Projektwerkstatt

2009: BESETZEN, BEFREIEN, GEGENSAATEN

AgroBioTechnikum (besetzt am 3.4.2009)


1. Vorgeplänkel
2. 13. März: Biotechfarm in Üplingen
3. AgroBioTechnikum (besetzt am 3.4.2009)
4. Dreileben: Versuchsfeld der KWS (ab 15.4.2009)
5. Braunschweig: Veranstaltungsreihe, Besetzung und Mahnwache (ab 11.4.2009)
6. Gegensaaten
7. Zusammenfassung: Aktionen hier, Jammern und Hetzen dort
8. Feldbefreiungen
9. Mehr Aktionen
10. Links und Materialien


Der Aufruf am 3.4.2009: Versuchsfeld des Agrobiotechnikums besetzt
Das Agro-Biotechnikum in Lüsewitz bei Rostock wurde in der Nacht vom 2. auf den 3. April besetzt. Leider wurde die Besetzung noch am Abend geräumt. Die Aktivisten sehen die Feldbesetzung nur als Anfang einer längeren Kampagne gegen Gensaat und das Agrobiotechnikum.

Erneut Genfeld besetzt
Letzte Nacht haben unabhängige Aktivist_innen ein Versuchsgenfeld bei Groß Lüsewitz (nahe Rostock) besetzt, um die Aussaat genetisch manipulierter Organismen zu verhindern. Mit dieser direkten Aktion leisten sie Widerstand gegen die gefährliche und nur an Profiten orrientierte Grüne Gentechnik. Groß Lüsewitz ist bundesweit einer der wichtigsten Versuchstandorte für Grüne Gentechnik. Dieses Jahr sind hier mehrere Versuche mit Kartoffeln, Zuckerrüben, Weizen, Gerste und Petunien geplant. Einige der Versuche wurden aus anderen Gegenden hierher verlegt, nachdem sich dort letztes Jahr direkter Widerstand formierte. Offenbar hofften die BetreiberInnen (Agrobiotechnikum in Groß Lüsewitz, Uni Rostock, BASF, Uni Gießen) hier ihre Pläne ohne Störungen realisieren zu können. Aber sie irren sich...
Die AktivistInnen sind mit Betonfässern, an denen sich einige von ihnen anketten wollen, und einem schwer zu räumenden Turm gut auf eine mögliche Räumung vorbereitet. Aber auch mehrere Zelte und eine improvisierte Küche stehen inzwischen auf dem Feld. Die AktivistInnen werden die Besetzung nicht beenden, bevor die Aussat verhindert wurde - es sei denn, es gelingt der Polizei die Aktion mit Gewalt zu zerschlagen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass diese immer wieder im Sinne privatwirtschaftlicher Unternehmen gegen die eigene Bevölkerung agiert.
Die Besetzer_innen verstehen das neugegründete Anti-Gentechnik-Camp als Offenen Raum, in dem sich alle gleichberechtigt gemäß ihren Fähigkeiten und Bedürfnissen einbringen können. JedeR ist aufgerufen sich an der Besetzung aktiv zu beteiligen.
Die Argumente der BesetzerInnen sind vielfältig. Unter anderem weisen die Aktivist_innen darauf hin, dass sich manipulierte Organismen in die Natur auskreuzen können. Die ökologischen Folgen wären fatal. Jemand ergänzt: "Die gesundheitlichen Langzeitfolgen beim Konsum genetisch manipulierter Nahrung sind ungeklärt. Studien gelangten zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen." Noch schlimmer finden einige die wirtschaftliche Abhängigkeit der Landwirte, die durch gentechnisch verändertes Saatgut massiv zunimmt. "Dies geschieht einerseits durch die Patente auf bestimmte Pflanzen - Leben wird so zum Eigentum von Konzernen erklärt. Zum anderen verhindert Hybridtechnologie, dass Menschen ihr eigenes Saatgut produzieren können.", erklärt B. Setzer, eine der AktivistInnen. Ein anderer Gentechnikgegner fügt an: "Gentechnik ist schlicht überflüssig um das globale Hungerproblem zu lösen - es werden weltweit mehr Nahrungsmittel produziert, als zur Ernährung der Weltbevölkerung notwendig ist. Der Diskurs um Gentechnik als Lösung für das Hungerproblem soll verschleiern, dass wir es mit einem weltweiten Verteilungsproblem zu tun haben."
Aus diesen und anderen Gründen ist eure Unterstützung notwendig!

