach ihnen, weil es so eingerichtet ist, daß es gut für sie ist.“ Und einer Pause dann: „Zumindest glauben sie, daß es gut für sie ist, sich so zu verhalten. Und das ist für sie dann das gleiche“. Ich erfuhr, daß die Hütehunde sehr lang ausgebildet wurden, damit sie das taten und ständig wiederholten, was ich sehen konnte. Das würde aber nicht reichen, sagte der Hirte, sondern es bedürfte ständiger, kleiner Anerkennungen, damit sie weiter funktionierten im System der Schafherde und ihrer Kontrolle. Streicheleinheiten und Futter waren das hauptsächlich. Auch die Schafe hatten gelernt, daß es sich am ruhigsten leben ließe, wenn sie sich so verhielten, wie es im System funktional war. Dann hatten sie Ruhe, fühlten sich sicher und wurden nicht von den Hütehunden bedroht. „Wahrscheinlich“, sprach der Hirte, „würden die Schafe sogar ein Weilchen ohne die Hütehunde immer so weitermachen, bis sie merkten, daß sie es selbst waren, die sich in Schach hielten – durch ihr Denken.
Nur ganz selten gerate dieses System außer Kontrolle, erzählte mir viel später einmal der Hirte. Doch auch das brachte nichts in Gefahr. Denn die Schafe hatten vor allem eines: Angst. Geriet die Herde zuweit auseinander, müßten die Hütehunde mehr laufen, einige Schafe auch tatsächlich beißen. Zur Not griff auch der Hirte ein und schlug mit dem Stock nach den Schafen, die sich am weitesten vorwagten. Die Reaktion war immer die gleiche - die Schafe liefen zusammen, offenbar im Bewußtsein, als dichte Masse stärker zu wirken. Zumindest das einzelne Schaf fühlte sich in der Masse geborgen. Hütehunden und dem Hirten war das Recht. Sollten sie das glauben - tatsächlich waren sie so als zusammengedrängter Block wieder perfekt und einfach kontrollierbar.

Ziegenkopf Erst nach einiger Zeit begriff ich, daß der Hirte auch etwas mit dem System zu tun hatte. Er hat kaum etwas selbst gemacht – so wäre er sicherlich austauschbar gewesen. Es ist nicht schwer, Hirte zu sein – schwerer vielleicht schon, Hirte zu werden, denn es gibt nicht unendlich viele Plätze für Hirte. Und doch war der Hirte nötig. Dabei war das meiste, was für die ganze Sache wichtig war, schon vorher geschehen. Schafe und Hütehunde verhielten sich nicht wegen dem Hirten so, sondern weil sie ihre Rolle gelernt hatten. Weil sie glaubten, daß das das ihnen gemäße Verhalten war und sie sich untereinander darin bestärkten. Wer sich danach „richtig“, also normiert, standardisiert, erwartungsgemäß verhielt, wurde akzeptiert. Auf abweichendes Verhalten folgte Irritation, manchmal Abgrenzung. Herden konnten „abnormale“ Tiere bis in den Tod treiben, schildete mir der Hirte. Aber dennoch: Zum perfekten Erfüllen dieser vorgegebenen Rollen gehörte immer auch das Wissen, daß sie kontrolliert wurden, ob sie die Rolle ausfüllten. Ja – es war noch schlimmer – für das Gefühl, das Richtige zu tun, verdrängten sie alles Wissen um Alternativen. Oft war zu hören: „Das geht nicht anders“ oder „das war schon immer so“ – Böhhhh!
Der Hirte mußte nur wenig tun. Er konnte sich auf die Zurichtung verlassen. Die Hütehunde funktionierten, wie sie es gelernt hatten. Und die Schafe auch. Dem Hirten reichte es, mal ein Schaf für vorbildliches Herdenverhalten zu loben oder ein anderes Mal den Hund. Und ihnen zu essen zu geben, ein paar Streicheleinheiten oder Leckerbissen. Nur ganz, ganz selten mußte er mal ein Schaf treten oder einen Hund hauen. Auch nur einmal, sie verstanden, daß es ihnen nur Nachteile bringen würde, wenn sie ihre Rolle nicht ausfüllten. Daß es keine Alternative zu ihrer Rolle gäbe, hatten sie sich ja auch selbst klargemacht.

