Religionskritik

PSYCHIATRIE IN HESSEN: TÄUSCHUNG, ZWANG, FIXIERUNG, RECHTSBRÜCHE

Vitos-Kliniken in Rhein-Main und Südhessen, u.a. Riedstadt (Goddelau)


1. Vitos-Klinik und Fälle in Gießen
2. Vitos-Klinik in Haina
3. Vitos-Kliniken in Rhein-Main und Südhessen, u.a. Riedstadt (Goddelau)
4. Im Original: Vitosklinik in Briefen, Interviews und Büchern
5. Seilschaften, Politik und Kritik aus Hessen
6. Der Fall "Dennis Stephan"

Im März 2019 veröffentlichte das Team Wallraff nach langer Undercover-Recherche in mehreren Psychiatrien einen Beitrag mit vielen Beispielen, darunter auch Frankfurt-Höchst. Nicht alles konnte gezeigt werden, denn die Ausstrahlung wurde mit allen Mitteln bekämpft - und Papi Staat kam seinen Repressionsstätten mehrmals zur Hilfe, auch mit Durchsuchungen, Beschlagnahme von Filmdateien usw.
Leider lief das auf RTL - und deren Beiträge sind nicht so einfach zugänglich. Aber ...

Riedstadt
Aus den psychiatrischen Zwangsanstalten in Riedstadt-Goddelau liegen mehrere Berichte über üble Schikane vor. Es ist die Klinik, in die sich Günter Wallraff zu Beginn seiner Undercover-"Karriere" einliefern ließ und einen seine ersten Reportagen veröffentlichte. Viele Jahre später griff er einen anderen Fall aus der Klinik auf: Günter Wallraff 2011 über die Psychiatrie in Goddelau ++ Spätere Erweiterung des Textes.

Probleme hat die Vitos-Klinik offenbar damit, dass bei und vor ihr eingesperrte Patienten Kontakte nach außen suchen. Mehrfach kam es deshalb zu Besuchs- und Kontaktverboten.

Ein weiterer Fall von Besuchsverbot (im April 2015) wurde dann vor Gericht ausgetragen, weil sich sowohl Patient wie auch verbotener Besucher wehrten. Die Klinik begründete ihr Verbot in einem Schreiben auf abenteuerliche Weise. Danach dürfen Patienten nicht in klinik-kritische Haltungen bestärkt werden. Sprich: Es ist nur Besuch erlaubt, der brav die Klinik lobt. Ein klarer Fall politischer Zensur.

Corona hat das alles deutlich verschlimmert.
Aus "Zehn Jahre Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Riedstadt"
Auch in den Vitos Kliniken für forensische Psychiatrie gilt es, die Hygieneauflagen zu erfüllen und Kontakte zu reduzieren. Für die Patientinnen und Patienten bedeutet das einen weitgehenden Verzicht auf Besuche und Beurlaubungen. Daher hat die Klinik in 2020 Video-Besuche eingeführt. So können die Patient/-innen trotzdem den Kontakt zu ihren Angehörigen und Freunden halten.

Im Frühjahr 2015 fand im Landtag in Wiesbaden eine Anhörung zum neuen Maßregelvollzugsgesetz statt. Nur die Linke kam auf die Idee, mal einen Betroffenen einzuladen - einen Inhaftierten aus Riedstadt. Doch die anderen Fraktionen fanden das nicht toll. Statt nun für die Idee zu kämpfen, zog die Linke ihren Vorschlag selbst wieder zurück.

Vitos in Heppenheim
Aus "Eberstädter behindert nach Zwangsspritzen", in: Darmstädter Echo am 8.10.2019 (leider mit Bezahlschranke)
Marco Müller ist erst 38 Jahre alt, doch er bewegt sich wie ein alter, gebrechlicher Mann. Wie in diesem Moment in seinem Wohnzimmer: Schwer erhebt er sich vom Sofa, mit den Händen am Rollator zieht er sich hoch, sammelt sich kurz und läuft los. Ganz langsam, ein Fuß vor den anderen - tapsend. Der Eberstädter ist nicht nur motorisch stark eingeschränkt, er spricht auch verlangsamt. Doch in dem, was er sagt, ist er klar. "Ich bin in die Klinik reingegangen und im Rollstuhl wieder raus", bringt er auf den Punkt, was ihm vor fast drei Jahren wiederfahren ist: Während eines Aufenthalts in der Psychiatrie der Vitos-Klinik in Heppenheim hat er unter Zwang ein Neuroleptikum gespritzt bekommen und danach starke Gangstörungen entwickelt. Für ihn liegt auf der Hand, dass die Spritzen Schuld sind und die Klinik ihn fahrlässig geschädigt hat: "Die haben mir mein Leben zerstört." ...
Am 28. Dezember 2016 wurde ihm per gerichtlich genehmigter Zwangsbehandlung das Neuroleptikum Ciatyl-Depot 300 mg gespritzt mit dem Ziel, bei dem abgemagerten Patienten den Appetit anzuregen. "Das ist ja alles verständlich, ich hatte Wochen nichts gegessen", sagt er - auch wenn die dabei angewandte Fixierung ans Bett schrecklich gewesen sei. Aber was dann folgte, sei viel schlimmer. Beim Aufstehen am nächsten Tag habe er nicht mehr richtig gehen können und stark geschwankt. Doch auf Nachfrage habe es geheißen, das seien Folgen der Mangelernährung. Das habe auch seine Freundin gesagt bekommen, als sie das Personal und einen Arzt auf die Gangstörung ansprach. Dabei gehörten solche als Ataxie bezeichneten Bewegungsstörungen zu den Nebenwirkungen des Medikaments. "Aber das hat die gar nicht interessiert", stellt die Heilpädagogin fest. "Es hieß, er müsse nur zu Kräften kommen." ...
Circa eine Woche nach der Injektion begann Marco Müller, wieder regelmäßig zu essen. Das lässt sich auch in der Patientenakte nachlesen. Dass er dennoch am 11. Januar 2017 eine zweite Spritze bekommen sollte, stieß bei ihm auf umso größeren Widerstand. "Ich sagte, ich will das nicht, ich vertrag das nicht", erzählt er. "Da haben sie gedroht, dass sie mich sonst wieder fixieren." Also habe er die Spritze über sich ergehen lassen - mit für ihn noch schwereren Folgen: "Seither brauche ich einen Rollstuhl."


Bericht "Darmstädter klagt gegen Klinik: 'Spritze zerstörte mein Leben'", in: FR, 29.10.2020

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