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Konstruktion, Erziehung, Zurichtung

Aus Peter Kropotkin, 1985: Gesetz und Autorität (S. 5/6)
Wir sind alle dermaßen verdorben durch die Erziehung, welche, von unseer Kindheit angefangen, den Geist der Selbständigkeit in uns ertötete und den Geist der Unterwürfigkeit uner die Autorität entwickelte, wir sind derart verdorben durch die Existenz unter dem Gesetz, welches alles regelt: unsere Geburt, Erziehung, geistige Entwicklung, unsere Liebe und Freundschaft usw., daß wir, wenn das so fortgeht, alle Initiative, alle Gewohnheit, selbst zu denken und zu urteilen, vollständig verlieren werden.

Aus Peter Kropotkin, 1985: Gesetz und Autorität (S. 6)
"Respekt von dem Gesetz, Gehorsam vor der Autorität!" Vater und Mutter erziehen ihre Kinder in diesen Gefühlen. Auch die Schule befestigt dieselben, idem sie durch einige schlau ausgewählte Brocken einer falschen Wissenschat deren Notwendigkeit beweist; sie macht aus dem Gehorsamvor dem Gesetz einen Kultus ... Die Heroen ihrer fabrizierten "Geschichte" sind jene, welche den Gesetzen gehorchen und sie gegen die Rebellen schützen. Später, wenn das Kind in das öffentliche Leben tritt, werden ihm durch die Gesellschaft und Literatur, täglich mit jedem Schritt, gleich dem fortgesetzten Fallen des Wassertropfens, der Steine höhlt, diese Vorurteile eingeprägt.

Aus Christoph Spehr, 1996: "Die Ökofalle", ProMedia in Wien (S. 138)
Was in der kapitalistischen Gesellschaft Erziehung, Schule und Ausbildung vermitteln, damit kann man nichts anfangen, außer man befindet sich später an einem Ort, der einen passend ergänzt (einem Arbeitsplatz) und aus dem unnützen Wissen einen Job macht, der Geld bringt. Die soziale und internationale Arbeitsteilung im Kapitalismus hat ihre Spezifik darin, daß die manipulierte Natur und die zugerichtete Arbeitskraft nutzlos sind, wenn sie nicht ausgebeutet werden.

Marx, Karl/Engels, Friedrich (1890), „Manifest der Kommunistischen Partei“, zitiert nach: „Gegen die Strömung“, Dez. 2005
Die Kommunisten erfinden nicht die Einwirkung der Gesellschaft auf die Erziehung; sie verän­dern nur ihren Charakter, sie entreißen die Erziehung dem Einfluß der herrschenden Klasse.

Im Original: Die Trivialisationsmaschinerie ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden

