Projektwerkstatt

WAS IST DIE PROJEKTWERKSTATT?

Projektwerkstatt - Ein Kurzüberblick


1. Projektwerkstatt - Ein Kurzüberblick
3. Was soll das Ganze? Ein Versuch, die Projektwerkstatt zu beschreiben ...
4. Was bieten die vielen Räume und Werkecken?
5. Haus, Räume und Ausstattung mitgestalten
6. Kein "Schöner wohnen" in der Aktionsvilla Kunterbunt! Aber Platz zum widerständigen Leben!
7. Raus aus dem eigenen Sumpf - das Haus als Sprungbrett ins Drumherum
8. Formales, weitere Infos und der PGP-Key
9. Spenden, Ausstattung, Finanzen ...


Ludwigstr. 11, 35447 Reiskirchen-Saasen ++ saasen@projektwerkstatt.de ++ Info- und Kontaktformulare
06401-903283 (mit AB), Fax 03212-1434654 ++ www.projektwerkstatt.de/saasen


Der (Haupt-)Sinn des Ganzen: Plattform für Aktionen und Projekte
Ständig und sich auch immer verändernd werden in den Räumen der Projektwerkstatt Projekte und Aktionen organisiert. Dabei handeln die jeweils aktiven Menschen nach ihren Ideen. Es gibt keine Chef*innen, kein Plenum - nur den Wunsch nach Kooperation der Unterschiedlichen, auf Augenhöhe. Viele regionale und überregionale Aktionen wurde aus der Projektwerkstatt angestoßen, hier entwickelt oder unterstützt, angefangen von Umsonstladen und UmsonstZug in Gießen, Aktionen gegen Strafe, Zwangspsychiatrie und Knäste, ganze Serien von Aktionen, Recherchen und mehr zu Themen wie Agrogentechnik, Braunkohle oder den Hype um Martin Luther, dazu viele Vorträge, Workshops und Seminare in verschiedenen Städten, Veröffentlichungen und Doku-Filme. Da die Projektwerkstatt ein Haus ist und keine Gruppe, steht auch nicht die Projektwerkstatt hinter den Aktionen, sondern es sind jeweils Menschen, die die Werkstätten für die Vorbereitung nutzen, von hier aus agieren und hier die nötigen Mitteln für wirksame Aktivitäten finden. Folglich ist den Aktionen nicht anzusehen, welchen Anteil das Planen, Werkeln und Üben in der Projektwerkstatt hat. Genau messbar ist der auch nicht, doch ohne das die "Villa Kunterbunt des kreativen Widerstandes" wäre die Agrogentechnik in Deutschland wohl kaum gescheitert, der Braunkohlewiderstand nicht oder langsamer entstanden, hätte die Methodensammlung "HierarchieNIE!" bestehende Hierarchien nicht bedrängt, wären Selbst- und Laienverteidigung vor Gericht, Ideen kreativer Antirepression und viele Methoden der Direct Action hierzulande noch weitgehend unbekannt.

Widerstand und Vision verbinden
Wie ein roter Faden zieht sich die Idee einer herrschaftsfreien Welt durch viele Projekte und Ideen der Menschen im Umfeld der Projektwerkstatt. Und auch das Haus selbst soll das ausstrahlen. Für viele ist das Mitmachen in den normalen Formen von Politik unvorstellbar, bedeutet es doch die Akzeptanz von Macht, das Mitmischen an den Tischen der Reichen und Privilegierten - immer verbunden mit der Gefahr, selbst zu korrumpieren, sich anzupassen.
Im Laufe der Jahre hat sich in und um die Projektwerkstatt eine bunte Mischung aus Theorie und Praxis herausgebildet, die auch das Besondere ist, denn die Verbindung zwischen beidem ist äußerst selten. Politische Bewegung hat einige Strömungen, die sich viel mit Theorie auseinandersetzen - aber das sind meist Leute mit gutem Einkommen, oft beim Staat angestellt, die dann in ihrer Freizeit ihre Theorien aufstellen, ohne auch nur eine Sekunde daran zu denken, daraus eine Praxis folgen zu lassen. Umgekehrt gibt es viele, vor allem jüngere Menschen, die mit Elan gegen Nazis, Kriege oder Autobahnen zu Felde ziehen, radikale Parolen brüllen und manchmal sogar für eine kurze Zeit ihren Alltag zu ändern versuchen. Die meisten von ihnen sollte aber niemand fragen, was genau sie kritisieren und welche andere Welt sie sich vorstellen ...
Die Projektwerkstatt soll ein Ort sein, in der sich beides verbindet - mit dem Ergebnis von Aktionen, die viel Inhalte vermitteln, und einer Auseinandersetzung mit theoretischen Fragen, die in praktischer Umsetzung mündet.

