Abwehr der Ordnung

CHAOS UND ANARCHIE ALS PROJEKTION DER APOKALYPSE?

Anarchiekritik von Links


1. Anarchie als moderne Figur des Teufels
2. Anarchie-Hetze in Theorieform: Herrschaft oder Barbarei
3. Anarchiehetze war immer ... Blicke in die Geschichte
4. Anarchiekritik von Links
5. Seelenheilung: Sind die AnarchistInnen noch zu retten

Es ist ein weitverbreitetes Märchen, dass "links" per se mit emanzipatorischen Zielen verbunden ist. Die beiden Ideen schließen sich zwar nicht aus, aber eben auch nicht ein. Linke Politiken kämpfen, wenn sie nicht angepasst ganz auf mehr als Detailveränderung verzichten, meist für einen anderen Mechanismus, die MachtinhaberInnen zu bestimmen - aber nicht um Befreiung und Selbstentfaltung. Die meisten "linken" politischen Bewegungen, Parteien oder Regierungen sind geradezu fanatische AnhängerInnen von Kontrolle, Machtausübung, Polizei, Justiz und sogar Knästen - wenn nur die Richtigen da hineinkommen. So kommen auch sie nicht ohne das Feindbild "Anarchie" aus. Anarchistische Ideen sind bei den meisten Linken verpönt - bei AnhängerInnen marxistischer Phantasien sozialistischer Staatsstärke ebenso wie im linken Fanblock der Demokratie, der von Grünen über Attac und Linkspartei bis zu kirchlichen Gruppen oder großen Teilen der Friedensbewegung reicht.

Anarchie: Abgrenzungsbedarf und -begriff sogar in politischer Opposition
Die Nummer mit der Angstschürerei über den Inbegriff des Teuflischen läuft nicht nur in bürgerlichen Eliten, die ihre Macht durch Legitimation stärken wollen. Auch große Teile bürgerlicher und linker Opposition bedienen sich des Klischees, um sich als brave DemokratInnen zu inszenieren oder ihre autoritären Vorschläge zu legitimieren. Sie wollen für Ordnung und Seriösität stehen. Anarchie steht bei ihnen einerseits für Chaos und Gewalt, von dem sie sich als die gefühlt Guten abzugrenzen versuchen. Andererseits wird der Begriff wie ein Schimpfwort für all das verwendet, was die politischen Gruppen ablehnen - auch wenn es noch so offensichtlich durch institutionalisierte Gewalt und nicht durch deren Fehlen hervorgerufen wird. Von Globalisierung, Finanzikapital und "Offshore-Anarchie" über Islamisten und parteiinternem Gezänk bis zum Abholzung des Regenwaldes: Alles Anarchie!

Im Original: Hetze von links und NGOs
Überschrift der Jungen Welt über die terroristische Separatistengruppen Abu-Sayyaf-Gruppe auf den Südphilippinen (1.12.2001):
Regulierte Anarchie

Heiner Geißler, Ex-CDU-Generalsekretär, nach seinem Beitritt zu Attac im Interview mit dem Handelsblatt, 23. Mai 2007
... wir erleben eine weltweite Anarchie im Wirtschaftssystem ...

Links: Flugblatt von Miseroer und Urgewald. Als Anarchie wird der Raubbau am Regenwald bezeichnet.

Anarchie = Nichtbeachtung der UNO
Aus: Stephan Zunes, "Von der Weltgemeinschaft zur Anarchie" in: der überblick 4/2003 (S. 94)
Diese himmelschreiende Politisierung des UN-Sicherheitsrats durch die USA zugunsten Israels ... hat die Legitimität der Vereinten Nationen, des internationalen Rechtssystems und die grundlegenden Prizipien des Multilateralismus ernsthaft untergraben. ... Daraus könnte eine Welt der Anarchie entstehen, die weder für Israel, noch für die Vereinigten Staaten oder sonst irgend jemanden gut sein kann.

Aus Ann Pettifor, "Schulden" in: Christine Buchholz u.a., 2002, "Handbuch für Globalisierungskritiker", KiWi in Köln (S. 129)
... Anarchie des internationalen Finanzsystems ... anarchischen globalen Finanzwelt ...

