Aktionsraum Gießen

FLÄCHENVERSIEGELUNG: BETON UND ASPHALT - ES REICHT!

Zubetonierung der Landschaft: Einleitung


1. Zubetonierung der Landschaft: Einleitung
2. Zubetonierung der Landschaft in Mittelhessen
3. Regionalplanung und Baugebiete in Gießen
4. Regionalplanung im Lumdatal
5. Regionalplanung im Wiesecktal
6. Regionalplanung im Süden von Gießen
7. Widerstand gegen Flächenfraß

Überall wird gebuddelt und versiegelt: Neue Straßen, ausgedehnte Wohnsiedlungen und immer wieder Gewerbe, Gewerbe, Gewerbe. Äcker, Wiesen, Biotope, Naherholungsgebieten gehen verloren. 65 Hektar pro Tag gehen in Deutschland verloren, dass sind ungefähr 100 Fußballfelder und mehr als ein durchschnittlicher Bauernhof. Wohlgemerkt: Pro Tag!
Ob wohl aus den dabei gefällten Bäumen das Papier für den Druck der bunten Broschüren hergestellt wird, in denen beteuert wird, dass der Flächenverbrauch aufhört?
Wir wollen uns wehren - auch mit direkten Aktionen.


Landwirtschaftliche Flächenverluste

HR-Film "Die Folgen der Bodenversiegelung" am 5.5.2022

Rede auf der Fahrraddemo am 3.6.2022 in Wetzlar (Mitschnitt auf Youtube)
Erst wenn der letzte Schmetterling gefangen, das letzte Baugebiet erschlossen, die letzte Wiese versiegelt ist, werdet wir merken, dass wir Beton nicht essen können.
Hallo, ich bin Simone von kein m² mehr – Initiativen für Bodenschutz. Unser Bündnis hat sich im Zusammenhang mit dem Regionalplan Mittelhessen gegründet und kritisiert den enormen Flächenverbrauch in Mittelhessen.
In vielen Kommunen im ländlichen Raum spielt die Konkurrenz zwischen Landwirtschaft und der Erschließung von Neubau- und Gewerbegebieten eine wichtige Rolle. Der ländliche Raum soll "entwickelt" werden - damit ist "bauen" gemeint.
Generell kann man sagen, dass auf dem Land die Bevölkerungszahlen stagnieren oder rückläufig sind. Siedlungsentwicklung kann deshalb im ländlichen Raum kontraproduktiv sein, da sie dem Ziel Innen- vor Außenentwicklung entgegensteht.
Zumeist geht diese Raumentwicklung auf Kosten von landwirtschaftlichen Flächen und Äckern. Und ich glaube jedem von uns ist in den vergangenen Wochen die Bedeutung von Getreide bewusst geworden. Der Funktion der Landwirtschaft und des Bodens für Nahrungsmittelversorgung und Ernährungssouveränität kann nicht genug Beachtung geschenkt werden. Boden dient dem Wasserhaushalt, hat eine Klimafunktion, begünstigt die Artenvielfalt, ist aber auch für Arbeitsplätze und Existenzen relevant. In unserer Initiative sind bereits viele Menschen mit Landwirtschaftlichen Betrieben und die sind direkt abhängig von den von ihnen bewirtschafteten Flächen und größtenteils sind sie aber nur Pächter und haben damit auf die ganze Regionalplanung überhaupt keinen Einfluss. Viele verlieren gerade ihre Existenzgrundlage, das sind reale Arbeitsplätze, die bereits existieren und jetzt vernichtet werden.
Demgegenüber stehen immer die Märchen über die sprudelnde Gewerbesteuer und die neu geschaffenen Arbeitsplätze. Aber diese Geschichte ist längst widerlegt! Und da muss man gar nicht weit schauen, 50km die A45 runter ist ein großes interkommunales Gewerbegebiet, bei dem der Investor riesige Hallen gebaut hat, von denen die erste bereits leer steht und weiterverkauft wurde. Und die versprochenen 500 Arbeitsplätze hat es nie in dem Umfang gegeben. Und die, die es gab, waren nicht selten aus prekären Verhältnisse mit Mitarbeitern aus Billiglohnländern von hire and fire Firmen. Diese Märchen lassen wir uns in Mittelhessen nicht länger erzählen.
Für uns ist Mittelhessen mehr als nur ein Wirtschaftsstandort.
Wir alle lieben die Lahnaue und fotografieren die Störche und fahren Fahrrad oder Kanu. Und das Radfahren war in den letzten Jahren so beliebt wie noch nie und jeder steht beim Müller und fragt sich, wie er weiter fahren soll.
