PATRIARCHAT, KAPITAL UND GESELLSCHAFTLICHE REPRODUKTION VON SEXUELLER GEWALT
Ausblick
Was ist Patriarchat? ● Strukturen und Gewalt ● Ausblick ● Modernisiertes Patriarchat ● Paviane beenden Patriarchat
In den anderen Kapiteln ging es darum, zu verdeutlichen, dass Patriarchat und Kapitalismus sich gegenseitig durchdringen und gemeinsam die Unterdrückung und Ausbeutung von Frauen ab sichern und bedingen.So ist z.B. die geschlechtliche Arbeitsteilung konstitutiv für die ungleiche Macht- und Ressourcenverteilung in einem kapitalistischen System. Zugleich aber auch bindet sie Frauen an Männer, macht sie in weiten Teilen ökonomisch abhängig. Rechtliche und moralische Regelungen und Normen erhöhen und stärken diese Bindung.Verbunden hiermit ist zugleich eine Abwertung weiblicher Erwerbsarbeit wie auch der geleisteten Reproduktionsarbeit. Indem das Patriarchat Frauen den Status des "schwächeren" Geschlechts zuweist, kann die ökonomische Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft auf die Spitze getrieben werden.Die Unterdrückung und Ausbeutung von Frauen erfolgt also in doppelter Weise: einerseits als Objekte männlicher Verfügungsgewalt, andererseits als Hausfrauen und Lohnarbeiterinnen durch das Kapital. Weiterhin sind Frauen aus dem Trikont zudem der imperialistischen Ausbeutung durch die Industriestaaten unterworfen. Weiter haben wir gezeigt, dass sexuelle Gewalt konstitutiv für den Erhalt der bestehenden Gesellschaftsordnung ist.
Für uns resultiert daraus für den Kampf gegen sexuelle Gewalt, dass er nicht auf der Symptomebene stehen bleiben darf, sondern, um Aussicht auf Erfolg zu haben, gegen die Wurzeln gerichtet sein muss: Wer sexuelle Gewalt effektiv bekämpfen will, muss dies mit antipatriarchaler und antikapitalistischer Stossrichtung tun.
Weiter resultiert für uns aus dem Gezeigten, das sich die Linke nicht erneut auf den Holzweg "Hauptwiderspruch" Kapital-Arbeit, mit dessen Überwindung das Patriarchat ebenfalls überwunden ist, einlassen darf. Der Kampf für eine bessere Welt kann mit Erfolg nur umfassend und nicht nacheinander geführt werden.

Für uns resultiert daraus für den Kampf gegen sexuelle Gewalt, dass er nicht auf der Symptomebene stehen bleiben darf, sondern, um Aussicht auf Erfolg zu haben, gegen die Wurzeln gerichtet sein muss: Wer sexuelle Gewalt effektiv bekämpfen will, muss dies mit antipatriarchaler und antikapitalistischer Stossrichtung tun.
Weiter resultiert für uns aus dem Gezeigten, das sich die Linke nicht erneut auf den Holzweg "Hauptwiderspruch" Kapital-Arbeit, mit dessen Überwindung das Patriarchat ebenfalls überwunden ist, einlassen darf. Der Kampf für eine bessere Welt kann mit Erfolg nur umfassend und nicht nacheinander geführt werden.
- 1 BROCKHAUS, Ulrike / KOLSHORN, Maren: "Sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Jungen Mythen, Fakten, Theorien", Frankfürt (Main) / New York 1993, S.98f.
- 2 PEIKERT-FLASPÖHLER, Christa: "Sexismus", in: Wisniewski, Roswitha / Kunst, Hermann (Hg.): "Handbuch für Frauenfragen. Zur Stellung der Frau in der Gegenwart. Ursachen, Analysen, Anregungen", Bonn 1988, S.471f.
- 3 HEILIGER, Anita / ENGELFRJED, Constance: "Sexuelle Gewalt. Männliche Sozialisation und potentielle Täterschaft", Franfurt (Main)/New York 1995, S.58.
