Projektwerkstatt

ONLINE-PROTEST ALS SIMULATION: SURFEN, KLICKEN, SPENDEN, RUHIG BLEIBEN?

Bewegungsmanager meets Sesselpupser


1. Bewegungsmanager meets Sesselpupser
2. Beispiel Campact
3. .ausgestrahlt
4. Ende Gelände 2015
5. Weitere Beispiele
6. Dienstleister: Firmen machen Verbände
7. Links

Das Internet überrennt nicht nur viele gesellschaftliche Bereiche, vor allem übernimmt es mehr und mehr die Kommunikation zwischen Menschen - zusammen mit anderen digitalen Formen des Informations- oder Stimmungsaustausches. Die praktischen Folgen sind enorm: Immer seltenerr begegnen sich Menschen zu kreativen Abspracheprozessen. Internetkommunikation ergänzt nicht die sonstigen Handlungsmöglichkeiten, sondern die Handlungen werden auf die Anwendung im Internet bezogen und entsprechend organisiert.

Für den politischen Protest bietet das Internet all denen eine Chance, die nicht ohne Protest leben wollen oder können - aber diesen aus einem sicheren Raum, ohne Risiken und ohne besonderen Aufwand durchzuführen. Das Spektrum der solchermaßen protestwilligen Schichten reichen von den gealterten Ex-Aktiven der BürgerInneninitiativen und Öko-Basisgruppen bis zu den nachfolgenden Generationen, die statt Auflehnung vor allem

Aus "Pseudo-Engagement", in: Enter-Magazin Nr. am 11.4.2012 (absurderweise daneben mit Facebook-Gefällt-mir-Button)
So einfach geht das also. Den digitalen Daumen nach oben, und schon ist man sozial engagiert. Das kostet nichts – kein Geld, keine Zeit und keine Mühe. Es geht bequem vom Sofa aus und das sogar anonym. ...
Es stimmt nachdenklich, dass auch gebildete Menschen in großer Zahl glauben, sie würden sich für oder gegen etwas engagieren, gar Widerstand leisten, indem sie den Zeigefinger mit der Maus bewegen. Damit wir uns richtig verstehen: Diese Hängematte ist kein Internet-Phänomen. Der gutbürgerliche Mittfünfziger, der seinen Namen unter eine Protestnote gegen Stuttgart 21 kritzelt, verhält sich nicht anders. Es gilt mit einem grundlegenden Missverständnis aufzuräumen: Mal eben unverbindlich Haltung zeigen, ist noch längst kein Bürgerengagement. Es bildet allenfalls dessen Kulisse. ...
Kurz: Es geht um Selbstbespaßung, um seelische Wellness. Es geht um das gute Gefühl, et was für die Welt zu tun, ohne sich dafür anstrengen zu müssen. ...
Die Ego-Politur wirkt so gar kontraproduktiv. Sie ver spricht soziale Veränderung ohne Anstrengung und erinnert damit an die Schlankheits-Wundermittel aus der Fernsehwerbung: Traumfigur ohne Sport und Diät. Solcher Pseudo-Aktivismus, zumal per Internet, gefährdet das echte Engagement. Warum noch zur Demo gehen, wenn ich schon Facebook-Fan von „Gegen Atomkraft“ bin? Warum die Jugend-AG von Greenpeace besuchen, wenn ich gerade beim VW-kritischen Videoclip der Organisation ein „Mag ich“ hinterlassen habe? Dieses Alibi-Engagement wird inzwischen mit Begriffen wie One-Click-Activism oder, noch schöner, Slacktivism verbunden. Slacktivism ist ein Kunstwort, das sich als „Slacker“ (je mand, der seinen Hintern nicht hochbekommt) und „Activism“ (Aktivismus) zusammensetzt. Es bezeichnet eine Spezies, die sich gerne symbolisch mit so zialen Anliegen identifiziert, aber nicht aktiv daran mit wirkt, einen Missstand zu beseitigen. Auch größere Organisationen und Netzwerke surfen auf dieser Welle.