  • Praxis: „Direct Action“ ist die bekannteste Form von politischer Praxis, die mit der Projektwerkstatt in Verbindung gebracht wird - von Medien, Politik und Polizei, die nicht begreifen können, dass die Projektwerkstatt ein Haus ist (noch dazu ein offener Raum), das nicht selbst Aktionen machen kann). Aber die Menschen hier können und finden dafür eine perfekt ausgestattete Aktionsplattform. Straßentheater, Kommunikationsguerilla, Besetzungen, Störaktionen, Sabotage und vieles mehr macht den Reigen dessen aus, was zu „Direct Action“ gehört. In der Projektwerkstatt vorbereiten, basteln und üben - draußen dann loslegen (www.direct-action.tk).
    Andere Formen unserer Praxis sind der ökologische Alltag, die Selbstorganisierung vom Essenbeschaffen bis zum Ausbau des Hauses und die Entwicklung bzw. Anwendung hierarchiemindernder Gruppenverfahren (siehe www.hierarchnie.tk und www.alltagsalternativen.tk). Die besondere Kunst ist, all das zu verbinden. Mitleben und Aktivsein in der Projektwerkstatt heißt, es volle Pulle zu versuchen mit dem Umstieg in ein selbstbestimmten Leben und den Widerstand gegen das Grauen der kapitalistischen Welt.
  • Theorie: Unsere Ton-Bilder-Schauen "Monsanto auf Deutsch" und "Fiese Tricks von Polizei und Justiz", die Trainings zu kreativen Aktionsformen oder offensivem Umgang mit Polizei und Gerichten sind inzwischen ebenso Klassiker wie einige der Bücher aus unserem nicht-kommerziellen SeitenHieb-Verlag. Viele unserer Themen sind unscheinbarer. Wir greifen Fragestellungen auf, die in der Gesellschaft (noch) wenig beachtet werden, z.B. die Kritik an Gefängnissen und Zwangspsychiatrie oder die Theoriearbeit zu Erscheinungsformen von Herrschaft und Möglichkeiten, diese zu überwinden. Daraus sind Vortragsangebote, Seminare, Internetseiten und viele Veröffentlichungen hervorgegangen - geschrieben, layoutet und mitunter sogar gedruckt in der Projektwerkstatt. Die Gruppe Gegenbilder hat hier ihr "Freie Menschen in freien Vereinbarungen" erarbeitet, später erschienen das Utopie-Buch "Autonomie & Kooperation" und die kleine Reihe "quadratisch. praktisch. theoriestark" (mehr Infos unter www.herrschaft.tk und www.aktionsversand.tk).

Zu all diesen Themen bieten Menschen aus dem Umfeld der Projektwerkstatt an, bei Diskussionen dabei zu sein, Vorträge oder Lesungen zu machen, vor allem aber in Trainings und Seminaren das Wissen weiter zu geben und zu üben. Eine Übersicht findet sich auf www.vortragsangebote.tk.

Organisierung von unten
Eine direkte Verbindung von Theorie und Praxis schaffen die Diskussion um die Strategien politischer Bewegung und die Entwicklung hierarchiemindernder Formen der Organisierung. Die harte Kritik an Protestformen, die sich an die Regeln der normierten Gesellschaft halten (Parteigründungen, Hauptamtlichenapparate, kommerzielle Ausrichtung von Protest, Orientierung auf Legalitätsgrenzen usw.), und an internen Hierarchien in politischen Gruppen hat zwischen vielen aktiven Menschen im Umfeld der Projektwerkstatt und den Eliten politischer Organisation deutliche Konflikte heraufbeschworen. Bei den in der Projektwerkstatt bevorzugten und zum Teil selbst entwickelten Formen der Organisierung von unten geht es mehr um horizontale Kooperation, um Kreativität und Selbstbestimmung auch in den eigenen Strukturen. Praktisch zeigt sich das schon in der Architektur des Hauses, welches auf OpenSpace- und andere Methoden ausgerichtet ist, aber auch im Verzicht auf zentrale Entscheidungsfindung, Räume und Geräte ohne Schlüssel und Passwörter usw. (siehe www.hierarchnie.tk).

