Abwehr der Ordnung

VERKEHRSWENDE IM VOGELSBERGKREIS

Danni bleibt - das Kampf für Wald und Verkehrswende


1. Übersicht
2. Noch mehr Autobahn? A49-Weiterbau von Schwalmstadt zur A5
3. Was zerstört würde: Eindrücke rund um die geplante A49-Trasse
4. Danni bleibt - das Kampf für Wald und Verkehrswende
5. Danni bleibt - der Krampf ums Versammlungsrecht
6. Straßen säen, Verkehr ernten - Betonpolitik geht weiter!
7. Bahn und Bus rund um Alsfeld und Lauterbach
8. Per Fahrrad im Vogelsberg

Eine Autobahn bauen, weil es zuviel Autoverkehr gibt, ist wie das Aufdrehen eines Wasserhahn, weil der tropft.


Noch mehr Autobahn: Nördlich und südlich Stadtallendorf soll weiter gebuddelt, gesägt, gepumpt, asphaltiert und zerstört werden - die A49, parallel zur A5 gebaute Autobahn von Kassel Richtung Süden frisst sich durch Äcker, Wiesen und Wälder, durch Natur- und Wasserschutzgebiete, vorbei an Dörfern und kleinen Städten.
Ein intensiver Film über Motive, Gedanken, Hoffnungen und Träume einiger Akteuris aus dem Kampf um den Dannenröder Forst ++ Film zur Waldbesetzung ++ HR2-Feature ++ Hirnstupser mit Statements:

Allgemeine Infos zum Protest

Materialien zum Download, Verteilen, Aufhängen ...

Wenn der letzte Baum gefallen ist ...
Das war am 8.12.2020 der Fall. Doch noch ist die Trasse "nur" eine Mondlandschaft nach mehreren Wochen Kettensägemassaker. Solange kein Beton die Erde bedeckt. Lohnt sich der weitere Widerstand. Außerdem geht es im mehr als den Danni. Es geht um den Autoausstieg!

Wie weiter?

SAT.1 am 20.3.2021 "Zu Besuch im Dannenröder Forst: Bilanz der Baumbesetzer:innen?"
SWR-Film über den Kampf um den Danni

Über Befürwortis und Gegnis der A49
Aus "Streit um Autobahn spaltet die Generationen", in: FR, 9.12.2020
Die Schneise durch den Dannenröder Forst ist geschlagen, um eine Autobahn hindurch bauen zu können. Am Dienstag wurde die Rodung in Mittelhessen beendet, doch der Meinungsstreit darüber geht weiter. Dabei haben Jüngere und Ältere sehr unterschiedliche Ansichten, ob der Wald für die Verlängerung der A 49 fallen durfte.
Das geht aus dem aktuellen „Hessentrend“ hervor, der am Mittwoch veröffentlicht wurde. Die Umfrage unter 1003 Hessinnen und Hessen, die repräsentativ ist, wurde von Infratest dimap für den Hessischen Rundfunk erstellt.
Danach hält es eine deutliche Mehrheit der 18- bis 39-Jährigen für falsch, dass die Bäume für den Straßenbau gefällt wurden. 56 Prozent dieser jüngeren Erwachsenen vertreten diese Meinung, 38 Prozent befürworten die Rodung.
Bei den Älteren ist es umgekehrt. Menschen über 40 Jahren erachten das Fällen der Bäume für den Straßenbau zu 58 Prozent für richtig. Da die Älteren in der Überzahl sind, dominieren in der gesamten Bevölkerung die Befürworter:innen des Autobahnbaus mit 53 zu 39 Prozent. Die Planung der Autobahn hatte vor weit mehr als 40 Jahren begonnen.
Deutliche Unterschiede in der Bewertung gibt es auch zwischen Frauen und Männern. Unter den Männern sind die Befürworter der Rodung mit 62 Prozent klar in der Mehrheit, bei den Frauen stehen dagegen nur 44 Prozent dahinter.

