Organisierung

ORGANISIERUNG VON UNTEN

Gesellschaftliche Konstruktionen und Mechanismen des Sozialverhaltens wirken weiter


1. Einleitung und Thesen zu allen Bereichen
2. Gesamter Text "Organisierung ... WIE GEHT DENN DAS?
3. Grundsätze für eine "Organisierung von Unten"
4. Was funktioniert nicht, und warum funktioniert es nicht?
5. Gesellschaftliche Konstruktionen und Mechanismen des Sozialverhaltens wirken weiter
6. Eigene Ohnmacht gegenüber unendlichen Ressourcen von Staat und Gesellschaft; Irrelevanz und Marginalisierung der politischen Arbeit und ihrer AkteurInnen, der Individuen und ihrer freien Zusammenschlüsse überhaupt
7. Bedürfnis nach schnellen Erfolgen
8. Unwillen zu kontinuierlicher Arbeit
9. Geringe Handlungsmöglichkeiten durch Einbindung der AkteurInnen in gesellschaftliche Zwänge (Arbeit, Familie, Ausbildung usw.)
10. Fehlende Phantasie, Vorstellungskraft für Organisierung von unten und Alternative zu gesellschaftlichen Zwängen
11. Angst vor Vielfalt, Dynamik und produktivem Streit
12. Aktiv gegen Repression
13. Angst vor Vereinzelung, Eigenverantwortung, Eigeninitiative und Offenheit
14. Kommunikation
15. Abschließendes und konkrete Pläne zur Umsetzung
16. Viertes Treffen Organisierung von unten in Saasen
17. Debatte auf Hoppetosse-Mailingliste (Auszüge)

Viele Menschen werden in diesem System krasser unterdrückt als andere. Dazu gehören beispielsweise Frauen, Homosexuelle oder ethnische Minderheiten. Auch gehen alle Menschen anders mit ihrer Unterdrückungssituation um. Je nach Charakter und Sozialisation reagieren die Individuen unterschiedlich auf Bevormundung, Dominierung, Herumkommandierung, Bestrafung und ähnlichem. Derlei Dinge haben wir alle erfahren: in der Schule, im Elternhaus, in der Uni, in der Arbeit, auf dem Spielplatz und so weiter. Immer wieder wurde uns beigebracht, wir seien unmündig, manchen mehr, manchen weniger. Das typische Verhalten, das mensch benötigt, um sich "gegen andere durchsetzen" zu können und "im Kampf der Diskussion" zu bestehen, ist, ebenso wie diese Logik, ein patriachales Mackertum: Laute, am besten tiefe Stimme, "harte" Argumente, rhetorisch gute, grammatikalisch und anderweitig fehlerfreie, akzentfreie Sprache, Erniedrigung des Gegners, verbale Intrigen, bedrohliche Gestik und Gebärde.
Dadurch werden Menschen, die diese Mittel nicht beHERRschen oder als in der gesellschaftlichen Hierarchie tieferstehend sozialisiert sind, also gelernt haben, dass sie nichts zu sagen haben oder sich nichts sagen trauen, davon abgehalten, sich einzubringen, oder ihr Beitrag wird im Vergleich zu dem der dominierenden Personen nicht als gewichtig wahrgenommen, relativ unabhängig von der inhaltlichen Qualität.
Symptome sind die in den meisten Gruppen vorhandenen "SchweigerInnen" und VielrednerInnen", sowie die Tatsache, dass manche "alles" tun und andere gar nicht aktiv sind. Die resultierende Überlastung einiger und Passivität anderer führt zur (teilweisen) Handlungsunfähigkeit der Gruppe, vor allem verglichen zu dem Potential, dass in einer gleichberechtigten Aktivität aller entstehen würde.

a) Lösung von Oben:
  • Verregelung (z.B. Frauenquote).
  • Wenn in der Gruppe ein Bewusstsein für diese Problematik besteht, versucht sie, dem etwas entgegenzusetzen. Meist handelt es sich dabei um verbürokratisierte, formalisierte Regeln, beispielsweise Quoten für Frauen oder Minderheitengruppen bei der Besetzung von Ämtern und Posten.

b) Lösung von Unten:
  • Die Gruppe muss eine allgemeine Analyse von Herrschafts- und Diskriminierungsmechanismen vornehmen, permanent weiterentwickeln und zum festen Bestandteil der politischen Arbeit machen.
  • Um die gesellschaftlichen Konstruktionen abzubauen und die Handlungsfähigkeit zu steigern (siehe Text der Gruppe "HierarchNIE"), ist es hilfreich, sich kreative Gruppenmethoden anzueignen und diese anzuwenden und weiterzuentwickeln. Es handelt sich dabei wahrscheinlich um ein permanentes Experiment, in dem die Ergebnisse immer wieder überdacht und Methoden geändert werden müssen, damit eine für alle akzeptable, optimale Situation in der Gruppe entsteht. Das typischste Beispiel für so ein Problem ist wohl das Plenum, das immer wieder benutzt und immer wieder als unzureichend verteufelt wird, weil eben doch nicht alle sprechen, obwohl sie "eigentlich" könnten; und weil hier Mackertum sich am leichtesten durchsetzen kann.
  • Alternative Diskussions- und Entscheidungsfindungsmethoden sollten unbedingt ausprobiert werden.
  • Dieser interne Prozess von Veränderung muss mit einer nach außen gerichteten politischen Arbeit gegen soziale Konstruktionen verbunden sein. So kann in der Gesellschaft, oder zumindest im Umfeld ein Diskussions- und Denkprozess zu dieser Problematik angestoßen und alternativen zur Lösung aufgezeigt werden. Das ist auch deshalb wichtig, weil sonst die Gefahr besteht, dass die Gruppe sich komplett nach innen wendet und nur noch mit sich selbst beschäftigt. Die Folge: schleichende Entpolitisierung.
  • Der Austausch über diverse Methoden und Experimente mit anderen ist wichtig für die Weiterentwicklung.

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