Groß Lüsewitz liegt 20km östlich von Rostock. So erreicht ihr die Besetzung: Auf der B110 Richtung Sanitz. Kurz vor Groß Lüsewitz links nach Sagerheide abbiegen. Auf der rechten Seite könnt ihr uns schon sehen.
Oder mit dem Zug auf der Strecke von Rostock nach Tessin in Groß Lüsewitz aussteigen, zur B110 gehen und Richtung Sargerheide abbiegen. Auf der rechten Seite könnt ihr uns schon sehen.
Was wir immer brauchen können: Sachspenden aller Art: Lebensmittel (am liebsten bio und vegan d.h. rein pflanzlich), Kerzen, Feuerholz, Decken, Stroh, uvm. Aber auch Orte um Trinkwasser auffüllen und Handys zu laden oder zu duschen wären schön!

Presseressonanz auf die Feldbesetzung

Weitere Informationen
Ständig aktualisierte Informationen dazu gibt es hier:

Hintergrundinformationen gibt es hier:

4.4.2009 Feldbesetzung geräumt
Dazu wieder die Presseinformation der Besetzer*innen:

Besetzung des Versuchfelds in Groß-Lüsewitz beendet
Die Besetzung einer Versuchsfläche im Agrobiotechnikum in Groß-Lüsewitz bei Rostock ist gestern abend gegen 21 Uhr zu Ende gegangen. Nachdem vier Aktivisten bereits am Nachmittag von einem dreibeinigem Turm heruntergeholt worden waren oder selbst herunter geklettert waren, gelang es der Polizei am Abend, vier weitere Gentechnikgegner, die sich an zwei Betonfässern festgekettet hatten, freizubekommen. Dabei ging sie außerordentlich rabiat gegen diese vor. „Die Polizei vor Ort hatte die Möglichkeit, ein technisches Team von weiter her anzufordern, hat sich jedoch dagegen entschieden“, so einer der Besetzer. „So war die Räumung sehr schmerzhaft. Wir hatten Hautabschürfungen an den Händen, als wir freikamen.“
Insgesamt 13 Personen wurden festgenommen, darunter auch eine Minderjährige von 11 Jahren. Ihr Vater wurde unter dem Vorwand, diese abholen zu können auf die Polizeiwache geladen, dort aber nicht zu ihr vorgelassen, sondern stattdessen ED-behandelt. Eine weitere Aktivistin, die sich von der Feuerwehr von dem Turm hatte holen lassen, musste fünf Stunden mit dem Rohr am Arm auf der Polizeiwache ausharren. Ihrem Wunsch nach etwas Wasser oder etwas zu essen kam die Polizei nicht nach. Inzwischen sind alle Aktivisten wieder frei. Das Agrobiotechnikum erhebt gegen sie Anklage wegen schwerem Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung.
Die Gentechnikgegner hatten in den frühen Morgenstunden des 3. Aprils 2009 ein Feld des Agrobiotechnikums besetzt, um die Aussaat gentechnisch manipuliertem Saatguts zu verhindern. Derzeit läuft auf dem Gelände ein Überwinterungsversuch von Kartoffeln, zwei weitere Kartoffelversuche sind für dieses Frühjahr geplant. Auch gentechnisch veränderter Weizen, Gerste, Zuckerrüben und Petunien sollen ausgebracht werden. Vorallem Zuckerrüben können sich über extrem weite Entfernungen – von bis zu 10 Kilometern – auskreuzen.
Besonders problematisch finden die Feldbesetzer die geplante Freisetzung von Pharmapflanzen, unter ihnen eine Kartoffelsorte, die Gene des Cholera-Bakteriums in sich trägt. Aus ihr soll ein Impfstoff gegen diese Krankheit entwickelt werden. Andere Kartoffeln sollen einen Impfstoff gegen die Kaninchenseuche RHD produzieren.
Lüsewitz ist ein traditioneller Züchtungsstandort für Kartoffeln. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Agrobiotechnikum befindet sich zudem eine Saatgutbank für diese Gewächse sowie die Flächen, auf denen das dort gelagerte Saatgut in regelmäßigen Abständen angebaut wird, um es keimfähig zu halten. „Gerade hier mit gentechnisch veränderten Pflanzen Freisetzungsversuche zu machen legt die Absicht der Gentechnikindustrie offen: Es geht darum, Saatgut durch Auskreuzung zu verunreinigen und alte, traditionelle Sorten zu gefährden“, erklärt Johanna Rehse, eine der Feldbesetzer.
Der Ort der Besetzung ist genau gewählt: Hier finden dieses Jahr nicht nur gebündelt mehrere Freisetzungsversuche statt, sondern hierhin fließen auch beträchtliche Fördersummen: „Es besteht die Vermutung, dass es hier weniger um Forschung als primär um Imagepflege für die Gentechnik und das Abgreifen von Fördergeldern in Millionenhöhe geht“, so Rehse.
Ab Montag soll auf dem Grünstreifen vor dem Feld eine Mahnwache abgehalten werden. Weitere Aktionen sind noch in der Planung.