Räumungen, Rodungen und Aktionen ab 1.10.2020
Seit dem 1.10.2020 werden auch großflächig Bäume gefällt und Baumhäuser, Tripods sowie Barrikaden geräumt. Aber Tausende Menschen wollen sich mit ihrem Körper, ihrer Stimme oder kreativen Einzelaktionen dem Autowahn entgegenstellen.

Kurz vor der Rodungssaison

Das erste Jahr (2019/20)
Ausgewählte Presseberichte (Sammlung aller Pressetexte)

Rodung wurde für die Wintersaison 2019/20 gestoppt!
Die Oberhessische Presse schreibt am 11.10.2019: "Alle Baumfällungen an der A-49-Trasse sind auf den Zeitraum 2020/2021 verschoben." ++ Presseerklärung des Staatsunternehmens Deges ++ Ähnlich auf RadioFFH ++ Reaktion aus dem Bündnis "Keine A49"

Lageplan der Trasse, der Mahnwache (rot) und des ersten der ehemaligen Baumhausdörfer (schwarzer Kreis). Weitere Baumhäuser lagen entlang der gesamten Trasse ++ Weg dorthin über Waldwege ab Sportplatz Dannenrod oder B62 ++ nächste Bahnhöfe: Stadtallendorf und Burg-/Nieder-Gemünden ++ Rund um die Uhr: Infopoint nahe Sportplatz Dannenrod

Eindrücke und Statements zum Widerstand
Dannenröder Wald - Film von Susanne Fasbender & brandfilme ++ Kurzer Film aus Marburg (unten)
Dokus: Film auf Osthessen-News am 22.7.2020 ++ Schönes Interview zur Waldbesetzung
HR extra zum Protest am 1.10.2020 ++ Kampf um den Wald (Max Cameo)


Wie weiter?
Der Asphalt und die Blume
Es ist traurig, aber wir kommen nicht drum herum. Auch wenn der der Kampf um den Dannenröder Wald noch läuft und wichtig bleibt bis zum letzten Baum, rollt die mit riesigem Einsatz von Mensch und Maschine vorangetriebene Rodungswalze unaufhaltsam voran. Das Ende rückt leider doch in Reichweite. Daher beginnt der Hirnstupser, die Frage zu stellen: Wie geht es weiter? Diese neunte Folge ist dafür erst der Anfang und soll ein Symbol setzen - eine Blume, die zum Vorbild werden könnte. Schaut es Euch an ... die Sequenz mit der Blume gibt es auch als alleinstehenden Clip unter projektwerkstatt.de/media/video/filme_loewenzahn.mp4.

Der Text, der während der Musik eingeblendet wird (im Audio nicht zu hören):
Der Löwenzahn durchbricht den Asphalt – kraftvoll.
Erst klein, aber dann entfaltet er sich im grauen Einerlei.
Er wächst, sammelt Kraft und blüht auf als große Blume.
Bevor er vergeht, vervielfacht er sich und verstreut sich in alle Richtungen.
Jedes ausgesendete Teil enthält das Wissen, wie der Asphalt bricht.
So werden überall neue Blumen wachsen und das Grau überwuchern.
Es entstehen blühende Wiesen statt dem Grau der Pisten.
Und jedes Mal senden sie ihr Wissen hinaus an andere Orte, zu anderen Themen.
Das ist der Wandel, die Transformation, die Revolution.

