Projektwerkstatt

PATRIARCHAT, KAPITAL UND GESELLSCHAFTLICHE REPRODUKTION VON SEXUELLER GEWALT

Ausblick


1. Was ist Patriarchat?
2. Patriarchale Strukturen und sexuelle Gewalt gegen Frauen und Kinder
3. Ausblick
4. Modernisiertes Patriarchat

Im vorangegangenen Artikel haben wir versucht zu verdeutlichen, dass Patriarchat und Kapitalismus sich gegenseitig durchdringen und gemeinsam die Unterdrückung und Ausbeutung von Frauen ab sichern und bedingen.So ist z.B. die geschlechtliche Arbeitsteilung konstitutiv für die ungleiche Macht- und Ressourcenverteilung in einem kapitalistischen System. Zugleich aber auch bindet sie Frauen an Männer, macht sie in weiten Teilen ökonomisch abhängig. Rechtliche und moralische Regelungen und Normen erhöhen und stärken diese Bindung.Verbunden hiermit ist zugleich eine Abwertung weiblicher Erwerbsarbeit wie auch der geleisteten Reproduktionsarbeit. Indem das Patriarchat Frauen den Status des "schwächeren" Geschlechts zuweist, kann die ökonomische Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft auf die Spitze getrieben werden.Die Unterdrückung und Ausbeutung von Frauen erfolgt also in doppelter Weise: einerseits als Objekte männlicher Verfügungsgewalt, andererseits als Hausfrauen und Lohnarbeiterinnen durch das Kapital. Weiterhin sind Frauen aus dem Trikont zudem der imperialistischen Ausbeutung durch die Industriestaaten unterworfen. Weiter haben wir gezeigt, dass sexuelle Gewalt konstitutiv für den Erhalt der bestehenden Gesellschaftsordnung ist.

Für uns resultiert daraus für den Kampf gegen sexuelle Gewalt, dass er nicht auf der Symptomebene stehen bleiben darf, sondern, um Aussicht auf Erfolg zu haben, gegen die Wurzeln gerichtet sein muss: Wer sexuelle Gewalt effektiv bekämpfen will, muss dies mit antipatriarchaler und antikapitalistischer Stossrichtung tun.

Weiter resultiert für uns aus dem Gezeigten, das sich die Linke nicht erneut auf den Holzweg "Hauptwiderspruch" Kapital-Arbeit, mit dessen Überwindung das Patriarchat ebenfalls überwunden ist, einlassen darf. Der Kampf für eine bessere Welt kann mit Erfolg nur umfassend und nicht nacheinander geführt werden.

  • 1 BROCKHAUS, Ulrike / KOLSHORN, Maren: "Sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Jungen Mythen, Fakten, Theorien", Frankfürt (Main) / New York 1993, S.98f.
  • 2 PEIKERT-FLASPÖHLER, Christa: "Sexismus", in: Wisniewski, Roswitha / Kunst, Hermann (Hg.): "Handbuch für Frauenfragen. Zur Stellung der Frau in der Gegenwart. Ursachen, Analysen, Anregungen", Bonn 1988, S.471f.
  • 3 HEILIGER, Anita / ENGELFRJED, Constance: "Sexuelle Gewalt. Männliche Sozialisation und potentielle Täterschaft", Franfurt (Main)/New York 1995, S.58.
  • 4 HEILIGER, Anita / ENGELFRIED, Constance: "Sexuelle Gewalt. Männliche Sozialisation und potentielle Täterschaft", Franfurt (Main)/New York 1995, S.75

(Quelle: Dieser Artikel wurde aus dem Reader "Mein Körper gehört mir!" der OLLAfA Göttingen, 1996, S. 4-7, entnommen.)

  • Dieser Text als .rtf (lesbar mit Word, Open Office u.a.)


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