Weitere Informationen unter:

Nach der Feldbesetzung ist vor der Kampagne
Presseinfo am 6.4.2009: GenfeldbesetzerInnen geben nicht auf
Am Freitag, 03. April 2009, hatten Gentechnik-Gegner ein Versuchsfeld des Agro-Biotechnikums besetzt. Erst in den Abendstunden konnte die Besetzung auf Weisung des Agrobiotechnikums von der Polizei geräumt werden. Die AktivistInnen sehen in dieser Aktion den Beginn einer längeren Kampagne. Ab Montag, 06. April 14:00 Uhr, ist eine Mahnwache auf dem Spielplatz in Sagerheide direkt an den Versuchsfeldern angemeldet. Johanna Rehse beschreibt ihre Motivation: „Genpflanzen kreuzen unkontrolliert in die Natur aus. Einmal ausgebracht, sind sie nicht mehr rückholbar. Die Agro-Gentechfirmen wollen durch die Genmanipulation bestimmen, was ich essen soll. Diesem Zwang werde ich mich nicht beugen. Ich möchte selber bestimmen, was ich esse!“ Zwang hat die Aktivistin auch bei ihrer Räumung am Freitag erlebt. Gewaltsam wurde sie aus einem Betonfass gelöst und dabei an der Hand verletzt. Doch sie lässt sich nicht entmutigen.
Mit Bannern und Infomaterial wollen die AktivistInnen darauf aufmerksam machen, dass Gentechnik unkontrolierbar ist und zu Abhängigkeit führt. Kleinbauern können sich häufig die Saatgut-Lizenzen nicht leisten und müssen so um ihre Existens bangen. Außerdem führen großflächige Monokulturen zu einem Rückgang der Artenvielfalt.
Der Molekularbiologe Frederik Vath erklärt: „Zum Beispiel brauchen die gentechnisch veränderten herbizid-resistenten Roundup-Ready-Pflanzen langfristig mehr Spritzmittel, da ähnlich wie bei Bakterien auch Unkräuter Resistenzen gegen Roundup ausbilden.“ Er lädt am Donnerstag, 09. April 2009 um 15 Uhr zu einem Vortrag an die Mahnwache ein. Darin wird es unter anderem um die verschiedenen Anwendungsgebiete der Gentechnik, ihre Geschichte und die Argumente der Kritiker gehen.
Doch auch an anderen Tagen sind Besucher gerne an der Mahnwache gesehen. „Wenn wir unseren Protest nicht mehr auf dem Feld ausleben könne, machen wir es eben davor. So schnell lassen wir uns nicht klein kriegen.“ So eine der BesetzerInnen. Tag und Nacht erklären die Aktivisten bis Donnerstag bei Kaffee und Tee gerne unter anderem, warum sie gegen die Aussaat des Gen-Weizens sind, der gegen Flugbrand resistent sein soll. „Es gibt bereits mehrere handelsübliche Weizensorten, die resistent gegen Flugbrand sind. Hier werden völlig unnötig Risiken in Kauf genommen, denn immer wieder tauchen bei gentechnisch veränderten Pflanzen unerwartete Nebenwirkungen auf.“„Außerdem sind diese Versuche schon erfolglos in der Schweiz gelaufen. Ich habe den starken Verdacht, dass es hier nicht um Ergebnisse, sondern vor allem um das Abgreifen von Fördergeldern geht.“ Mit einem Getreide-Ratespiel, einer Banner-mal-Station und anderen Attraktionen wollen sie die Menschen in der Region neugierig machen und sie dazu ermutigen selbst aktiv zu werden.
Zudem möchten sie eine ortsansässige Familie unterstützen, die auf ihrem eigenen Gelände eine Gegensaat plant. Ein Gen-Gerstenversuch, der aufgrund starken Protestes in Gießen nicht durchführbar war, soll nun hier stattfinden. Dagegen spricht sich die Familie aus, um die genannten und verlagerten Gefahren von den Menschen und der Natur fern zu halten. Durch das Aussähen von biologischer Gerste soll auch hier der Gen-Gerstenversuch verhindert werden. Die Bürger Initiative Rostocker/ Güstrower Land Gentechnikfrei lädt für den 19.4.09 öffentlich ein die Gerste auszusähen. Die AktivistInnen freuen sich über Unterstützung bei der Bodenbearbeitung am Mittwoch den 8.4.09. Treffen ist um 17 Uhr an der Mahnwache.