Im Original: Spruchblasen an den Wänden im Haus

Hallo,
hier spricht die
Projektwerkstatt ...
 Spruchblase OpenSpaceNa schön,
ich bin schon wieder
zu moralisch. Ich will mal noch
ein paar ganz praktische Sachen loswerden, die Euch vielleicht helfen, selbst aktiv
zu werden.
O.K. Ihr denkt, das geht gar nicht. Außerdem erzählen meine Bewohnis* und Nutzis immer, dass niemand für die Projektwerkstatt reden darf. Naja, die meinen es ja gut und wollen, dass es keine Stellvertretung zwischen Menschen auf dieser Welt gibt. "Projektwerkstatt" ist halt der Name für diese Häuser. Was sie aber nicht ahnen ist: Ich kann doch sprechen. Und das tue ich jetzt mal, in dem ich Euch erzähle, warum es mich gibt und wie mensch mich nutzen kann. Denn das ist das Schönste, was ich kenne: Das Menschen über meine Fußböden schlurfen, sich an die Tische oder in die Hängematten setzen und hier kreative Ideen ausbrüten, Aktionen planen, Projekte gründen oder vorantreiben, heiß diskutieren, sich streiten oder einigen - und dabei einerseits untereinander immer auf gleicher Ebene begegnen, also keine Hierarchien oder Bevormundungen entstehen, sowie andererseits mich als den Ort, in dem das alles stattfindet, so belassen, dass viele andere Menschen noch viele interessante Dinge hier tun können. Nein, noch besser - dass sie immer wieder neue Ideen hinzusetzen, damit hier noch mehr möglich ist.Spruchblase OpenSpace