Aus Christine Buchholz, "Eine gerechte Welt ist möglich - jenseits des Kapitalismus" in: Christine Buchholz u.a., 2002, "Handbuch für Globalisierungskritiker", KiWi in Köln (S. 290)
In Wirklichkeit ist die Marktwirtschaft höchst anarchisch.

Moral, Gottglaube, Hierarchie und Massenmorde als Anarchie?
Joachim Kahl formuliert in seinem bekannten Kirchenkritikbuch "Das Elend des Christentums" von 1968 als Überschrift (S. 17)
Die Realbilanz der Kirchengeschichte: Anarchie im Ethos

Im Papier "Stabilität im globalen Finanzmarkt - Stoppt die Steuerfluchtplätze von Liechtenstein bis Cayman Island" (Autoren: Harald Schumann/Spiegel, Oliver Moldenhauer/Attac) findet sich mehrfach der Begriff "Offshore-Anarchie" für Nationen mit niedrigen Steuersätzen für Reiche. Sie fordern ein Eingreifen der Führungsländer:
All diese Entwicklungen wären nicht möglich, wenn die großen Industriestaaten die Offshore-Anarchie nicht seit Jahrzehnten stillschweigend geduldet hätten und noch immer dulden würden.

Junge Welt, 9.5.2005 (S. 3)

Aus Frei, Bruno (1971): Die Anarchistische Utopie. Marxistische Taschenbücher in Frankfurt (S. 143)
Freiheit und Ordnung, nur solange sie eins sind - geordnete Freiheit - ist Gesellschaft möglich. Anarchie ist nicht Freiheit, vielmehr das Gegenteil, nämlich Chaos.

Dieter Dehm, Linkspartei-Bundestagsabgeordneter, über Joschka Fischer, in: Junge Welt, 7.12.2005 (S. 8)
Anarcho des ungehemmten Markts

kapitalistische Anarchie
Bezeichnung des Tote in Kauf nehmenden Wirtschaftsdenken in der Medizin, in: Junge Welt am 9.5.2020 (S. 10)

Anarchie = fundamentalistischer Terror?
Aussage zum Irakkrieg und den dort von den USA bekämpften Islamisten aus der Zeitung gegen den Krieg Nr. 21 (Sept. 2005), hrsg. von Winfried Wolf u.a., Beilage in: Junge Welt
Krieg gegen islamistische Anarchisten

Kontrollverlust in PDS-internen Machtkämpfen = Anarchie
Aus Koß, Michael: "Lose verkoppelte Anarchie: Die Linkspartei im deutschen Förderalismus", in: Brie, Michael/Hildebrandt, Cornelia (2006): "Parteien und Bewegung", Dietz-Verlag in Berlin (S. 111)
Ganz egal, wie man die Ereignisse von Gera bewertet, sie offenbarten, dass Uneindeutigkeit und lose Kopplung in offene Anarchie umgeschlagen waren. Der PDS fehlte Ende 2002 schlicht das Instrument, die in der Partei latent schon lange um sich greifende Unzufriedenheit aufzufangen. Aufgrund der mangelnden horizontalen Integration der Partei wurde der sächsische Lan desverband so jedoch an die Spitze der Revolte gegen den reformistischen Parteimainstream katapultiert.

Untertitel auf Seite 1 der Freitag, 12.5.2010
Wer Demokratie will, muss die Märkte bändigen. Denn die brutale Anarchie des Kapitalismus zerstört das politische System.

Aus einem taz-Streitgespräch mit Sven Giegold (damals Attac, heute grüner EU-Parlamentarier)
Im ersten Semester Politik habe ich begriffen, dass Anarchismus Unsinn ist und ... dass Selbstverwaltung eine gute Idee für Leute ist, die so leben wollen - aber keine Vision für die ganze Gesellschaft.

