Abwehr der Ordnung

TIPPS ZUR NATURBEOBACHTUNG

Die verschiedenen Lebensräume


1. Die Ostsee
2. Die verschiedenen Lebensräume
5. Literatur

Die Besiedelung des Meeresbodens hängt vom Licht und der Art des Bodens ab. Ist nur loser Sand vorhanden, können im oberen Bereich, wo noch viel Licht vorhanden ist, die einzigen Blütenpflanzen welche sich bei uns an das Leben im Meer angepaßt haben, die Seegrasarten Zosterea marina und Zosterea nana, fast reine Bestände bilden, sogenannte Seegraswiesen.
Da Algen, im Gegensatz zu sogenannten "höheren Pflanzen", kein echtes Wurzelsystem ausbilden, können sie sich nur auf festem Substrat anheften. Das heißt, sie wachsen nur auf Felsen, menschlichen Bauwerken, wie Molen oder Wracks oder auf großen Steinen. Diese sind an vielen Stellen in der Ost see von den Gletschern abgelagert worden.
Die "Warnung 1", die in alle Seekarten der Ostsee eingetragen ist, stimmt den Algensucher hoffnungsvoll: Im gesamten Seegebiet liegen zahlreiche große Steine, die besonders in Flachwassergebieten für die Küsten- und, Sportschiffahrt gefährlich werden können."
Die Algenzonierung hängt also wesentlich vom Substrat ab. Man kann aber vier "Grundgesellschaften", nach den auffälligsten Pflanzengruppen benannte Tiefenzonen, der westlichen Ostsee aufstellen, wenn man sich darüber klar ist, daß es viele Übergänge und Vermischungen gibt. Eine fünfte, als "Weichboden" bezeichnete Zone, beherbergt keine Pflanzen.

  • Zone 1:
    Die Seegraszone, die bis. in ca. 3 m Tiefe reicht, die normale Badezone also. Sie bildet eine Wald aus See gras, auf deren Blättern viele kleine Aufwuchsalgen wachsen und von einer großen Zahl von kleinen Krebsen, Jungfischen u.a. abgefressen werden. Sie ist die produktivste Zone und hat daher für das ganze ökosystem größere Auswirkungen als man von ihrer geringen Ausdehnung annehmen könnte.
  • Zone 2:
    Parallel kommt auf steinigerem Substrat die Grünalgenzone zur Ausprägung. Hier dominieren Algen der systematischen Gruppe Chlorophyta (Grünalgen).
  • Zone 3:
    In der Braunalgenzone überwiegen die Braunalgen (Phaeophyceae), die mit einem anderen Farbstoffarsenal besser an die anderen Lichtverhältnisse angepaßt sind.
  • Zone 4:
    Mit dem geringen Restlicht in den größeren Tiefen können nur noch die Rotalgen (Rhodophyta) etwas anfangen, nach denen dann diese Zone benannt ist.
  • Zone 5:
    Weil es in der Ostsee keine starken Meeresströmungen gibt, sammelt sich in den tieferen Stellen Schlick an auf dem sich keine Algen halten können. Diese Bereiche werden als Weichböden bezeichnet. Sie sind am meisten von der Sauerstoffarmut betroffen, die unten noch besprochen wird.

Jede Zone hat ihre ganz eigene Tierwelt; besonders reichhaltig ist erstaunlicherweise die Rotalgenzone.

Abb.3: Caprella Linearis, Weibchen (Gespensterkrebs)