Ich will Euch ein bisschen schildern, was Ihr hier alles machen könnt. Das Wichtigste ist mir, Euch darauf hinzuweisen, dass ich ein "Offener Raum" bin. Das ist nicht nur ein tolles Wort, sondern bedeutet auch etwas. Nämlich dass es hier keine Entscheidungsstruktur gibt, sondern alle Menschen, die da sind, immer gleichberechtigt sind, alle alles, was in mir ist, nutzen können. Niemand regelt das, aber Ihr müsst - das mal als Tipp! - selbst Kontakt aufnehmen mit den anderen, die hier sind, um Vereinbarungen zu treffen. Das ist praktisch, damit nicht ständig Frust entsteht, weil zwei gleichzeitig ein Gerät oder zwei Gruppen einen Raum nutzen wollen. Am besten ist, Ihr nutzt die Infowände intensiv. Die hab ich nämlich hier an meinen Wänden hängen, damit die Menschen nicht so viel aneinander vorbei handeln. Wenn Ihr da z.B. dranhängt, wann Ihr Euch wo zu welchem Projekt oder Thema trefft, können alle hinzukommen, die das interessiert, und Ihr vermeidet, dass andere zur gleichen Zeit den gleichen Raum nutzen wollen. Mit freien Vereinbarungen lässt sich auch vieles vermeiden, z.B. dass es nichts mehr zu Essen gibt, irgendjemand den Schlaf von anderen stört, dominantes Redeverhalten sich durchsetzt und vieles mehr. Wartet nicht darauf, dass andere die Dinge regeln, sondern tut das selbst.
Wenn ich zurückdenke an die Jahre, die ich schon als Projektwerkstatt existiere (vorher war ich viele Jahre Wohnhaus oder größtenteils leer, davor Bauernhof - aber damit will ich Euch jetzt nicht zutexten ...), dann fällt mir auf, dass ganz viele Menschen hier in große Not geraten, weil sie gar nicht darauf klarkommen, keine Anweisungen, Regelungen und mehr oder minder direkte Befehle zu bekommen. Einerseits passt das zu dem, was Menschen über die Bedingungen in anderen Häusern erzählen - da herrschen überall Hierarchien, dominante Personen, Apparate, außerdem gibt es Rollenverhalten, Zurichtungen aus Schule und Elternhaus, durch Medien und Gesetze. Muss grauenvoll sein - ich habe so was ja früher auch ständig erlebt und selbst in der Zeit, seit ich eine "Projektwerkstatt" bin, passiert immer wieder diese Scheiße, dass die Menschen in mir das nicht gebacken bekommen mit der Herrschaftsfreiheit. Andererseits aber überrascht mich die viele Hilflosigkeit bei der Selbstorganisierung doch, denn in die Projektwerkstatt kommen vor allem Menschen, die von sich glauben, selbstbestimmt zu leben. Die meisten irren sich. Darum kann ich Euch aus der traurigen Erfahrung, dass hier viele Menschen und Treffen gescheitert sind, weil Selbstorganisierung nicht aktiv herbeigeführt, sondern als "haben wir alles klar" einfach angenommen wurde, nur empfehlen: Wartet nicht ab, sondern macht den Ablauf von Treffen oder den Tagen hier zu einer aktiven Sache von Euch. Das heißt nicht, dass Ihr Euch um alles kümmern müsst, aber schon, dass Ihr Euch nicht als Aktive fühlt, Eure Ideen und mich zu erhalten und weiterzuentwickeln, d.h. überall mit hinguckt und lernt, wahrzunehmen, was um Euch abgeht. Denn daraus speist sich ein spannendes Leben! Nehmt Euch eigene Sachen vor, guckt was andere machen, trefft Vereinbarungen, Kooperationen oder streitet Euch, wo etwas nicht zusammenpasst - ohne Zwang zur Einigung. Aber diese Mischung aus Autonomie und Kooperation macht das Leben interessant. Meins übrigens auch ... denn nix ist langweiliger als Menschen und Gruppen, bei denen immer das gleiche oder nichts passiert ...Fangen wir mit der Technik an. Die ist von, wie ich finde, sehr kreativen, aber nicht immer handwerklich begabten Menschen hier in mich eingebaut worden. Fand ich auch immer gut - auch wenn manchmal was von mir kaputtging, weil so einige mit Mühe wussten, wie rum sie einen Hammer halten sollten oder dass ein Holzbeitel kaputt geht, wenn mensch es in mein Mauerwerk rammt. Im Laufe der Jahre ist aber gaaaaaanz viel an Werkzeug, Technik, Büchern, Aktenordnern, Kochtöpfen und etlichem Nützlichen mehr in mein Inneres geschafft worden. Das alles könnt Ihr nutzen. Ihr braucht weder mich noch irgendjemanden anders zu fragen. Die Räume sind absichtlich so gestaltet, dass viele Winkel, Ecken und Räume unterschiedlicher Größe und Ausstattung entstanden, so dass Ihr Euch das zu Euch Passende aussuchen könnt. Macht einfach Euer Ding mit dem, was hier ist. Wenn andere es auch nutzen wollen, sprecht Euch ab. Schön ist, wenn die Vielfalt an Ausstattung erhalten bleibt oder sogar wächst. Wenn sich die ganzen Menschen, die in mir rumlaufen, gegenseitig unterstützen oder auf Pannen aufmerksam machen, kann das auch einiges bringen. Jede Ecke ist sozusagen eine offene Plattform, Ihr könnt sie nutzen, gestalten, ergänzen. Es gibt keine Beschränkungen außer der, dass alles, was weg ist, nicht mehr genutzt werden kann. Ich fand's immer klasse, wenn nicht nur viele Geräte, Bücher & Co. in mir sind, sondern auch die Verbrauchsmaterialien ständig da sind und rechtzeitig neu organisiert werden ... von Papier über Toner, Farbe ... bis zum Futtern.
Eigentlich ist
die Idee der Projektwerkstatt
damit schon gut erklärt ...
  So, das soll erst mal
reichen. Ich halte mal meinen Mund, schließlich kommt es darauf an, dass Ihr hier redet, werkelt und mehr.