Mich hat das ziemlich überrascht, wie dieses ganze System der Herde, die dressierten Hütehunde und die kaum erkennbare Instanz des Hirten, der so einfach auswechselbar wirkte und wohl auch war, weil sein Job kaum eigenes Denken, sondern ebenfalls nur Funktionieren als Kontrolle plus ein bißchen Zuckerbrot und Peitsche erforderte. Das hätte ich auch sofort gekonnt – allein das Verstehen des Systems und der eigenen Rolle in ihm reicht. Und wie irre: Der Hirte war selbst wieder in seiner Rolle ausgebildet. Aber niemand war erkennbar, der aus allem Nutzen zog. Und aus den Worten des Hirten war auch eher erkennbar, daß er selbst nur glaubte, etwas zu tun, weil das für alle gut sei und ja auch eher zufrieden aussähen die ganze Zeit. Irgendwelche direkten Vorgesetzten hatte der Hirte nicht, sondern er glaubte an den Sinn des Ganzen und das es für alle gut sei.

3. Überraschung: Die Ziegen

Aber was erzähle ich hier von der einheitlichen Schafherde? Soooo ganz stimmte das ja auch nicht. In der Herde waren einzelne, die sich störrisch benahmen. Die hatten wohl keinen Bock auf Herde und machten den ganzen Tag, was sie wollten. Meist halt in der Herde, auf gleichen Plätzen, aber eben nicht nur. Sie fanden immer wieder ein Loch im Zaun oder konnten den Hütehunden entkommen. Sie Ziegen (aus: Tierlexikon)kletterten über Wälle, Hecken und auf Bäume. Trieben ständig irgendwelchen Unsinn.
Manchmal liefen sie auch weg, wenn die Hütehunde kamen. Aber nicht immer. Die Hunde wußten nie, woran sie waren. Selbst die Schafhirten nicht. Sie wollten sich die Freundschaft der seltsamen Wesen holen und streichelten sie, gaben ihnen Extraportionen zu essen. Doch sie wußten nie, was als nächstes geschah. Manchmal war alles friedlich, aber dann wie aus heiterem Himmel setzte es einen Rammstoß mit den Hörnern. So sehr sich Hütehunde und Schafhirten auch mühten, Kontrolle war kaum möglich. Allerdings blieben es immer sehr wenig störrische Wesen.

Kluge Ziege  (aus: Alles für die Ziege)1 Ich habe mich eines Tages mit einem Hirten unterhalten und der erzählte mir, welche Art da so störrisch wäre: Ziegen. Ihr Eigensinn sei sprichwörtlich geworden – und weil Eigensinn was Schlechtes sei, seien Begriffe, die auch Ziegen zurückgehen, immer etwas Negatives. Das wohl bemerkenswerteste Beispiel hat mich tief beeindruckt: Zickig wurden früher Frauen genannt, die nicht nur Schaf sein wollten, sondern eben Ziege. Mit eigenem Kopf! Und auch das Meckern stammt von den Ziegen. Wer nicht nur „Böööhhhh“ sagt (oder eben „Sir, ja, sir!“ bzw. „Hoch die internationale Solidarität/Eine andere Welt ist möglich/hopp hopp hopp Castor stopp/Nazis raus ...“), wird runtergemacht. Meckern. Einen eigenen Kopf haben. Ziege sein.

Geschickte Ziege (aus: s.o.) Mir fehlte die Zeit, das alles genau zu studieren. Aber der Hirte erzählte mir noch mehr über die Ziegen. Er war ganz außer sich und ich spürte, wie er litt unter der fehlenden Kontrolle. Ständig sprach er vom „Konsens“ der Herde, der sich schon lange bewährt habe und den die Ziegen ständig durchbrachen. Daß sie sich an die Absprachen nicht hielten, bloß weil sie dabei gar nicht gefragt worden waren. Daß sie Autorität nicht anerkennen würden. Und vieles mehr. Aber das Bemerkenswerteste war noch etwas anderes: Wo die Ziegen auftauchten, waren auch die Schafe nicht mehr so pflegeleicht wie sonst. Es dauerte immer eine Weile, aber dann interessierten sich auch die Schafe für die Löcher im Zaun. Suchten einfach die Stellen, wo das Gras am leckersten war und scherten sich nicht um die Hütehunde. Meist reichte es, wenn die dann etwas bissiger wurden. Aber anstrengend war das trotzdem. Ein Weg war, Schafe und Ziegen zu trennen in verschiedene Gatter. Aber die Ziegen waren zu schlau und kamen da immer wieder raus.

