Verkehrswende

VERKEHR, UMWELT UND DER KAPITALISMUS

Stimmen gegen das Auto


1. Völlig verfehlte Verkehrspolitik
2. Zahlen, Fakten, Zitate - Material für Eure Flyer, Schautafeln usw.
3. Zahlen aus der Studie „Mobilität in Deutschland“ und dem ADAC-Mobilitätsindex
4. Was nicht hilft: Elektromobilität
5. Gute Gründe gegen Autos (egal, welcher Antrieb)
6. Stimmen gegen das Auto
7. Diesel & Co.: Alte Autos weg, aber keine neuen her!
8. Die sozialen Aspekte der Verkehrswende (gerechte Mobilität)
9. Abschaffung der Verkehrsregelungen senkt Unfallquote
10. Flugverkehr
11. Bahn jahrzehntelang zerlegt - Konzern kümmert sich vor allem um Aktienkurse
12. Politiker*innen-Gequatsche
13. Sprücheklopfer, Lobby & Co.
14. Vergessene Fragen der Mobilität
15. Buchvorstellungen und Textsammlungen zum Themenbereich

Bemerkenswerte Rede einer VW-Mitarbeiterin auf der Verkehrswendedemo am 2.6.2020 in Wolfsburg

Aus "Massenvernichtungswaffe: Ein Soziologe will private Autos abschaffen", auf: Business Insider am 5.9.2019
Man könnte sagen, Klaus Gietinger führt einen Feldzug gegen Autos. ... „Das Auto ist eine Massenvernichtungswaffe“, begründet Klaus Gietinger im Gespräch mit Business Insider seine Abneigung. Im Verkehr sterben jährlich 1,35 Millionen Menschen, zitiert er die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Damit ist es die achthäufigste Todesursache weltweit. Zum Vergleich: Durch Terrorismus starben im Jahr 2017 laut des Institute for Economics and Peace weltweit knapp 20.000 Menschen. Hinzu komme die Umweltverschmutzung. „Autos töten nicht nur Menschen auf der Straße, sondern liefern auch einen wesentlichen Beitrag zu den CO2-Emissionen“, führt der Autor aus.
Das Umweltbundesamt gibt Gietinger Recht: Der Verkehr ist der einzige Sektor, in dem Deutschland seine Treibhausgas-Emissionen im Vergleich zu 1990 nicht reduziert, sondern sogar erhöht hat. ...
„Autos sind der Grund, warum Menschen auf dem Land auf Autos angewiesen sind.“ „Die Motorisierung hat dazu geführt, dass wir immer weiter und schneller fahren“, so der Soziologe. Dabei sei der Mensch eigentlich ein Wesen für Nahmobilität. „Früher hatte man alles in seiner Nähe: Einen Tante-Emma-Laden, eine Kneipe, ein Kino, ein Schwimmbad“, gibt er zu bedenken. „Heute muss man mit dem Auto dorthin fahren.“ Deswegen brächten Autos auch keinen Zeitgewinn.
Teilweise habe die Autoindustrie aktiv zu dieser Entwicklung beigetragen: In den USA kaufte General Motors in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts das Straßenbahnnetz in einigen amerikanischen Städten auf und ließ diese dann stilllegen oder durch Busse ersetzen.