Wir arbeiten gern in Wetzlar. Aber wir sind mehr als menschliches Kapital.
Wir sind auch Eltern, Kinder, Mütter und Geschwister. Und wir wollen einer sinnstiftenden nachhaltigen Arbeit nachgehen, die auch unseren Kinder noch ermöglicht ein schönes Leben in einer intakten Landschaft zu führen.
Und das bedeutet auch, sich für den Erhalt der heimischen Natur einzusetzen und sich Zeit zu nehmen, sich auch mal Gedanken, um seine eigenen Gewohnheiten bezüglich Konsum und Arbeit zu machen. Wenn wir global denken und uns bewusst wird, dass der earth overshoot day für Deutschland schon am 5.Mai rum war, erfordert dies automatisch lokal zu handeln also hier vor Ort
Zum jetzigen Zeitpunkt und Wissensstand um die Klimakrise können wir uns daher falsche Priorisierung nicht mehr leisten. Und da ist Wetzlar leider ein ganz gravierendes Beispiel für Fehlentwicklungen.
Wetzlar wurde jüngst als die Hauptstadt der Parkhäuser betitelt.
Hauptstadt der Parkhäuser.
Und ich finde das sehr passend, weil sich jeder in meinem Umfeld darüber wundert, was diese Vielzahl von Parkhäusern soll.
Denn jede Investition in die falsche Infrastruktur, sei es durch Parkhäuser oder den Ausbau der B49 ist ein Bekenntnis zur Ressourcenverschwendung und wendet sich gegen den Klimaschutz. Und das ist auch kein lokales Problem, das einfach in Wetzlar entschieden werden darf. Denn die Autos fahren durch die umliegenden Gemeinden wie Lahnau und Solms nach Wetzlar und erhöhen dort auch das Verkehrsaufkommen. Insbesondere in naher Zukunft, wenn die Hochstraße abgerissen wird. In den letzten Wochen, als der LKW-Verkehr über die A45 umgeleitet werden sollte, konnten wir das ganze schon live erfahren. Das sind die Schulwege unserer Kinder, die da belastet werden. Das sind Lärm und Abgase zwischen denen die Verkehrswende stattfinden soll. Ich laufe mit meinen Kindern zu Fuß dadurch oder muss mich mit ihnen auf dem Fahrrad durch den starken Verkehr fädeln. Auf dem Schulweg meiner Kinder kann ich nicht mit ihnen reden so laut ist es da. Die Bedarfsplanung an Straßen muss endlich an die Verkehrswende angepasst werden und das Ausbauen von Straßen muss ein Ende haben. Größere Straßen erzeugen mehr Verkehr. Und wir schaffen es nicht einmal die bisherigen Straßen in Stand zu halten, siehe A45 mit ihren vielen Brücken.
Daher fordern wir jetzt die von Wetzlar anerkannte Notlage mit wirklichen Inhalten zu füllen und nicht etwa im Kleinklein mit Wandbegrünungen und Wasserläufen dem Klimawandel zu begegnen, sondern endlich den Rotstift rauszuholen und aus der Zeit gefallene Projekte zu stoppen und keinen weiteren Autoverkehr zu fördern. Und ebenso bei jeder Ausweisung von neuer Fläche zu prüfen, ob das wirklich einer nachhaltigen Entwicklung entspricht. Es kann kein wünsch dir was der Unternehmen mehr sein, die ja selbst schon die Lieferketteneinbrüche spüren und unter den Energiepreisen leiden. Wetzlar muss grüner und klimaneutraler werden. Dafür müssen die Wege frei gemacht werden, um z.B. Parkplätze und Dächer mit Photovoltaik zu überdachen. Weitere Versiegelung darf nur in Ausnahmefällen stattfinden. Denn es kann nicht jeder sagen, wir wollen zwar den Flächenfraß stoppen und den Klimawandel aufhalten, nur nicht hier bei uns. Das Bruttosozialprodukt kann nicht weiter das Maß aller Dinge sein. Daher ist unsere Forderung:
- kein m² mehr für Straßenbau
- kein m² mehr für Gewerbe und Industrieflächen
- kein m² mehr für Siedlungsbau
Und jedem, der unsere Forderung für zu unrealistisch hält, sei gesagt, dass in 2050 das Ziel der Bundesregierung für Flächenversiegelung sowieso Netto-Null ist. Warum also nicht schon mal üben, Nein zu sagen?
Darum bitte ich euch uns zu unterstützen und unsere Petition zu unterzeichnen.


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