Heinz von Förster/Bernhard Pörksen (8. Auflage 2008), „Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners“, Carl Auer Verlag in Wiesbaden
H.F. Es existiert eine unbedingte und unveränderliche Relation zwischen Input und Output. Die triviale Maschine ist ausgesprochen zuverlässig, ihre inneren Zustände bleiben stets dieselben, sie ist vergangenheitsunabhängig, synthetisch und analytisch bestimmbar. ihre Übertragungsfunktion kann man - falls man sie aus irgendeinem Grund vergessen haben sollte - durch ganz einfache Input-Output-Versuche herausbekommen; das Experiment der Analyse ist trivial. Und das ist der eigentliche Grund für ihre Beliebtheit; ich behaupte, daß sich unsere westliche Kultur geradezu in diesen Typ von Maschine verliebt hat. Sie ist der Inbegriff unserer Sehnsucht nach Gewißheit und Sicherheit. Wenn wir ein Auto kaufen, verlangen wir eine Trivialisationsgarantie, wir möchten gerne, daß sich das Auto - zumindest während der vertraglich garantierten Zeit -auf eine stets berechenbare Weise verhält. Und wenn es dies nicht tut, dann bringen wir es zu einem Trivialisateur, der unseren Wagen wieder trivialisiert.
B. P. Aber die erneute Verwandlung eines nicht mehr richtig funktionierenden Autos in eine triviale Maschine ist doch sehr sinnvoll und eventuell lebensnotwendig.
H.F. Korrekt, allerdings gibt es viele weniger sinnvolle Bestrebungen, die Natur, unsere Mitmenschen und unsere Umwelt in eine triviale Maschine zu verwandeln. Denken Sie nur an den gesellschaftlichen Umgang mit Kindern, die sich - zu unserem Schrecken - vielfach auf eine nichttriviale Weise verhalten. Man fragt ein Kind: "Was ist zwei mal zwei?" Und es sagt: "Grün!" Eine, solche Antwort ist auf eine geniale Weise unberechenbar, aber sie scheint uns unzulässig, sie verletzt unsere Sehnsucht nach Sicherheit und Berechenbarkeit. Dieses Kind ist noch kein berechenbarer Staatsbürger, und vielleicht wird es eines Tages nicht einmal unseren Gesetzen folgen. Die Konsequenz ist, daß wir es in eine Trivialisationsanstalt schicken, die man offiziell als Schule bezeichnet. Und auf diese Weise verwandeln wir dieses Kind Schritt für Schritt in eine triviale Maschine, das unsere Frage "Was ist zwei mal zwei?" auf immer dieselbe Weise beantwortet. ... (S. 55)
B. P. Wenn ich diese Annahme, der Mensch sei eine nichttriviale Maschine, weiterdenke, wird die Überraschung zum Kontinuum und die grundsätzliche Unvorhersehbarkeit zur Normalität. Der Mensch erscheint aus dieser Perspektive als ein Möglichkeitswesen, dessen Reaktionen und Verhaltensweisen prinzipiell unvorhersehbar sind. Es könnte immer auch anders sein, es könnte immer etwas gänzlich Unvorhersehbares geschehen. Aber das geschieht nicht, das passiert nicht. ... (S. 59)
B. P. Das ist ein guter Moment, um einige der konkreten Anwendungen, die den praktischen Bezug Ihres Denkens offenbaren, zu diskutieren. Vielleicht beginnen wir mit Fragen, die sich im weitesten Sinn auf das Gebiet der Pädagogik beziehen. Sie haben einmal einen Satz formuliert, der zeigt, daß sich Ihre Begriffe durchaus zur Gesellschaftskritik verwenden lassen. Dieser Satz lautet: "Der Großteil unserer institutionalisierten Erziehungsbemühungen hat zum Ziel, unsere Kinder zu trivialisieren."
H.F. Das Schreckliche mit den Kindern ist, so glauben viele, dass sie sich auf eine nicht voraussagbare Weise gebärden. Sie agieren noch nicht wie triviale Maschinen, die auf einen bestimmten Input immer ein und denselben Output erzeugen. Da unser Erziehungssystem daraufhin angelegt ist, berechenbare Staatsbürger zu erzeugen, besteht sein Zweck darin, jene ärgerlichen inneren Zustände auszuschalten, die Unberechenbarkeit und Kreativität ermöglichen. Vielfach darf in der Schule eine Frage nur eine Antwort haben; ... (S. 65)
Dieses gute Zeugnis ist ein Beleg für eine geglückte Trivialisierung. Wenn man wirklich immer – klick, klick, klick – die gewünschten Antworten gibt, dann kriegt man gute oder hervorragende Noten, das ist alles. ... (S. 68)


Aus dem Vortrag „Kompetenz und Verantwortung“ von Heinz von Foerster, gehaltenals Grundsatzreferat zur Herbsttagung der amerikanischen Gesellschaft für Kybernetik am 19. Dezember 1971 (Quelle: Medienbrief 2/2003, S. 44)
Der Großteil unserer institutionalisierten Erziehungsbemühungen hat zum Ziel, unsere Kinder zu trivialisieren . . . Da unser Erziehungssystem daraufhin angelegt ist, berechenbare Staatsbürger zu erzeugen, besteht sein Zweck darin, alle jene ärgerlichen inneren Zustände auszuschalten, die Unberechenbarkeit und Kreativität ermöglichen. Dies zeigt sich am deutlichsten in unserer Methode des Prüfens, die nur Fragen zulässt, auf die die Antworten bereits bekannt (oder definiert) sind, und die folglich vom Schüler auswendig gelernt werden müssen. Ich möchte diese Fragen als „illegitime Fragen“ bezeichnen.
Zurichtung und Erwartungshaltungen