Indymediaartikel zur PM

Ab 6. April: Mehr Aktion am AgroBiotechnikum Auf ganzer Seite
Bericht auf Indymedia


Gentechnik kritisches Osterwochenende
Weitere Presseerklärung am 8.4.2009 zu Folgeaktionen:

Mahnwache gegen die Versuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen am Aggrobiotechnikum Groß Lüsewitz, nähe Rostock, verlängert.
Die Mahnwache gegen die Versuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen am Aggrobiotechnikum Groß Lüsewitz geht weiter. Bis zum 20.04.2009 wird dort weiter über Gentechnik und die Machenschaften der Gentechnikfirmen diskutiert. Über die Osterfeiertage werden vielfältige, bunte Aktionen und Veranstaltungen stattfinden um gegenseitige Information auszutauschen, sich zu vernetzen und um Öffentlichkeit zu schaffen.
Die Mahnwache befindet sich direkt am Rande des Ackers in Sagerheide, der am 03.04.2009 von GentechnikkritikerInnen besetzt wurde. Schon seit Anfang der Woche tauschen die AktivistInnen Informationen über die Versuche mit AnwohnerInnen aus und diskutieren über Risiken und Nebenwirkungen der Agrogentechnik. „Die letzten Tage waren schon recht gut besucht, aber über Ostern erhoffen wir uns noch wesentlich mehr Besuch, deswegen haben wir uns auch ein Programm für groß und klein ausgedacht.“ So …….
Zu den Programmpunkten der nächsten Tage gehören Schnupperklettern – gesichert hoch in die Baumwipfel, Anti-Gentech-Schilder Basteln für den Vorgarten und die Bodenbearbeitung der anwohnenden Familie für die Gersteaussaat am 19.4.09. Hier soll biologische Gerste ausgesäht werden, die in direkter Nähe zu der Gen-Gerste, die von der Universität Gießen angebaut werden soll, stehen. Zudem wird es am Samstagabend eine Infoveranstaltung des Molekularbiologen Frederik Vath „Sackgasse Agrogentechnik“ geben, sowie am Sonntagabend eine Bildershow „Felderbesetzen 2008 & 2009“ mit vielen Kurzfilmen zu Aktionen rund um Gentechnik.
Die Osterfeiertage werden mit einem netten Osterbrunch und einem Osterspaziergang eingeleitet und am Montag mit der GENiale – eine Ralley rund ums Feld und um Gentechnik zu Ende gehen.
Rückblick: Der Widerstand gegen die Agrogentechnik ist schon seit Jahren konstant. Nachdem es in den Neunziger Jahren schon viele Feldbesetzungen gab, gewann in den letzten Jahren diese Aktionsform wieder an Bedeutung. Mit einigen erfolgreichen Feldbesetzungen konnte bereits im letzten Jahr die Gentechniklobby massiv unter Druck gesetzt werden. Hart getroffen hat es dieses Jahr bereits Kerstin Schmidt, eine der Hauptakteurinnen im Gentechnikfilz. Als Geschäftsführerin der BiotechFarm in Üplingen und Multiunternehmerin im Agrobiotechnikum musste sie dieses Jahr bereits zwei Feldbesetzungen über sich ergehen lassen. Trotz der schnellen Räumungen an beiden Standorten laufen die Aktivitäten der GentechnikkirtikerInnen vor Ort weiter. In Üplingen ist ein Aktionswochenende mit öffentlicher Feldbesetzung vom 17.-19.4.09 angekündigt. In Sagerheide läuft die Mahnwache noch bis zum 20.04.09.