Aus "", bei: heise-online am 29.11.2013 über die Ablass-Wirkung von Onlineprotesten und Spendenmailings
Was jedoch als Ergebnis gelten kann, ist die hohe Bedeutung der sozialen Konformität, also der Suche nach Anerkennung, die persönliche Präferenzen überspielt bzw. wichtiger als diese zu sein scheint. Man macht halt mit, aber damit ist es auch schon gut. Für die Wissenschaftler heißt dies, dass es für humanitäre Organisationen nicht automatisch gut sein muss, in sozialen Netzwerken nach Zustimmung zu suchen, weil das zur Folge haben kann, dass sie weniger bereit sind, etwas zu spenden oder sich zu engagieren, dass sie also zu "Slacktivists" werden.

Politische Aktion wird in Hauptamtlichenapparaten, meist aus jung-dynamischen Ex-AktivistInnen zusammengesetzt, vorbereitet. Das Mitmachniveau wird immer niedriger gesetzt: Protestmails werden einschließlich der AdressatInnen vorgefertigt, Busse und Winkelemente für Demos bereitgestellt, Betreuung auf der Anfahrt und vor Ort sichergestellt. Mensch muss eigentlich nur noch überweisen und während der Teilnahme das Atmen nicht vergessen.

Auszug aus dem dem .ausgestrahlt-Rundbrief Winter 2010/11 (S. 2)
Nehmen wir jetzt den Atomausstieg selbst in die Hand! Wie ginge das besser als mit einer Menschenkette?
Im Begleitbrief dazu von Jochen Stay:
Doch unsere Kampagnen-Kasse ist leer. Jetzt brauchen wir Dich, Dein Engagement, Deine Spende, um die Erfolgsstory fortsetzen zu können. ... Mehr Informationen auf der Kampagnen-Webseite ... Dort kannst Du auch online spenden.

Aus einem Interview mit Wolfgang Hertle (u.a. Gründer der Kurve Wustrow), in: Forschungsjournal Soziale Bewegungen, 4/2013 (S. 81)
Was mir jetzt in letzter Zeit relativ oft begegnet, ist das Epertentum und die zunehmende Professionalisierung in den Bewegungen bzw. den NGOs, die sich daraus entwiceklten. Mit dieser Entwicklung geht einher, dass manche "Protest-Profis" keine Lust auf die unverzichtbare und notwendige Knochenarbeit der Auseinandersetzung mit "normalen Menschen" haben. Also die eine Seite ist die Professionalisierung der letzten Jahre, ausgefeilte Techniken, wie man große Menschenmengen dazu bringen kann, zusammen zu finden udn gemeinsam Aktionen durchzuführen, die es der Polizei schwerer machen, damit umzugehen. Die andere Seite der Medaille ist, dass eine stärkere Verbreitung oft auch mit einer Verflachung von Inhalten und Einstellungen verbunden ist.

Aus dem Digitalcourage-Newsletter vom 8. September 2016
Italienischer „L'Espresso“ berichtet: Wie Change.org unsere E-Mails verkauft
Die italienische Zeitung „L'Espresso“ hat herausgefunden, wie die Plattform Change.org Daten von Menschen verkauft, die an Online-Petitionen teilnehmen. Im April 2016 haben wir der Kampagnenplattform change.org einen BigBrotherAward verliehen. Den Negativpreis bekam das Unternehmen für sein Geschäftsmodell, personenbezogene Daten von Unterzeichner.innen zusammen mit deren politischen Meinungsäußerungen zu vermarkten. Jetzt hat die italienische Zeitung „L'Espresso“ eine Recherche aufgenommen und unter anderem die von change.org verlangten Preise für persönliche Daten ermittelt.
Wie Change.org unsere E-Mails verkauft ++ BigBrotherAward für change.org ++ Video der Verleihung


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