Verkehrswendeaktionen überall
Schnell den zweiten Beitrag zur Frage "Wie weiter?" hinterher - als zehnte Folge des Hirnstupser spezial, der den Kampf gegen Rodungen und Räumungen auf der A49 jetzt etliche Wochen begleitet hat. Dieser Teil der Auseinandersetzung erreicht nun den bedauerlichen Schlusspunkt - und er war wichtig und wirksam. Denn durch den Widerstand in Herri, Danni und Mauli, die vielen Aktionen drumherum und immer mehr Aktionen auch überregional ist nicht nur das Thema Verkehrswende und Klimaschutz stärker thematisiert sowie der Handlungsunwillen regierender Politik offensichtlicher gemacht worden, sondern hoffentlich auch der Ausgangspunkt für den Kampf um die Verkehrswende überall entstanden. Der Hambi führte zu Aktionen in Kohlegruben, an Kraftwerken usw. Von einzelnen Genpflanzenfeldern sprang der Protest vor 15 Jahren auf viele über. Am Ende stand die Veränderung im Großen. Der Autoausstieg ist das bisher dickste Brett. Aber wir haben jetzt viel geübt - wagen wir uns daran! Jeder Baum, der gefallen ist, will gerächt werden.
Der erste zum "Wie weiter?" auf youtu.be/utHN6pZWpqA.


Protest-Kultur
Auch der Protest selbst schafft Symbole des Nachdenkens. Die folgenden Bilder stammen aus der Waldbesetzung, von der Mahnwache am Ort Dannenrod und aus dem Wald.






Verfassungsschmutz statt Klimaschutz
Sowohl im Bundes- als auch im hessischen Verfassungsschutzbericht nimmt die Waldbesetzung viel Raum ein. Bäume und Klima zu schützen, scheint den Staat zu gefährden (was bei genauem Hinsehen und der Verquickung zwischen demokratischem Rechtsstaat und kapitalistischer Wirtschaftsweise auch gar nicht so unpassend wäre!).

Im Verfassungsschutzbericht des Bundes für das Jahr 2020 heißt es auf Seite 143:
Rund um den Beginn der Rodungsarbeiten am 1. Oktober 2020 häuften sich dann Straftaten und „militante Aktionen“. Während der Räumung der Barrikaden, Baum- und Bodenstrukturen sowie der Auflösung der Besetzerszene im Wald kam es immer wieder zu gewaltsamen Angriffen auf die Arbeiter und die eingesetzten Polizeikräfte. Diese wurden regelmäßig mit Pyrotechnik und verschiedenen Geschossen attackiert. Im Wald wurden Depots mit Zwillen, Stahlkugeln und Pyrotechnik gefunden sowie zahlreiche Fallen entdeckt. Neben zunächst kaum sichtbaren Stahlseilen, die zum Beispiel auf Körperhöhe der berittenen Polizei über die Wege gespannt waren, wurden auch nach oben gerichtete Stahlspitzen im Boden vergraben. Hinzu kamen Sabotageakte und Brandstiftungen an Baumaschinen, gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr durch das Besetzen von Autobahnbrücken und Sachbeschädigungen am Eigentum Unbeteiligter.

Im Verfassungsschutzbericht des Landes Hessen für das Jahr 2020 heißt es auf den Seiten 152 f. auszugsweise:
Einen Höhepunkt erreichte die Militanz im November, als sich innerhalb von zwei Wochen vier Brandanschläge gegen Baufahrzeuge und Unternehmen ereigneten. Zu allen Taten erschienen Selbstbezichtigungsschreiben auf de.indymedia.org, in denen die Taten jeweils als Gegenwehr zu den polizeilichen Maßnahmen im Dannenröder Wald dargestellt wurden. […] Dies führt oftmals dazu, dass der gefundene Konsens von Aktionsbündnissen Spielraum sowohl für friedliche Proteste, aber auch (unfriedliche) Aktionen zivilen Ungehorsams bis hin zu Straf- und Gewalttaten zulässt. Dies zeigt sich beispielhaft anhand der folgenden Aussage einer Sprecherin der Waldbesetzer: „Auf Aktionen autonomer Gruppen, die ihrer Wut Ausdruck verleihen, haben wir keinen Einfluss. Daher haben wir dazu als Waldbesetzung keinen Kommentar“. Eine Zurückweisung, mindestens Distanzierung von Extremisten, auch gewaltbereiten, findet nicht statt. Insgesamt ist zu konstatieren, dass die Proteste im Dannenröder Wald überwiegend friedlich verliefen, sie aber von einigen schweren Straftaten überschattet wurden.

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