  • Samstag, 11.04.
    • Ab 11 Uhr angeleitetes Klettern auf Bäumen, Anti-Gentech-Schilder basteln, Umgraben für Gersteaussaat am 19.4.
    • 15 Uhr Kaffee und Kuchen (gerne auch mitbringen)
    • 18 Uhr Grillen ohne Fleisch
    • 20 Uhr Vortrag: Sackgasse Agrogentechnik
  • Sonntag, 12.04.
    • 12 Uhr Osterbrunch
    • 14 Uhr Osterspaziergang rund ums Feld
    • 15 Uhr Kaffe und Kuchen (gerne auch mitbringen)
    • 20 Uhr Bildershow zu Feldbesetzung 2008 & 2009
  • Montag, 13.04.
    • 14 Uhr Die GENiale – GEN Ralley rund ums Feld

Spätere Ereignisse


FDP hetzt gegen AktivistInnen (8.4.2009)
Die Bundesregierung ist aufgefordert, sich nicht durch teilweise kriminell handelnde Aktivisten und die von ihnen organisierten Demonstrationen, ob in München, Üplingen oder Groß Lüsewitz, beeinflussen zu lassen. Kriminelle Handlungen haben keinerlei Rückhalt bei den Menschen im Land.

Presseinfo zum Stand der Dinge an Ostern 2009

Aus der Mahnwache am Genversuchsfeld bei Groß Lüsewitz (12.4.2009)

FeldbesetzerInnen fordern: Der Agro-Gentechnik den Todesstoß versetzen!
Erstes Genversuchsfeld nahe Rostock ausgesät – Proteste halten an!
Polizei und WachschützerInnen patrouillieren entlang des kilometerlangen Zaunes. Irgendwo auf der weiten Flur ist eine kleine Fläche mit Vogelschutznetz und Kaninchendraht gesichert: Genetisch veränderter Weizen soll hier stehen – das erste Feld der neuen Saison. Am 3. April hatten GentechnikgegnerInnen dieses Feld nahe dem Dorf Sagerheide noch besetzt gehalten. Dann kam die Polizei und räumte die Fläche frei für die VersuchsbetreiberInnen aus dem nahegelegenen Dorf Groß Lüsewitz. Dort steht das Agrobiotechnikum, ein mit vielen Millionen Steuergeldern hochgezogenes Gründerzentrum für Gentechnik in der Landwirtschaft. Doch die AktivistInnen setzten nach und errichteten eine Mahnwache direkt am Zaun, der diesen wichtigsten Genversuchsstandort in Deutschland umgibt. Seitdem sind die Felder zum Austragungsort des Streites um die grüne Gentechnik geworden.