... und ich könnte einfach sagen: Hier bin ich mit richtig guter Ausstattung (ok, ist ein bisschen Poserei von mir jetzt ...) - benutzt mich! Aber es gibt noch was anderes Interessantes, was ich Euch sagen will. Ihr könnt nämlich allein oder in einer Gruppe einfach loslegen. Einige Menschen haben sich für mich aber noch etwas mehr ausgedacht. Ich finde, die haben da auch recht, denn sie meinten, dass ein Nebeneinander vieler Ideen und Projekte ja schon ganz nett sei, aber eigentlich wäre es noch besser, wenn auch ein ständiger Austausch, Informationsfluss und Kooperation leicht entstehen könnte. Also sind sie hergegangen und haben überall, vor allem aber im großen Seminarraum und den angrenzenden Durchgangsbereichen, viele Tafeln und Wandzeitungen angebracht. Die machen es nun ganz einfach, jedes Treffen als "Open Space" zu organisieren. Was? Noch nie gehört? Dann wird's aber Zeit: Bisher hatten Treffen meist einen festen Ablauf. Bei den einen war das vorgegeben, andere standen auf Basisdemokratie und laberten in endlosen Plena über alles - wobei mir auffiel, dass sich meist immer dieselben Personen durchsetzten. Eigentlich ist Basisdemokratie auch gar nicht so anders wie Hierarchie - bei beiden bestimmt irgendeine Struktur über die Einzelnen. Beim "Open Space" ist das anders. Hier finden immer die Sachen statt, zu denen Menschen Lust haben und sich vereinbaren. Wann was wo geschieht, legen immer die jeweils Interessierten fest. Durchdenkt das mal: Alle haben irgendwelche Ideen im Kopf. Vielleicht ist es auch ganz passend, sich die erst mal mitzuteilen und/oder auf einer ersten Wandzeitung aufzuhängen, was Ihr für Ideen habt. Das kann auch ständig ergänzt werden. Wenn sich dann eine konkrete Verabredung zu einer Diskussion, Aktionsvorbereitung, zum Kochen oder zu was auch immer ergibt, wird das auf einer zweiten Wand bekannt gegeben. Dann wissen alle Bescheid und können dazukommen. Außerdem kann es zu Kooperationen kommen, wo was zusammenpasst. Ist ein Treffen vorbei, sollte ein kurzes Ergebnis mit Kontaktpersonen usw. auf einer dritten Wand landen. Dann können auch alle, die nicht dabei waren, einen Eindruck bekommen oder noch mal nachfragen. Eine vierte Wand ist für Ankündigungen - also was zukünftig passieren soll. Natürlich gibt es noch eine fünfte Wand für alles, was nicht reinpasst. Schließlich ist hier immer alles offen, gnadenlos! Das Ganze ist ein voll cooles System, wenn Ihr es mittragt, also aktiv draufguckt, was draufhängt ... und nicht abwartet, dass andere Eure Tage organisieren! Ach ja, das hatte ich ja schon mal gesagt, ist mir halt immer so wichtig.Ach ja, fast hätte ich es vergessen: Leider gibt es doch ein paar Ausnahmen. Einmal hat jemand von meinen Bewohnis die Türen zum Grasdach zugemacht, nachdem immer wieder Menschen trotz anderer Bitte darauf rumgelaufen sind und immer wieder was kaputtging. Letztens ist nun jemand durch einen Dachziegel gekracht. Ich fand das auch absurd, auf die Dachziegelfläche zu springen - aber hat halt jemand gemacht. Und nicht Bescheid gegeben. Das ist dumm, da regnet's dann auch noch durch, so sind die Türen nun zu und das Grasdach nur noch zum Angucken.
Die nächste Ausnahme sind Dinge, von denen es eine gewisse Tradition gibt, dass es andere stört - laute Musik in Schlafräumen oder nachts draußen ist schon fies ohne Rücksprache mit den Betroffenen (was ja meist nicht geht), beim Rauchen ist es genauso. Wäre nett, wenn so was immer auf Vereinbarungen beruht. Beim Rauchen schlage ist allerdings vor, es in meinen Räumen ganz zu lassen, weil es ja auch hinterher noch spürbar bleibt. Meine Bewohnis haben überwiegend gar keine Lust auf Rauchen in Räumen. Wenn es nicht anders geht, dann nur im großen Raum mit dem Billardtisch.
Eine andere Ausnahme sind die Bücher, CDs, Broschüren usw., die einige in meinen großen Seminarraum in eine Ecke gestellt haben. Die kann mensch mitnehmen, sollte aber dafür Geld da lassen. Die Preise stehen da meist irgendwo, sonst fragt einfach die Leute hier, wenn Ihr das nicht zahlen könnt. Wie ich mitbekommen habe, lässt sich da auch immer was verhandeln.
So, mehr Ausnahmen gibt's glaub ich nicht.
Ein bisschen Mut möchte ich übrigens noch denen machen, die hier im Haus Lücken finden - wo also noch etwas fehlt, was für ihre Idee, ihr Thema oder ihr Projekt nützlich wäre: Überlegt doch, ob Ihr nicht selbst etwas habt oder besorgen, schnorren ... könnt, um die Lücke zu füllen. Ich werde ein offenes Haus bleiben, dass heißt Ihr könnt auch selbst das, was Ihr hier vorbeibringt oder reinorganisiert, immer nutzen! Irgendjemand von denen, die hier wohnen, hat übrigens im Internet eine Liste untergebracht, was mir so fehlt. Voll schlau, finde ich - und würd' mich freuen, wenn Ihr mal da draufguckt ... Vielen Dank!Erklären will ich Euch noch das *, denn ich rede seit einigen Jahren so, dass die in dieser Welt meist völlig überflüssige Einteilung in zwei Geschlechter nicht in meiner Sprache vorkommt. Damit will ich Sprache selbst zu einer Aktion machen. Ob's gelungen ist, sei dahingestellt - aber die Endung "is" soll eine geschlechtsneutrale Formulierung sein. Ach ja ... eigentlich passt dazu gar nicht, dass ich unten in meinen Gemäuern Klos nach zwei Geschlechtern getrennt habe. Hab ich auch nicht vorgeschlagen, aber manchmal kommen auch Menschen, denen das wichtig ist. So hab ich's belassen - Ihr könnt aber natürlich entscheiden, das einfach zu ignorieren und zu machen, was allen von Euch recht ist. Wie überall anders ja auch.
Also jetzt los. Vergesst Arbeitsgebis, Eltern, Lehris, Profs, Vorsitzende, KoKreise oder Steuerungsgruppen - hier seid Ihr wichtig, zusammen mit den anderen, die hier auch was wollen. Aber ich selbst finde mich auch wichtig und würde gerne eine offene Projektwerkstatt mit vielen Möglichkeiten, guter Ausstattung und vielen interessanten Menschen sein und bleiben. Viel Spaß dabei ... Eure Projektwerkstatt. Off.

