Verkehrswende

MOBIL IN MITTELHESSEN???

Verkehrswendeplan für das Lumdatal: Fahrradstraßen, Bahnhaltepunkte, autofreie Ortsmitte


1. Lumdatal: Reaktivierung der Bahn, Buslinien, Radverbindungen
2. Reaktivierung der Lumdatalbahn und Buszubringer
3. Verkehrswendeplan für das Lumdatal: Fahrradstraßen, Bahnhaltepunkte, autofreie Ortsmitte
4. Aktionen im Lumdatal

Das Lumdatal ist der ländlichste Raum im Kreis Gießen. Die Ortschaften sind klein und die Entfernungen zwischen ihnen größer als in direkter Nachbarschaft zur Stadt Gießen. Hinzu kommen deutliche Steigungen, wenn mensch aus dem Lumdatal heraus zu den Dörfern am Hang oder auf den Höhenzügen fahren will. Das Fahrrad bleibt wichtig, verliert aber in solchen Gegenden an Bedeutung, daher muss der ÖPNV besonders gestärkt werden.

Umfassender Verkehrswendeplan für das Lumdatal
Es gibt einen ersten Entwurf, auf dem die vorgeschlagenen Fahrradstraßen und -verbindungen, verkehrsberuhigte und autofreie Zonen sowie die Reaktivierung der Lumdatalbahn mitsamt den vorgeschlagenen Haltestellen und einem zusätzlichen Haltepunkt an der Main-Weser-Bahn eingetragen sind. Dieser Entwurf soll nun im Gelände überprüft und möglichst mit vielen diskutiert werden. Dabei geht es nicht um politische Durchsetzbarkeit, sondern um die Alltagserfahrungen und Wünsche derer, die ohne Auto unterwegs sind oder es sein wollen.

Verkehrswendeplanes Lumdatal (größer durch Draufklicken ++ noch größer ++ als PDF mit Text)
Ausschnitt für das mittlere Lumdatal (Allendorf bis Odenhausen) ++ Ost (Rabenau)

Die Legende zum Plan:

Kernstück: Lumdatalbahn
Das Lumdatal ist mit den Lollarer Ortsteilen ca. 21 km lang. Busse werden bei solch langen Strecken unattraktiv. Daher muss die Lumdatalbahn schnellstmöglich reaktiviert werden. Sie bildet das Rückgrat eines guten ÖPNV. Von den Haltestellen können und sollen dann Busse zu den Dörfern, zu Läden, Schulen usw. fahren.
In einem ersten Schritt soll die Bahn mit den im Reaktivierungsplan vorgeschlagenen Haltestellen in Betrieb gehen. Nach zusätzlicher Schaffung eines zweigleisigen Abschnitts im Mittelbereich der Strecke sollten weitere Haltestellen z.B. im Bereich der Londorfer Einkaufszentren und als Verlängerung auf dem vorhandenen Bahndamm bis an den Ortsrand von Kesselbach hinzugefügt werden. Dann wäre auch ein dichterer Takt möglich.

Verkehrswendeplan-Ausschnitt (gedreht) der Lumdatalbahn vom Bahnhof Lollar bis Kesselbach

Buszubringer in alle Stadt- und Ortsteile
Busse sollen nicht bahnparallel in die großen Städte fahren, sondern die Ortsteile miteinander und an Schulen, Einkaufszentren, Verwaltung und Bahnhöfe anschließen. Wir schlagen vor, dass Busse im Lumdatal in zwei bis drei Schleifen von den Bahnhaltepunkten an Main-Weser- und Lumdatalbahn mit Haltepunkten in allen Orten beidseits der Täler fahren und diese in einem dichten Takte an die genannten Ziele anbinden – mit passenden Umstiegszeiten an den Bahnhöfen. Wichtig wäre zudem eine überregionale Buslinie von Marburg durch den Ebsdorfergrund zum Bahnhof Londorf und dann weiter über Odenhausen und Geilshausen nach Grünberg.