Weitere Aussaaten stehen unmittelbar bevor!
In den kommenden drei Wochen werden die meisten weiteren Felder mit gentechnisch veränderten Pflanzen angelegt werden. Selbst wenn der im letzten Jahr noch kommerziell genutzt MON810-Mais durch die Landwirtschaftsministerin verboten werden sollte, bleibt für die GentechnikkritikerInnen viel zu tun: KWS, Bayer, BASF, etliche Kleinstfirmen und Uni-Institute wollen riskante Experimente mit Kartoffeln, Gerste, Weizen und Petunien durchführen. Auf diesem Höhepunkt der Auseinandersetzung rufen die AktivistInnen zu einem Aktionswochenende (17. bis 19. April) auf – gleichzeitig an vielen Feldern und vor Firmen! Die Kritik richtet sich gegen die Gentechnik, aber auch gegen andere Formen der Industrialisierung von Landwirtschaft. Geplant sind Maistausch und Gegensaaten in Bayern, Besetzungen in Üplingen (Genfeld) und Alt Tellin (Ferkelmastanlage) sowie Fahrraddemonstration und Firmenbesuch bei der KWS in Einbeck. "Es wird Zeit, dass sich die bestehende gentechnikkritische Mehrheit auch dort zeigt, wo die Entscheidung fällt: An und auf den Feldern, vor und in Behörden und Firmen", hoffen die AktivistInnen, die auch über Ostern ihre Mahnwache und Aktionen an den Genfeldern nahe Groß Lüsewitz fortsetzen. Allein auf ein Verbot der Gentechnik durch die Bundesregierung wollen sie sich nicht verlassen. Selbst wenn es käme, würden Behörden, Konzernen und Lobbyverbänden weiter an ihrem Ziel festhalten, die Gentechnik überall zu verbreiten. Zwischen ihnen bestehen enge Seilschaften, so dass Genehmigungen und Gelder im Interesse der Gentechnikfirmen vergeben würden. Außerdem liefen gerade die riskanten Freisetzungsversuche in Üplingen, Groß Lüsewitz und die Versuche auf Konzernflächen auch dann weiter, wenn der Genmais verboten würde. Mit Millionengeldern wird dort die Forschung an Nahrungs- und Energiepflanzen vorangetrieben. "Es ist völlig absurd", schimpfen die GentechnikgegnerInnen. "Die Ministerin überlegt, Gentechnik zu verbieten und startet gleichzeitig im eigenen Ministerium die Förderung der biotechnologischen Entwicklung von Energiepflanzen!" Die grüne Gentechnik werde nur dann dauerhaft verschwinden, wenn sie nicht mehr durchsetzbar ist gegen die Menschen. Die müssen wieder lernen, sich zu wehren. Das Wochenende vom 17.-19. April könnte dazu ein guter Anfang oder weiterer Höhepunkt sein. Die verschiedenen Aktionen sind auf der Seite zusammengestellt.

Nach der Mahnwache ...
Mysteriöses tat sich Mitte Mai. Die BILD-Zeitung meldete sich bei Personen aus dem Umfeld der Besetzung. Sie hatte erfahren, dass die Versuchsfelder zerstört wurden. Recherchen ergaben nichts - nirgendwo tauchte die Meldung auf und auch die VersuchsbetreiberInnen machten nichts öffentlich. Eine Ente? Als in den Wochen danach weitere Berichte über Feldzerstörungen auftauchten (an anderen Orten), und auch dort nie irgendwelche Informationen (außer z.B. BekennerInnenschreiben) nach außen drangen, machte alles den Eindruck einer einheitlichen Strategie: Totschweigen. Gentechnik im Dunkeln weiterführen. In der Tat - so war es auch am AgroBioTechnikum. Das Geschehen vor Ort auf dem Feld war eindeutig:
  • Neue Felder wurden angelegt (waren die überhaupt genehmigt?) - offenbar als Ersatz für die Zerstörungen. Der Zeitpunkt war absurd ... es war die Ende Mai! Gerste kommt sonst Ende Februar/Anfang März in die Erde ...
  • Ende Mai standen auf den Versuchsflächen mindestens zwei mit Vogelnetzen gesicherte Flächen und ein reichlich zerzaustes Weizenfeld (25-30cm hohe Pflanzen). Angemeldet waren aber nur insgesamt zwei Flächen.
  • Rundum-Kameras wurden installiert.

Schließlich verriet eine Zeile im Standortregister: Ja, hier hatte eine Feldbefreiung stattgefunden. Sie wurde komplett verschwiegen. Die Versuche wurden neu gestartet oder werden fortan ganz simuliert (was angesichts der fortgeschrittenen Jahreszeit ohnehin ungefähr dasselbe ist). Mit Wissenschaft hat das erneut nichts zu tun, wohl aber mit viel Geld!