Aus einem Interview mit Gerald Hüther, in: SZ, 30.9.2008
Aus der Perspektive des Kindes - und das ist die einzige, die in diesem Zusammenhang zählt - gibt es nur Aufgaben, die es sich selbst sucht. Wenn Eltern oder Erzieher zu wissen glauben, was das Beste für das Kind ist, sind das lediglich Pflichten, die das Kind nicht für sich, sondern für seine Eltern erfüllt. ...
Aus neurobiologischer Sicht ist das freie Spiel das beste Training für Kindergehirne überhaupt, für die Entwicklung der Persönlichkeit ist das ganz entscheidend. ...
Es gibt keine Motivation von außen. Wir haben lediglich die Möglichkeit, die Motivation, die ein Kind von vornherein mitbringt, nicht kaputt zu machen. ...
"Schule muss wehtun!" Mit dieser Haltung werde ich immer wieder bei meinen Vorträgen konfrontiert. Da kommt dann zum Beispiel ein Mann auf mich zu und sagt: "Ich hab das auch alles erlitten und bin trotzdem Professor geworden.“ Ich erwidere dann meistens: "Wer weiß, was aus Ihnen geworden wäre, wenn Sie Spaß gehabt hätten?“ Dann werden die Leute oft sehr nachdenklich. ... Das Gymnasium ist aber keine Lebensqualifikation, und das Studium auch nicht! Wir leben in einer Zeit, in der viele Menschen sehr verunsichert sind. Die meisten glauben immer noch, es käme auf Mathe, Englisch und Deutsch an, aber es kommt darauf an, dass die Kinder begeistert Mathe, Englisch, Deutsch und was auch immer lernen. Wichtig ist nicht, die Kulturgüter zu überliefern, sondern den Geist anzuzünden, der die Kulturgüter hervorgebracht hat. Dann bekommen wir von ganz allein hervorragende Weltentdecker.
SZ Wissen: Was sind denn für Sie echte Lebensqualifikationen?
Hüther: Das sind die sogenannten Metakompetenzen, die auf der präfrontalen Rinde verankert sind. Dazu gehören Empathiefähigkeit, Handlungsplanung, Frustrationstoleranz oder Impulskontrolle. Nur wenn ein Kind diese Fähigkeiten ausbilden kann, wird es zu einer starken Persönlichkeit heranwachsen. Aber man kann das nicht unterrichten, auch keine Noten dafür vergeben, also kommen diese Qualifikationen in den allermeisten Schulen nicht vor.
SZ Wissen: Die Gesellschaft dürfte dann nur schwache Persönlichkeiten hervorbringen.
Hüther: Ich bin davon überzeugt, dass viele Probleme genau damit zusammenhängen: Magersucht und Drogen, aber auch Lernschwierigkeiten wie Legasthenie. Wenn sich Kinder nicht als jemanden erleben können, der etwas bewirken kann, wenn es ihnen an Erfahrungen in komplexen Lebenswelten mangelt, wenn sie nicht Körper, Geist und Emotionalität schulen können, scheitern sie.
SZ Wissen: Viele Menschen sehen die Lösung in mehr Disziplin. Immer mehr Eltern schicken ihre Kinder auf private englische Internate, in denen es streng zugeht, und sie lesen Bücher wie "Lob der Disziplin“ von Bernhard Bueb, dem früheren Leiter des Internats Schloss Salem.
Hüther: Ein fataler Trugschluss! Das Kind soll in eine Form gepresst werden. Strengere Regeln, mehr Druck und schärfere Maßnahmen führen aber nicht zu Disziplin, sondern nur zu Gehorsam, und gehorsame Menschen hatten wir im letzten Jahrhundert zur Genüge. ...
Wir müssen das System der Dressur- und Abrichtungsschule überwinden, dafür braucht es mutige Eltern, Lehrer und Rektoren. Ich bezweifle, dass das staatliche System diesen Sprung schnell genug schafft.

Heinz von Förster/Bernhard Pörksen (8. Auflage 2008), „Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners“, Carl Auer in Wiesbaden
Die gesamte soziale Struktur kann als ein geschlossener Operator verstanden werden, der aus den unendlichen Möglichkeiten des Verhaltens gewisse stabile Werte und vorhersehbare Formen der Interaktion entstehen läßt, sie schälen sich - aus der unendlichen Vielfalt des Möglichen - heraus und sind von einem analytischen Standpunkt aus unerklärbar, aus der Perspektive des Erfahrbaren jedoch prognostizierbar. Es entstehen Eigenwerte bzw. Eigenverhalten, stabile Formen der Interaktion. Sprache, Sitten und Gebräuche eines Kulturkreises kann man demnach als Eigensprache, Eigensitten und Eigengebräuche dieses Kulturkreises interpretieren, eines Kulturkreises, in den wir selbst einbezogen sind. ... (S. 61)
An der roten Ampel bleiben die meisten Autos stehen. Der Grund dafür ist, dass wir in einer Kultur leben, die uns dazu bringt, ein stabiles Eigenverhalten zu entwickeln, Signale auf eine spezifische Weise zu interpretieren, sie als eine Einladung zu ganz bestimmten Verhaltensweisen zu deuten – und im Falle einer roten Ampel auf die Bremse zu treten. Man könnte auch sagen, dass man nicht informiert, sondern „in Form gebracht“ wird. (S. 98)

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