4. Die „Linke“ ist nicht eine Schafherde, sondern zwei

Meine Beobachtungen der Schafherde beeindruckten mich zutiefst. Alles, was ich gesehen hatte, verglich ich mit der Spezies, die ich ja eigentlich zu untersuchen hatte, die „Linken“. Fast alles kam mir sehr, sehr ähnlich vor. Von manchem hatte ich schon geschrieben, weil es mir spontan einfiel: Die Hütehunde, die schon kraft ihres gewaltfähigen Aussehens alle Schafe in Angst versetzten und letztere immer wieder zu einer zahmen Herde machten. Das erinnerte mich allzu deutlich an die Bullen und ihre Wirkung auf die Spezies „Linke“. Daß die Bullen aber nicht so handelten, weil ihnen das Spaß machte und ihr Dasein als Bulle attraktiv war, kam mir sofort in den Sinn, als ich die Hütehunde sah. So wirkte alles sehr, sehr ähnlich. Und dennoch gab es Unterschiede ...

Ziegenkopf Ich guckte mir wieder die Spezies „Linke“ an. Wenn sie offen sichtbar waren, z.B. zu vielen durch Straßen zogen in ihren einheitlichen Verhaltensmustern, mit immer gleichen Sprüchen – eben wie eine Schafherde -, dann war das wie die Schafherde, die ich beobachte hatte. Die Bullen als Hütehunde und die Schafe. Manchmal sah ich auch Menschen, die wie Ziegen ihr eigenes Ding machten, oft sogar die Bullen narrten und sehr witzige Sachen machten. Aber es war selten und die Schafe waren meist desinteressiert. Ganz einzeln sah ich „Linke“, die erst wie Schafe in der Herde mitgingen und -blöckten, die aber dann von den wie Ziegen auftretenden Einzelnen oder kleinen Grüppchen angeregt wurden, auch eigensinnig zu werden und nicht mehr als Herde zu agieren. Das alles paßte also. „Linke“ waren eine Schafherde – mit den Ziegen, den Hütehunden und den Hirten. Nicht alle „Linke“ also waren Schafe, aber das Ganze war wie eine Schafherde.
Ganz sicher wurde ich mir eines Tages, als ich eine Herde "Linker" sah, die ungewöhnlich mutig war und sich ein bißchen aufteilte. Es war nicht nur eine dumpfe Masse mit einem Lautsprecherwagen, um den sich alle scharrten und dessen Weisungen alle folgten. Es gab einige Grüppchen, die eigene Ideen versuchten. Als die Bullen das sahen,  knüppelten sich etwas stärker oder setzen Wasserwerfer ein. Die Folge: Sofort scharrten sich alle "linken" wieder zu einer Masse zusammen - wie die Schafe im Irrglauben, jetzt sicherer zu sein. Die Bullen zogen einen Kessel um das Ganze und freuten sich ihres Erfolgs und der wiedererlangten Kontrolle. Wie der Hirte mit den Schafen.
Doch eines war anders. Wenn die Hütehunde fehlten, also z.B. die „Linken“ in ihren Ställen waren oder auf andere Weise unter sich, dann waren sie nicht wie eine große Schafherde im Stall eintönig und alle gleich – gleich dumpf eben. Sondern es entwickelten sich aus der großen Schar der sich wie Schafe verhaltenden „Linken“ einzelne Wesen, die plötzlich zu dem wurden, was vorher die scheinbar von außen kommenden Hütehunde und Hirten waren. Sie waren noch viel unscheinbarer, ich könnte sie „Hütehunde im Schafpelz“ oder „Hirten im Schafpelz“ nennen. Sie legten großen Wert darauf, selbst