Aus "Mobilitätswende ist mehr als Verkehrswende", im: Handelsblatt Business Briefing am 11.10.2019 (S. 2)
Wie können zehn Milliarden Menschen ökologisch verträglich mobil sein? Dafür sind radikal neue Konzepte erforderlich. Kluge Kommunen bringen schon heute 60 Prozent des Berufsverkehrs aufs Fahrrad. ...
Damit Material-, Energie- und Raumbedarf und deren negative ökosoziale Effekte nicht rasant steigen, muss eine Mobilitätswende her, die viel umfassender ist, als Millionen E-Autos vom Band rollen zu lassen oder den Verkehr digital besser zu regeln. Das erfordert grundsätzliches Umschwenken: vom Straßen- zum schienengebundenen Verkehr, von individueller Autodominanz zu mehr kollektiver Mobilität mit viel mehr Raum und Sicherheit für Fahrradfahrer und Fußgänger. Es geht zudem um grundlegend neue Geschäftsmodelle bei Transport und Logistik, um weniger Flugverkehr und völlig neue Entwicklungskonzepte für Städte und den ländlichen Raum. ...
„Wie Stadtentwicklung und Mobilität aktiv nachhaltig gestaltet werden können, zeigt kluge Mobilitätspolitik in Skandinavien, den Niederlanden und Österreich.“ Amsterdam, Oslo, Kopenhagen, Stockholm, Wien und andere Städte sorgten gleichermaßen für soziale Gerechtigkeit, hohe Lebensqualität, funktionierende öffentliche Räume, Klimaschutz und Ästhetik. In Stockholm gelte das zwar erst für die Innenstadt, noch fehle die Anbindung des Umlands, aber erste Schritte seien getan, bestätigen dortige Journalisten. Die Städte seien überzeugt, dass Mobilität wie Trinkwasser zur staatlichen Daseinsvorsorge gehöre, sagt Rammler. „Die Erfolgskombination besteht aus dichtem Fahrradwegenetz, eng getaktetem öffentlichem Personennahverkehr und kollektiven digitalisierten E-Mobilitätsangeboten.“ Den ÖPNV ergänzten private oder öffentliche digitale Mobilitätsanbieter und Sharingangebote. Stehe dies Angebot, könnten Kommunen durch emissionsabhängiges Parkmanagement, Städtemaut oder anderes den Autoverkehr regulieren. „Urbane Mobilität kann dauerhaft nur nachhaltig sein mit einem leistungsfähigen kollektiven Verkehr und starker Förderung des Zweirads als total unterschätzter Verkehrstechnologie für Personen und Güter.“ Denen, die Radfahren nur als Schönwetteroption betrachten, ruft Rammler zu: „Kopenhagen hat geschafft, 60 Prozent des Berufs- und Ausbildungsverkehrs morgens und abends aufs Fahrrad zu bringen – trotz Regen und Wind!“
Für den ländlichen Raum sei die Trias aus öffentlichem Verkehr, digitaler E-Mobilität und Fahrrad ebenfalls machbar. Die Abkehr von der erzwungenen Automobilität auf dem Land benötige jedoch mehr Zeit und erfordere von den Kommunen für die lokalen Gegebenheiten und Bedürfnisse maßgeschneiderte Mobilitätskonzepte. ...
Eine Mobilitätswende bedeutet auch andere Flächennutzungen. Die meisten Flächen in Städten sind neben den Gebäuden die Straßen und Parkplätze, obwohl Autos 23 Stunden täglich nutzlos herumstehen. Das ist nicht nur überaus ineffizient, sondern versiegelt Böden, heizt Städte auf und verstärkt Überflutungen. ...
Die Verkehrsfläche aber steigt seit 2012 deutlich an. Die geplanten Prämien für neue Elektrofahrzeuge werden die Nachfrage nach Verkehrsleistungen nicht verringern und diese nicht vom Wirtschaftswachstum entkoppeln – was die 2018 aktualisierte Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie aber eigentlich vorsieht. ...
Vielleicht fehlt es der Branche an Vorstellungskraft und Unternehmertum. Und vielleicht bieten Hersteller eines Tages etwas ganz anderes als Autos. Wer meint, der Gedanke sei absurd, schaue sich Peugeot an: Diese Firma entspringt einer Ölmühle und einer Gerberei, und bis heute prangt die Marke auf erstklassigen Pfeffermühlen.


Aus "Wider den Fetisch Auto. Warum die Zeit des Automobils vorbei ist - Essay", in: Politik und Zeitgeschichte 43/2019
Das Auto ist, wie das Messer, das Gewehr und der schwere Stein, ein potenzielles Mordinstrument, aus dem ein reales wird, sobald vorsätzliche Raserei mit Todesfolge gerichtlich als Mord eingestuft wird, wie dies in jüngerer Zeit immerhin vorkommt. ...
Es erstaunt, dass der triftigste Maßstab, der bei der Beurteilung des Automobils anzulegen ist, in der öffentlichen Debatte praktisch nicht zur Sprache kommt: die unmittelbaren, nachweisbaren Schäden für Leib und Leben der Menschen, unbeteiligter inbegriffen. Die Statistik spricht eine deutliche, außerordentlich brutale Sprache: Seit 1950, seit überhaupt regelmäßig Zahlen erhoben werden, kamen auf deutschen Straßen mehr als 780.000 Menschen ums Leben; das sind mehr, als Frankfurt am Main Einwohner hat. Ein Höchststand wurde im Jahr 1970 mit mehr als 21.000 Toten erreicht; seither sind die Zahlen, mit wenigen Ausschlägen, rückläufig, mittlerweile haben sie sich bei rund 3.300 pro Jahr eingependelt – immer noch die Einwohnerzahl eines größeren Dorfs. ...
Jährlich und durchschnittlich werden in Deutschland mehr als 2,5 Millionen Straßenverkehrsunfälle erfasst, bei denen rund 300.000 Personenschäden auftreten. ...
o schon ein Tempolimit, das Deutschland, wie Nordkorea, als eines der wenigen Länder der Erde auf den Autobahnen faktisch nicht hat, als Freiheitsberaubung gilt, da kann man Fahrverbote vollends vergessen, selbst wenn in den dafür vorgesehenen Bereichen bald der Erstickungstod droht. Eingriffe in die freie Fahrtmöglichkeit für freie Bürger gelten hierzulande als Menschenrechtsverletzungen. ...
Der Atmosphärenchemiker Johannes Lelieveld schätzt, dass allein in Deutschland jährlich ungefähr 100000 Menschen aufgrund der Feinstaubbelastung vorzeitig sterben und im Durchschnitt 17 Lebensjahre verlieren. Daran sind nicht nur die Kraftfahrzeuge schuld; aber es wäre nur vernünftig, den Autoverkehr als einen wichtigen Posten einzubeziehen, wenn die Luft sauberer und das Klima besser werden sollen.


Aus "Studie über teure Autos: Auto statt Altersvorsorge", in: taz, 26.1.2022
Fehlende Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen spiegeln die Freie Fahrt für Freie Bürger wider, und „frei“ ist hier wie im Alten Rom als wohlhabend zu verstehen. Wer sich ein schnelles Auto leisten kann, hat auch ein Interesse daran, dass es kein Tempolimit gibt.

Anti-Chauvi-Spruch zum Thema Auto: Männer fahren besser - mit Bus und Bahn
(geklaut von einem Buchtitel - aber einfach schön)


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