Kritik der Konsumkritik

KONSUMKRITIK-KRITIK: SELBSTREDUZIERUNG AUFS KONSUMENT*INNENDASEIN

Links und Materialien


1. Einleitung
2. Die Machtfrage ausblenden: Selbstreduzierung aufs Konsument*innendasein
3. Wirkung der Kaufentscheidung wird stark überschätzt
4. Risiken und Nebenwirkungen: Die Kommerzialisierung des Guten
5. Ausblendungen: Die Bio-Tomaten auf den Augen und Ohren
6. Gutes Gefühl für Reiche - Niedermache der Armen
7. Kritik, Zweifel, aber keine grundlegende Analyse
8. Statt Ablasshandel und Schmieren der Getriebe: Aneignung der Verhältnisse
9. Irrtümer der Konsumkritik und Gegenmittel an Beispielen
10. Links und Materialien

Macht und Umwelt
Das kleine Theoriebuch über den Zusammenhang von Herrschaft und Umweltzerstörung
Texte und Thesen zur Verknüpfung von Herrschaft und Umweltzerstörung. Es zeigt sich, dass machtförmige Verhältnisse gleichzeitig die Voraussetzung wie auch das Mittel der rücksichtslosen Aneignung von Rohstoffen, Land und allen anderen Lebensgrundlagen sind. Natur und Mensch mutieren zu Faktoren, die zum Zwecke von Herrschaftsausbau und -sicherung sowie ständigem Profit ausgebeutet werden.


Links zum Thema


Etliche Texte und Zitate sind mit, andere ohne Namen - das liegt zum einen daran, wie wir die Texte bekommen haben, zum anderen können die, deren Texte hier abgedruckt sind, auch selbst bestimmen ... per Info- und Kontaktformular mit Begründung genügt und der Name wird, wenn das Argument überzeugt, gestrichen bzw. hinzugefügt.

Buchvorstellungen
Offenbar dämmert es einigen Strateg_innen der Weltverbesserung per Wählen und Einkaufen, dass 20 Jahre Begrünung des Kapitalismus ins Leere gelaufen sind. Ergebnis ist, „dass Haushalte mit niedrigem Einkommen und Menschen, die sehr sparsam, und achtsam mit ihren Dingen umgehen, oft nachhaltiger legen als konsumfreudige LOHAS“. Letztere Abkürzung bezeichnet das bioladenorientierte Reichensegment dieser Gesellschaft: „Lifestyle of health and sustainability“. Es war der Höhepunkt des Märchens, sich eine bessere Welt zusammenkaufen zu können. Übrig geblieben ist das bessere Gewissen, welches durch ethisch erscheinenden Konsum entstand (je mehr, desto besser wird die Welt). Oft gepaart war es mit Emails-Klicks bei Bewegungsagenturen, Wahlkreuzchen bei Grünen und Spenden an passende NGOs. Ewiggestrige wie die Grünen-Europapolitiker Bütikofer und Giegold versuchen noch heute, mit immer neuen Kombinationsangeboten von Wachstum und Umweltschutz ("Green New Deal“) den Kapitalismusbock zum Ökogärtner zu machen. Dass das sinnlos ist, schimmert in aktuellen Bücher immer stärker durch. „Nachhaltiger Konsum ist ein Statussymbol geworden – für diejenigen, die es sich leisten können“. Mit Umweltschutz hat das alles kaum noch etwas zu tun. Der Kapitalismus hat aus guten Ideen Branchen mit Profitgier gemacht: Aus Direktvermarkterläden Öko-Supermärkte, aus Ökoanbau landaufkaufende Öko-Globalplayer. Zwei aktuelle Bücher aus dem Ludwig-Verlag (München) zeigen das Dilemma. Mit Friedrich Schmidt-Bleek“ (2014, „Grüne Lügen“, 302 S., 19,99 €) und dem Gespann Christine Ax/Friedrich Hinterberger (2013, „Wachstumswahn“, 367 S., 17,99 €), aus deren Buch obige Zitate stammen, bejammern genau diejenigen die ausbleibende Trendwende, die vor vielen Jahren selbst der Begrünung des Kapitalismus das Wort geredet haben. Und selbst jetzt noch zeigen sie sich lernresistent. Sie erkennen zwar die Aussichtslosigkeit der Weltrettung per Konsum, schildern mit deutlichen Worten die negativen Wirkungen, aber verbleiben mit ihren Vorschlägen genau auf dem alten Pfad: Vorschriften für ökologischere Produkte und Umweltrettung durch technische Innovation. Das Selbstbestimmungsrecht der Menschen, deren Unterdrückung bis Vertreibung per brutaler, staatlicher Macht die rücksichtslose Ausbeutung von Mensch und Natur erst möglich macht, wird mit keinem Wort erwähnt. Stattdessen finden sich absurde Phantasien, dass der Staat nichts anderes sei als die Mengen der Menschen ihn ihm usw. Mit nachhaltig eingekauften Tomaten auf den Augen lässt sich die Welt aber nicht retten. Eigentlich hatten die Autor_innen das auch klar. Vielleicht sollten sie die erste Hälfte ihrer Bücher nochmal lesen und dann den Schluss neu schreiben. Für alle gilt: Der Anfang ist lohnenswert – danach können die Text als Abschreckung gelten: Für Mutlosigkeit, Inkonsequenz und Widersprüchlichkeit auf hohem Niveau.
Wer es positiver will: Rezension in „die tageszeitung“, also dem Haus- und Hofblatt des Ökobildungsbürger_innentum unter www.taz.de/1/archiv/?dig=2014/06/06/a0116.

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