Das (Zusammen-)Leben im Haus: Aktiv, kreativ, widerständig ... und auch schwierig
Archive, Werkstätten, Gruppenräumen - das prägt das Haus. Aber es ist auch Platz für Menschen, die hier länger bleiben wollen - zwei Tage, eine Woche oder auf unbestimmte Zeit. Privaträume und -besitz sind aber auch hier nicht angesagt. Wer auf so etwas steht, findet Millionen dafür passender Räume auf der Welt. Die Projektwerkstatt ist ein Ort zum Aktivsein. Damit er das auch bleibt, sollen finanzielle Abhängigkeiten und organisatorische Einbindung in größere Strukturen vermieden werden. Das klappt in der real-kapitalistisch/herrschaftsförmigen Welt nicht von selbst. Die Menschen, die in der Projektwerkstatt agieren, müssen es daher schaffen, mit eigenen Ideen und Willen, aber auch mit Hilfe eines solidarischen Umfelds das Haus und die Ausstattung aufrechtzuhalten, besser noch weiterzuentwickeln. Vom täglichen Essen über die jährliche Heizholzmenge bis zu den verbleibenden Kosten für Müll, Wasser, Telefon usw. gilt es, eine gut funktionierende Versorgung hinzubekommen. Dabei sollen alle Beteiligten „horizontal“ zueinander stehen, also weder die einen mehr zu sagen haben noch die anderen sich der Sorge um das Haus und seine Abläufe entziehen.
Das hat, zugegeben, in der Vergangenheit immer nur phasenweise gut geklappt. Eine Extra-Seite erzählt Euch die Hoffnungen, die Versuche, das oftmalige Scheitern und die Pläne für die Zukunft ...