Schafe zu sein, sprachen immer nur von „wir“ und waren die, die das „Böhhhh“ vorgaben, welches dann alles nachblöckten. Sie saßen aber nicht nur in der Herde, sondern auch unter sich. Einige waren nervös, kontrollierten immer die Herde und wachten darüber, daß sich alle so verhielten, wie es das System vorsah. Waren Wesen wie „Ziegen“ darunter oder verhielten sich welche von denen, die wie Schafe waren, eigensinnig, so hetzten sie die Herde wieder zusammen. Wie die Hütehunde – und es funktionierte auch. „Das haben wir noch nie so gemacht“, „einige müssen den Kopf hinhalten“ oder „das könnt Ihr doch nicht einfach selbst so entscheiden“ waren wie das Herumrennen der Hütehunde. Es bedrohte niemanden, aber reichte meist, um die Disziplin wiederherzustellen. Falls es doch nicht reichte, wurden die wie Hütehunde agierenden Wesen deutlicher: „Das geht nicht!“ oder „Du gefährdest uns alle“ waren noch harmlos, auch klare Drohungen wurden ausgesprochen. Ganz selten dagegen kam es zu tatsächlicher Gewaltanwendung – aber auch das gab es. Eine Besonderheit war das Gerede vom „wir“. Es wurde nicht nur eingesetzt, damit alle dachten, gemeinsam eine Herde und alle gleich sein, sondern auch als Drohung gegenüber allen denen, die eigensinnig waren oder wurden. „Wir haben beschlossen, daß ...“ fingen dann Sätze an oder „es ist besser für uns“, „das stört uns“ oder „Du paßt hier nicht rein“. Auch Drohungen waren damit verbunden: „Wir haben überlegt, daß Du ...“ usw. Das schüchterte gut ein und meist wurden Schafe wieder zur Herde. Nur einige derer, die wie Ziegen agierten, blieben immer störrisch. Den Wesen, die mit dem „wir“ und vielen anderen Reden das Geschehen kontrollierten, blieb oft nichts anderes übrig als die, die wie Ziegen ihre eigene Meinung behielten, rauszuschmeißen oder wegzudrängen. Dann erzählten sie den anderen, daß die immer nur „meckern“ würden oder einfach nicht reinpaßten.
BBU-Plakat mit SchafenEigentlich widersprach das gar nicht meiner Annahme, daß „Linke“ eine Schafherde sind. Aber sie waren eine besondere, nämlich eine doppelte oder gar mehrfache. Wenn sie draußen waren, waren die Bullen und Institutionen ihre Hütehunde und Hirten. Wenn sie unter sich waren, gab es einige von ihnen, die die Rollen übernahmen. Der größte Teil war immer nur Schaf in der Herde, aber bis hin in die kleinsten Grüppchen, in die die Herde sich immer wieder zerteilte, entstand immer die gleiche Logik: Hütehunde und Hirten bildeten sich heraus, kontrollierten auf ihre effektive, aber kaum sichtbare Art den Rest. Doch alle glaubten, daß das gut und richtig sei, weil es doch allen nützte und alle dadurch glücklich sein konnten. Wer das Ganze in Frage stellte, hatte es schwerer – warum sollte das also jemand tun. Es war funktional, sich als Schafherde zu organisieren. Für alle – und dann, wenn die Herde draußen war, auch für die Bullen, die Hütehunde von außerhalb.

Bild rechts: Selbstdarstellung des Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz
Also: Wenn ich mal „Linker“ bin, werde ich Ziege ...