Aus der Überschrift eines Kommentars von Ingo Schmidt, in: Sozialistische Zeitung April 2011 (S. 19)
Anarchie der Märkte

Rosa Luxemburg in "Einführung in die Nationalökonomie"
Es entsteht das, was schlimmer als alle Unterdrückung und Ausbeutung ist: völlige Anarchie

Auch das gibt es: Anarchiekritik pauschalisierend, aber immerhin mit Niveau
Die folgende Kritik zeigt eine Vielzahl notwendiger Kritikpunkte an den Argumenten der real existierenden, sog. AnarchistInnen auf. Die Ableitung, dass Anarchismus prinzipiell diese Schwachpunkte aufweist, erfolgt allerdings nicht durch Belege, sondern über Verallgemeinerungen. Das dient vor allem der Zurschaustellung des eigenen, marxistischen Standpunktes als "richtige" Welterklärung. Diese Schwäche ändert jedoch nichts daran, dass die Kritik wichtige Defizite aktueller Anarchietheorien benennt.

Aus einem Flugblatt der Jungen Linken (mit Kommentierungen)
Dafür, daß es AnarchistInnen um Herrschaftslosigkeit geht, ist ihre Theorie, was Herrschaft ist, oft erstaunlich schlicht. Herrschaft wird zumeist als reiner Zwangszusammenhang mißverstanden, d.h. die mittels eines Gewaltapparats aufrechterhaltene Diktatur einer Minderheit über die Mehrheit. Die Beherrschten kommen bei dieser Betrachtung ziemlich gut weg: Wie sie die Herrschaft reproduzieren durch ihr Verhalten, wie sie sich in den Verhältnissen einrichten, welchen - wirklichen oder vermeintlichen, relativen oder absoluten - Vorteil sie davon haben könnten, taucht in der üblichen Betrachtung erst gar nicht auf. Das unverrückbar gute Urteil über "das Volk", die "Massen", "die Arbeiterklasse", "die kleinen Leute", die "Normalbürger" wird besonders dann komisch, wenn der Faschismus erklärt werden soll - der scheint ganz ohne Bevölkerung zustande gekommen zu sein, die ja auch "nur" mitgemacht hat. Die Untertanen tauchen ausschließlich als Opfer staatlicher Gewalt auf. Der kumpelhafte Schulterschluß mit den kleinen Leuten hat eine lange schlechte Tradition in der Linken. Die unbedingte Parteinahme für die Opfer, die zu besseren Menschen stilisiert werden (und wehe sie entpuppen sich nicht als die edlen Unterdrückten!), wird anders fortgesetzt, spätestens seit die rassistische Pogromwelle 1991/93 Mob klargemacht hat, daß es sich bei den meisten deutschen Untertanen wohl kaum verhinderte Revolutionäre handelt. ...
Vor allem Autonome, aber auch Öko- und Eso-AnarchistInnen haben statt dessen die ländliche Idylle vor sich hinkrebsender Dorfgemeinschaften mit Subsistenzwirtschaft vor Augen. Im Hier und Jetzt ist darum revolutionäre Askese, hart aber herzlich, arm, aber anständig usw. angesagt - das allerdings ganz lustvoll, bunt und wild!


Sinnvolle Kritik, aber absurd verallgemeinert ..., denn erstens gibt es z.B. auch und gerade aus herrschaftskritischen Kreisen eine intensive Kritik an Volk und Kollektivität, zum anderen sind gerade marxistische Strömungen oft auf intensive Kollektivität aus - von Arbeiterklasse bis zur Definition echter Demokratie als Volks-Demokratie (also Doppel-Volks-Herrschaft). Die Junge Linke, Urheberin des obigen Textes, verweigerte konsequenterweise jegliche Diskussion mit herrschaftskritischen Leuten, die gerade deshalb auch Kritik an Volk und Kollektivität formulieren. AnarchistInnen mit Sinn für Theorie gibt es zwar bedauerlich wenig, aber diese durften zu den Anti-Anarchie-Seminaren der jungen Linken nicht kommen. So ließ sich dann in Ruhe gegen das aus selbstgeschaffenen Klischees und zutreffender Kritik an der Praxis des Anarchismus konstruierte Feindbild wettern.