Ein interessantes Phänomen ist der zeitweise Sauerstoffmangel im tiefen Wasser. Salzarmes Wasser ist spezifisch leichter als salzreiches und so bildet sich eine deutliche Grenze zwischen obenliegendem, ausströmendem Ostseewasser und untergeschichtetem, einströmen, dem Kattegattwasser. In den großen, sehr tiefen Becken der Ostsee wird nur in selten Ausnahmefällen das Tiefenwasser einmal mit neuem Kattegattwasser aufgefrischt. In diesen Tiefen wird die Schicht praktisch nie durch Turbulenzen durchbrochen. Da dort we gen Lichtmangel keine sauerstoffproduzierenden Pflanzen leben können und frisches Wasser selten den Sauerstoffvorrat ergänzt, haben wir hier also natürlicherweise ein sauerstoffloses Ökosytem in der tiefen Ostsee.
Im Schwarzen Meer sind diese Zonen noch erheblich größer und man vermutet, daß in solchen Gebieten sich vor 200-280 Millionen Jahren das Erdöl und Erdgas gebildet hat, das wir derzeit in wenigen Jahrzehnten verbrennen, um den Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre wirksam zu steigern. Genaueres zu dieser Schichtung steht auch wieder in "Leben und Tod in der Ostsee"
Die Flensburger Förde ist ein kleines Modell der Ostsee: Sie besteht wie diese aus einer Reihe von tieferen Becken, die durch Schwellen getrennt sind.
Auch in der Flensburger Förde gibt es eine Salzgehaltssprungschicht, die das Tiefenwasser vom Oberflächenwasser trennt. Im Sommer wird diese Schichtung noch durch eine Temperaturschichtung verstärkt. Wenn sie sich im Herbst auflöst, können die Stürme des Winterhalbjahres das ganze Fördenwasser vermischen. Im Winterhalbjahr ist überall Sauerstoff vorhanden, der in der Tiefe im Sommerhalbjahr verbraucht wird und ab Herbst wieder ergänzt wird. Es wird wohl auch früher stellenweise kleine sauerstofffreie Gebiete in der Tiefe gegeben haben, heute wird jedoch regelmäßig ein großes Areal sauerstofffrei und ein Massensterben der Bodentiere findet statt. Diese Situation ist eindeutig auf die Wasserverschmutzung , vor allem durch die Städte Flensburg und Sönderborg (eigentlich ohne ö, dafür mit diagonal durchgesrichenem o, aber auch durch die, deutschen und dänischen Dörfer und Intensivlandwirte, zurückzuführen.
In den Jahren 1978 bis 1984 hat Dr. Valentin von der Universität Kiel getaucht und die Entwicklung beobachtet. Die Situation hat sich rapide verschlechtert. Am Beispiel einer Untersuchungsstation sei es einmal dargestellt. Diese Station ist sicherlich repräsentativ für die Innenförde (Flensburg-Holnis). Die sauerstofffreie Todeszone steigt im Sommer immer höher herauf (siehe Tab.1).



Tab.1: Entwicklung der Makrofauna an Station Sandager / Holnis (nach Dr. VALENTIN)
15m Tiefe12m Tiefe9m Tiefe
 


Fauna Lebt
1972/73
1978
1979

Fauna abgestorben
1980
1981
1982

H2S-Bildung
1983
1984

Karte derProbestelleAbb.4: Karte der Probestelle, Ausschnitt aus Abb.1

Unsere ursprüngliche Absicht war es, diese Todeszonen aufzuspüren. Zur Verfügung stand uns eine Segeljolle und ein stabiles Zugnetz, eine Dredge, die uns Prof. Flügel vom Institut für Meereskunde (Kiel) dankenswerterweise lieh.
Leider stellte sich heraus, daß ein Segelboot nicht geeignet ist, innerhalb eines kurzen Zeitraumes ein großes Gebiet zu untersuchen. In der ersten Woche war der Wind zu stark, um mit dem Boot zu arbeiten. In der Zweiten Woche war er meist zu schwach, um schnell. genug weitere Strecken zurückzulegen.
Wir mußten uns also darauf beschränken, an einigen Stellen mit der Dredge Proben zu nehmen, in der Hoffnung, verschiedene Lebensgemeinschaften zu finden.
An den dar gestellten vier Probestellen haben wir verhältnismäßig güte Proben gezogen. Deshalb seien sie hier wiedergegeben. Die Artenspektren sind sehr unterschiedlich, aber man erkennt doch schon die Unterschiede:
Die Lage der Probestellen in der Flensburger Förde ist in Abb. 4 dargestellt. Die Fangergebnisse sind in Tab.2 zusammengestellt



Tab.2: Dredgenfänge in den verschiedenen Wassertiefen
Probestelle1234
Wassertiefe2-3m6m8-l0mll-15m
Art:    deutsche Bez.:
Zosteres spec.+   Seegras
Corophium volutator+   Schlick-Krebs
Idothea balthica+   Klippenauel
Littorina littorea+   Strandachnecke
Gasterosteus aculeatus+   Stichling
Carcinus maenas+   Strandkrabbe
Gammarus salinus+++ Flohkrebs
Dendrodoa grossularia+++ Rotalge
Molgula citrina++++Seescheide
Asterias rubens++++Seestern
Mytilus edulis++++Miesmuschel
Halichondris persica +  Schwamm
Zoarces eivipara +  Aalquappe
Macoma balthica ++ Pfeffermuschel
Lepidonotus sqamatus ++ Vielborster-Wurm
Metridium senile +++Seeanemone
Musculus niger  + Muschel
Pherusa plumosa  + Vielborster-Wurm
Terebellidesströmi  + Vielborster-Wurm
Sasicava arctica  + Muschel
Mya truncata  + Muschel
Diastylis rathkei    Krebs
Styela coriacea  + Seescheide
Arctica islandica  + Muschel
Caprella linearis  + Krebs
Pectinaria coreni  + Vielborster-Wurm
Cardium edule  + Herzmuschel
Astarte elliptica  ++Muschel
Astarte borealis  ++Muschel
Mysidaceae  ++Krebs
Polydora ciliata   +Vielborster-Wurm

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