Auch wenn ich sah, daß alle in ihrer Rolle drinsteckten und das System „Herde“ so mittrugen, dafür belohnt wurden, es so wirkte, daß es für sie gut ist und ihnen das auch vermittelt wurde, hatte ich von außen betrachtend keine Lust auf deren Leben. Sie funktionierten in ihrem System. Sie waren glücklich, wenn, aber eben deshalb auch weil sie funktionierten. Wer einen Auftrag erhielt (oder im Herdenplenum besprochen wurde, daß er/sie/es das machen sollte), war glücklich, wenn der dann auch ausgeführt werden konnte. Von außen erschien mir das langweilig. Ich sah, daß die Grenzen des Systems künstlich waren. Sie funktionierten, weil alle daran glaubten, daß es sie gab. „Das geht nicht“, „das gefährdet alles“, „das paßt nicht zu uns“ oder ähnliche Sprüche waren wirksam wie eine riesige Mauer. Ich aber konnte sehen, daß es ganz viel außerhalb der beschränkten Welt der Herde gab – und daß die Welt da draußen schnell hätte viel bunter sein können. Allerdings fiel mir auch nichts ein, wie es hätte gehen können, einfach aus dem System auszusteigen. Ich wäre sehr einsam gewesen, zumindest hätte es die Gefahr gegeben. Daher beschloß ich, eine Ziege zu werden, wenn ich jemals „Linker“ sein würde. Die hatten wenigstens ein spannendes Leben. Sie verließen immer wieder das System, wenn auch nur stückweise. Sie gucken durch die Mauer und erhaschten für kurze Momente die Fülle der Möglichkeiten. Ihr Leben ließ sich nicht voraussehen. Niemand konnte sie völlig kontrollieren. Sie waren nicht immer feindlich gesinnt, anderen gegenüber, sondern unberechenbar. Ganz anders als die Herde der „Linken“. Vor allem aber hielten sie einen Traum offen: Daß immer mehr eigensinnig wurden. Wo die Ziegen rummachten, begannen auch Schafe, Stück für Stück aus der Trägheit zu erwachen. Das hatte immer Grenzen, solange sie Schafe blieben. Aber bis heute bin ich mir nicht sicher, ob es nicht möglich war, Ziege, schlechter Ruf (aus: s.o.)daß aus Schafen auch Ziegen werden konnten. Vielleicht waren die „Linken“ doch keine Schafherde. Wenn ich irgendwann sehen könnte, daß es immer mehr Ziegen würden und immer weniger Schafe, wenn die Hütehunde und Hirten von außen und die internen die Kontrolle verlören, es immer bunter und frecher würde – dann, ja dann ... würde ich nochmal überlegen, ob „Linke“ wirklich Schafe sind. Denn aus Schafen können keine richtigen Ziegen werden. Wenn also aus Herden-„Linken“ eigensinnige, kreativ-freche Ziegen würden, dann müßten sie doch was anderes sein. Aber das ist bloß ein Traum. Doch immer wenn ich „Linken“ zusehen muß, wache aus diesem schönen Traum auf und merke, daß es doch nur Schafe sind – eine große Herde mit den typischen Strukturen der Schafherde, die mich umgibt. Und ich kann Ihrer Majonaise berichten, daß keine Gefahr besteht, denn „Linke“ sind wie eine Schafherde. Die kann nichts ausrichten. Wenn mal die Gefahr besteht, daß es mehr Ziegen werden (wie diese zickigen Aktionen in Seattle und Genua), dann werden die Hütehunde mal ein bißchen bisseriger und es wird ein neuer Schafstall gebaut mit schönen Wappen (diese phantastische Prozentzeichen auf roten Grund ... genial). Schnell sind dann alle wieder in die Herde eingefangen. Witzig ist nur, daß einige der Hütehunde und Hirten immer wieder Ihrer Majonaise erzählen, daß es immer mehr Ziegen werden. Sonst würden sie nämlich nicht mehr gebraucht und bekämen kein Ziege, Verbote (aus: s.o.)Futter mehr. Ich habe das nie gemerkt, daß es mehr Ziegen werden. Aber irgendwie fasziniert mich der Gedanke immer mehr, Ziege zu sein, störrisch, die internen und externen Hütehunde und Hirten zu narren und einfach das zu machen, was ich will. Auch wenn ich mir die Hörner abstosse – vielleicht werden es ja mehr Ziegen und wir rammen immer mehr weg!

Werdet zickig! Meckert und seid eigensinnig. Vielleicht bin ich dann dabei ...