Fahrradachsen ohne Autos
Die meisten Straßen sind zu eng, um Fahrräder StVO-konform und sicher zu überholen. Die Lösung liegt in der Trennung von Fahrrad und Auto. Dazu müssen innerorts Flächen umverteilt und zwischen den Orten passende Wegeverbindungen festgelegt und zum Teil aufgebessert bzw. ergänzt werden. Im Verkehrswendeplan ist ein kompletter Vorschlag für ein Netz aus Fahrradachsen enthalten. Innerhalb der Orte sind diese als Fahrradstraßen mit maximal "Anlieger frei" auszuweisen. Außerorts braucht es ein paar Lückenschlüsse, die aber gut mit der Reaktivierung der Lumdatalbahn kombiniert werden können.
So ergeben sich nicht nur sichere und schnelle Zuwege zu Schulen, Kindergärten, Läden und Haltestellen, sondern auch ein schneller, durchgehender Radweg durch das Lumdatal. Die jetzige Verbindung ist lückenhaft oder teilweise so umständlich, dass sie als Alltagsverbindung nicht in Frage kommt.

Besonders markiert: Die durchgehende Achse einer Lumdatal-Fahrradverbindung

Es gibt zudem mehrere Straßen, die so schmal sind, dass Autos die Fahrräder nicht überholen dürfen, da das bei zwei Meter Mindestabstand (laut StVO) nicht mehr passt. Diese sollten überall, wo sie wichtige Verbindungen darstellen, in Fahrradstraßen gewandelt werden - und zwar nur mit "Anlieger frei", weil das keinen Sinn macht, wenn ständig Autos minutenlang hinter einem Fahrrad hertuckeln.

Flächendeckende Verkehrsberuhigung
Damit der Umstieg auf Fuß und Fahrrad überhaupt möglich ist, müssen die Autos Fläche abgeben und ihr Tempo reduzieren. Sonst ist ein sicheres Vorankommen auf andere Art unmöglich.
  • Wir fordern Tempo 30 innerorts – auf allen Straßen!
  • Eine besondere Idee sind „Shared spaces“ (siehe de.wikipedia.org/wiki/Shared_Space) , die wir für fast alle Orte im Lumdatal jeweils dort vorschlagen, wo wichtige Fuß- und Radverbindungen auf die Hauptdurchgangsstraße treffen und daher besondere Konfliktsituationen bestehen. Da der Platz dort überall nicht ausreicht, um den Verkehr zu trennen, sollen diese Zonen so umgestaltet werden, dass sie eine hohe Aufenthaltsqualität haben (Pflasterung, Begrünungen, Bänke usw.). Alle Verkehrsteilnehmer*innen können sie ohne weitere Regelungen und in gegenseitigem Respekt benutzen. Als Tempo ist maximal 10 km/h zulässig, bauliche Elemente am Übergang zur Autostraße müssen den Verkehr dort wirksam abbremsen. Dadurch gibt es in jedem dieser Orte mindestens eine deutliche Sperre gegen schnelles Rasen durch den Ort.

Die Lumdatal-Verkehrsini stellte am 1.12.2022 die Idee der "Shared Spaces" der Presse vor (mit Ortstermin in Londorf, wo einer dieser verkehrsberuhigen Ortsmitten eingerichtet werden sollte).

Sichere Fußwege und Barrierefreiheit
Vielerorts sind Fußwege sehr schmal und nicht barrierefrei. Durch Tempo 30 kann die Fahrbahnbreite reduziert und so Raum für Fußgänger*innen gewonnen werden. Um Kindergärten, Grundschulen und andere sensible Zonen sollten autofreie Zonen ausgewiesen werden, damit Kinder eigenständig zu Fuß oder mit dem Rad dort hingelangen können. Alle wichtigen Ziele sowie Busse und Bahnen müssen barrierefrei erreichbar gemacht werden.

Politik der kurzen Wege
Die Verlagerung der Verkehrsmengen vom Auto auf Fußwege, Fahrräder, Busse und Bahnen ist nicht ausreichend. Wie bei der Energie- und Rohstofffrage ist "Mobilität sparen" eine weitere wichtige Forderung. Sie reicht vom Stopp allen weiteren Flächenverbrauchs z.B. für Supermärkte und anderen Handel außerhalb der Ortschaften über Initiativen für Läden, Kulturangebote, Gemeinschaftsräume auch und gerade in den kleinen Orten bis zu einer Veränderung der Zumutbarkeit langer Anfahrtswege für Jobs.

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