Im Original: Anarchiekritik aus der jungen Linken
Zum Staat
Den Staat abschaffen, wollen AnarchistInnen in der Regel - aber erklären können sie ihn nicht. Hat der traditionelle Anarchismus ihn entweder als fiese Idee von herrschsüchtigen Finsterlingen oder als notwendiges Durchgangsstadium zur freien Entwicklung der Menschheit, das jetzt nicht mehr benötigt wird, begriffen, teilen die meisten AnarchistInnen heute die vulgärmarxistische Ansicht, der Staat sei das reine Werkzeug der Kapitals. Die langweilige Debatte, ob der Kapitalismus den Staat oder der Staat den Kapitalismus hervorbringt, ob erst die Herrschaft und dann der Reichtum oder umgekehrt da war (möglichst noch "belegt" mit Robinsonaden aus der Altsteinzeit oder Stämmen in Neu-Guinea), kann immer nur falsch ausgehen und ist es dann auch. Warum der Ausgang dieser Debatte irgendeinen Aufschluß darüber geben kann, ob der Staat abgeschafft werden sollte oder nicht, ist nicht so richtig nachvollziehbar.
Wer die" Gesellschaft" (die ja echt klasse sein muß), vom Staat "befreien" will, der hat das Verhältnis Staat-Gesellschaft nicht begriffen. Daß AnarchistInnen zudem oftmals politische Kämpfe als eine Art brutal ausgetragenen Ideenwettbewerb zur Lösung allgemein menschlicher Probleme halten - also nicht begreifen, daß der Kapitalismus zwar denen, die in ihm leben, jede Menge Probleme macht, damit aber gerade keine hat - teilen sie mit einer Vielzahl von Abteilungen bürgerlicher und sozialistischer" Politik.
Die bürgerliche Gesellschaft braucht den Staat als einen ihr gegenüberstehenden, scheinbar unabhängigen Gewaltapparat, weil die allgemeine Konkurrenz ohne einen Staat, der sie begrenzt, in der Tat zu Mord und Totschlag und zur letztendlichen Aufhebung der Konkurrenz führen würde. Diese Konkurrenz richtet der Staat aber eben nicht nur ein, sie bringt ihn als gesellschaftliches Bedürfnis auch hervor. Das Geschäft läuft nur, weil die Gewalt sich nicht unmittelbar von ihm abhängig macht - und dennoch ist der Staat gerade dazu da, daß der Kapitalismus funktioniert. Die Ableitung des Staates aus der politischen Ökonomie, besagt aber gerade nicht, daß der Staat ein Instrument ist, das mensch doch auch für die guten und schönen Dinge (Sozialismus und so) benutzen kann. Im Gegenteil.
Nicht nur "die Gesellschaft“, sondern auch "der Mensch" erfreuen sich ziemlicher Beliebtheit bei AnarchistInnen. Genau wie jeder Staatstheoretiker den Staat "dem Menschen" abgelauscht haben will, wissen auch AnarchistInnen oftmals wie „der Mensch" eigentlich ist. Im theologischen Streit, ob "der Mensch" gut oder böse ist, ergreifen sie für ersteres Partei: Herrschaft ist der Sündenfall, die Revolution ist die Erlösung , Kapital und Staat versauen im Moment die Menschennatur, die mit allerlei Menschenrechten ausgestattet ist, welche aber blödsinnigerweise durch den Staat - der sie gewährt! -permanent verletzt werden. Bei soviel Unterdrückung der Menschennatur ist auch klar, daß die Unterdrückung der Natur überhaupt, in der eigentlich freiwillige Kooperation und Solidarität vorherrschen, ein recht böses Unterfangen ist (Kropotkins "Gegenseitige Hilfe...", Veganismus, Tierrechte).
Daß es die Menschennatur gar nicht gibt, sondern die jeweiligen Menschen nur das Ensemble ihrer jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnisse sind, daß das Leben und Denken der Altsteinzeit wirklich keine Erklärung für heute ist und die Menschengattung eine leere Abstraktion ist, die nichts erklärt - daß alles wissen AnarchistInnen in der Regel nicht. (Kein Wunder, daß sich viele AnarchistInnen positiv auf den anthropologischen Unfug, den Marx in seinen Frühschriften abgelassen hat, beziehen.) Darum auch die Begeisterung für "Völker ohne Regierung", die beweisen sollen, daß es auch ohne Staat geht.
