Religionskritik

ZUR KAMPAGNE "EXPO NO!" ZUR EXPO 2000 IN HANNOVER

Umgang mit Frust und Repression


1. Ein paar Vorüberlegungen ...
2. HANNOVER - EXPO 2000 - am 25. OKTOBER 2000.
3. Anti-EXPO-Links
4. Anti-Expo-Gruppen und -Kontakte
5. EXPO-NO: Allgemeine Infos Links Materialien
6. Projektbeschreibung
7. Text zur Expo-Widerstand aus der Projektwerkstatt Saasen
8. Texte, Pressemitteilungen
9. Rezension und Buchtipp: Gegenbilder zur Expo
10. Jürgen Resch und Ernst Mischke
11. EXPO-Reader und weitere Materialien
12. Ein Prozessbericht
13. Auswertungstexte
14. Am Ende war die Expo ein Event, den sich auch die kritische Linke nicht entgehen lassen wollte
15. "Deutschland” ist kein Grund zum Feiern
16. Was lief im Vorfeld?
17. Die Aktionswoche
18. Seminarankündigung "Der alltägliche Wahnsinn"
19. Umgang mit Frust und Repression
20. prozeßerklärung
21. Inhalte
22. Mögliche Gründe
23. und jetzt?

Pieke: Die EXPO war für einen Teil der Menschen, die hinfuhren, ein anzugreifendes Projekt, mit dem sie sich mehrere Monate vor dem 1.6., beschäftigt hatten. Die Gründe für Frust und Enttäuschung allein in einem schlecht umsetzbaren Blockadekonzept (Motto: ?EXPO lahmlegen?) zu suchen, finde ich falsch. Viel Frust hätte sich vermeiden lassen können, wenn im vorhinein dieSituation besser eingeschätzt worden wäre. Klar, daß in einer 500.000 EinwohnerInnen zählenden Stadt über 10.000 Bullen im Einsatz selbige an jeder Straßenecke stehen. Ebenfalls logisch, daß bei 65.000 real verkauften von 400.000 anvisierten Eintrittskarten das Blockadekonzept für den Tag nicht wirkungsvoll sein konnte. Dadurch, daß am Vormittag des Eröffnungstages viele geplante Aktionen nicht möglich waren und am Abend 450 Menschen eingekesselt wurden, die Nacht im Käfigknast (mit Rekordzeiten von bis zu 18h) verbringen mußten und schließlich alle Leute aus dem Kessel einen Stadtverweis für ganz Hannover bekamen, reisten nicht nur jene ab, die konkret betroffen waren, sondern auch eine Menge anderer. Leute, aus deren Bezugsgruppe Menschen abreisen mußten und solche, die nicht mehr viel Handlungsoptionen sahen oder deren Zweifel am gesamten Widerstandskonzept zur Konsequenz hatten, abzufahren. Damit hatte sich die Aufgabe der Polizei, das ?Entfernen von StörerInnen?, von selbst erledigt.
Die psychische Gewalt, die durch die Bullenpräsenz vermittelt wurde und die für die Abreise der Leute mitverantwortlich war, hat den Frust verstärkt. Die Einschüchterungstaktik für diese Tage zog. Selbst Aktionen,wie das Verteilen von Flugblättern, fiel einigen schwer. Alles in allem habe ich mich in Hannover zu stark mit der Bullenpräsenz beschäftigt.

Bolle: Vor der Aktionswoche gab es eine Reihe von Repressionsmaßnahmen und Spaltungsversuche von Seiten des Staates. Im Verfassungsschutzbericht von 1999 ist dem Anti-EXPO-Widerstand ein eigenes Kapitel gewidmet und es wurde versucht, den Widerstand in eine ?kriminelle? Ecke zu stellen (z.B.: BILD-Zeitung: ?Die sogenannten EXPO-Gegner - schlichte Kriminelle?). Vor einem bundesweiten Treffen wurden vermutlich vom VS Unterlagen von einer Person geklaut und es wurden verschiedenste Leute angequatscht, um Strukturen auszuleuchten. In Tübingen hat es Hausdurchsuchungen gegeben und in Hannover bekamen quasi alle, die irgendwas mit dem Widerstand zu tun hatten, Besuch von den Bullen. In der Berliner Zeitung wurde der Berliner VS zitiert mit der Aussage, daß in Berlin das ?Zentrum der militanten Anti-EXPO-Gegner? sei und es wurde gegen die Berliner Anti-EXPO-Vernetzung gehetzt. Wie auch immer. Eigentlich kann sowas ja auch Auftrieb geben, aber bei vielen hat die Ankündigung der massiven Bullenpräsenz wohl auch ganz gut gewirkt, so daß sie u.a. aus diesem Grund nicht nach Hannover gefahren sind. Das ist so wie das Kaninchen vor der Schlange, und das ist halt schade, weil dadurch die Bullen gewonnen haben (a propos symbolische Herrschaft...).
Insgesamt würde ich sagen, hat der gemeinsame Wille gefehlt, Repression zu kassieren. Einer der Gründe ist, denke ich, darin zu suchen, daß kein kollektiver Umgang mit Ängsten stattgefunden hat. In der Direkten Aktions-Broschüre beispielsweise finden sich zwar eine ganze Reihe von brauchbaren Aktionsideen, aber die Psychoebene wurde komplett vergessen. Auch auf den bundesweiten Treffen wurde nie darüber geredet und ohnehin scheint das in vielen Gruppen ein Problem zu sein. Was bringen mir die besten Aktionsvorschläge, wenn sie niemand macht, weil sich niemand traut?
 

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