- 4 HEILIGER, Anita / ENGELFRIED, Constance: "Sexuelle Gewalt. Männliche Sozialisation und potentielle Täterschaft", Franfurt (Main)/New York 1995, S.75
Einige Abschnitte auf diesen Seiten stammen aus dem Reader "Mein Körper gehört mir!" der OLLAfA Göttingen, 1996, S. 4-7, entnommen ++ Text als .rtf
Text „Frauenbefreiung“: Wer muss hier wen befreien? (von Rosa Zora), aus: Tacheles Nr. 19
Die Befreiung der Menschen von Geschlechterrollen permanent als Frauenbefreiung zu betiteln, ist eine Self-Fulfilling Prophecy. Wenn Cis-Männer es nicht schaffen, die Befreiung von ihrer eigenen Rolle im Patriarchat als maßgeblich und für revolutionäre Veränderung unabdingbar zu begreifen, können wir nicht gemeinsam kämpfen. Das Wort „Frauenbefreiung“ impliziert ja schon, dass sich Frauen entweder selbst befreien oder aber von Männern befreit werden müssen. Es reproduziert unreflektiert die Binarität von Geschlecht, macht Trans-Identitäten unsichtbar und legt die komplette Last der revolutionären Kämpfe und Veränderungen auf die Schultern derer, die bereits die gesamte Last für die Erhaltung der Gesellschaft tragen. Wir können und wollen nicht alles für euch erledigen!
Wir können nicht gleichzeitig für euch kochen, putzen, waschen, Kinder gebären und großziehen, aufpassen dass ihr euch nicht gegenseitig umbringt, euch das Gefühl geben, dass ihr wertvoll seid, eure Streits schlichten, euer Ego polieren, aufpassen, dass ihr uns und unsere Kinder nicht umbringt, Geld verdienen, um von euch unabhängig zu sein und dann auch noch für euch Revolution machen. Cis-Männer müssen endlich lernen, selbständig zu sein, sich um sich und auch andere zu kümmern.
Ja, die Befreiung von den Geschlechterrollen ist die Grundlage für ein besseres Leben für alle. Aber Frauenbefreiung allein wird das Patriarchat nicht zu Fall bringen. Die Männerbefreiung ist jetzt dran. Befreit euch von der fucking Gewalt. Befreit euch von eurer Unsicherheit, die ihr mit Macht überspielt. Befreit euch davon, Vergewaltiger zu sein, befreit euch von der Vorstellung, ihr hättet ein Recht auf Sex. Befreit euch davon, Herrscher sein zu wollen und andere herumzukommandieren. Lernt zu kommunizieren, Angst zu haben, Kompromisse zu machen. Zu verhandeln, statt zu kämpfen, nachzugeben, nachsichtig zu sein, euch zu entschuldigen, Fehler zuzugeben, Geduld zu haben. Befreit euch davon, zu denken, ihr hättet das Recht, andere wie Scheiße zu behandeln, nur weil ihr euch elendig fühlt und nicht mit euren eigenen Gefühlen umgehen könnt.
Wir sind frei, es gibt so viele Entwürfe von Weiblichkeit, wie es FLINTA gibt. Es gibt so viele Ideen von Geschlecht, wie es Menschen gibt, die bereit sind zuzulassen, dass Geschlecht nicht binär ist, sondern vielfältig und bunt. Es gibt so viele unterschiedliche Entwürfe von Maskulinität, wie sie von Trans-Männern, non-Binarys, Lesben und allen anderen Queers geschaffen wurden. Wo bleiben eure Vorschläge? Was für Männer wollt ihr sein? Wir brauchen keine Allies, die unsere Forderungen lauter brüllen können als wir selber. Wir brauchen Freunde, die sich mit aller Kraft gegen das Patriarchat stellen. Die laut und bunt und liebevoll sind. Die sich weigern, zu vergewaltigen. Die sich weigern, in den Krieg zu ziehen. Die sich weigern, Queers, Frauen, Kindern und anderen Männern Gewalt anzutun. Und die mit männlicher Komplizenschaft brechen. Macht euch stark gegen Unterdrückung, seid unsere Freunde und nicht unsere Feinde. Befreit euch jetzt selbst – wir können nicht alles für euch machen.
