Projektwerkstatt

FREIE VEREINBARUNGEN

Definitionen


1. Definitionen
2. Links und Lesetipps

Freie Vereinbarung

Aus: P.M. 2000: Subcoma, Paranoia City in Zürich
Menschen bringen sich nur dann nicht um , wenn sie so leben, dass sie keinen Vorteil davon haben können. Menschen schliessen eigentlich gar keine Verträge, sie verhalte nsich einfach auf Grund von Interessen und Erfahrungen, gemüss dem, was sie "sind". Geben und Nehmen ist in einer sozial verwobenen Lebensweise kaum auseinanderzuhalten. Dass es für einen Beobachter so aussieht, als ob Menschen dauernd Verträge schlössen, ist eine typische Fehlinterpretation liberaler Ideologien, die sich unser Leben nur als eine Reihe von Tauschhändeln vorstellen können. Erst wenn die Gesellschaft in ihre Atome zerfallen ist, muss sie mit "Verträgen" und "Regeln" notdürftig reorganisiert werden.Was geändert werden muß, ist also die Interessenlage der Menschen, die sich wiederum historisch entwickelt hat.


Freie Kooperation

Aus Christoph Spehr (2003): "Gleicher als andere", Karl Dietz Verlag in Berlin
Freie Kooperation hat drei Bestimmungen: Freie Kooperation beruht darauf, dass die vorgefundenen Regeln und die vorgefundene Verteilung von Verfügung und Besitz ein veränderbarer Fakt sind und ihnen keinerlei höheres, objektivierbares Recht zukommt. Freie Kooperation besteht darin, dass alle Beteiligten dieser Kooperation sie aufgeben, ihre Kooperationsleistung einschränken oder unter Bedingungen stellen können, um auf die Regeln der Kooperation in ihrem Sinne einzuwirken, und zwar zu einem vergleichbaren und vertretbaren Preis, und dass sie dies individuell und kollektiv auch wirklich tun. ...
(S. 28)
Freie Kooperation, wie sie hier definiert wird, hat drei Bestimmungen. Freie Kooperation liegt vor, wenn
– die überkommene Verteilung von Verfügungsgewalt, Besitz, Arbeit und die überkommenen Regeln nicht sakrosankt sind, ihnen also kein "höheres Recht" zukommt, sondern sie vollständig zur Disposition stehen, d. h. von den Beteiligten der Kooperation jederzeit neu ausgehandelt werden können;
– alle Beteiligten frei sind, die Kooperation zu verlassen, ihre Kooperationsleistung einzuschränken oder unter Bedingungen zu stellen, und dadurch Einfluss auf die Regeln der Kooperation zu nehmen;
– alle Beteiligten insofern gleich sind, als sie dies zu einem vergleichbaren und vertretbaren Preis tun können; d. h. dass der Preis dafür, die Kooperation zu verlassen bzw. die eigenen Kooperationsleistungen einzuschränken oder unter Bedingungen zu stellen, für alle Beteiligten ähnlich hoch (oder niedrig), aber auf jeden Fall zumutbar sein muss.
Vereinfacht gesagt: In einer freien Kooperation kann über alles verhandelt werden; es dürfen alle verhandeln; und es können auch alle verhandeln, weil sie es sich in ähnlicher Weise leisten können, ihren Einsatz in Frage zu stellen.
... (S. 44)
Freie Kooperation maßt sich allerdings nicht an, die Individuen (oder Gruppen) anhand irgendwelcher Parameter vollständig "gleich" zu machen oder die Verhältnisse zwischen ihnen "gerecht" zu regeln; ihr Kriterium von sozialer Gleichheit ist die gleiche Verhandlungsmacht. Den Rest regeln die Individuen (oder Gruppen) in ihrer Kooperation selbst. Wenn sie dabei Druck ausüben und Umverteilungen erstreiten, ist das ein Ausdruck ihrer Freiheit und kein Mangel an Freiheit. ... (S. 45)
Freie Kooperation maßt sich allerdings nicht an, die Individuen (oder Gruppen) anhand irgendwelcher Parameter vollständig "gleich" zu machen oder die Verhältnisse zwischen ihnen "gerecht" zu regeln; ihr Kriterium von sozialer Gleichheit ist die gleiche Verhandlungsmacht. Den Rest regeln die Individuen (oder Gruppen) in ihrer Kooperation selbst. Wenn sie dabei Druck ausüben und Umverteilungen erstreiten, ist das ein Ausdruck ihrer Freiheit und kein Mangel an Freiheit. ... (S. 46)
Der Charakter der Theorie der freien Kooperation ist der einer Politikberatung. Sie empfiehlt sich Menschen, die danach fragen, wie sie frei und gleich werden können, als Instrument der Analyse ihrer Kooperationen – ein Instrument, das sie verwenden können, keine Maschine, in die man oben Daten hineinfüttert und die unten einen Lochstreifen auswirft. Sie empfiehlt sich diesen Menschen zweitens als Begrifflichkeit, die sie benutzen können bei dem Versuch, sich anderen verständlich zu machen oder mit ihnen zusammenzuschließen. Sie empfiehlt sich drittens denjenigen, die ihre Kooperation miteinander frei und gleich gestalten wollen, als Handreichung, als Zusammenfassung von Erfahrungen bei dem Experiment "freie Kooperation". Sie empfiehlt sich viertens Menschen und Gruppen, die zu der Auffassung gelangen, ihre Kooperationen seien erzwungen, als strukturierendes Modell bei der Suche nach Strategien der Transformation. Und sie empfiehlt sich fünftens als Methode, sich auf bestimmte Leitplanken zu besinnen im Konflikt mit Menschen, die alles anders sehen und anderes wollen. ... (S. 65)
Eine freie Kooperation ist keine urkommunistische Gemeinschaft, in der alle alles brüderlich teilen und sich schwesterlich füreinander aufopfern. Es ist eine Kooperation, in der wir frei sind, zu gehen, einzuschränken und Einfluss auf die Regeln zu nehmen; und in der wir einander gleich sind, weil wir das in gleicher Weise und zu ähnlichem Preis tun können. ... (S. 87)

Kein Paternalismus
Aus Christoph Spehr (2003): "Gleicher als andere", Karl Dietz Verlag in Berlin (S. 49)
Es geht immer um den Mechanismus, nicht für andere definieren zu wollen und zu können, wie ihre Kooperationen auszusehen haben, wie sie "richtig" sind, aber die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sie dies frei aushandeln können: den vergleichbaren und vertretbaren Preis. Die meisten Fortschritte bei der "Humanisierung der Arbeitswelt" werden nicht in den Phasen erzielt, wo es besonders viele Gesetze dazu gibt, sondern zu den Zeiten, wo die Verhandlungsgrundlage der Arbeitenden besser ist.

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