Zitate zu Schafen und Hirten

Vom wechselseitigen Verhältnis der MacherInnen und MitmacherInnen in sozialen Bewegungen

Sehnsucht nach Führung?
Aus "Viele Finger, aber keine Faust" über Attac, in: FR, 8.8.2006 (S. 3)

Vor allem jüngere Teilnehmer wünschen sich mehr "Verbindlichkeit" von Attac, mehr Koordination, mehr Zentrale.

Aus einem Bericht zum G8-Vorbereitungscamp "Camp Inski". Mehr ...
Erschreckend war, dass viele TeilnehmerInnen diese Rollenverteilung selbst gut fanden und gegen Kritik verteidigten. So gab es kaum Organisierungsansätze über die von den ohne dominanten Gruppen und Personen hinaus. Eine Zweiteilung in MacherInnen und MitmacherInnen zementiert sich zunehmend.

Wir brauchen ein starkes Zentrum ...
Aus "Die Linke an einem Bericht", Bericht über eine Podiumsdiskussion mit PDS, Soziale Liste, DIDF, WASG und Sozialforum in Bochum in der Jungen Welt, 12.5.2005 (S. 3)

Es gibt zwar eine Vielzahl von Initiativen, die gegen "Hartz IV" und die Einführung von Studiengebühren, gegen Ausländerfeindlichkeit und Naziterror kämpfen - es ist aber keine kraft da, die in der Lage wäre, diesen Widerstand überzeugend zu bündeln.

Was ist der Mensch?

Für die Debatte um Herrschaft, Kontrolle und gesellschaftliche Organisierung, genauso aber für Organisierungsansätze in sozialen Zusammenhängen bis politischen Gruppen spielt das Menschenbild eine große Rolle. Ein zentraler Diskurs lautet: Der Mensch ist ein Herdentier. Oft wird dabei sogar noch auf die Welt der Tiere verwiesen. Das ist jedoch nicht nur generell gefährlich, stellt es doch den klassischen Fall von Biologismus dar, bei dem Verhaltensschemata aus der instinktgesteuerten Welt auf den sozial organisierten Menschen übertragen werden. Sondern es ist auch von der Sache selbst her falsch. Denn die Organisierungsform "Herde" kommt zwar in der Natur vor, aber gerade nicht bei Tieren, die dem Menschen nahe stehen und die sichtbar - ähnlich wie der Mensch - ihr Sozialverhalten nicht nur über Instinkte, sondern auch über Kommunikation steuern. Schon Wölfe & Co. leben nicht mehr in Herden, sondern in ausdifferenzierteren Rudeln. Affen, Delphine & Co. haben demgegenüber nochmals weiterentwickelte soziale Organisierungsformen und leben in Gruppenstrukturen, die weder geschlossen noch in sich einheitlich sind. Es ist daher selbst aus aus dem gefährlichen Blickwinkel des Biologismus falsch, von Zebras auf Menschen zu schließen! Dass es dennoch geschieht, zeigt das hohe Interesse am Herden-Diskurs - für Erhalt und Ausbau von Herrschaft ...

Diskurs: Der Mensch ist ein Herdentier

Aus einem Text auf Telepolis vom 15.2.2008
Menschen sind Herdentiere wie Schafe und folgen einigen wenigen Individuen, sagen britische Wissenschaftler der University of Leeds. Wenn fünf Prozent einer Menge den Weg vorgeben, dann folgen ihnen die restlichen 95 Prozent, ohne groß nachzudenken. Dazu sind keine verbalen Äußerungen oder andere Signale notwendig. Selbst wenn es um Entscheidungen geht, welche Richtung eingeschlagen werden soll, werden diese schnell getroffen.
Für ihre Studie, die in der Zeitschrift Animal Behavior erschienen ist, hatten die Biologen eine Reihe von Experimenten asgeführt, bei denen die Versuchspersonen in einer großen Halle planlos herumgehen sollten. Einigen Versuchspersonen wurde gesagt, wohin sie gehen sollten. Untereinander reden sollten sie nicht. Stets seien die Versuchspersonen den "Anführern" gefolgt und hätten eine sich selbst organisierende Struktur in Form einer Schlange gebildet. Die Teilnehmer hätten meist auch gar nicht realisiert, dass sie von anderen Personen geführt werden.

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Texte zu Elitenstrukturen ...