Umweltgerechtes Haus
Und das auch noch - voll die Öko-Villa Kunterbunt. Das aber hat einen klaren Grund, denn die Projektwerkstatt ist vor langer Zeit (1990) aus den damals noch bestehenden radikalen, d.h. herrschaftskritischen Teilen der Umweltbewegung heraus entstanden. Die Konsequenz im Alltag und das Engagement für eine lebenswerte Umwelt sind bis heute geblieben, auch wenn es längst nicht mehr das einzige Thema ist. Das Haus wurde mit umweltverträglichen oder von anderer Stelle wiederverwerteten Stoffen aufgebaut, die Nahrung kommt von Bio-Bauern oder aus dem, was andere wegwerfen. Widerständig wurden Menschen gegen Umgehungsstraßen, Genversuche, Golfplätze und Müllverbrennung. Da die meisten Umweltgruppen sehr regierungsnah sind, haben wir nur wenig Partner aus dem Ökobereich. Das Haus ist aber offen für alle - die große Bibliothek könnte ökologisch Interessierte reizen, denn immer noch bilden die Bestände zu Umweltthemen einen großen Teil in den vielen Regalen.

Bücher, Broschüren, Filme und inzwischen ein eigener kleiner Verlag
In der Projektwerkstatt sind über 50 Filme, Bücher, Reader, Broschüren und CDs entstanden, darunter der fast legendäre Direct-Action-Kalender und einige bekanntere Bücher wie "Monsanto auf Deutsch", "HierarchNIE!" oder "Freie Menschen in freien Vereinbarungen". Die meisten Bücher, DVDs, CDs, Reader, Zeitschriften, manchmal sogar Postkasten oder T-Shirts, waren aber eher das (wichtige!) Begleitmaterial zu Aktionen und Kampagnen, fanden sonst aber eher weniger Beachtung. Eine Übersicht mit Bestellformular gibt es unter www.aktionsversand.tk Alle dort genannten Materialien sind auch in der Projektwerkstatt und im Gießener Antiquariat Guthschrift (Bahnhofstr. 26) direkt zu bekommen.
Da selbst kleine und politische orientierte Verlage in der Regel auf Profit ausgerichtet sind, ihre Bücher mit Copyrightvermerken versehen und Autor*innen zwecks Verkaufserfolgt zu populistischen Orientierungen drängen, haben einige Aktivistis aus dem Umfeld der Projektwerkstatt im Jahr 2006 den nicht-kommerziellen Verlag SeitenHieb gegründet, der alle Bücher unter freien Lizenzen und zu Selbsteinschätzungspreisen vertreibt.

 Bücher, DVDs aus der Projektwerkstatt (Auswahl):

Wir wollen eine andere Welt: Stress mit denen, die die alte gut finden und verteidigen ...
Ein Haus wie die Projektwerkstatt ist vor allem denen ein Dorn im Auge, die zu den Privilegierten gehören. Darum haben Polizei, Behörden und Justiz viele Jahre lang versuch, das Projekt einzuschränken und die aktiven Menschen hinter Gitter zu bringen. Ob Richter*innen, PolitikerInnen und vor allem Polizeitrupps - aus allen Kasten haben schon mal welche Projektwerkstatts-Aktive bedrängt, beschimpft, mitunter sogar verprügelt (ja - selbst Politiker*innen und Richter*innen machen so etwas!). Über absurde Erfindungen von Straftaten bis zu einem Haufen von Gerichtsverfahren ließen die Staatsgewaltmonopolisten keine Gelegenheit aus - bis sie es, weil die Wirkung ausblieb, übertrieben. Am 14. Mai 2006 ließen der damalige Innenminister Volker Bouffier und seine Schergen Menschen aus der Projektwerkstatt festnehmen. Die ihnen vorgeworfenen Straftaten konstrierten sie der Einfachkeit halber selbst. Die Sache flog aber auf und ging dann nach hinten los - bis in den hessischen Landtag wurde die Federballaffäre diskutiert. Seitdem herrscht viel Ruhe, denn die Polizei muss mit dem Makel leben, nachweislich Straftaten erfunden und wissentlich Unschuldige festgenommen zu haben - auf Geheiß von ganz oben. Zu den "Fiesen Tricks von Polizei und Justiz" sind eine Ton-Bilder-Schau und ein Buch entstanden. Mehr Infos zu kreativem Umgang mit Repression unter www.projektwerkstatt.de/antirepression und zu Polizeihandeln in Mittelhessen unter www.polizeidoku-giessen.tk.

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