Die Idealisierung vorstaatlicher (und vorkapitalistischer) Zustände ist ein romantischer Antikapitalismus. Als Idealbild taucht ein Mittelalter ohne Pest, Hungersnöte, Adelsherrschaft und Hexenverfolgung auf, mit ganz viel heimeliger Gemeinschaft ohne Herrschaft in überschaubaren dezentralen Einheiten. Bis dahin werden Stammesgesellschaften kräftig idealisiert, "natürliche" und "authentische" Lebensweisen gegen den Coca-Cola-Imperialismus verteidigt, über den bösen Individualismus hierzulande geschimpft und technischer Fortschritt und moderne Naturbeherrschung per se als Teufelszeug gebrandmarkt - auch von denen, die ganz schön viel von Selbstbestimmung und freier Entfaltung halten.
Der Begriff des Anarchismus und seine Stellung zur politischen Theorie muß, aus dem Verhältnis von Staat, Staatsbürger und Privatsubjekt entwickelt werden. Der Staat ermöglicht die Konkurrenz aller gegen alle, die er den Leuten aufherrscht, indem er sie begrenzt. Für ihren Erfolg in der Konkurrenz, auf den sie verpflichtet werden, brauchen die Mitglieder der bürgerlichen Gesellschaft den Staat, der ihren Erfolg beeinträchtigt (Steuern) und sie in der Wahl ihrer Mittel beschränkt (Verbote), der ihr Mittel und zugleich ihre Schranke ist. Das Gelingen dieser Konkurrenz im Inneren ist Voraussetzung für den Erfolg nach außen in der Staatenkonkurrenz, und zwar sowohl der einzelnen Unternehmen, als auch des Staates überhaupt. Dessen Erfolg wiederum ist auch eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg der Unternehmen in seinem Land.
Über dieses konfliktorische Verhältnis machen sich die politischen Theorien ihre Gedanken - mit dem Ziel des Bestehens in der Staatenkonkurrenz. Der Liberalismus vertritt die Sorge um eine zu große Belastung der Privatsubjekte durch die staatlichen Garantieleistungen der Konkurrenz; der Konservatismus die umgekehrte Befürchtung, ein zuviel an Freiheit und zuwenig an staatlichen Garantien (u.a. "bewährter", traditioneller Voraussetzungen, die nicht Gegenstand der Konkurrenz werden sollen: Ehe, Familie, Religion) zerstöre die Gesellschaft. Die Sozialdemokratie ist der angemeldete organisierte Anspruch, die Voraussetzungen der kapitalistischen Konkurrenz - zu denen eine funktionierende Arbeiterklasse gehört - gegen die Interessen des Kapitals zu schützen und die Opfer des Normalbetriebs als mögliche Voraussetzungen zu erhalten. Der Faschismus dagegen stellt sich auf den Standpunkt der Bewährung der Nation in der Staatenkonkurrenz, und fordert die Unterordnung aller Privatinteressen unter den Staat, das Aufgehen des Privatsubjekts in den Staatsbürger.
Der Anarchismus ist genau das Gegenteil: Im Namen des Privatsubjekts bekämpft er die Gewalt, die dem angetan wird und verlangt die Abschaffung des Staates und des Staatsbürgers. Deswegen ist der Anarchismus ursprünglich auch nichts anderes als radikalisierter Liberalismus (Godwin, Stirner, Mackay, mit Abstrichen Proudhon).


Auch wenn viele anarchistische Strömungen und Kulturen wissens- und theoriefeindlich sind: Es gibt sowohl die von der jungen Linken als fehlend bezeichnete Kritik am Staat mit Analyse seiner Rolle in der Gesellschaft wie auch eine anarchistische Theorie zu guten und bösen Menschen. Sie nicht wahrzunehmen, vereinfacht auch hier das Feindbild. Es geht nicht um Aufklärung und die notwendige Kritik an den Leerstellen vieler AnarchistInnen, sondern um die Konstruktion einer Figur, die als das Andere und Schlechte der Konstruktion und Legitimation des Eigenen und Guten dient - einschließlich der Erzeugung des Kollektivs durch Distanzierung vom abweichenden Außen.

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