Illegale Felder, Strafverfahren und neue mysteriöse Informationen
Die Versuchsfelder des AgroBioTechnikums kamen nicht mehr zur Ruhe. Neben dem beschädigten Gengerstefeld wurde ein zweites angelegt - ohne jede Genehmigung. Das ist nicht nur illegal, sondern eine Straftat - bis zu 3 Jahre drohen denen, die das tun. Doch die Überwachungsbehörden blieben untätig. Erst Strafanzeigen brachte die Sache ins Rollen. 3,5 bis 4 Wochen standen zwei Gerstenfelder in der Landschaft - nur eines war genehmigt. Erst nach der Strafanzeige wurde ein Feld vernichtet. Die Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren ein. Am 1. Juli luden KritikerInnen zu einer Inspektion und informierten über weitere Verstöße gegen Sicherheitsauflagen. Zufall oder nicht - in der Nacht danach wurden offenbar mehrere der Versuchsfelder beschädigt oder ganz zerstört. Die Medienberichte aber wurden durch eine ganz andere Nachricht geprägt: Ein Wachmann sei dabei niedergeschlagen und verletzt worden. Sofort hagelte es Distanzierungen - ob von der Linken (die bislang eher durch peinliches Schweigen zu den Skandalen in Mecklenburg-Vorpommern auffiel) oder aus CDU und SPD. Doch worauf deren Annahme eines verletzten Wachmannes eigentlich basierte, ist bislang völlig unklar. Es wäre schließlich nicht das erste Mal, dass gezielte Falschmeldungen der Gentechniklobby die Skandale der eigenen sogenannten "Forschung" vertuschen soll.
  • Im Nordmagazin (NDR-Fernsehen) wird am 2. Juli 2009 eine Kurzmitteilung verlesen, nachdem nach Aussagen der Polizei ein Wachmann leicht verletzt wurde und die fünf Täter anschließend ein Genfeld mit einer unbekannten Flüssigkeit überschüttet hätten (eine bereits in sich recht krude Story)
  • Erste Meldungen über zerstörte Flächen und am Kopf verletzten Wachmann in Printmedien bzw. deren Internetseiten stellen das Geschehen bereits abweichend vom NDR dar - nämlich dass der Wachmann am 2.7.2009: Ostseezeitung ++ ddp ++ ddp nochmal und nochmal (Zitat: "schlugen sie ihn mit Fäusten und verletzten ihn leicht")
  • Extra-Seite zum Gengerstefeld und den Reaktionen auf die Zerstörung in der Nacht 1. auf 2. Juli 2009



Strafverfahren gegen BesetzerInnen!!!
Staatsanwaltschaft und Amtsgericht Rostock schützen nicht nur die GentechnikerInnen, sondern machen erstmalig in der Geschichte der Gentechnikproteste eine Anklage wegen Feldbesetzung. Nicht nur das: Am 27.1.2010 flatterten Strafbefehle bei etlichen mehr oder weniger beteiligten AktivistInnen an der Feldbesetzung im Frühjahr 2009 in Sagerheide (östlich Rostock am AgroBioTechnikum) ins Haus. Fast 20 Jahre versuchen Staatsanwaltschaften schon, Feldbesetzungen anzuklagen - finden aber keinen passenden Paragraphen. Die schon bekannt gentechnikfreundlichen Justizbehörden in Rostock machten das nun gegenteilig: Sie erließen gleich eine Art Urteil ohne jegliche Anhörung, ohne Gerichtsverfahren usw. Das dürfen RichterInnen nur, wenn sie nach Aktenlage "keine Bedenken" gegen die Verurteilung haben. Nun - die AktivistInnen werden wohl Widerspruch einlegen und dann kommt es doch zum Gerichtstermin ... irgendwann im Laufe des Jahres wird dann zu sehen sein, wieso die Rostocker Justiz "keine Bedenken" hatte und wie gut dann die Seilschaften von Uni Rostock, Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern und Rostocker Justiz zusammenhalten.

Oben: Strafbefehl ++ Unten: Bericht des Prozesstages im Rostocker Blitz


Am Ende wurden alle Verfahren eingestellt ...

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